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26. Oktober
2007
Vor 55 Jahren begann
die deutsche Israel-Hilfe:
Heimliche
Aufrüstung
Von Dr. Claus
Nordbruch
Im Rathaus der Stadt Luxemburg wurde
am 10. September 1952 ein deutsch-israelisches Abkommen
unterzeichnet, das deutsche Warenlieferungen im Wert von
drei Milliarden Mark an den Nahoststaat vorsah sowie
zusätzlich Zahlungen in Höhe von 450 Millionen
Mark an die Jewish Claims Conference. Dieser Vertrag war der
Startschuß für einen unaufhörlichen Strom
materieller und finanzieller Leistungen aus deutscher Quelle
Richtung Israel. Was auf sie zukam, müssen die
Bundesbürger schon damals geahnt haben, denn nur 11
Prozent befürworteten das Abkommen. 24 Prozent hielten
die deutschen Leistungen für zu hoch, und 44 Prozent
waren gegen das Abkommen als solches.
Unverhältnismäßig
und Illegitim
Einen bedeutenden Teil der deutschen
Unterstützung für den jüdischen Staat macht
die Militärhilfe aus. Was durchaus erstaunlich ist,
denn die Rechtslage spricht eindeutig dagegen. Die Ausfuhr
von Kriegswaffen ist laut Kriegswaffenkontrollgesetz
untersagt, "wenn 1. die Gefahr besteht, daß die
Kriegswaffen bei einer friedensstörenden Handlung,
insbesondere bei einem Angriffskrieg, verwendet werden, 2.
Grund zu der Annahme besteht, daß die Erteilung der
Genehmigung völkerrechtliche Verpflichtungen der
Bundesrepublik verletzen oder deren Erfüllung
gefährden würde."
Da diese gesetzlichen Vorgaben
eindeutig gegen die Lieferung von Kriegswaffen an Israel
sprechen, führte der Verfasser Ende 2006 eine Befragung
unter den Verteidigungsexperten der im Bundestag
vertretenden Parteien durch. Der verteidigungspolitische
Sprecher der Bündnis 90/Die
Grünen-Bundestagesfraktion Winfried Nachtwei
erklärte, daß insbesondere während des
jüngsten Libanonkrieges "die israelischen
Streitkräfte weit über die legitime Abwehr der
terroristischen Hisbollah-Angriffe hinausgingen,
unverhältnismäßig agierten und die
libanesische Zivilbevölkerung insgesamt massiv in
Mitleidenschaft zogen. Ich forderte damals auch die
Aussetzung aller deutschen Rüstungsexporte an Israel,
weil mit ihnen Spannungen gefördert würden."
Einsicht ohne Konsequenzen
Es ist zumindest bemerkenswert,
daß diesem hochkarätigen Bundespolitiker die
israelischen Kriegsverbrechen nicht verborgen geblieben
sind. Allerdings war es Nachtwei trotz jener Einsicht nicht
möglich, hieraus politische Konsequenzen zu ziehen,
vielleicht auch, weil er im Kuratorium der Gesellschaft
für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit sitzt. In
seinen weiteren Ausführungen heißt es
nämlich: "Ich teile die Grundeinstellung aller
Bundesregierungen, daß Deutschland mitverantwortlich
ist für den Existenzschutz des Staates Israel. Seine
militärische Landesverteidigung ist
überlebensnotwendig und wird auch von Deutschland
unterstützt."
Die Koalitionsparteien
äußerten sich im Tenor fast identisch, lediglich
der verteidigungspolitische Sprecher der PDS (Die Linke),
Paul Schäfer, erklärte, seine Fraktion im
Bundestag plädiere "für einen Stopp
sämtlicher Rüstungsexporte aus Deutschland an alle
Staaten und damit auch Israel".
"Pragmatischer" Umgang
Generell spielen gesetzliche Verbote
bei bundesdeutschen Waffenlieferungen an Israel keine Rolle.
Auch andere Festlegungen werden ignoriert. Am 27. Dezember
1957 erklärte die Bundesregierung, es würden von
ihr grundsätzlich (!) keine Waffen in Krisengebiete
geliefert. Eine glatte Lüge. Am 14. März 1960
vereinbarten Bundeskanzler Konrad
Adenauer und der israelische Premierminister David Ben
Gurion die bundesdeutsche Waffenhilfe für Israel -
nachdem schon zuvor ein "pragmatischer" Umgang mit dieser
Frage gepflegt worden war. Verteidigungsminister Franz Josef
Strauß gab später zu: "Wir haben die Israel
zugesagten Geräte und Waffen heimlich aus den Depots
der Bundeswehr geholt und hernach als Ablenkungsmanöver
bei der Polizei in einigen Fällen Diebstahlsanzeige
erstattet." An diesen Machenschaften hat sich bis heute
nichts geändert. Die gewöhnlich gut informierte
"Frankfurter Allgemeine Zeitung" räumte ein, daß
für Israel aus der BRD immer Hilfe kam, vor allem
schnell, unbürokratisch und teilweise unter Umgehung
geltenden Rechts, beispielsweise im Sechs-Tage-Krieg 1967,
im Yom-Kippur-Krieg 1973 und im Golfkrieg 1991: "Offiziell
lehnte Bonn manches ab, was Israel inoffiziell dann doch
bekam" (FAZ, 12.12.2002).
Spätestens seit 1962 werden
Waffen aus der BRD im großen Rahmen an Israel
geliefert. Die kontinuierlichen - und weitgehend kostenlosen
- Lieferungen von Angriffswaffen reichen von 150 Panzern des
Typs M48-A1 (Patton) im Jahr 1964 bis zu den riesigen
Beständen aus der aufgelösten DDR-Volksarmee
Anfang der 1990er Jahre. Danach wurden aus deutschen
Beständen an Israel unter anderem 1991 acht
Giftgas-Spürpanzer Fuchs, 1998 Patriot-Raketen und in
Folge mit Marschflugköpern ausstattbare drei U-Boote
der Delphin-Klasse ausgeliefert. Während des ersten
Golfkrieges finanzierte die BRD, wie der
deutsch-jüdische Politikwissenschaftler Michael
Wolffsohn bekanntgab, "den Erwerb amerikanischer
Patriot-Raketen durch Israel, und im Februar 1991 stimmte
Bonn der Lieferung von zwei U-Booten an Israel zu. Für
knapp 1,4 Milliarden Mark hat Deutschland Israel allein
1991/92 militärische Hilfe geleistet."
Dazu Bundeskanzler Gerhard
Schröder am 25. April 2002 im Bundestag: "Israel
bekommt das, was es zur Aufrechterhaltung seiner Sicherheit
braucht, und es bekommt es dann, wenn es gebraucht wird."
Politische Vorbedingungen oder Gegenleistungen sind damit
nicht verknüpft. Israel kann tun und lassen, was es
will - es wird dazu auf jeden Fall von Deutschland die
Waffen erhalten. Denn, so der langjährige deutsche
Botschafter in Israel, Rudolf Dreßler (SPD): "Die
gesicherte Existenz Israels liegt im nationalen Interesse
Deutschlands, ist somit Teil unserer Staatsräson." Eine
sachliche Begründung sucht man vergebens. Statt dessen
wird die NS-Judenverfolgung herangezogen und damit
ausgerechnet Hitler zum Paten einer ewigwährenden
deutsch-israelischen Sonderbeziehung erhoben. Kein Wunder,
wenn arabische Politiker erbittert fragen, weshalb ein
Kapitel europäischer Geschichte ausgerechnet zu ihren
Lasten "bewältigt" wird.
Mißachtetes Verbot
Kein Land außerhalb der NATO
erhält von der Bundesrepublik so viele Waffen wie
Israel. Diese kontinuierlichen Lieferungen blieben von allen
Regierungswechseln in Bonn bzw. Berlin unberührt:
Sowohl christdemokratisch als auch sozialdemokratisch
geführte Regierungen lieferten mit ihren jeweiligen
liberalen bzw. grünen Koalitionspartnern Waffen aller
Art an den Zionistenstaat, der mittlerweile selbst der
sechstgrößte Waffenproduzent der Welt ist. Eine
erstaunliche Haltung
von Politikern, die vorgeben, sich einer friedlichen
internationalen Ordnung verschrieben zu haben. In den
"Politischen Grundsätzen" der rot-grünen Regierung
von Januar 2000 war zu lesen, daß der Export von
Kriegswaffen und "kriegswaffennahen sonstigen
Rüstungsgütern" in solche Länder verboten
sei, "die in bewaffnete Auseinandersetzungen verwickelt sind
oder wo eine solche droht".
Gleichwohl stammt eine nicht
unerhebliche Zahl derjenigen Waffen, mit denen israelische
Soldaten Völkerrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen
begehen, aus deutscher Produktion. Das gilt vor allem
für High-Tech-Komponenten. Damit trägt die
Bundesregierung ganz unmittelbar eine Teilverantwortung auch
für die jüngste Zerstörung weiter Teile des
Libanons (2006). Das Fernsehmagazin "Monitor" machte am 27.
Juli 2006 deutlich: "Seit Tagen fliegt die israelische
Luftwaffe Angriffe im Libanon. Teile der Zielerfassung,
sozusagen des Visiers israelischer Kampfjets, basieren auf
deutschem Know-how, entwickelt und geliefert unter anderem
von einer ehemaligen Tochter der AEG... Auch am Boden
kämpfen die israelischen Truppen mit deutscher
Technik." Der Kampfpanzer "Merkava" bilde das Rückgrat
der israelischen Bodentruppen, und seine Kanone sei eine
Entwicklung der Rüstungsfirma Rheinmetall. Ohne
deutsche Technik schießt dieser israelische Panzer
nicht und rollt keinen Meter, denn auch der Motor und das
Getriebe sind Ergebnisse deutscher Ingenieurskunst.
Mindestens 200 nukleare
Sprengköpfe
"Natürlich haben wir aufgrund
unserer Geschichte eine besondere Verantwortung für die
sechs Millionen in Israel lebenden Juden und speziell auch
für die Anerkennung des Existenzrechtes Israels", so
Rainer Arnold, Verteidigungsexperte der
SPD-Bundestagsfraktion und Mitglied im Verein "Gegen
Vergessen". Vergessen werden allerdings rechtliche Vorgaben
und pazifistische Floskeln, mit denen in anderen
Zusammenhängen so getan wird, als sei es ein Gebot
deutscher Geschichte, selber keine Kriege mehr zu
führen und in Krisengebiete auch keine Waffen zu
liefern. Dabei steht fest, daß Israel über
nukleare, biologische und chemische Vernichtungsmittel
verfügt, wie sie keiner der arabischen Nachbarn hat.
Die aus der Bundesrepublik gelieferten und vom deutschen
Steuerzahler finanzierten Delphin-U-Boote lassen sich mit
Atomraketen bestücken. Im Unterschied zum (verfemten)
Iran weigert sich Israel beharrlich, den
Atomwaffensperrvertrag zu unterzeichnen. Amerikanische
Rüstungsexperten schreiben dem zionistischen Staat
mindestens 200 nukleare Sprengköpfe zu. Es kann also
nicht ernsthaft die Rede davon sein, daß Israel ohne
deutsche Waffenlieferungen irgendwelchen Feinden wehrlos
ausgeliefert wäre. Außerdem würde die
Gefährdung noch einmal deutlich abnehmen, wenn Israel
die ihm gewidmeten UN-Resolutionen beachten und sich aus den
widerrechtlich besetzten Gebieten der Nachbarländer
zurückziehen würde.
Deutsche Steuerzahler
finanzieren Täter und Opfer
Doch die bundesdeutsche Regierung
liefert sogar Ersatzmotoren für israelische Panzer, von
denen bekannt ist, daß sie palästinensische
Siedlungen und Flüchtlingslager zerstören.
Absurderweise werden dann wiederum die deutschen und
europäischen Steuerzahler herangezogen, um die
Schäden zu reparieren. Das heißt: Täter und
Opfer im Nahen Osten finanzieren sich aus den gleichen
Quellen. Angesichts einer solch irrwitzigen Spirale - erst
zerstören, dann wiederaufbauen, hernach von vorne
beginnen - darf man sich über die Erfolglosigkeit
politischer Friedensbemühungen in und um Israel nicht
wundern.
Unser Autor Dr.
phil. Claus Nordbruch, u.a.
ausgezeichnet mit dem Wissenschaftspreis der 'Stiftung
Ostdeutscher Kulturrat', ist Verfasser mehrerer Bücher
über zeitgeschichtliche und politische Themen, zuletzt:
'Judenfragen/ Selbstverständnis und Problematik'.
Nordbruch, geboren 1961, lebt mit seiner Familie in
Südafrika.
Quelle: Nation &
Europa
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