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26. August 2011

Euro weg, EU weg, Geld weg
Ein wohl unvermeidlicher Ablauf

Von Michael Nier

Die Europäische Union war ein logisches Produkt der deutschen Niederlage 1945 und der Interessenverwirklichung der transatlantischen Konzerne. Deutschland sollte nur so lange existieren, wie es gegen den roten Osten als Bollwerk gebraucht würde. Dann könnte man es in einer neuen entnationalisierten größeren Gemeinschaft versenken. Natürlich mußte dieses Deutschland, also die BRD, mit Tausenden Fäden an die USA und England gekettet werden und innerlich selbst nur noch devot westlichen Weltwillen verkörpern.

Das gelang durch Bewahren des Hasses gegen Rußland! Sowjetunion und all die anderen, die zu deren System gehörten. Die deutschen Oberschichten kuschelten sich an die USA an. Sie fürchteten sich vor ihrem eigenen möglichen Selbstbewußtsein. Nationalismus, und selbst ein kleiner Patriotismus, das war etwas ganz von gestern. Das dürfe es nie wieder geben. Besser also kann man nicht fremden Interessen dienen und die eigenen aus dem Blick verlieren. Bundeskanzlerin Merkel bekam im Juni 2011 nun die Freiheitsmedaille aus der Hand des US-Präsidenten und 'Friedensnobelpreisträgers' Obama. Die nächste Kriegsbeteiligung für deutsche Jungs und für US-amerikanische Interessen scheint schon beschlossen zu sein. Es geht um freundschaftliche Vergatterung. Libyen ist das erste Glied der neuen Kriegskette.

Und doch kann bald vieles anders werden. Die EU und auch die Geduld der Deutschen scheinen zu Ende zu gehen. Gewesene Konzernchefs mit Einfluß beginnen zu rebellieren, noch natürlich auf den Knien. Dieter Spethmann, Ex-Chef von Thyssen, wird nicht müde, den Euro zu kritisieren. Kürzlich rechnete er vor, daß er uns seit seiner Einführung 1999 schon 2,5 Billionen Euro Schaden gebracht habe. "Wir verschenken unseren Wohlstand." Auch Hans-Olaf Henkel tritt in den politischen Gesprächsrunden als Kritiker des Euro auf. In der heutigen Dramatik wird sich, zu seiner eigenen Sicherheit, so mancher noch vom Saulus zum Paulus wandeln. Schließlich will man weiter oben tanzen. Wilhelm Hankel und seine Partner werden nicht müde, das Bundesverfassungsgericht gegen die Diktatur der EU-Kommission und deren Gesetzesbrüche anzurufen. Doch das Bundesverfassungsgericht ist halb taub und hatte eine lange Bank. Schließlich ist es ein politisch "verantwortungsbewußtes" Gericht. Vielleicht braucht es dieses Gerichtes gar nicht.

In der FAZ vom 1. Juni 2011 schrieb der freie Journalist Frank Lübberding "Überlaßt Europa bitte nicht den Technokraten!" (S. 31) Es ist ein kleiner Artikel, der weit hinten in der Buchstabenhalde der FAZ verborgen ist. Dem Inhalt nach ist es ein Nachruf auf EU und Euro. Interessant ist nicht, daß er geschrieben worden ist, sondern daß ihn die FAZ veröffentlichte.
Ich zitiere:

"Die europäischen Technokaten, ob aus Brüssel, Frankfurt oder Berlin, haben sich hoffnungslos im Dschungel der Europäischen Währungsunion verheddert. Dabei war es ihr Produkt gewesen. Die Wiege der Europäischen Union ähnelt dem Bett des Prokrustes. Dieser hackte seinen Gästen die Beine ab, wenn das Bett für sie zu klein war. Aus dieser Perspektive wurde auch Europa begriffen. Was national nicht paßte, mußte für den Binnenmarkt passend gemacht werden. Immerhin senkte das zugleich die Transaktionskosten für Unternehmen und Kunden in Europa.

Mittlerweile paßt nichts mehr. Die Euro-Krise ist den Akteuren in der EU längst aus dem Ruder gelaufen. Egal, was man auch tut - niemand kann die Folgen seriös anschätzen. . . Die Europäische Union als Elitenprojekt ist gescheitert. Die Technokraten haben uns ein Surrogat für Politik angeboten, und daraus mag alles Mögliche entstehen. Eines aber mit Sicherheit nicht: die Legitimation für ein gemeinsames Europa und der Grund, warum wir für Griechen oder Portugiesen Mitgefühl empfinden sollen. Wir wollen nicht mehr für sie einstehen? Dann lassen wir es endlich. Die Griechen können aber auch einseitig ihre Zahlungsunfähigkeit erklären. Ihnen kann Europa schließlich genau so egal sein wie uns.

Welche Folgen hat das? Eine auf jeden Fall. Auch unsere Generation wird endlich das Wort 'Erlebnis' begriffen haben, das, die Fragen nach spanischen Gurken zu beantworten. Wir werden auf den Trümmern Europas erleben, was Schicksal heißt und warum man mit Technokraten kein Europa machen kann. An Empathie wird es übrigens danach nicht mehr fehlen. Die liefert das Schicksal frei Haus."

Lübberding meint, daß die Technokraten die EU ohne 'Empathie' durchzusetzen versuchten. Empathie, ein Kunstwort von 1909 (E. B. Filchner) aus Überlegungen zu Manipulation und Werbung, bezeichnet die positiven, erzeugbaren Resonanzen bei der Durchsetzung gesellschaftlicher Strategien. Mit Empathie folgte man einstmals Adolf Hitler, anerkannte den Sowjetmensch Stalin als Vater der Völker, jubelten die Massen einst Adenauer und de Gaulle zu. Die gegenwärtige EU läßt sich nicht empathisch verklären. Ihre Idee ist sturer Konzernliberalismus, und ihre Freiheit ist die des Geldes (Kapitalverkehrsfreiheit). Ihre offensichtliche Form ist die politische Diktatur. Die Völker werden als lästig beiseite geschoben unterliegen der Kontrolle. Demokratie ist zur leblosen Hülle geworden.

Doch nun krepiert die EU an der Maßlosigkeit der Finanzwirtschaft, die den Ländern des Südens zur Schuldenexplosion verhalf. Die absolute Vorherrschaft der Konzerne hat alle Volkswirtschaften der Peripherieländer desorganisiert und große Teile der dortigen Industrien stillgelegt. Über Bankkredite konnten die bisher alles kaufen, was in ihren Ländern nicht mehr produziert wurde. Deutsche Banken finanzierten den Export in diese Länder mit Geldern, die sie durch Lohnsenkung bei deutschen Arbeitern einsparten.

Hinweis: Die preisbereinigten durchschnittlichen Nettolöhne in Deutschland sanken vom 1. Quartal 1991 bis zum 1. Quartal 2011 um 5,9%! Dieses den Deutschen vorenthaltene Geld brachte einen Exportboom. Man war billig und gut. Doch die Käufer von einst und gerade eben sind zahlungsunfähig. Die Kredite fallen aus. Die deutschen Arbeiter haben also umsonst für die heilige Kuh Exportweltmeister gearbeitet. Da die Banken aber keine Verluste tragen wollen, werden die Schuldtitel von der EZB, der Bundesbank, der KfV genommen und in Staatsschulden verwandelt. Natürlich bauen die Banken die ausfallenden Schuldtitel auch in Lebensversicherungen, Pensionsfonds, Zertifikate und allerlei Fonds ein. Die noch betuchten Mittelschichten kaufen diesen Müll und ihre Vermögen schwinden. Über die Staatsschulden werden die deutschen Arbeiter, Mittelschichten, Rentner und alle Konsumenten zur Kasse gebeten werden. Staatsschulden sind wie Spielschulden Ehrenschulden, zumindest bei den Deutschen. Wir werden zur Zahlung genötigt, bis auch wir zahlungsunfähig sind. Es sei denn, diese EU zerbricht eher. Das ist nicht unwahrscheinlich.

Doch was blüht uns in den Trümmern der EU? Wie sieht unser und der anderen Nationen Schicksal aus? Wie reagieren die USA auf dieses für sie bisher nützliche Europa? Vielleicht haben die USA mit ihrer 'griechischen' Verschuldung und ihrer drohenden Zahlungsunfähigkeit genug mit sich zu tun? In den USA ist eine neue Rezession, und die Wirtschaft wird weiter abschmieren. Vielleicht zerrt Israel die USA in den großen Krieg um Iran und Syrien?

Vielleicht gehen die 'Arabellionen' sowohl dort weiter als auch in Südeuropa. Alles ist offen. Doch die Tage der EU und des Euro scheinen gezählt. Und wenn wir unser Geld zählen, dann wird es auch jeden Tag weniger. Innerhalb eines Jahres ist aus einem Warenkorb von über 40 Lebensmitteln bei Aldi und Lidl eine Preissteigerung von 43% ermittelt worden. Wenn das keine Inflation ist?! Bei den Bürgern kommt Freude auf. Viele sehen die EU und den Euro als schuldig an. Das muß jetzt nur noch personalisiert werden. EU- und Euro-Fanatiker gehen schlechten Zeiten entgegen.


Quelle: Euro-Kurier

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