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III. IM BANAT (1)

1. Hier floß unschuldiges Blut in Strömen
Das Banat war nach dem deutschen Feldzuge gegen Jugoslawien während der ganzen Zeit des Krieges von deutschen Truppen besetzt. Die staatlichen Organe unterstanden der serbischen, von General Nedic in Belgrad gebildeten Regierung. Soweit einheimische Deutsche als staatliche Organe und bei Behörden Verwendung fanden, geschah dies ausschließlich im Namen der serbischen Regierung in Belgrad und nur in Gebieten mit einheimischer deutscher Bevölkerung und in deren anteilmäßigem Verhältnis. Zweifellos wäre manche Maßnahme der deutschen Militärstellen härter ausgefallen, wenn sich das einheimische Deutschtum des Banates nicht immer wieder zugunsten seiner serbischen Mitbewohner des Landes eingesetzt und, wo es möglich war, für Abschwächung und Milderung oft bereits schon in Durchführung befindlicher Maßnahmen gesorgt hätte.

Die Partisanen haben ein dermaßen systematisches Vernichtungswerk gegen die deutsche Bevölkerung eingeleitet, daß nur geringe Bruchteile noch am Leben geblieben sind. Das besondere Charakteristikum dieses Vernichtungswerkes war die grausame und blutige Art seiner Durchführung. Die Einteilung des Landes in genau abgegrenzte Planungs- und Durchführungsbereiche bestand auch hier. Mit Rücksicht auf die bei der Bearbeitung der Vorkommnisse in der Batschka beobachteten Darstellung dieser Systematik ist im Falle des Banates, um Wiederholungen zu vermeiden und die Schilderungen mit zwar wichtigen aber im Endergebnis doch noch zutage tretenden Einzelheiten nicht zu belasten, auf eine eingehende Behandlung der Systematik und der Gleichartigkeit der Methoden verzichtet worden. Wie kaum von einem anderen Gebiete des deutschen Siedlungsraumes wird man von dem Banate sagen können, daß hier wirklich Blut in Strömen floß. Wiederholt erschienen an einem einzigen Tage in fast allen Orten einzelner Bezirke Liquidierungskommandos, die von den örtlichen Organen die Namhaftmachung deutscher Männer und Frauen für Massenliquidierungen verlangten. So häufig sich die örtlichen, meist einheimisch-serbischen Organe auch dagegen gewehrt und manchenorts doch das Leben vieler abtrotzen konnten, so häufig haben sich diese Mordtrupps aber auch über Einsprüche und Interventionen einheimischer Serben hinweggesetzt und oft auch alle deutschen Bewohner des Ortes bis auf das letzte Kind liquidiert.

Pardanj
Wie erschütternd aber im Banate auch Einzelschicksale und Erlebnisse ganzer Familien und Verwandtschaften sein konnten, zeigt die Schilderung der aus Pardanj stammenden Frau Apollonia Schütz:
"Wir sind am 18. April 1945 von Pardanj weggetrieben worden. Mein Mann blieb in Pardanj, während ich und die Kinder mit den alten und arbeitsunfähigen Leuten und Kindern nach Stefansfeld getrieben wurden. Wir waren 450 Personen. Meine Schwester und deren Tochter sind mit ihren beiden Kindern, die eineinhalb und zweieinhalb Jahre alt waren, ebenfalls mit nach Stefansfeld gebracht worden. Die Mutter der Kinder erkrankte im August an Hungertyphus. Als wir am 28. September nach Molidorf gebracht wurden, mußten wir sie zurücklassen. In Molidorf hörten wir von unseren getrennten Angehörigen nichts mehr, weder von meinem Manne noch von meiner Nichte. Als Nahrung erhielten wir pro Kopf und Tag sieben Dekagramm Brot aus Maisschrot und einen Schöpflöffel voll leere Suppe ohne Fett und Salz. Von Weihnachten bis März erhielten wir diese Zuteilungen, aber auch nur zwei- bis dreimal in der Woche. Zeitweise war der Maisschrot auch in die Suppe eingekocht und mit Kalisalz gesalzen. Von den am 28. September 1945 nach Molidorf gebrachten 126 Personen (100 Frauen und 26 Männer) aus Pardanj lebten im August 1946 noch neun Frauen und ein Mann.

Meine Schwester wollte ihre zwei Enkelkinder nicht verhungern lassen. Sie schlich sich aus dem Lager und vertauschte ihre Kleider in den Nachbardörfern gegen Lebensmittel. Eines Tages ist sie mit noch fünf Frauen und drei Kindern aus Stefansfeld nach Tova gegangen. Als der Lagerkommandant von diesem verbotenen Unternehmen erfuhr, umstellte er Molidorf mit Wachposten, die in Zwischenräumen von 300 Metern in der Nacht auf die Rückkehr der Frauen warten, sie gefangennehmen und einsperren sollten. Die Frauen waren am Abend des 6. August fortgegangen und kehrten am 8. August um Mitternacht zurück. Die eingetauschten Lebensmittel wurden ihnen gleich weggenommen, sie selbst zum Erschießen weggeführt. Kaum waren sie einige Meter in der Gasse geführt worden, als ein Schuß fiel, der meine Schwester traf. Sie stürzte gleich zu Boden. Unter Fluchworten trat ihr der Partisane näher und schoß ihr noch mit einem Dum-Dum-Geschoß in den Bauch, das ihr den Unterleib aufriß und die Gedärme heraustraten. Er ließ sie dort liegen und führte die übrigen zu dem Lagerkommandanten. Meine Schwester blieb an der Stelle liegen und lebte noch bis 4 Uhr. Dann war sie verblutet und starb. Während sie noch lebte und in Schmerzen stöhnte, trat ein etwa 14jähriger Partisane an die Sterbende heran, beschimpfte sie, nahm einen Stein und schlug ihn ihr auf den Kopf. Niemand traute sich vor Angst sonst in die Nähe der Sterbenden. Ich erfuhr von ihrem tragischen Schicksal erst um 6 Uhr morgens. Ich ging sogleich zu ihr. Zu dieser Zeit stand der Partisane, der die Sterbende geschändet hatte, noch bei ihr. Er überfiel mich und schlug mich mit dem Gewehrkolben. Dann führte er mich zum Kommandanten. Meine Schwester mußte den ganzen Tag an der heißen Sonne liegen bleiben, doch gestattete mir der Kommandant, sie mit einer Decke zuzudecken.

Der Mann meiner Schwester war mit noch 100 Stefansfeldern schon früher nach Cernje geführt worden, wo er mit 68 Stefansfeldern auch erschossen wurde. In Cernje sind bei einer anderen Gelegenheit auch 85 Pardanjer erschossen worden. Unter diesen war mein zweiter Schwager. Meine in Stefansfeld erkrankte Tochter wurde später nach Rudolfsgnad gebracht, ebenso mein Mann. Sie starben beide dort den Hungertod. Meine zweite Schwester blieb in Stefansfeld. Auch ihr Mann wurde erschossen. Ein Sohn meines Bruders wurde, als er über die Grenze nach Rumänien flüchten wollte, von den Grenzern erschossen. Ebenso auch sein Sohn und der meines anderen Bruders. Von der Familie meiner Schwester sind nur die kleinen Kinder am Leben geblieben, die ich dann später mit nach Österreich nahm."

2. Im Norden des Banates tobte die Mordlust

Sanad
Der äußerste Norden des Banates hatte nur eine geringe deutsche Bevölkerung. Die Vernichtung des Deutschtums des Nordbanates wurde meist in den Orten selbst und in dem Bezirksort Neu-Kanischa, aber auch in anderen Orten des Banates, namentlich in Kikinda, vollzogen.

Ganz im Norden des Banates lag auch die gemischtsprachige Ortschaft Sanad. In dieser Gemeinde wurden am 20. Oktober 1944 alle deutschen Männer verhaftet und in den Bezirksort Neu-Kanischa (Novi Knezevac) fortgetrieben und dort eingesperrt. Durch mehrere Tage sind sie von Partisanen, die Lust dazu hatten, fürchterlich mißhandelt worden. Am 25. Oktober wurden sie dann alle erschossen. Nur ein einziger deutscher Mann dieser Ortschaft konnte im letzten Augenblick über die nahe Grenze nach Ungarn fliehen. Nach den Männern kamen dann auch die deutschen Frauen an die Reihe. Die erste Gruppe von diesen wurde gleich nach der Ermordung der deutschen Männer in den genannten Bezirksort gebracht und dort erschossen. Die anderen deutschen Frauen und Kinder trieb man aber am 8. Dezember 1944 aus ihrer Heimat fort. Sie kamen zum größten Teil ins Lager nach Kikinda. Dort wurde am 17. Dezember 1944 gegen Abend im Lager selbst eine Gruppe von 64 Frauen erschossen. 32 deutsche Frauen aus Sanad befanden sich unter diesen Opfern. Nur fünf von allen Frauen aus Sanad blieben im Lager Kikinda am Leben. Im März 1945 waren die neuen Behörden von Sanad darauf gekommen, daß noch vier deutsche Frauen in vollkommener Zurückgezogenheit versteckt in einem Hause der Gemeinde Sanad lebten. Es waren dies Frau Krämer mit ihren beiden Töchtern und noch eine andere alte Frau. Alle diese wurden sogleich ausgehoben und ebenfalls in den Bezirksort Neu-Kanischa getrieben, um dort erschossen zu werden. Als die Partisanen Anstalten machten, eines der Mädchen doch nicht zu erschießen, erklärte es, nicht am Leben bleiben zu wollen, wenn die anderen drei erschossen werden sollten. Darauf wurden alle vier getötet.

Kikinda
Ganz im Norden des jugoslawischen Banates lag die Stadt Kikinda (Großkikinda). In der Stadt selbst lebten über 20.000 Einwohner. Ungefähr ein Drittel davon waren Deutsche. Aus Serben und Ungarn bestand die übrige Bevölkerung. In der Umgebung der Stadt aber befand sich noch eine beträchtliche Anzahl anderer Ortschaften mit deutschen Einwohnern. In nächster Nähe lag das rein deutsche Dorf Nakovo mit gegen 5.000 Seelen. Die deutschen Gemeinden Heufeld und Mastort waren im Osten. Im Nordosten aber lagen die sogenannten "Welschen Dörfer" St. Hubert, Scharlevil und Soltur. Die Väter ihrer Bewohner waren Franzosen gewesen. Sie stammten aus Elsaß-Lothringen und sind schon vor 200 Jahren, zur Zeit der Kaiserin Maria Theresia, in dieser Gegend, in der sogenannten "Heide", zusammen mit den Deutschen auf dem damals durch die Türken verwüsteten und menschenleeren Lande angesiedelt worden. Sie lebten in allerschönster Harmonie mit den Deutschen der Umgebung, mit deren Schicksal das ihrige seit Generationen eng verbunden war, und sind im Laufe der Zeit zu deutschsprechenden Menschen geworden. Angefangen vom Oktober 1944, nachdem die Russen von Rumänien her ins Land einmarschiert waren und den jugoslawischen Partisanen und Kommunisten die Macht im Banate übergeben hatten, wurde auch ihnen alles, was sie hatten, weggenommen. Sie selbst wurden von Haus und Hof vertrieben, in langen Kolonnen in die Bezirksstadt Kikinda geschleppt, von dort in die verschiedenen Konzentrationslager gebracht und vernichtet.

Rose Mularczyk aus Heufeld bei Kikinda berichtet:
Am 20. Oktober wurden wir nachts um 24 Uhr von serbischen Partisanen aus dem Bett geholt, 82 Männer und 22 Frauen. Wir kamen ins Gemeindehaus und blieben dort bis zum Morgen eingesperrt. Am nächsten Tag mußten wir zu Fuß nach St. Hubert gehen. Auf diesem Wege wurden alle Männer, besonders diejenigen, die an der Seite der Kolonne gingen, entsetzlich geschlagen. Am meisten mißhandelt wurde mein Landsmann Bieding. Dieser wurde so geschlagen, daß er zweimal zusammenstürzte. Er war bereits völlig mit Blut besudelt und blau geschlagen. Am Abend desselben Tages ging es von St. Hubert gleich weiter nach Kikinda. Zunächst kamen wir dort ins Gerichtsgebäude, alle Frauen wurden in einer kleinen Zelle untergebracht. Am 22. Oktober wurden wir in die Milchhalle übergeführt. Die ganze Nacht hindurch wurden wir von zwei Russen belästigt. Fünf Tage lang bekamen wir überhaupt nichts zu essen. Am 2. November brachten Partisanen eine weitere Gruppe Männer und Frauen, etwa 100 an der Zahl, genau weiß ich das nicht mehr, aus meinem Heimatort nach Kikinda zu uns ins Lager.

Am 3. November war ich Augenzeuge der ersten Abschlachtung einer größeren Gruppe Männer. Einzeln wurden die Leute auch vorher schon beseitigt. Diese Gruppe Männer, es waren 22, zwei davon waren aus unserer Nachbargemeinde Mastort, die ich kannte, es waren ein gewisser Schlotter und Deni, wurden bestialisch hingemordet. Zunächst wurden die Männer nackt ausgezogen, mußten sich hinlegen, und es wurden ihnen die Hände auf den Rücken gebunden. Dann wurden alle mit Ochsenriemen entsetzlich geprügelt und man schnitt ihnen nach dieser Tortur bei lebendigem Leibe Streifen Fleisch aus dem Rücken, anderen wurden die Nasen, Zungen, Ohren oder Geschlechtsteile abgeschnitten. Die Augen wurden ihnen ausgestochen und zwischendurch wurden sie immer weiter geprügelt. Auch mit Geißeln wurden die unglücklichen Opfer geschlagen. Ich selbst befand mich zu diesem Zeitpunkt noch mit einer Gefangenen in einem Zimmer im Erdgeschoß der Milchhalle und konnte alles mitansehen. Die Gefangenen schrien und wanden sich in Krämpfen. Dies dauerte etwa eine Stunde, dann wurde das Schreien leiser, bis es zuletzt ganz verstummte. Noch am nächsten Tag, wenn wir über den Hof gingen, lagen überall Zungen, Augen, Ohren und dergl. menschliche Körperteile herum, außerdem war der ganze Hof mit gestocktem Blut bedeckt.

Am nächsten Tag mußten wir, alle Frauen und Mädchen in die Arbeit gehen. Und zwar putzten wir am Bahnhof Ziegel und luden Steine auf. Etwa am 10. November brachten die Partisanen und Russen einen Transport von ungfähr 280 Kriegsgefangenen, bis auf 6 Italiener und 2 Ungarn alles Deutsche. Diese Soldaten konnten kaum mehr laufen, waren vollkommen zerlumpt und erschöpft. Ich hörte zufällig, wie ein Russe, der den Transport mitbegleitet hatte, zu einem Partisanen sagte, daß die Kriegsgefangenen seit sechs Tagen weder zu essen noch zu trinken bekommen hätten. Wenn sich einer bückte, um aus einer Wasserlache am Boden zu trinken, wurde er sofort erschossen. Sie bekamen auch in Kikinda nichts, sondern wurden gleich alle in den Keller eingepfercht. Drei Tage blieben die Gefangenen dann im Keller, ohne zu essen und trinken zu bekommen, sie wurden fortwährend mißhandelt. Dann wurden sie aus dem Keller geholt und weggeführt. Die meisten von ihnen konnten nicht mehr laufen und wurden wie ein Stück Vieh auf Wagen geworfen und dann weggefahren. Die Kolonne setzte sich in Richtung Schindanger in Bewegung, von dort hörte man dann eine Weile Schießen. Wie wir später erfuhren, wurden alle Soldaten dort am Schindanger erschossen und eingescharrt.

Da wir Frauen und Mädchen uns durch die Aufräumungsarbeiten, die wir im Hause verrichten mußten, etwas freier bewegen konnten, habe ich immer wieder versucht, unseren gefangenen Dorfgenossen, unter denen sich auch meine nächsten Anverwandten befanden, Wasser zu bringen. Aber man konnte ihre Leiden nur wenig lindern, sie waren durch die Mißhandlungen derart apathisch und stumpf geworden, vielfach waren sie zur Unkenntlichkeit geschlagen.

Mein eingangs erwähnter Landsmann Bieding hatte den Verstand verloren, er kroch auf allen Vieren herum und bellte wie ein Hund. Dieser Mann hatte seit unserer Verschleppung aus Heufeld noch nichts anderes zu essen bekommen als einige grüne Futterrüben. Außerdem war er ständig den schwersten Mißhandlungen ausgesetzt.

Etwa acht Tage, nachdem die Kriegsgefangenen erschossen worden waren, es war an einem Freitag, begann man damit, die volksdeutschen Männer hinzumorden. Man fragte zunächst, wer krank sei, damit man die Kranken ins Krankenhaus schaffen und diesen dann eine Pflege angedeihen lassen könne. Nachdem sich die Kranken gemeldet hatten, mußten sie sich hinter der Milchhalle im Hof aufstellen, vollkommen ausziehen und wurden dann dort abgeschlachtet. Wir hörten in der Milchhalle die gellenden Schreie der Opfer. Wir Frauen bekamen etwas zu essen, während die Männer gar nichts erhielten. Später kamen auch noch andere Frauen in die Milchhalle, aus Kikinda und anderen Nachbarorten. Zivilisten durften nicht an die Milchhalle herankommen, weil die Partisanen jeden, der sich dem Stacheldraht näherte, niederschossen.

Freitag, Samstag und Sonntag wurden immer eine Menge Leute abgeschlachtet. Wenn man dann durch den Hof ging, fand man nichts als Blut, Augen, Ohren, Zungen, Nasen, usw. Es war entsetzlich! Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag wurde dazu benutzt, um das Lager wieder neu aufzufüllen, Leute aus der Umgebung wurden hereingetrieben. Am Freitag ging dann die Schlächterei von neuem los. Später konnte ich nicht mehr zusehen, aber wir hörten alle. Die Opfer, wie sie schrien, und die Partisanen, wie sie sich lustig machten. So hörte ich zum Beispiel einmal, wie ein Partisane schrie: "Schau einmal, der hoppst ja noch wie ein Hase und der dort schlägt ein Rad" und dergleichen mehr.

Oftmals mußten sich Männer zu dritt nebeneinander hinknien, bekamen dann einen Genickschuß und flogen so gleich auf einen Haufen. Eine deutsche Frau aus der Gemeinde Mokrin, deren Mann ein Russe war, war ebenfalls bei uns eingesperrt. Einmal briet sie sich Kartoffeln, und als ein Partisane dazukam, wurde sie entsetzlich geprügelt, und wir anderen alle mußten zusehen. Dann kam die Frau zu den Männern in den Keller. Dort wurde sie mit einigen Männern zusammengebunden und alle mußten sich auf den Boden legen. Daraufhin trampelten die Partisanen auf ihnen herum. Dann wurden jedem einzelnen die Hände und die Füße zusammengebunden und alle mußten auf und nieder exerzieren. Die meisten blieben liegen, weil sie einfach nicht mehr konnten. Später holte man sie alle weg, auch die Frau, man fuhr mit ihnen in Richtung Schindanger, man hörte wiederum Schüsse.

Bis Ende November war ich bei den Partisanen in der Küche, dann wurde ich mit 19 anderen Frauen in die Stadt auf Arbeit geschickt. Sechs von uns, darunter auch ich, wurden weggeholt und in ein Geschäft geführt. Dort mußten wir Kleider herausräumen. Die anderen Frauen mußten Kleider waschen gehen, und zwar waren das alles Kleider der ermordeten Männer. Nach etwa vier Tagen mußten wir wieder in dieses Geschäft gehen und durften auch abends nicht mehr in das Lager zurück, sondern mußten dort schlafen. Einmal in der Nacht kam ein Auto und brachte wieder Kleider. Diese waren vollkommen mit Blut besudelt und teilweise auch durchlöchert.

Auch die Reverenda eines Pfarrers (Pfarrer Adam aus St. Hubert) war dabei. Am Abend mußten wir dann alle diese Kleider in einer Stube auf einen Haufen legen, und dort sahen wir, daß diese Stube fast bis an die Decke voll Kleider gefüllt war. Am nächsten Tag mußten wir diese Kleider wiederum holen, in den Keller schaffen und sortieren. Da fanden wir auch Kleidungsstücke von unseren Landsleuten, die verschwunden waren, und wir nicht wußten, wo sie sind. Darunter waren auch Kleidungsstücke unseres Lehrers Retzler. Diese Kleider waren wie ein Sieb durchlöchert und blutig, ein Zeichen, daß der Lehrer gegeißelt und gefoltert worden war. Die folgenden Tage mußten wir dann diese Kleider waschen und bügeln, und manche Frau fand Kleider oder Wäschestücke von ihrem Mann oder anderen Anverwandten.

Im Lager in Kinkinda befand sich auch ein Mädchen aus Charleville. Dieses war in der Kanzlei beschäftigt und mußte alle Männer aufschreiben, die ermordet oder gestorben waren. Und zwar kam es deshalb in das Lager, weil es einen serbischen Partisanen nicht heiraten wollte. Dieser denunzierte es und daraufhin sollte es erschossen werden. Es mußte sich sogar sein Urteil selbst schreiben. Dann wurde es im Keller eingesperrt und die Türe sogar zugenagelt. (Das war bei Todeskandidaten immer der Fall.) Durch alles, was dieses Mädchen gesehen und erduldet hatte, hatte es die Nerven vollkommen verloren und bei Annäherung irgendeiner Person gebärdete es sich wie eine Irre und stieß ein fürchterliches Angstgeschrei aus. Der politische Kommissar in Kikinda, der ebenfalls Gefallen an dem Mädchen gefunden hatte, widerlegte dann die Beschuldigungen des anderen Partisanen, und so kam das Mädchen aus der Einzelhaft. Es wurde dann mit den anderen nach Rußland verschleppt.

Am 26. Dezember gelang es uns bei den Partisanen nach vielem Reden, daß sie uns gestatteten nach Hause zu gehen und uns Kleider zu holen. Am 27. Dezember früh um 3 Uhr wurden wir einwaggoniert und nach Rußland zur Zwangsarbeit verschleppt. Für viele von uns war dies sogar eine Erlösung".

Das größte Vernichtungslager dieser Gegend ist in der Stadt Kikinda selbst errichtet worden, und zwar in dem Gebäude der Milchhalle am Ostrande der Stadt. Ungeheuer viele Deutsche beiderlei Geschlechts sind hier grundlos und ohne Verfahren getötet worden. Zuerst vertrieben die Partisanen die Deutschen von Kikinda, Frauen, Männer und Kinder, aus ihren Häusern, steckten sie ins Konzentrationslager, nahmen ihnen alles weg, setzten sich in ihre Wohnungen und verteilten ihre Habe unter sich. Die Deutschen aber töteten sie dann der Reihe nach in den Lagern. Wann immer die Partisanen hierzu Lust empfanden, holten sie sich Gruppen bis zu hundert deutscher Menschen und darüber hinaus und brachten sie um. Meist haben die Partisanen die auserwählten Opfer vorher noch grausam gefoltert und dann erst erschlagen oder mit Messern wie Schweine abgeschlachtet oder in großen Gruppen erschossen. Die erste öffentliche Massenerschießung fand hier bereits am 8. Oktober 1944 statt. 28 Deutsche wurden an diesem ersten Tage getötet. Dies ging dann so weiter fast Tag für Tag. Zuerst liquidierten sie die wohlhabenden Leute des ganzen Bezirkes, um sie aus der Welt zu schaffen und über das ihnen abgenommene Gut niemanden Rechenschaft geben zu müssen. Unter den ersten Opfern befanden sich auch die Intellektuellen, darunter auch Pfarrer Michael Rotten aus Kikinda. Er wurde schon in den ersten Tagen der Partisanenherrschaft erschossen.

Nakovo
Als schon sehr viele Deutsche aus Kikinda selbst getötet waren und im Lager wieder Platz war, brachten die Partisanen auch aus den Gemeinden der Umgebung die Deutschen zur Liquidierung hierher. Eines Abends im Monat Oktober 1944 wurden 68 Männer gefesselt aus Nakovo gebracht. 3 Tage hielt man sie zuerst eingesperrt. Während dieser Zeit wurden sie ständig von einer großen Gruppe von Partisanen fürchterlich gefoltert. Wer immer von den Partisanen sich auszutoben Lust hatte, durfte diese wehrlosen Deutschen nach Belieben mißhandeln. Insbesondere brachte man den Opfern durch Kolbenstöße von rückwärts Nierenverletzungen bei, warf sie zu Boden, sprang ihnen auf den Bauch, schlug ihnen die Zähne ein, brach ihnen Rippen und mißhandelte sie auf alle möglichen anderen Arten. 3 Tage und Nächte dauerte diese Folter. Dann schleppte man sie aus der Stadt hinaus. Es war gerade an einem Sonntag vor Sonnenaufgang. In der Nähe des Friedhofes, aber außerhalb des Friedhofzaunes, wurde ein großes Loch gegraben. Die Männer aus Nakovo, welchen noch 3 Männer aus Kikinda beigeschlossen wurden, so daß es insgesamt 71 waren, mußten sich beim Friedhof nackt ausziehen, damit ihre Kleider und Schuhe von den Partisanen verwertet werden konnten. Dann wurden sie mit Draht aneinander gebunden und unter ständigen Mißhandlungen und Kolbenhieben an das Loch herangetrieben. Hier wurden sie dann von den Partisanen beim Morgengrauen mit Messern wie Schweine abgeschlachtet und ins Grab geworfen. Ein einziger, der aus verständlichen Gründen hier nicht genannt werden kann, konnte sich im letzten Moment, knapp bevor auch er hätte geschlachtet werden sollen, von den Fesseln freimachen. Ganz nackt lief er davon. Er hatte Glück. Man schoß ihm zwar nach, traf ihn in der Morgendämmerung aber nicht. Er eilte der nahen rumänischen Grenze zu und hat sie auch erreicht. Die neuen Stadtbehörden von Kikinda aber haben darauf durch Plakate bekanntmachen lassen, daß 71 Deutsche weniger am Leben seien.

In Nakovo war Franz Heß der erste Deutsche, der liquidiert wurde. Ihn haben Partisanen Anfang Oktober 1944 erschlagen. Josef Kemper wurde auf seinem Wagen erschossen, als er von der Arbeit nach Hause gefahren kam. Johann Küchel wurde am 13. Mai vor dem Gemeindehaus von Partisanen erschossen. Nikolaus Hubert ist in einem Heuhaufen erschossen aufgefunden worden. Auch Johann Junker ist in der Gemeinde selbst grundlos erschossen worden. Am 22. Dezember 1944 trieb man dann alle übrigen Männer von 16 bis 60 Jahren nach Kikinda ins Lager und am 18. März 1945 auch die Männer, welche älter als 60 Jahre waren. Man brachte sie, 80 an der Zahl, zu schweren Holzarbeiten in den Wald bei Mramorak. Alle sind dort infolge der schlechten Behandlung gestorben. Auch der langjährige deutsche Bürgermeister von Nakovo, Johann Blaßmann, war unter diesen Opfern.

St. Hubert - Scharlevil - Soltur
Am 31.Oktober 1944 blockierten starke Partisanenabteilungen auch die drei welschen Gemeinden St. Hubert, Scharlevil und Soltur. Alle Männer, welche man vorfand, es waren ihrer gegen 300, wurden noch am selben Tage nach Kikinda ins Konzentrationslager getrieben. Im Lager gab man ihnen 8 Tage lang keine Nahrung, trieb sie aber trotzdem tagsüber immer auf schwere Zwangsarbeiten. Wenn sie abends ins Lager zurückgebracht wurden, mußten sie immer antreten. Dann suchten die Partisanen jedesmal eine Anzahl von ihnen aus, welche gleich noch in derselben Nacht ohne Grund und ohne Verfahren erschossen, erschlagen oder zu Tode gefoltert wurden. Eines der ersten Opfer aus dieser Gruppe bildete der als Obmann der landwirtschaftlichen Genossenschaft "Agraria" überall bekannte und geschätzte, fortschrittliche Landwirt Adam Weißmann aus Scharlevil und sein 15jähriger Sohn. Am 3. November 1944 wurden alle Bauern mit größerem Vermögen sowie diejenigen, die körperlich besonders stark und kräftig waren, in ein und derselben Gruppe gemeinsam erschossen. Sie wurden hinter das Lager geführt. Dort wurden sie zuerst fürchterlich geschlagen, dann mußten sie sich nackt ausziehen, sich auf die Erde legen, wurden dann geschlagen, mit Kolben gestoßen und schließlich durch Genickschüsse getötet. Die Leichen dieser Toten wurden nachträglich mit Wagen weggeführt. Am 4. November abends wurden abermals nach der Rückkehr von der Zwangsarbeit 40 Männer im Lager ausgesucht. Auch sie mußten sich nackt ausziehen und wurden neben dem Lager erschossen. Ihre Leichen wurden hinter der Milchhalle, neben der Eisenbahnstrecke, eingegraben.

Am 5. November mußten alle Lagerinsassen den ganzen Tag im Lagerhof auf der Erde auf ein und demselben Platz sitzen. Am Abend wurden abermals 120 Männer ausgesucht. Es waren dies fast ausschließlich Leute aus den "welschen Dörfern". Auch der Pfarrer Adam aus St. Hubert war darunter. Eine schwer bewaffnete Frau in Partisanenuniform zog ihn, der in seinem schwarzen Priesterkleid besonders auffiel, aus der Einteilung heraus und mißhandelte ihn fürchterlich, unterstützt von anderen Partisanen, nur deshalb, weil er Priester war. Die Partisanin schlug ihn mit einem Ochsenziemer derart, daß dem Pfarrer der Talar über seinem Rücken aufriß. Sie gab ihm darauf Ohrfeigen, schlug ihn mit dem Gewehr und gab ihm Tritte mit den Füßen u.ä.m. Er aber mußte ruhig stehen. Sie schrie, daß man Pfarrer im neuen Jugoslawien nicht mehr brauche und daß er deshalb auch erschossen werde. Er hat als Märtyrer ruhig alles ertragen. Gleich darauf mußten alle 120 Männer, zu welchen man später noch einige andere hinzuschickte, mit Pfarrer Adam an der Spitze wegtreten und sich nackt ausziehen. Sie wurden mit Draht aneinander gebunden, mußten nackt unter einem Stacheldraht hindurchkriechen und bekamen hierbei von rückwärts und von oben noch fürchterliche Gewehrkolbenstöße in den Rücken und Schläge mit Stöcken. Schließlich wurden sie alle hinter dem Lager mit Maschinengewehren erschossen. Unter den Opfern befand sich auch ein Knabe namens Banweg Peter aus der französischen Gemeinde Soltur. Dieser rief noch im letzten Moment, als die Partisanen auf die 120 gefesselten, nackten Männer schon geschossen hatten, mit lauter Stimme: "Es lebe die Heimat" und bracht dann ebenfalls tot zusammen.

Unter den erwähnten 120 Männern hatte sich am Abend, während der Erschießung, auch der Landwirt Johann Tout aus Soltur befunden. Er bekam bei der Erschießung nur einen Streifschuß am Kopf und war nur bewußtlos. Lange lag er unter den anderen Leichen, die über Nacht nicht beerdigt worden waren. Im Laufe der Nacht erlangte er wieder das Bewußtsein, machte sich los und flüchtete in sein Heimatdorf Soltur. Er war ganz nackt. Dort hielt er sich 10 Tage versteckt auf. Zurückgebliebene Frauen pflegten seine Wunde. Davon aber erhielten die neuen Behörden Kenntnis. Der Fall war ihnen unangenehm. Sie verhafteten ihn daher von neuem und schleppten ihn in die Ortschaft Cernje. Dort haben sie ihn dann erschossen.

Eine Woche später fand im Lager Kikinda abermals eine grausame Massenerschießung statt. Es wurden an einem Vormittag alle deutschen Kriegsinvaliden des Bezirkes, welche noch aus der Zeit des ersten Weltkrieges lebten, und andere ältere, arbeitsunfähig gewordene deutsche Männer umgebracht. Diese hatte man in einem Keller des Konzentrationslagers eingesperrt gehalten. Sie wurden an diesem Tage gefesselt und geschlagen und ebenfalls hinter das Konzentrationslager geführt. Dort war schon ein großes Loch ausgegraben. Sie mußten sich nackt ausziehen und die Kleider und Schuhe hergeben. Lange ließ man sie darauf in der Kälte warten, so daß einer der alten Kriegsinvaliden ungeduldig wurde und den Partisanen zurief, daß man sie als alte Leute nicht länger quälen, sondern lieber gleich erschießen solle. Nach einer Weile befahlen ihnen dann die Partisanen, sich in das Loch hineinzulegen. Wer aber nicht ging, wurde hineingestoßen. Dort lagen sie dann in der Erde, einer neben dem anderen, und weil das Loch zu klein war, zum Teil auch übereinander, während die Partisanen von oben auf sie ins Grab hineinschossen. Sie wurden darauf ohne Rücksicht, ob sie tot waren oder nicht, sogleich zugeschaufelt.

Am Tage nach der Ermordung aller Kriegsinvaliden wurden in diesem Lager wieder 100 andere deutsche Zivilisten umgebracht. 60 davon waren aus der Ortschaft Baschaid und 40 aus Kikinda. Sie alle aber wurden ganz genau so liquidiert wie die Kriegsinvaliden tags zuvor. Da den Partisanen nach der Ermordung der deutschen Männer auch die Zahl der noch lebenden alten deutschen Frauen zu groß schien, haben sie auch diese umzubringen begonnen. Am 17. Dezember 1944 wurden die ersten Frauen erschossen. Ohne Grund und Ursache wurden am Abend des genannten Tages 64 ausgesucht. Es waren dies zumeist ältere Frauen, die nicht mehr arbeiten konnten. 32 von diesen stammten aus der Ortschaft Sanad. Sie wurden alle gemeinsam unmittelbar hinter dem Lager erschossen.

So gab es im Lager Kikinda grundlose Massenhinrichtungen durch mehrere Wochen hindurch, bis von den vielen tausenden Deutschen des dortigen Bezirkes nur mehr wenige im Lager lebten. Dazu aber wurden auch ständig fast alle jene, welche bei den Zwangsarbeiten arbeitsunfähig geworden waren oder erkrankt sind, noch einzeln auf die verschiedensten Arten umgebracht, erschlagen oder erschossen. Gegen 1.000 dieser Opfer liegen am Felde unmittelbar hinter der einstigen Milchhalle begraben. Nach Monaten hat sich dort die Erde gesenkt. Schweine, die dort wühlten, und Hunde zogen oft einzelne Körperteile von diesen toten Menschen heraus. Als man das in der Stadt erfuhr, ließen die Behörden die Erde über diesen Gräbern wieder gleichmachen, ackern und Gerste anbauen, damit man nichts mehr sehe.

Auch später war das Konzentrationslager Kikinda wegen der Grausamkeit, mit welcher hier die Überlebenden behandelt wurden, besonders stark verrufen. Im Sommer 1946 ist ein junger Mann aus dem Lager entflohen. Wegen dieser Flucht wurden alle anderen Lagerinsassen grausam bestraft. Sie alle mußten im Lagerhof antreten und 3 Tage hindurch tagsüber in der Julisonne auf ein und demselben Platze stehen. Während dieser 3 Tage bekamen sie keine Nahrung. Wer aber wackelte, mußte sich auf die Zehen stellen. Diesem haben die Partisanen dann ein Brett, aus welchem spitzige Nägel hervorragten, unter die nackten Fersen geschoben, damit er sich steche, wenn er sich auf die Fersen niederlasse. Auf diese und ähnliche Art hat man dort Monate lang Menschen gequält und die Deutschen des Bezirkes ausgerottet.

Heufeld
Im Norden des Banates, knapp an der rumänischen Grenze, lag die rein deutsche Gemeinde Heufeld. Hier haben die jugoslawischen Partisanen schon in den ersten Tagen des Monates Oktober 1944, gleich nach dem Einmarsch der Russen, die Macht an sich gerissen und noch im Oktober aus Heufeld selbst und Mastort 17 der angesehensten deutschen Männer aus ihren Häusern fortgetrieben und nach grausamen Folterungen im Nachbarort Kikinda getötet.

Am 2. November 1944 verhafteten die Partisanen dann auch alle übrigen deutschen Männer. 86 von diesen wurden am genannten Tage in das Gemeindehaus gebracht. Auch den alten angesehenen Pfarrer Adam Steigerwald, einen Greis von 75 Jahren, der in Heufeld auch geboren war und dort zurückgezogen nur für seinen Priesterberuf gelebt hatte, wollten die Partisanen zur Liquidierung aus dem Pfarrhof wegtreiben. Er protestierte gegen diese Behandlung und erklärte, daß er den Pfarrhof und seine Pfarrgemeinde lebend nicht verlassen wolle. Die Partisanen trieben ihn daher mit Gewalt und unter ständigen Mißhandlungen und mit Gewehrkolbenstößen aus dem Pfarrhof. In einem Raum des Gemeindehauses wurde er eingesperrt und sogleich von mehreren Partisanen unter ständigen Schmähungen fürchterlich gefoltert. Die im Hof des Gemeindehauses stehenden übrigen deutschen Männer sahen und hörten, wie der Pfarrer mit Gewehrkolben und Stöcken ganz grundlos geschlagen wurde und wie er vor Schmerzen stöhnte. Die Partisanen hatten ihn zu Boden geworfen und sprangen ihm auf den Bauch, brachen ihm die Rippen. Sie haben ihm hierbei derart schwere innere Verletzungen beigebracht, daß er sich nicht mehr vom Boden erheben konnte. Sie packten ihn daher und warfen ihn mit aller Wucht über die Stiege des Gemeindehauses hinunter in den Hof zu den anderen verhafteten deutschen Männern. Auch dort konnte er sich nicht mehr erheben. Auf den auf der Erde sich vor Schmerzen wälzenden Priester schossen dann die Partisanen aus lauter Übermut von oben herab und töteten ihn schließlich angesichts seiner Gläubigen. Dies war am 2. November 1944 in der Früh. Am Nachmittag desselben Tages lag noch immer des Pfarrers Leichnam im Gemeindehof auf der Erde. Dann erst wurden von den Partisanen Zigeuner gerufen, die den toten Pfarrer auf den Schinderplatz bringen mußten. Sie zogen ihm die Kleider aus und schleiften ihn zur Wasenmeisterei. Dort auf der Schinderwiese haben sie ihn nackt neben dem toten Vieh eingescharrt. Am selben Tage sind auch die übrigen deutschen Männer dieser Gemeinde in den Bezirksort Kikinda getrieben worden, wo nach grausamen Folterungen durch die Partisanen fast alle getötet wurden. Nur drei Männer dieser Gemeinde sind heil davongekonunen.

Anna Klein aus Heufeld (Hajfeld), Bezirk Modosch (Jasa Tomic), in der Nähe von Groß-Kikinda im jugoslawischen Banat, nahe der rumänischen Grenze, berichtet:
"Nachdem mein Vater der in deutschem Militärdienst war, 1944 vermißt wurde, haben die Russen im selben Jahr zu Weihnachten meine Mutter zwangsweise in eines ihrer Arbeitslager verschleppt. Unter heftigem Schluchzen riefen wir immer nur die eine Bitte: 'Mama, bleib bei uns! Geh nicht fort!' Erst Jahre später erfuhren wir, daß sie in die Ukraine gebracht wurde, wo sie mit vielen anderen deutschen Frauen als Bauarbeiterin eingesetzt war. Ich blieb mit meinen zwei Geschwistern, einer älteren Schwester und einem jüngeren Bruder zurück. Wir lebten bei unserer Großtante, bis im Frühjahr 1945 sich alle Deutschen vor dem Gemeindehaus des Nachbardorfes einfinden mußten. Meine Tante machte uns fertig und schickte uns drei allein los, sie blieb bei ihrer gelähmten Mutter zurück. Meine Schwester, die damals neun Jahre alt war, nahm uns an der Hand und wir gingen den anderen Leuten nach. Vor dem Gemeindehaus hatte sich schon eine Menge Menschen eingefunden. Wir stellten uns dazu. Vor lauter Angst vermochten wir gar nicht mehr zu weinen, wie es vielfach um uns geschah. Wie glücklich waren wir, als wir in dem Menschengewühl unsere Großmutter fanden, die sich sogleich unser annahm und an die wir uns klammerten.

Wir wurden in das Internierungslager nach Molidorf gebracht, wo Hunger, Armut, Angst und Not noch viel größer wurden. Wir lagen auf Stroh mit vielen Leuten zusammen. Sehr viele Leute starben infolge des Hungers, der Erschöpfung und der Mißhandlung. So haben wir als Kinder viele Leute sterben und verhungern gesehen. Eines Tages sollte auch unsere Großmutter unter den Opfern sein. In der Früh schlief sie sehr lange, wir wollten sie nicht wecken, aber sie war nie mehr aufgewacht, sie lag tot neben uns auf dem Stroh. Sie wurde in eine Decke eingewickelt, und ein Wagen, der jeden Morgen vorbeifuhr und alle Toten einsammelte, hat auch sie mitgenommen. Wir durften nicht mitgehen und sehen, wo man sie mit vielen anderen in einem Massengrab verscharrte. Wir waren jetzt in aller Not ganz allein unter fremden Menschen. Nach zwei Jahren holten die Kommunisten die wenigen noch am Leben gebliebenen Kinder in ihre Heime. So kamen auch wir drei, da sie uns als Waisenkinder ansahen, in das Kinderheim nach Debeljaca. Hier kamen wir wieder in menschenwürdige Verhältnisse, wir konnten wieder in Betten schlafen. Was aber für uns viel wichtiger war, wir durften uns sattessen.

Ich lebte die erste Zeit in einer ständigen Angst vor dem Ungewissen. Durch die vielen Entbehrungen war ich früh ernst geworden, ja verschlossen und mißtrauisch. Kaum hatten wir uns ein wenig erholt, wurden wir in andere Heime verlegt. Zunächst waren wir nur deutsche Kinder, später mischte man serbische Waisenkinder darunter. Ich kam mit neun Jahren in die serbische Volksschule. Da wir inzwischen schon Serbisch gelernt hatten, wurde auf einmal die deutsche Sprache verboten und ich konnte mit meiner Schwester nur verstohlen an versteckten Plätzen ein paar Worte in unserer Muttersprache sprechen. Wurden wir dabei erwischt, so mußten wir uns harten Strafen unterziehen, entweder bekamen wir kein Mittagessen oder Schläge.

So geriet die deutsche Sprache schließlich in Vergessenheit, bis ich nur noch Serbisch sprechen konnte. Man behandelte uns aber jetzt gut. Man achtete auf unsere Gesundheit und schickte körperlich schwache Kinder auf Erholung. So war auch ich in Serbien bei einer Bauernfamilie und einmal am Adriatischen Meer in Split. Der erste Brief, der von meinem Onkel kam, und in dem wir etwas von unserer Mutter erfuhren, versetzte uns in ein riesiges Glücksgefühl. Nach Jahren gab es wieder einmal Hoffnung und Freude nach unserer Verlassenheit. Nach langem Warten und Hoffen kam ich am 12. Oktober 1950 nach Deutschland zu meiner Mutter. Nach sechs Jahren sah ich sie zum erstenmal wieder."

Ruskodorf
In Ruskodorf lebten 120 deutsche Familien. Die übrige Bevölkerung bestand ursprünglich aus Ungarn. Sie alle waren arme Leute, die in der Vergangenheit, ohne eigenes Feld zu besitzen, auf den benachbarten Herrschaftsgütern als Hälfte-Bauern und Taglöhner arbeiteten und in schönster Harmonie miteinander lebten. Als nach dem ersten Weltkrieg das Banat von Ungarn abgetrennt und zu Jugoslawien gekommen war, wurden von der jugoslawischen Regierung zahlreiche slawische Kolonisten aus dem Süden des Staates hierher gebracht. Diesen wurden damals die Herrschaftsfelder verteilt, während die Deutschen und Ungarn nichts davon bekamen. Diese neuen slawischen Kolonisten wollten nun, nachdem die Partisanen im Herbst 1944 zur Macht gelangt waren, die deutschen Häuser haben und vernichteten daher alle Deutschen. Schon in den ersten Oktobertagen wurden aus dieser Ortschaft die 20 angesehensten Deutschen, worunter sich auch vier Frauen befanden, in die Nachbargemeinde Cernje getrieben. Dort wurden sie zusammen mit vielen anderen Deutschen in einen Keller eingesperrt und durch Tage hindurch fürchterlich mißhandelt. Am 24. Oktober sind dann die meisten von ihnen in einer Gruppe von 174 deutschen Menschen auf der Schinderwiese von Cernje erschossen worden.

14 deutsche Männer brachte man aus Ruskodorf auch in das Lager nach Kikinda, wo schon sogleich nach ihrem Eintreffen sieben von ihnen getötet worden sind. Eine weitere Gruppe von Männern führte man in das Lager von Julia Major, wo ebenfalls viele zugrunde gingen. Aber auch in Ruskodorf selbst wurde ein großer Teil dieser Deutschen von Partisanen auf grausame Art liquidiert. So wurden am 5. November 1944 der 56jährige Maschinist Matthias Frauenhofer, der 43jährige Landwirt Johann Martin und die 32jährige Maria Rottenbach auf scheußliche Art massakriert. Nachdem ihnen die Partisanen mit Messern allerlei Verstümmelungen beigebracht hatten, wurden ihnen bei lebendem Leibe mit Holzhacken die Arme abgeschlagen und auch die Füße vom Leibe getrennt. Die Wände des Zimmers, in dem diese gräßliche Tat von den Partisanen verübt wurde, waren voll mit Blut bespritzt. Deutsche Frauen, unter denen sich auch Magdalena Schuld, Elisabeth Leitner und die 23jährige Helene Reff befanden, mußten danach auf Befehl der Partisanen das vergossene Blut überall aufwaschen. Die verstümmelten Körper der Genannten wurden sodann in Körbe geworfen, auf einen Wagen verladen, auf den Viehfriedhof gebracht und dort eingegraben.

Auch zehn deutsche Mädchen und fünf Frauen wurden von einem Liquidierungstrupp der Partisanen, bei dem sich eine Gruppe von acht jungen slawischen Kolonisten aus Ruskodorf besonders tierisch hervorgetan hat, in einem Raume des einstigen, der dortigen Gutsherrschaft gehörigrn Kastells, vor den Augen anderer deutscher Frauen auf grausame Art gefoltert, geschändet, vergewaltigt und liquidiert. Den Frauen Katharina Kartje, Fanni Haß, Elisabeth Martin, Margarete Frauenhofer und Anna Reff wurden bei diesen Folterungen mit einer Beißzange die Fingernägel abgerupft, danach auch die Hände und Füße mit Holzhacken abgeschlagen und sie so lange gequält, bis der Tod eintrat. Danach wurden auch sie in den Viehfriedhof gebracht und eingescharrt. Nach dieser Bluttat war die Zimmerdecke über und über mit dem Blute der Opfer bespritzt.

Die übrigen Deutschen, die danach noch in Ruskodorf im Lager waren, sind am 18. April 1945 aus ihrer Heimat fortgetrieben und ins Lager nach Mastort und von dort Ende 1945 ins Lager nach Molidorf gebracht worden. Ein großer Teil ist dort meist durch Hunger zugrunde gegangen. In den Häusern der Deutschen von Ruskodorf aber sitzen jetzt slawische Kolonisten.

Beodra
In Beodra lebten 71 deutsche Familien. Anfang Oktober 1944 brachten die Partisanen 28 deutsche Männer, die größtenteils aus anderen deutschen Gemeinden stammten, hierher. Sie wurden im Stall der Polizei eingesperrt und in der Nacht mit Holzhacken erschlagen. Außerdem wurden zehn deutsche Männer und zwei Frauen aus ihren Wohnungen geholt, im Gemeindearrest eingesperrt, durch 16 Tage hindurch mißhandelt und am 18. Oktober 1944 in der Früh auf dem Gemeindemisthaufen erschossen. Die Leichen wurden auf den Schinderplatz geführt und dort eingegraben. Andere Deutsche sind noch bei anderen Gelegenheiten einzeln erschossen worden. Der Rest kam ins Lager nach Kikinda, Betschkerek und Rudolfsgnad.

Molidorf
In Molidorf, wo früher gegen 1.000 Deutsche wohnten, wurde im Jahre 1945 ein großes Konzentrationslager errichtet. Ungefähr 9.000 Deutsche, meist Frauen und Kinder, aus verschiedenen anderen Banater Gemeinden wurden hierher gebracht. Im Jahre 1946 sind davon gegen 4.000 gestorben. Man ließ sie verhungern. Viele wurden mißhandelt und erschossen. Auch im Jahre 1947 sind hier noch immer deutsche Lagerleute umgebracht worden. So wurden im Monat Januar 1947 bei einer Gelegenheit sogar zwei Kinder von 12 bis 14 Jahren erschossen. Noch im Mai 1947 töteten die Lagerbehörden zwei Frauen aus Soltur, von denen die eine vier und die andere drei Kinder hatte. Ende Mai 1947 wurde dieses Lager aufgelassen. Die überlebenden deutschen Lagerinsassen wurden auf andere Lager aufgeteilt. Noch während der Lagerübersiedlung aus Molidorf wurden unterwegs viele Frauen von den Partisanen geschlagen. Alte kranke Leute, welche nicht transportfähig waren, ließ man, ohne sich um ihr Schicksal weiter zu kümmern, im alten Lager liegen. Sie mußten sterben.

3. Im Nordosten des Banats: Treibjagd auf deutsche Menschen

Cernje
Die Ortschaft Cernjc (Deutsch-Cernje) lag im Nordosten des jugoslawischen Banats. Ungefähr 3.000 Deutsche lebten hier. Gegen 10.000 Deutsche lebten in der nächsten Umgebung, in den Dörfern Molidorf, Tschesterek, Heufeld, Mastort, Hetin, Ruskodorf u.a.

In Cernje hatten bereits in den ersten Tagen des Monates Oktober 1944 die Partisanen von den Russen die Macht übernommen. Ihre Herrschaft war hier grundlos grausam und blutig. Besonders grausam zeigten sich hier die Zigeuner, die in der Nähe von Deutsch-Cernje eine eigene Siedlung hatten. Die Zigeuner waren arbeitsscheue Menschen, die die überaus fleißigen Deutschen, die es durch ihre Arbeit zu bedeutendem Wohlstand gebracht hatten, wegen ihres Vermögens beneideten. Mit den Serben waren jetzt auch die Zigeuner als Kommunisten und Partisanen zur Macht gekommen. Sie ließen die Deutschen auch ihre Macht fühlen und benahmen sich besonders brutal. Alles, was ihnen gefiel, nahmen sie sogleich den Deutschen weg und wenn sie an einem deutschen Mädchen oder an einer deutschen Frau Gefallen fanden, haben sie, die neuen Herren, an denselben ihre geschlechtlichen Gelüste auszutoben versucht.

Der erste Deutsche, der hier getötet wurde, war Pfarrer Franz Brunet. Er ist bereits am 3. Oktober 1944 aus dem Pfarrhof geholt und ganz grundlos von den Partisanen erschossen worden. Gleich darauf wurden die meisten deutschen Männer durch Partisanenabteilungen aus ihren Häusern geholt. Auch aus den Gemeinden der Umgebung schleppte man sehr viele Deutsche gefesselt hierher. Auch wurden sehr viele deutsche Frauen von auswärts nach Cernje gebracht. Zumeist waren es die wohlhabenderen Frauen und die intelligenteren Deutschen, die hier als erste gefoltert und getötet wurden. Sowie die Transporte hier eintrafen, wurden sie in zwei große Keller eingesperrt und darin durch Wochen festgehalten. Meist in den Abendstunden wurden Gruppen aus den beiden Kellern geholt und stundenlang von Partisanen auf alle mögliche Art mißhandelt und gequält. Jeder Partisane durfte sich jetzt austoben, deutsches Blut fließen lassen und Deutschen Glieder oder Rippen brechen, Zähne einschlagen oder sie auf irgend eine Art liquidieren. Ungeheuer groß ist die Zahl jener deutschen Zivilisten, die von diesen Folterungen nicht mehr zu den anderen im Keller zurückgekehrt sind. Man schaffte sie auf die Schinderwiese und verscharrte sie dort, wie das verreckte Vieh. Sowie die Zahl der Deutschen in diesen Kellern wieder geringer wurde, brachte man immer wieder neue beiderlei Geschlechts hierher, um sie auf die gleiche Art wie die bereits Erschlagenen zu behandeln.

Auch gegen die deutschen Frauen war man hier besonders rücksichtslos und gemein. Man behandelte sie unbeschreiblich tierisch. Eines Abends haben die Partisanen aus dem einen der beiden Keller u.a. auch eine schönere Frau hervorgeholt. Lange hat diese alle möglichen Quälereien durch die Partisanen ertragen müssen. Mit Gewalt wurde sie dann ganz nackt ausgezogen und da sie dennoch nicht nachgab, wurde sie von den lüsternen Partisanen und Zigeunern mit einem heißen Bügeleisen am ganzen nackten Körper gebügelt. Mit schweren Hautverbrennungen am ganzen Körper wurde sie dann von den Partisanen wieder über die Stiege hinab in den Keller gestoßen. Zwei Tage hindurch hat sich diese Frau vor den Augen ihrer Volksgenossen vor Schmerzen auf der Erde gewälzt. Dann erst, nach 2 Tagen, ist sie infolge der Hautverbrennungen im Keller gestorben.

Am 8. Oktober 1944 drang eine Gruppe übermütiger, betrunkener Partisanen in einen dieser Keller ein. Unter ihnen befand sich auch ein besoffener Offizier, der eine Maschinenpistole in der Hand hielt. Die Deutschen mußten alle aufstehen und sich dicht nebeneinander an der Mauer des engen Kellers aufstellen. Der besoffene Offizier schoß in seinem Übermut wahllos und grundlos aus unmittelbarer Nähe in die knapp vor ihm stehende Menschengruppe hinein. Sogleich wälzte sich eine Anzahl Deutscher in ihrem Blute. Manche von diesen, wie z.B. die Landwirte Kampf Anton und Maier Josef aus Cernje, lebten - der eine mit einem Lungenschuß, der andere mit einem Knieschuß - noch einige Tage ohne Verband und ohne ärztliche Hilfe in diesem Keller. Erst am 12. Oktober wurden sie beide von den Partisanen aus dem Keller geholt und vor dem Keller erschossen. Inzwischen nahmen die Folterungen und Einzelliquidierungen der im Keller eingesperrten übrigen Deutschen Tag für Tag und Nacht für Nacht ohne Unterbrechung ihren Fortgang.

Am 22. Oktober - es war Sonntag - mußten alle übrigen Deutschen von Cernje, die noch nicht in den Kellern waren, am Schinderplatz ein großes Massengrab graben. Dasselbe war 25 m lang, 6 m breit und 3 m tief. Am 24. Oktober, an einem Dienstag, wurde von der neuen Gemeindebehörde in allen Gassen von Deutsch-Cernje und in dem Nachbarort Serbisch-Cernje der Bevölkerung öffentlich durch Trommelschlag verkündet, daß alle Deutschen umgebracht werden. Die serbische Bevölkerung und die Zigeuner wurden eingeladen, auf den Schinderplatz zu kommen, um zu sehen, wie die Deutschen öffentlich massakriert werden. Und tatsächlich sind daraufhin an diesem Tage um 2 Uhr nachmittags 174 Deutsche, darunter 50 Frauen, gefesselt aus den Kellern, in denen sie sich seit Wochen befunden hatten, herausgeführt, mit Draht aneinander gebunden und unter ständigen Mißhandlungen und unter Jubelgeschrei der Partisanen und des Zigeunerpublikums auf den Schinderplatz getrieben worden. Durch die ständigen Mißhandlungen waren sie fast alle bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Dort wurden sie alle nackt ausgezogen und in Anwesenheit einer großen Menge von Serben und Zigeunern erschossen. Die Deutschen wurden gefesselt in Gruppen an das Massengrab herangetrieben, dort erschossen und von den Partisanen ins Grab gestoßen. Die Kleider der Getöteten wurden von den neuen Behörden auf einem Wagen nach Cernje zurückgeführt, dort sortiert und an die Serben und die Zigeunerbevölkerung verteilt. Schon am nächsten Tage gingen diese in den Kleidern der getöteten deutschen Männer und Frauen herum.

Kaum war diese Massenhinrichtung beendet, wurde auch schon durch die neuen Behörden in allen Gassen, in welchen noch Deutsche wohnten, verkündet, daß am Abend die übrigen Deutschen abgeschlachtet werden. Bewaffnete Zigeuner liefen von Haus zu Haus und teilten den zurückgebliebenen deutschen Frauen und Mädchen mit, daß sie, die Zigeuner, nun von der Behörde die Macht, das Recht und auch den Auftrag in dieser Gemeinde bekommen hätten, die deutschen Frauen und Mädchen nach Belieben zu vergewaltigen und abzuschlachten. Die damit angekündigte Schändung und nachträgliche Abschlachtung durch die Zigeuner wollten viele Deutsche angesichts der Vorkommnisse kurze Zeit vorher nicht mehr abwarten. In ihrer Verzweiflung haben daher an diesem 24. Oktober 1944 gegen Abend in dieser Ortschaft Cernje nicht weniger als 75 anständige deutsche Menschen, meist Frauen und Mädchen, sich selbst das Leben genommen. Ganze Familien gingen freiwillig in den Tod. Frauen warfen ihre kleinen Kinder in die Brunnen und sprangen selbst nach, andere Mütter nahmen ihre Kinder, hängten diese auf und erhängten sich selbst daneben. Auch der alte Bürgermeister Peter Stein hat mit seiner Frau Susanne Selbstmord begangen. Johann Goldscheck war auf die vorher geschilderte Art getötet worden. Seine Frau und Schwiegertochter wurden darauf in Anwesenheit zweier ihrer Kinder von Zigeunern vergewaltigt. Gleich darauf haben sich deshalb alle vier das Leben genommen. Die Frau des Kaspar Rottenbach, namens Eva, die Frau seines Sohnes Johann, namens Maria, und die Mädchen dieser beiden im Alter von 20 bzw. 22 Jahren wurden ebenfalls von Zigeunern vergewaltigt. Darauf begingen alle sechs Selbstmord. Sie hängten sich auf dem Dachboden ihres Hauses in einer Reihe auf. Das sind nur einzelne Beispiele. Sie lassen darauf schließen und sie beweisen, wie ungeheuer grausam das neue volksdemokratische Regime der kommunistischen Partisanen und Zigeuner in dieser Ortschaft gewütet hat.

Nachdem in den Todeskellern von Cernje, wohin aus den Gemeinden der Umgebung täglich noch immer neue Opfer gebracht worden waren, schon sehr viele liquidiert waren, wurden die Übriggebliebenen am 25. Oktober aus den beiden Kellern hervorgeholt. Es waren noch 480 lebendige Deutsche, darunter 30 Frauen. Diese alle wurden wieder mit Stricken und Draht aneinander gebunden und von schwer bewaffneten Partisanen unter ständigen Schmähungen und Mißhandlungen auf das benachbarte landwirtschaftliche Gut "Julija Major" getrieben. Von dort aus sollten sie auf verschiedene schwere Zwangsarbeiten geführt werden. Auch da wurden bei den verschiedensten Gelegenheiten, einzeln oder in Gruppen, noch viele auf die grausamste Art getötet.

So wurden am 15. und 16. November 1944 hundert Deutsche auf einmal erschossen. Darunter befanden sich 67 Bauern aus der rein deutschen Ortschaft Stefansfeld und 33 Deutsche aus Pardanj. Diese Erschießung erfolgte auf Anordnung einer serbischen Frau, einer Partisanin. Ihr Mann hatte sich im Jahre 1941 als Einzelner mit der Waffe in der Hand den in das Land einrückenden deutschen Truppen entgegengestellt, hatte auf sie geschossen und war im Kampf gefallen. Dafür wollte seine Frau jetzt nachträglich das Blut von hundert wehrlosen, unbewaffneten deutschen Zivilisten fließen sehen und hat diesen ihren Willen auch durchgesetzt.

Unter den in den Kellern eingesperrten deutschen Zivilisten befanden sich auch deutsche Flüchtlinge aus Rumänien und ein kriegsgefangener deutscher Offizier namens Hans Konrad aus Hatzfeld. Dieser war infolge der körperlichen Verletzungen, die er bei den Folterungen durch die Partisanen erlitten hatte, arbeitsunfähig geworden. Aus diesem Grunde wurde seine Liquidierung von den Partisanen angeordnet. Im Lager selbst befand sich auch seine Frau. Als er zum Erschießen geführt wurde, verließ sie ihre Arbeitsgruppe und eilte zu ihm. Sie erreichte ihn gerade, als man ihn erschießen wollte. Sie hängte sich in ihm ein und erklärte, sich von ihm nicht trennen zu wollen. Sie wurden beide gleichzeitig erschossen, obwohl sie keine jugoslawischen Staatsbürger gewesen sind. Dies geschah am 9. November 1944. Am selben Tage wurden insgesamt 11 Personen liquidiert. Es waren dies meist Kranke und solche, die durch die Folgen und Verletzungen von Mißhandlungen arbeitsunfähig geworden waren. Der Lagerkommandant, der diese Erschießungen angeordnet hatte, stammte aus Ban. Karadjordjevo. Er hatte schon vorher in Kikinda zahlreiche Deutsche erschossen und sich später dieser Taten in "Julija Major" gerühmt.

In der kalten Silvesternacht 1944/45 wurden alle deutsche Lagerinsassen gegen Mitternacht aus ihren Unterkünften gejagt. Sie mußten zuerst lange im Schnee und in der Kälte im Freien stehen und warten, dann auf Befehl der Partisanen ungefähr eine Stunde lang im Schnee "auf und nieder" machen. Wer aber nicht schnell genug jedesmal auf- und niedersprang, wurde fürchterlich geschlagen. Auch die Frauen mußten diese nächtlichen Übungen mitmachen. Eine schwangere junge deutsche Frau namens Theresia Moll aus Tschesterek, die Gattin eines aus Rumänien stammenden deutschen Offiziers, ist trotz ihrer rumänischen Staatsbürgerschaft und ihres Hinweises auf ihren Zustand gezwungen worden, die ganze Zeit in der Kälte und im Schnee mit allen anderen Männern und Frauen dieselbe Übung zu machen. Sie hat bald nach diesen Quälereien ein Kind geboren, das aber gleich gestorben ist.

Diese Folterung wurde von den Partisanen damit begründet, daß in derselben Silvesternacht über den Rundfunk ein deutscher Minister eine Rede hielt, und so lange diese Rede dauerte, sollten im Lager die wehrlosen deutschen Zivilisten, Männer und Frauen, einer Massenquälerei unterworfen sein. Am 18. April 1945 sind dann auch die letzten Deutschen, die noch da und dort in der Ortschaft Cernje am Leben geblieben waren, aus ihren Häusern vertrieben und ins Konzentrationslager verbracht worden. Schon am 19. April wurden unter diesen wieder 22 alte Leute, die nicht mehr arbeiten konnten, ausgewählt, abends aus dem Lager getrieben und ohne Grund und ohne Verfahren, nur deshalb, weil sie alt und arbeitsunfähig waren, am Schinderplatz erschossen. Oft sind auch an den folgenden Tagen zur Nachtzeit deutsche Frauen und Männer herausgeholt und grundlos umgebracht worden. Auch viele junge Frauen sind in der Nacht fortgeführt worden und für immer verschwunden. Die meisten von ihnen sind wohl am Schinderplatz in Cernje begraben.

Karoline Bockmüller aus Deutsch-Czerne berichtet:
"Am 4. Oktober 1944 morgens gegen 8.30 Uhr zogen russische Truppe durch meinen Heimatort Deutsch-Czerne gegen Westen. Am Nachmittag des gleichen Tages folgten ihnen russische Gruppen, welche in Rumänien in Gefangenschaft gewesen waren. Sie waren nur zum Teil bewaffnet und verblieben in Czerne einige Tage. Gegen Abend nach ihrer Ankunft gingen sie unter Anführung von einheimischen serbischen Partisanen von Haus zu Haus und plünderten, was sie nur finden konnten: Schmuck, Geld, Wäsche, Kleider, Radioapparate usw. In der Nacht wurden mehrere Frauen und Mädchen von Russen, Partisanen und Zigeunern, die alle stark angeheitert waren, vergewaltigt. Mir sind folgende Fälle bekannt: Eva B., ein 9 Jahre altes Mädchen. Sie wurde dabei schwer verletzt, da sie von neun Männern barbarisch vergewaltigt wurde. Sie war in Ohnmacht gefallen und man konnte ihre Füße nicht mehr gerade biegen. Daraufhin erhängte ihre eigene Mutter zuerst sie, dann sich selbst.

Vergewaltigt wurden die Schwestern Maria und Susanne Rottenbach sowie Sophie B., welche später auch ein Kind bekam. Von sechs Mann vergewaltigt wurde Therese Hönig und so schwer verletzt, daß sie nicht mehr gehen, sondern nur noch am Boden rutschen konnte. Desweiteren wurden vergewaltigt: Katharina und Gertraut Goldscheck. Therese Hönig und ihre Mutter sowie die Schwestern Goldscheck und Rottenbach erhängten sich am nächsten Tag auf dem Dachboden. Lebend blieb von den vergewaltigten Frauen und Mädchen nur Sophie B.

Am 5. Oktober gingen dann Gruppen einheimischer Zigeuner im Ort herum und riefen in jedes deutsche Haus hinein, daß sämtliche Einwohner auf der Hutweide zu erscheinen haben, wo sie dann erschossen werden. Zigeuner und Partisanen gingen auch in die Häuser und holten eine Anzahl Männer sowie jene Frauen, deren Männer eingerückt waren, und sperrten sie in den Gemeindekeller. Auf diese Nachricht hin haben sich in Deutsch-Czerne 54 Personen, Männer, Frauen und Kinder erhängt, vergiftet oder sie sind in die Brunnen gesprungen und haben sich ertränkt.

Am 7. Oktober 1944 wurde unser Ortspfarrer, Franz Brunnet, von den Partisanen abgeholt und auf das Gemeindeamt geführt. Dort wurde er zusammen mit vier anderen Männern so schwer verprügelt, daß sie nicht mehr gehen konnten. Da forderten die Partisanen den Pfarrer auf, er möchte doch fortspringen; wenn er über den Zaun springen könne, bliebe er am Leben. Der Pfarrer begann mit dem Aufgebot seiner letzten Kraft zu laufen und versuchte den Zaun hinaufzuklettern. Als er fast oben war, schossen ihn die Partisanen herunter. Die übrigen Männer, die mit dem Pfarrer verprügelt wurden, hat man, nachdem der Pfarrer tot war, erschlagen. Nachher wurde die Pfarrköchin, Frau Klementine, geholt, welche das Blut wegwaschen mußte. Andere Frauen, die täglich zu Reinigungsarbeiten auf das Gemeindeamt kamen, mußten den Pfarrer und die erschlagenen Bürger am Schinderplatz begraben. Im Gemeindekeller von Czerne waren außer den Männern aus Deutsch-Czerne noch in größerer Zahl eingesperrt deutsche Männer aus den umliegenden Ortschaften: Stefansfeld, Setschanj, Heufeld, Mastort usw.

Am 8. oder 9. Oktober 1944, genau weiß ich es nicht mehr, bat ein gewisser Franz Hoffmann einen Partisanen im Gemeindekeller, er möchte ihn doch erschießen, da er die Qualen, die die Männer im Keller erdulden mußten, nicht mehr länger ertragen könne. Der Partisane schoß ihn nieder, daraufhin erhoben sich mehrere Männer und baten ebenfalls, man möge sie erschießen. Ein Partisane schoß nun mit der Maschinenpistole über die Männer weg und traf drei Mann: Peter Weissmann, Nikolaus Tabar und Josef Mayer, sie waren aber nicht gleich tot, sondern nur schwer verletzt und wurden dann noch lebend am Schinderplatz begraben.

Männer und Frauen, die im Gemeindekeller eingesperrt waren, wurden jede Nacht aus dem Keller geholt und verprügelt, aber auch im Keller selbst mißhandelt. Es waren auch Kinder von 15 Jahren dabei. Sie waren durch die schweren Mißhandlungen so entstellt, daß wir sie, als sie zwei und zwei aneinandergebunden von den Partisanen zum Erschießen auf den Schinderplatz geführt wurden, nicht mehr von Angesicht erkennen konnten, nur noch an der Stimme oder an den Kleidern, die ihnen meist in Fetzen vom Körper herunterhingen.

Die Erschießungen dauerten vom 12.10. bis 7.11.1944. Jeden Tag wurden einige erschossen, die letzten am 7.11.1944, dann wurde das Massengrab zugemacht. Nach den einzelnen Erschießungen wurde über die Leichen nur Kalk geschüttet. Vor jeder Erschießung ließen die Partisanen austrommeln, daß jedermann den Hinrichtungen zusehen könne. Die Opfer mußten sich am Schinderplatz nackt ausziehen, vor das Massengrab treten, wo sie dann den Genickschuß erhielten und in das Massengrab fielen. Manche von den Erschossenen waren nicht gleich tot, sondern jammerten noch den ganzen Tag und oft auch noch die Nacht hindurch, bis der Tod sie erlöste. Unser Schullehrer, Franz Kremer und Hans Goldscheck sowie Katharina Schillinger wurden von den Partisanen und Zigeunern vom Gemeindekeller bis zum Schinderplatz an den Kopfhaaren geschleift und jammerten dabei fürchterlich. Frau Schillinger war von dem empfangenen Schuß nicht gleich tot, sie jammerte noch am nächsten Tag und kroch im Massengrab herum. Da bekamen die Zigeuner den Auftrag, sie mit Schaufeln und Spaten zu töten, was sie dann auch durchführten. Das Massengrab war ungefähr 29 Meter lang, 10-15 Meter breit und so tief, daß drei Lagen Tote übereinander geschichtet wurden. Aus Deutsch-Czerne allein wurden, soweit ich mich erinnern kann, folgende Männer und Frauen erschossen und in diesem Massengrab am Schinderplatz bestattet (Frau Bockmüller zählt 52 Namen auf). An alle kann ich mich nicht mehr erinnern.

Am 27.11.1944 mußten wir arbeitsfähigen Männer und Frauen uns zur Arbeit melden. Es wurden drei Gruppen gebildet. Eine Gruppe von Männern und Frauen kam in die Hanffabrik, die zweite mußte aufs Feld und die dritte, die hauptsächlich aus älteren Leuten bestand, mußte Aufräumungsarbeiten verrichten, Möbel oder Getreide aus den deutschen Häusern verladen. Auf der Arbeit, sowohl am Felde wie in der Hanffabrik oder auch in den Häusern, wurden die Leute von den Partisanen ständig angetrieben, geschlagen, und es wurde ihnen mit Erschießung gedroht, wenn sie nicht genügend Arbeit leisten würden. So mußte auch meine 70jährige Mutter, Katharina Bockmüller, Möbel verladen. Einmal, als sie einen schweren Kasten nicht aufheben konnte, wurde sie von den Partisanen und Zigeunern so geschlagen, daß sie in Ohnmacht fiel.

Am 27.12.1944 Nachmittag wurde ausgetrommelt, daß sich alle Mädchen und Frauen vom 18. bis 30. Lebensjahr sowie die Männer und Burschen vom 18. bis 45. Lebensjahr am nächsten Morgen um 4 Uhr am Gemeindehaus melden müssen. Mitzubringen sind Lebensmittel für 14 Tage und Wäsche zum Wechseln. Diese Leute wurden dann in Viehwaggons verladen, die Fenster und Türen der Waggons verschlossen, und der Transport mit 80 Mädchen und Frauen und 35 Burschen und Männern ging nach Rußland ab. Wie ich von meinen Angehörigen erfahren habe, spielten sich am Bahnhof herzzerreißende Szenen ab; die Eltern durften sich von ihren Kindern nicht verabschieden und waren ganz verzweifelt. Ich selbst war damals krank und mußte liegen.

Gegen Ende Februar 1945 mußten wir jüngeren Frauen, die noch zu Hause geblieben waren, die Leichen derjenigen, die sofort nach dem Einmarsch der Partisanen sich erhängt oder vergiftet hatten, und damals, weil niemand von uns auf die Straße gehen durfte, nur in den Gärten begraben worden waren, ausgraben und in einem Massengrab am Friedhof bestatten. Die Leichen waren zum Teil schon verwest, und wir mußten sie aus den Löchern mit Spitzhacken herausziehen, wobei einzelne Körperteile abrissen. Die Partisanen wollten, daß wir die Leichen mit den Händen ausscharren, doch haben Serben von Serbisch-Czerne das verhindert.

Am 18.3.1945 kam ich mit weiteren vier Frauen aus Czerne nach der Luise-Pusta bei Etschka. Hier war ein Arbeitslager von ca. 100 Frauen und 50 Männern aus den verschiedenen Gemeinden des Banats untergebracht. Ich wurde mit 19 anderen Frauen in einem Raum von 5 x 5 Meter untergebracht. Wir mußten auf dem Fußboden (mit etwas Stroh bestreut) schlafen, der nicht mit Brettern belegt, sondern gestampfte Erde war. Auch war keine Heizmöglichkeit vorhanden und das ganze Haus war voll Ungeziefer (Ratten, Mäuse etc.). Zum Waschen und Reinigen mußten wir zum nächsten Bach gehen und hatten auch keine Seife oder Waschmittel, da die Partisanen uns diese gleich weggenommen haben. Zum Essen gab es: Um 7 Uhr früh einen halben Liter eingebranntes Wasser, ohne Fett und ohne Salz, 100 bis 150 Gramm Maisbrot; mittags gab es, alle zwei Monate abwechselnd, Bohnen- oder Erbsensuppe ohne Salz und ohne Fett und 100 bis 150 Gramm Maisbrot. Zum Abendessen gab es dasselbe wie zu Mittag. Wir arbeiteten ausschließlich am Felde, und zwar von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Wir wurden bei der Arbeit ständig getrieben und geschlagen.

Im September 1945 kam ich mit noch weiteren 20 Frauen nach Elisenheim, wo wir das Vieh zu versorgen hatten. Wir wurden alle in einem Haus untergebracht und schliefen auf etwas Stroh auf dem Fußboden. Der Kommandant war hier zu uns gut, er kaufte aus eigenem Geld zuzügliche Lebensmitte, weil er nicht zusehen wollte, daß wir bei unserer schweren Arbeit so schwaches Essen bekommen und hungern müssen. Hier in Elisenheim habe ich mich entschlossen, zu flüchten, d.h. nachzusehen, wo meine Tochter ist, wurde jedoch von einer Kroatin verraten und strafweise nach dem Fischteich in Etschka versetzt.

Am 10.5.1946 flüchtete ich dann mit einer Lagerinsassin gemeinsam nach Rudolfsgnad, weil ich erfahren hatten, daß sich meine 17jährige Tochter dort befinde und daß sie einen Knaben geboren habe. Als ich in Rudolfsgnad ankam, erfuhr ich, daß meine Tochter Maria am 8. April 1946 und ihr 12 Monate altes Kind einige Zeit nachher, beide an Hunger gestorben waren. Ich mußte mich in Rudolfsgnad bei der Lagerkommandantur anmelden und wurde in einen Raum mit noch ca. 20 Erwachsenen und 10 Kindern eingewiesen. Auch da schliefen wir auf etwas Stroh auf dem Fußboden. Einige im Raum waren an Wassersucht erkrankt und waren ganz aufgeschwollen. Sie starben bald nachher. Das Essen war dasselbe wie in den übrigen Lagern. Nur diejenigen, die zur Arbeit gingen, bekamen noch einen Schöpflöffel Polenta dazu.

Sofort nach der Aufnahme meldete ich mich zur Arbeit und mußte im Wald Holz hacken und Rohr schneiden für die Lagerbäckerei. Am 8. Mai 1947, als mein Enkel gestorben war, flüchtete ich aus dem Lager Rudolfsgnad noch Molidorf, um meine Mutter zu suchen. Dort erfuhr ich, daß meine Mutter und meine Tante im Lager verhungert sind. Aus meiner Verwandtschaft starben den Hungertod oder wurden erschossen: insgesamt 56 Personen. Bei meiner Ankunft im Lager waren fast alle Lagerinsassen krank, sie saßen im Hof unter den Bäumen oder lagen im Hof und in den Gärten herum, wo sie dann auch verschieden sind. Sie jammerten vor Hunger und Schmerz und boten einen unbeschreiblich traurigen und trostlosen Anblick. Sogar diese armen, sterbenden Menschen wurden von den Partisanen noch geschlagen und getreten, so oft sie an ihnen vorbeigingen. Am 20. August 1947 flüchtete ich aus dem Lager Molidorf, da das Leben dort immer unerträglicher wurde, nach Rumänien. Hier fand ich meinen Onkel und meine Tante, mit denen ich dann im Januar 1948 über Ungarn nach Österreich und von da nach Deutschland flüchtete."

Stefansfeld
Über das Schicksal der Bewohner seiner Heimatgemeinde Stefansfeld berichtet Jakob Bohn:
Eidesstattliche Erklärung:
Ich Unterfertigter Jakob Bohn, wohnhaft in Studenzen 80, Oststeiermark, geb. am 6.3.1909 in Stefansfeld, Banat, erkläre hiermit an Eides statt: Gegen Abend am 30. September 1944 ist die Rote Armee von Rumänien über Modosch kommend in meinem Heimatort Stefansfeld einmarschiert. Serbische Partisanen übernahmen alle Ämter und herrschten nach ihrem Willen. Es wurden, nebst Enteignung von Grund und Boden und dem Raub von sonstigem Privateigentum viele Greueltaten begangen. Nach meinen Aufzeichnungen und den namentlich erfaßten 2.807 Einwohner aus meiner Heimatgemeinde wurden vom 30. September 1944 bis zur Auflösung der Lager 1948, 752 Personen vernichtet, es sind 646 Personen in verschiedenen Lagern gestorben, teils verhungert. 6 Personen verübten Selbstmord, 69 wurden erschossen, weitere 23 Personen sind noch vermißt, die zu den Toten hinzugezählt werden können und 8 Personen sind - von den 135 Personen die nach Rußland in die Kohlengruben deportiert wurden - dortselbst gestorben.

Dies ist die traurige Bilanz meiner Heimatgemeinde. Auch ich war mit den 135 Personen mit dabei. Der Abtransport aus dem berüchtigten Lager Nr. 1 aus Groß-Betschkerek erfolgte am 28.12.1944. Am 4. Oktober wurde ich in obiges Lager eingeliefert. Es fanden laufend Liquidierungen statt. Die größte Anzahl bei den Liquidierungen waren in einer einzigen Nacht 172 Leute. Ich selbst wurde durch das Eingreifen von einflußreichen Serben davon bewahrt. Über die verschiedenen Versionen vom Verbleib des ehemaligen Obmanns des Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes Johann Keks, kann ich folgendes berichten: J.Keks wurde in der zweiten Hälfte Oktober 1944 in unser Lager eingeliefert. Er wurde mehrmals schwer mißhandelt. Mein Landsmann Dr. Peter Awender, der mit mir das Strohlager teilte, war sozusagen der Lagerarzt. Eines Abends im November berichtete er mir, daß er gerade von J.Keks komme, der mit einer Blutvergiftung durch eine Phlegmone schwer krank darniederliege und die Nacht kaum mehr überleben werde. Auch berichtete er mir was ihm J.Keks mit schwerem Herzen erzählte. Bevor die Rote Armee in Betschkerek einmarschierte hat ihn der Volksgruppenführer Sepp Janko besucht und ihm nahegelegt sich noch rechtzeitig nach dem Westen abzusetzen. Er aber habe Dr. Janko erklärt, er wird verbleiben, er sei schon ein alter Mann und es wird ihm wohl schon kaum etwas passieren. In Wirklichkeit aber wurde er schon vorher von einigen serbischen bürgerlichen Persönlichkeiten ersucht zu verbleiben, um so wie sich es die Serben vorgestellt hatten, als Vertreter der Deutschen zu fungieren. Nun aber sieht er woran er ist. Seine Gutgläubigkeit den Serben gegenüber und seine Unaufrichtigkeit Dr. Janko gegenüber, muß er nun mit dem Leben bezahlen. J.Keks ist noch in der gleichen Nacht gestorben. Es war sonst die Regel alle die bei Nacht gestorben oder erschlagen wurden, noch vor dem Morgengrauen zu verscharren. Mit Keks machten sie eine Ausnahme. Erst um 9 Uhr wurde er zum Verscharren freigegeben. Josef Awender aus Ernsthausen und ich haben uns freiwillig gemeldet und haben ihn gegenüber vom serbischen Friedhof begraben. Seine Kleidung durfte ihm anbelassen bleiben.
Unterschrift: Jakob Bohn, Feldbach, am 23. Juli 1974

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