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Der deutsche Liederschatz

 

Gold und Silber lieb' ich sehr

1. Gold und Silber lieb' ich sehr,
Kann's auch gut gebrauchen,
Hätt' ich nur ein ganzes Meer,
Mich hinein zu tauchen;
'S braucht nicht grad geprägt zu sein,
Hab's auch so ganz gerne,
|: Sei's des Mondes Silberschein,
Sei's das Gold der Sterne. :|

2. Doch am schönsten ist das Gold
Das vom Lockenköpfchen
Meines Liebchens niederrollt
In zwei blonden Zöpfchen!
Darum komm' geliebtes Kind,
Laß uns herzen, küssen,
|: Eh' die Locken silber sind
Und wir scheiden müssen. :|

3. Seht, wie blinkt der goldne Wein
Hier in meinem Becher;
Horcht, wie klingt so silberrein
Froher Sang der Zecher!
Daß die Zeit einst golden war,
Will ich nicht bestreiten,
|: Denk ich noch im Silberhaar
Gern vergang'ner Zeiten. :|

4. Liebes Mädchen trag' nicht Leid,
Blicke nicht so trübe,
Weil du nicht die einz'ge Maid,
Die ich erstlich Liebe.
Schau Studenten machen's so,
Lieben mehr als eine,
|: Bin ich nicht mehr Studio,
Lieb' ich dich alleine. :|

5. Gräm' dich nicht den ganzen Tag,
Daß wir gerne trinken,
Daß ich dich nicht küssen mag,
Wenn die Becher winken.
Schau', Studenten sind halt so,
Lieben Bier und Weine,
|: Bin ich nicht mehr Studio,
Lieb' ich dich alleine. :|

6. Wer nur eine einz'ge küsst,
Bis zur Jahreswende,
Und die anderen schüchtern grüßt,
Der ist kein Studente!
Wer noch nie betrunken war,
Der hat nie studieret,
|: Wär er auch so manches Jahr,
Ins Kolleg marschieret. :|

 

Text: nach August Schnezler, 1828
Melodie: nach Friedrich H. Truhn, 1843
Das Lied wurde vor allem durch Studenten in ganz Deutschland verbreitet, wobei sich der Text beträchtlich abgeschliffen hat.