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15. Februar
2004
US-Einheiten werden
nicht abgezogen:
Hurra, wir
bleiben besetzt!
Deutschland ist 60 Jahre nach dem
Zweiten Weltkrieg noch immer ein besetztes Land. Wer anderes
behauptet und unterstellt, die Bundesrepublik habe durch den
Zwei-Plus-Vier-Vertrag vom Jahre 1990 die volle
Souveränität erlangt, weiß es entweder nicht
besser oder lügt. Schon ein Jahr nach der Herstellung
der deutschen Einheit, während des Golfkrieges 1991,
machte die Besatzungsmacht USA wieder vollen Gebrauch vom
Besatzungsrecht, verschiffte Kriegsmaterial über den
Hafen von Emden und flog Flüge in Richtung Irak.
Daß das Grundgesetz Angriffskriege von deutschem Boden
aus strikt verbietet, störte weder in Berlin noch in
Washington.
Mit gleicher
Selbstverständlichkeit verfügte Washington auch
während des Balkankrieges 1999 und beim Angriff auf den
Irak im Frühjahr 2003 über Flughäfen,
Nachschub- und Logistikeinrichtungen in der Bundesrepublik.
Von Souveränität keine Spur.
Besetzte Länder gab und gibt es
zuhauf. Im Normalfall versuchen die Besetzten, die Besatzer
wieder loszuwerden. Das ist in den von Israel besetzten
Palästinensergebieten ebenso der Fall wie im Irak.
Daß man selbst übermächtige Besatzer wie die
USA wieder vertreiben kann, lehrt das somalische Beispiel.
Der umgekehrte - und eher seltene -
Fall ist in Deutschland zu beobachten. Hier wurden die
Besetzten von den Besatzern so gründlich umerzogen,
daß sie die Besatzer um keinen Preis wieder loswerden
möchten. Gelegenheiten dazu hätte es in den
letzten Jahrzehnten immer wieder gegeben, zuletzt im Gefolge
der transatlantischen Verstimmungen um den Irakkrieg 2003.
Washington war über die Kriegsunwilligkeit der
Deutschen so erbost, daß nicht nur deutsche Firmen
boykottiert wurden, sondern auch Vorkehrungen für einen
Abzug amerikanischer Truppen aus Germany getroffen wurden.
Neue Standorte in den neuen NATO-Ländern im Osten kamen
ins Gespräch.
Was jedes normalgebliebene Volk in
Jubelstimmung versetzt hätte, löste hierzulande
bei der politischen Kaste Entsetzen und Betroffenheit aus.
Über alle Parteigrenzen hinweg beknieten Politiker die
Amerikaner, keine Truppen aus Deutschland abzuziehen.
Vergessen, daß US-Verteidigungsminister Rumsfeld die
Krauts noch vor wenigen Monaten zusammen mit Franzosen,
Kubanern und Nordvietnamesen aufs ärgste beschimpft
hatte.
Nun gab Uncle Sam Entwarnung: 80
Prozent der in Deutschland stationierten rund 70.000
US-Soldaten werden auch künftig in der Bundesrepublik
bleiben. Keine amerikanische Garnison wird aufgelöst,
einige Standorte wie etwa der Truppenübungsplatz im
oberfränkischen Grafenwöhr sollen sogar ausgebaut
werden. Die Begründung läßt sich auch als
Verhöhnung interpretieren: in Deutschland sei ein
"sicheres und freundliches Umfeld" für die GIs
garantiert. Glückliche Sklaven, schrieb Marie von
Ebner-Eschenbach einmal, sind die ärgsten Feinde der
Freiheit.
Quelle: Nation &
Europa
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