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7. September 2007

Polens neue Forderungen
Muß Deutschland ewig zahlen?

Von Andreas Molau

Dreistigkeit ist das Kennzeichen polnischer Politik. Diese Feststellung galt für das zurückliegende 20. und sie gilt ganz offensichtlich noch immer für das 21. Jahrhundert. Die polnische Politik hat, dies zeigt sich erneut in diesen Tagen, den Unterschied zwischen gesundem Nationalgefühl und Chauvinismus selten begriffen. Anders wäre es wohl auch nicht möglich, dass das Außenressort des Staates von einer Ministerin geführt wird, die in Zeiten globaler Bedrohung nichts anderes zu tun hat, als flache Ressentiments gegen Deutschland zu pflegen.

Anna Fotyga, die kurioserweise auch noch der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) angehört, hat ihren Deutschenhass zum offenen Programm gemacht. Mitte August bezeichnete Fotyga gleich Deutschland und Russland als "historische Feinde". Und den großen Worten lässt die langjährige Vertraute von Präsident Lech Kaczynski jetzt noch größere folgen. Das polnische Außenministerium ließ nämlich verlauten, dass man sich gerade darauf vorbereite, von Deutschland Entschädigungen in Milliardenhöhe für im letzten Krieg zerstörte polnische Kulturgüter zu verlangen. "Aus allen Auflistungen geht hervor, dass wir noch wesentlich größere Forderungen erheben können (als bisher) … Wir schätzen unsere Verluste auf etwa 20 Milliarden Dollar", eröffnete die Außenministerin der Weltöffentlichkeit ihren polnischen Wunschzettel.

Das schlechte Gewissen Polens

Der Grund für die plötzlichen Begehrlichkeiten liegt auf der Hand: Die polnische Regierung muss das schlechte Gewissen plagen. Alle Eltern kennen das: Wenn der Nachwuchs etwas angestellt hat, dann sind immer "die anderen" schuld. Wir lernen: In der Weltpolitik geht es gelegentlich nicht anders zu als auf dem Schulhof. In diesem Fall wurde die polnische Regierung daran erinnert, dass sie sich nach 1945 nicht nur in den Besitz deutschen Landes gebracht hatte, sondern dass sie bis heute auch ebenso völkerrechtswidrig deutsche Kulturgüter einbehält. Ungewöhnlich beim ansonsten unterwürfigen Verhalten der deutschen Bundesregierung war in den letzten Monaten das immerhin zaghafte Andeuten von Besitzansprüchen auf diese Schätze. So befindet sich skandalöser Weise etwa das Manuskript des Liedes der Deutschen von Hoffmann von Fallersleben in polnischem Besitz. Die Haager Landkriegsordnung von 1907 zwingt die Polen eigentlich zur Herausgabe solcher und anderer Kulturgüter. Solche "Kleinigkeiten" wie internationales Recht stören die Regierung in Warschau aber nicht, und auch die Deutschen verhalten sich wie gewöhnlich zurückhaltender als dies nötig wäre. Kein Volk der Welt würde sich derartig demütigen lassen.

Wie so oft mussten sich Deutsche selbst helfen, weil der eigenen Regierung das Schicksal der Landsleute egal zu sein scheint. Vor der Privatinitiative der Preußischen Treuhand, die beim Europäischen Gerichtshof ihre Rechte einklagen will - gegen den Willen Berlins -, zittert die polnische Regierung, zittert zu Recht und versucht ihr schlechtes Gewissen hinter großen Sprüchen zu tarnen. Hier mussten sich Vertriebene persönlich engagieren, um die Vertreibung an Deutschen vor dem Europäischen Gerichtshof als Menschenrechtsverletzung zu deklarieren und ihre Besitzansprüche geltend zu machen.

"In schlimmster Weise vergeht man sich gegen das Recht des geschichtlich Gegebenen und überhaupt gegen jedes menschliche Recht, wenn man Völkerschaften das Recht auf das Land, das sie bewohnen, in der Art nimmt, dass man sie zwingt, sich anderswo anzusiedeln", mahnte 1954 Albert Schweitzer. Wenn die Vertreibung der Deutschen Recht wäre, müsste man bis heute allen Peinigern das gleichePolen heute zugestehen. Eine Nachkriegsordnung, die auf solchem Unrecht fußt, ist nicht gerecht und was nicht gerecht ist, kann nicht von Dauer sein. Daran ist nicht nur Polen schuld, aber es macht seinen Anteil an Schuld mit jedem Tag größer, wo es die deutschen Opfer verhöhnt.

Eine solche Verhöhnung ist die Forderung Warschaus nach Entschädigungen gegenüber dem deutschen Staat. Reicht es noch nicht, dass man 15 Millionen Menschen vertrieben, mehr als zwei Millionen davon brutal umgebracht hat? Genügt es nicht, dass 40 Prozent des deutschen Gebietes in zwei Weltkriegen geraubt wurden? Aber fordert nicht eine Bundesregierung, die alle Interessen vertritt, nicht aber die ihres eigenen Volkes, auch gleichsam zu einer solch maßlosen Forderung geradezu heraus? Die etablierten Parteien haben ohne Skrupel die Ostgebiete verschenkt, sie verschenken die Ehre jener deutschen Soldaten, die nichts als ihre Pflicht gegenüber ihrem Land erfüllten. Wenn Warschau demnächst die Übergabe von ganz Deutschland fordert, werden diese Politiker womöglich nicht zögern, auch diesen "Wunsch" zu erfüllen …

Schließlich besteht ein großer Unterschied zwischen Entschädigungen, wie sie die polnische Regierung fordert und der Herausgabe von rechtmäßigem Eigentum, wie sie die Preußische Treuhand verlangt. Entschädigungen fordern heute bekanntlich sogar übergewichtige Hamburger-Vertilger, weil sie meinen, die Schnell-Imbiss-Ketten hätten sie vor dem Verzehr nicht ausreichend über die Folgen aufgeklärt. Wenn die polnische Regierung aber das Fass aufmacht, wie man Kriegsschäden im Nachhinein zu klingender Münze umzuwandeln versucht, dann könnte man gleich auch deutscherseits einmal berechnen, was etwa die einstige Kornkammer des Reiches, Schlesien, was ein Industriezentrum wie Oberschlesien "kostet". Und auch was Kriegsschäden anlangt, so können deutsche Städte in allen Teilen des Landes ein trauriges Lied singen.

Das Gebaren des polnischen Staates zeigt in bedrückender Weise, wie nahe der letzte Krieg und wie tief seine Gräben heute noch sind. Eine ausgewogene Geschichtsbetrachtung gerade auch in Deutschland könnte dazu beitragen, dass wieder ein Bewusstsein über die wirklichen Verhältnisse in Europa entsteht. Dazu gehört auch die Thematisierung von Vertreibung der Deutschen und Landraub an Deutschland. "Nur die Annahme der Wahrheit kann heilen", erinnerte der heutige Papst Benedikt XVI. an einem Pfingstsonntag als damaliger Erzbischof von München und Freising. Das gilt auch für die europäische Ordnung und den europäischen Frieden.


Quelle: National-Zeitung

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