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"Jeder Christ muss
Israel ganzheitlich lieben" Ganz besonders gern zur Osterzeit machen Pro-Israel-Fanatiker im christlichen Gewande mobil. Dann heißt es: Kreuzzug für den Davidstern, ein Hosianna dem Hexagramm. Im Buch "Das Netz. Israels Lobby in Deutschland" steht Näheres. "Mit Herz und Hand für Israel" Da gibt es beispielsweise die "Partei Bibeltreuer Christen" (PBC). Deren Chef Pfarrer Gerhard Heinzmann verkündet: "Wohl und Wehe eines Volkes hängen von seiner Haltung zu Israel ab." Unablässig mahnt die PBC zu "Solidarität mit Israel". Gottgefällig sei es auch, so diese "Bibeltreuen", dass Israel den seit 1967 besetzten Restlebensraum der vertriebenen Palästinenser sowie Teile Syriens beherrscht. Denn: "Als rechtmäßige Erben haben die Juden den biblischen Boden nach jahrhundertelanger Fremdherrschaft durch nichtjüdische Völker zurückerhalten. Dazu gehören auch die Gebiete Judäa und Samaria, die Golanhöhen und der Gazastreifen." Ebenfalls extrem israelizistisch tritt die Gruppe "Christen für Israel" (CFI) unter Pastor Dr. h. c. Fritz May in Erscheinung, die sich - als "gemeinnützig" anerkannt - finanzamtlichen Wohlwollens erfreut. Die CFI "liebt Israel auf dem Hintergrund der Heiligen Schrift", ist sich sicher, "das auch das heutige Volk Israel noch Gottes auserwähltes Volk ist", weist darauf hin, dass jeder Christ "dazu verpflichtet ist, Israel ganzheitlich zu lieben", fordert zu "öffentlichem Eintreten für den Staat Israel" auf, kurz: Bei der CFI streitet und sammelt man "mit Herz und Hand für Israel". Bei der letzten CFI-Jahrestagung in Wetzlar wurde eine, so wörtlich, "Israelogie" als Weltanschauung gefordert und voll Jauchzen die frohe Botschaft verkündet, dass Israel "mehr und mehr zum geistlichen und politischen Zentrum der Welt" werde. Bei der CFI-Jahrestagung 2002 hatte der langjährige Oberrabbiner der israelischen Armee im Ruhestand, Mordechai Piron, darüber aufgeklärt, "dass ein Dialog mit dem Islam von christlicher und jüdischer Seite unmöglich" sei. Pinke und Pista Wenn sich diverse solcher christlicher Pro-Israel-Gruppen zu einer Zentralkundgebung für die gute Sache versammeln, treten beispielsweise Pfarrer Winfried Amelung ("Sächsische Israelfreunde"), Dr. Jürgen Bühler ("Internationale Christliche Botschaft Jerusalem"), Theo Ellessat ("Israel Heute"), Johannes Facius ("Internationale Gemeinde für Fürbitten"), Dr. Christoph Häselbarth ("Josua-Dienst"), Hinrich und Elke Kaasmann ("Ebenezer Hilfsfonds"), Waltraud und Günter Keil ("Die Brücke Berlin-Jerusalem") auf. Dann wogen Israel-Fahnen und man entrollt Transparente mit Aufschriften wie: "Israel, wir stehen an deiner Seite" oder "Unser Herz schlägt für Israel". Pastor Rudi Pinke ("Christliches Zentrum") ist ein gerngesehener Redner. Doch es dreht sich nicht nur um Pinke, sondern auch um deutsches Mea-Maxima-Culpa. Dafür ist vorzugsweise die Schwester Pista ("Evangelische Marienschwesternschaft") zuständig, die ausruft: "Wir haben Schuld um Schuld auf uns geladen. Kein Volk hat je in so kurzer Zeit ein solches Ausmaß an Brutalität, Leid und Demütigung über ein anderes Volk gebracht wie das deutsche über das jüdische. Voll Schmerz und Scham bekenne ich diese Schuld als Glied meines Volkes." Außergewöhnliche Duftnoten Als Vortragsrundreisender bei bundesrepublikanischen "christlichen Israel-Freunden" ist ein gewisser Ludwig Schneider rührig. Der ist nach eigenen Angaben herkunftsjüdisch, residiert in Jerusalem, betreibt dort eine Publikation "nachrichten aus israel" (nai) und bietet via Internet "ein breitgefächertes Sortiment israelischer Produkte" an. Zum "Online-Angebot" von Schneiders "nai" zählen neben "Wohlgerüche der Bibel; außergewöhnliche Duftnoten in handbemalten Glasfläschchen" und "Schriftrollen des Esther-Buches mit farbigen Illustrationen" auch "Israel-Schirmmützen" und "Israel-Luftwaffen-T-shirts". Weiter gibt es da noch ein "Christliches Forum für Israel - Deutschland an der Seite Israels" oder die Organisation "Dienste in Israel", welche "die Existenz des jüdischen Staates als Zeichen der Treue Gottes zu seinem Volk" erkennt und christliche Freiwillige aus Deutschland zu Arbeiten in israelische Kibbutze schafft. Und, und, und. "Nepper, Schlepper, Missionare" Dass Christen in Israel einen schweren Stand haben, scheint "christliche Freunde" des mosaischen Gemeinwesens wenig zu irritieren. Bereits Druck und Verteilung von Schriften, die zum Übertritt zum Christentum auffordern, sind in Israel verboten. Auf scharfe Trennung wird sogar über den Tod hinaus geachtet, wie die - auch zur Beachtung durch die Diasporajuden formulierten - Bestattungs-Richtlinien des israelischen Oberrabbinats zeigen. Zitat: "Auf allen Jüdischen Friedhöfen soll man Teile absondern für Nichtjuden und für ungeklärte Fälle. Der Teil soll acht Ellen von den übrigen Gräbern entfernt sein und angemessen abgezäunt werden." Trotz aller Versicherung "christlicher Israel-Freunde", man wolle keine Missionsarbeit unter Juden betreiben, traut man jüdischerseits dem Braten nicht. Da gibt es Warnungen im Internet, Jesusdeutsche könnten hinterrücks "billige Propaganda für einen Mann aus Nazareth" machen. Das Zentralratsblatt "Allgemeine Jüdische" hat titelseitig (Überschrift: "Nepper, Schlepper, Missionare") wegen christlicher Missionsversuche unter jüdischen Zuwanderern aus Russland in der Bundesrepublik Alarm geschlagen. "Christliche Seelenfischer auf Judenfang", empört sich auch die Zeitung der Israelitischen Kultusgemeinde Bayern schlagzeilig. In Israel ist zwischenzeitlich eine hochkarätige Rabbinerkommission eingesetzt worden zur Abwehr "christlicher Umtriebe". Und "Das Netz" weist auf eine Fachtagung der "Jewish Winter University Würzburg" hin, die in der Frankenstadt mit Unterstützung des Zentralrats, der Stiftung des zionistischen Milliardärs Lauder ("Herr der Düfte") und der Zionistischen Weltorganisation abgehalten wurde. Es ging um das Wirken "christlicher Israel-Freunde". Das israelitische Gemeindeblatt "Jüdisches Leben in Bayern" über die Diskussion der jüdischen Expertenrunde: "Wie geht man damit um? Kann Israel in seiner heutigen Lage es sich überhaupt leisten, wählerisch bei seinen Unterstützern zu sein? Soll es solche Gelder ablehnen? Darüber stritten sich die Geister. Nur bei einem Punkt waren sich alle einig: Keine christliche Mission, egal mit welchen Mitteln!" Übrigens: Die besagte Würzburger Tagung fand genau vor einem Jahr statt, zur Osterzeit.
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