[Home] [Archiv]

 

http://www.nationeuropa.de


Januar 2004

Wenn das Fernseh-Volk spricht:
Die besten Deutschen

Sind die Deutschen von allen guten Geistern verlassen? So könnte man fragen, wenn man die kürzliche ZDF-Sendereihe "Unsere Besten" an den Verhaltensvorschriften der "political correctness" mißt. Die Zuschauer wählten Konrad Adenauer zum "besten Deutschen" aller Zeiten. Auf Platz 2 kam Martin Luther, auf Platz 3 Karl Marx. Eigentlich müßte dieses Ergebnis, dem 3,3 Millionen Anrufe beim ZDF zugrunde liegen, sämtliche Volks-Pädagogen alarmieren - und den Jüdischen Weltkongreß dazu.

Gewiß: Konrad Adenauer hat nach 1945 die Wiedergutmachung auf den Weg gebracht. Auch wird man ihm schwerlich vorwerfen können, daß er sich in der Weimarer Zeit für das "Pro-Palästina-Komitee" engagierte, dessen Ziel die Verbringung auch deutscher Juden in den vorderen Orient war. Das entsprach bekanntlich der zionistischen Vision von Theodor Herzl. Aber der erste deutsche Bundeskanzler traf nach 1945 auch die nicht ganz koschere Feststellung, daß "dat Weltjudentum eine jroße Macht ist" (rheinisch zitiert vom "Spiegel", Nr. 19/1995). Heute gilt die Annahme einer weltumspannenden Macht des Judentums als typisches Kennzeichen antisemitischen Verschwörungswahns. So jedenfalls sehen es die Wächter der politischen Korrektheit.

Luther auf den Elbbrücken

Besonders entmutigend muß für alle Hohmann-Kritiker die Wahl Martin Luthers zum zweitbesten Deutschen sein. Der Reformator hätte heute nicht die geringste Chance auf ein christliches Parteibuch. Denn in seiner Schrift "Von den Juden und ihren Lügen" (1542) fordert er die Verbrennung der Synagogen, ihrer Bücher, und die Zerstörung jüdischer Häuser. Denn "kein blutdürstigeres und rachgierigeres Volk" sei je von der Sonne beschienen worden. Man gebe den Juden endlich "Feigel, Axt, Karst, Spaten, Rocken und Spindel" zum Brotverdienen in die Hand und treibe ihnen "das faule Schelmenbein aus dem Rücken".

Noch besser, so Luther weiter, wäre es allerdings, dem französischen, spanischen und böhmischen Beispiel zu folgen und die Juden des Landes zu verweisen. Und wer sich durch Taufe davor schützen wolle, dem würde er, Luther, einen Stein um den Hals hängen und ihn die Elbbrücken hinabstoßen mit den Worten: "Ich taufe dich im Namen Abrahams." Die Juden seien nicht Gottes, sondern "Teufels Volk".

Wer nun glaubt, das Luther-Votum des ZDF-Publikums sei durch die Wahl von Karl Marx zum drittbesten Deutschen gewissermaßen ausgeglichen worden, irrt gewaltig. Zwar entstammte Marx einer alten Rabbinerfamilie, aber von daher fiel ihm nur das Frage/Antwort-Spiel ein: "Welches ist der weltliche Grund des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz. Welches ist der weltliche Kultus des Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld." Kein Herrscher in Europa, so Marx weiter, könne sich ohne jüdische Unterstützung halten, hinter jedem Tyrannen stehe ein Jude.

Geradezu pöbelhaften Antisemitismus ließ Marx auch im persönlichen Umgang erkennen. Den Arbeiterführer Ferdinand Lassalle nannte er "jüdischen Nigger", "Jüdchen", "Jüdel", "Itzig". Auf einer Reise notierte er: "Viel Juden und Flöhe hier." Die polnischen Juden seien "die schmutzigste aller Rassen". Marx warnte vor der "Pariser Börsensynagoge" und forderte "die Emanzipation der Menschheit vom Judentum".

Man dürfe Luther und Marx nicht auf solche Zitate reduzieren, heißt es verständnisvoll bei jenen, die im Fall Hohmann nicht einmal den ebenso richtigen wie wertfreien Hinweis dulden wollten, daß es Juden in der sowjet-bolschewistischen Führung gegeben habe. Hohmann sprach den Juden ausdrücklich die Eigenschaft eines "Tätervolkes" ab und wurde dennoch als vermeintlicher Antisemit aus der CDU gejagt. Seine sonstigen Verdienste als Abgeordneter und Bürgermeister spielten dabei keine Rolle.

Woher rührt das Messen mit zweierlei Maß? Ganz einfach: Politisch umgebracht wird nur, wer auf der allgemeinen Popularitätsskala nicht weit oben steht. Wenn sich Rudi Völler in Interviews über zu viele Ausländer in der Bundesliga erregt, wirft ihm niemand Fremdenfeindlichkeit vor, weil man davon ausgeht, daß sich sonst das Publikum mit dem Angegriffenen auch inhaltlich solidarisieren würde. Dagegen kann man nach Carl Diem benannte Straßen, Hallen und Sportauszeichnungen heute gefahrlos umbenennen, weil den "Vater der Olympischen Spiele 1936" fast niemand mehr kennt. Die Eigenschaften einer Person und die von ihr vertretenen Inhalte sind bei solchen Selektionen zweitrangig. Vernichtet wird nur, wen die Menschen nicht in großer und schützender Zahl verehren.

Henry Ford: Werbung mit einem "Antisemiten"

Anders ausgedrückt: Ein Verdikt gegen Luther brächte die halbe Christenheit auf die Barrikaden - also ignoriert man den Aufruf zur Synagogenschändung. Und auch Marx muß trotz aller antisemitischen Ausfälle auf seinem Thron verbleiben, sonst verlören Kommunisten und Sozialisten, ja nahezu sämtliche Linke dieser Welt ihren ideologischen Gott.

Dem Bundestagsabgeordneten Hohmann wurde angekreidet, in seiner "Skandalrede" den amerikanischen Autokönig Henry Ford (1863-1947) zitiert zu haben. Ford hatte 1920 ein Buch geschrieben: "The International Jew". Auflage in den USA: 500 000 Exemplare. Es wurde ein Weltbestseller, in 16 Sprachen übersetzt. Wie könne es Hohmann einfallen, sich auf den "radikalen Antisemiten" Ford zu berufen, schimpften Politiker und Journalisten unisono. Zur gleichen Zeit liefen im deutschen Fernsehen Werbespots zum 100. Gründungsjubiläum des Ford-Autokonzerns - mit historischen Filmaufnahmen des berühmten "Antisemiten". Niemand protestierte, niemand ließ sich den pikanten Hinweis einfallen, daß die Ford-Reklame womöglich den von Hitler begründeten VW-Konzern animieren könnte, mit dem "Führer" zu werben. Dessen Haltung zum Judentum war nachweislich von Ford beeinflußt. Der US-Industrielle erhielt deshalb einen der höchsten NS-Orden.

Gleichwohl darf man heute noch VW und Ford fahren, darf man den amerikanischen Auto-Pionier sogar als solchen feiern. Es ist hier wie bei Marx und Luther: Die Popularität überlagert den Zwang zur "political correctness". Bei weniger Prominenten aus Vergangenheit und Gegenwart heißt es, man könne unmöglich die antisemitische Haltung von den sonstigen Persönlichkeitsmerkmalen trennen. Alles fließe zusammen und sei letztlich durch die eine Beigabe kontaminiert. Mit dieser Betrachtungsweise werden hierzulande Straßen, Plätze und Schulen umbenannt, werden Bilder abgehängt, Denkmäler gestürmt, Bauten abgerissen und Künstler verfemt.

Doch die "Säuberung" bleibt an den Rändern stecken. Die Publikumsentscheidung über die "besten Deutschen" zeigt, daß man letztlich auch radikalsten Antisemiten die Reverenz erweist, weil man sich keinen historischen Total-Kahlschlag leisten kann. Dabei nimmt man Absurditäten durchaus in Kauf: Hohmann, der in den Juden kein "Tätervolk" sehen mag, wird gefeuert. Luther, der die Juden zu "Teufels Volk" stigmatisierte, bekommt einen medialen Lorbeerkranz als "zweitbester Deutscher". Ob uns Guido Knopp das erklären kann?


Werner Baumann