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4. November 2011

Reformation und Zeitgeist

Von Hans Püschel

Ja, wie war es denn eigentlich damals? War nun die Reformation eine Anpassung oder Modernisierung der Kirche an den damaligen Zeitgeist oder umgekehrt, eine Rückführung des Glaubens wieder an seine Wurzeln, sprich den Geist des Neuen Testamentes? Zu solchen Überlegungen kommt man unwillkürlich, wenn man bald 500 Jahre nach Martin Luthers spektakulären Proklamationen, seien sie nun an der Kirchentür oder von Kanzel oder Lehrstuhl herab verkündet worden, Lehre und Verhaltensweisen unserer evangelischen Kirchen heute betrachtet. "Von der Freiheit eines Christenmenschen" - fällt mir da ein, wenn ich an Luther denke.

Allweil herrscht offizieller Jubel und evangelischer Beifall über unsere neue Staatsdoktrin, daß der Islam zu Deutschland bzw. Europa gehört oder daß die abendländische Kultur auf jüdischen Traditionen beruht. Ich bin mir ziemlich sicher, unser wehrhafter Reformator hätte nicht nur mit dem Tintenfaß nach den Verfassern derartigen antichristlichen Teufelszeuges geworfen, sondern hätte - wie weiland Christus den Tempel - ganz handgreiflich und derb - wie es so urdeutsche Art war - seine Kirche mit dem eisernen Besen ausgekehrt. Mitsamt aller Multikulti-Märkte der Möglichkeiten und selbsterfahrenden Beliebigkeiten, wie sie nicht nur auf dem Kirchentag zu Dresden zu erfahren waren. Da bräuchte niemand Halloween, Abseilen vom Kirchturm oder Schickimicki machen. Er hätte alle diese Roß- und Volkstäuscher und -verführer nur in seiner schwarzen einfachen Kutte ganz ohne Gruselmaske das Fürchten gelehrt. Davor - das Wort Gottes und seine Kirche noch zur Hure eines verkommenen und manipulierenden Staats- und Gesellschaftswesens zu machen, wo alles und alle nur noch dem Götzen Wallstreet dienen und zu Füßen liegen.

Zehntausendfache jährlich Tötung ungeborenen Lebens im reichen aber aussterbenden Deutschland, Hundertausende Tote und Verletzte durch Bombardements und Kriege in aller Welt durch deutsches Militär und deutsches Geld, damit verbundene Vernichtung christlichen Lebens in den betroffenen Ländern, Überlastung und Auslöschung Deutschlands durch Überflutung mit möglichst vielen und von weit hergeholten kulturfremden und ungebildeten Völkerschaften - dagegen gibt es weder die harsche Kanzelrede noch viel weniger die bunten Wimpel- und Lichterketten. "Schaut den Leuten auf's Maul!" - hätte er gerufen - dann wißt Ihr, wie die darüber denken. Nein, wenn es die kirchlichen bunten Ketten und Sitzblockaden gibt, wenn der Pfarrer aus dem Lautsprecherwagen heraus die militanten Fußtruppen dirigiert und anpeitscht, dann nur, wenn es gegen diejenigen gilt, zu Felde zu ziehen, die genau diese Verbrechen lautstark und immer wieder anprangern!

Schwules und lesbisches Leben im Pfarrhaus; Erziehung zu Genderismus - will sagen sexueller Beliebigkeit und Wechselfähigkeit aller Menschen; beliebige Scheidung und Patchwork im Leben und in der Familie - will sagen unbedingte und damit zwangsläufig rücksichtslose Selbstverwirklichung sind angesagt! Wo bleiben da die einfachen, natürlichen und grundlegenden, seit Jahrtausenden gültigen Vorgaben der Heiligen Schrift, welche auch eben solange ihre Sinnhaftigkeit für das menschliche Zusammenleben bewiesen haben? Sind sie nicht mehr passend für unser modernes Leben? Sind sie gegen den Zeitgeist? Sind sie eher hinderlich für unseren Egotripp? Muß man nicht sogar im Gegenteil alle diese Wort- und Lebensbrüche bis hin zum Saufgelage absolviert haben, um gar in unserer Kirche zu Ehren, Anerkennung und Karriere zu kommen? Damit sich dort oben das richtige Wohlfühl- und Kuschelklima einstellt, um das wegbleibende, aussterbende und verständnislos zuschauende Kirchenvolk nicht mehr wahrnehmen zu müssen?

Oh, ich ich bin mir ziemlich sicher, Er hätte erneut versucht, wider den Zeitgeist zu ziehen und zu wettern, mit dem Finger auf seine Deutsch geschriebene Bibel gewiesen und jede Menge Thesen gegen all diese Verirrungen und Verbrechen am Glauben und am Volk ans Kirchenbrett genagelt, auf seiner Webseite geschrieben und von der Kanzel gepredigt.

Und ich bin mir auch ziemlich sicher, daß ihn seine Kirche auch wieder ganz schnell verstoßen und exkommuniziert hätte. Und die Reichsacht hätte er wohl auch wieder verhängt bekommen - wie damals vor 500 Jahren, weil die Gesinnungs-, Meinungs- und Staatsraisonparagraphen noch ausführlicher festgeschrieben sind, allerdings nicht mehr monarchisch sondern ganz demokratisch, denn seine kraftvolle und direkte Art zu reden und zu schreiben über bestimmte angeblich auserwählte Volksgruppen und vorgeschriebene Tatsachen hätte garantiert den Zorn der Zensoren heraufbeschworen. Und das Ganze natürlich durch ein ordentliches Gericht im Namen des Volkes, der Kaiserin. Allerdings hätte ihn diesmal wohl kein Landesfürst in Schutzhaft nehmen können vor den Häschern. Er hätte seine Strafe wie all die anderen Meinungsverbrecher in Deutschland bis zum letzten Tage absitzen müssen.

Leider - bin ich mir aber auch fast sicher, daß er es dieses Mal bedeutend schwerer haben würde, eine erneute Reformation in Gang zu setzen gegen diese geschlossene, durchgeplante und allumfassende Phalanx des Zeitgeistes, dieser verlogenen und intolleranten, gegen das deutsche Volk gerichteten Moderne. Aber garantiert hätte er noch zumindestens sein Apfelbäumchen gepflanzt, als Zeichen seines unerschütterlichen Gottvertrauens, ehe er zum Einsitzen gegangen wäre!


Quelle: Hans Püschel

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