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21. April
2005
Wie souverän ist
die Bundesrepublik wirklich?
"Wir
fühlen uns veräppelt"
Seit der nationalen Teil-Vereinigung
im Jahr 1990 ist die Bundesrepublik angeblich ein
souveränes Land. Nur Kleinigkeiten stören noch.
Zum Beispiel, daß die Partner, allen voran die USA,
fünfzehn Jahre später immer noch die gesamte
Telekommunikation in Deutschland mithören - schon im
Jahr 2000 war das von den USA betriebene "Echelon"-System
deshalb Gegenstand einer Bundestags-Anfrage - und daß
im Krisenfall bundesdeutsche Einrichtungen wie Häfen
oder Flugplätze von alliierten Streitkräften
benutzt werden.
Auch die Bauern im hessischen Taunus
machen sich seit kurzem ihre eigenen Gedanken über die
deutsche Souveränität. Bei einem umfangreichen
Wintermanöver rund um die Ortschaften Bad Camberg,
Würges und Wörsdorf verwüstete ein
amerikanisches Panzerbataillon flächendeckend Wege,
Äcker und Vegetation, und das noch dazu in einem
ausgewiesenen Natur- und Wasserschutzgebiet.
Beim Kreisbauernverband
Limburg-Weilburg ist man entsetzt: "Alles, was über
Jahrzehnte unter ökologischen Gesichtspunkten aufgebaut
wurde, wird uns über Nacht vernichtet", sagt ein
Sprecher. Das von den örtlichen Bauern instandgehaltene
und mit Steuergeldern gepflegte Wegenetz sei auf einer
Länge von 20 Kilometern "total kaputt".
Die Landwirte berichten von
Panzerspuren, die die Ackerflur bis zu einer Tiefe von einem
Meter völlig umgepflügt hätten. Dabei seien
einige der Bauern zuvor stundenlang mit US-Soldaten die Wege
abgefahren, um das Schlimmste zu verhüten. Alles
umsonst. 70 Panzer, drei komplette Kompanien vom 1.
Bataillon des 37. US-Panzerregiments, leisteten ganze
Arbeit. "Wir hatten schon mit einigem gerechnet",
erzählt man beim örtlichen Bauernverband, "aber
das hier übersteigt unsere Vorstellungskraft. Die haben
sich an überhaupt nichts gehalten, wir fühlen uns
veräppelt."
Sogar Benzin haben die betagten
US-Panzer verloren - in ausgeschilderten Wasserschutzzonen.
Die Landwirte sind sauer: "Wenn ich eine Wiese so zurichten
würde", sagt einer der Betroffenen, "müßte
ich Zehntausende Euro Strafe zahlen. Uns schaut man auf die
Finger. Wir müssen nach gesetzlichen Vorschriften
wirtschaften. Aber das hier interessiert weder eine untere
Wasserbehörde noch eine Naturschutzbehörde. Hier
sind alle deutschen Gesetze schlagartig außer Kraft
gesetzt."
Solche Episoden aus der
deutsch-amerikanischen "Partnerschaft" sind es, die den
Stellenwert der deutschen Souveränität im
NATO-Bündnis besser unterstreichen als tausend blumige
Gipfel-Erklärungen. Ein ähnliches Aha-Erlebnis wie
die Bauern im Taunus hatten jüngst Zehntausende von
Bürgern im Rhein-Main-Gebiet, als sich
US-Präsident Bush zu Besuch in Mainz aufhielt, weshalb
die ganze Region vorauseilend unter Ausnahmezustand gestellt
wurde. Kilometerlange Autobahn-Teilstücke waren
komplett gesperrt; der Flugverkehr auf dem
Rhein-Main-Flughafen ruhte; sogar die Handy-Masten stellten
stundenlang ihren Sendebetrieb ein.
Kosten und Schäden dürften
sich auf einige hundert Millionen Euro belaufen. Marion
Schmidt, Geschäftsführerin des
Kreisbauernverbandes Limburg-Weilburg, bringt ihre
Ernüchterung über die US-Partner auf den Punkt und
wirft der NATO "unglaubliche Arroganz" vor.
Unglaublich ist freilich auch,
daß sich deutsche Regierungsverantwortliche wie
Heloten behandeln lassen. Denn zur Demütigung
gehören immer zwei: einer, der demütigt, und ein
anderer, der es sich gefallen läßt.
Quelle: Nation &
Europa
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