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Ralph Franklin Keeling SCHRECKLICHE ERNTE Der teure Versuch, das deutsche Volk auszurotten (Die Übersetzung von Gruesome Harvest durch die Zündelseite) Sich Sorgen um das Wohlergehen Deutschlands oder
des deutschen Volkes zu machen und gleichzeitig das
Potsdamer Abkommen zu unterstützen, ist ein
Widerspruch, weil, wie wir gesehen haben, mit
letzterem beabsichtigt war, den Deutschen beim
Wiederaufbau nicht zu helfen, sondern sie daran zu
hindern. Potsdam basierte auf dem Morgenthau-Plan,
und der Morgenthau-Plan hatte festgelegt: "Unter den gegebenen Umständen" muß
im Sinne von nicht vorhandenen unbedingt
erforderlichen Einrichtungen unterstrichen werden.
Die gebietsmäßigen Verluste und
Beschlagnahmungen, das Programm mit der
Überbevölkerung durch Millionen von
vertriebenen Ostdeutschen, die in großem
Maßstab durchgeführte Versklavung der
deutschen Arbeitskräfte, die Auflösung
ganzer Klassen deutscher Wissenschaftler und
leitender Personen in Wirtschaft und Technik durch
Entnazifizierung, die Entscheidung, nach dem
Zustandekommen einer Einigung, die Industrie auf
einer niedrigen Stufe festzulegen, verbunden mit
der industriellen Plünderung und Vernichtung
aller deutschen auswärtigen Quellen - all
diese Maßnahmen über die
Kriegszerstörungen hinaus - kann nicht anders
beschrieben werden, als ein Programm, Deutschland
und das Volk zu einem Zusammenbruch zu bringen. Aber dies sind nicht die einzigen
Unterdrückungsmaßnahmen. Steuern wurden
bis an die Grenze der Beschlagnahme angehoben, was
eigene Initiative unterdrückt und die
Führung eigener Unternehmen verhindert. Sie
halfen dabei, die deutsche Wirtschaft zu
sozialisieren und das Motiv für Gewinn zu
töten. Sie haben die öffentliche Moral
korrumpiert, weil sogar der Ärmste sie
irgendwie umgehen muß, um genug Geld zu
haben, Schuhe zu kaufen.[1] Wir haben es
abgelehnt, für die Deutsche Mark im
Verhältnis zu anderen Währungen einen
Wechselkurs festzulegen, um privat
durchgeführte Importe und Exporte zu
verhindern und legen das bißchen an Export,
das es gibt, in die Hände der
Militärregierung. Und anstatt zu versuchen,
irgendeinen intelligenten Plan zur Wiederbelebung
des zusammengebrochenen Finanzsystems
auszuarbeiten, haben wir die Dinge durch solche
Aktionen wie das Drucken riesiger Summen von
Besatzungsgeld soweit verschlimmert, daß es
fast mit Sicherheit dazu beitragen wird, eine
Inflationskatastrophe wie im Jahre 1923
herbeizuführen und die Zerstörung der
deutschen Mittelklasse zu
vervollständigen.[2] Ein solches
Ergebnis würde dem Ziel Sowjet-Rußlands
dienen, jedoch kaum dem anderer Mächte. Es ist schwierig, sich die Tiefe der deutschen
Wirtschaftskrise vorzustellen. Als die Vereinigten
Staaten 1932 den Tiefststand erreichten, war die
Industrieproduktion auf 60 Prozent des normalen
gesunken. Die Wirtschaftskrise war so schwer -
Verluste so ungeheuer, Arbeitslosigkeit so
weitverbreitet - das es fast eine Revolution
auslöste. Ein Jahr nach dem V-E Day war die
Industrieproduktion in Deutschland 10 Prozent
dessen, was normal gewesen war. Die Produktion in unserer Zone hat sich langsam
gesteigert, bis sie 12 Prozent des alten normalen
Niveaus erreichte oder ungefähr 20 Prozent der
jetzt erlaubten Grenzen. Mit der Verringerung der
Rationen begann jedoch der stetige
Niedergang.[3] Am 4. Mai berichteten Brig.
Gen. William H. Draper, Wirtschaftsdirektor der
Amerikanischen Militärregierung (AMG),
daß der Ausstoß in unserer Zone "weit
unter dem Notwendigen liege, um den Minimumstandard
zum Leben zu erhalten." Der Bericht gab
Produktionszahlen für individuelle Industrien
als Prozentsätze für Kapazität. Hier
sind einige Beispiele: Chemie 25 Prozent,
Elektrizität 20 Prozent, Baumaterial 20
Prozent, Stahlprodukte 13 Prozent, Keramik 5
Prozent, landwirtschaftliche Geräte 22
Prozent, elektrische Ausrüstung 15 Prozent,
mechanische und industrielle Maschinen 10
Prozent.[4] Im darauf folgenden Sommer
wurde berichtet, daß in unserer Zone weniger
als 30 Prozent der verfügbaren Industrie in
Betrieb waren.[5] Ende August erklärte der stellv.
Militärgouverneur Clay, daß es
mindestens vier weitere Jahre dauern werde, bis
Deutschland sich soweit erholt habe, die Produktion
auf den Stand für das unter dem
Entindustrialisierungsprogramm festgesetzte nackte
Minimum zu bringen.[6] Kriegszerstörung plus dem
Unterdrückungsprogramm der Alliierten haben
ein Durcheinander geschaffen. Von den
Produktionsanlagen, die nicht völlig zerbombt
wurden, waren viele veraltet, andere befanden sich
in Gebieten, wo die Zerstörung der Wohngebiete
so vollständig war, daß es keine
Wohnmöglichkeit für die Arbeiter gab oder
wo Transport und Kommunikation nur für einen
Teil der Produktion zur Verfügung
stand.[7] Frachtbeförderung ging nur
langsam voran und war unzuverlässig und konnte
nur 70 Prozent der geringen Nachfragen befriedigen.
Der Fahrgastdienst kann nur 30 Prozent der
deutschen Erfordernisse decken. Die Wagen sind
vollgestopft und Fahrgäste hängen sogar
an den Seiten und auf den Dächern. Der Mangel
an Eisenbahnwaggons, Fahrzeugen Schiffen,
Arbeitskräften und Kohle ist teilweise die
Folge von Engpässen und der unvermeidlichen
Unproduktivität von
Militärkontrolle.[8] Die niedrige Kohleproduktion ist ein
größeres Problem, das zum Teil von dem
Mangel an Gütern für die Bevölkerung
und damit für die Bergleute und ihre Familien
herrührt. Der verantwortliche AMG-Beamte sagte
im Juli 1946, daß die Bergleute auf andere
Weise besser ernährt und besser behandelt
werden müssen. "Als Initiative für die
Bergleute müssen wir ordentliche Wohnungen zur
Verfügung stellen und Güter für
Verbraucher erreichbar machen. Zur Zeit können
sie nicht einmal Nadel und Faden kaufen, um ihre
Hosen zu reparieren. . . . Es gibt bei den
Arbeitern keine Verschwörung zur Langsamkeit,
noch eine politische Sabotage im Untergrund, es ist
nur, daß sie keine Initiative zur Arbeit
haben.[9] Ein hochrangiger britischer Offizier hatte ein
paar Tage vorher erklärt, daß sich an
der Ruhr antibritische Gefühle
verstärken. Er sagte: "Die Deutschen fangen
an, das ihnen durch die alliierte Politik
aufgezwungene wirtschaftliche Elend zu begreifen.
Es ist nur natürlich, daß dadurch eine
steifere Haltung gegenüber dieser Politik
entsteht und daß die Briten das meiste dieser
Versteifung zu spüren bekommen sollten, weil
durch das Reparationsprogramm mehr aus der
britischen Zone, als aus anderen Teilen
Deutschlands herausgeholt wird." Er wies darauf
hin, daß die Bergleute wegen des Fehlens von
Nahrungsmitteln und anderen Notwendigkeiten so
wenig Initiative haben und fügte hinzu: "Es
ist ein Teufelskreis, in dem wir keine
Verbrauchsgüter haben, weil die
Herstellungsstätten keine hiesige Kohle haben,
um sie herzustellen.[10] Engpässe und Mängel ziehen sich als
unausweichliche Konsequenz von
Kriegszerstörung und durch die auf die
festgelegte Höhe aufgezwungenen
Produktionsverbote durch die ganze deutsche
Wirtschaft. Zum Beispiel wurde im Juli 1946
berichtet, daß der Mangel an Metallen die
gesamte Produktion von Pflügen zum Stillstand
gebracht hatte und die Versorgung mit Hufeisen und
Nägeln vollkommen zusammengebrochen war. Die
Zahl der Lastwagen in Berlin, mit seinen 3.000.000
Einwohnern und einem Gebiet, das fünfmal so
groß ist, wie das von Chicago, war auf 8.000
gesunken. Lötzinn war nicht zu haben, nicht
einmal um Töpfe und Pfannen zu löten.
Schuhmacher benutzten alte Aktentaschen,
Würfelbecher, Helmfutter, jedes Stückchen
gerettetes Leder, das sie zur Reparatur von Schuhen
verwenden konnten. 50.000 Schüler waren ohne
Schuhe, und der Bedarf an Schuhnägeln war fast
erschöpft. Wegen Mangels an
Kalium-Permanganat, das durch die Demontage der
I.G. Farben Fabriken verursacht wurde, war die
Herstellung von Saccharin bedroht, das sowohl wegen
des Nichtvorhandenseins von Zucker als auch wegen
der Diabetiker überaus nötig war. Die
Herstellung von Klebestreifen, Musselin, Bandagen
und Operationsverbänden war gestoppt, weil die
von den Russen beschlagnahmten Baumwollfabriken in
Thüringen kein Rohmaterial zur Verfügung
stellen wollten. Die Zementproduktion, die für
den Wiederaufbau so dringend erforderlich war, war
wegen der Demontagen und des Mangels an Maschinen
und Werkzeugen sehr gering.[11] Berichte
zeigen daß solche Industrien wie für
Teppiche, Bestecke, Spielzeuge und
Musikinstrumente, die glücklicherweise den
Krieg überstanden hatten, keinen Brennstoff
und kein Rohmaterial hatten.[12] Die deutsche Produktion zur Zeit genügt
keineswegs, um das gegenwärtig erforderliche
Minimum für die Bevölkerung zu decken. Im
ersten Jahr war es möglich, auf die
Reservebestände, die aus der Zeit vor der
Kapitulation übriggeblieben und von der
Plünderung und Vernichtung seitens der
Siegerarmeen verschont geblieben waren,
zurückzugreifen.[13] Aber diese
Reserven waren nach und nach erschöpft und
verhießen keine gute Aussicht für die
Zukunft. Aufgetragene Kleidung konnte Dank des
praktisch nicht Vorhandenseins von Textilien
für die Zivilbevölkerung nicht ersetzt
werden. Als Konsequenz dessen, wie ein Reporter es
ausdrückte: Die Verzweiflung, Geld für Nahrungsmittel
auf dem Schwarzen Markt zu bekommen, um die
Hungerrationen aufzubessern, hat bei den Deutschen
dazu geführt, ihre Besitztümer zu
verkaufen, wobei sie als erstes das verkauften, was
sie am wenigsten brauchten. Zuerst waren es die die
Ringe, dann die Uhren, Armbänder, das andere
Paar Schuhe, Kleider, Jacken, Anzüge. Wie ein
Berlinreporter es formulierte: Eine Bekanntmachung der Associated Press aus
Herford, Deutschland, vom 9. September 1946
lautet: Etwas später wurde für die Bergleute
ein Arrangement getroffen, an Sonntagen zu
arbeiten, so daß eine durchschnittliche
Familie von vier Personen in der zusammengelegten
britisch-amerikanischen Zone Brennstoff für
den Winter mit einem Heizwert von etwas mehr als
einer halben Tonne Steinkohle für eine
Zeitspanne von sechs Monaten erhalten konnte. Einen
Monat später stimmten die Gewerkschaften
dafür, nicht an Sonntagen zu
arbeiten.[17] Angesichts dieser trostlosen Aussicht, war das
beste, auf was man in Bezug auf Nahrungsmittel
seitens der Bevölkerung erhoffen konnte, die,
wie bereits beschrieben, an der
äußersten Grenze des Verhungerns lebte,
an Hungerödemen, Schwellen der Gelenke und all
den anderen Schrecken langsamen Verhungerns litt,
eine Erhöhung der Rationen während des
Winters 1946-47 auf die "unbarmherzigen und
gefährlichen" 1.500 Kalorien. Im Juni 1946
sagte Oberst H.B. Hester, der die Verantwortung
für die Nahrungsmittelabteilung der
Amerikanischen Militärregierung hatte,
für den kommenden Winter eine katastrophale
Hungersnot in Deutschland voraus, wenn nicht im
Oktober die Rationen erhöht
würden.[18] Sein Bericht folgte einem
anderen von Oberst W.L. Wilson, Leiter der
Abteilung für Gesundheit und Wohlfahrt,
daß der Gesundheitszustand des besiegten
Volkes mit der jetzigen Ration sich schnell
verschlechterte.[19] In der Französischen Zone sind
wöchentlich 5.000 gestorben. Wie von
amerikanischen Beamten offiziell berichtet wurde,
gab es im Hochsommer 1946 in Berlin 19.000 sehr
ernste Tuberkulosefälle, für die keine
Betten zur Verfügung standen. Der Hamburger
Senat gab einen Aufruf an England und die ganze
Welt heraus, Nahrungsmittel und Medikamente zu
schicken, um "schreckliche Epidemien und
Massensterben" zu vermeiden. Hamburger
Straßenbahnfahrer und Schaffner
gefährdeten die Sicherheit des
öffentlichen Transports durch
"Ohnmachtsanfälle", die durch Hunger
hervorgerufen wurden und durch Zusammenbrechen
während des Dienstes durch lange
Unterernährung und Schwäche.[20]
Der Medizinische Rat von Köln informierte die
Britischen Militärbeamten, daß die
Bevölkerung dort einer "Katastrophe
entgegensehe", wenn nicht schnell Nahrungsmittel
zur Verfügung gestellt würden und
fügten hinzu, daß die "Abwehr gegen
ansteckende Krankheiten, insbesondere Tuberkulose,
verschwinde." Bevollmächtigte vom Rheinland
sandten einen Aufruf von Düsseldorf an die
Britische Militärregierung, die
"mörderische Nahrungsmittellücke zu
schließen," um die durch Hunger verursachten
und sich schnell ausbreitenden Krankheiten und
Epidemien unter Kontrolle zu bekommen." Eine
medizinische Autorität sagte: Mit dieser angsterregenden Prognose liegt es nun
an den Hilfsorganisationen, auf Hochtouren zu
arbeiten, wenn Millionen von Leben gerettet werden
sollen. Beamte der Großen Vier schoben das ganze
Elend Deutschlands auf den Krieg und die Teilung in
Zonen. Ihrer Meinung nach bot Potsdam die
bestmögliche Lösung aller
Schwierigkeiten, wenn nur die Entscheidung
über die Zonenteilung korrigiert werden
könnte. Deutsches Gebiet westlich der
Oder-Neiße-Linie war in vier Zonen geteilt
und sollte von den Militärkräften von
Rußland, Großbritannien, den
Vereinigten Staaten und Frankreich besetzt und
verwaltet werden: Die Russische Zone, bestehend aus der
östlichen Hälfte Preußens westlich
der Oder-Neiße-Linie, ist die ausgeglichenste
der vier Zonen. Zusätzlich zu den 45 Prozent
von Deutschlands Herstellungsfirmen während
des Krieges, produzierte sie mehr als genug an
Nahrungsmitteln für den eigenen Verbrauch und
hat Zechen für Braunkohle und andere
Mineralien. Andere Teile des Reiches waren wegen
wichtiger Rohmaterialien und Herstellung von
Materialien von diesem Teil Deutschlands sehr
abhängig. Ausgeräumt wie es war, hatte es
nichtsdestoweniger Rußland mit einem
beachtlichen Strom von Gütern als Reparation
versorgt. Britanniens Zone besteht aus der
westlichen Hälfte Preußens. Darin
befindet sich das Ruhrgebiet, das die wertvollsten
natürlichen Resourcen des Kontinents hat,
insbesondere große Kohleablagerungen von
hoher Qualität in der Nähe von Europas
besten Eisenvorkommen, und es liegt in der Mitte
von Europas dichtest besiedelter Region mit
ausgezeichneten Transportmöglichkeiten auf der
Bahn und auf dem Wasser. Molotow nannte es zu recht
"Europas Werkstatt." Trotz intensiver Kultivierung,
leidet die Zone unter einem schweren Defizit, und
sogar die Kohleproduktion war seit dem V-E Day
gering. Die Verwaltungskosten betragen über
die Einnahmen hinaus 320 Millionen Dollar
jährlich. Die Amerikanische Zone liegt in den
zentralen und südlichen Teilen des Reiches.
Das meiste davon sind bergige und landschaftliche
Gebiete. Es kann und wird auch nicht seinen Bedarf
an Nahrungsmitteln selbst decken können und
ist sehr auf verschiedene Importe angewiesen. Es
veranschaulicht deutlich die gegenseitige
Abhängigkeit aller Teile der deutschen
Wirtschaft untereinander. Alle erforderliche harte
Kohle muß aus dem Ruhr- oder Saargebiet
herangeschafft werden, und 83 Prozent des
erforderlichen Stahls, der von vielen
Herstellungsfirmen benötigt wird, kommt von
außerhalb. Der Mangel an Kohle hat viele
Industrien gezwungen, teilweise oder ganz zu
schließen; z.B. die pharmazeutische
Industrie, die Teer benötigt; das
Reifengeschäft, das Buna aus Kohle braucht;
und verschiedene Herstellungs-, Verarbeitungs- und
Fertigungsfirmen. Wegen Stahlmangels mußte
der größte Blechhersteller in Bayern
schließen, so daß ca. 10 Millionen
Blechbüchsen, die nötig gebraucht wurden,
um die 1946er Ernte von Erbsen, Bohnen und
Früchten einzumachen, nicht vorhanden waren.
Viele sind arbeitslos, und die Verwaltung kostet
die amerikanischen Steuerzahler 200 Millionen
Dollar pro Jahr. Die Französische Zone besteht
zumeist aus Teilen einer früheren deutschen
Provinz,, die an Frankreich angrenzte und
enthält keine vollständigen politischen
oder wirtschaftlichen Einheiten. Der Hauptaktivposten ist das Saargebiet, reich
an Kohle und Stahl. Wenn auch intensiv kultiviert,
kann die Zone sich nicht selbst mit Nahrungsmitteln
versorgen, weil sie viele Wein- und
Obstanbaugebiete hat. Sie muß z.B. ihre
Kartoffeln aus Bayern einführen, und andere
Zonen sind auf ihre
Nahrungsmittelspezialitäten angewiesen. Eine der außergewöhnlichen Tatsachen
über Deutschland, ist die Abhängigkeit
jedes Teils, und nun jeder Zone von allen anderen -
wegen Nahrungsmitteln, Stahl, Kohle, Holz und
andere Notwendigkeiten. Die Friedensregelungen
hatten eine wirtschaftliche Trennung von
Deutschlands stark abhängigen Regionen nicht
in Erwägung gezogen. Da die Zonen strikt nach
verwaltungstechnischen Gesichtspunkten eingerichtet
wurden und nicht vorgesehen war, daß sie
irgendeinen trennenden Einfluß auf die
deutsche Wirtshaft haben sollten, waren die zonalen
Grenzen so angelegt, daß sie politische und
wirtschaftliche Unterteilungen kreuzten. Der
Glaube, daß die Zonen eine Sache bleiben
würden und die deutsche Wirtschaft eine
andere, zeigt sich klar in den frühen
politischen Darstellungen und Erklärungen. Potsdam legt fest, daß "während der
Besatzungszeit Deutschland als wirtschaftliche
Einheit behandelt werden soll," und eine
frühere Erklärung der Großen Vier
über den Kontrollmechanismus für
Deutschland bestimmt: Diese Forderung nach Ergebnissen wurde durch die
gleichzeitig niedergelegten Bedingungen
unmöglich gemacht und war so wirkungsvoll, als
hätte man der Sonne befohlen
stillzustehen. Die Forderung, auf der die Russen bestanden
hatten, daß die Entscheidungen des
Kontrollrats "einstimmig sein sollen," hat
praktisch "Entscheidungen über Hauptfragen,
die Deutschland als ganzes betreffen, denen alle
zugestimmt haben" verhindert und hat alles andere
als Einheitlichkeit zonaler Aktionen gebracht. Es
hat die Wirksamkeit des Kontrollrats zunichte
gemacht, genau so, wie das Veto-Recht, auf dem die
Russen ebenfalls bestanden hatten, die Wirksamkeit
des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zunichte
gemacht hat. Frankreich stellte sich beim Abstimmen im
Kontrollrat besonders quer. Wenn auch die
Delegationen von Britannien und Amerika darauf
bestanden, daß Frankreich bei der Kontrolle
und Besetzung des Reichs durch die Vier Mächte
eingeschlossen werden solle, hat Frankreich die
Potsdamer Erklärungen nie unterzeichnet. Als
Konsequenz daraus, ist es bei den Abkommen nicht
gebunden, kann jedoch bei der Durchführung
Veto einlegen.[22] Es hat offen seine
Ablehnung gegen eine deutsche Wiedervereinigung
geäußert und, für seine eigenen
Schutz und territoriale Vergrößerung
verlangt, daß Deutschland balkanisiert und
als Machtfaktor in Europa zerstört werden
solle. Um das zu erreichen, hatte es unnachgiebig
darauf bestanden, wie bereits vorher gesagt,
daß das ganze Westdeutschland
auseinandergebrochen und entweder
internationalisiert oder Frankreich
hinzugefügt werden solle. Als es seinen Platz
unter den Großen Vier einnahm, gab es zu
verstehen, daß es, bis alle diese Forderungen
erfüllt seien, bei allen Entscheidungen des
Kontrollrats, die Deutschland als wirtschaftliche
Einheit behandeln würden, Veto einlegen werde,
was es denn auch tat - sogar bis zu einem so feinen
Punkt, daß es eine Briefmarke ablehnte. Bei der Blockierung einer einheitlichen
wirtschaftlichen Verwaltung, war Frankreich jedoch
in keiner Weise allein. Rußland machte fast
ebensolche Schwierigkeiten, und wäre
wahrscheinlich noch schwieriger gewesen, wenn
Frankreich nicht so zuvorkommend gewesen wäre.
Sogar Britannien und die Vereinigten Staaten
zögerten nicht sich querzustellen, wenn immer
es zum Vorteil für ihren Eigennutz zu sein
schien. Da es also keine "Übereinstimmung in den
Entscheidungen" gab, die für alle
einheitlichen Aktionen erforderlich war, wurde das
Reich in vier wirtschaftlich unzulängliche und
unausgeglichene "luftdichte" Abteilungen
aufgeteilt, von der jede ausschließlich von
der es besetzenden Macht verwaltet wurde, als
wäre sie eine Kolonie oder ein Protektorat.
Die zonalen Grenzen waren schwieriger zu
überbrücken, als Grenzen internationaler
Staaten, da sie solche Barrieren zu interzonalem
Verkehr bildeten, daß, wie gering auch der
Handel war, es ein Tauschhandel sein mußte,
der durch einen besonderen Vertrag vereinbart
war.[23] Wenn auch die wirtschaftliche Zersplitterung
allein schon die Garantie für ein
wirtschaftliches Durcheinander gewesen wäre,
kann sie gerechterweise nicht als Vorwand für
alle Sünden Potsdams hingestellt werden, noch
für die Defizite in der britischen und
amerkanischen Zone. Sogar wenn es die zonalen
Teilungen nicht gegeben hätte, würden die
anderen harten und repressiven Maßnahmen von
Potsdam eine wirtschaftliche Lähmung
Deutschlands gesichert haben. Indem sie diese eindeutige Tatsache völlig
ignorieren, finden es viele Beamte
zweckmäßig, die ganze Schuld den
Zonengrenzen zuzuschieben und zu argumentieren,
daß, wenn diese verschwinden würden,
Potsdam von einem kläglichen Fehlschlag in
einen glänzenden Erfolg verwandelt werden
könne. Diese These könnte sie in die Lage
versetzen, den ungeheuren Fehler, der Potsdam in
Wirklichkeit ist, nicht zugeben zu müssen, sie
dient aber auch als Sperre dafür, die
notwendigen Schritte zu unternehmen, das Problem im
wesentlichen auszuräumen. Als Allheilmittel für alle deutschen
verwaltungstechnischen Krankheiten vorgebracht,
wurde der wirtschaftliche Anschluß so vieler
Zonen wie möglich das Hauptziel unserer
Zonenbeamten. Indem sie versuchten,
französischen und russischen Widerstand zu
brechen, boten sie an, das Reich in eine Anzahl
zusammengeschlossener Staaten zu zerteilen und eine
Entwaffnung für die Dauer von 25 oder sogar 40
Jahren zu garantieren. Nachdem dieses Angebot
abgelehnt wurde, weil es vollkommen
unzulänglich sei und zum Krieg führen
würde, boten sie an, die amerikanische Zone
wirtschaftlich "mit einer, zwei oder drei anderen
Zonen" zusammenzulegen."[24] Als er dieses
Angebot machte, bemerkte Oberbefehlshaber General
McNarney von der Amerikanischen
Militäterregierung: Wenn auch Rußland und Frankreich den
Vorschlag ablehnten, Großbritannien nahm ihn
an, und damit wurde die Aufgabe in Angriff
genommen, die Britische und die Amerikanische Zone
wirtschaftlich zu vereinigen. Wenn auch ein solcher wirtschaftlicher
Zusammenschluß gemacht werden kann, sogar
ohne Vorhandensein einer politischen Einheit, was
zweifelhaft ist, wäre das aber nur ein kurzer
Schritt auf einem langen Weg, der gegangen werden
muß, bevor eine substantielle dauernde
Verbesserung von Deutschlands Elend erreicht werden
kann. Andererseits teilt der Zusammenschluß
das Reich zwischen Ost und West und verstärkt
und verbittert den Konflikt zwischen beiden. Anmerkungen: |