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2. Januar
2005
Kampf als geistige
Notwendigkeit
Der alte griechische Satz, daß
der Kampf der Vater aller Dinge sei, hat nur bedingte
Richtigkeit. Er ist ebensosehr der Zerstörer aller
Dinge. Wie Chronos verschlingt er immer wieder die Kinder,
die er zeugte. Erst der Sieg, den Zeus über seinen
Vater Chronos errang, setzte diesem ewigen Einerlei ein Ende
und brachte den göttlichen Einschlag in die Welt, der
bis dahin gefehlt hatte. Unsere Sprache kennzeichnet die
Zweischneidigkeit des Kampfes dadurch, daß sie ihn um
oder für etwas geführt werden läßt. Man
kämpft um materielle Vorteile, aber für die Idee.
Der Kampf um etwas durchzieht alle Naturreiche bis hinauf
zum Menschen. Er entspringt entweder elementaren
Voraussetzungen oder dem einfachsten und blindesten Triebe
zum Leben. Er ist um nichts schöpferischer, als Chronos
es gewesen ist. Aus ihm entsteht nur das unveränderte
Auf und Ab des natürlichen und kreatürlichen
Daseins.
Wenn der Darwinismus dem "Kampf ums
Dasein" einst als Folge eine Auslese der Tüchtigsten
zugeschrieben hat, dann hat er zwar sehr bestechend, aber
nicht sehr wirklichkeitsgemäß gedacht.
Schließlich findet ein Daseinskampf nicht nur zwischen
Artgenossen statt, von denen dann der Stärkste und
Klügste als Sieger übrigbleibt, sondern dieser
Kampf erstreckt sich über alles Lebendige ohne
Unterschied und läßt nicht selten gerade die
Gesündesten und Tüchtigsten beispielsweise einer
Seuche zum Opfer fallen. Das Leben ist verschränkter,
als materialistischer Intellektualismus es darzustellen
beliebte. Und wer die Bedeutung des Wortes Schicksal selber
noch nicht erlebt hat, der wird zum mindesten den Zufall
gelten lassen müssen, der all diese kausal-mechanisch
gedachten Zusammenhänge immer wieder und mit Vorliebe
zerreißt.
Wo bloß um etwas gekämpft
wird, ist immer nur Zerstörung die Folge; besonders
dann, wenn der Mensch sich zu einem solchen ungeistigen und
dadurch untermenschlichen Tun hergibt. England ist ein
deutliches Beispiel, hierfür. Es hat Jahrhunderte
hindurch immer nur um etwas gekämpft; es hat
unsägliches Leid über fast alle Völker der
Erde gebracht; und hat doch in dieser ganzen Zeit so gut wie
nichts an Kulturgütern geschaffen. Es hat der Welt
weder einen großen Baumeister noch einen großen
Musiker geschenkt, und der eine, Shakespeare, hat bis heute
keinen Nachfolger gefunden. Englands Stärke ist der
Konkurrenzkampf gewesen, der verschlagene Krieg, in dem es
nie zu einem Frieden kommt. Wie es im Kampfe um etwas
überhaupt keinen Frieden gibt. Allenfalls unterbricht
ein Scheinfriede - wie es Versailles gewesen ist - den
offenen Krieg. Der Streit um die nackte Gewalt aber
hört dadurch nicht auf. Er spielt sich dann bloß
hinter den Kulissen ab, und nur ein Mord verrät hin und
wieder die heimlichen und zähen Machtkämpfe.
.
Es ist geradezu das Kennzeichen
sämtlicher Plutokratien geworden, daß sie
zwangsläufig alle paar Jahrzehnte einen offenen Krieg
herbeiführen müssen, um die eigenen inneren
Machtverhältnisse aufrechterhalten zu können. Der
Krieg ist für jede Plutokratie ein Geschäft. Der
Aktionär ihrer Rüstungsbetriebe gewinnt an ihm
nicht selten den Nennwert seiner Aktien und mehr, und das in
jedem Jahre seiner Dauer. Der sogenannte Frieden, der den
offenen Krieg ablöst, bringt als nächstes
Geschäft die Befriedigung des ersten, erhöhten
Friedensbedarfes. Aber nicht lange, dann ist dieser gedeckt.
Die Industrieanlagen können fortan nicht mehr voll
ausgenutzt werden, die Arbeiter fliegen auf die
Straße, die allgemeine Kaufkraft sinkt, und nach zehn,
zwanzig Jahren ist der natürliche Verbrauch derart
zusammengeschrumpft, daß es eines neuen Krieges
bedarf, um dem siechenden Wirtschaftsprozeß neuen
Auftrieb zu geben und um die Massen der Arbeitslosen von der
Straße zu entfernen, ehe sie etwa rebellieren
könnten.
Als das Rittertum die Ideale verlor,
für die es gekämpft hatte, entartete es im
Raubrittertum, das ebenfalls nicht mehr für, sondern
nur noch um etwas focht. Auch ihm verdankt die Welt keine
kulturelle Leistung. Es ist der vielleicht stärkste
Gegensatz zwischen Deutschtum und Engländertum,
daß sich der Raubritter bei uns - eben als Entartung -
nicht lange hat halten können, während er in
England so etwas wie ein Volksideal geworden ist. Es
gehört zu den Grundwesenszügen des Deutschen,
daß er höchst ungern um etwas streitet. Wo er
sich nicht für seine Überzeugung, für eine
Idee begeistern kann, bleibt er lässig. Nur darum
konnten andere Völker - unbekümmert um ihn - die
Erde unter sich verteilen und Reichtümer anhäufen.
Ihm mußte die Not schon arg auf den Leib rücken,
ehe er sich aus der Bedrängtheit seiner
wirtschaftlichen Lage darum kümmerte. Erst als
jährlich Hunderttausende von Auswanderern an die fernen
Länder fremder Völker verlorengingen, weil sie im
eigenen Lande trotz alles Fleißes und Könnens
keine Lebensgrundlage finden konnten, bemühte sich auch
Deutschland um Kolonien und begann ebenfalls sich zu
industrialisieren. Die Folgen dieses Schrittes sind bekannt.
Treulos gegenüber seiner Eigenart übernahm der
Deutsche urteilslos englische Denkart und
Wirtschaftsmethoden. Durch sie geriet er zwangsläufig
in den Konkurrenzkampf, in den Kampf um die wirtschaftliche
Macht, den der Engländer als neuer Raubritter
meisterhaft zu führen wußte.
Als 1914 die entscheidende Stunde
dieses Machtstrebens anbrach, war deutsches Denken bereits
derart vermaterialisiert, daß es nicht einmal ein
Kriegsziel, geschweige denn eine Idee hätte finden
können, die des letzten und höchsten Einsatzes
wert gewesen wäre. Trotzdem kämpften diejenigen,
denen Freiheit und Deutschland wenigstens noch
persönliche Ideale geblieben waren, unerschüttert
durch Not und Tod so lange, bis ihnen materialistisches
Marxistentum, das bestenfalls nur den Kampf ums Dasein
anerkennt, mit Munitionsarbeiterstreik und Umsturz in den
Rücken fiel. Das verhängnisvolle Ende jenes
Krieges wird noch erschütternder, wenn man
rückblickend erkennt, daß das deutsche Volk
wahrscheinlich den ersten Weltkrieg siegreich bestanden
hätte, wenn es - anstatt dem zum Marxismus
verfälschten Sozialismus zu verfallen - zu der Idee
eines wahren und wirklichen Sozialismus vorgedrungen
wäre. Doch mit dem Schicksal ist nicht zu rechten.
Vielleicht hat es der geistigen Hilfe bedurft, die von den
Gefallenen des ersten Weltkrieges ausging, um den Deutschen
zu sich und seiner Eigenart zurückzuführen. Denn
nur aus sich und seinem Wesen konnte er den Weg zu der
sozialen Idee finden, für die er im zweiten Weltkriege
so heldenhaft kämpfte und die ihn trotz mancher
Rückschläge erst recht hat fast unüberwindbar
werden lassen.
Wir mögen aus der schier
unübersehbaren Reihe unserer Großen nehmen, wen
wir wollen; auch als Dichter und Denker sind sie nicht
weniger Kämpfer gewesen als unsere großen
Soldaten. Künstler und Wissenschaftler haben nicht
weniger um den Sieg ihrer Idee - sei es im Bildwerk, sei es
in der Entdeckung oder Erfindung - ringen müssen und
gerungen als der Feldherr, der seine Truppen gegen den Feind
führte, oder der Soldat, der sich dem Tode
entgegenwarf. Das Kämpfertum für die Idee, das
bedenkenlose Einsetzen aller, aber auch aller Werte und
schließlich die Hingabe des eigenen Lebens für
sie ist das, was den Deutschen vor sämtlichen anderen
Völkern immer wieder ausgezeichnet hat. Nicht umsonst
entsprang der Gedanke der allgemeinen Wehrpflicht in
Deutschland. Fast scheint es überhaupt, daß der
Deutsche zu einem irdischen Ziele nur dann gelangen kann,
wenn es sich auf dem Wege zu einer Idee erreichen
läßt. Das ist seine große Stärke. Aber
sie wird zur Schwäche, wenn er sich - wie im Marxismus
oder dem Liberalismus - ein falsches Ideal setzt.
Und trotz der Überzahl und der
Gewalt der Maschinerie durch die bolschewistischen Feinden;
trotz des Reichtums und der Gerissenheit der
Anglo-Amerikaner konnte sich der deutsche Soldat durch
tatsächlichen Kampf im persönlichen Einsatz
jahrelang behaupten, bis die riesige Übermacht ihn
erdrückte. Das Allentscheidende im Kampfe ist und
bleibt die geistige Kraft, die von der Idee auf jeden
übergeht, der sich mit seinem ganzen Sein für sie
einsetzt. Sie wirkt auch über die Niederlage. Wo immer
der Mensch sich für ideale Weite eingesetzt hat, da ist
das Bewußtsein von der Verbundenheit der Gefallenen
mit den lebenden Geschlechtern ein unauslöschliches
geblieben. Das gemeinsame geistige Ziel vereint über
das Grab hinaus. Es verleiht dem Kampfe die eigentliche
Weihe und gibt dem Tode auf dem Schlachtfelde den
höchsten Sinn des Opfers.
Krämertum, Profitgier,
Machtgewinn - das sind Begriffe, die den bloßen Kampf
um etwas über die Völker verhängen, die sich
nicht mehr dazu aufschwingen können, sich und alles
für die ewigen Werte der Idee und des Geistes
einzusetzen. Dementsprechend gilt bei ihnen auch die
Persönlichkeit nichts mehr. Der Demokrator hat deren
geistige Freiheit zu individualistischer Willkür
verkehrt; der Bolschewik vernichtete sie und anerkennt nur
die verelendete Masse. Beide finden sich im heutigen
Liberalismus vereint wieder. In ihm erfährt der
bindungslose Individualismus ebenso seine höchste
Überspitzung, wie die Persönlichkeit in ihm durch
die Typisierung des Menschen herabgewürdigt wird und
der gleichen Vermassung anheimfällt, wie der
Bolschewismus sie - nur brutaler - erzwungen hat. Die
Seelenverwandtschaft zwischen Bolschewismus und
Plutokratismus ist also gar nicht so
verwunderlich.
Dieser Menschenschändung ein
Ende zu bereiten, ist nur möglich, wenn dem
entgeistigten Wollen jener ein durchgeistigter Wille
entgegengesetzt wird. Wie der Kampf um bloße
materielle Vorteile den Menschen entehrt, entwürdigt
und in Selbstsucht untergehen läßt, so steigert
der Kampf für die Idee das Menschentum des
Kämpfers weit über alle individuellen Grenzen
hinaus. Seiner strebenden Persönlichkeit werden
Kämpfertum und Menschwerdung Weg und Ziel. Und darin
liegt die geistige Notwendigkeit des Kampfes für die
Idee, daß es anders als durch ihn keinen Weg gibt, der
den Menschen über das Tier hinaus zur
Persönlichkeit und damit auch zu wirklicher
Gemeinschaft führt.
Quelle: Heimatschutznetzwerk
Sachsen
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