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8. Januar
2004
Wenn das Fernseh-Volk
spricht:
Die besten
Deutschen
Von Werner Baumann
Sind die Deutschen von allen guten
Geistern verlassen? So könnte man fragen, wenn man die
kürzliche ZDF-Sendereihe "Unsere Besten" an den
Verhaltensvorschriften der "political correctness"
mißt. Die Zuschauer wählten Konrad Adenauer zum
"besten Deutschen" aller Zeiten. Auf Platz 2 kam Martin
Luther, auf Platz 3 Karl Marx. Eigentlich müßte
dieses Ergebnis, dem 3,3 Millionen Anrufe beim ZDF zugrunde
liegen, sämtliche Volks-Pädagogen alarmieren - und
den Jüdischen Weltkongreß dazu.
Gewiß: Konrad Adenauer hat
nach 1945 die Wiedergutmachung auf den Weg gebracht. Auch
wird man ihm schwerlich vorwerfen können, daß er
sich in der Weimarer Zeit für das
"Pro-Palästina-Komitee" engagierte, dessen Ziel die
Verbringung auch deutscher Juden in den vorderen Orient war.
Das entsprach bekanntlich der zionistischen Vision von
Theodor Herzl. Aber der erste deutsche Bundeskanzler traf
nach 1945 auch die nicht ganz koschere Feststellung,
daß "dat Weltjudentum eine jroße Macht ist"
(rheinisch zitiert vom "Spiegel", Nr. 19/1995). Heute gilt
die Annahme einer weltumspannenden Macht des Judentums als
typisches Kennzeichen antisemitischen
Verschwörungswahns. So jedenfalls sehen es die
Wächter der politischen Korrektheit.
Luther auf den
Elbbrücken
Besonders entmutigend muß
für alle Hohmann-Kritiker die Wahl Martin Luthers zum
zweitbesten Deutschen sein. Der Reformator hätte heute
nicht die geringste Chance auf ein christliches Parteibuch.
Denn in seiner Schrift "Von den Juden und
ihren Lügen" (1542) fordert er die Verbrennung der
Synagogen, ihrer Bücher, und die Zerstörung
jüdischer Häuser. Denn "kein blutdürstigeres
und rachgierigeres Volk" sei je von der Sonne beschienen
worden. Man gebe den Juden endlich "Feigel, Axt, Karst,
Spaten, Rocken und Spindel" zum Brotverdienen in die Hand
und treibe ihnen "das faule Schelmenbein aus dem
Rücken".
Noch besser, so Luther weiter,
wäre es allerdings, dem französischen, spanischen
und böhmischen Beispiel zu folgen und die Juden des
Landes zu verweisen. Und wer sich durch Taufe davor
schützen wolle, dem würde er, Luther, einen Stein
um den Hals hängen und ihn die Elbbrücken
hinabstoßen mit den Worten: "Ich taufe dich im Namen
Abrahams." Die Juden seien nicht Gottes, sondern "Teufels
Volk".
Wer nun glaubt, das Luther-Votum des
ZDF-Publikums sei durch die Wahl von Karl Marx zum
drittbesten Deutschen gewissermaßen ausgeglichen
worden, irrt gewaltig. Zwar entstammte Marx einer alten
Rabbinerfamilie, aber von daher fiel ihm nur das
Frage/Antwort-Spiel ein: "Welches ist der weltliche Grund
des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz.
Welches ist der weltliche Kultus des Juden? Der Schacher.
Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld." Kein Herrscher
in Europa, so Marx weiter, könne sich ohne
jüdische Unterstützung halten, hinter jedem
Tyrannen stehe ein Jude.
Geradezu pöbelhaften
Antisemitismus ließ Marx auch im persönlichen
Umgang erkennen. Den Arbeiterführer Ferdinand Lassalle
nannte er "jüdischen Nigger", "Jüdchen",
"Jüdel", "Itzig". Auf einer Reise notierte er: "Viel
Juden und Flöhe hier." Die polnischen Juden seien "die
schmutzigste aller Rassen". Marx warnte vor der "Pariser
Börsensynagoge" und forderte "die Emanzipation der
Menschheit vom Judentum".
Man dürfe Luther und Marx nicht
auf solche Zitate reduzieren, heißt es
verständnisvoll bei jenen, die im Fall
Hohmann
nicht einmal den ebenso richtigen wie wertfreien Hinweis
dulden wollten, daß es Juden in der
sowjet-bolschewistischen Führung gegeben habe. Hohmann
sprach den Juden ausdrücklich die Eigenschaft eines
"Tätervolkes" ab und wurde dennoch als vermeintlicher
Antisemit aus der CDU gejagt. Seine sonstigen Verdienste als
Abgeordneter und Bürgermeister spielten dabei keine
Rolle.
Woher rührt das Messen mit
zweierlei Maß? Ganz einfach: Politisch umgebracht wird
nur, wer auf der allgemeinen Popularitätsskala nicht
weit oben steht. Wenn sich Rudi Völler in Interviews
über zu viele Ausländer in der Bundesliga erregt,
wirft ihm niemand Fremdenfeindlichkeit vor, weil man davon
ausgeht, daß sich sonst das Publikum mit dem
Angegriffenen auch inhaltlich solidarisieren würde.
Dagegen kann man nach Carl Diem benannte Straßen,
Hallen und Sportauszeichnungen heute gefahrlos umbenennen,
weil den "Vater der Olympischen Spiele 1936" fast niemand
mehr kennt. Die Eigenschaften einer Person und die von ihr
vertretenen Inhalte sind bei solchen Selektionen
zweitrangig. Vernichtet wird nur, wen die Menschen nicht in
großer und schützender Zahl verehren.
Henry Ford: Werbung mit einem
"Antisemiten"
Anders ausgedrückt: Ein Verdikt
gegen Luther brächte die halbe Christenheit auf die
Barrikaden - also ignoriert man den Aufruf zur
Synagogenschändung. Und auch Marx muß trotz aller
antisemitischen Ausfälle auf seinem Thron verbleiben,
sonst verlören Kommunisten und Sozialisten, ja nahezu
sämtliche Linke dieser Welt ihren ideologischen Gott.
Dem Bundestagsabgeordneten Hohmann
wurde angekreidet, in seiner "Skandalrede" den
amerikanischen Autokönig Henry Ford (1863-1947) zitiert
zu haben. Ford hatte 1920 ein Buch geschrieben: "The
International Jew". Auflage in den USA: 500 000 Exemplare.
Es wurde ein Weltbestseller, in 16 Sprachen übersetzt.
Wie könne es Hohmann einfallen, sich auf den "radikalen
Antisemiten" Ford zu berufen, schimpften Politiker und
Journalisten unisono. Zur gleichen Zeit liefen im deutschen
Fernsehen Werbespots zum 100. Gründungsjubiläum
des Ford-Autokonzerns - mit historischen Filmaufnahmen des
berühmten "Antisemiten". Niemand protestierte, niemand
ließ sich den pikanten Hinweis einfallen, daß
die Ford-Reklame womöglich den von Hitler
begründeten VW-Konzern animieren könnte, mit dem
"Führer" zu werben. Dessen Haltung zum Judentum war
nachweislich von Ford beeinflußt. Der US-Industrielle
erhielt deshalb einen der höchsten NS-Orden.
Gleichwohl darf man heute noch VW
und Ford fahren, darf man den amerikanischen Auto-Pionier
sogar als solchen feiern. Es ist hier wie bei Marx und
Luther: Die Popularität überlagert den Zwang zur
"political correctness". Bei weniger Prominenten aus
Vergangenheit und Gegenwart heißt es, man könne
unmöglich die antisemitische Haltung von den sonstigen
Persönlichkeitsmerkmalen trennen. Alles fließe
zusammen und sei letztlich durch die eine Beigabe
kontaminiert. Mit dieser Betrachtungsweise werden
hierzulande Straßen, Plätze und Schulen
umbenannt, werden Bilder abgehängt, Denkmäler
gestürmt, Bauten abgerissen und Künstler verfemt.
Doch die "Säuberung" bleibt an
den Rändern stecken. Die Publikumsentscheidung
über die "besten Deutschen" zeigt, daß man
letztlich auch radikalsten Antisemiten die Reverenz erweist,
weil man sich keinen historischen Total-Kahlschlag leisten
kann. Dabei nimmt man Absurditäten durchaus in Kauf:
Hohmann, der in den Juden kein "Tätervolk" sehen mag,
wird gefeuert. Luther, der die Juden zu "Teufels Volk"
stigmatisierte, bekommt einen medialen Lorbeerkranz als
"zweitbester Deutscher". Ob uns Guido Knopp das
erklären kann?
Quelle: Nation &
Europa
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