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9. Juli 2011

Merkels Rede 2009 bei Danzig zum Kriegsbeginn

Am 1. September 2009 hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der polnischen Gedächtnisfeier zum Kriegsausbruch auf der Westerplatte vor polnischen und alliierten Staatschefs und Ministern aus rund 20 Staaten eine Rede. Darin führte sie einleitend aus.

"Heute vor 70 Jahren begann mit dem deutschen Überfall auf Polen das tragischste Kapitel in der Geschichte Europas. Der von Deutschland entfesselte Krieg brachte unermeßliches Leid über viele Völker. Jahre der Entrechtung, der Erniedrigung und der Zerstörung."

Doch daran ist fast jedes Wort falsch:

1. Der deutsche Angriff war kein "Überfall", sondern die berechtigte Antwort auf seit Monaten anhaltende Provokationen Polens mit Morden, Schikanen und Unterdrückungen Volksdeutscher in Polen. Warschau hatte schon zwei Tage vorher die Generalmobilmachung, die einer Kriegserklärung gleichkam, verkündet und jedes Gespräch über berechtigte deutsche Ansprüche und Änderungsvorschläge abgelehnt. Der "Überfall" ist Stalinsche Begriffsbildung.

2. Das "tragischste Kapitel Europas" begann nicht am 1. September 1939, sondern in Versailles am 28. Juni 1919, als mit dem Versailler Diktat der Zweite Weltkrieg geboren wurde.

3. Der Zweite Weltkrieg wurde nicht "von Deutschland entfesselt", sondern von den zum Krieg entschlossenen Regierungen in Warschau, London und Washington war der Krieg unvermeidbar gemacht worden.

4. Die Deutschen versuchten durch zig Friedensbemühungen vor und im Krieg, das "unermeßliche Leid" in Europa zu verhindern, nur London lehnte alle diese ab.

5. Ein größeres Maß "der Entrechtung, Erniedrigung und Zerstörung" brachten die Alliierten im und nach dem Kriege über Deutschland und Europa, hatte die Sowjetunion bereits vor 1939 ihrer Bevölkerung auferlegt.

Es ist bezeichnend, daß die oben genannten bedeutungsschweren Sätze bei dem Bericht über Merkels Rede in vielen Zeitungen verschwiegen wurden. Glaubte man, das dem deutschen Volk (noch) nicht bieten zu können?

Zutreffend war die Überschrift der Stuttgarter Nachrichten: "Die Bundeskanzlerin spricht Polen aus dem Herzen", als ob das ihre Aufgabe gewesen wäre, unglaubliche und ungerechtfertigte Anklagen gegen ihr Volk vorzubringen.

Im folgenden Teil ihrer Rede gedachte die Bundeskanzlerin nur der polnischen und jüdischen Opfer, erwähnte aber nicht einmal die deutschen - geschweige denn die der deutschen Soldaten -, gab aber nochmals alle Schuld am Krieg und seinen Leiden den Deutschen: "Ich gedenke der sechs Millionen Juden und aller anderen, die in deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagern einen grausamen Tod erlitten. Ich gedenke der vielen Millionen Menschen, die ihr Leben im Kampf und Widerstand gegen Deutschland lassen mußten. . . Ich gedenke der 60 Millionen Menschen, die durch diesen von Deutschland entfesselten Krieg ihr Leben verloren haben."

Sie erwähnte noch die "immer währende geschichtliche Verantwortung Deutschlands. . ., die am Anfang stand". Es folgte eine einzige Anklage gegen Deutschland unter Verschweigen der - zum Teil größeren - Verbrechen der Alliierten.

Kein Wort fiel vom alles verursachenden Versailler Diktat 1919 und seinen Abtretungen deutschen Landes an Warschau, die teilweise durch polnische militärische Überfälle erzwungen wurden, vom deutschen Danzig, das Polen auch noch rauben wollte, von Danzigs deutschen Menschen, vom völkerrechtswidrigen Raub ganz Ostdeutschlands 1945 und den Schrecken der grausamen Vertreibung mit ihren 2,5 Millionen Todesopfern. Der deutsche Versuch, im Zweiten Weltkrieg mit großen Opfern den Bolschewismus aus Mitteleuropa fernzuhalten, wurde so wenig erwähnt wie die Überlassung Osteuropas an die Sowjets 1945 durch die Westalliierten.

Der völkerrechtswidrige Warschauer Aufstand 1944 im Rücken der deutschen Front, der zu erbitterten Kämpfen führte, die die polnische Hauptstadt zerstörten, wurde als Anklage gegen Deutschland benutzt, nicht aber die ehrenhafte Haltung der deutschen Militärs gegenüber den Aufständischen, die eigentlich als Partisanen hätten behandelt werden dürfen.

Man sagt zwar Artiges für den Gastgeber, sollte aber bei der geschichtlichen Wahrheit bleiben. Eine dadurch nicht zu entschuldigende Geschichtsverdrehung ist auch Merkels Satz über den Anteil Polens an der kleinen deutschen Wiedervereinigung in der Zeit vor 1989: "In Polen haben die Menschen damals überall das Tor zur Freiheit mutig aufgestoßen. Die Deutschen werden das nie vergessen." Dabei wollte Warschau aber gerade nicht die deutsche Einheit, sondern hat sie möglichst zu hintertreiben versucht. Daß Polen nach 1945 Jahrzehnte lang von den Sowjets unterdrückt wurde, ist nicht die Schuld der Deutschen, die im Gegenteil Europa vor dem Bolschewismus zu retten versuchten, sondern die der Westalliierten, die durch ihre Unterstützung Moskaus und durch ihre Zusage in Jalta Osteuropa dem sowjetischen Terrorsystem auslieferten.

Dagegen klagte kein anderer Redner sein eigenes Land wegen des Krieges an. Selbst der russische Ministerpräsident Putin sprach am selben Ort für sein Volk, ohne jedes Schuldbekenntnis. Er erwähnte zwar Katyn, verschwieg aber Moskaus in den letzten Jahrzehnten herausgekommene Planung und Vorbereitung zum großen Krieg oder die Zig Millionen Todesoper des Bolschewismus unter Lenin und Stalin. Schon in den Tagen vorher hatte er den deutsch-sowjetischen Vertrag vom 23. August 1939 verteidigt und ihn als logische Folge des Versagens der Westmächte beim Münchener Abkommen 1938 bezeichnet.


Quelle: Deutschland in Geschichte und Gegenwart

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