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Mai 2004

Soldatentum
Umsichtiger und entschlossener Führer
in der U-Boot-Jagd
Otto Pollmann war der erfolgreichste U-Boot-Jäger des Zweiten Weltkrieges

Die U-Boot-Jäger der Kriegsmarine suchten, ähnlich wie ihre alliierten Gegner, mit hochmodernen Funkmeßstrahlen und Horchgeräten ihre unter Wasser operierenden Feinde. Mit Wasserbomben und durch Rammstöße wurden die U-Boote angegriffen. Otto Pollmann war der erfolgreichste U-Boot-Jäger und erhielt dafür vor sechzig Jahren das Eichenlaub.

Pollmann wurde am 3. März 1915 in Wesermünde geboren. Er stammte aus einem zur See fahrenden Geschlecht und wollte wie sein Vater Kapitän werden. Nach jahrelangen Schiffsreisen bei der Handelsmarine, unter anderem als III. Offizier auf der Südamerika-Route, wurde er zur Kriegsmarine einberufen. Nachdem er in Glückstadt die Grundausbildung absolviert hatte und in Mürwik zum Funker ausgebildet worden war, tat er ab April 1939 als Reserve-Offiziersanwärter Dienst an Bord des Zerstörers "Bernd von Arnim". Ein Jahr später wurde er zur 12. U-Boot-Jagdflottille abkommandiert, wo er zunächst II. Wachoffizier auf dem U-Jäger 124, dann I. WO auf UJ 1203 war. Nachdem der Kommandant dieses Schiffes ausgefallen war, übernahm er vorübergehend diesen U-Jäger.

Der inzwischen zum Leutnant zur See der Reserve beförderte Pollmann bekam dann im August 1942 sein erstes Kommando und übernahm im Mittelmeer den U-Jäger 2210. Bereits bei seiner ersten Feindfahrt, am 28. September 1942, versenkte UJ 2210 ein feindliches U-Boot. Kurz nachdem ein anderer U-Jäger abgelöst worden war, wurde dem Kommandanten ein Sehrohr in 3.000 Meter Entfernung gemeldet. Mit äußerster Kraft lief der deutsche U-Jäger auf das Feind-U-Boot zu, das erst im letzten Augenblick abtauchte.

In diesem Augenblick kam Pollmanns Befehl an die Männer, die an den Racks mit den Wasserbomben (Wabos) standen: "Wurf!" Sofort krachten die Wabos ins Meer und detonierten wenig später in der eingestellten Wassertiefe; durch die mächtige Explosion bäumte sich der deutsche U-Jäger auf, die von der Explosion verursachte Welle hob ihn sekundenlang aus dem Meer heraus. Dann erfolgte eine noch größere Explosion. Ein riesiger Wasserberg von der Größe eines mehrstöckigen Hauses erhob sich, dazwischen die Trümmerteile des versenkten Feindbootes. Der am Horchgerät sitzende Funkmeister meldete Sinkgeräusche und die See bedeckte sich mit immer mehr Trümmerteilen und einem Ölfilm des ausgelaufenen Treibstoffes des U-Bootes.

Immer wieder lief UJ 2210 von Marseilles zur Geleitzugssicherung aus, um die deutschen Nachschubtransporte nach Nordafrika zu sichern. Wieder und wieder errang der U-Jäger 2210 unter Pollmanns umsichtiger und entschlossener Führung große Erfolge gegen die feindlichen U-Boote. Auf der Brückenumwandung waren als Siegessymbol bereits drei U-Boote aufgemalt, die Pollmann und seine Besatzung auf den Grund des Meeres geschickt hatten. Doch auch gegen feindliche Flugzeuge kämpfte die Flakbedienung des U-Jägers erfolgreich und konnte zahlreiche alliierte Maschinen abschießen.

Doch im April 1943 wurden die Feindjabos (Jagdbomber) Pollmann zum Verhängnis: Neun Jabos griffen den deutschen U-Jäger an - die erste Feindmaschine fiel dem Flakfeuer zum Opfer, doch andere Maschinen konnten das Schiff mit Bomben und MG unter Beschuß nehmen. Nachdem die Maschinen abgedreht hatten, kümmerte man sich um das beschädigte Schiff und die Besatzung: Ein Ladekanonier war gefallen und Pollmann durch einen Schulterdurchschuß schwer verwundet. Auf dieser Feindfahrt hatte UJ 2210 zwei weitere Feind-U-Boote versenkt. Pollmann kam erst im Marinelazarett in Genua wieder zu Bewußtsein.

Dort erfuhr er durch seinen Flottillenchef von der Verleihung des Ritterkreuzes. Am 15. Mai 1943 wurde Leutnant z.S. Otto Pollmann als Kommandant von U-Jäger 2210 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. In einem Fernschreiben des Oberkommandos der Kriegsmarine hieß es: "Mit fünf versenkten U-Booten ist Leutnant z.S. Otto Pollmann derzeit der erfolgreichste U-Boot-Jäger-Kommandant."

Nach einem Erholungsurlaub in der Heimat kehrte Otto Pollmann in den Kampfraum Mittelmeer zurück. Zwischenzeitlich war der Krieg in Nordafrika mit dem ehrenvollen Niederlegen der Waffen durch die "Heeresgruppe Afrika" im Mai 1943 zu Ende gegangen. Nun galt es, Italien mit seinen langgezogenen Küstenlinien vor den Angriffen der Alliierten zu schützen.

Aufgrund der feindlichen Luftüberlegenheit mußte sich UJ 2210 nun immer häufiger mit feindlichen Torpedofliegern herumschlagen. Bei einem solchen Angriff gelang es dem Schiff nicht nur, den abgeworfenen Torpedos auszuweichen, sondern der kaltblütige Richtschütze der 3,7-cm-Flak holte sogar einen Feindflieger vom Himmel, indem er durch Beschuß die angehängten Torpedos zur Explosion brachte.

Ein weiterer spektakulärer Erfolg war dem U-Jäger 2210 bei der Hafensicherung von Bastia auf Korsika beschieden. Hier sollten vor der Hafeneinfahrt lauernde U-Boote unschädlich gemacht werden. Ein bald geortetes Feindboot wurde zunächst durch Wasserbomben beschädigt, tauchte aber nicht auf. Im Gegenteil: Der tapfere Kommandant des U-Bootes versuchte weiter, seine Torpedos ins Ziel zu bringen. Nach erneutem Einsatz von Wabos mußte das U-Boot dann doch auftauchen. Die gegnerische Besatzung sprang an das Geschütz, das auf dem Deck des U-Bootes montiert war. Nun entschieden Sekunden über das Schicksal von UJ 2210 - wer war schneller, der Jäger oder der Gejagte? Das Feuer der deutschen Schiffsgeschütze lag so schnell und treffsicher auf dem U-Boot, daß bald Feuer und Rauch aus dem U-Boot drang. Doch der tapfere Gegner gab immer noch nicht auf; erst nach zwei Rammstößen durch den deutschen U-Jäger, die das U-Boot völlig zerstörten, gaben die Engländer auf. Die überlebenden Engländer wurden an Bord von UJ 2210 genommen und versorgt.

Bis zum Jahreswechsel 1943/44 hatte UJ 2210 insgesamt neun feindliche U-Boote vernichtet. Im Januar 1944 gelang Pollmann und seiner Besatzung bei der Sicherung von Geleitzügen in der Meeresenge zwischen den Inseln Elba und Pianosa ein erneuter Erfolg; ein erkanntes U-Boot wurde durch den Einsatz von Wabos zum Auftauchen gezwungen. Dann nahm der U-Jäger das Boot mit Bordwaffen unter Beschuß, das kurz darauf senkrecht im Meer versackte. Für immer wieder bewiesene persönliche Tapferkeit wurde Otto Pollmann am 26. Januar 1944 mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet und zum Oberleutnant z.S. befördert. Bis März 1944 erhöhten die U-Jäger von 2210 ihr Versenkungskonto auf 13 gegnerische U-Boote.

Doch auch das eigene Schiff war während einer Feindfahrt schwer beschädigt worden. Nach einer zweiwöchigen Überholung im Hafen schützten Pollmann und seine Männer einen schwer beladenen Munitionstransporter auf dem Weg nach Livorno. Kurz nach Sonnenuntergang wurde ein U-Boot geortet. Es tauchte auf und wurde mit Bordwaffen unter Beschuß genommen, dann brannte es und sackte weg; ein tiefeingestellter Fächer Wabos wurde noch hinterhergeschleudert. Im Horchraum konnten die Männer die krachenden Explosionen und das Bersten der Schotten hören - UJ 2210 hatte das vierzehnte Feindboot vernichtet. Nach dem Einlaufen in Genua wurde Oberleutnant Pollmann von seinem Flottillenchef erwartet, der ihm ein Fernschreiben verlas und seinem erfolgreichsten U-Jäger gratulierte. Pollmann wurde als 461. Soldaten der Deutschen Wehrmacht am 25. April 1944 das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen.

Dann trat UJ 2210 zu seiner letzten Fahrt an. Von einer Geleitzugssicherung zurückkommend, wollte das Schiff am 27. Mai 1944 in den Hafen von Sestri Levante einlaufen. Sieben aus der Dunkelheit kommende amerikanische Torpedoboote nahmen das Schiff sofort unter Feuer. In der Mitte des Schiffsrumpfes wurde UJ 2210 von einem Torpedo getroffen; es gab einen gewaltigen Schlag, Wasser drang ein und das Schiff bekam starke Schlagseite. Das Schiff war verloren; Pollmann gab den letzten Befehl: "Alle Mann von Bord!" Er selbst verließ als Letzter, mit um den Körper gewickeltem Bootsstander, das sinkende Schiff. Deutsche Räumboote eilten zur Aufnahme der Schiffbrüchigen heran. Die Besatzung hatte sieben Gefallene und elf Verwundete zu beklagen.

Ab Oktober 1944 übernahm Oberleutnant Pollmann Sicherungsaufgaben in der Ostsee. Durch den Einsatz der Sicherungsflottille in der Ostsee gelang es, viele sowjetische U-Boote abzuwehren oder zu vernichten. Diese Feindboote konnten so nicht mehr zu einer Gefahr für die Dampfer werden, die mit aus den deutschen Ostgebieten flüchtenden Frauen und Kindern besetzt waren. Im März 1945 wurde Pollmann zum Kapitänleutnant befördert und kämpfte mit seiner 11. U-Jagdflottille bis zum bitteren Kriegsende, damit die Schiffe mit Flüchtlingen und Verwundeten sicher in den Westen kamen.

Nach dem Kriege war Pollmann Kapitän auf großer Fahrt und Kommandant des Küstenschiffes "Jacob Pollmann", das den Namen seines Vaters trug. Bis zu seinem frühen Tode am 28. Februar 1958 blieb er dem Meer und der Seefahrt eng verbunden.


Ralph Tegethoff