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25. April
2005
Wenn das Nationale
entschwindet:
Nur noch
"Standort"?
Von Manfred Müller
"Nie wieder Deutschland!"
Bürger mit politischem Langzeitgedächtnis erinnern
sich daran, daß unter dieser Losung führende
Grünen-Politiker 1990 gegen die Wiedervereinigung auf
die Straße gingen, darunter die heutige
Parteivorsitzende Claudia Roth. Inzwischen nehmen Grüne
im vereinigten Deutschland hohe Positionen ein. Aber ihr
nationaler Selbsthaß ist ungebrochen. Beim Singen der
dritten Strophe des Deutschlandliedes machen sie nicht mit:
"Blühe, deutsches Vaterland" - das ist für sie
eine Horrorvorstellung. Verwelken soll es, möglichst
rasch. Und dann ab in den geschichtlichen Abfalleimer.
Für immer. Nie wieder Deutschland!
Nicht wenige Angehörige der
politischen Kaste hierzulande unterscheiden sich von Roth
und ihresgleichen höchstens graduell. Das wurde am
Abend der sächsischen Landtagswahl im Fernsehen
deutlich, als die "etablierten" Parteifunktionäre vor
den Worten des NPD-Politikers Holger Apfel die Flucht
ergriffen. Auslöser des panischen Abmarsches war die
Apfel-Formulierung: "... Deutsche, die es noch sein wollen".
Deutschland - das Land der Deutschen? Für
Multikulti-Ideologen ist das abwegig. Nach ihren
Vorstellungen soll dieses Land einen anderen Charakter
bekommen: durch offene Grenzen und immer neue Schübe
von Einwanderern.
Für Freiheit, gegen
Fremdherrschaft
Viele Grüne können auch
gar nicht begreifen, weshalb sich ihr Idol Joschka Fischer
nun dafür rechtfertigen muß, daß seine
"liberale" Visa-Politik hunderttausendfachen
Einreise-Mißbrauch ermöglicht hat.
Mißbrauch? Für rot-grüne Kosmopoliten kann
der Ausländer-Zuzug gar nicht groß und schnell
genug sein.
Deutschland - nur noch ein
geographischer Begriff? Das wäre auch ein Anschlag auf
die demokratische Tradition
unseres Volkes. Zum ersten Jahrestag der Völkerschlacht
von Leipzig, in der sich die Deutschen und ihre
Verbündeten 1813 siegreich gegen die napoleonische
Fremdherrschaft auflehnten, flammten auf den Gebirgen am
Rhein Freiheitsfeuer auf. Und dazu erklang aus dem Mund
vaterlandsbegeisterter Deutscher das Lied "Flamme empor".
Darin heißt es: Wir "schwören am Flammenaltare,
Deutsche zu sein". Das nationale
Zusammengehörigkeitsgefühl vermählte sich mit
dem Freiheitsdrang und legte damit die Basis für eine
demokratische - nämlich volksherrschaftliche
Entwicklung.
Der Landesname "Deutschland" hatte
sich schon im Mittelalter herausgebildet; er bezog sich auf
die Sprache. Was wir als "Althochdeutsch" bezeichnen (die
ober- und mitteldeutschen Dialekte des 8. bis 11.
Jahrhunderts), ist ein "werdendes Deutsch" (Hans Eggers).
Das althochdeutsche Adjektiv "diutisc" gehört zu "diot"
(= Volk). Man benannte so die germanische Volkssprache - im
Gegensatz zum Latein von Kirche und Verwaltung und zu den
romanischen Sprachen. In dem Maße, in dem -
zunächst im Karlsreich, dann im Reich der Ottonen -
eine Angleichung der Dialekte stattfand und ein
stammesübergreifendes Gefühl der
Zusammengehörigkeit entstand, bildete sich die deutsche
Kultursprache heraus.
Eine Abstammungsgemeinschaft
Daran hatte auch das Christentum
Anteil. Das "Annolied" (zum Preise des Erzbischofs Anno von
Köln; um 1090) belegt, daß die Sprachbezeichnung
schon damals auf Land und Leute übergegangen war. Der
Dichter bezeichnet die im Lied auftretenden Menschen als
"diutschi liute" und als "diutschi man", und auch das Land
wird "deutsch" genannt ("in diutischemi lande").
Es ist schade, daß wir aus
jener Zeit keine Porträts unserer Vorfahren besitzen -
vergleichbar den Wandgemälden, die sich in den Ruinen
Pompejis erhalten haben und einen Menschentypus zeigen, der
dem der heutigen mediterranen Art recht nahe kommt. Man darf
aber annehmen, daß unsere Ahnen im 11. Jahrhundert dem
Bild des heutigen Deutschen stark ähnelten. Denn der
jahrhundertelange Prozeß von Landnahme und Vermischung
war für die Germanen in den Gebieten des heutigen
deutschen Volks- und Kulturraums schon weitgehend
abgeschlossen (sieht man einmal von der deutschen
Ostsiedlung ab).
Natürlich kamen durch Kriege
und kleinere Wanderungsbewegungen in späteren
Jahrhunderten noch andere ethnische Einschläge hinzu;
diese werden aber von denjenigen, die den germanischen
Anteil an der deutschen Volkwerdung möglichst gering
ansetzen möchten, oft sehr stark übertrieben (ein
Paradebeispiel dafür findet sich in Carl Zuckmayers
Bühnenstück "Des Teufels General", 1947).
"Soweit die deutsche Zunge klingt"
(Ernst Moritz Arndt) - das war vom Mittelalter bis weit ins
19. Jahrhundert hinein Deutschland. Die unvollständige
Reichseinigung Bismarcks führte dann zur Verengung des
Deutschland-Begriffs. Unstrittig blieb aber, daß es
das Land einer weitgehend homogenen Abstammungsgemeinschaft
war, deren namensgebendes Hauptmerkmal die deutsche Sprache
bildete.
Diese jahrhundertelange
Gemeinsamkeit wird nun in Frage gestellt durch die immer
stärkere Einwanderung von Menschen nicht etwa nur aus
verwandten Kulturen, sondern aus fernen, exotischen
Erdkreisen. Der ethnisch-kulturelle Wandel vollzieht sich
bereits in der deutschen Sprache. Sie verarmt, verflacht,
wird deformiert und überfremdet. Deutsch-türkische
"Kanak-Sprak" auf Schulhöfen, Straßen und
Diskotheken; "Engleutsch" in der Werbung und bei der
Beschriftung öffentlicher Einrichtungen. Zugleich setzt
sich, begünstigt durch die Computerisierung, in
Wirtschaft und Wissenschaft immer mehr das Englische durch.
Auf dem Weg nach
"Germanoturkestan"?
Gewiß: Sprachentwicklung hat
es immer gegeben, und eine gesunde, lebenskräftige
Sprache verdaut vieles. Aber der heutige Sprachwandel hat
besonderen Charakter, geht er doch einher mit der
pathologischen Zerrüttung des Volks- und
Nationalbewußtseins der Deutschen. Es würde wohl
nicht mehr verwundern, wenn demnächst die Forderung
käme,
Englisch neben Deutsch in der Bundesrepublik zur Amtssprache
zu machen - mit dem "menschenfreundlichen" Argument, den
vielen Einwanderern helfen zu wollen und einen deutlichen
Schritt Richtung "Euroland" zu machen (wo in den politischen
Zentralen längst das Englische vorherrscht). Schon wird
an deutschen Schulen das Eintrittsalter für den
Englischunterricht gesenkt.
"Nie wieder Deutschland" - aber was
dann? Bislang fehlt ein plausibler Ersatzbegriff. Kann man
sich vorstellen, daß das Territorium der heutigen
Bundesrepublik künftig etwa "Multikultiland" oder
"Germanoturkestan" genannt wird? Schon gab es den Vorschlag,
die Eingangswidmung des Reichstages in Berlin ("Dem
deutschen Volke") zu entfernen und durch eine neue
Formulierung zu ersetzen: "Der Bevölkerung". Warum dann
nicht gleich "Den Menschen" oder, besser noch, "Allen
Lebewesen"? Je weniger konkret, desto besser für die
Politiker. Sie haben schon heute Probleme mit der
Erfüllung ihres Amtseides, den Nutzen des deutschen (!)
Volkes zu mehren und Schaden von ihm zu wenden.
Über eines aber besteht kein
Zweifel: Ohne Patriotismus, ohne Nationalgefühl kann
die Solidargemeinschaft des Volkes nicht funktionieren. Eine
Ersatzlösung ist bis heute nicht gefunden worden. Das
zufällige, unverbindliche Zusammentreffen von Menschen
aller Herren Länder und unterschiedlicher Kultur auf
einem bestimmten Territorium stiftet keinen gemeinsamen
Halt, keinen Sinn für Bindung und Verantwortung. Die
Folgen dieser Fehlentwicklung sind seit geraumer Zeit zu
spüren. Schon erschallt aus rot-grünen
Regierungskreisen der Ruf, wenigstens die Unternehmer
mögen sich doch bitte ihrer Verantwortung für den
"Standort Deutschland" bewußt sein und keine
Arbeitsplatzverlagerungen ins Ausland mehr vornehmen.
Doch auch ein "Standort" kann die
Nation nicht ersetzen. Wer eine Politik des "Nie wieder
Deutschland!" betreibt, darf sich nicht wundern, wenn andere
Orientierungen - etwa die auf den eigenen Profit - in den
Vordergrund treten. Auf Rot/Grün fällt
unausweichlich zurück, was man dort immer gewollt hat:
die Abkehr von nationalen Interessen. Irgendwann werden die
Deutschen allerdings bemerken, auf welchen bösen Irrweg
sie sich haben locken lassen. Hoffentlich ist es dann nicht
zu spät. .
Quelle: Nation &
Europa
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