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13. Juli 2007

Die Deutschen und ihr Seelenheil:
Ein Fall für den Psychiater

Von Sabine Poling

Angeblich leben die Deutschen besser denn je. Wer etwas an der aktuellen Situation auszusetzen findet, dem wird Jammern auf hohem Niveau unterstellt. Doch das vermeintliche Paradies, das uns Politiker und Medien allzugern vorgaukeln, macht eine immer größere Zahl von Bundesbürgern nicht nur nicht glücklich, sondern geradezu krank. Der bayerische Gesundheits-Staatssekretär Otmar Bernhard vermeldete dazu nun frappierende Erkenntnisse: "Studien zeigen, daß jeder dritte Erwachsene im Verlauf eines Jahres an mindestens einer psychischen Erkrankung leidet."

CSU-Politiker Bernhard kann sich auf Angaben der Krankenkassen berufen. Nach Berechnungen beispielsweise der Gmünder Ersatzkasse waren im Jahr 2004 rund 3,4 Millionen Menschen allein in Bayern (12,5 Millionen Einwohner) wegen einer psychischen Störung in medizinischer Behandlung. Solche Defekte wurden im Jahr 2005 bei fast einem Drittel aller Frühberentungen attestiert. Insbesondere die Zunahme von Depressionen sei auffällig.

Schon bei Kindern und Jugendlichen ist ein Anstieg diesbezüglicher Fallzahlen zu registrieren. Jedes fünfte Kind in Bayern ist psychisch auffällig, berichtet die Techniker-Krankenkasse: "5000 junge Menschen unter 15 Jahren müssen im Freistaat jährlich wegen psychischer Probleme und Verhaltensstörungen stationär behandelt werden." Angesichts der Tatsache, daß die wirtschaftlichen, sozialen und lebensqualitativen Rahmenbedingungen in Bayern eher besser sind als etwa in Mecklenburg-Vorpommern, kann man sich leicht vorstellen, wie die psychische Landkarte im Bundesdurchschnitt aussehen mag.

Zu den Ursachen gibt es zwei Deutungsmöglichkeiten: Entweder sind viele heutige Deutsche tatsächlich dünnhäutiger und weniger robust als frühere Generationen, womöglich sogar hypochondrisch. Oder die allgemeinen Zumutungen in diesem Land sind in den letzten Jahrzehnten so hoch geworden, daß man auch dann geistig zu erkranken droht, wenn man nicht sonderlich empfindsam ist. Eventuell kommt beides zusammen.

Bernhard sagt, Streß und Überforderung hätten zugenommen. Das mag sein. Aber woran könnte das liegen? Nahezu alle Lebensbedingungen sind politisch beeinflußt. Von der "Globalisierung" ist beispielsweise zu hören, sie nutze den Menschen. Kann es vielleicht sein, daß dieser vermeintliche Nutzen mit der Realität nichts zu tun hat? Angst um den Arbeitsplatz, Sozialabbau, immer höhere Steuern, Abgaben und Preise - das alles trägt nicht unbedingt zum Wohlbefinden bei.

Zwar behauptet die Bundesregierung unentwegt, ihre Arbeit verbessere die Lebensqualität der Bürger und sei ein wahrer Segen für die Nation. Schön wär's. Aber die wirkliche Diagnose lautet: Deutschland ist ein Fall für den Psychiater.


Quelle: Nation & Europa

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