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11. April
2008
7000 KZ-Häftlinge
durch britische Bomber getötet
Ein besonders dunkles Kapitel in der
Reihe der alliierten Terrorangriffe stellt neben Dresden der
Tod von rund 7000 KZ-HäftIingen durch britische
RAF-Flugzeuge dar. Das deutsche Konzentrationslager
Neuengamme (rund 20 km südöstlich von Hamburg)
beherbergte Anfang April 1945 etwa 40 000 männliche und
12 000 weibliche Gefangene. Im selben Monat wurde ein
Evakuierungsplan in Gang gesetzt, der die Verladung der
Häftlinge auf Schiffe und den Transport in
Güterzügen der Reichsbahn vorsah. Am 20.4.1945
wurden 2600 Häftlinge an Bord des Frachtschiffes
'Thielbek' verladen, wobei rund 100 von ihnen durch Hunger
und Krankheiten umkamen.
Dazu ist folgendes
anzumerken: In fast allen KZ kam es gegen Kriegsende zu
grauenhaften Hungerkatastrophen und schweren hygienischen
Mißständen mit dem Ausbruch von Typhus, dem
dann Tausende von Häftlingen zum Opfer fielen. Der
Grund lag darin, daß in dieser Zeit alle
Konzentrationslager im Osten aufgelöst und die
Häftlinge nach Westen transportiert wurden. Dadurch
wurden die Lager im Westen mit Häftlingen in
großer Zahl überfüllt, wodurch sich die
sanitären und hygienischen Verhältnisse rapide
verschlechterten.
Dramatisch verschärft
wurde diese Lage noch durch die pausenlosen schweren
Bombenangriffe auf deutsche Städte und Bahnanlagen.
Alliierte Tiefflieger griffen alles an, was sie an Zielen
fanden, nicht nur jeden Eisenbahnzug und jedes Fahrzeug,
sondern auch pflügende Bauern auf den Feldern, aus
den Städten fliehende Zivilisten, aber auch die mit
großen, aus der Luft einwandfrei erkennbaren
Rot-Kreuz-Symbolen markierten Sanitätszüge, in
denen auch KZ-Häftlinge transportiert wurden. Als
Folge dieser brutalen Angriffe brach an vielen Orten die
Lebensmittelversorgung zusammen, und auch Trink- und
Abwasserversorgungen wurden zerstört.
Die Konzentrationslager, in
denen die örtlich gelagerten Vorräte als Folge
des Häftlingszustroms nicht mehr ausreichten, waren
dadurch besonders betroffen. Das führte dann zu den
katastrophalen Zuständen, zum Beispiel in
Bergen-Belsen, und damit zu jenen Leichenbergen, die
heute als Dokument für die Massenmorde und
beispiellosen Verhältnisse in den
Konzentrationslagern gezeigt werden.
Daß alles dies erst kurz
vor Kriegsende eintrat, wird dabei ebenso verschwiegen,
wie die Gründe, die zu diesen Verhältnissen
führten. In Dachau starben zum Beispiel von den
insgesamt 25 613 Opfern in den Jahren 1940 bis Oktober
1944 rund 10 600 Menschen, während von November 1944
bis April 1945 etwa 16 000 Häftlinge umkamen. Die
monatliche Todesrate in diesen letzten fünf Monaten
betrug damit das 17fache derjenigen in der übrigen
Zeit.
Am 26.4. begann die Einschiffung der
Häftlinge auf dem Schnelldampfer 'Cap Arcona': 6 500
Gefangene, 500 Mann Bewachungs- und 70 Mann Bordpersonal.
Auch hier gab es wegen Unterernährung und Krankheit pro
Tag 15 bis 40 Tote. Nachdem noch das Schiff 'Athen' mit 2
800 Häftlingen hinzugekommen war, befanden sich auf den
drei Booten rund 9 400 Gefangene und etwa 100 Mann
Schiffsbesatzungen. Fünf Tage vor Kriegsende (!), also
am 3. Mai 1945, griff eine Staffel britischer Jagdbomber die
Transportschiffe an, wobei die 'Athen' noch im Hafen drei
Volltreffer, die beiden anderen in der Bucht liegenden
Schiffe 'Thielbek' und 'Cap Arcona' mehrere schwere Treffer
erhielten. Anschließend kreisten die Flugzeuge 20
Minuten über den sinkenden Schiffen und beschossen sie
pausenlos mit Bordwaffen.
Von den ca. 7 000 Toten, die auf den
drei Schiffen umkamen, wurden 3 573 geborgen, aber nur
wenige identifiziert. Sie sind auf 19 Friedhöfen der
Umgebung beigesetzt. Fast die Hälfte der Toten behielt
das Meer.
Es ist anzunehmen, daß auch
diese Toten dem Konto der 'bösen Deutschen' zugerechnet
werden, obwohl dokumentiert ist, daß sie dem sinnlosen
Angriff der britischen Royal Air Force zum Opfer fielen. In
diesem Zusammenhang sei auch an die rund 25 000 Menschen
erinnert, die bei ihrer Flucht aus Ostpreußen und
Ostdeutschland über die Ostsee 1944/45 durch Versenkung
ihrer Transportschiffe ums Leben kamen. Zwischen Januar und
Mai 1945 wurden etwa zwei Millionen Menschen auf 790
Schiffen (Ausflugsdampfer, Fähren, Fischkutter, Oder-
und Weichselkähne neben großen Fahrgastschiffen,
Kreuzern, Schnellbooten und sogar U-Booten) in einer
beispiellosen und einmaligen Rettungsaktion unter Leitung
von Großadmiral Karl Dönitz nach Norddeutschland
und Dänemark evakuiert und vor der mordenden und
brandschatzenden Roten Armee gerettet. Dreiviertel der 25
000 Toten kamen allein durch die Versenkung der
Großschiffe 'Wilhelm Gustloff', 'General Steuben' und
'Goya' um.
Beim Untergang des
ehemaligen KdF-Schiffes 'Wilhelm Gustloff' am 30.1.1945
in der Ostsee sind nach neuesten Erkenntnissen und
Nachforschungen von Heinz Schön, Bad Salzuflen,
wesentlich mehr Menschen ums Leben gekommen, als bisher
angenommen wurde. Experten waren in den vergangenen
Jahrzehnten von über 5 000 Opfern bei der
größten Schiffskatastrophe aller Zeiten
ausgegangen, die sich bei der Torpedierung durch das
sowjetische U-Boot 'S 13', bei Stolpmünde (etwa
zwölf Seemeilen vor der Pommerschen Küste)
ereignet hatte. Heinz Schön konnte jetzt als einer
der 1 200 Überlebenden beweisen, daß damals
von den insgesamt 10 582 sich an Bord befindlichen
Menschen mehr als 9 000 Frauen, Kinder und
schwerstverwundete Frontsoldaten den Tod gefunden hatten.
In jahrzehntelanger Arbeit hatte er Material über
das Unglücksschiff gesammelt, in- und
ausländische
Quellen ausgewertet und damit
das größte 'Gustloff-Dokumentationsarchiv'
aufgebaut. Außerdem hatte er sich in mehreren
Büchern mit dem Grauen der Flucht über die
Ostsee auseinandergesetzt. Heute gilt Schön als
einer der besten Kenner der Kriegsvorgänge im
Ostseeraum.
Die von früheren
Erkenntnissen abweichenden Daten und Fakten seiner
Nachforschungen begründet er mit dem Chaos bei der
Einschiffung der Flüchtlinge, die aus ihren
ostdeutschen Heimatdörfern in den Ostsee-Hafen
Gotenhafen-Oxhöft geflüchtet waren.
Marinesoldaten und Helferinnen auf der 'Gustloff'
hätten die Flüchtlingswelle nur an den beiden
ersten Tagen der Einschiffung registriert. Dann seien die
Schiffslisten ausgegangen. Außerdem seien die
Schreibkräfte total überfordert gewesen, wobei
nicht mehr eingetragen, sondern nurmehr gezählt
wurde. Nach Darstellung Schöns, der damals als
junger Zahlmeisterassistent auf der 'Gustloff' tätig
war, wäre das Schiff eigentlich nur für 4 000
Flüchtlinge vorgesehen gewesen, doch hätte die
Order gelautet: "Weiter einschiffen".
Schön war damals in
letzter Sekunde von der Besatzung eines deutschen
Torpedobootes aus den eisigen Fluten gerettet worden. Vor
dem Kentern und Versinken war die 'Gustloff' in vollem
Lichterglanz erstrahlt. Erst das Wasser habe das Geheul
der Schiffssirenen und die Todesschreie der in die Tiefe
gerissenen Menschen erstickt. Eine Stunde lang hatte sich
die neun Stockwerke hohe 'Gustloff' über Wasser
halten können, nachdem sie um 21.16 Uhr von drei
sowjetischen Torpedos getroffen worden war. Tausende
Menschen ertranken bereits wenige Minuten später in
den unteren Decks.
Quelle: Wolfgang Popp/WEHE
DEN BESIEGTEN,
Versuch einer Bilanz der Folgen des Zweiten Weltkrieges
für das deutsche Volk, Grabert-Verlag, Tübingen
2000 (S. 85-86)
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