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Der deutsche Liederschatz

 

Freiheit, die ich meine

1. Freiheit, die ich meine, die mein Herz erfüllt,
Komm in deinem Scheine, süßes Engelsbild!
Magst du dich nie zeigen der bedrängten Welt?
|: Führest deinen Reigen nur am Sternenzelt. :|

2. Auch bei grünen Bäumen in dem lust'gen Wald,
Unter Blütenträumen ist dein Aufenthalt.
Ach! das ist ein Leben, wenn es weht und klingt,
|: Wenn ein stilles Weben wonnig uns durchdringt. :|

3. Wenn die Blätter rauschen süßen Freudengruß,
Wenn wir Blicke tauschen, Liebeswort und Kuß.
Aber immer wieder nimmt das Herz den Lauf,
|: Auf der Himmelsleiter steigt die Sehnsucht auf. :|

4. Aus den stillen Kreisen kommt mein Hirtenkind,
Will der Welt beweisen, was es denkt und minnt.
Blüht ihm doch ein Garten, reift ihm doch ein Feld
|: Auch in jeder harten steinerbauten Welt. :|

5. Wo sich Gottes Flamme in ein Herz gesenkt,
Das am alten Stamme treu und liebend hängt;
Wo sich Männer finden die für Ehr' und Recht
|: Mutig sich verbinden, weilt ein frei Geschlecht. :|

6. Hinter dunklen Wällen, hinter ehr'nem Tor
Kann das Herz noch schwellen zu dem Licht empor.
Für die Kirchenhallen, für der Väter Gruft
|: Für die Liebsten fallen, wenn die Freiheit ruft. :|

7. Das ist rechtes Glühen, frisch und rosenrot:
Heldenwangen blühen schöner auf im Tod.
Wolltest du uns lenken Gottes Lieb' und Lust,
|: Wolltest gern dich senken in die deutsche Brust! :|

8. Freiheit, die ich meine, die mein Herz erfüllt,
Komm in deinem Scheine, süsses Engelsbild!
Freiheit, holdes Wesen, gläbig, kühn und zart,
|: Hast ja lang erlesen dir die deutsche Art. :|

 

Text: Max von Schenkendorf
Melodie: Karl Groos
Das seit etwa 1820 volkstümliche Lied bezieht sich auf die Befreiungskriege 1813/15