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6. August 2004

Wie man Gefangene zur Räson bringt:
Israelische Hilfe für US-Besatzer

Die US-Army hatte bislang wenig Erfahrung mit widerspenstigen "Befreiten". Seitdem die Vereinigten Staaten im Irak Besatzungsmacht sind, ist das ein Problem. Also holte sich das Pentagon Rat bei denjenigen, die schon seit Jahrzehnten wissen, wie man mit unbotmäßigen Widerständlern umgeht: bei Offizieren und Sicherheitsexperten der israelischen Armee.

Dieser Tage sickerte durch, daß der israelische Beistand noch viel weiter geht. Denn auch bei den Folterorgien in Abu Ghureib standen offenbar israelische Ausbilder Pate. Die US-Tageszeitung "Daily Star" recherchierte, wer für die Exzesse in den amerikanischen Gefangnissen im Irak verantwortlich war, und deckte interessante Querverbindungen auf. Das Blatt stieß neben den inzwischen bekannten und teilweise versetzten militärischen Vorgesetzten auch auf die private US-Sicherheitsfirma CACI.

Nicht nur CACI-Chef Jack London, sondern auch einige seiner Vorstandskollegen verfügen offenbar über engste Beziehungen zu israelischen Armee- und Regierungskreisen. Noch im Januar dieses Jahres reiste London im Rahmen einer hochrangigen Delegation amerikanischer Kongreßabgeordneter und Rüstungslobbyisten nach Israel. Die Reise wurde von zwei renommierten Firmen der einflußreichen Pro-Israel-Lobby in Washington finanziert, und zwar vom "Jerusalem-Fund of Aish HaTorah" und dem Anwaltskonsortium Greenberg Traurig.

Der Zweck der Reise bestand laut CACI darin, "Möglichkeiten der strategischen Partnerschaft und wechselseitiger Geschäftsbeziehungen zwischen amerikanischen und israelischen Unternehmen im Verteidigungs- und Heimatschutzbereich zu fördern". Firmenchef London hatte sich darum schon früher verdient gemacht, denn er wurde während der Reise vom israelischen Verteidigungsminister Mofaz hochoffiziell mit dem "Albert-Einstein-Technologiepreis" ausgezeichnet: "wegen seiner Verdienste um die Verteidigung und die nationale Sicherheit", wie es in der Laudatio heißt.

London und einige Reisekollegen durften ihre Kenntnisse im Umgang mit widerborstiger Zivilbevölkerung gleich noch vertiefen, denn auf dem Reiseprogramm stand als nächstes ein Besuch im israelischen Hochsicherheitsgefängnis Beit Horon in der besetzten Westbank. Bei dieser Einrichtung handelt es sich nach eigenen israelischen Angaben um das "zentrale Trainingslager für die Anti-Terror-Einheiten der israelischen Polizei und der Grenzpolizei".

Bei dem Besuch blieb es nicht. Mindestens zwei CACI-Angestellte - ein gewisser Steven Stephanovitz und ein gewisser John Israel - tauchten inzwischen im Untersuchungsbericht der US-Army über die Foltervergehen von Abu Ghureib auf. Beide werden dort als "unter Vertrag stehende zivile amerikanische Verhörexperten" (contract US civilian interrogator) genannt.

Die Erwähnung im Bericht des US-Militärs blieb allerdings folgenlos. Noch im Mai teilte CACI der Öffentlichkeit in einem Bulletin mit: "Alle CACI-Angestellten setzen ihre Arbeit vor Ort fort und versorgen unsere Kunden weiterhin mit den vertraglich vereinbarten Leistungen... Wir haben keinerlei Information darüber erhalten, daß wir irgendeine der Tätigkeiten unserer Angestellten einstellen, zu Ende bringen oder aussetzen sollen."

Das verwundert nicht. Denn wer mit Rückendeckung des US-Kongresses und Unterstützung mindestens zweier schwerreicher pro-zionistischer Organisationen nach Israel reist, um dort millionenschwere Kontrakte abzuschließen, der ist praktisch immun. Auch der "Daily Star" (11. Mai 2004) kann nicht umhin, mit Blick auf die eng verzahnten amerikanisch-israelischen Sicherheitsaktivitäten von einem "exklusiven Einflußnetz" zu schreiben, "bei dem es darum geht, daß amerikanische Regierungsbeamte, Kongreßabgeordnete, Rüstungsunternehmer und Lobbyisten gigantische Verträge unter sich aufteilen und erkleckliche Portionen davon nach Israel weiterleiten".


Quelle: Nation & Europa

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