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 4. Mai 2004

"Neue Ausgabe von Gangstern"

Von Harald Neubauer

Während in Deutschland unablässig über die Gefahr des Antisemitismus lamentiert wird, macht Israel Nägel mit Köpfen - Sargnägel. Wer sich der Expansion des jüdischen Staates ernsthaft in den Weg stellt, wird liquidiert. Sanktionen haben die Täter nicht zu fürchten. Denn die in der UNO zum Kaffeekränzchen versammelte "Weltgemeinschaft" unterliegt dem Veto der USA. Und die werden Israel selbst dann noch schützen, wenn seine Raketen im "Papamobil" des Heiligen Vaters einschlagen.

Amerikaner und Israelis sind wie Hund und Schwanz, wobei man in diesem Fall nicht so genau weiß, wer mit wem wedelt. Hin und wieder gibt es Indizien. Als kürzlich der US-Präsident seinem Besucher Ariel Scharon zusicherte, daß sich Israel weder aus den besetzten Gebieten zurückziehen noch die vertriebenen Palästinenser wieder aufnehmen muß, kommentierte dies die Presse mit dem Hinweis, nun seien die Wiederwahlchancen des George W. Bush deutlich gestiegen. Einen oberflächlichen Zeitungsleser verwundert das. Sind die Amerikaner von Haus aus begeisterte Anhänger des Völkerrechtsbruchs? Oder dürfen die Israelis bei der US-Präsidentschaftswahl neuerdings mitwählen? Wo liegen die Zusammenhänge?

Reden wir Tacheles: Zu den ungern angesprochenen Hintergrundfakten des Weltgeschehens zählt es, daß man in den USA die Wahlen nur gewinnen kann, wenn man über zweierlei verfügt: einen prall gefüllten Geldbeutel und die Unterstützung der Medien. Beides ist ohne die israelitische Lobby an der amerikanischen Ostküste kaum zu schaffen. Sie hebt oder senkt den Daumen über nahezu jeden US-Politiker. Daraus ergeben sich weitreichende Abhängigkeiten. Bekanntlich sind die Vereinigten Staaten von Amerika nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eine imperiale Supermacht ohne Widerpart. Wer im Weißen Haus die Füße auf den Tisch legt, regiert mehr als nur die USA. Das zu erkennen, bedarf es keiner Weltverschwörungstheorie.

Jedem israelischen Ministerpräsidenten sind die inneramerikanischen Machtverhältnisse geläufig. Deshalb braucht er weder UN-Resolutionen zu beachten, noch darauf zu verzichten, Widersacher kurzerhand umzubringen. Er ist souverän, wie man souveräner nicht sein kann. Kein Land der Erde hat eine Justiz, die es wagen würde, einen Scharon zu verhaften. Als Belgien vor einiger Zeit einen Paragraphen einführte, der auch die Strafverfolgung amerikanischer und israelischer Schreibtischtäter ermöglicht hätte, runzelte Washington kurz die Stirn - und prompt wurde das Gesetz vom Parlament in Brüssel entsorgt.

Gefährlich wird es für Scharon und Bush nur bei der Lektüre von EU-Papieren; sie könnten sich dabei womöglich totlachen. Bei ihrem jüngsten Treffen an der Whiskey-Theke von Tullamore erinnerten die EU-Außenminister zaghaft an den internationalen Nahost-Friedensplan ("road map"). Dazu Joschka Fischer wörtlich: "Ich denke, daß auch die amerikanische Seite den Standpunkt der Europäer mit großem Interesse zur Kenntnis nimmt." Aber gewiß doch. Nur muß in Washington erst das Interesse an dem Reissack abklingen, der kürzlich in China umgekippt ist.

2700 Palästinenser wurden allein in den letzten dreieinhalb Jahren von den Israelis ins Jenseits befördert. Bei jedem hieß es, er sei ein Terrorist - zumindest ein potentieller, so daß auch die Tötung von Babys, Schwangeren und Behinderten als vorbeugende "Notwehr" erscheint. Ursache und Wirkung werden dabei gern verwechselt. Es waren zionistische Partisanen, die den Terror ins Heilige Land trugen. Schon 1946 sprengten sie in Jerusalem das King-David-Hotel in die Luft (91 Tote). Sie brachten britische Geiseln um und rotteten ganze Dörfer aus - wie am 9. April 1948 die 200 Einwohner von Dair Yasin. Als der schwedische UN-Vermittler Graf Bernadotte ein Rückkehrrecht für die vertriebenen Palästinenser forderte, wurde er von der Untergrund-Organisation "Lehi" unter Führung des späteren Ministerpräsidenten Yitzhak Schamir ebenfalls ermordet. Schamirs Bande hatte bereits 1944 den britischen Nahost-Minister Lord Moyne auf offener Straße in Kairo niedergeschossen. Selbst Winston Churchill, der abgebrühte Kriegstreiber, war über die Brutalität seiner jüdischen Verbündeten entsetzt: "Wenn es so ist, daß unsere Träume für den Zionismus im Pulverdampf enden und eine neue Ausgabe von Gangstern, Nazi-Deutschlands würdig, hervorbringen, dann werden viele so wie ich ihre Position überdenken müssen."

Haben sie aber nicht. Längst hätte Israel in seine Schranken gewiesen werden müssen: durch internationalen Boykott, politische Quarantäne und notfalls auch durch militärisches Einschreiten. Man kann nicht zum Kampf gegen "Schurkenstaaten" aufrufen und dabei ausgerechnet jene ignorieren, die sich an keine UN-Resolution halten, unkontrolliert mit Massenvernichtungswaffen hantieren und Mord zum Mittel ihrer Politik gemacht haben. Wenn es richtig ist, gegen Saddam Hussein einen Prozeß vorzubereiten, dann gehören auch Scharon und Bush auf die Anklagebank. Ihre Achse des Bösen darf eines auf keinen Fall werden: Antriebswelle einer neuen Weltordnung.


Quelle: Nation & Europa

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