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Der deutsche Liederschatz
Walpurgisnacht
1. Es wohnet ein Fiedler zu Frankfurt am Main,
Der kehret von lustiger Zeche heim;
Und er trat auf den Markt, was schaut er dort?
Der schönen Frauen schmausten gar viel an dem Ort.2. "Du buckliger Fiedler, nun fiedle uns auf,
Wir wollen dir zahlen des Lohnes vollauf;
Einen feinen Tanz, behende gegeigt,
Walpurgis Nacht wir feiern heut."3. Der Geiger strich einen fröhlichen Tanz,
Die Frauen tanzten den Reigenkranz,
Und die erste sprach: "Mein lieber Sohn,
Du geigtest so frisch, hab nun deinen Lohn!"4. Sie griff ihm behende unters Wams sofort,
Und nahm ihm den Höcker vom Rücken fort:
"So gehe nun hin, mein schlanker Gesell,
Dich nimmt nun jedwede Jungfrau zur Stell."5. Der Fiedler schlank in die Herberge trat,
Da wartet sein buckliger Kamerad,
Den faßte der Neid: "Der Hexen Gunst,
Erwerb ich mir auch durch meine Kunst!"6. Er trat auf den Marktplatz zur fröhlichen Schar,
Die tanzte im Mondenlicht immerdar.
"Ich geige euch gern, wenn für den Dienst,
Ihr zahlen wollt mit gleicher Gunst."7. Er geigte falsch zu der Frauen Tanz,
Zerstörte den holden Reigen ganz.
Die erste sprach: "Mein lieber Sohn,
So wie du geigtest, so wird dein Lohn."8. Sie nestelt ihm vorne am Wams sofort,
Und verbarg des Gesellen Höcker dort
Und nun gings husch, es wirbelt umher,
Der weite Marktplatz war still und leer.9. Der neidische Fiedler tappte da lang,
Er dachte er käme nach Hause gar schlank.
Doch wie lachten sie, wie kam er in Zorn:
Er fand sich behöckert - so hinten als vorn.
Melodie - Von Anton Wilhelm Florentin Zuccalmaglio (1803-1869) in Anlehnung an ein inzwischen verschollenes Volkslied. Der Text bezieht sich auf das Märchen "Die zwei buckligen Musikanten von Aachen". Johannes Brahms (1833-1897) hat nach dieser Melodie einen Chorsatz geschaffen.