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17. Februar
2006
Neue
Entschädigungsforderungen aus den
USA:
Sie geben keine
Ruhe
Von Martin Lüders
Mit der 1999 vereinbarten
Zwangsarbeiterentschädigung wollten sich
Bundesregierung und deutsche Wirtschaft eigentlich den
endgültigen Rechtsfrieden in der
Vergangenheitsbewältigung erkaufen. Doch daraus wird
nichts. In den USA haben sich jetzt Kläger
zusammengetan, um vor dem Bundesgericht von Florida gegen
die deutsche Bundesregierung, die Bundesbank, die
Commerzbank, die Deutsche Bank und sogar gegen die Bank
für internationalen Zahlungsausgleich in Basel eine
Sammelklage einzureichen. Es geht um Anleihen, die im Jahr
1924 im Rahmen des Dawes-Abkommens gezeichnet worden waren.
Damals mußte das Deutsche
Reich Auslandsanleihen im Wert von 960 Millionen Goldmark
aufnehmen, um die aus dem Versailler Diktat
herrührenden Reparationsforderungen an die Sieger
begleichen zu können. Zwar wurden diese Forderungen im
Rahmen des Londoner Schuldenabkommens 1953 ausgleichshalber
geregelt, doch hat sich nun
unter Federführung der einschlägig bekannten
US-Anwälte Frederick Löwe und Ed Fagan eine Gruppe
zusammengetan, die mit einer Sammelklage weiteres Geld aus
Deutschland herauspressen will.
Dabei geht man wohl, wie die FAZ
meint, nicht davon aus, daß am Ende ein Urteil
gefällt wird. Der politische Druck solle aber durch die
Klage so stark werden, daß die Bundesrepublik
vorzeitig einen Vergleich schließt, wobei hohe
Geldbeträge herauskommen dürften. Es ist unklar,
um wie viele Papiere es geht; die Rede ist sowohl von 750
als auch von 11.000 Anleihen. Jede davon im Nominalwert von
1.000 US-Dollar dürfte heute einen Wert von 15 bis 20
Millionen US-Dollar haben. "Das summiert sich rasch auf
horrende Milliarden-Forderungen", so die Einschätzung
der FAZ.
Deutsche Experten haben allerdings
Zweifel an der Echtheit der vorgelegten Dokumente, weshalb
die Commerzbank Anzeige wegen Urkundenfälschung
erstattet hat. Die US-jüdischen Rechtsanwälte
wiederum beschuldigen die Bundesrepublik und deren Banken,
eine "Verschwörung" gegen die Gläubiger
angezettelt zu haben. Deutschland und seine Wirtschaft haben
bereits einmal den Pressionen, die von solchen Sammelklagen
ausgehen, nachgegeben, indem sie ehemaligen Fremd- und
Zwangsarbeitern Entschädigungen in Milliardenhöhe
zubilligten. Viele der Empfänger waren, wie aus der
Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des damaligen
Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann hervorgeht,
längst entschädigt worden. Da ist es kein Wunder,
daß die Nachgiebigkeit erneut ausgenutzt wird.
"Es gibt kein besseres Mittel, den
Gegner zu immer neuen unverschämteren Forderungen zu
veranlassen, als die Politik unaufhörlicher
Zugeständnisse." So zitierte der SPD-Vorsitzende Dr.
Kurt Schumacher den französischen
Ministerpräsidenten Georges Clemenceau, wie Fried
Wesemann im Buch "Kurt Schumacher, ein Leben für
Deutschland" mitteilt. An dieser Einsicht hat sich bis heute
nichts geändert.
Mittlerweile berichtet die polnische
Presse, daß sich Vorstandsmitglieder der "Stiftung
Deutsch-Polnische Aussöhnung" an den
Entschädigungszahlungen für ehemalige
Fremdarbeiter persönlich bereichert haben. So steckte
sich der Stiftungsvorsitzende Jerzy Sulek 20000 Euro als
"Sonderzahlung" in die eigene Tasche. Auch die New Yorker
Anwälte, die jetzt neue Sammelklagen betreiben, nehmen
von ihren Mandanten hohe Erfolgsgebühren. Das in den
Medien tränenreich beklagte "Opferschicksal" wirft
Renditen ab, die sich bei Ausgabe der Dawes-Anleihen niemand
auszurechnen traute.
Quelle: Nation &
Europa
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