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20. Oktober
2006
TV-Moderatorin legt
sich mit Feministinnen an:
Eva Herman -
politisch unkorrekt
Von Karl Richter
Während noch über
Gammelfleisch-Skandale und den Libanon-Einsatz der
Bundesmarine debattiert wird, beschäftigt die
Feuilletonisten ein ganz anderer Streit. Er wird nicht in
den Hauptnachrichten, sondern in den hinteren Teilen der
Zeitungen geführt, denn er rührt an Wesentliches.
So etwas ist selten in der Bundesrepublik. Doch nach und
nach rächen sich die Irrwege von Jahrzehnten, und die
Realität klopft an die Pforten. Diskussionen über
Grundsätzliches lassen sich immer schwerer ausblenden.
Nun also der "Feminismus-Streit".
Losgetreten hat ihn die langjährige
"Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman, die kürzlich ihren
Dienst quittierte. Sie hatte in der Mai-Ausgabe des Magazins
"Cicero" ein dickes Fragezeichen hinter die vermeintlichen
Errungenschaften der Emanzipation gesetzt und legte dieser
Tage mit einem Buch zum Thema nach ("Das Eva-Prinzip /
Für eine neue Weiblichkeit").
Traurige Bilanz
In einem Interview brachte Herman
ihr Anliegen auf den Punkt: "Der Feminismus hat uns
eingeredet, daß Frauen nur dann etwas wert sind, wenn
sie arbeiten und Geld verdienen. Das finde ich fatal." In
Wahrheit habe der feministische Irrweg Familien
zerstört, in die demographische Katastrophe
geführt und die Frauen nicht glücklicher gemacht,
im Gegenteil: "Ich staune über jene
selbstgerechten Damen, die mit zusammengebissenen
Zähnen behaupten, ihr Lebensweg sei der einzig richtige
- und das, obwohl die Bilanz oft traurig ist, weil sie weder
glücklich sind, noch Liebe, Bindung, Vertrauen
erfahren." Frauen leisteten auch dann wertvolle Arbeit,
"wenn sie liebevollen und ausgeglichenen Nachwuchs
heranziehen statt aggressive, bindungslose und seelisch
verwahrloste Kinder".
Möglich, daß man Eva
Herman später einmal unter die Stichwortgeberinnen
eines ideologischen "Roll back" in Sachen Feminismus rechnen
wird. Daß sie mit ihrer Kritik an die Fundamente der
deutschen Nachkriegsgesellschaft rührt, dafür
spricht immerhin die wutschnaubende, wenig souveräne
Reaktion der Angesprochenen. Alt-Emanze Alice Schwarzer
kanzelte den Herman-Beitrag giftig als "Suada zwischen
Mutterkreuz und Steinzeitkeule" ab, und eine andere
prominente Selbstverwirklichte, die Schriftstellerin Ildiko
von Kürthy, gab in der ARD-Quasselrunde "Beckmann" zu
Protokoll: "Ich halte das für großen Quatsch."
Getroffene Hunde pflegen zu bellen.
Wenn nicht alles täuscht, erleben wir, während die
Schatten des Geburtendefizits länger werden, die
längst fällige Demontage der
Verursacher-Ideologie. Der Feminismus kann historisch als
konsequente Verselbständigung des
marxistisch-emanzipatorischen Theoriegebräus betrachtet
werden, das seit Ende der 1950er, Anfang der 60er Jahre die
Köpfe vergiftete. Caspar von Schrenck-Notzing hat in
seinem berühmten Werk über die
"Charakterwäsche" der Deutschen nach 1945 mit Recht auf
den Beitrag US-amerikanischer Umerzieher an der Linkswende
der sogenannten "Intellektuellen" hingewiesen. Die Ära
der "Moralpolitik" begann. Der von Adorno postulierte
"autoritäre Charakter", eine Ansammlung negativer - und
spezifisch deutscher! - Eigenschaften, wurde zur
Kampfvokabel, nachdem es gelungen war, ihn in der
Medienberichterstattung mit dem damaligen
Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß zu
identifizieren. "Emanzipation" und "Koexistenz",
Vergangenheitsbewältigung, "Betroffenheit" und die
"Unfähigkeit zu trauern" waren fortan die
Versatzstücke des angeblich "herrschaftsfreien
Diskurses". In Wirklichkeit begann der Marsch der Linken
durch die Institutionen.
Zerstörung der Strukturen
Der Feminismus trieb das Postulat
der "Emanzipation" auf die Spitze. Es handelt sich um den
Zentralbegriff schlechthin im ideologischen Arsenal der
selbsternannten "Aufklärer". Folgt man Adorno, Habermas
und Konsorten, soll sich möglichst jeder von jedem
"emanzipieren", womit gemeint war: gewachsene,
überkommene, von Autorität und Hierarchie
strukturierte Beziehungen kappen. Lange vor Alice Schwarzer
war das Dogma der Emanzipation der ideologische Wurzelkeim
zur schleichenden Zersetzung der abendländischen
Gesellschaften. Es galt, die tausend gewachsenen, historisch
begründeten Wechselwirkungen und
Abhängigkeitsverhältnisse im gesellschaftlichen
Binnenorganismus zu zerstören. Dazu mußte nur die
marxistische Mär ein wenig aufpoliert werden. Statt zum
"Klassenkampf" wurde jetzt zur "Emanzipation" aufgerufen -
der Arbeiter von den Unternehmern, der Bürger vom
Staat, der Schüler und Studenten von den Lehrern und
Professoren. Und zu guter Letzt: der Frauen von den
Männern.
Hedonisten und
PISA-Geschädigte
Ein halbes Jahrhundert später
sind wir schlauer - und dem Exitus als Volk, als
Gesellschaft ein gutes Stück näher. Der
Prozeß der Emanzipation machte aus Bürgern und
Volksangehörigen eine Ansammlung von Hedonisten,
Selbstverwirklichten und Bindungsunfähigen und
fräste durch alle Lebensbereiche Schneisen der
Verwüstung. Er machte aus dem Volk der Dichter und
Denker das Land der PISA-Geschädigten, er ruinierte ein
weltweit vorbildliches Bildungssystem, er verwandelte die
Medienlandschaft in eine pathologische Dauerveranstaltung.
Und er führte zur chronischen Geburtenverweigerung.
Der Feminismus ist nur obenhin eine
Ideologie. Das tut ihm zu viel Ehre an. Die Wahrheit ist,
daß der Feminismus eine klassische Reaktion
Schlechtweggekommener ist. Nietzsche und Spengler
diagnostizierten derlei an Vergleichsfällen über
die Jahrhunderte hinweg, exemplarisch am Christentum im
Römischen Reich und an der Französischen
Revolution. Auch im Feminismus tarnte sich lediglich mit
ideologischem Überbau, was nichts anderes war als die
psychologische Antwort auf die "vaterlose Gesellschaft" nach
dem Krieg.
In Deutschland war sie es gleich in
zweierlei Hinsicht: Es fehlten nicht nur die Männer,
die gefallen waren und zu Millionen in den
Kriegsgefangenenlagern der Sieger saßen; es fehlte
auch die authentische Führung, die von den Alliierten
systematisch liquidiert wurde. An ihrer Stelle erhielten die
Deutschen ein Substrat. Daß es Regierung spielen
durfte nur im Rahmen der Besatzerherrschaft, war für
jeden mit Händen zu greifen. Die junge Bundesrepublik
war ein Golem, der nach fremdem Willen herumtappte. Ihm
fehlte Rückgrat, Identität, Ehrlichkeit - alles,
was einen guten Vater ausmacht. Die Trümmergeneration
mußte ohne ihn auskommen und wurde reif nicht zuletzt
für den Bazillus des Feminismus. Der Verlust der
Väterlichkeit mußte fast zwangsläufig zur
Hypertrophie des (falschverstandenen) Weiblichen
führen.
Vorgetäuschtes Glück
Als Ahnherrin des Feminismus gilt
gemeinhin die französische Schriftstellerin Simone de
Beauvoir (1908-1986). Ihre reichlich verquere Beziehung zu
Jean-Paul Sartre wurde in linken Kreisen lange als
zukunftsweisend propagiert. Sie wurde von den beiden
Partnern, die sich gegenseitig alle Freiheiten zugestanden,
alle zwei Jahre formell verlängert. Nur: Als vor
einigen Jahren der Briefnachlaß der Beauvoir
publiziert wurde, zerbröselte die Mär von der ach
so toleranten und "offenen" Intellektuellen-Beziehung. Es
stellte sich nämlich heraus, daß sich die
abgehobene Caféhaus-Philosophin über Sartres
Eskapaden und Seitensprünge nicht anders mokierte als
jede normalgebliebene Frau.
Ungleich größeren Schaden
als mit ihren Beziehungsexperimenten richtete die Beauvoir
allerdings mit ihrer frauenbewegten Phraseologie an. Sie
propagierte Prostitution als alternative Lebensform, die
derjenigen der bürgerlichen Ehefrau überlegen sei.
Denn: Nicht mehr ökonomische Abhängigkeit wie in
der überkommenen Ehe, sondern die finanzielle
Selbständigkeit beider Partner bestimme hier die
Beziehung zwischen den Geschlechtern. Solche Sicht der
Lebensverhältnisse verdichtete sich hierzulande
schließlich in einer rot-grünen Gesetzgebung, die
es Polizei und Strafverfolgungsbehörden nicht
länger ermöglicht, das Rotlicht-Milieu auch nur
halbwegs zu kontrollieren. Um nicht die letzten Dämme
brechen zu lassen, wurden die Arbeitsagenturen kürzlich
angewiesen, arbeitslosen Frauen keine Stellungen im
horizontalen Gewerbe zuzuweisen, was in Einzelfällen
bereits passiert war. So normal ist dieser "Beruf' dann doch
nicht.
Frauenfrage als
Männerproblem
Ansonsten bleibt vom marxistischen
Ansatz, der dem zweifelhaften Frauenbild der Simone de
Beauvoir zugrunde liegt, nicht viel, zumindest was seine
intellektuelle Urheberin angeht. Denn deren kopflastiges
700-Seiten-Elaborat "Das andere Geschlecht", das in der
französischen Originalfassung bereits 1949 erschien,
speist sich im Kern aus einem dicken Bodensatz aus
Ressentiments, postfreudianischer Pseudo-Psychologie - und
handfesten Irrtümern. Stichproben: "Man kommt nicht als
Frau zur Welt, man wird es." Oder: "Ebenso wie es in Amerika
kein schwarzes Problem, sondern nur ein weißes gibt,
ebenso wie der Antisemitismus nicht ein jüdisches,
sondern unser Problem, so ist auch die Frauenfrage stets nur
ein Problem der Männer gewesen" - eine
Argumentationsfigur für den Zicken-Stammtisch: Wenn
Männer kein Problem haben, muß man ihnen eines
einreden, die klassische Psychologie der
Herrschafts-Aneignung, die Nietzsche 1887 in seiner
"Genealogie der Moral" entlarvte, lange vor Freud.
Es gehört zur Tragik der
menschlichen Geschichte, daß größte
Massenwirksamkeit häufig die einfältigsten Ideen
entfalten. Der Weg des Feminismus vom abseitigen
Literatinnen-Spleen zur bewußtseinsverändernden
Kollektivdroge ist eine der fragwürdigsten
Erfolgsgeschichten der letzten Jahrhunderte. Als
schleichendes Gift sickerte die feministische
Geistesverirrung ein in unsere alltägliche Lebens- und
Medienwelt; sie erfreut sich der Dauerpropagierung durch
Minderheiten-Seilschaften in Parteien und Rundfunkräten
und ist demzufolge längst selbstverständlicher
Bestandteil von Vorabendserien, Mädchenzeitschriften
und Kinderbüchern.
Die Botschaft ist auf allen
Kanälen die gleiche, ob "Marienhot", "Sex and the City"
oder "Die Kommissarin": Gut, erfolgreich und moralisch
überlegen ist nur die emanzipierte Selbstverwirklichte,
während Männer vielfach "Chauvis" und Schweine
sind, schon aus Prinzip - die alte Schlampen-Moral der
Beauvoir. Wenn schon partout von "westlichen Werten" die
Rede sein soll, dann muß man ehrlicherweise
eingestehen, daß ein pathologischer
Vulgär-Feminismus inzwischen ziemlich weit vorn
rangiert. Wer, wie islamische und andere
Kulturströmungen, nichts mit ihnen zu tun haben will,
wird des Faschismus verdächtigt.
Dennoch läßt sich die
Natur nicht dauerhaft überlisten. Frauen wollen Frauen
sein dürfen, Männer wollen Männer sein
dürfen - mit den angeborenen physischen und psychischen
Unterschieden. Daraus ergibt sich Auftrag und
Ergänzung, keine diskriminierende Rangordnung.
Staatliche Umerziehungsprogramme, deren einziger Zweck es
ist, Eltern, Kinder, Heranwachsende an ihren
überlieferten Geschlechterrollen irrezumachen ("gender
mainstreaming"), können angesichts der biologischen
Vorgaben nur als irrwitzig bezeichnet werden.
Keine Frauensolidarität
Manche Wahrheiten erfahren leider
erst breite Kenntnisnahme, wenn sie von Prominenten
ausgesprochen werden. Noch einmal Eva Herman: "Ziehen wir
Bilanz nach fast einem halben Jahrhundert Feminismus und
Frauenemanzipation. Es werden so viele Ehen geschieden wie
noch nie zuvor. In immer weniger Haushalten wird
regelmäßig oder gar zeitaufwendig gesund gekocht.
(...) So zieht eine hochzivilisierte Kultur wie die unsere
sich selbst den Boden unter den Füßen weg, die
Basis, die uns Halt im täglichen Überlebenskampf
geben könnte: die intakte Familie. (...) Wir sterben
aus. Und das, weil die Rolle der Frau so lange
problematisiert, diskutiert und umgeformt wurde, bis die
Verunsicherung die Frauen in die Verweigerung der
Mutterrolle führte - und die Männer in die
Verweigerung der Versorgerrolle. Wenn die Frau zur
Konkurrentin des Mannes wird, spürt er weder Bindung
noch Verantwortung für sie."
Seitdem sich Eva Herman derart
einließ, erfährt sie fast handgreiflich,
daß es die von Feministinnen so gern beschworene
"Frauensolidarität" nicht gibt. Am liebsten würde
man ihr den Mund verbieten. "Feministinnen, allen voran
Alice Schwarzers 'Emma', forderten in E-Mails meine
Entlassung, eine Gruppe sogenannter Busineßfrauen
ebenfalls", berichtet die TV-Moderatorin und
schlußfolgert daraus: "Menschen mit anderen
Überzeugungen sollen vernichtet werden."
Das paßt perfekt ins Bild:
Feminismus ist eben keine Befreiungslehre, sondern ein
großangelegter Bevormundungsversuch. Über
Einwände wird nicht sachlich diskutiert, sie werden mit
Repressalien und Schlägen unter die Gürtellinie
beantwortet. So verstieg sich ein Interviewer der "Bunten"
zu der Frage an Eva Herman, ob sie "sexuelle Störungen"
habe. Früher hätte die Antwort aus einer
schallenden Ohrfeige bestanden. Aber da herrschte eben noch
jene altmodische Rollenverteilung, die Männern eine
gewisse Höflichkeit gegenüber Frauen abverlangte.
Davon sind wir abgekommen - dank Feminismus.
Quelle: Nation &
Europa
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