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Deutsche Kriegsgefangene in Großbritannien Nach britischen Statistiken befanden sich zum Zeitpunkt der Kapitulation am 8. Mai 1945 199 550 deutsche Kriegsgefangene in Großbritannien, die im Laufe der nächsten Monate bis September 1946 auf 402 200 zunahmen. Durch Entlassungen aus der Kriegsgefangenschaft fiel deren Zahl wieder ab, bis im Juli 1948 die letzten deutschen Kriegsgefangenen die britische Insel verließen. Lediglich im Nahen Osten befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch 37 000 deutsche Soldaten in britischer Gefangenschaft. Bezeichnend ist aber, daß erst nach Kriegsende ein Kontingent von 220 000 arbeitsfähigen Gefangenen nach England gebracht wurde. Da sich das Britische Empire während und auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg über die ganze Welt erstreckt hatte und auch Kanada, Australien sowie Teile Nordafrikas dazu zählten, wurden die Kriegsgefangenen auf fünf Gewahrsamsbereiche verteilt. Hinzu kamen noch einige kleinere Kontingente in anderen Ländern, die anfänglich unter dem Begriff 'Sonstige' geführt wurden. Im Dezember 1944 ergaben sich folgende Gefangenenzahlen:
Wie Ludwig Peters
[1]
in seinem Buch Das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen
berichtet, hatten die Briten und Amerikaner ein Abkommen
getroffen, die auf ihrer Seite gemeinsam eingebrachten
Gefangenen dann nach dem Verhältnis 50 zu 50 zu
verteilen; doch hatten die Briten ab 1944 kein großes
Interesse mehr, auch Ein Streit entbrannte zwischen den Briten und Amerikanern dann hierüber, daß man die von Eisenhower deklassierten DEF's auf britischer Seite nicht übernehmen wollte, da man diesen Status ja nicht anerkannt hatte. Nach Besichtigungen der Rheinwiesenlager entschlossen sich aber doch die verantwortlichen britischen Offiziere, Hunderttausende der dort vor sich hin Vegetierenden zu übernehmen, was vielen sicher das Leben rettete. Vor allem aus dem Lager Rheinberg, das am 12.6.1945 von den Briten zusammen mit dem Lager Wickrathberg übernommen wurde, haben dank der raschen medizinischen Hilfe zahlreiche Deutsche überlebt. So erfuhr die Weltöffentlichkeit erst nach und nach, daß die Gefangenen in Rheinberg an 35 Tagen unter den Amerikanern nur geringste Hungerrationen bekommen und 15 Tage völlig gehungert hatten, wobei die Sterblichkeitsrate bei rund 30% gelegen hatte. Nach Ludwig Peters wurde von den Betroffenen stets berichtet, daß die deutschen Gefangenen (ob POW oder DEF) in den britischen Lagern gut versorgt wurden, ständig Wasser und Verpflegung hatten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten von wenigen Tagen standen meist auch Zelte oder andere Unterkünfte zur Verfügung, so daß kein Gefangener mehr unter freiem Himmel nächtigen mußte wie weiterhin die Menschen in den US-amerikanischen Großlagern. Niemand berichtete von größeren Mißhandlungen; einzig die in britischen Lagern noch bis 1948 angewandte Prügelstrafe fanden die meisten Befragten als unangenehm und einige die später häufig verhängte Einzelhaft. Einzige Ausnahme sei 1945 das Lager Overijse in Belgien gewesen, wo als Folge eines bürokratischen Fehlers zu wenig Verpflegung angekommen war, so daß einige Hundert Gefangene dort verhungert sind. Als sich das Internationale Rote Kreuz und einige deutsche Stellen eingeschaltet hatten, wurden diese Mißstände sofort beseitigt, und ab Jahresende galt auch Overijse als britisches Standardlager. Literaturhinweise: Weiterführend: Quelle: Wolfgang Popp/WEHE DEN BESIEGTEN, Grabert 2000 (S. 98-119) |