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TV-Moderatorin legt
sich mit Feministinnen an: Von Karl Richter Während noch über Gammelfleisch-Skandale und den Libanon-Einsatz der Bundesmarine debattiert wird, beschäftigt die Feuilletonisten ein ganz anderer Streit. Er wird nicht in den Hauptnachrichten, sondern in den hinteren Teilen der Zeitungen geführt, denn er rührt an Wesentliches. So etwas ist selten in der Bundesrepublik. Doch nach und nach rächen sich die Irrwege von Jahrzehnten, und die Realität klopft an die Pforten. Diskussionen über Grundsätzliches lassen sich immer schwerer ausblenden. Nun also der "Feminismus-Streit". Losgetreten hat ihn die langjährige "Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman, die kürzlich ihren Dienst quittierte. Sie hatte in der Mai-Ausgabe des Magazins "Cicero" ein dickes Fragezeichen hinter die vermeintlichen Errungenschaften der Emanzipation gesetzt und legte dieser Tage mit einem Buch zum Thema nach ("Das Eva-Prinzip / Für eine neue Weiblichkeit"). Traurige Bilanz In einem Interview brachte Herman
ihr Anliegen auf den Punkt: "Der Feminismus hat uns
eingeredet, daß Frauen nur dann etwas wert sind, wenn
sie arbeiten und Geld verdienen. Das finde ich fatal." In
Wahrheit habe der feministische Irrweg Familien
zerstört, in die demographische Katastrophe
geführt und die Frauen nicht glücklicher gemacht,
im Gegenteil: "Ich staune über jene Möglich, daß man Eva Herman später einmal unter die Stichwortgeberinnen eines ideologischen "Roll back" in Sachen Feminismus rechnen wird. Daß sie mit ihrer Kritik an die Fundamente der deutschen Nachkriegsgesellschaft rührt, dafür spricht immerhin die wutschnaubende, wenig souveräne Reaktion der Angesprochenen. Alt-Emanze Alice Schwarzer kanzelte den Herman-Beitrag giftig als "Suada zwischen Mutterkreuz und Steinzeitkeule" ab, und eine andere prominente Selbstverwirklichte, die Schriftstellerin Ildiko von Kürthy, gab in der ARD-Quasselrunde "Beckmann" zu Protokoll: "Ich halte das für großen Quatsch." Getroffene Hunde pflegen zu bellen. Wenn nicht alles täuscht, erleben wir, während die Schatten des Geburtendefizits länger werden, die längst fällige Demontage der Verursacher-Ideologie. Der Feminismus kann historisch als konsequente Verselbständigung des marxistisch-emanzipatorischen Theoriegebräus betrachtet werden, das seit Ende der 1950er, Anfang der 60er Jahre die Köpfe vergiftete. Caspar von Schrenck-Notzing hat in seinem berühmten Werk über die "Charakterwäsche" der Deutschen nach 1945 mit Recht auf den Beitrag US-amerikanischer Umerzieher an der Linkswende der sogenannten "Intellektuellen" hingewiesen. Die Ära der "Moralpolitik" begann. Der von Adorno postulierte "autoritäre Charakter", eine Ansammlung negativer - und spezifisch deutscher! - Eigenschaften, wurde zur Kampfvokabel, nachdem es gelungen war, ihn in der Medienberichterstattung mit dem damaligen Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß zu identifizieren. "Emanzipation" und "Koexistenz", Vergangenheitsbewältigung, "Betroffenheit" und die "Unfähigkeit zu trauern" waren fortan die Versatzstücke des angeblich "herrschaftsfreien Diskurses". In Wirklichkeit begann der Marsch der Linken durch die Institutionen. Zerstörung der Strukturen Der Feminismus trieb das Postulat der "Emanzipation" auf die Spitze. Es handelt sich um den Zentralbegriff schlechthin im ideologischen Arsenal der selbsternannten "Aufklärer". Folgt man Adorno, Habermas und Konsorten, soll sich möglichst jeder von jedem "emanzipieren", womit gemeint war: gewachsene, überkommene, von Autorität und Hierarchie strukturierte Beziehungen kappen. Lange vor Alice Schwarzer war das Dogma der Emanzipation der ideologische Wurzelkeim zur schleichenden Zersetzung der abendländischen Gesellschaften. Es galt, die tausend gewachsenen, historisch begründeten Wechselwirkungen und Abhängigkeitsverhältnisse im gesellschaftlichen Binnenorganismus zu zerstören. Dazu mußte nur die marxistische Mär ein wenig aufpoliert werden. Statt zum "Klassenkampf" wurde jetzt zur "Emanzipation" aufgerufen - der Arbeiter von den Unternehmern, der Bürger vom Staat, der Schüler und Studenten von den Lehrern und Professoren. Und zu guter Letzt: der Frauen von den Männern. Hedonisten und PISA-Geschädigte Ein halbes Jahrhundert später sind wir schlauer - und dem Exitus als Volk, als Gesellschaft ein gutes Stück näher. Der Prozeß der Emanzipation machte aus Bürgern und Volksangehörigen eine Ansammlung von Hedonisten, Selbstverwirklichten und Bindungsunfähigen und fräste durch alle Lebensbereiche Schneisen der Verwüstung. Er machte aus dem Volk der Dichter und Denker das Land der PISA-Geschädigten, er ruinierte ein weltweit vorbildliches Bildungssystem, er verwandelte die Medienlandschaft in eine pathologische Dauerveranstaltung. Und er führte zur chronischen Geburtenverweigerung. Der Feminismus ist nur obenhin eine Ideologie. Das tut ihm zu viel Ehre an. Die Wahrheit ist, daß der Feminismus eine klassische Reaktion Schlechtweggekommener ist. Nietzsche und Spengler diagnostizierten derlei an Vergleichsfällen über die Jahrhunderte hinweg, exemplarisch am Christentum im Römischen Reich und an der Französischen Revolution. Auch im Feminismus tarnte sich lediglich mit ideologischem Überbau, was nichts anderes war als die psychologische Antwort auf die "vaterlose Gesellschaft" nach dem Krieg. In Deutschland war sie es gleich in zweierlei Hinsicht: Es fehlten nicht nur die Männer, die gefallen waren und zu Millionen in den Kriegsgefangenenlagern der Sieger saßen; es fehlte auch die authentische Führung, die von den Alliierten systematisch liquidiert wurde. An ihrer Stelle erhielten die Deutschen ein Substrat. Daß es Regierung spielen durfte nur im Rahmen der Besatzerherrschaft, war für jeden mit Händen zu greifen. Die junge Bundesrepublik war ein Golem, der nach fremdem Willen herumtappte. Ihm fehlte Rückgrat, Identität, Ehrlichkeit - alles, was einen guten Vater ausmacht. Die Trümmergeneration mußte ohne ihn auskommen und wurde reif nicht zuletzt für den Bazillus des Feminismus. Der Verlust der Väterlichkeit mußte fast zwangsläufig zur Hypertrophie des (falschverstandenen) Weiblichen führen. Vorgetäuschtes Glück Als Ahnherrin des Feminismus gilt gemeinhin die französische Schriftstellerin Simone de Beauvoir (1908-1986). Ihre reichlich verquere Beziehung zu Jean-Paul Sartre wurde in linken Kreisen lange als zukunftsweisend propagiert. Sie wurde von den beiden Partnern, die sich gegenseitig alle Freiheiten zugestanden, alle zwei Jahre formell verlängert. Nur: Als vor einigen Jahren der Briefnachlaß der Beauvoir publiziert wurde, zerbröselte die Mär von der ach so toleranten und "offenen" Intellektuellen-Beziehung. Es stellte sich nämlich heraus, daß sich die abgehobene Caféhaus-Philosophin über Sartres Eskapaden und Seitensprünge nicht anders mokierte als jede normalgebliebene Frau. Ungleich größeren Schaden als mit ihren Beziehungsexperimenten richtete die Beauvoir allerdings mit ihrer frauenbewegten Phraseologie an. Sie propagierte Prostitution als alternative Lebensform, die derjenigen der bürgerlichen Ehefrau überlegen sei. Denn: Nicht mehr ökonomische Abhängigkeit wie in der überkommenen Ehe, sondern die finanzielle Selbständigkeit beider Partner bestimme hier die Beziehung zwischen den Geschlechtern. Solche Sicht der Lebensverhältnisse verdichtete sich hierzulande schließlich in einer rot-grünen Gesetzgebung, die es Polizei und Strafverfolgungsbehörden nicht länger ermöglicht, das Rotlicht-Milieu auch nur halbwegs zu kontrollieren. Um nicht die letzten Dämme brechen zu lassen, wurden die Arbeitsagenturen kürzlich angewiesen, arbeitslosen Frauen keine Stellungen im horizontalen Gewerbe zuzuweisen, was in Einzelfällen bereits passiert war. So normal ist dieser "Beruf' dann doch nicht. Frauenfrage als Männerproblem Ansonsten bleibt vom marxistischen Ansatz, der dem zweifelhaften Frauenbild der Simone de Beauvoir zugrunde liegt, nicht viel, zumindest was seine intellektuelle Urheberin angeht. Denn deren kopflastiges 700-Seiten-Elaborat "Das andere Geschlecht", das in der französischen Originalfassung bereits 1949 erschien, speist sich im Kern aus einem dicken Bodensatz aus Ressentiments, postfreudianischer Pseudo-Psychologie - und handfesten Irrtümern. Stichproben: "Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es." Oder: "Ebenso wie es in Amerika kein schwarzes Problem, sondern nur ein weißes gibt, ebenso wie der Antisemitismus nicht ein jüdisches, sondern unser Problem, so ist auch die Frauenfrage stets nur ein Problem der Männer gewesen" - eine Argumentationsfigur für den Zicken-Stammtisch: Wenn Männer kein Problem haben, muß man ihnen eines einreden, die klassische Psychologie der Herrschafts-Aneignung, die Nietzsche 1887 in seiner "Genealogie der Moral" entlarvte, lange vor Freud. Es gehört zur Tragik der menschlichen Geschichte, daß größte Massenwirksamkeit häufig die einfältigsten Ideen entfalten. Der Weg des Feminismus vom abseitigen Literatinnen-Spleen zur bewußtseinsverändernden Kollektivdroge ist eine der fragwürdigsten Erfolgsgeschichten der letzten Jahrhunderte. Als schleichendes Gift sickerte die feministische Geistesverirrung ein in unsere alltägliche Lebens- und Medienwelt; sie erfreut sich der Dauerpropagierung durch Minderheiten-Seilschaften in Parteien und Rundfunkräten und ist demzufolge längst selbstverständlicher Bestandteil von Vorabendserien, Mädchenzeitschriften und Kinderbüchern. Die Botschaft ist auf allen Kanälen die gleiche, ob "Marienhot", "Sex and the City" oder "Die Kommissarin": Gut, erfolgreich und moralisch überlegen ist nur die emanzipierte Selbstverwirklichte, während Männer vielfach "Chauvis" und Schweine sind, schon aus Prinzip - die alte Schlampen-Moral der Beauvoir. Wenn schon partout von "westlichen Werten" die Rede sein soll, dann muß man ehrlicherweise eingestehen, daß ein pathologischer Vulgär-Feminismus inzwischen ziemlich weit vorn rangiert. Wer, wie islamische und andere Kulturströmungen, nichts mit ihnen zu tun haben will, wird des Faschismus verdächtigt. Dennoch läßt sich die Natur nicht dauerhaft überlisten. Frauen wollen Frauen sein dürfen, Männer wollen Männer sein dürfen - mit den angeborenen physischen und psychischen Unterschieden. Daraus ergibt sich Auftrag und Ergänzung, keine diskriminierende Rangordnung. Staatliche Umerziehungsprogramme, deren einziger Zweck es ist, Eltern, Kinder, Heranwachsende an ihren überlieferten Geschlechterrollen irrezumachen ("gender mainstreaming"), können angesichts der biologischen Vorgaben nur als irrwitzig bezeichnet werden. Keine Frauensolidarität Manche Wahrheiten erfahren leider erst breite Kenntnisnahme, wenn sie von Prominenten ausgesprochen werden. Noch einmal Eva Herman: "Ziehen wir Bilanz nach fast einem halben Jahrhundert Feminismus und Frauenemanzipation. Es werden so viele Ehen geschieden wie noch nie zuvor. In immer weniger Haushalten wird regelmäßig oder gar zeitaufwendig gesund gekocht. (...) So zieht eine hochzivilisierte Kultur wie die unsere sich selbst den Boden unter den Füßen weg, die Basis, die uns Halt im täglichen Überlebenskampf geben könnte: die intakte Familie. (...) Wir sterben aus. Und das, weil die Rolle der Frau so lange problematisiert, diskutiert und umgeformt wurde, bis die Verunsicherung die Frauen in die Verweigerung der Mutterrolle führte - und die Männer in die Verweigerung der Versorgerrolle. Wenn die Frau zur Konkurrentin des Mannes wird, spürt er weder Bindung noch Verantwortung für sie." Seitdem sich Eva Herman derart einließ, erfährt sie fast handgreiflich, daß es die von Feministinnen so gern beschworene "Frauensolidarität" nicht gibt. Am liebsten würde man ihr den Mund verbieten. "Feministinnen, allen voran Alice Schwarzers 'Emma', forderten in E-Mails meine Entlassung, eine Gruppe sogenannter Busineßfrauen ebenfalls", berichtet die TV-Moderatorin und schlußfolgert daraus: "Menschen mit anderen Überzeugungen sollen vernichtet werden." Das paßt perfekt ins Bild: Feminismus ist eben keine Befreiungslehre, sondern ein großangelegter Bevormundungsversuch. Über Einwände wird nicht sachlich diskutiert, sie werden mit Repressalien und Schlägen unter die Gürtellinie beantwortet. So verstieg sich ein Interviewer der "Bunten" zu der Frage an Eva Herman, ob sie "sexuelle Störungen" habe. Früher hätte die Antwort aus einer schallenden Ohrfeige bestanden. Aber da herrschte eben noch jene altmodische Rollenverteilung, die Männern eine gewisse Höflichkeit gegenüber Frauen abverlangte. Davon sind wir abgekommen - dank Feminismus.
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