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Der deutsche Liederschatz

 

Wie schön blüht uns der Maien

1. Wie schön blüht uns der Maien,
Der Sommer fährt dahin,
Mir ist ein schön Jungfräulein
Gefall'n in meinen Sinn.
Bei ihr da wär mir wohl,
Wenn ich nur an sie denke,
Mein Herz ist freudenvoll.

2. Wenn ich des Nachts lieg schlafen,
Mein Feinslieb kommt mir für.
Wenn ich alsdann erwache,
Bei mir ich niemand spür;
Bringt meinem Herzen Pein,
Wollt Gott, ich sollt ihr dienen,
Dann möcht mir wohler sein.

3. Bei ihr, da wär ich gerne,
Bei ihr, da wär mirs wohl;
Sie ist mein Morgensterne,
Strahlt mir ins Herz so voll.
Sie hat ein' roten Mund,
Sollt ich sie darauf küssen,
Mein Herz würd mir gesund.

4. Ich werf mit Rosenblättern
In Liebchens Fenster ein.
Ei schlafe oder wache,
Ich möchte bei dir sein!
Das Fensterlein steht auf
Wie bei dem Vogelsteller,
Ich wag mich nicht hinauf.

5. Wollt Gott, ich fänd im Garten,
Drei Rosen auf einem Zweig,
Ich wollte auf sie warten,
Ein Zeichen wär mirs gleich;
Das Morgenrot ist weit,
Es streut schon seine Rosen,
Ade, meine schöne Maid.

 

Text: Nach einer trad. Vorlage von 1549 gekürzt, überarbeitet von Max Pohl, 1911
Melodie: trad. 1602; von Max Pohl zu dieser Melodie gefügt. Später durch den Zupfgeigenhansel und andere Wandervogelliederbücher verbreitet.