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11. Juli 2008

Deutsche Kriegsgefangene

"Niemandem wird ein Gefallen erwiesen, wenn die Geschichte und ihre wirklichen Abläufe manipuliert, geklittert oder gar verfälscht werden, wenn Akten ausgesucht und verbreitet werden nach opportunistischen Gesichtspunkten. Wir wollen die volle Wahrheit, da, wo sie uns trifft, aber auch da, wo sie andere trifft".
--Franz-Josef Strauss, bayerischer Ministerpräsident


Das Kapitel der deutschen Kriegsgefangenen und verschleppten Zivilpersonen nach dem Ende der Kampfhandlungen im Mai 1945 ist menschlich eines der größten Tragödien des 20. Jahrhunderts. Die aufgrund der 'bedingungslosen Kapitulation' der Deutschen Wehrmacht in Gefangenschaft geratenen deutschen Soldaten wurden entgegen der Genfer Konvention vom Oberkommandierenden der alliierten Streitkräfte, General Dwight D. Eisenhower und späteren Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika (1952-1960), um ihren Kriegsgefangenen-Status gebracht und mußten als Folge dieser Schutzlosstellung völkerrechtswidrige Handlungen an sich vornehmen lassen (zum Beispiel als Minensuchtrupps in Frankreich; oder: 60 000 gefangene Waffen-SS-Soldaten wurden zum Kolonialdienst in Indochina 1947-1954 gepreßt, indem man sie vor die Wahl stellte, entweder im Gefangenenlager zu verhungern oder als Fremdenlegionäre für die Rückeroberung Vietnams durch die Franzosen zu kämpfen).

Eisenhowers Verhalten [1] folgte damit einem Konzept, das schon 1944 entworfen worden war und auch die Zustimmung des britischen Verbündeten gefunden hatte, obwohl diese Schutzlosstellung der deutschen Kriegsgefangenen in den USA nicht unumstritten war. Eisenhower erließ am 10.3.1945 den Befehl, daß deutsche Soldaten, "die auf deutschem Territorium gefangengehalten werden, und alle jene, die sich gegenwärtig ergeben, als 'Disarmed Enemy Forces' (DEF) zu bezeichnen und daher nicht mehr länger als Kriegsgefangene zu behandeln sind". Das bedeutete, daß sie jedes Rechtsschutzes entkleidet, nicht als Kriegsgefangene anerkannt und deshalb auch nicht versorgt werden mußten. Das Internationale Rote Kreuz erhielt keinen Zutritt zu den betreffenden Gefangenenlagern.

Nach Recherchen des Völkerrechtlers Burghard Schöberer hatten mit diesem Eisenhower-Befehl über 3 Millionen deutsche Gefangene den Rechtsschutz der Genfer Konvention verloren und waren damit der Siegerwillkür ausgeliefert. Erst im Frühjahr 1946 wurden die 'Entwaffneten Feindstreitkräfte' DEF den Kriegsgefangenen wieder gleichgestellt und dieses dunkle Kapitel der amerikanischen Nachkriegs-Militärgeschichte endgültig im September 1946 abgeschlossen.

Gesicherten Erkenntnissen zufolge befanden sich nach Ludwig Peters [2] am 8. Mai 1945 folgende deutsche Soldaten als Kriegsgefangene an den bisherigen Fronten:

Nordafrika

371,000

Nordwesteuropa

7,244,839

Österreich/Italien

1,425,000

Ostfront

3,350,000

Gesamt

12,390,839

Hinzu kommt noch eine nicht ermittelbare Zahl von Menschen, die zwischen Gefangennahme und Registrierung getötet und somit nicht zu den Gefangenen und ebenfalls nicht zu den Todesfällen gezählt wurden. Viele von ihnen tauchten dann unter dem Begriff 'Verschollene' oder 'Vermißte' auf, andere wiederum wurden zu den Toten des Zweiten Weltkrieges später hinzugezählt, weil ihre Leichen irgendwo registriert wurden und die Unterlagen darüber erst in jüngster Vergangenheit auftauchten.

Ebenfalls nicht registriert und somit nicht mehr ermittelbar ist laut Peters die große Zahl von verschleppten Zivilisten aus Deutschland und der deutschen Volksgruppen im Osten, die man in sogenannten 'gemischten Transporten' oder auch 'gemischten Märschen' zusammen mit den Kriegsgefangenen aus den Sammellagern nach Osten abtransportierte und die dann nicht als Kriegsgefangene eingestuft wurden, aber dennoch in den Arbeitslagern ihr Dasein fristen mußten. Auch ihre Zahl geht in die Hunderttausende.

Von der Gefangenschaft als Folge des Zweiten Weltkrieges unmittelbar betroffen waren also fast 14 Millionen Deutsche über einen längeren oder kürzeren Zeitraum hinweg.

Die Gefangenen waren nach Heinz Nawratil [3] über mindestens 20 Staaten verteilt. Die drei größten Gewahrsamsmächte (Großbritannien, USA und UdSSR) hielten je über 3 Millionen Wehrmachtsangehörige hinter Stacheldraht, gefolgt von Frankreich mit über 900 000 und Jugoslawien mit knapp 200 000 Gefangenen. In letzterem Land wurden die deutschen Kriegsgefangenen am schlechtesten behandelt: Von 194 000 gefangenen Deutschen in Jugoslawien starb rund die Hälfte, das heißt mindestens 80 000, höchstwahrscheinlich sogar 100 000. Die meisten Todesopfer forderten die von den Kommunisten praktizierten Massenerschießungen, die zu den größten Massakern der neueren Geschichte zählen. Auf diese Weise starben zum Beispiel in Belgrad fast 30 000, in Marburg (Maribor) 20 000, in Windisch-Feistritz (Slovenska Bistrica) 10 000 Menschen. Diese Vorgänge sind nicht zu verwechseln mit den Massenmorden des Partisanenführers Josip Broz-Tito (dem späteren jugoslawischen Staatspräsidenten) an seinen eigenen Landsleuten, die parallel dazu und weitgehend im gleichen Stil abliefen. Außerdem wurden viele deutsche Soldaten, die sich ergeben hatten, oft auf der Stelle grausam gefoltert und ermordet, verstümmelt, gepfählt, entmannt, geblendet usw.

Literaturhinweise:
[
1] Schöberer, B., Deutsche Kriegsgefangene im Jahr 1945 schutzlos gestellt, ZFI Informationen, Ingolstadt Nr. 14/15, November 1991/April 1992
[
2] Peters, Ludwig, Das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen. Wir haben Euch nicht vergessen, Grabert-Verlag, Tübingen 1995
[
3] Nawratil, Heinz, Deutsche als Opfer von Völkermord und Unmenschlichkeit in Sammelband Unterdrückung und Verfolgung deutscher Patrioten. Gesinnungsdiktatur in Deutschland? Eibicht, Rolf-Josef (Hg.), Titel, aaO. (Anm. 3)

Weiterführend:
Deutsche Kriegsgefangene: USA
Deutsche Kriegsgefangene: Großbritannien
Deutsche Kriegsgefangene: Frankreich
Deutsche Kriegsgefangene: Sowjetunion


Quelle: Wolfgang Popp/WEHE DEN BESIEGTEN
Grabert 2000 (S. 98-119)

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