31. Mai 2004

Ausnahmekrieger für ein neues Europa
Vor zehn Jahren verstarb der große Europäer und Deutschenfreund Léon Degrelle

Von Ralph Tegethoff

Mit dem Namen Léon Degrelle verbindet sich bis heute die Erinnerung an einen der herausragendsten Führer der europäischen Freiwilligen im Zweiten Weltkrieg. Bereits zu Lebzeiten war sein Ruf legendär; schon in der Vorkriegszeit war er der unumstrittene Führer der belgischen Rexistenbewegung, die sich für die sozialen Belange der belgischen Arbeiter einsetzte. Auf riesigen Massenveranstaltungen redete der populäre Degrelle von seinen Vorstellungen für ein neues Staatswesen aus nationalem und sozialem Geist. Gnadenlos prangerte er die korrupte belgische Staatsführung an und gewann bei der Wahl des Jahres 1936 auf Anhieb elf Prozent aller belgischen Stimmen. Im gleichen Jahr traf er erstmals mit Adolf Hitler zusammen. Im deutschen Staats- und Wirtschaftssystem sah Degrelle ein Vorbild für ein erneuertes Belgien. Bei Beginn des Westfeldzuges im Mai 1940 wurde Degrelle verhaftet und in Frankreich inhaftiert; nach seiner Befreiung im Gefolge des deutschen Sieges kehrte er nach Belgien zurück und reorganisierte die Rexistenbewegung.

Der Kriegsfreiwillige

Als Deutschland im Juni 1941 zum Präventivkrieg gegen die Sowjetunion gezwungen war, meldete sich Degrelle sofort als Freiwilliger bei der Deutschen Wehrmacht. In der neu aufgestellten wallonischen Legion erlebte er als MG-Schütze im November 1941 seine ersten Kampfeinsätze. Trotz eines gebrochenen Fußes blieb er im Krisenwinter 1941/42 bei seiner Einheit. In dieser Zeit bewährten sich die wallonischen Freiwilligen an der Donez-Front immer wieder aufs neue. In erbitterten Nahkämpfen des Februars 1942 hatte die wallonische Legion nur noch ein Drittel ihrer einstigen Stärke.

Für vielfach bewiesene Tapferkeit und Führungsleistungen wurde Degrelle im Mai 1942 zum Leutnant befördert und mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet. Im Spätsommer 1942 kämpften die Wallonen, der deutschen 97. Jägerdivision unterstellt, beim Vorstoß in den Kaukasus. Degrelle schilderte die Freude der einheimischen Bevölkerung über die Befreiung vom kommunistischen Joch: "Die Eingeborenen empfingen uns mit offensichtlicher Freude. Oft drangen wir als erste in ein Dorf ein. Sogleich liefen die biederen Leute zu den Nebengebäuden, holten ihre Ikonen aus alten Verstecken und hängten sie wieder voller Begeisterung und Tränen an ihre Lehmwand".

Im August 1942 wurde für Leutnant Degrelle der Antrag auf Verleihung des Deutschen Kreuzes in Gold gestellt. Beispielhaft für den immer wieder unter Beweis gestellten Waffenmut sei der Kampf um Tscherjakov im Kaukasus am 22. August 1942 beschrieben: Das Bataillon erhielt den Auftrag, das Dorf Tscherjakov an der Straße nach Tuapse zu nehmen. Als Besatzung waren 300 Sowjets gemeldet. Leutnant Degrelle drang mit nur sechs seiner Männer nach kurzem Nahkampf in das Dorf ein, machte 60 Gefangene, erbeutete drei Geschütze und ermöglichte so dem Bataillon, schnell dem fliehenden Feind zu folgen.

Nach vielen weiteren harten Gefechten wurde die Legion Wallonie im Winter 1942 abgelöst und erhielt Heimaturlaub. In seiner belgischen Heimat hatten sich inzwischen Tausende neue Freiwillige zum Kampf gegen den Bolschewismus gemeldet. Bei Gesprächen mit Heinrich Himmler erfuhr der Ostfrontkämpfer, daß die wallonische Legion in die Waffen-SS überführt werden sollte. Degrelle erreichte beim Reichsführer SS die Zusicherung, daß die neue Brigade ausgebildete wallonische Führer erhält, daß Französisch die Kommandosprache ist und daß in jedem Bataillon katholische Priester bleiben.

Die neu aufgestellte SS-Sturmbrigade Wallonien rollte ab November 1943 im Eisenbahntransport an die Ostfront. Léon Degrelle, mittlerweile zum Obersturmführer befördert, führte die aus ganz jungen Grenadieren bestehende 3. Kompanie. Bei erbitterten Kämpfen mit einer sowjetischen Fallschirmbrigade im Raum Korssun zeigten sich die Wallonen immer wieder als zähe und standhafte Soldaten. Degrelle war immer wieder bei gewagten Stoßtruppunternehmen an der Spitze seiner Männer. Bei einem solchen Unternehmen gegen das stark befestigte Dorf Irdyn drang er im Nahkampf in die feindlichen Stellungen ein und wurde an beiden Händen verwundet. Trotzdem führte er seinen Auftrag erfolgreich zu Ende und ging selber erst nach Abtransport des letzten verwundeten Kameraden in ärztliche Behandlung.

Ausbruch aus dem Kessel von Tscherkassy

Am 30. Januar 1944 erfolgte die Ernennung Degrelles zum Hauptsturmführer. Zu dieser Zeit wurde die Sturmbrigade Wallonie gemeinsam mit der 5. SS-Panzerdivision Wiking und Heeres-Divisionen im Kessel von Tscherkassy eingeschlossen. Nachdem der Kommandeur der wallonischen Sturmbrigade, Sturmbannführer Lucien Lippert, am 13. Februar 1944 gefallen war, übernahm Degrelle die Führung der Brigade. Im Kessel von Tscherkassy waren mehr als 54.000 Soldaten auf engstem Raum eingekesselt. Doch in verzweifelten Aus- und Durchbruchskämpfen gelang es den vom Rexistenführer befehligten Wallonen, bei Lissjanka auf dort zum Entsatz kommende deutsche Truppen zu treffen.

Doch die Sturmbrigade hatte fürchterliche Verluste hinnehmen müssen &endash; nur 632 Männern von einstmals 2.000 war der Ausbruch geglückt. Für seinen überragenden Anteil am gelungenen Ausbruch wurde Léon Degrelle am 20. Februar 1944 im Führerhauptquartier das Ritterkreuz verliehen. In einem anschließenden Gespräch mit Adolf Hitler genehmigte der oberste Befehlshaber der Wehrmacht der Brigade einen dreiwöchigen Sonderurlaub.

Am 1. April 1944 fuhren die Heimkehrer auf Schützenpanzerwagen in einer großen Parade durch Charleroi, Brabant und Brüssel. Mehrere hunderttausend Wallonen säumten jubelnd die Straßen, während Ritterkreuzträger Hauptsturmführer Degrelle, begleitet von seinen vier Kindern, die Parade abnahm. Es war dies der stolzeste und glücklichste Moment in Degrelles Leben.

In einem zeitgenössischen Presseartikel wird Degrelle als Vorbild seiner Männer beschrieben: "SS-Obersturmführer Degrelle: Sein Name wird oft genannt im Gespräch der Männer mit dem wallonischen Wappen. War er doch auch bei diesem Stoßtrupp wieder dabeigewesen, und mit Maschinenpistole und Handgranate kämpfend, einer der ersten beim Einbruch. Aber das ist ja für sie nichts neues mehr - sie kennen ihn und wunderten sich wenn er anders handeln würde. Denn seit Wallonen im Osten kämpfen, ist er bei ihnen, kennt wie sie die Division Wiking von unvergeßlichen Wochen voll tapferer Taten.

Damals wie heute ist Degrelle forderndes Vorbild seiner Männer, die für die Zukunft ihrer Heimat schweres auf sich genommen haben. Wohl liegt diese weit im Westen des Kontinents und scheint für Kurzsichtige dem Zugriff der Sowjets weniger zugänglich als etwa das Baltikum. Der Einsatz der Sturmbrigade ist ein kämpferisches und phrasenloses Bekenntnis zu einer Schicksalsgemeinschaft, die angesichts der ungeheuren Gefahr unserer Tage ihre Läuterung und Prüfung erfährt", heißt es in dem Zeitdokument.

Weiter ist über Person und Leistung Degrelles zu lesen: "Bei der Abwehr des sowjetischen Anpralls südlich Tscherkassy, der den weit zum Dnjepr vorspringenden deutschen Keil abbrechen und die Vereinigung der ostwärts und westlich stehenden sowjetischen Verbände erzwingen sollte, hatten die Wallonen gemeinsam mit 'Narwa' die Hauptlast des Kampfes zu tragen. Sie lagen in diesem Ringen neben den Bataillonen Wikings, in denen seit nunmehr fast drei Jahren Norweger, Niederländer, Dänen und auch Flamen kämpfen - Männer jenes germanischen Stammes, der im belgischen Staatsgebilde immer wieder zum Kampf um seine Lebensrechte gezwungen war.

So vollzog sich hier in den Wäldern am Dnjepr ein Akt, dem symbolhafte Bedeutung zukommt: Söhne zweier Völker, die im eigenen Staat miteinander in Fehde lagen, vereinten sich gegen einen Feind, dessen Sieg auch die Vernichtung ihrer westlichen Heimat bedeuten würde. Auf den Verbandsplätzen der Division lagen sie in diesen Tagen nebeneinander - so wie sie aus dem glühenden Wirbel der Gefechte herausgeholt und zurückgeschafft worden waren: Esten, Wallonen, Flamen, Deutsche - Blutzeugen einer gemeinsamen Sache, für die sie bis an den Rand des Lebens gegangen waren."

Im weiteren Verlauf des Krieges wurde Degrelle mit seinen Männern im Nordabschnitt der Ostfront eingesetzt. Im Raum Narwa schaffte er mit einer eilig zusammengewürfelten Kampfgruppe das Unmögliche: Die von durchgebrochenen Sowjettruppen auf das höchste bedrohte Stadt Dorpat wurde am 23. August 1944 nur durch seinen persönlichen Einsatz vor dem Feind gerettet. An diesem Tag brachte ein sowjetischer Angriff gegen Dorpat die dortige, mit Esten besetzte Front, zum Zusammenbruch. Durch diese Frontlücke bedrohten die Sowjets nun auch die südlich von Dorpat stehenden Truppen. Zu dieser Zeit befand sich Sturmbannführer Degrelle auf dem Weg zu einer westlich der Durchbruchsstelle eingesetzten Kompanie. Er faßte die zurückflutenden Truppen entschlossen zu einer Kampfgruppe zusammen, ging mit den wenigen standhaften Esten in den vordersten Graben und erteilte dort, aufrecht stehend, seine Befehle.

Durch diesen tapferen persönlichen Einsatz konnte der wichtige Stützpfeiler der Front gesichert werden. Degrelle wurde daraufhin am 27. August 1944 das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen. Mitte September 1944 bekam er im FHQ als erster Ausländer von Hitler diese hohe Auszeichnung überreicht. Zur gleichen Zeit bekam er als höchste infanteristische Auszeichnung die Nahkampfspange in Gold verliehen, da er bis zu diesem Zeitpunkt 50 bestätigte Nahkampftage hatte. Nahkampftage waren definiert als Kampftage, an denen die Kämpfer Gelegenheit fanden, "das Weiße im Auge des Feindes" zu sehen, d.h. mit Nahkampfwaffen mit dem Gegner Mann gegen Mann im Kampf bis zur letzten Entscheidung zu stehen. Im Oktober kehrte Degrelle als Kommandeur zu der in der Neuaufstellung befindlichen 28. SS-Freiwilligen-Grenadierdivision Wallonien zurück.

Tapfer und treu bis zum bitteren Ende

Ab Januar 1945 stand die Division Wallonien in härtesten Abwehrkämpfen an der Ostfront. In Pommern und im Kampf um den Oderbrückenkopf bei Stettin bewährten sich die Freiwilligen unter Degrelles Führung wiederum hervorragend, mußten aber auch schwere Verluste hinnehmen. Kämpfend zogen sich die Wallonen über Mecklenburg bis nach Schleswig-Holstein zurück. Am 20. April erreichte Degrelle die Meldung, daß er zum SS-Standartenführer befördert worden war.

Um nach Kriegsende nicht den Engländern in die Hände zu fallen, ging Degrelle auf abenteuerlichen Wegen nach Norwegen. Dort gelang es ihm an Bord einer Heinkel He 111 über Oslo nach Spanien zu fliegen. Vor San Sebastian stürzte die Maschine wegen Treibstoffmangels ins Meer. Doch Degrelle wurde gerettet und von den Spaniern bestens betreut. Bis zu seinem Tode lebte er im spanischen Exil. In seiner Heimat Belgien aber wurde er zum Tode verurteilt, mehrfachen Auslieferungsforderungen der belgischen Regierung kamen die rechtsstaatlich gesinnten Spanier jedoch nicht nach. In Spanien aber wurde Degrelle zum Anlaufpunkt der freiheitlich denkenden Europäer. Seine alten treuen Kampfgefährten der Division Wallonie kamen in Omnibussen nach Malaga, um ihn zu besuchen.

Als Léon Degrelle am 1. April 1994 im Alter von fast 88 Jahren starb, trauerten in ganz Europa die volkstreuen Männer und Frauen, die sich, gleich ihm, für ein freies und selbstbestimmtes Europa einsetzten. Der belgische Staat aber brachte es fertig, nach seinem Tode eine "Lex Degrelle" zu erlassen; ein Gesetz, das es bei Strafandrohung untersagt, die sterblichen Überreste von Degrelle nach Belgien zu bringen.

Wie groß und edel sind dagegen die weisen Gedanken Léon Degrelles, die er 1945 schwerverletzt im spanischen Lazarett schrieb: "Über alle irdische Unvollkommenheit hinweg hatten wir unsere Jugend geopfert. Wir hatten für Europa, seinen Glauben und seine Kultur gekämpft. In Aufrichtigkeit und Opferbereitschaft waren wir bis zum Ende treu geblieben. Früher oder später muß Europa und die Welt die Gerechtigkeit unserer Sache und die Reinheit unserer Hingabe anerkennen. Denn der Haß stirbt, er erstickt an seiner Torheit und Niedrigkeit. Aber alles Große ist ewig."


Quelle: Deutsche Stimme

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