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 19. März 2004

Madrid: Die wahren Lehren
Was Etablierte jetzt begreifen müssen

Der blutige Anschlag von Madrid - mehr als 200 Tote, fast 2000 Verletzte - ist "eine Antwort auf eure Zusammenarbeit mit dem Verbrecher Bush und seinen Verbündeten". So heißt es in einem Bekenner-Video der Al Kaida. Und: "Wenn ihr eure Ungerechtigkeit nicht stoppt, wird mehr Blut fließen." Gegenwärtig ist noch unklar, ob das Bekenntnis wirklich echt ist, doch dürfte es keinen Zweifel daran geben, dass Spaniens Rolle im Irak-Krieg die Wurzel jenes Hasses ist, der zu der Terror-Attacke führte.

Die fatale Rolle von Ministerpräsident Aznar als Marionette Washingtons hat ihn vergangenes Wochenende seine führende Rolle gekostet. Seine Volkspartei ist aus der politischen Verantwortlichkeit gefegt worden. Umfragen machen deutlich: Wahlentscheidend war der Vorwurf, dass die Unterstützung des Irak-Krieges Terroranschläge provoziert habe. Vergeblich hatte Aznar in den Stunden vor dem Wahlgang versucht, die Spur der Attentäter in Richtung "ETA" zu lenken, um die Öffentlichkeit einmal mehr zu täuschen.

Wer provoziert den Terror?

Jeder anständige Mensch empfindet Abscheu vor solcherlei Verbrechen gegen Unschuldige. Will man Lehren ziehen, drängt sich die Frage auf, wer denn Fanatiker zu derlei Verzweiflungsattacken provoziert? Die USA haben seit den Anschlägen des 11. September 2001 mehr als zehntausend Menschen hingemordet, darunter ungezählte Kinder und Wehrlose. Hochrangige Zeitgeschichts-Experten hatten schon vor dem Irak-Angriff eindringlich vor den Folgen gewarnt, haben auf die Gefahr von neuerlichen Anschlägen hingewiesen.

Osama bin Laden musste bereits herhalten, um einen US-Überfall auf Afghanistan zu rechtfertigen. Jetzt soll er hauptverantwortlich für Terror-Attacken in Europa sein.

Möglich, dass die USA die Tat von Madrid als Argument für weitere Akte in ihrem Feldzug missbrauchen. Wer weiß, wofür US-Drahtzieher ihren Lieblingsfeind in Zukunft noch gebrauchen können. Jedenfalls hat man ihn bislang ebenso wenig aufgespürt wie Massenvernichtungswaffen im Irak. Der Irak-Krieg war letztlich eine Abfolge von Lügen. Bagdad blutet dennoch weiterhin aus tausend Wunden. Es herrschen Chaos und Terror-Alarm, wo Demokratie Einzug erhalten sollte. Die Irakis fordern den Abzug des Aggressors, und zwar ohne Wenn und Aber. Man strebt einen islamischen Gottesstaat an, keinesfalls aber ein Dasein als von Israel geduldete US-Kolonie. Selbst regierungsfreundliche US-Medien analysieren mittlerweile aufgeregt, wie es nur dazu kommen konnte, dass man in Washington die Lage vor Ort derart falsch eingeschätzt hatte.

Längst sind Washingtons Pläne völlig durchkreuzt. Doch die USA werden weiter auf Lüge und Heuchelei setzen, um die Welt zu täuschen. Die Dreistigkeit offizieller US-Politik schreit seit Jahrzehnten zum Himmel. Bush und Helfershelfer haben auch im Irak-Krieg voll auf Lüge, Fäschung und Manipulation gesetzt. Dies entlarvt das FZ-Buch "Amerikas falsches Spiel" (160 Seiten, 12,90 Euro). Dargelegt wird mit Hilfe der Erkenntnisse hochrangiger Experten, Wissenschaftler, Zeitzeugen und Historiker, wie die raffinierte amerikanische Propagandamaschinerie funktioniert.

Das Buch soll aufrütteln. Das vielleicht brisanteste Thema der Nachkriegsgeschichte verdient jetzt keine Tabus mehr! Die Lage ist ernst. Die Menschen müssen erfahren, wie die Regierung Bush seit dem 11. September vorvergangenen Jahres die Weltöffentlichkeit systematisch hinters Licht geführt und eigene Kriegspläne fast schon skrupellos vorangetrieben hat und weiter noch vorantreiben wird. Namhafte Persönlichkeiten haben das Spiel längst durchschaut. Ihre Mahnungen, Stimmen, Warnungen und Enthüllungen werden hier zusammengefasst, so dass eine einzigartige Zitatensammlung zum Thema entstanden ist. Endgültig klar wird: Was sind die wahren Ziele der USA?

Aufklärung ist in dieser Stunde in der Tat über alle Maßen notwendig. Denn auch die deutsche Bundeswehr läuft Gefahr, zu einer Söldner-Truppe in US-Diensten zu verkommen. Diesem Eindruck tritt SPD-Verteidigungsminister Struck nicht mehr entgegen. Er verkündete unlängst stolz, was künftig auf deutsche Soldaten zukommt: "Mögliches Einsatzgebiet ist die ganze Welt." Struck: "Der neue Kurs für die Bundeswehr ist konsequent auf die wahrscheinlicheren Einsätze, nämlich auf Konfliktverhütung und Krisenbewältigung einschließlich des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus ausgerichtet." So klingt seit dem 11. September 2001 Etablierten-Deutsch, das hündische Unterwerfung gegenüber Washington ankündigt.

Brauchen wir wirklich Feinde?

Muss aber wirklich deutsches Blut fließen, um US-Präsident Bush zufriedenzustellen? Konsequenzen eines solchen Kurses haben wir gerade in Madrid erlebt. Es ist schlicht Irrsinn, das Leben und die Gesundheit deutscher Soldaten in Ländern aufs Spiel zu setzen, in denen Deutschland absolut nichts zu suchen hat und was den Steuerzahler auch noch Unsummen kostet. Mehr noch: Deutschland wird sich dauerhaft Hass und Feindschaft von Menschen einhandeln, die unserem Land nichts getan haben und die uns bisher vielfach sogar traditionell mit besonderer Wertschätzung begegnet sind. Haben denn unsere "Volksvertreter" aus der Geschichte wirklich überhaupt nichts gelernt? Auch die militärischen Zentren der USA in Deutschland (z. B. Grafenwöhr und Ramstein) sind in diesen Zeiten politischer Wahnsinn.

Die linke "taz" erkennt: "Dass viele Spanier jetzt die Beteiligung am Irakkrieg verfluchen, weil der möglicherweise den Terror nach Madrid gebracht hat, ist verständlich. Der Irak-Krieg hat, jenseits seiner völkerrechtlichen Verantwortungslosigkeit eines gewiss nicht erreicht: die Eindämmung des internationalen Terrors."


Quelle: National-Zeitung

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