Balladen und Gedichte
 

Der schlafende Wagen
Franz Karl Ginzkey

Prinz Eugen, der edle Ritter,
Dieses Schlachtenungewitter,
Mußte trüb an sich erleiden
Müden Alters Not und Weh.
Mit zwei adeligen Damen
Spielt er nun, in Gottes Namen,
Melancholisch und bescheiden
Mariage und Piquet.

Vor der Damen stillem Schlosse
Wartet schläfrig die Karosse.
Wackelnd auf dem hohen Bocke
Nicken Kutscher und Hatschier.
Schläfrig unterm Sternenhimmel
Stehn zwei Isabellenschimmel.
Mit dem goldnen Quastenstocke
Pendelt gähnend der Portier.

Endlich ist das Spiel zu Ende,
Und es küßt die Damenhände
Höchst galant der alte Ritter,
Zierlich, wie ein jüngrer kaum.
In der Träume Land getragen
Wird er sanft von seinem Wagen.
Bomben und Granatensplitter
Sprühn durch seinen Schlachtentraum.

Holpernd rollt die dunkle, schwere
Kutsche nach dem Belvedere.
Auf dem Bocke eingeschlafen
Nickt der Lenker, stumm und träg.
Fest entschlummert sind die Diener -
Durch das lust'ge Volk der Wiener,
Ahnend den gewohnten Hafen,
Ziehn die Rößlein flink den Weg.

Wie sie endlich mit der alten
Kutsche am Portale halten,
Regt und rührt sich keine Seele,
Alles schlummert fest und brav.
Sieh, da naht sich leise, leise
Auf den Zehn das Volk im Kreise,
Sorgend, daß kein Lärm bestehle
Seines Lieblings Heldenschlaf.

Stumm umstand das Volk der Wiener
Prinz Eugen und seine Diener,
Bis ein Schusterbube lachend
Auf zwei Fingern schrillend pfiff.
Er bekam zwar eine Schelle,
Doch sie tönte also helle,
Daß der alte Held erwachend
Jäh nach seinem Degen griff.

Und er sah des Volkes Menge
In ehrfürchtigem Gedränge,
Sah den Mond erfreulich blinken,
Nirgends Wagnis noch Gefahr.
Mit Gequietsche und Gerutsche
Schob sich schnell die alte Kutsche
Durchs Portal. Ein freundlich Winken,
Und der Prinz verschwunden war.

 

Zurück