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14. Februar
2004
US-Army profitiert von
der Wehrmacht:
Siegen wie
Rommel in Afrika
In den letzten Monaten sorgten
gelegentliche Presseberichte für ungläubiges
Staunen in der Bundesrepublik, wonach amerikanische
Militärs und Sicherheitsexperten voller Bewunderung
für die ehemalige deutsche Wehrmacht seien. Erst vor
wenigen Wochen zitierte die regierungsnahe Wochenzeitung
"Das Parlament" US-Verteidigungsminister Rumsfeld, der die
Blitzkrieg-Fähigkeit der Wehrmacht überschwenglich
lobte. Und schon letztes Jahr hatte die "Süddeutsche
Zeitung" berichtet, daß der amerikanische
Afghanistan-Feldzug im Herbst 2001 auf Unterlagen des
Oberkommandos des Heeres beruhe, die nach 1945 in die USA
verbracht worden seien.
Dabei reicht der unfreiwillige
Einfluß der Wehrmacht auf die US-Streitkräfte
noch viel weiter. Im Bundesstaat Kansas gibt es in Fort
Leavenworth eine Hochschule der Army, die sich "Command
& General Staff College" nennt, zu deutsch etwa:
"Akademie für Kommando- und
Generalstabsangelegenheiten". Angeschlossen ist dieser
Einrichtung unter anderem eine eigene Forschungsbibliothek,
die "Combined Arms Research Library" (Forschungsbibliothek
der verbundenen Waffen).
Dieser Begriff macht stutzig, denn
er verweist auf die Taktik der "verbundenen Waffen", eine
Errungenschaft des deutschen Heeres in der Schlußphase
des Ersten Weltkrieges, die zunächst das Zusammenwirken
von Infanterie und Artillerie zum Gegenstand hatte und
später auch die Luftwaffe einbezog. Es war der
Generalstabschef und nachmalige Schöpfer der
Reichswehr, Generaloberst Hans von Seeckt, der Anfang der
zwanziger Jahre die Prinzipien der neuen Taktik in einer von
ihm verfaßten Dienstvorschrift erstmals fixierte. Der
Titel lautete "Führung und Gefecht der verbundenen
Waffen", die Vorschrift erschien in zahlreichen Auflagen und
wurde bis in die dreißiger Jahre hinein ständig
aktualisiert.
Es ist denn auch kein Zufall,
daß sich eine Publikation der Heeresakademie von Fort
Leavenworth ausführlich mit Seeckts Einfluß auf
die Taktik der Wehrmacht in der ersten Hälfte des
Zweiten Weltkrieges befaßt. Verfaßt hat das
umfangreiche Werk ein Major der US-Army namens Timothy A.
Wray (Standing Fast: German Defensive Doctrine on the
Russian Front During World War II: Prewar to
March 1943, 1986).
Anders als bundesdeutsche Fachleute
- auch solche der Bundeswehr - ist Wray weit davon entfernt,
die Leistungen der Wehrmacht kleinzureden oder zu
schmähen. Im Gegenteil empfiehlt er amerikanischen
Truppenführern die Erfahrungen der Wehrmacht
ausdrücklich zur Nachahmung. Ihre flexible und
überaus innovative Verteidigungstaktik habe die
deutschen Einheiten gerade in kritischen Phasen des Krieges
immer wieder vor der Vernichtung bewahrt.
Damit nicht genug. Noch eine weitere
Veröffentlichung der Führungsakademie von Forth
Leavenworth würdigt die Erfahrungen der Wehrmacht, und
zwar mit der erklärten Absicht, sie für die
amerikanischen Streitkräfte nutzbar zu machen. In
diesem Fall begnügte sich die Army damit, ein deutsches
Werk einfach zu übersetzen. Es handelt sich um eine
zweibändige Darstellung des Wüstenkrieges, die
1952 von Generalmajor Alfred Toppe und neun ehemaligen
Kommandeuren des Afrikakorps verfaßt wurde und die die
spezifischen Herausforderungen des Krieges im
Wüstenterrain reflektiert.
Über die Nutzanwendung dieser
Dokumentation für die US-Army schreibt Herausgeber
Roger J. Spiller im editorischen Vorbericht ohne Umschweife:
"Nicht anders als viele US-Einheiten
im Krieg im Irak lernten die Deutschen in Nordafrika mit den
Kampfbedingungen in der Wüste erst umzugehen, nachdem
sie am Schauplatz des Geschehens angekommen waren und
unmittelbar mit den Gesetzen der Wüste konfrontiert
wurden. Schon allein aus diesem Grunde (...) verdient
'Desert Warfare' Beachtung bei der Vorbereitung der
US-Streitkräfte auf künftige Konflikte im
Wüstenterrain."
In der Bundesrepublik ist das Werk
von 1952 längst vergessen. Auch im Internet ergibt die
Recherche keine brauchbaren Suchergebnisse in deutscher
Sprache. Amerikanischen Offizieren dagegen steht das Werk
schon seit Anfang der neunziger Jahre in einer
unveränderten Übersetzung zur Verfügung
(Desert Warfare: German Experiences in World War II,
1991).
Nichts könnte den Unterschied
zwischen Bundeswehr und US-Army drastischer illustrieren.
Nicht umsonst ist die amerikanische Armee heute die
schlagkräftigste der Welt. Sie wurde es auch dank der
Erfahrungen der Wehrmacht.
Quelle: Nation &
Europa
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