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13. August
2005
Phantomgelder,
Geistersoldaten, Ministerschwemme:
"Entwicklungshilfe"
- ein teurer Schwindel
Von Konrad Müntzer
Zu den hartnäckigsten
Lebenslügen der Industrieländer gehört die
sogenannte "Entwicklungshilfe". In Wirklichkeit trägt
sie, worauf Kritiker schon seit Jahrzehnten hinweisen, in
den betroffenen Ländern weniger zur Bekämpfung von
Armut und Hunger bei als vielmehr zu noch
größerer Abhängigkeit von den
Geberländern (dieser Effekt ist in den USA
halboffizielle Regierungslinie, wie erst unlängst der
langjährige US-Diplomat John Perkins in seinen
"Bekenntnissen eines Economic Hit Man" einräumte).
Jetzt erzeugt ein Bericht der
Hilfsorganisation "Action Aid" neue Vorbehalte gegen die
"Entwicklungshilfe". Nach Untersuchungen der Organisation
fließt nämlich ein Großteil der offiziell
angegebenen Hilfsaufwendungen nicht in die Bekämpfung
der Not in den "Entwicklungs"-Ländern, sondern in die
horrenden Gehälter von Beratern aus den
Industrieländern. Ganze Firmen leben davon. Sie machen
Druck auf die Politik, noch mehr Steuergeld auszuspucken.
Wer wirklich kassiert
Sage und schreibe 61 Prozent der von
den G-7-Ländern (Deutschland, Frankreich,
Großbritannien, Kanada, Italien, Japan und USA)
offiziell als "Entwicklungshilfe" deklarierten Mittel sind
"Action Aid" zufolge reine "Phantomgelder". Von den 69
Milliarden Dollar, die zum Beispiel die USA im Jahre 2003 an
"Entwicklungshilfe" aufwendeten, waren gerade einmal 27
Milliarden Dollar "real". Der Rest floß auf Umwegen
über Firmen und teure Beraterhonorare wieder in die USA
zurück - oder verließ amerikanische Konten gar
nicht erst.
Über die Jahre verteilt, sind
von den amerikanischen "Hilfs"-Aufwendungen nur zehn Prozent
real und kommen den Empfangerländern zugute. Stattliche
Summen fließen dagegen zur gleichen Zeit in die
Taschen amerikanischer Techniker und Experten, deren
Reisekosten allein in die Milliarden gehen.
Überhaupt, kritisiert "Action
Aid", lägen die Gehälter der ausländischen
Berater viel zu hoch. So verdienen technische "Experten" in
Vietnam monatlich zwischen 18 000 und 27 000 US-Dollar; ein
vergleichbarer lokaler Experte kommt dagegen nur auf ein
Verdienst zwischen 1500 und 3000 Dollar. In Kambodscha
erhalten die 740 ausländischen "Experten" jährlich
50 bis 70 Millionen US-Dollar. Im Schnitt verdient jeder
einzelne von ihnen damit rund 200mal so viel wie ein
einheimischer staatlicher Angestellter.
Extravagante Ausgaben
Aber es sind nicht nur die
"Entwicklungshelfer", die sich an westlichen Steuergeldern
mästen. Vor allem die einheimischen Oberschichten der
Dritten Welt finanzieren ihr Luxusleben gern aus den
Überweisungen der Industrieländer. Darauf wiesen
kürzlich afrikanische Journalisten bei einer Konferenz
in London hin. Andrew M. Mwenda, Politik-Redakteur der
ugandischen Tageszeitung "The Monitor", brachte es auf den
Punkt:
"Die finanziellen Engpässe, die
Afrikas Regierungen plagen, sind in Wirklichkeit oft auf
Schwächen der Finanzverwaltung und auf extravagante
oder falsche Schwerpunktsetzungen bei den öffentlichen
Ausgaben
zurückzuführen. Eine Erhöhung der
Entwicklungshilfe könnte sich als eine Medizin
entpuppen, die den Patienten noch kränker macht."
Allein Ugandas Staatshaushalt sei zu
50 Prozent auf ausländische Spendengelder angewiesen,
berichtet Mwenda. Das meiste fließe in eine
völlig unsinnige Rüstung mit exorbitanten
Soldzahlungen an das Militär. Dazu heißt es im
dtv-Jahrbuch 2005: "Eine Untersuchungskommission (in Uganda)
ermittelte etwa mehr als 10 000 'Geistersoldaten', die
bezahlt wurden, ohne zu existieren. Die abgezweigten Gelder
stecken sich Offiziere in die eigene Tasche." Dennoch gilt
Uganda als vorbildlicher Verbündeter der USA, eng
eingebunden in den "Anti-Terror-Krieg" der Amerikaner.
Einschränkungen der Meinungs- und Versammlungsfreiheit
gehören dazu.
Schließlich gibt die Regierung
des ugandischen Staatspräsidenten Museveni 200
Millionen Dollar für die Verwaltung aus, "vor allem
für politische Patronage mit einem Kabinett von 68
Ministern, 73 Präsidentenberatern, einem Parlament von
der Größe eines Fußballstadions und immer
neuen Kommunalverwaltungen", berichtet Mwenda. Eine Studie
belege, daß die Verwaltungsausgaben um die Hälfte
reduziert werden könnten. Korruption und Verschwendung
seien an der Tagesordnung. Die Reichen und
Einflußreichen in Uganda bezahlen nach Auskunft des
einheimischen Journalisten schon längst keine Steuern
mehr.
Von neuerlichen Aufstockungen der
Entwicklungshilfe hält Mwenda nichts. Die
Industrieländer seien bereits großzügig
genug gewesen: "Ein durchschnittliches afrikanisches Land
südlich der Sahara erhält Entwicklungshilfe in
einer Größenordnung von 13 Prozent seines
Bruttoinlandsprodukts. Geschichtlich gesehen, ist das ein
noch nie dagewesener Transfer von Finanzmitteln entwickelter
in arme Länder. Ein Land wie Uganda erhält so viel
Entwicklungshilfe, daß die Wirtschaft nicht mehr in
der Lage ist, sie sinnvoll zu verwenden."
Mwenda und seine einheimischen
Kollegen rennen mit solchen Feststellungen allerdings an
eine ideologische Wand. Vor allem linke Politiker des
Westens glauben beharrlich daran, daß man nur genug
Geld nach Afrika pumpen muß, um den Kontinent zum
Blühen zu bringen. So gut wie niemand fragt, weshalb
bislang die meisten Zuschüsse wirkungslos versickert
sind und immer neue Katastrophenbilder an die
Spendenbereitschaft der Amerikaner und Europäer
appellieren.
Und wieder zahlen die
Deutschen
Die von Premier Tony Blair
einberufene Entwicklungshilfe-Kommission in London, an der
auch Mwenda teilnahm, bewirkte kein Umdenken. Im Gegenteil.
Kurz darauf, Mitte Juni, erhielt die Dritte Welt den
weitreichendsten Schuldenerlaß, den es je gab. Die
G-7-Staaten plus Rußland bringen dafür rund 45
Milliarden Euro auf, indem sie die hauptsächlich
afrikanischen Rückzahlungsraten für die Weltbank,
den Internationalen Währungsfonds und andere
Kreditinstitute übernehmen. Auch das astronomisch
überschuldete Deutschland zeigt sich generös: In
den nächsten zehn Jahren beteiligt es sich an dieser
Aktion mit 70 bis 95 Millionen Euro jährlich, wie
Finanzminister Hans Eichel stolz verkündete.
Heftige Kritik kam aus - Kenia. Das
ostafrikanische Land hat seine Schulden (fast)
regelmäßig bezahlt und fühlt sich nun
gegenüber den säumigen Nachbarn benachteiligt. Man
darf davon ausgehen, daß den Kenianern ein solcher
Fehler nicht noch einmal passiert.
Quelle: Nation &
Europa
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