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'NS-Unrecht' und die politische Einigelung der Bundesrepublik Von Dr. Claus Nordbruch Die Bundesdeutschen haben sich längst daran gewöhnt: Ob es unverschämte Forderungen aus der Tschechei oder aus Polen sind, oder nicht minder waghalsige Berechnungen aus west- und südeuropäischen Staaten, die vorgeben, unter den Deutschen gelitten zu haben - und zwar vor 70 Jahren! -, alle werden sie an die Bundesrepublik mit Erfolg gerichtet; oftmals alle paar Jahre wieder, um die eigene leere Staatskasse zu sanieren. Der springende Punkt lautet 'Wiedergutmachungsgelder', 'Sühneleistungen' oder einfach nur 'Entschädigungen', wie sie vor wenigen Tagen einmal mehr das bankrotte Griechenland forderte. Sämtliche dieser mit enormen finanziellen Zusagen verbundenen Forderungen werden mit einem angeblich vorangegangenen 'NS-Unrecht' begründet. Dieses als feststehender Begriff etablierte 'Argument' sticht. Hören bundesdeutsche Volksvertreter dieses Sesam-Öffne-Dich, fallen sie um, knicken sie ein und nicken die geforderten Beträge ab. Das war zu Adenauers Zeiten so, das ist heute nicht anders. Vor kurzem gedachten die Bundesdeutschen der 'Deutsche Einheit'. Da erinnert sich der kritische Zeitgeschichtsbeobachter, daß mit der Vereinigung der DDR mit der Bundesrepublik die Wiedergutmachungslobby nochmals einen gewaltigen Auftrieb erlebt hatte: Im ersten Quartal des Jahres 1991 wurde gar eine globale Werbekampagne (!) inszeniert. In allen maßgeblichen jüdischen bzw. prozionistischen Zeitungen auf der Erde erschienen Aufrufe und Anzeigen, daß sich NS-verfolgte "Bürger und Vereinigungen bzw. ihre Rechtsnachfolger" auf dem Gebiet der ehemaligen DDR bis zum 31. März 1991 beim Bundesjustizministerium in Bonn melden mögen, zwecks "Rückerstattung von Vermögen". Das ist Bundesrepublik, wie wir sie kennen. Im selben Augenblick wird keine
Gelegenheit ausgelassen, die Vertriebenen 'zu mahnen' und zu
'ermahnen'. Beim Tag der Heimat des 'Bundes der
Vertriebenen' 2006 in Berlin beispielsweise forderte
Bundespräsident Horst Köhler die Vertriebenen auf,
"bestehende Ängste in Polen und Tschechien ernst zu
nehmen". Es gelte, "geduldig" zu vermitteln, "daß es
in Deutschland keine ernst zu nehmende politische Kraft"
gebe, "die die Geschichte umschreiben" wolle. Was
Köhler damit meinte, erklärte er einige Sätze
später, nämlich die Einem deutschen Anspruch auf Wiedergutmachung - und sei er noch so gut völkerrechtlich begründet - können bundesdeutsche Volksvertreter nichts abgewinnen. Dabei müßte doch gerade die Lösung ungelöster Fragen, unbeglichener Rechnungen und ungesühnter Schuld in einem vereinten Europa Priorität genießen. Man werfe nun nicht ein, daß das Leid der Vertreibung, das Grauen der Verschleppung - auch dies waren im übrigen Deportationen! - und das Elend der Zwangsarbeit oder anderer traumatischer Erlebnisse nach 70 Jahren des Eintritts der Waffenruhe sich mittlerweile verflüchtigt hätten und ein Wiedergutmachungsanspruch zwischenzeitlich verjährt sei! Das bundesdeutsche Establishment geht diesen überaus unangenehmen Fragen seit Jahrzehnten immer mit derselben Leier (und immer erfolgreich) aus dem Weg. So lautet die obligatorische Standardantwort der jeweiligen Bundesregierungen selbstzufrieden, ihr sei es zwar bewußt, "daß viele Deutsche während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg Schlimmes erdulden mußten", daß dieses Unrecht aber "seine Ursache im vorangegangenen NS-Unrecht" gehabt habe und dies der Grund sei, darauf zu verzichten, "an die fremden Staaten Entschädigungs- oder Wiedergutmachungsansprüche zu stellen". In einem ähnlich lautenden Schreiben vom 28. Juni 1999 an die Lagergemeinschaft ehemals Deportierter des Lagers 1902 in Kimpersai heißt es: "Der Bundesregierung ist bewußt, daß viele Deutsche während des Zweiten Weltkrieges und unmittelbar danach Opfer von Gewalt und Willkür durch fremde Mächte wurden. So groß dieses Unrecht auch war: Es hatte seine Wurzeln im NS-Unrecht. Die Bundesregierung hat nicht zuletzt auch deshalb davon abgesehen, Entschädigungsforderungen gegenüber diesen Staaten zu stellen." Derartige Stellungnahmen sind billig und allenfalls ein Scheinargument. Sie kommen einer Verdrehung der geschichtlichen Tatsachen gleich. Freilich, nicht jeder Vertreter der Bundesrepublik flüchtet in die persönliche Armseligkeit. Eugen Gerstenmaier, langjähriger Bundestagspräsident, beispielsweise behielt in dieser Hinsicht deutlich mehr den Überblick als die Bundesregierungen. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung verlieh er am 21. März 1975 seiner Erkenntnis mit den bezeichnenden Worten Ausdruck: "Was wir im deutschen Widerstand während des Krieges nicht wirklich begreifen wollten, haben wir nachträglich vollends gelernt: daß der Krieg schließlich nicht gegen Hitler, sondern gegen Deutschland geführt wurde." In der Tat! Lange bevor die Nationalsozialisten in Deutschland in der Regierungsverantwortung standen, sind aus der Tschechoslowakei und aus Polen chauvinistische Drohungen und Absichten dokumentiert, die gerade in dem nach 1945 verursachten Unrecht ihre ebenso blutige wie imperialistische Verwirklichung fanden. Aber auch seitens der Westmächte liegen Dokumente vor, die belegen, daß gerade die USA und Großbritannien es niemals zulassen würden, daß Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg wieder wirtschaftlich gesunden und sogar zur europäischen Wirtschaftsmacht schlechthin aufsteigen sollte. Falls Deutschland "zu stark" würde, müßte es "wieder zerschlagen" werden - so lautete die einfache Formel britischer und amerikanischer Politiker. Lord Vansittart beispielsweise erklärte 1939, es sei "eine Illusion zu glauben wir bekämpfen nur den Hitlerismus". Vielmehr kämpfen "wir", so der damaligt Staatssekretär im britischen Außenministerium, "gegen die deutsche Armee und gegen das deutsche Volk". Bereits 1932 kündigte Roosevelt an, als Präsident der Vereinigten Staaten wolle er Deutschland zermalmen - es dürfte schwierig sein, zu diesem Zeitpunkt ein "vorangegangenes NS-Unrecht" nachzuweisen. Die Erklärungen der Bundesregierungen beruhen also nicht auf historischen Tatsachen, sondern auf Verdrehungen und Leugnungen eben solcher. Die Greueltaten der Alliierten und ihrer Assoziierten gegen Deutsche fußen eben nicht in "vorangegangenem NS-Unrecht", sondern in dem tausendfach dokumentierten Bestreben, die Deutschen nicht nur wirtschaftlich zu zerstören, sondern sie auch physisch zu dezimieren, wobei es irrelevant war, wer die Deutschen gerade regierte. Die Mär von der selbstverschuldeten Situation und der eigenen Schuld der Deutschen an den Nachkriegsverhältnissen ist keineswegs eine Blüte antifaschistischer Funktionäre oder antideutscher Agitatoren unserer Zeit, sondern wurde bald nach Beendigung der Kampfhandlungen in den westlichen Besatzungszonen verbreitet. Der von den Amerikanern eingesetzte Minister für Arbeit und Wohlfahrt des Großhessischen Staatsministeriums, Oskar Müller (KPD), beispielsweise meinte im Januar 1946 in einem an die "Ostflüchtlinge" gerichteten Flugblatt: "Während die Urheber des in Deutschland angerichteten Chaos ihrer Aburteilung in Nürnberg entgegensehen, während verantwortungsvolle Männer in den demokratischen Regierungen im engen Einvernehmen mit den amerikanischen Militärbehörden entschlossen am Wiederaufbau ihrer Länder arbeiten, stehst Du als weiteres Opfer nazistischer Machtpolitik ausgewiesen an der Grenze des Landes, das Dir zur neuen Heimat werden soll. . . Wenn auch Euer Schicksal das härteste zu sein scheint, bedenkt, daß das Schicksal der großhessischen Bevölkerung ebenfalls kein leichtes ist. Pocht nicht auf scheinbar besondere Rechte, fühlt Euch nicht für die Folge als Flüchtlinge, fügt Euch in den neuen Aufbauprozeß willig ein und vergeßt nie, wer die wirklichen Schuldigen an diesem maßlosen Elend, das über ganz Deutschland hereingebrochen ist, sind." Auch wenn die Wortwahl unterschiedlich sein mag, so gleicht der Gehalt dieser kommunistischen Behauptung doch sehr der Standardaussage der Bundesregierung, der zufolge alles deutsches Leid und alle Verpflichtungen der Deutschen dem "vorausgegangenen NS-Unrecht" geschuldet seien. Daß dem gerade nicht so ist, belegt der Verfasser in seiner wesentlich erweiterten und völlig überarbeiteten Drittauflage seines Standardwerks über die alliierte Nachkriegspolitik - Der deutsche Aderlaß - das in Kürze erscheint.
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