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Der deutsche Liederschatz

 

O Täler weit, o Höhen

1. O Täler weit, o Höhen,
o schöner, grüner Wald,
du meiner Lust und Wehen
andächt'ger Aufenthalt.
Da draußen, stets betrogen,
saust die geschäft'ge Welt;
|: Schlag noch einmal die Bogen,
Um mich, du grünes Zelt. :|

2. Im Walde steht geschrieben
ein stilles, ernstes Wort
von rechtem Tun und Lieben,
und was der Menschen Hort.
Ich habe treu gelesen
die Worte schlicht und wahr,
|: und durch mein ganzes Wesen
ward's unaussprechlich klar. :|

3. Bald werd' ich dich verlassen,
fremd in der Fremde gehn,
auf buntbewegten Gassen
des Lebens Schauspiel sehn,
und mitten in dem Leben
wird deines Ernst's Gewalt
|: mich Einsamen erheben:
So wird mein Herz nicht alt. :|

4. Wenn es beginnt zu tagen,
die Erde dampft und blinkt,
die Vögel lustig schlagen,
daß dir dein Herz erklingt:
Da mag vergehen, verwehen
das trübe Erdenleid,
|: da sollst du auferstehen
in junger Herrlichkeit! :|

 

Text: Joseph Frh. v. Eichendorff, 1810
Melodie: Felix Mendelssohn-Bartholdy, 1843