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17. April
2004
Jüdische Soldaten
in der Wehrmacht
Von Bryan Mark Rigg
Hitlers
Jüdische Soldaten,
Ferdinand
Schöningh Verlag, Paderborn
Oft hören wir, daß im
Dritten Reich mit einem fanatischen Übereifer gegen
alles vorgegangen wurde, was auch nur im Entferntesten
jüdisch war. Davon einmal abgesehen, daß die
fanatischen "Antisemiten" á la "Stürmer" selbst
im Nationalsozialismus eine verschwindend geringe Minderheit
darstellten und das "jüdische Problem" zumeist
außerordentlich sachlich und nüchtern angegangen
wurde, stellt US-Historiker Bryan Mark Rigg in seinem Werk
"Hitlers Jüdische Soldaten" fest, daß mehrere
tausend Juden in Wehrmacht, SS oder Gestapo dienten. Das
bringt natürlich die jahrelang fein säuberlich
gepflegten Opfer-Täter Schemata selbsternannter
"Antifaschisten" ins Wanken. Rigg stellt nämlich fest,
daß, so heterogen die Judenmischlinge waren, so
unterschiedlich auch ihre Motive gewesen wären, in
Hitlers Armee zu dienen: "Patriotismus, Vertrauen in Hitler,
Angst, außerhalb der Armee noch stärker
gefährdet zu sein und Opportunismus." Das kann aber,
wer will, auch durchaus als Motivation von Deutschen
anführen, die in der Wehrmacht bzw. anderen
militärischen Gliederungen dienten. Wenn diese Juden
also "Opfer" sein sollen, dann müßten auch diese
Deutschen "Opfer" sein. Oder wären diese Juden nach
antifaschistischer Definition vielleicht "Täter"? Was
wäre denn dann, wenn wir die ketzerische Hypothese
aufstellen würden, daß die bei Reemtsma & Co.
gezeigten "Verbrechen der Wehrmacht" allesamt von
jüdischen Mischlingen in deutscher Uniform begangen
wurden?
Das ist natürlich Unsinn, wie
alle Pauschalisierungen Unsinn sind. Es gab und gibt
jüdische "Täter" und "Opfer" gleichermaßen
wie deutsche "Täter" und "Opfer", wobei die Zuordnung
auch von der Sicht des Betrachters abhängt. Für
viele Deutsche ist der jüdische Chefpropagandist der
Sowjetarmee Ilja Ehrenburg ("Nur ein toter Deutscher ist ein
guter Deutscher!") eindeutig ein Täter, für viele
Juden allerdings ein "unschuldiges Opfer der Umstände
seiner Zeit", der sich bestenfalls etwas im Ton vergriffen
hat. Für viele Deutsche sind die beim gezielten
alliierten Bombenterror gegen Zivilisten umgekommenen
Menschen unschuldige Opfer, bei vielen Juden und ihren
Handlangern heißt es allerdings kategorisch: "Deutsche
Täter sind keine Opfer". Doch selbst nach Rigg lassen
sich die Fronten nicht ohne weiteres nach völkischen
Kategorien in "gute Juden" und "böse Deutsche" ziehen:
"Das Leben im Dritten Reich war komplex", so stellt er fest.
Eigentlich keine Neuigkeit für denkende
Menschen.
Ein Igal Avidan versuchte vor
einigen Tagen in der "Netz-Eitung" einige Personen aus dem
Buch vorzustellen. So wird von einem Heinz-Günther
Löwy berichtet, der an Gott glaubt. Der Gnade des
Allmächtigen sei er dankbar, den Zweiten Weltkrieg
überlebt zu haben - als Sturmmann in der Waffen-SS.
Löwy habe sich seinen Kameraden verbunden gefühlt,
da sie sich gegenseitig das Leben gerettet haben. Seine
ganze Familie mit Ausnahme seiner Mutter wurde angeblich von
den Deutschen ermordet. Obwohl er - wie er berichtet - von
"Vergasungen in Auschwitz" wußte, blieb er weiter bei
der SS, um zu überleben. Aufgrund seiner Erfahrungen
wurde Löwy zum frommen Juden, seine letzte Ruhe will er
auf einem jüdischen Friedhof finden.
An dieser Stelle stellt sich
besonders die Frage, welche Schuld Löw auf sich geladen
hat, weil er von "Vergasungen in Auschwitz" wußte,
während kaum Deutsche oder andere Menschen der Welt
(laut eigenen Nachkriegs-Bekundungen) bis zur deutschen
Niederlage 1945 von derartigen Vergasungen Kenntnis hatten.
Weiterhin stellt sich die Frage, ob Löwy auch von
Vergasungen in Dachau wußte, stand doch
schließlich bis in die 50er Jahre fest, daß dort
derartige Vergasungen durchgeführt wurden. Aber wir
wollen hier nicht zu viele ketzerische Fragen stellen und
auch nicht im Entferntesten die strafrechtlich festgelegte
Geschichtsschreibung anzweifeln, sondern uns lieber dem
nächsten vorgestellten Kandidaten widmen.
Für die Nationalsozialisten war
Karl-Heinz Maier ein Halbjude, weil sein Vater Jude war.
Für die Juden hingegen war er ein Deutscher, weil seine
Mutter Deutsche und keine Jüdin war.
Nationalsozialisten und Juden machten also Judentum von der
Blutsverwandtschaft abhängig und kategorisierten
folglich nach rassischen Grundlagen. Maier ist einer von
rund 40 Soldaten, die sowohl in der Wehrmacht als auch in
den jüdischen Streitkräften in Palästina
gedient haben. Ein Dutzend von ihnen hat Rigg in Rahmen
seiner Forschungsarbeit befragt. Trotz seiner Verdienste als
Major im sogenannten "Unabhängigkeitskrieg" 1948 wurde
Maier im Judenstaat Israel nicht eingebürgert, da er
nicht als reinblütiger Jude galt. Später kehrte er
in die BRD zurück, wo er das Berliner Büro der
Deutschen Welle und die West-Berliner Pressekonferenz
leitete.
Als Peter Scholze das Deutsche Reich
verlassen wollte, hielt ihn seine jüdische Mutter Olga
Gertrud davon ab: Er müsse zuerst seinen Wehrdienst
leisten. Nachdem er als Halbjude von der Wehrmacht entlassen
worden war, wandte er sich an seinen wohlhabenden deutschen
Vater in der Hoffnung, einen Arbeitsplatz zu finden, und
das, obwohl die Eltern seit mehreren Jahren geschieden
waren. Als es während des Gesprächs zu einem
Streit kam, schrie ihn der Vater an: "Hinaus mit dir, du
dreckiger Jude!" Zugegeben, das ist natürlich nicht die
feine deutsche Art, mit den lästigen Resultaten
vergangener Sexualorgien umzugehen....
Werner Eisner, der im Dienst der
Wehrmacht schwer verwundet wurde und dessen Schwiegervater
bei der SS war, galt aufgrund seines jüdischen Vaters
als Halbjude. Weil er mit einer Deutschen geschlafen habe,
wurde er im Dezember 1942 wegen Rassenschande nach Auschwitz
deportiert. (Und wir dachten bisher immer, die
Auschwitz-Deportierung erfolgte willkürlich und ohne
Begründung.) Eisner erzählt weiter, daß, als
er "selektiert wurde und sich in die Gruppe einreihen
mußte, die in die Gaskammer ging", er ein Foto von
sich in Wehrmachtsuniform hervorzog und herumschrie: "Jetzt
vergast ihr einen Wehrmachtssoldaten!" Ein SS-Mann soll sich
das Foto angeschaut und ihm das Leben gerettet haben. - So
schön die Geschichte auch an den Hollywood-Streifen
"Schindlers List" erinnert, so seltsam mutet es an,
daß eine Gruppe, die anscheinend um ihre nahende
Ermordung durch Vergasung weiß, wie ein Trupp Lemminge
ohne Gegenwehr in eine Vergasungskabine marschiert.
Außer Herr Eisner natürlich, der das den
SS-Schergen bis dahin offensichtlich unbekannte Foto
womöglich aus einem Geheimfach seiner KZ-Kutte
zauberte. Eisners Sohn Michael wanderte übrigens
später nach Israel aus und diente in der jüdischen
Okkupations-Armee.
Der Wehrmachtsunteroffizier und
spätere Bundesminister Egon Bahr, offensichtlich gar
ein Volljude, hatte nach eigenem Bekunden unter anderem ganz
praktische Gründe: Er konnte Lebensmittelkarten
für seine jüdische Mutter besorgen. Sie traute
sich angeblich nicht mehr auf die Straße, weil sie den
Judenstern tragen mußte. Ganz anders verhielten sich
die Brüder Heinz und Joachim. Heinz ging nämlich
zur Gestapo und erklärte, seine Mutter sei "eine
Schlampe" und habe als Prostituierte gearbeitet. In
Wirklichkeit waren beide Brüder aber von ihrem
jüdischen Vater gezeugt worden. "Die Gestapo
überprüfte unseren Fall und erklärte uns
für deutschblütig", erzählt sein Bruder
Joachim. Die Familienverhältnisse werden nicht klarer,
wenn festgestellt wird: "An dieser schweren Prüfung
zerbrach seine deutsche Mutter". (Egon Bahr hat also eine
jüdische Mutter und zwei Brüder, die wiederum
einen jüdischen Vater und eine deutsche Mutter haben.
Da soll noch einer durchsehen!) Beide Brüder - Heinz
war Oberscharführer der Waffen-SS und Joachim
kämpfte als Unteroffizier - verleugneten angeblich
ihren jüdischen Vater, um ein leichteres Leben
führen zu können. Seinen wirklichen Namen wollte
Joachim im Buch nicht benannt haben, zu groß ist
anscheinend immer noch seine Scham.
Um seine Forschungszielgruppe zu
definieren, mußte Rigg NS-Begriffe verwenden. So
behauptet er, daß für Hitler das Judentum keine
Religion, sondern eine "Rasse" gewesen sei, die er
"ausrotten" wollte. Als Halbjuden wurden durch die
Nürnberger Rassengesetze 1935 Menschen deklariert, die
zwei jüdische Großeltern hatten. Vierteljude war,
wer einen jüdischen Großelternteil hatte. Beide
Gruppen galten als Mischlinge und unterlagen anderen
Restriktionen als die Volljuden, weil sie die
Volksgemeinschaft weniger gefährdeten. Nach Rigg aber
stand Hitlers Rassentheorie zum Teil im Widerspruch zu
seiner Machterhaltung, denn er brauchte die
Unterstützung Tausender von Deutschen in
Schlüsselpositionen, deren Verwandte Mischlinge waren.
Daher sei die NS-Politik gegenüber den Mischlingen
widersprüchlich gewesen.
Die drei Phasen der Rassenpolitik
gegenüber Mischlingen bilden den Kern der Studie Riggs.
So wurden nach der Einführung der Wehrpflicht 1935
Halb- und Vierteljuden in die Wehrmacht aufgenommen, durften
aber nicht Vorgesetzte werden. 1940 ordnete Hitler jedoch
an, alle Halbjuden aus der Armee zu entlassen. Er wollte
dadurch verhindern, daß durch ihren Dienst an der
Front ihre jüdische Verwandten Vergünstigungen
erhielten. 1944, als Deutschland jeden Mann brauchte, wurden
sie teilweise wieder rekrutiert. Viele mußten ihre
Loyalität jedoch in Strafbataillonen beweisen, aus
denen nur selten jemand lebend zurückkehrte.
Gleichzeitig gewährte Hitler aber Tausende von
"Deutschblütigkeitserklärungen", die Halbjuden per
Dekret zu Deutschen machte. So soll er über Jahre
hinweg immer wieder Photos und Dokumente von Tausenden von
Mischlingen studiert haben, um persönlich über
Ausnahmegenehmigungen zu entscheiden. Sogar Feldmarschall
Erhard Milch sei erst als Halbjude klassifiziert,
später von Hitler zum "Arier" erklärt worden.
"Hitlers jüdische Soldaten" ist
trotz vieler Widersprüchlichkeiten die erste umfassende
Studie dieser Menschen, die zwischen der deutschen und der
jüdischen Welt lebten. Sie beruht auf 430
Gesprächen mit jüdischstämmigen
Wehrmachtssoldaten, die Rigg zwischen 1994 und 1997
interviewte. In den darauf folgenden Jahren untersuchte er
die Geschichten weiterer 1.200 Soldaten, die zum Teil mit
dem Ritterkreuz ausgezeichnet wurden, während ihre
Eltern den Judenstern trugen. Manche von ihnen wurden durch
die NS-Rassepolitik zum Judentum gebracht, andere wurden
selbst zu "Antisemiten". Riggs Schlußbemerkung sprengt
nicht nur den Rahmen seiner Studie, sondern wohl auch das
damals vorhandene Zeitbudget des vielbeschäftigten
Führers: Da Hitler den "Mischlingen" so viel Zeit
widmete, sagt Riggs, muß er noch viel mehr viel Zeit
darauf verwendet haben, die Vernichtung der Juden zu planen.
Derart analytische Fähigkeiten eines "Historikers" sind
nur für denjenigen verblüffend, der die
Anpassungsfähigkeit von bezahlten Schreiberlingen an
den Zeitgeist unterschätzt.
Quelle: Heimatschutzwerk
Sachsen
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