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Blutige Grenze im
Süden Von Edda Schmidt Im Ersten Weltkrieg kämpften die verschiedenen Völker der österreichisch-ungarischen Monarchie zwar noch Seite an Seite mit ihren deutsch-österreichischen Kameraden, aber in den letzten Kriegswochen zogen viele von ihnen schon vorzeitig heim. Als die deutschen Soldaten im Herbst 1918 in ihre Heimat zurückkehrten, fanden sie vielfach verworrene Zustände und zunehmende Anarchie vor. Dazu rückten die Südslawen in Kärnten ein und besetzten das Gebiet südlich der Drau. Sie wollten damit endgültige Verhältnisse schaffen, um bei den Friedensverhandlungen in Paris das Gebiet beanspruchen zu können. Einer der höchstausgezeichneten österreichischen Offiziere, der südslawische Hauptmann Lauritsch, besetzte das Rosental; von Marburg an der Drau (heute nur noch "Maribor" genannt) stieß General Majstr vor und besetzte den östlichen Teil Südkärntens. Mit der Wahl des Landesbefehlshabers Hülgerth wurde in Kärnten die militärische Abhängigkeit von Graz beendet. Das war wichtig für die weitere Entwicklung, denn die Untersteirer und Südtiroler verließen sich auf die Friedensverhandlungen mit dem bis heute bestehenden Ergebnis, daß ihre Landesteile von Österreich abgetrennt und Jugoslawien/Slowenien bzw. Italien zugesprochen wurden. Die Südslawen drangen noch über die Drau vor, besetzten Völkermarkt und näherten sich der Landeshauptstadt Klagenfurt. Als die Serben bereits Grafenstein besetzten, griffen die Kärntner wieder zu den Waffen, nachdem Verhandlungen erfolglos geblieben waren. Der führende Mann der Kärntner war Oberleutnant Hans Steinacher. Im Dezember 1918 und Januar 1919 wurde auf der ganzen Linie gekämpft. Der Rosenbachtunnel - ein Eisenbahntunnel durch die Karawanken, der eine wichtige Nachschubverbindung für die Südslawen war - konnte zwar nicht zurückerobert werden. Aber im Januar 1919 wurde ein Waffenstillstand geschlossen, der im wesentlichen bis zum April 1919 eingehalten wurde. In dieser Zeit tagten in Paris die Siegermächte. Auf die wiederholten Beschwerden der Kärntner kam im Januar 1919 eine amerikanische Kommission ins Land. Als sie auch in Marburg/Drau eintraf und die Deutschen dort eine Demonstration durchführten, schossen die Südslawen in die Menge - es gab 28 Tote. Dieser 26. Januar gilt als der Marburger Blutsonntag. Letzte Schüsse im Abwehrkampf Am 29.4. griffen die Südslawen trotz des bestehenden Waffenstillstands auf der ganzen Front an. Zunächst gelang ihnen die Überraschung, aber noch im Verlauf des Tages konnten sie auf die alten Linien zurückgedrängt werden. Die Kärntner waren ganz auf sich allein gestellt. Der südslawische Bruch des Waffenstillstands führte dazu, daß die Kärntner für den 2.5. den Gegenangriff planten. Unter Führung Steinachers konnte endlich Völkermarkt befreit werden, die Südslawen wurden bis ins Mießtal (heute in Slowenien) zurückgedrängt. Hier fand der entscheidende Kampf statt, bei dem Steinacher schwer verwundet wurde und der todesmutige südslawische Oberleutnant Malgaj fiel. Anschließend konnte auch der Rosenbachtunnel befreit werden. Am 28.5. 1919 rückten die Südslawen wieder mit großer Übermacht vor. Die Kärntner mußten einsehen, daß sie - alleingelassen von der österreichischen Regierung - dieser Übermacht nicht mehr gewachsen waren. Am 4.6.1919 fielen die letzten Schüsse im Kärntner Abwehrkampf. Nun kam eine englisch-französisch-italienische Waffenstillstandskommission nach Klagenfurt, die dort bis zum Eintreffen der Interalliierten Abstimmungskommission blieb. Die Kärntner Landesregierung verließ die Landeshauptstadt Klagenfurt und tagte im nördlicheren Spittal an der Drau. Am 6.6. wurde Klagenfurt von den Serben besetzt. In Velden am Wörthersee erinnert noch ein Stein an die serbische Besetzung: "Bis hierher und nicht weiter kamen die serbischen Reiter". Willkürherrschaft Aus der von den Südslawen besetzten Zone in Südkärnten war etwa die Hälfte der Bevölkerung geflohen. Hier herrschte Standrecht. Dörfer, die sich dem gegenwärtigen Zustand widersetzten, sollten mit der gesamten Bevölkerung niedergemacht werden. Für jeden getöteten oder verwundeten südslawischen Soldaten sollten 25 Deutsche erschossen werden. Auch das Passieren von einem Ort in einen anderen war ohne Bewilligung nicht möglich. Es gab keine Verbindung mehr in das besetzte Gebiet - keine Post, keine Bahn und keinen sonstigen Verkehr. Oft waren sogar Familien getrennt. Es gab viele Verhaftungen, viele Menschen wurden interniert oder sogar nach Jugoslawien verschleppt. Konzessionen wurden entzogen, Grundstücke enteignet, Vereine aufgelöst, Wohnungen beschlagnahmt, Heimattreue aus öffentlichen Betrieben entfernt. Schon die Gesinnung war strafbar - z.B. wenn man von der Volksabstimmung sprach. Als Grundlage für eine Verfolgung reichte eine Denunziation. Klagen dagegen waren zwecklos, da sowohl die Gesetzgebung als auch die Verwaltung und Rechtssprechung in der Hand des Generals Majstr lagen. Die Ausgabe der Lebensmittel richtete sich nach der Gesinnung. Es gab nur slowenische Aufschriften und nur slowenische Schulen. Deutsche Werbung war verboten - auf den Besitz einer deutschen Tageszeitung standen vier Monate Kerker. Da Österreich nach dem verlorenen Krieg und dem Abfall großer Teile der Monarchie völlig am Boden lag und zudem Reparationen gezahlt werden mußten, waren die Südslawen, die zu den Siegermächten zählten, siegessicher, zumal sie die Bevölkerung mit dringend benötigten Lebensmitteln u.ä. auf ihre Seite zu bringen versuchten. Am 18.6.1919 wurde in Paris die Zweiteilung des Abstimmungsgebietes festgelegt. In der südlichen Zone A sollte bis 6 Wochen nach Inkrafttreten des Friedensdiktates eine Volksabstimmung stattfinden. Sollte sie zugunsten Südslawiens ausfallen, sollte drei Wochen später auch in der nördlicheren Zone B eine Volksabstimmung durchgeführt werden. Die beiden Zonen waren durch eine Demarkationslinie, die der späteren Zonengrenze zwischen West- und Mitteldeutschland ähnlich war, getrennt. Ein Überschreiten war nur unter Lebensgefahr möglich, und es gab tatsächlich einige Tote. Abstimmungssieg für das Deutschtum Hans Steinacher wurde Geschäftsführer der Landesagitationsleitung und war damit auch für den Propagandakampf verantwortlich, der an die Stelle des Kampfes mit der Waffe trat und viel Einfallsreichtum verlangte, um das Propagandamaterial in die besetzte Zone zu bringen. Später stellte Steinacher seine Erfahrungen in Oberschlesien und Ostpreußen für die dortigen Abstimmungen zur Verfügung und wurde Vorsitzender des Vereins für das Deutschtum im Ausland (VDA) Die Zone B war fast rein deutsch besiedelt, während in der Zone A 70% der Bevölkerung Windische waren - Bauern, die einen Dialekt - Windisch - sprechen und das Hochslowenische meist gar nicht verstehen. Sie fühlten sich seit eh und je dem deutschen Volkstum verbunden, auch wenn die Slowenen sie gern für sich vereinnahmen. Im Unterschied zu anderen Abstimmungsgebieten Deutschlands, wo die Verwaltung in der Hand einer internationalen Kommission war, stellten in Südkärnten die Südslawen Verwaltung und Gendarmerie. Die Zone A war 16 Monate unter südslawischer Besatzung. Auch eine interalliierte Abstimmungskommission, die nach wiederholten Anforderungen am 21.7.1920 ins Land kam, konnte sich nicht durchsetzen. Im besetzten Gebiet hatten die Slowenen regelrechte Prügelbanden gebildet, die die Deutschbewußten einschüchtern sollten. Heimkehrer wurden verprügelt oder sogar verhaftet und nach Jugoslawien verschleppt. Als die Demarkationslinie endlich wieder offen war, fand am 12. September eine Kundgebung am Zollfeld in der Zone B statt, zu der die Leute aus der Zone A zu Tausenden strömten. Je näher der Tag der Volksabstimmung kam, die auf den 10. Oktober 1920 festgelegt wurde, umso heftiger wurde der Terror. Am Abstimmungstag wurden die Deutschen teilweise am Wahlgang gehindert, bis die internationale Kommission einschritt. In diesen Orten fiel das Ergebnis auch zugunsten der Südslawen aus. Insgesamt stimmten 59 % für ein deutsches Kärnten, 41 % für Südslawien. Dieses Ergebnis erscheint auf den ersten Blick nicht sehr gut, man muß aber die Zeit des Terrors unter der Besatzung berücksichtigen. Bis heute umkämpft Der Abstimmungssieg in Kärnten war ein Sieg für das Deutschtum, der nur durch den mutigen Kampf gegen die Übermacht ermöglicht wurde. Dieser 10. Oktober 1920, der Freudentag der Kärntner, ist gleichzeitig aber der Trauertag Südtirols, denn an diesem Tag wurde es Italien angeschlossen. Nach dem 10. Oktober verließen viele slowenische Lehrer und Pfarrer das Land. Daraufhin wurde es ruhiger. Der Volkstumskampf gegen das Deutschtum spielte sich nun auf dem Staatsgebiet Jugoslawiens ab. Jugoslawien hat sich nie mit dem Ergebnis der Volksabstimmung abgefunden und das Ergebnis als "Lüge" bezeichnet, was viele Zitate aus slowenischen Zeitungen belegen. Noch heute verwendet man den Begriff "Plebiszit" (daran kann man übrigens die Einstellung erkennen - deutschbewußte Kärntner sprechen von der Volksabstimmung) Bis heute noch erheben slowenische Organisationen Anspruch auf das Land, teilweise bis zur Nordgrenze Kärntens. Der Kampf um zweisprachige Ortstafeln ist einer von vielen Beweisen dafür. Der 10. Oktober aber wird in Kärnten immer noch in Erinnerungen an den Sieg über die slowenischen Gebietsforderungen und den Verbleib bei Österreich gefeiert.
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