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Sollen die Deutschen
auswandern? Von Dr. Rita Hoffmann "An die 200.000 hochqualifizierte Deutsche verlassen jährlich ihre Heimat, um sich im Ausland eine neue Existenz aufzubauen." Diese Botschaft aus dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden hatte Ende vergangenen Jahres für Aufsehen im Land gesorgt. Nicht nur in der Presse, auch in diversen Fernsehsendern suchte man nach Ursachen für diesen traurigen Exodus. Mehrheitlich kam man zu dem Schluss, dass es die unsichere wirtschaftliche Situation in der Bundesrepublik sei, welche vor allem junge Leute zum Kofferpacken veranlasse. Auch würden Hochqualifizierte in den Vereinigten Staaten, in Kanada, Großbritannien, in Österreich oder der Schweiz mehr verdienen. Doch vor allem die Fernseh-Interviews mit Ausgewanderten und Auswanderungswilligen sowie die vielen Leserbriefe, welche die Redaktionen erreichten, machten sichtbar, dass Arbeit, Karriere und bessere Verdienstmöglichkeit nur selten der ausschlaggebende Anlass sind, um der Heimat "ade" zu sagen. Die meisten derer, die mit Familie und Hab und Gut davonziehen, machen dafür eine verantwortungslose Politik in Deutschland verantwortlich. "Unfähige und verantwortungslose Politiker" "Uns gingen die politischen und sozialen Verhältnisse auf die Nerven", schreibt eine Berliner Familie in der "Frankfurter Allgemeinen". Die Leute bauten sich in Österreich eine neue Existenz auf, weil sie "den geistig-moralischen Niedergang" hierzulande nicht mehr mit anschauen konnten. "Unfähige und verantwortungslose Politiker jeglicher Couleur haben es geschafft, dass dieses Land in einer für den Normalbürger unvorstellbaren Staatsverschuldung von nahezu 1,5 Billionen Euro versinkt, wobei selbst die Zinszahlungen für diese Verschuldungsorgie eine Illusion sind. Das Desaster für kommende Generationen ist vorhersehbar". Ähnlich wie Familie Müller, die in St. Georgen am Längssee in Österreich eine neue Heimat fand, äußern sich auch andere Auswanderer. Ein junger Wissenschafter, der in die Schweiz übersiedelte, schreibt: "Nicht erst die Pisa-Studie hat die geistig-moralische Verwahrlosung des Landes sichtbar gemacht. Es ist auch die Gier nach dem schnellen Geld, die mit einer noch nie da gewesenen Rücksichtslosigkeit um sich greift. Angeführt von einer Managergilde, die sich mit beispielloser Dreistigkeit nicht verdiente Millionen in die Tasche steckt und im Gegenzug Hunderttausende von Beschäftigten auf die Straßen setzt. Justiz und Politik schauen diesem Trauerspiel hilflos zu. Nein, man kann Deutschland weder als einen Rechts- noch als einen Sozialstaat bezeichnen." Ein Arzt, der mit seiner Frau und den zwei Kindern nach Schweden ging, gab folgende Gründe für seine im direktesten Sinn des Wortes "Aus-Reiße" an: "Das politische System kümmert sich in Deutschland nicht mehr um diejenigen, welche arbeiten und Werte schaffen. Es geht tagein, tagaus nur noch um Ein- und Zuwanderer, Asylanten, Kriegs- und sonstige Flüchtlinge, zeitgeistig 'Migranten' genannt. Um sie wird sich gekümmert, für sie wird Politik gemacht. Der horrende Anstieg einer entsprechenden Ausländerkriminalität ist zwar eine Tatsache, darf aber aus Gründen der politischen Korrektheit nicht beim Namen genannt werden. Der stets bejammerte angebliche Bevölkerungsrückgang wird, zur Freude von Multi-Kulti-Verfechtern, von den Zugezogenen mehr als wettgemacht, und es bedarf keiner großen Rechenkünste, um den Zeitpunkt festzulegen, wann bei einem 'weiter so' die Zahl der Ausländer und der autochthonen Bevölkerung sich die Waage halten wird. Je mehr an diesen unwürdigen Verhältnissen festgehalten wird, desto mehr Menschen werden Deutschland den Rücken kehren." "Generation Praktikum" übel dran Diese verbitterte Einschätzung werden vor allem junge deutsche Hochschulabsolventen und Wissenschaftler sofort unterschreiben. Wie zum Beispiel mit der "Generation Praktikum" umgegangen wird, das haben im Auftrag der DGB-Jugend und der Hans-Böckler-Stiftung die Sozialwissenschaftler Dieter Grühn und Heidemarie Hecht genauer untersucht. Sie befragten 499 Hochschulabsolventen nach ihren Erfahrungen. Mehr als die Hälfte von ihnen hat nach dem Studium keine Anstellung gefunden und zunächst ein oder mehrere Praktika absolvieren müssen. Sie wurden in der Regel kaum oder gar nicht bezahlt. Wenn überhaupt, so erhielten die in Vollzeit Beschäftigten gerade einmal 600 Euro, unzählige Überstunden inbegriffen. Wie jemand in einer Großstadt davon leben, die Miete bezahlen, für Fahrtkosten, Arbeitsmittel und Kleidung aufkommen soll, steht in den Sternen. Ganz zu schweigen davon, dass die jungen Hochschulabsolventen permanent von den Politikern angehalten werden, eine Familie zu gründen, Kinder zu bekommen und Vorsorge für das Alter zu treffen. "Engagierte, gut ausgebildete junge Leute dürfen nicht länger eine billige Arbeitsmarktreserve sein", fordert die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock. Sie regte eine Petition an, die im Bundestag eingereicht wurde. 60.000 Bürger haben sie unterschrieben. Doch dass diese hilflose Aktion etwas bewirken wird, nimmt kaum einer an. Denn die Abgeordneten des Hohen Hauses sind gegenüber wirtschaftspolitischen Fragen nicht nur taub, sondern vor allem auch nicht willens, sich um solch "heiße Eisen" wie die Bezahlung von Praktikanten zu kümmern. Der Chefredakteur des "Handelsblattes", Bernd Ziesemer, wies in einer ganzseitigen Untersuchung nach, dass Politiker in Deutschland nur selten eine wirtschaftliche Bildung haben und obendrein auch immun sind für Anforderungen aus der Praxis. All die vielen Lehrer, Juristen oder Angestellte, die in Deutschland Machtpositionen eroberten, sie würden sogar noch mit ihrer Unwissenheit und Inkompetenz in Wirtschaftsfragen prahlen. Für Kanzler Schröder seien unliebsame Wirtschaftsgutachten nur "Meteorologie" gewesen. Für seinen Wirtschaftsminister Clement waren sie "dummes Zeug". Der Vizevorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Ludwig Stiegler, poltert noch heute bei jeder sich bietenden Gelegenheit, dass er sich "das Professorengeschwätz des Sachverständigenrates" nicht antun müsse. Dass es aber nicht nur ein Markenzeichen linker deutscher Politik ist, sich den simpelsten Anforderungen einer auf Perspektive angelegten Wirtschafts- und Personalpolitik zu verweigern, zeigte jüngst der Abgang des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU. Friedrich Merz, ein ausgewiesener Wirtschaftsfachmann, will aus der Politik ausscheiden, weil ökonomische Kenntnisse und Sachverstand in der Großen Koalition nicht gefragt seien. Der Chefredakteur des "Handelsblattes" resümiert, dass es "nur in den Anfangsjahren der Bundesrepublik einen engen und auch fruchtbaren Kontakt zwischen Wirtschaftswissenschaftlern und Politikern gegeben hat... Die theoretischen Positionen der Freiburger Schule waren über weite Strecken deckungsgleich mit der Politik Ludwig Erhards". Ausgebeutete junge Forscher Auch die "Frankfurter Allgemeine" stellte fest, dass "der Drang zur Auswanderung bei Nachwuchswissenschaftlern ungebrochen" sei. So habe der neue Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner, eine Studie anfertigen lassen. Deren Zusammenfassung lautet: "Junge Forscher werden ausgebeutet, in starre Tarifkorsette gezwängt, über einen Kamm geschoren, an der kurzen Leine gehalten und aus der Wissenschaft gedrängt, sofern sie es nicht schnell auf einen Lehrstuhl schaffen." Hält man sich dann noch vor Augen, dass der akademische Nachwuchs fünfzig bis sechzig Stunden in der Woche arbeiten muss, nur befristete Arbeitsverträge hat und etwa 2200 Euro netto verdient, kann man sich vorstellen, dass die besten Wissenschaftler ebenfalls nur einen Wunsch haben - Deutschland zu verlassen. Professor Kleinert prangerte aber nicht nur den schändlichen Umgang mit dem besten Teil des Volkes, dem wissenschaftlichen Nachwuchs, an. Er verwies auch darauf, dass die Universitäten selbst und viele Firmen keine nachhaltige, professionelle Personalpolitik mehr betreiben würden. Diese aber wäre überlebenswichtig für unser Volk, das auf Grund seiner demographischen Struktur und mangels wertvoller Bodenschätze besonders auf Spitzenleistungen in Wissenschaft und Forschung sowie in der Praxis angewiesen sei. Wenn der Deutsche Bundestag demnächst eines der absurdesten Auswüchse des Arbeitsrechtes beseitigt und dafür sorgt, dass Wissenschaftler auch nach dem Ablauf von zwölf Jahren weiter befristet an den Universitäten beschäftigt sein können, so sei dies nur ein bescheidener Anfang, schreibt die "Frankfurter Allgemeine". Generell müsse Schluss sein in Deutschland mit der Verschwendung der in jeden Forscher investierten Steuergelder. Wo bleiben die Perspektiven? Um die jungen Leute nicht weiter wie bisher an Universitäten in Großbritannien, Kanada, Australien oder den USA zu verlieren, brauche es Perspektiven für sie hierzulande. Ein eigener Tarifvertrag würde es den Wissenschaftlern ermöglichen, auch mit Familie einen verlässlichen Karriereweg zu gehen. Deutschen Arbeitgebern müsste es zudem erlaubt sein, nach Leistung zu bezahlen und die Arbeitsverträge flexibel zu gestalten. Und so weiter und so fort des eigentlich Selbstverständlichen. Was bei der Diskussion noch gar nicht beachtet wird: auch von den Jugendlichen, die nicht studierten, sondern die eine Berufsausbildung erfolgreich abgeschlossen haben, finden 18 Prozent in Deutschland keine adäquate Anstellung. Dass sich die Politik um die Probleme der deutschen Jugend kümmert und ihnen Aufmerksamkeit widmet, ist leider nicht zu erwarten. Bundeskanzlerin Merkel, eine promovierte Physikerin, müsste für die Bedürfnisse der Nachwuchswissenschaftler ein Ohr haben, sollte man meinen. Doch wem dient Merkel? Anstatt ihre Hausaufgaben in Deutschland zu erledigen, tourt Lieschen Müller-Merkel durch die Welt. Und wirbt für Amerikas Kriege sowie für das Existenzrecht des Staates Israel ...
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