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60 Jahre Israel Von Michael Winkler Manchmal gibt mir das Datum das Thema vor. Am 14. Mai 1948 wurde der Staat Israel ausgerufen. Dieses Ereignis wird im offiziellen Deutschland intensiver gewürdigt, als die Gründung der Bundesrepublik oder der DDR. Da ich mich dem nicht entziehen kann, möchte ich das Thema aufgreifen und auf meine Weise würdigen. Wer weiß, ob dieser Staat sein 70. Jubiläum noch erleben wird; es gibt genügend Beispiele von Staaten und Machthabern, die sich großartig gefeiert haben und so für die Ewigkeit festschreiben wollten, um wenig später zu sterben oder zusammenzubrechen. Ich sehe Honecker noch glücklich in die Menge winken, zum 40. Jubiläum der DDR, und erinnere mich an Bilder vom Schah, wie er 2.500 Jahre Persien gefeiert hatte. Die Kirche bezeichnet dieses Gebiet als das "heilige" Land, so als wäre diese Wüstenei ein von Gott gesegneter Fleck. Aber das hat nichts mit dem Staat Israel zu tun, der erstreckt sich nur zufällig auf diesem heiligen Land. Von seiner Heiligkeit hatte das Land übrigens nie etwas gehabt, praktisch jeder Quadratmeter wurde im Lauf der Jahrtausende mit Blut getränkt. Ja, es liegt an der Schnittstelle zwischen Afrika, Asien und Europa - und es gehört zur Arabischen Halbinsel, mithin zu Asien. Eine herausragende strategische Bedeutung hat das Land heutzutage allerdings nicht mehr. Landtransporte sind teuerer als Seeverbindungen, Asien und Europa sind direkt miteinander verbunden und um nach Afrika zu gelangen, schipperte man schon in der Antike direkt von Sizilien oder Gibraltar aus nach Süden. Höchstens Eroberer mußten da durch - und nahmen beiläufig mit, was so am Wege lag. Allerdings eignet sich das Land hervorragend als unversenkbarer Flugzeugträger für amerikanische Machtinteressen. So wie Kuwait, Saudi-Arabien oder eben der Irak. Das Existenzrecht Israels Jeder Politiker in Deutschland nervt uns damit, daß er immer wieder das Existenzrecht Israels beschwört, so als ob irgend jemand bezweifelt, daß dieser Staat das Recht hat zu existieren. Jeder Straßenköter hat ein Recht zu existieren, jedes Stück Schlachtvieh, jede Sonne im Weltraum, also auch ein Staat. Falls die Sorben in der Lausitz glauben, sie bräuchten einen eigenen Staat, hätte auch dieser ein Recht zu existieren. Das freie Baskenland, ein unabhängiges Kurdistan, eine Apachen-Republik - sie alle haben ebenfalls ein Recht zu existieren. An diesem Existenzrecht ändert auch nichts die Art und Weise, wie dieser Staat gegründet wurde. Sicher, es wurde gegen die britische Mandatsmacht mit Terror gearbeitet, gleich nach Staatsausrufung ein blutiger Krieg geführt und ortsansässige Ureinwohner dezimiert und vertrieben, aber das folgt nur dem Vorbild der USA - und deren Existenzrecht bezweifelt schließlich auch niemand. Womöglich war es Unrecht, diesen Staat zu gründen, aber was gelten Rechtspositionen im Völkerrecht? Versuche früherer Jahrhunderte, hier eine Art Kodex zu entwickeln, wurden regelmäßig durch das Faustrecht ersetzt, durch das primitive Recht des Stärkeren. Gerade Deutschland hat das leidvoll erfahren müssen. Grenzveränderungen gab es zu allen Zeiten, auch neu entstehende oder untergehende Staaten. Hethiter und Skythen hatten das Recht, in eigenen Staaten zu leben, doch von diesen Staaten zeugen heute nur noch ein paar Gräber. Das Existenzrecht eines Staates ist jedoch kein Gottesgeschenk, es muß Tag um Tag, Jahr um Jahr verdient werden. Ein Staat besitzt wie jeder Organismus ein schlagendes Herz; solange dieses Herz schlägt, lebt und entwickelt sich dieser Staat. Dieses Existenzrecht kann niemand für einen fremden Staat garantieren, nicht Deutschland und nicht die USA, sondern nur die Israelis, die Juden selbst. Der Staat Israel wurde 1897 von den Zionisten projektiert, 1917 von den Briten in Aussicht gestellt und ab 1947 von jüdischen Terrorgruppen aggressiv herbeigeführt worden. Jetzt existiert dieser Staat - jetzt ist es Sache der Juden, sich diesen Staat zu erhalten. Biblische Geschichtchen Archäologisch läßt sich eine Besiedlung Jerusalems seit 3.000 vor Christus nachweisen. Falls Sie das beeindrucken sollte: Selbst hier in Würzburg gibt es Siedlungsspuren aus der Zeit von 3.000 vor Christus; offiziell gibt es Würzburg aber erst seit dem Jahr 706 nach Christus. Das im besseren Umfeld gelegene Jericho ist 6.000 Jahre älter als das immer herausgestrichene Jerusalem. Die Ureinwohner waren keine Semiten, diese sickerten erst nach und nach ein. Der mythische Urvater Abraham stammte aus dem Zweistromland, eine solche Einwanderung läßt sich wahrhaftig nachweisen. Es wäre jedoch falsch, diese Völkerschaften "Hebräer" oder gar "Juden" zu nennen, die Einwanderer haben damit so wenig zu tun, wie die Bandkeramiker mit dem heutigen Freistaat Bayern. Für den Jakob-Josef-Moses-Josua-Komplex gibt es keinen einzigen geschichtlichen Beleg. Ägypten stand in der fraglichen Zeit unter der Herrschaft von "Seevölkern", die heute als semitische Eindringlinge angesehen werden. Es gab also keine hebräischen Sklaven in Ägypten, die von Jahwe mit Mafia-Methoden freigepreßt werden mußten, sondern diese Semiten waren die Herren gewesen - bis die Ägypter das Joch abwerfen und sie aus dem Land jagen konnten. Aus diesem intensiven Kontakt mit Ägypten dürften die zehn Gebote stammen - eine Untermenge der 52 Sünden, die begangen zu haben eine Seele nach dem ägyptischen Totenbuch abstreiten muß. Auch das Konzept des einen, einzigen Gottes dürfte aus Ägypten stammen, vom Pharao Echnaton. Die aus Ägypten vertriebenen Semiten können deshalb ganz gut die Urväter der Hebräer gewesen sein, denn hier erreichen wir die Zeit Davids. In der Bibel wird das so dargestellt, als wäre dieser David ein mittelalterlicher König gewesen, mit einem schönen Palast und einer funktionierenden Verwaltung. Die tatsächlichen Verhältnisse finden sich wohl eher in der Odyssee wieder, wo ein "König" wie Odysseus ein besserer Gutsherr ist, der eigenhändig seine Felder pflügt und ein paar hundert Männer anführt. Verglichen mit Babylon, Sumer, Assur und den anderen Mächten dieser Zeit waren die Hebräer eine bessere Räuberbande, die eine lokale Herrschaft im hügeligen Gebiet um Jerusalem errichtet hatten. Selbst sein Nachfolger Salomon mit seinem unermeßlichen Reichtum ist nur zusammenfabuliert. Sein grandioser Tempel war wohl eher aus Lehmziegeln errichtet. Das fruchtbare Tiefland westlich von Jerusalem stand zur Zeit von David und Salomon noch unter dem Einfluß Ägyptens. Erst, als dieser im achten Jahrhundert vor Christus zu schwinden begann, kam es zur "Landnahme", zur Besiedelung ausgestorbener, verfallener Städte. Die Heldentaten eines Josua hat es nie gegeben, aber vermutlich Kämpfe mit einigen Brudervölkern. In dieser Zeit sind die Königreiche Israel und Juda entstanden, die schon eine Hauptgottheit Jahwe kannten - zuständig für das Wetter, verehelicht mit einer Astarte und ein Gott unter vielen. Der jüdische Glaube, so, wie wir ihn aus der Bibel kennen, wurde in der babylonischen Gefangenschaft entwickelt. Damals entstanden die fünf Bücher Mose, die heutige Tora. Die Personen darin haben Attribute und Ausschmückungen erhalten, um ihre Einzigartigkeit herauszustreichen. Die Sintflut-Geschichte gibt es im Orient in vielen Varianten, zum Beispiel Deukalion und Utnapischtim. Natürlich brauchten die Juden auch so einen, der von Gott persönlich den Auftrag für eine Arche bekommen hat. Und weil es natürlich unschön gewesen wäre, daß diese Sintflut zwar alle Menschen dahinrafft, die Tiere jedoch ohne eigenes Schiff überleben, mußte Noah diese an Bord nehmen. Wenn eine Geschichte weitererzählt werden soll, muß sie schließlich unterhalten. Der Jahwist, wie der namenlose Autor der Urbibel genannt wird, wollte ein Nationalepos schaffen, zusammen mit einem Glaubensleitfaden. Er muß ein sehr gebildeter Mann gewesen sein, der sich in den Mythen seiner Zeit bestens ausgekannt hat. Diese fünf Bücher sind eine großartige Leistung, vergleichbar den Epen Homers oder der Äneis eines Vergil. Sie formten aus israelitischen Hebräern die Glaubensgemeinschaft und das Volk der Juden. Die unschöne und nicht ganz so heldenhafte Vorgeschichte wurde durch ruhmreiche Dichtung ersetzt. Falls dies Ihren Glauben verletzen sollte: Dies ist der heutige Stand der archäologischen Wissenschaft. Vergleichen wir die biblischen Wunder - die Plagen Ägyptens, das geteilte Rote Meer, Manna vom Himmel, Feuer- und Rauchsäule als Wegweiser beim Zug durch die Wüste - werden die Wunder nach der Zeit des Jahwisten deutlich bescheidener. Das Hanukka-Fest beispielsweise rührt daher, daß ein Fläschchen geweihtes Öl gefunden wurde, das nur für einen Tag gereicht hätte, aber wundersam für volle acht Tage Licht schenkte. Nach der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft bildete der jüdische Staat eine Randnotiz des Weltgeschehens. Alexander der Große hat ihn vereinnahmt, die besseren Teile des Landes wurden von Griechen besiedelt und von den Römern erobert. Die geschickte Politik einiger Könige, vor allem durch den von den damaligen Juden ungeliebten Herodes dem Großen, erhielt dem Land noch einige Zeit seine Existenz, auch wenn die Römer ein erstes Inkasso durchführten. Judäa galt jedoch als Unruheprovinz und wer dorthin versetzt wurde, sei es als Legionär oder als Statthalter, empfand es als Strafe. Die allgemein verbreitete Ansicht, daß die Römer im Jahr 70 nach Christus den Staat zerstört und die Bevölkerung in alle Welt verstreut hätten, ist genauso falsch, wie die weit übertriebenen Opferzahlen eines Josephus Flavius - der war schließlich ein jüdischer Rebell, der rechtzeitig die Seite gewechselt hatte. Jüdische Gemeinden blieben in Babylon zurück, als der Hauptteil des Volkes nach Kanaan zurückkehrte. Jüdische Gemeinden entstanden im gesamten ehemaligen Makedonen-Reich, ebenso im römischen Reich. Es begann mit einer kaufmännischen Niederlassung, mit deren Personal. Innerhalb weniger Jahre entwickelten sich daraus kleine Kolonien. Die Diaspora, die Verstreuung der Juden in der ganzen Welt, wurde durch den Aufstand nur begünstigt, aber nicht ausgelöst. Der Weg zum eigenen Staat Es ist unsinnig, vom römischen Joch über Judäa zu sprechen. Unter diesem römischen Joch lebten die Juden in der ganzen römischen Welt recht auskömmlich, deshalb gab es niemals einen Versuch der Rücksiedlung. Nach 30, 50 oder 100 Jahren hätten die Juden problemlos zurückkehren können, ohne Eingriffe der römischen Staatsmacht. Auch zur arabischen Zeit hätte eine solche Rückwanderung stattfinden können, statt dessen wird ständig von Pogromen berichtet, die irgendwo auf der Welt stattgefunden haben sollen, ohne den Wunsch nach einer sicheren Heimstatt zu wecken. Sehr viele Länder haben in ihrer Geschichte irgendwann die Juden vertrieben. Einen Drang nach Palästina, das nach der Kreuzfahrerzeit wieder ein ruhiger Siedlungsplatz gewesen wäre, gab es trotzdem nie, nur heftiges Klagen über die Ungerechtigkeit der Welt. Und sobald die Landesgesetze es wieder zuließen, kehrten die Juden in hellen Scharen zurück, trotz aller Ghetto-Einquartierung, Kleidungsvorschriften ("Judenhut") und beruflicher Beschränkungen ("kein ehrliches Handwerk ausüben"). Angeblich haben sich Juden in dieser ganzen Zeit mit "nächstes Jahr in Jerusalem" verabschiedet, wirkliche Relevanz bekam dieses Lippenbekenntnis erst, als 1897 die zionistische Bewegung ihren Aufschwung nahm. Nach gut 1900 Jahren sollte wieder ein jüdischer Staat gegründet werden, und das an einem Ort, wo es in diesen 1900 Jahren kaum einen Juden hingezogen hatte. Die zionistische Bewegung nutzte Methoden der Infiltration, um erste jüdische Einwanderer in Palästina anzusiedeln. Einen richtigen Drang in die abgelegene Wüstenei gab es nicht, die meisten Einwanderer mußten dazu überredet werden. Warum den Komfort der europäischen und amerikanischen Städte aufgeben, um am Ende der Welt neu anzufangen? Und wenn schon neu anfangen, warum im rückständigen Palästina, anstatt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in den USA? Selbst polnische und russische Juden hätten ohne zu zögern Amerika gewählt und bereitwillig auf einen eigenen Staat verzichtet. Nach dem ersten Weltkrieg war der Druck zur Einwanderung nach Palästina noch immer nicht groß genug. Erst das Hitlerreich sorgte für den nötigen Druck. Es gab vor dem Krieg ein Siedlungsprogramm, bei dem das Deutsche Reich mit jüdischen Organisationen eng zusammengearbeitet hatte, um Juden nach Palästina auszusiedeln. Diese Programme trafen auf den Widerstand der britischen Mandatsmacht. Erst nach dem zweiten Weltkrieg war der Druck auf die Juden und die Mächte der Welt groß genug, um eine starke Einwanderungsbewegung nach Israel einzuleiten und den Weg für eine Staatsgründung zu ebnen. Doch in der unmittelbaren Nachkriegszeit versuchten die Engländer, die Einwanderung nach Kräften zu verhindern. Das Zauberwort "Auschwitz" hatte damals noch keine Bedeutung, Juden auf rostigen Seelenverkäufern ("Exodus") mußten ihre Landung trickreich erzwingen. Das britische Weltreich lag damals in den letzten Zügen, die strahlenden Sieger des zweiten Weltkrieges mußten an allen Fronten zurückweichen. Indien, das 1947 seine Unabhängigkeit erlangte, war wichtig, Palästina eine untergeordnete Angelegenheit. Deshalb sorgten jüdische Bomben dafür, daß die Engländer ihre Aufmerksamkeit auf diesen Teil der Welt richten mußten - um sich fluchtartig zurückzuziehen. Immerhin, sie sind lange genug im Land geblieben, um den Einwanderern zu ermöglichen, genug Waffen für Israels ersten Krieg ins Land zu schmuggeln. Frieden? Zu den gerne gepflegten Legenden gehört es, daß im Krieg von 1948 hochgerüstete arabische Soldaten schlechtbewaffneten zivilen Einwanderern gegenüber gestanden hatten. Unter den jüdischen "Zivilisten" gab es genügend Männer, die als Soldaten im zweiten Weltkrieg gekämpft hatten, also Leute mit Fronterfahrung, im Gegensatz zu den Arabern, die zwar besser bewaffnet waren, aber über keine wirkliche Kampferfahrung verfügten. Trotz allem - 1948 waren die Juden so nahe daran, wieder ins Meer getrieben zu werden, wie niemals danach. 1956 wurde der letzte Kolonialkrieg ausgefochten. Ägypten hatte den Suezkanal verstaatlicht und Großbritannien und Frankreich schickten Truppen. Damals durfte Israel als Juniorpartner mitspielen und fortan von der militärischen Zusammenarbeit profitieren. Es ist ein offenes Geheimnis, daß Frankreich und Israel ihre Atomwaffen gemeinsam entwickelt haben. Offiziell besitzt Israel keine Atombomben, nach nicht ganz so offiziellen Schätzungen steht es an dritter Stelle nach den USA und Rußland, vor China, England, Frankreich, Indien und Pakistan. 1967 gelang Israel der klassische Blitzkrieg, nach dem Vorbild der Wehrmacht von 1941. Der jüdische Staat schlug mit voller Wucht in die aufmarschierenden arabischen Armeen hinein und erzielte vernichtende militärische Erfolge. Bis dahin war Frankreich der wichtigste Rüstungspartner des Judenstaates, in der Folgezeit wurden das die USA. Der letzte große Krieg fand 1973 statt. Diesmal ging es umgekehrt, die Israelis wurden überrascht und zurückgetrieben. Damals stand der Einsatz von Atomwaffen durch Israel kurz bevor, nur dem überreichen amerikanischen Nachschub war es zu verdanken, daß Israel konventionell die Oberhand erringen konnte. In der Folgezeit von Frieden zu sprechen, ist übertrieben. Israel hat sich bei seinen Nachbarländern immer wieder eingemischt, gerade der Libanon kann mit einigem Recht als Truppenübungsplatz der israelischen Armee angesehen werden. Es gab immer wieder gute Ansätze, wie den Friedensvertrag mit Ägypten oder das Programm "Land gegen Frieden" mit den Palästinensern. Im Land selbst gab es die erste und die zweite Intifada, massive Terroraktionen der Einheimischen. Solche Anschläge werden in den Nachrichten immer groß herausgestellt, aber der Terror kostet in Israel nur einen Bruchteil der Opfer, den der ganz normale Straßenverkehr verursacht. Hier wird sehr viel mit Theaterdonner gearbeitet, eine wirklich große Gefahr geht davon nicht aus. Trotzdem hat dieses Land keinen wirklichen Frieden. Zum Frieden gehören immer zwei Seiten. Da die jüdische Seite die Macht in der Hand hat, müßte sich die jüdische Seite mehr bewegen als die Palästinenser. Hier steht den Israelis jedoch das eigene Mißtrauen im Weg. Alle Ansätze, die Erfolg bringen könnten, wurden verwässert und teilweise zurückgenommen, mit dem Ergebnis, daß auch die Palästinenser sich kaum noch darauf einlassen. Israel wurde in einem Gebiet gegründet, in dem es seit 1900 Jahren keinen jüdischen Staat gegeben hat. Es ist für die Einheimischen ein Fremdkörper, so wie es die Kreuzfahrerstaaten vor 900 Jahren gewesen sind. Die Kreuzfahrer haben sich nicht angepaßt, sie sind ein Fremdkörper geblieben, mit einem abweichenden Glauben und einer abweichenden Lebensart. Solange dies nicht geändert wird, gewinnt Israel keinen Frieden. Auch wenn die Hebräer einmal ein semitischer Völkerstamm gewesen waren, heute sind die Israelis Fremde in dieser Region. Wenn die ganze Region zu Asien gerechnet wird, kann sich Israel nicht als Außenposten Europas aufführen. Wenn die Araber, die alteingesessene Bevölkerung als Menschen zweiter Klasse behandelt werden, ist das keine wirkliche Demokratie, keine Volksgemeinschaft, sondern ein Apartheitsstaat. Der Friede in Israel ist möglich, aber bis dahin ist noch ein sehr weiter Weg - und mindestens 75% dieses Weges müssen die Juden im Land zurücklegen, denn es ist an ihnen, ihre arabischen Mitbürger abzuholen. Zukunft In unseren Nachrichten wird Israel als funktionierende Demokratie herausgestellt. In dieser Demokratie wurde vor einigen Monaten der Staatspräsident ausgewechselt, wegen sexueller Übergriffe auf Mitarbeiterinnen. Gegen den Regierungschef läuft mittlerweile das fünfte Ermittlungsverfahren, diesmal wegen Korruption. Bei einem afrikanischen Land würde man solche Zustände nicht als "funktionierende Demokratie" bezeichnen. Der Staat Israel steht nicht auf eigenen Füßen. Der ganze Wohlstand, der dort zu erkennen ist, basiert auf Zuwendungen aus dem Ausland. Diese Zuwendungen entrichten nicht etwa reiche Juden an ihre Glaubensbrüder, sondern es sind Staaten, die das bezahlen. Hauptgeberländer sind die USA und Deutschland. Die USA haben Israel zum unversenkbaren Flugzeugträger ausgebaut und die Armee zur viertstärksten der Welt hochgerüstet. Für die zivile Infrastruktur ist Deutschland zuständig, auf Grund der Geschichte, wie uns ständig erklärt wird. Als ständiger Zahlungsempfänger bewegt sich Israel auf dem Stand einer Kolonie. Solche Unterstützungszahlungen sind jedoch kein Gottesgesetz. Die USA wanken derzeit selbst, der Krieg im Irak zehrt das Land finanziell und personell aus, ihre Armee ist nur noch ein Schatten früherer Größe, bei der Luftwaffe in der Regel die Piloten jünger als ihre Maschinen. Deutschland zahlt die Zeche für die EU, schickt Soldaten in amerikanische Kriege und unterstützt Israel - dafür bezahlen wir alle Steuern in Rekordhöhe. Wer nicht gerade Politiker oder Manager ist, büßt dafür mit sinkenden Realeinkommen. Unser Land verliert an Substanz, gut ausgebildete Menschen wandern aus, minderqualifizierte Migranten rücken nach und belasten unsere Sozialkassen. Das heißt, die größten Geldgeber Israels gehen unsicheren ökonomischen Zeiten entgegen. Israel hat seinen Glanz, seine Anziehungskraft für die Juden der Welt verloren. Sechs Millionen Juden leben in Israel, so viele wie in den USA. Die größte jüdische Stadt der Welt ist nicht etwa Tel Aviv, sondern New York. Oh, die amerikanischen Juden treten entschlossen für Israel ein - aber wo weit, selbst in den eigenen Staat zu ziehen, geht die Liebe nun doch nicht. Juden aus Rußland, die wegen ihres Glaubens problemlos aussiedeln können, ziehen nicht etwa in ihr eigenes, gelobtes Land, sondern nach Deutschland, wo es offensichtlich viel angenehmer ist, als Jude zu leben. Von den je nach Quelle 14 bis 24 Millionen Juden auf der Welt leben gerade einmal sechs Millionen in Israel. Der eigene Staat, dessen Existenzrecht unsere Kanzlerin zur Staatsräson der BRD erklären möchte, verlockt kaum noch einen Juden dazu, in dieses Israel einzuwandern. Oh, natürlich, als Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland genießt man Macht und Einfluß, in Israel wäre man ein Jude unter vielen. Eine Frau Knobloch oder ein Herr Friedmann bekennen sich voller Überzeugung zu Israel - aber dieses Bekennen geht nicht so weit, daß sie dort leben wollten. Ein Herr Bubis liebte Israel so sehr, daß er dort nur begraben werden wollte. Das Experiment der Zionisten, der Staat Israel, ist dabei zu scheitern. Es liegt nicht an den Arabern oder gar an deutschen Neonazis, sondern eher daran, daß der Antisemitismus heute nur noch als Wortkeule existiert. Die Mehrzahl der Juden hat sich mit der Diaspora abgefunden, wie seit 1900 Jahren. Wer als Jude leben möchte, kann das auf der ganzen Welt unbesorgt tun. Deshalb gibt es keinen Grund, die "sichere Zuflucht" aufzusuchen. Folglich droht die größte Gefahr, daß Israel die Juden ausgehen werden. Nicht wir, die Gojim, entscheiden über die Zukunft des israelischen Staates, sondern die Juden selbst. Wem die Existenz dieses Staates so unendlich wichtig ist, der braucht sich nur an die eigene Nase zu fassen - oder wenigstens in den eigenen Geldbeutel. Wäre es schlimm, wenn der Staat unterginge? Nein, das ist der natürliche Lauf der Dinge. Selbst das Britische Weltreich ist verschwunden, das riesige Mongolenreich ging unter, Jugoslawien gibt es nicht mehr - na und? Wo Altes stirbt, entsteht Raum für Neues. Das Recht auf das Fortbestehen als Staat muß Generation für Generation neu erkämpft werden. Nicht mit Waffengewalt, sondern durch die Überzeugung des Staatsvolkes. Diesen Kampf können nicht die Juden in New York, London oder Berlin austragen, sondern nur die Juden in Israel. Ihr habt es gewollt, Ihr habt es bekommen - jetzt sorgt Ihr selbst dafür, daß Ihr es behaltet!
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