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Technologieraub durch
Operation "Paperclip" Von Dr. Volker Biek Nach 1945 bedienten sich die alliierten Sieger weidlich der Ergebnisse deutscher Erfinderkunst, was ohne Wenn und Aber auch die Grundlagen der Raketenwaffen betrifft. Leslie E. Simon, ein Oberst der US-Armee, zählt zu jenen, die entsprechende Erlebnisse und Fakten zu Papier gebracht haben. Vor nunmehr 60 Jahren erschien unter seiner Autorenschaft ein Buch mit dem Titel "German Research in World War 2" (New York). Eine Erkenntnis daraus: Für Luft-Luft- wie für Luft-Boden-Raketen der US-Streitkräfte schuf Hermann Görings Reichs-Luftfahrt-Ministerium (RLM) die Voraussetzungen - natürlich ungewollt. Die Operation "Paperclip" war die scheinbar harmlose Bezeichnung für den Abtransport entsprechender Unterlagen aus dem besetzten (West-) Deutschland in Richtung Vereinigte Staaten. Selbst die Aschenbecher der Forschungsstellen wurden dorthin verschifft. Simons Monografie befaßt sich mit der deutschen Organisation der Waffenforschung für Heer, Marine und Luftwaffe. Die Forschungsorganisation des RLM erwies sich demzufolge, um es vorwegzunehmen, als effizienteste und erfolgreichste. Die Raketenwaffen betreffend, war die Problemstellung aus deutscher Sicht dabei alles andere als einfach: Sowohl MG-Geschosse als auch Maschinenkanonen-Kleingranaten zeigten sich gewiß in der Lage, die gepanzerten viermotorigen Bomber der Engländer und die "Fliegende Festung" Boeing B 17 zu treffen. Zum Herbeiführen umgehender Abstürze reichte ihre Kraft jedoch nicht, so daß ein neuer Weg - wir sagen heute Innovation - gefunden werden mußte. Ergebnis der Anstrengungen waren Raketengeschosse, die von deutschen Jägern abgefeuert wurden. Luft-Luft-Raketen nach heutiger Terminologie konnten die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen des RLM ab Ende 1944/Anfang 1945 präsentieren. Deren Geheimbezeichnung lautete R 4 M: R stand für Festtreibstoff-Rakete, 4 für 400 Gramm Sprengstoff und hinter M verbarg sich Minengeschoß im Sinne einer Hohlmine. Das Hohlminen-Raketengeschoß durchschlug überschallbeschleunigt den gepanzerten Körper einer B 17, um dann in ihrem Inneren eine Explosion hervorzurufen, die den 40 Tonnen schweren Bomber in Stücke zerriß. Die Überschalltests fanden im AVA-Testkanal des RLM in Göttingen statt. Rücksprachen seitens des Verfassers ergaben, daß "Wärmesuchkopfzielsteuerung" die nächste Entwicklungsstufe war, sprich, die heißen Auspuffgase die Zielsuche ergaben, nachdem die Rakete den Sicherheitsabstand gegenüber ihrem Waffenträger, der Messerschmidt ME 262, überschritten hatte. Beim Zweistrahljäger ME 262, ausgestattet mit JUMO O4 (Junkers-Strahlturbinen), addierten sich Jagdgeschwindigkeit von über 600 km/h plus Raketengeschwindigkeit zu einer Überschall-Endgeschwindigkeit, die jedes Ziel durchschlug. Simon schreibt, daß - wäre der Bodenkrieg für das Reich nicht bald verloren gewesen - die ME 262, mit besagten Raketen bestückt, die alliierten Bomberflotten zur Aufgabe gezwungen hätte. Pro Angriff berechnete er einen Totalverlust in Höhe von 70 bis 80 %, was öffentlich wie politisch nicht tragbar gewesen wäre. Davon ausgehend, stellte Simon die These auf, wonach das Dritte Reich den Krieg binnen drei Monaten gewonnen hätte - eine Meinung, die der Autor dieses Artikels nicht teilt, da Adolf Hitler den erfolgreichen Einsatz der ME 262 seit 1943 verzögert hatte, weil er diese Maschine als Jagdbomber und Vergeltungswaffe gegen England benutzen wollte, so sein unsinniger Führerbefehl. Der Technologiebaum, der seinen Anfang in den Forschungsstätten des RLM nahm, läßt sich leicht weiterverfolgen, denn die Ausführenden der US-Staubsaugeraktion "Paperclip" hatten über die genannten Raketenwaffen jede noch so kleine Information eingeheimst. Die F-86 Supersabre der US-Airforce setzte im Koreakrieg die R 4 M deutscher Provenienz gegen russische MIG 15 ein, wobei der Gegner nur über veraltete Schnellfeuerkanonen verfügte. Letztendlich stellten die USA so ihre Lufthoheit über Korea wieder her. Als technische Evolution der "Amis" reicht der Technologiebaum bis zu den heutigen Luft-Boden-Hohlmantel-Raketensprenggeschossen namens Hellfire. Sie, nunmehr lasergesteuert, wurden gegen den blinden, im Rollstuhl sitzenden Scheich der Palästinenser-Organisation Hamas, Yassim, punktgenau und tödlich eingesetzt, wie auch die israelische Luftwaffe mit diesen US-Raketen gegen alles vorging, was sich im Libanon bewegte. Die Präsizions-Vernichtungstechnologie der US-Amerikaner und damit auch Israels, angewandt selbstredend auch gegen "Terroristen" im Irak und in Afghanistan, wäre ohne den Durchbruch der deutschen Luftwaffenforschung bzw. die Niederwerfung des Reiches nicht möglich gewesen. Ein weiterer "Minuspunkt" für "die Deutschen" kann sich dabei allerdings nur für jene ergeben, die unverändert an die von ausländischen Historikern längst widerlegte Mär von der Alleinschuld des Deutschen Reiches am 2. Weltkrieg zu glauben bereit sind. Die Rauchschwaden über den Trümmern Europas hatten sich zudem kaum verzogen, als die angeblich friedliebenden Sieger darangingen, in verschiedenen Ecken dieser Welt ihre Kolonialkriege fortzusetzen. Deutlich wird aber auch, wie wichtig entscheidende, strategische Technologien sind - verfügbar zum richtigen Zeitpunkt.
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