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 4. Dezember 2003

Der Wald stirbt nicht
Grüne Todesprognosen waren falsch

Von Erich Fuchs

Wer bei leichtgläubigen Menschen Geld sammeln und zudem Steuern sparen möchte, der gründet zweckmäßig eine Stiftung, die sich die Linderung von angeblichen oder tatsächlichen Notständen zum Ziel setzt. Da bereits viele Akteure auf menschliche Nöte hinweisen und um Barmherzigkeit betteln, empfiehlt es sich, in der Natur nach geeigneten "Opfern" zu suchen. Denn gefährdete Tier- oder Pflanzenarten sind allemal schwerer zu überprüfen und zu kontrollieren als menschliche Nöte. Wer kann schon wissen, ob der Eisvogel hier oder eine andere Tierart im afrikanischen oder südamerikanischen Dschungel wirklich gefährdet ist? Otto Normalverbraucher auf keinen Fall. Aber er ist das Zielobjekt der modernen "Bettelorden".

Das mitleidige Mütterchen, die alten Gartenfreunde und Besitzer von Vogelhäuschen für die Winterfütterung und die vielen jungen Menschen, die noch wenig vom ständigen Wandel in der Natur wissen und deren gewaltige Kraft nicht kennen, werden von selbsternannten "Rettern der Natur" erfolgreich angezapft. Andere Stiftungen haben Unterstützungsgelder der Europäischen Union, der Bundesrepublik und der Bundesländer im Visier. Das ist ein einträgliches Geschäft. Wenn es Steuergelder regnet, dann möchte hierzulande niemand im Trockenen stehen.

Die Stiftung "Wald in Not", ein Musterexemplar ihrer Art, gab kürzlich über die Presse bekannt, daß sich der Zustand der deutschen Wälder seit 1983 nicht verbessert habe. Ein Fünftel der Waldfläche sei deutlich geschädigt. Diese Behauptung kann natürlich niemand überprüfen, man kann sie nur glauben oder nicht. Zumal vorhandene Schäden ja nicht gleichmäßig verteilt sind. Außerdem wird gern verdrängt, daß auch Bäume kein ewiges Leben haben, sondern einem natürlichen Alterungs- und Sterbeprozeß ausgesetzt sind. So manches Gewächs ist ganz von allein gestorben, ohne daß man dafür einen "Schuldigen" dingfest machen kann. Auch eine Spende hätte nichts geholfen.

Immerhin kommt in der Pressemitteilung der Stiftung das unerwartete Eingeständnis, daß das vorhergesagte große Waldsterben ausgeblieben sei. Darauf war man nicht gefaßt, obwohl es sich leicht erklären läßt, denn anders als bei den Horrormeldungen aus der weiten Welt, kann jeder Spaziergänger oder Wanderer überprüfen, ob es den deutschen Wald noch gibt oder ob er, wie einst prognostiziert, tot am Boden liegt. Davon, daß sich die Stiftung mangels Not nun auflöst, stand nichts in der Mitteilung. Im Gegenteil, man sammelt weiter Geld. Denn Bäume sterben nach wie vor, teilt die Stiftung sorgenvoll mit.

Tatsächlich weitet sich die Waldfläche in Deutschland aus und wirft mehr Holz ab, als verkauft oder verbraucht werden kann. Verschwiegen werden auch die riesigen Anpflanzungen etwa in China, Nordafrika und anderswo. Damit aber auch alle wissen, wem man zu verdanken hat, "daß die Schreckensszenarien von damals nicht Wirklichkeit geworden sind", weist die clevere Stiftung auf ihre mit Spendengeldern gepflanzten Bäume hin. Andere Mitbürger, die noch keine Stiftung gegründet haben, müssen die Bäume, die sie pflanzen, aus der eigenen Tasche bezahlen. Davon wiederum leben unsere Gärtnereien.

Seit einiger Zeit fordern nun Umweltverbände, wertvolle Baumbestände natürlich sterben zu lassen, um "Urwälder" mit großen Totholzbeständen zu entwickeln. Da sollen Millionenwerte aus Staatsbesitz der Vernichtung anheimfallen, um grünen Umwelttheoretikern eine subventionierte Spielwiese zu geben. Und um dem noch die Krone aufzusetzen, werden, wie in Hessen geplant, Waldarbeiter und Forstangestellte entlassen. Ein Irrwitz grüner Umweltpolitik, der von der CDU mitgetragen wird.

Schauen wir zurück auf die Weltuntergangs-Prophezeiungen der letzten Jahrzehnte, dann müssen wir erkennen, daß es keine zuverlässigen Prognosen über die Umweltsituation und die zukünftige Entwicklung gibt. Fast immer kommt es anders, als vorausgesagt. Die Natur wird nicht sterben, der Mensch auf jeden Fall.


Quelle: Nation & Europa

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