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Deutsche Hoffnung
für Ostpreußen? Hat das nördliche Ostpreußen mit der ostpreußischen Hauptstadt Königsberg nach einem Dreivierteljahrtausend deutscher Vergangenheit (bis 1945, seither als "Oblast Kaliningrad" unter Moskaus Herrschaft) irgendeine Aussicht auf eine deutsche Zukunft? Diese Frage würde Politikern anderer Völker, hätten sie einen ähnlichen Problemfall, gewiss keine Ruhe lassen. Die Maßgeblichen in Berlin aber beschäftigt sie offenbar überhaupt nicht. Weder hat sich der Bundesaußenminister bei seinem vorwöchigen Königsberg-Besuch mit Kranzniederlegung für Immanuel Kant, den wohl berühmtesten deutschen Philosophen und größten Sohn Ostpreußens, dazu öffentlich geäußert, noch hat Gerhard Schröder in seinen Kommentaren zur Reise seines Vizekanzlers darüber ein Wort verloren, noch fühlte sich die CDU/CSU-Opposition in ihren Stellungnahmen zur Fischer-Visite veranlasst, die Angelegenheit anzuschneiden. Nach allen vorliegenden Informationen und nach allen Erfahrungen ist es auch auszuschließen, dass dies hinter verschlossenen Türen gegenüber den Russen angesprochen wurde. Staatsmännische Weisheit? Staatsmännische Selbstbescheidung kann man als Grund für die Scheu, ja sogar Abscheu vor der deutschen Frage nach Königsberg ausschließen. Etablierte Berliner Politiker spielen sich in vielen anderen Themen der internationalen Beziehungen seit einigen Jahren als Weltenrichter, gelegentlich sogar als Weltmarschälle auf, halten sich selten mit geradezu naseweisen und neunmalklugen Rezepten und Ratschlägen zurück. Im Falle des "islamischen Krisengürtels" beispielsweise erscheinen sie wie die Ober-Mullahs von 1,2 Milliarden Moslems. Auch die 1,3 Milliarden Chinesen bleiben von einem neudeutschen Wesen, an dem die Welt genesen soll, nicht verschont. Liegt uns das Land von Konfutse näher als das Land Kants? Königsberg befindet sich von Moskau doppelt so weit entfernt wie von Berlin. Vom Hindukusch und Himalaja ganz zu schweigen. Und was das Herz angeht, so sollte die Krönungsstätte preußischer Könige uns Deutschen besonders nahe liegen. Gerade im Verhältnis zu Russland befleißigt man sich in Berlin ansonsten keineswegs einer Zurückhaltung. So muss es sich Präsident Putin neuerdings von deutschen Politikern gefallen lassen, als eine Art Wiedergeburt des bösen Iwan dargestellt zu werden. Einmischung in die wirklich ausschließlich inneren russischen Angelegenheiten geht so weit, dass man deutscherseits den demokratisch gewählten Staatschef Russlands zur "Mäßigung" in seinem Kampf gegen skrupellose "Oligarchen", rechtswidrig an ihre Milliarden gekommene Geschäftemacher, ermahnt. Auch der Bundesaußenminister hat dem Vernehmen nach jetzt wieder diesbezügliche "deutsche Sorgen" gegenüber den Russen geäußert. Das also geht uns was an - nicht aber Königsberg? Russische "Testballons" Es ist längst aktenkundig, dass schon unter Gorbatschow und Jelzin von Moskau getestet wurde, ob ein deutsch-russisches Engagement, womöglich sogar Arrangement hinsichtlich des nördlichen Ostpreußen denkbar sei. Kohl ließ alles zurückweisen. Am 29. Juni 1994 unterzeichneten Wladimir Schirinowskij und Dr. Gerhard Frey ihre "Moskauer Erklärung", in der es hieß: "Das nördliche Ostpreußen soll eine Brücke der Verständigung zwischen Russen und Deutschen sein. Eine gerechte Lösung unter voller Berücksichtigung beiderseitiger Interessen wird angestrebt." Die Reaktion der offiziellen Bundespolitik war schroff ablehnend. Absolut auf stur schalteten hiesige Etablierte auch, als Generalleutnant N. O. Klokotow, Berater des russischen Generalstabes, in seinen "Grundlagen der Geopolitik" (Moskau 1997) eine Übereinkunft mit den Deutschen über das nördliche Ostpreußen vorschlug. Es könne "zweckdienlich" sein, so schrieb er, "das Kaliningrader Gebiet an Deutschland zurückzugeben, damit das letzte territoriale Symbol des schrecklichen Bruderkrieges (zwischen Deutschen und Russen) verschwindet." Das Desinteresse maßgeblicher deutscher Politiker an einer die nationalen Belange des eigenen Volkes beachtenden und der historischen Verantwortung für Ostpreußen gerecht werdenden Lösung der Königsberg-Frage lässt sich nur mit mangelndem Nationalbewusstsein erklären. Man fühlt sich nicht in erster Linie, kaum in zweiter, als Sachwalter deutscher Politik, sondern voll in Diensten und Sielen beispielsweise des EU-Sternenbanners oder der Windrose der NATO oder sonstiger supranationaler, überstaatlicher Mächte.
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