2. März
2007

Europa zwischen
Überfremdung und "Anti-Terror-Krieg":
Rettung - aber
wie?
Von Karl Richter
Der französische
Politikwissenschaftler Alain Minc war einer der ersten, der
sich in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts eingehend
mit der neuen Unübersichtlichkeit nach dem Ende der
Blockkonfrontation auseinandersetzte. In einem seiner
Bücher prophezeite er rundweg ein "neues Mittelalter",
dem vergangenen im Zerfall staatlicher
Infrastruktureinrichtungen und in der Heraufkunft neuer,
privatkrimineller Machtgebilde nicht unähnlich.
Wirklich ist heute, am Beginn des
21. Jahrhunderts, vieles nicht mehr so einfach, wie es in
Zeiten des Kalten Krieges war. Nicht nur sind neue
Frontstellungen an die Stelle der alten getreten, vielmehr
überlappen einander alte und neue Bruchlinien in
vielfältiger Weise, schaffen ein Panorama schwer
vorhersehbarer Entwicklungen. Antworten, die ehedem leicht
fielen, sind es heute oft nicht mehr.
Kippende Mehrheiten
Zum Beispiel in puncto
Überfremdung. Offiziell leben heute rund 16 Millionen
Muslime in Westeuropa. Ethnisch gesehen, stammen die meisten
von ihnen aus der Türkei und Nordafrika. Brisanz
entfaltet der muslimische Bevölkerungsanteil vorderhand
aber weniger unter dem Aspekt der kulturellen
Überfremdung als unter dem der demographischen
Entwicklung. Weil die meisten "autochthonen"
europäischen Gesellschaften zusehends vergreisen, birgt
allein das Fortpflanzungsverhalten der islamischen
Noch-Minderheiten eine Zeitbombe. Muslimische Frauen
beginnen früher mit dem Kinderbekommen als
europäische, und sie bekommen im Schnitt deutlich mehr
Kinder. Auch ohne weitere Zuwanderung läßt sich
schon anhand des Reproduktionsverhaltens ausrechnen, wann
die Mehrheiten kippen und aus bisherigen ethnischen
Mehrheiten Minderheiten werden. In einigen westdeutschen
Ballungsgebieten wird dieser Punkt um das Jahr 2030, in
anderen um 2050 erreicht sein.
Längst hätte, um die
Gefahr zu bannen, Europa zur Festung erklärt, jeder
weitere Zuzug kulturfremder Ausländer unterbunden und
mit der aktiven Rückführung ausländischer
Bevölkerungssplitter begonnen werden müssen. Wie
jeder weiß, ist nichts von alledem geschehen. Der
schleichende Kampf an der "Überfremdungsfront" wurde
über Generationen hinweg von Medien und politischen
Parteien nicht einmal zur Kenntnis genommen; wer ihn - wie
diese Zeitschrift - thematisierte und ohne Scheuklappen
Monat für Monat dokumentierte, landete flugs in der
"rechten" Schmuddelecke.
Jene Zeiten scheinen vorbei.
Mitunter drängt sich sogar der Eindruck auf, als habe
blanke Fremdenfeindlichkeit die vielbeschworene "Mitte der
Gesellschaft" erreicht. In den Niederlanden soll das Tragen
von Burkas - des islamischen Frauenschleiers, der Gesicht
und Körper komplett verhüllt - künftig unter
Strafe stehen. Hierzulande liefern sich die
Länder-Innenminister zumindest einen Wettlauf in Sachen
Kopftuchverbot. Und in Großbritannien ist seit Anfang
des Jahres erstmals die Bevölkerung aktiv in den Kampf
gegen illegale Zuwanderer einbezogen - Illegale sollen dort
ab sofort anonym per Telefon den Behörden gemeldet
werden.
Ein Grund zur Freude mithin,
daß der längst überfällige Kampf gegen
die Verausländerung Europas von den Regierungen doch
noch zur Chefsache erklärt worden ist? Vor zehn Jahren
hätte man diese Frage womöglich noch bejahen
können. Doch inzwischen, so die offizielle Lesart,
befinden wir uns im "Kampf gegen den Terror", der nach
kurzem Vakuum an die Stelle des alten Ost-West-Konflikts
getreten ist. Das macht alles viel komplizierter, als es auf
den ersten Blick aussieht.
Mit Händen zu greifen ist doch,
daß der vorgebliche "Kampf gegen den Terror" eine mit
gigantischem Aufwand hochgezogene Propagandakulisse ist, die
erst in zweiter Linie der Abwehr des "Terrors", in erster
Linie aber der flächendeckenden Erfassung, Kartierung
und Überwachung der eigenen Bevölkerungen dient.
Das ungemein Praktische am Gespenst des internationalen
"Terrors" ist, daß er sich perfiderweise an keinerlei
organisatorische Strukturen hält, anonym ist, in
Gestalt weltweit operierender Kleingruppen und
"Schläfer"-Zellen aber eine ständige Bedrohung
darstellt, der nur durch immer ausgeklügeltere
Sicherheits- und Überwachungs-Vorkehrungen zu begegnen
ist.
Im vorgeblichen Anti-Terror-Krieg
setzen die Regierungen der westlichen Welt derzeit Orwells
prophetischen Roman, "1984" eins zu eins in die
Realität um: Ständig wird irgendwo auf dem Globus
Krieg geführt, ständig wechseln einander
Rückschläge und Erfolge ab, der "Feind" wird immer
virtueller und unfaßlicher, während er
gleichzeitig von der Regierungspropaganda im Rahmen
organisierter "Haßwochen" exorzisiert wird. Zu den
beklemmendsten Details der Orwellschen Vision gehören
sprechende Überwachungskameras - in
Großbritannien sollen damit seit einigen Monaten
beachtliche Erfolge erzielt worden sein, was auch immer das
heißt - und ein Klima der Bespitzelung und
Einschüchterung bis in die intimsten Winkel des
Privatlebens hinein.
Auch in diesem Punkt liegen
Realität und Orwells Roman seit kurzem gleichauf: Seit
Jahresbeginn müssen bundesdeutsche Computerbenutzer
gewärtig sein, daß ihnen der Staat beim Surfen im
Internet über die Schulter schaut und sich schon mal
auf der Festplatte umsieht - das
"Terrorismusbekämpfungsergänzungsgesetz" macht's
möglich. Mit dem Kampf gegen "Illegale" und gegen die
grassierende Überfremdung, so wünschenswert er
wäre, hat das alles nicht das geringste zu tun. Die
europäischen Außengrenzen sind so löchrig
wie eh und je, und die demographische Zeitbombe tickt -
"Terror" hin, "Terror" her - lauter denn je.
Falsches Spiel
Wer es gut meint mit Europa, seinen
Völkern und seinen Menschen, muß sich über
den Feind klar werden - heute mehr denn je, weil die
etablierten Machtapparate offenkundig ein falsches Spiel mit
uns treiben. Zwar wird der Popanz des islamistischen und
anderweitigen "Terrors" seit Jahren auf allen Kanälen
beschworen, die Beweise für seine Existenz sind aber
außerordentlich dürftig: ein paar "Kofferbomben",
die bei näherem Hinsehen niemals funktioniert
hätten, ein paar dubiose U-Bahn-Anschläge - und
seit ein paar Monaten eine rhapsodisch anmutende
Pamphletsammlung unter dem Titel "Texte des Terrors", die
neben rauschebärtigen Haßtiraden auf den Westen
auch durchaus Nachvollziehbares enthält. Etwa ein Osama
bin Laden zugeschriebenes Zitat:
"Weil wir frei sind, haben wir
gekämpft, und weil wir nicht solche Männer sind,
die in der Unterdrückung einschlafen. Im Gegenteil, wir
wollen unserem Land die Freiheit zurückgeben, und weil
ihr unsere Freiheit zunichte macht, verfahren wir genauso
mit eurer Freiheit. Nur ein dummer Verbrecher kann mit der
Sicherheit der anderen Scherz treiben und hoffen, daß
er in Sicherheit bleibt; vernünftige Menschen hingegen
beeilen sich, wenn Katastrophen geschehen, nach den Ursachen
zu suchen."
Ein Text des Terrors?
Müßte diese Zeilen nicht vielmehr jeder
unterschreiben, der nach fünf Jahren "Krieg gegen den
Terror" bei einigermaßen klarem Kopf geblieben ist?
Vertauscht die herrschende Propaganda nicht in geradezu
teuflischer Weise Ursache und Folgen des amerikanischen
Krieges gegen die Welt? Es liegt an der nahtlosen Einbindung
der Bundesrepublik in das westliche "Werte"- und
Militärbündnis, daß sich Wesen und
Hintergründe des angeblichen "Terrors" hierzulande nur
parteiisch, nämlich aus der Sicht Amerikas darstellen
lassen. Und die öffentliche Meinung folgt, wie von je,
nur den Vorgaben der großen Drahtzieher.
Will sagen: Panikmache und
halbamtliche Islamistenhatz, in der sich alle etablierten
Medien heute völlig einig sind, helfen bei der
Bewältigung der zentralen Fragen unseres
Überlebens keinen Deut weiter. Sie führen
allenfalls dazu, daß sich Deutsche einmal mehr vor den
Karren fremder Interessen spannen und, im vorliegenden Fall,
gegen die arabische Welt in Stellung bringen lassen. Die
Frage "cui bono?" muß man gar nicht erst stellen.
Die zentralen Fragen unseres
Überlebens: siehe oben. Die Rede ist, erstens, vom
Fortbestand unseres Weltteils und im besonderen des
deutschen Volkes in seinem ethnisch-kulturellen Bestand; im
weiteren von der Aufrechterhaltung der ethnischen
Gewichtsverteilung, der Verhinderung der kalten Landnahme
durch die größere Fruchtbarkeit Fremder; alles,
aber auch alles muß unternommen werden, damit die
Mehrheit nicht auf Zuwanderer, Land- und Volksfremde,
ethnische Nicht-Europäer übergeht. Und
schließlich geht es, damit verbunden, um die Frage
einer grundsätzlichen Trendwende, die mehr einheimische
Geburten, mehr einheimische Familien und die Umkehr des
demographischen Todestriebes nur als einen Aspekt einer viel
umfassenderen Wende in sich schließt.
Die Botschaft des Felix Dahn
Bei alledem hilft die von Medien und
Parteien beschworene Kulisse der "Terror"-Bedrohung nicht
weiter. Denn der herbeigeredete, von den Schäubles und
Becksteins herbeiimaginierte Krieg gegen den "Terror" ist
eine akademische, eine verlogene, eine irreale
Veranstaltung, während die Vergreisung der Deutschen
und ihr absehbarer Austausch durch eine neue, nichtdeutsche
Bevölkerungsmehrheit eine höchst reale und ohne
viel Phantasie prognostizierbare Angelegenheit ist: aber die
einzig bedeutsame, weil sie über unser aller Zukunft
entscheidet. Man sprach früher etwas pathetisch vom
"Krieg der Krippen". Aber er ist in vollem Gange,
und die abendländische Menschheit ist auf dem besten
Wege, ihn zu verlieren.
Die fundamentalen
Stellgrößen im Völkerleben lassen sich, das
lehrt alle historische Erfahrung, nicht gut manipulieren.
"Junge", unverbrauchte Völker sind nun einmal
fruchtbarer als alt und müde gewordene. Es hat
letzteren noch nie geholfen, sich hinter Grenzzäunen zu
verstecken; doch die EU am Beginn des 21. Jahrhunderts
bringt noch nicht einmal dazu die Kraft auf.
Allerdings: Die Geschichte lehrt
auch, daß nur derjenige verloren ist, der sich selbst
verloren gibt. Rom war verloren, als sich die herrschende
Klasse, überdrüssig der ewigen Grenzkriege und
innerlich zerfressen von Zweifel und Weltflucht, von der
Lenkung der Staatsgeschäfte zurückzog und sie
Glücksrittern, Geschäftemachern und Barbaren
überließ. Felix Dahn (1834-1912) hinterließ
der Nachwelt in seinem Roman "Ein Kampf um Rom" ein
unvergängliches Gemälde dieses Ringens und zeigte
auf, daß militärische Macht, ja selbst die
ungebrochene Reproduktionskraft "junger" Völker nicht
alles ist, so lange sich die Besiegten nicht mit ihrer Lage
abfinden.
Wo steht Europa, wo steht
Deutschland heute? Mit dem Rücken zur Wand,
gewiß; ökonomisch, machtpolitisch scheinbar
unwiderruflich eingespannt in die Weltkonstruktion des
"Westens", des internationalen Kapitals und seiner
amerikanischen Schaltzentrale; biologisch auf allzu
abschüssiger Bahn, während die etablierten
politischen Kräfte nichts unversucht lassen, um selbst
kleinste Bemühungen zum Besseren zu hintertreiben.
Muß es erst
knüppeldick kommen?
Doch wo Gefahr ist, wächst
bekanntlich das Rettende auch. Es muß
möglicherweise erst knüppeldick kommen, damit
längst verschüttete (Über-)Lebensinstinkte
wieder wirksam werden. Es ist deshalb auch völlig
müßig, sich über die zentralen Parameter der
Macht in Expertengremien oder am Verhandlungstisch
auseinandersetzen zu wollen. Bevölkerungswachstum
findet statt,
oder
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"Ich kann keine
Unabhängigkeit unserer Politiker beobachten,
die es ihnen ermöglichen würde, die
deutschen Interessen, wie es auch ihrem Eid
entspräche, wahrzunehmen. Man kann es nicht im
einzelnen nachzeichnen, von wem diese Politiker im
einzelnen abhängig sind, und beweisen
läßt es sich noch viel schwieriger. Die
Politik in unserem Land ist jedenfalls eine
abhängige, im Gegensatz zu der anderer
Länder in unserer Umgebung."
Professor Dr. jur. Karl
Albrecht Schachtschneider
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es unterbleibt. Im Wettbewerb um Boden und Zukunft
gewinnt der, der mehr Kinder in die Welt setzt. Wer das
nicht wahrhaben will, wird sich wundern, wie schnell er ins
Abseits gerät. Gestern die Serben im Kosovo - heute die
Abendländer im Abendland?
Postmoderne Überheblichkeit ist
nicht angebracht. Die ewiggültigen Mechanismen im
Völkerleben sind heute so wirksam wie eh und je, auch
auf unserem eigenen Boden, der - noch - das Land der
Deutschen ist. Die Auseinandersetzung, um die es in Wahrheit
geht, hat mit ideologischen Kopfgeburten wie dem "Kampf der
Kulturen", dem "Krieg gegen den Terror" nichts zu tun. Im
Gegenteil, das ständige Insistieren auf der Bedrohung
durch einen imaginären "Terror" trägt nur zu
weiterer Verunsicherung einer ohnehin von Zweifel und
Zukunftsangst geplagten Bevölkerung bei. Was
hätten unsere Großeltern sagen sollen, die sich
durch die Bombennächte des Krieges nicht daran hindern
ließen, Kinder in die Welt zu setzen?
Noch haben wir es selbst in der
Hand, wie unsere Zukunft aussieht und ob es für
Deutsche auf lange Sicht überhaupt noch eine Zukunft in
ihrem Land gibt. Wer wissen will, wie Landnehmer mit
Unterworfenen zu verfahren pflegen, dem bietet die
Geschichte der letzten zwei Jahrtausende hinreichenden
Anschauungsunterricht. Mit Verhandeln und Betteln um ein
Auskommen im Reservat haben sich Eroberer noch selten
erweichen lassen.
Quelle: Nation &
Europa
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