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24. November 2008

Bevölkerungsinstitut spricht Klartext:
"Demographisches Notstandsgebiet"

Daß die Deutschen auf ein demographisches Desaster zusteuern, weiß man seit langem. In den vom Bevölkerungsschwund am ärgsten betroffenen Regionen in Mitteldeutschland gibt es sogar einige hochdotierte Regierungskommissionen, die sich seit Jahren mit den Folgen des "demographischen Wandels", wie es offiziell heißt, auseinandersetzen. Viel herausgekommen ist dabei bisher nicht.

Nun liegt eine weitere Studie zur deutschen Bevölkerungsentwicklung vor, für die das "Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung" verantwortlich zeichnet. Ihre Autoren haben 285 europäische Regionen anhand verschiedener Merkmale wie Kinderzahl, Einkommen, Investitionen in Bildung und Wissenschaft usw. verglichen und kommen zu einem erschütternden Befund: Mitteldeutschland sei das "demographische Notstandsgebiet des europäischen Kontinents".

Denn: von den zehn am stärksten vom Bevölkerungsschwund betroffenen Regionen Europas liegen immerhin drei in den neuen deutschen Bundesländern. Konkret handelt es sich um Sachsen-Anhalt, den Chemnitzer Raum und Thüringen. In Sachsen-Anhalt wird die Bevölkerung bis zum Jahr 2030 um weitere 27 Prozent abnehmen, in der Region Chemnitz um 26 Prozent und in Thüringen um 20 Prozent.

Verwundern kann freilich auch dieser neueste Befund nicht. Schon seit vielen Jahren weisen alle sozialen und demographischen Kennziffern in der früheren DDR steil nach unten. Der Freistaat Sachsen zum Beispiel, der von den fünf neuen Bundesländern noch vergleichsweise am besten dasteht, betreibt unter den verschiedenen CDU-Regierungen der letzten zehn Jahre hartnäckig seine vielbeschworene "Leuchtturm"-Politik - doch davon profitiert lediglich die Vorzeigeregion um Dresden, während die Provinz vor laufender Kamera ausstirbt. Kleinere sächsische Städte wie Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda haben seit dem Ende der DDR teilweise bis zu 30 Prozent ihrer früheren Bevölkerung verloren.

Die Politik der etablierten Parteien sieht dieser Entwicklung taten- und konzeptlos zu. Auch die erwähnten Expertenkommissionen beschäftigen sich mit zahllosen Detailfragen, aber nicht damit, wie der desaströse Bevölkerungsschwund womöglich aufzuhalten sei. Stattdessen empfehlen die Wissenschaftler allen Ernstes, in den ländlichen Gemeinden rechtzeitig die inzwischen zu großen Abwasserrohre durch kleinere zu ersetzen, um Korrosionsschäden zu verhindern.

Zu allem Überfluß fördert die Globalisierungspolitik der Berliner Parteien auch die Abwanderung deutscher Unternehmen ins Ausland, so daß für die heimische Bevölkerung auch die Arbeitsplätze rarer werden - während sich die neuen EU-Länder in Osteuropa über Investitionen und Unternehmensansiedlungen freuen können. Allein das EU-Neumitglied Rumänien erhält von der EU bis zum Jahr 2013 stattliche 13 Milliarden Euro zum Aufbau neuer Wirtschaftsstrukturen - Geld, das zum Gutteil aus deutschen Steuertöpfen stammt und in Sachsen, Thüringen oder Mecklenburg-Vorpommern weitaus besser angelegt wäre.

Im Sächsischen Landtag erkundigte sich allein die NPD-Fraktion schon vor über zwei Jahren in einer Großen Anfrage nach Ausmaß und Folgen des Bevölkerungszusammenbruchs im Freistaat - und wurde von den Altparteien-Fraktionen deshalb aufs übelste beschimpft. Da ist es ein schwacher Trost, daß das "Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung" in seiner Studie nunmehr zum gleichen Befund kommt und Mitteldeutschland zum "demographischen Notstandsgebiet" erklärt. An den selbsternannten "Volksparteien" werden solche Erkenntnisse allerdings auch in Zukunft folgenlos abperlen.


Quelle: Nation & Europa

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