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Falsche Freunde in
falschen Netzen In den letzten Jahren hat sich über das Internet eine virtuelle Scheinwelt etabliert, die von pseudosozialen Netzwerken wie Facebook, StudiVZ u.ä. dominiert wird. Der Wert solcher Netzwerke ist höchst zweifelhaft und eher einseitig - allerdings kaum zugunsten der Nutzer. Das Prinzip hingegen ist immer gleich: Gebe Dein Privatleben preis, damit alle anderen daran teilhaben können. Das ist voll in Ordnung, schließlich hast Du ja nichts zu verbergen, oder? Man könnte auch ebenso gut von seiner Mietwohnung ins Schaufenster eines großen Warenhauses ziehen, denn nichts anderen tun die meisten Nutzer solcher Netzwerke. Welche Nachteile es haben kann, daß andere plötzlich so viel über Dich und Dein Intimstes wissen, das wird den meisten erst bewußt, wenn es längst zu spät ist. Denn: Das Netz vergißt nichts! Eigentlich sollte man schon mißtrauisch werden, daß die Nutzung von Facebook & Co. kostenfrei ist. Mit sozialer Gesinnung seitens der Betreiber hat das wenig zu tun. Vielmehr stehen hinter solchen Netzwerken knallharte wirtschaftliche Interessen verschiedenster Konzerne, die in solche Netzwerke investieren. Und wer investiert, der will am Ende damit Profite machen. Das Geschäft mit sozialen Bindungen Dabei machen sich Betreiber und Konzerne ganz primitive, menschliche Bedürfnisse zu Nutze. Zum Beispiel das Bedürfnis nach sozialer Bindung und persönlichem Austausch mit anderen. In der realen Welt trifft man sich irgendwo im Café und klönt miteinander. Oder geht in einen Sportverein. Aber im Zeitalter des Internets verkümmern solche echten sozialen Bindungen zunehmend. Da chattet man lieber stundenlang vor dem Bildschirm, obwohl der Chatpartner vielleicht bloß zwei Häuser weiter wohnt. Obwohl es das Internet in der heutigen Form erst seit weniger als zehn Jahren gibt, können gerade Jugendliche sich ein Leben ohne diese virtuelle Scheinwelt gar nicht mehr vorstellen, geschweige denn, diese Scheinwelt von dem realen Leben (zu) unterscheiden (lernen). Finanzkräftige Konzerne haben diese Entwicklung früh erkannt und selbst massiven Einfluß darauf genommen. Sie werten sämtliche Nutzerprofile nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus und verschicken zum Beispiel gezielte Werbung, die sich an den Vorlieben oder dem Surfverhalten der Nutzer orientiert. In solchen Netzwerken erzielten Werbebotschaften eine wesentlich intensivere Wirkung, als in althergebrachten Medien wie Fernsehen oder Zeitungen. Die Möglichkeiten der Beeinflussung global vernetzter Konsumenten sind unmittelbarer, konzentrierter und lassen sich sehr viel besser personalisieren. Offensichtlich rechnet sich das Geschäft auf Kosten der Nutzer - sonst wären Facebook & Co. längst am Ende. Das heißt aber nicht, daß kostenpflichtige Netzwerke weniger zweifelhaft wären. In dubiosen Partnerschaftsbörsen beispielsweise blüht das Geschäft mit den großen Gefühlen. Hier geben arglose Nutzer ebenso so viel Privates und Intimes von sich preis, lassen ihr ganzes Leben in Kategorien einteilen und sich von Computerprogrammen einen neuen Lebenspartner vorschlagen. Computer kennen bekanntlich nur zwei Zustände: Null und eins. So verläuft die verzweifelte Suche vieler Nutzer denn auch in den meisten Fällen mit null Ergebnis. Eins jedoch ist sicher: Die privatesten Dinge befinden sich unwiderruflich im weltweiten Datennetz und einen sicheren Schutz vor Mißbrauch gibt es nicht. Falsche "Freunde" Kaum ein Begriff hat durch Facebook & Co. dermaßen an Wert verloren, wie der des Freundes. "Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste was es gibt auf der Welt ", so lautete mal ein altes Volkslied zu Zeiten, wo es Freundschaft nur im echten Leben gab. In Netzwerken wie Facebook & Co. kann jeder Dein "Freund" sein. Mit ein paar Mausklicks und ganz ohne daß Du die Person hinter dem Profil überhaupt kennst. Wer im echten Leben keine Freunde hat, der kann auch in der virtuellen Scheinwelt nicht ermessen, was Freundschaft überhaupt heißt. Facebook & Co. haben einen sozialen Wertbegriff aus dem echten Leben zu einem verpixelten Abklatsch entwertet und seine Bedeutung ins Gegenteil verkehrt. Millionen falscher Freunde tummeln sich in den pseudosozialen Netzwerken und erhalten Einblicke in private, intimste Dinge, die viele Nutzer ihrem Nachbarn oder Arbeitskollegen sicher niemals erzählen würden. Im Netz jedoch tun sie es. Der naive Irrglaube an die schützende Anonymität des Internets und an die Datenschutzversprechen der Netzwerkbetreiber ist nach wie vor ungebrochen. Schließlich, so wird ihnen vorgegaukelt, könnten ja nur von ihnen selbst bestimmte "Freunde" den vollen Einblick in ihre Profile, Bilder und sonstige Intimitäten erhalten. Daß aber auch jeder andere Zugriff haben kann, wird gerne verschwiegen. Zwar werden die Datenschutzerklärungen von Facebook & Co. immer umfangreicher - jedoch kein Stück besser. Wie unsicher solche Netzwerke sind, ist schon oft genug demonstriert worden. Datendiebstahl, Manipulation und Mißbrauch sind kinderleicht. Die Betreiber kümmert das wenig, den Schaden haben alleine die Nutzer. Die Macht der Netze Die virtuellen Nutzerprofile ganz realer Menschen mit ganz realen Vorlieben, Schwächen und Eigenschaften stoßen aber nicht nur bei Konzernen und Kriminellen auf Interesse. Auch der Staat kann daraus sehr aufschlußreiche Erkenntnisse über seine Bürger gewinnen. Je mehr wir unser reales Leben in die virtuellen Netze übertragen, desto mehr erfahren die Herrschenden über uns und desto leichter können sie uns beeinflussen. Nicht von ungefähr kommt die alte Volksweisheit: Wissen ist Macht. Schon vor Jahrhunderten und Jahrtausenden waren diejenigen an der Macht, die das meiste Wissen besaßen und das Volk dummhielten. Das Internet gibt uns heute das Gefühl, die Herrschenden könnten uns nicht mehr dumm halten. Scheinbar nichts bleibt uns mehr verborgen. Alles kann "ergoogelt" werden. Doch das ist ein Trugschluß. Keiner weiß, woher scheinbar allwissende Netzwerke ihr "Wissen" beziehen oder warum sie scheinbar prekäre Staatsgeheimnisse "leaken" dürfen. Das Internet und seine "sozialen" Netzwerke als starker Partner des Volkes gegen die Herrschenden? Zweifel daran sind wohl mehr als berechtigt, denn Deine Internetverbindungen können von heute auf morgen gekappt werden, wenn es die Herrschenden wirklich wollten. Daß sie es (noch) nicht wollen, sollte Dich gegenüber diesem Medium eher noch mißtrauischer machen. Das "Internet 2.0" ist wahrscheinlich das Beste, was staatlichen Verfolgungsbehörden je passieren konnte. Es bietet zwar einerseits viel größere Möglichkeiten für staatskritische Propaganda, aber andererseits auch viel größere Möglichkeiten der Einflußnahme und Zersetzung durch Geheimdienste. Gerüchte, Provokationen und Lügen sind viel schneller und breiter gestreut, als dies im realen Leben ohne Internet möglich wäre. Mit zunehmender Vernetzung wird der Überwachungsstaat ganz ohne eigenes Zutun immer lückenloser. Wir selbst prostituieren uns für den Staat durch unseren mittlerweile fast schon krankhaften Drang, allzeit im Netz präsent sein zu wollen. Sollte sich in der BRD endlich eine revolutionäre Bewegung formieren, die ernsthaft die bestehenden Verhältnisse verändern könnte - sie wäre alleine durch die geschwätzigen Netzwerke schon frühzeitig von den Herrschenden enttarnt und ihre Führer beseitigt, ehe sie im richtigen Leben begonnen hätte. Die Stasi wäre froh gewesen, wenn sie mit den Oppositionellen in der DDR so leichtes Spiel gehabt hätte, wie die BRD heute mit uns. Das Denunziantentum blüht in den virtuellen Netzwerken in kaum gekannter Weise auf. Je mehr wir uns in den Netzwerken tummeln, desto angreifbarer machen wir uns auch für diejenigen, die uns politisch bekämpfen wollen. Viele Informationen für feindliche Outing-Aktionen liefern die Betroffenen selbst durch ihren fahrlässigen Umgang mit privaten Aufnahmen und Daten, die sie gedankenlos über Facebook & Co. in alle Welt posten. Alles andere als "sozial" Genauer betrachtet sind Facebook & Co. nichts anderes, als eine Aneinanderreihung unzähliger Nutzerprofile mit unzähligen privaten Daten. Mit einer sozialen, sprich gemeinschaftlichen Denkweise haben solche Netzwerke nichts zu tun. Vielmehr findet hier eine Zwangsvernetzung und Zwangsoffenlegung unserer Privatsphäre statt, die sehr weit über den Rahmen einer vom einzelnen Nutzer gewollten Gemeinschaft hinausgeht. Es ist das genaue Gegenteil dessen, was wir im echten Leben als sozial ansehen würden. Aber je mehr wir uns von der realen Welt in die Scheinwelt solcher Netzwerke flüchten, desto mehr schwindet in uns das Gefühl von echter Gemeinschaft und das Bewußtsein, von Geburt an bereits einer echten Gemeinschaft - nämlich seinem Volk - anzugehören. Instinktlose, gemeinschaftsfeindliche Individualisten - das ist es, was diese asozialen Netzwerke aus Menschen machen (sollen). Den Herrschenden und ihrer globalen Wirtschaftsdiktatur kommt das sehr gelegen. So eine zwanghafte Aneinanderreihung von Individualisten mit verkümmerten sozialen Bindungen läßt sich auch in der realen Welt viel einfacher ausbeuten und beherrschen, als eine wirklich soziale Volksgemeinschaft. So mancher naive Nutzer läßt sich jedoch sehr leicht von der scheinbar gewaltigen Macht der Netzwerke beeindrucken. Schließlich kann man dort ja Hunderttausende mit ein paar Mausklicks erreichen und zu Aktionen im echten Leben animieren. Scheinwelt und Realität klaffen jedoch auch in dieser Hinsicht weit auseinander. Zumindest dann, wenn es um mehr geht, als nur um allgemeine bürgerliche Empörung. Über Facebook & Co. lassen sich zwar Interessen bündeln und mit ein bißchen Übung auch mal ein paar Proteste koordinieren, aber mehr auch nicht. Und auch das nur unter ständiger feindlicher Beobachtung. Wie weit wären die Montagsdemos in Leipzig wohl gekommen, wenn das Ministerium für Staatssicherheit schon Wochen zuvor alle potentiellen Teilnehmer in entsprechenden Nutzergruppen im Internet hätte ausfindig machen können? Echtes Leben, vor allem
widerständisches Leben, geht anders.
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