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Der deutsche Liederschatz

 

Ich schieß' den Hirsch

1. Ich schieß' den Hirsch im wilden Forst,
Im tiefen Wald das Reh,
Den Adler auf der Klippe Horst,
Die Ente auf dem See;
Kein Ort, der Schutz gewähren kann,
Wo meine Büchse zielt,
|: Und dennoch hab' ich harter Mann
Die Liebe auch gefühlt. :|

2. Kampiere oft zur Winterszeit
In Sturm und Wetternacht,
Hab' überreift und überschneit
Den Stein zum Bett gemacht;
Auf Dornen schlief ich wie auf Flaum,
Vom Nordwind unberührt
|: Und dennoch hat die harte Brust
Die Liebe auch gespührt. :|

3. Der wilde Falk ist mein Gesell,
Der Wolf mein Kampfgespan;
Der Tag geht mir mit Hundsgebell,
Die Nacht mit Hussa an.
Ein Tannreis schmückt statt Blumenzier
Den schweißbefleckten Hut
|: Und dennoch schlug die Liebe mir
Ins wilde Jägerblut. :|

4. Ich hab gar oft den Tod gesehn
Auf Zinn und Felsenschrund,
Den Gams gepirscht auf wilden Höhn,
Mit mir mein braver Hund.
Die Murmel warf der sichre Schuß
Ins grüne Almengras
|: Und dennoch war beim letzten Gruß
Das Auge tränennaß. :|

5. Und wenn ich einst gestorben bin,
So legt mich in den Schrein.
Ein braver Bursch bin ich gewest,
Will's auch im Tode sein;
Gebt mir auf's Haupt mein Cerevis,
Den Schläger in die Hand.
|: Und schlingt mir um die kalte Brust
Mein altes Burschenband. :|

 

Text: nach Franz von Schober, 1826
Melodie: Jägerlied aus Siebenbürgen um 1843
Auf
YouTube gesungen von Hermann Prey