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III. IM BANAT (3)

6. Im Süden des Banats gab es einen Blutrausch ohne Grenzen

Kovin
Vor Jahrhunderten schon haben schwäbische Kolonisten am Nordufer der Donau gegenüber der einstigen türkischen Festung Semendria, im früheren Sumpfgebiet, eine Großgemeinde errichtet. Es war dies der Bezirksort Kovin (Kubin). Annähernd 5.000 Deutsche lebten hier. Aber auch in der Umgebung Kovins waren starke deutsche Siedlungen, so in Ploschitz, Mramorak, Bavanischte, Homolitz, Startschevo usw. mit vielen tausenden deutschen Einwohner entstanden.

Die neue volksdemokratische jugoslawische Regierung hat auch in dieser Gegend die deutsche Bevölkerung, Männer, Frauen und Kinder, weit über 10.000 Menschen, planmäßig ausgerottet. Die gesunden, über 15 Jahre alten Männer wurden in allen diesen Ortschaften größtenteils sogleich erschossen oder erschlagen. Tausende erwachsene deutsche Mädchen und junge Frauen von ihren Familien und die jungen Mütter von ihren kleinen Kindern weggerissen und nach Rußland verschleppt. Keine einzige von diesen Frauen und Mädchen ist gesund in die Heimat zurückgekehrt. Die übrige deutsche Bevölkerung wurde restlos von Haus und Hof vertrieben. Man hat ihnen alles, was sie hatten, weggenommen. Auch Schuhe und Kleider, die sie am Leibe trugen, mußten sie vielfach ausziehen und hergeben. Dürftig bekleidet wurden sie in den Bezirksort Kovin oder in andere Gegenden in Konzentrationslager verschleppt. Bei dieser Gelegenheit und auch noch später wurden dann Tausende einzeln oder in Gruppen von den Partisanen erschlagen, abgeschlachtet, erschossen, durch andere grausame Mittel liquidiert oder durch Hunger vernichtet. Heute wohnt in dieser Gegend kein Deutscher mehr. Die Ausrottung der Deutschen vollzog sich in allen Ortschaften dieser Gegen in gleicher Weise.

Im Bezirksort Kovin wurden am 13. Oktober 1944 als erste die zehn wohlhabendsten Deutschen aus ihren Häusern geholt und auf grausame Art umgebracht. Unter diesen ersten Opfern befand sich der deutsche Soda-Fabrikant Josef Fitschelka. Er mußte sich im Hofe des Gutsbesitzers Franz Schneider nackt ausziehen und wurde dann fürchterlich mißhandelt. Die Partisanen nahmen eine Zugsäge, hielten ihn nieder und durchsägten den lebenden Körper des Genannten von der rechten Brustkorbseite nach links über Lunge und Bauch. Er jammerte fürchterlich. Nach ihm wurden ähnlich grausam auch die anderen reichen Leute getötet. Darunter befand sich die ganze Familie des Großgrundbesitzers Franz Schneider.

Gleich darauf begannen die Partisanen auch mit der Verhaftung der übrigen deutschen Männer Kovins. Sie wurden alle eingesperrt und Tage hindurch fürchterlich gefoltert. Am 19. Oktober in der Früh um 2 Uhr wurden dann 280 dieser Deutschen auf den Pferdefriedhof (Schinderplatz) getrieben und dort erschossen. Auch vier deutsche Kriegsgefangene sollten gleichzeitig mit ihnen getötet werden. Alle übrigen waren Deutsche aus Kovin. 20 Männer, die erst später erschossen wurden, hatten vorher am Schinderplatz ein Massengrab graben müssen. Als das Loch fertig war, mußten sie wegtreten und sich 50 Schritte seitwärts niederlegen. Die 280 ausgewählten Opfer mit den vier deutschen Kriegsgefangenen wurden dann gefesselt herangeführt, mußten sich nackt ausziehen und sich in Gruppen zu je zehn Menschen in das Grab legen. Wer nicht folgte, wurde fürchterlich geschlagen. Sobald die Leute dann im Grab lagen, schossen die Partisanen von oben auf sie. Dann kamen neue Gruppen daran, welche sich auf die toten und schwerverwundeten nackten Menschen legen mußten. Dies ging so weiter, bis alle liquidiert waren. Dann mußten die 20 seitwärts wartenden Schaufler Erde auf die toten und schwerverwundeten Menschen werfen und das Grab zudecken. Am 20. Oktober 1944 wurden abermals 105 Koviner Deutsche auf gleiche Weise wie die 280 tags zuvor erschossen.

Nachdem auf diese Art fast alle männlichen Deutschen von Kovin selbst liquidiert waren, gingen die Partisanen daran, auch die Deutschen der übrigen Orte des Bezirkes zu vernichten. In langen Kolonnen wurden Tag für Tag deutsche Menschen aus den Orten der Umgebung auf Wagen oder zu Fuß, gefesselt und von vorhergehenden Mißhandlungen entstellt und blutig, nach Kovin gebracht. Hier kamen sie ins Lager, wurden Tage hindurch fürchterlich gefoltert und erlitten dann dasselbe Schicksal wie vorher die Koviner Deutschen.

Ploschitz
In Ploschitz, wo vor dem Kriege über 1.300 Deutsche lebten, haben die Partisanen auch gleich nach Übernahme der Macht viele Deutsche verhaftet und eingesperrt. Am 14. Oktober 1944 hatten die Partisanen im Gasthaus eine Unterhaltung mit Musik. Es war Sonntag. Daneben im Arrest und in den anderen Räumen des Gemeindehauses waren die Deutschen eingesperrt. Gegen Mitternacht begab sich ein Rudel Partisanen von der Unterhaltung dorthin und ließ von der neuen Gemeindebehörde einige Deutsche aus dem Arrest herausholen. Der erste war der reiche Fleischhauer Martin Repmann. Er wurde in die Kanzlei des Gemeindehauses geführt. Ganz ohne Grund, aus purem Übermut, hackten ihm dort die Partisanen vor den Augen der Gemeindebehörde mit einem Säbel die Finger einer Hand ab. Darauf schlugen sie ihm bei lebendem Leibe die andere Hand in der Höhe des Handgelenks weg.

Andere Partisanen nahmen Messer und stachen ihn, um ihm schließlich auch noch mit einem Gewehr den Schädel einzuschlagen. Seinen Leichnam zogen Zigeuner später auf den Schinderplatz, wo er am Pferdefriedhof eingescharrt wurde. Als zweite wurde Frau Lina Klein aus dem Arrest herausgeholt. Sie wurde von den betrunkenen Partisanen nackt ausgezogen und in den Hof des Gemeindehauses geschleppt. Da sie allen Erpressungen standhielt, haben ihr die Partisanen mit einem Messer zuerst in die Gegend der Geschlechtsorgane gestochen und hackten ihr darauf von einer Hand die Finger ab. Die andere Hand wurde ihr gebrochen. Des schaurigen und blutigen Spieles noch nicht satt, brachten sie ihr dann noch Messerstiche in der Halsgegend bei. Sie blutete sehr stark, war aber noch nicht tot. Erst als ihr darauf ein besoffener Zigeuner auch einen Messerstich in den Rücken versetzte, brach sie zusammen. In Anwesenheit von ungefähr 200 Zuschauern, serbischen Partisanen und Zigeunern, wurde sie darauf zum Brunnen gezogen, wo mehrere Partisanen ihren Körper noch als Zielscheibe für Pistolenschüsse benützten.

Das dritte Opfer dieser Nacht war der Uhrmacher Ernst Schreiber. Er wurde von den Partisanen mit Messern abgeschlachtet. Nachdem die Partisanen auf solche Art ihren Blutdurst an den wehrlosen verhafteten deutschen Zivilisten gestillt hatten, setzten sie ihre Unterhaltung im Wirtshaus fort. Am nächsten Tag gingen die Verhaftungen der übrigen Deutschen von Ploschitz weiter. Diese wurden durch mehrere Tage fürchterlich gefoltert und dann am 19. Oktober nach Kovin getrieben. Auch dort im Lager wurden sie weiter schwer mißhandelt und einzeln oder in Gruppen getötet.

Am 23. Oktober lebte in Kovin von den Ploschitzer Deutschen noch ein Rest von 42 Personen. Sie wurden an diesem Tage gefesselt auf den Schinderplatz getrieben und dort erschossen. Der Vorgang bei ihrer Liquidierung war genau derselbe wie bei der Erschießung der Koviner Deutschen einige Tage zuvor. Mit diesen Leuten aus Ploschitz ist auch noch der Koviner Photograph Stefan Luftikus erschossen worden. Dieser rief, als sie gefesselt und nackt ausgezogen an das Massengrab herangetrieben wurden, noch den Partisanen zu: "Durch vier Jahre während der deutschen Okkupation haben wir euch Serben geschützt und es ist keinem von euch etwas geschehen. Jetzt wollt ihr uns zum Dank dafür alle vernichten". Er ist gleich nach diesen Worten getötet worden.

Mramorak
Nach den Deutschen von Ploschitz haben die Partisanen auch viele Deutsche von Mramorak gefesselt nach Kovin gebracht. Auch diese waren schon viel früher in Mramorak aus ihren Häusern vertrieben und von den Partisanen verhaftet worden. Dort waren auch schon am 20. Oktober ihrer Hundert gefesselt nach fürchterlicher Mißhandlung von den Partisanen in den serbischen Ort Bavanischte getrieben und dort alle auf einmal ganz grundlos nach abermaligen fürchterlichen Mißhandlungen auf der Schinderwiese erschossen worden. Darauf brachte man die übrigen in Mramorak verhafteten deutschen Männer und Frauen in den Bezirksort Kovin. Tagelang wurden sie hier neuerlich fürchterlich gefoltert und mancher von ihnen auch getötet. Am 28. Oktober wurden in Kovin gleichzeitig 37 Frauen und Mädchen aus Mramorak erschossen. Im Gefängnis des Bezirksgerichtes von Kovin wurden sie zuvor noch schwer geschlagen und nackt ausgezogen, denn die Partisanen wollten für ihre eigenen Frauen auch die Kleider der deutschen Frauen und Mädchen haben. Danach trieben sie die Partisanen unter ständigen Mißhandlungen gefesselt auf den Schinderplatz zum Pferdefriedhof. Dort hatten schon andere ein Massengrab ausschaufeln müssen. Sie wurden, wie in den vorhergegangenen Tagen die Männer, an das Grab herangetrieben. Auch sie mußten sich in das Grab hineinlegen und wurden dann erschossen. Wer sich weigerte, wurde von den Partisanen neben dem Grab erschossen und zu den anderen nackten Mädchen und Frauen in das Grab gestoßen. Unter diesen deutschen Mädchen befand sich auch Susi Harich, eines der angesehensten Mädchen aus Mramorak. Sie wurde zuerst von den Partisanen nur angeschossen und war schwer verwundet. "So schießt doch in den Kopf!", sagte sie noch und erst dann trat einer der Partisanen nochmals hinzu und tötete sie mit einem Schuß aus der Pistole.

Homolitz
In Homolitz töteten die Partisanen an einem einzigen Tag, nämlich am 22. Oktober 1944, 287 Deutsche, darunter viele Kinder. Auch der 13jährige deutsche Knabe Mor Adolf war darunter. Sie alle waren zuerst einzeln aus ihren Wohnungen geholt und im Gemeindehaus eingesperrt und mißhandelt worden. Darauf trieb man sie bei Morgengrauen gefesselt an den Ortsrand zum Ziegelofen. Dort mußten sie sich nackt ausziehen und wurden dann in Gruppen an ein großes Loch, aus welchem seit Jahren Erde zur Ziegelfabrik herausgegraben worden war, herangetrieben. Hier wurden sie alle von ringsherum aufgestellten Partisanen mit Maschinengewehren niedergemetzelt.

Startschevo
Auch in der Gemeinde Startschevo haben die Partisanen zur selben Zeit, als in dem Bezirksorte Kovin die angesehensten Deutschen massakriert wurden, als erste Vernichtungsmaßnahme zehn der angesehensten Deutschen umgebracht. Einige Tage später wurden alle übrigen mehr als 15 Jahre alten deutschen Männer zur Nachtzeit im Gasthause Stimac zusammengetrieben und eine Zeitlang, wie überall in den Orten, fürchterlich geprügelt und eingeschüchtert. Eines Tages mußten sich alle nackt ausziehen und ihre Kleider und Schuhe in dem Gasthaus zurücklassen. Sie selbst wurden von den Partisanen mit Draht aneinander gefesselt und noch vor Morgengrauen nackt und unter ständigen Mißhandlungen aus dem Dorfe hinaus zum Ziegelofen getrieben. In der Nähe eines großen Loches wurde haltgemacht. Unter ständigen Kolbenstößen wurden sie hier gruppenweise an den Rand des Loches getrieben und noch vor Sonnenaufgang erschossen. Kein einziger deutscher Mann im Alter von mehr als 15 Jahren ist nachher in Startschevo noch am Leben gewesen.

Unter den Opfern befand sich ein angesehener Bürger des Ortes, dessen Name aus begreiflichen Gründen nicht genannt werden kann, mit seinen zwei Söhnen. Während der Vater an den älteren Sohn gefesselt war und beim Erschießen mit diesem zusammen in die Grube fiel, ist der jüngere, kaum 15 Jahre alt, mit einem anderen sehr großen deutschen Manne zusammengebunden gewesen. Die Art der Erschießung - es wurde von den Partisanen auf die ganze Gruppe gleichzeitig geschossen - brachte es mit sich, daß der große Mann getroffen wurde und tot in die Grube stürzte. Er riß dabei auch den Knaben, der unversehrt geblieben war, mit sich ins Grab. Andere nackte Tote und Schwerverwundete fielen auf sie. Nach den Erschießungen zogen die Partisanen mit den Zigeunern, welche vorher selbst auch noch einige Deutsche erschlagen hatten, auf einige Zeit ab, ohne das Grab zuzuschütten. Diese Gelegenheit benützte der über und über von dem Blute der anderen überronnene Knabe, um sich der Fesseln zu entledigen. Er stieg aus dem Grab und lief nackt davon. Bei Verwandten hielt er sich dann lange verborgen, verließ erst nach Wochen seinen Heimatort Startschevo und brachte sich in der Stadt Pantschowa in Sicherheit.

Bavanischte
Auch aus der Ortschaft Bavanischte wurden die Deutschen von den Partisanen im Oktober 1944 nach fürchterlichen Folterungen gefesselt nach Kovin gebracht. Auch diese Deutschen wurden in Kovin auf dieselbe Art behandelt wie alle anderen aus den übrigen Gemeinden dieses Bezirkes. Besonders grausam verfuhr man mit den deutschen Frauen und Mädchen. Am 29. Oktober wurden zwölf Frauen und Mädchen dieser Ortschaft am Koviner Schinderplatz umgebracht. Sie alle waren schon einige Zeit vorher, nachdem man sie aus der Heimat hierher gebracht hatte, im Gerichtsarrest von Kovin eingesperrt gewesen. Dort hatte man sie fürchterlich malträtiert. In der Nacht des 29. Oktober wurden sie von Partisanen aus den Arresten herausgeholt und nackt ausgezogen. Es handelte sich meist um die schönsten deutschen Mädchen des Ortes und gesunde junge Frauen. Die Partisanen wollten die schönste von ihnen, nämlich Juliana Dinus - ein Mädchen von 18 Jahren - geschlechtlich mißbrauchen. Sie aber wehrte sich mit allen Kräften gegen die Vergewaltigungsversuche der Partisanen und Zigeuner und schrie fürchterlich. In ihrer Wut, ihr Ziel nicht erreichen zu können, nahmen die Partisaner eine Zange, hielten sie nieder und zwickten ihr aus der Gegend der Geschlechtsorgane ein Stück Fleisch ab, so daß sie sehr stark blutete. Noch in derselben Nacht wurden alle diese Frauen und Mädchen gefesselt, nackt auf den Schinderplatz getrieben und dort erschossen. Der Juliana Dinus schossen sie dabei zuerst nur in den Fuß, um sie leiden zu lassen. Sie blieb jedoch tapfer und rief noch den Partisanen, die meist Zigeuner waren, zu, daß sie ihr doch in den Kopf schießen sollten.

7. Im Südwesten des Banats wurde wahllos gemordet

Pantschowa
Die größte Ortschaft im Süden des jugoslawischen Banats ist die an der Mündung des Temeschflusses in die Donau gelegene Stadt Pantschowa (Pancevo). Es ist dies eine der ältesten Siedlungen des Banats. Mit den Deutschen sind auch viele andere Nationalitäten wie Serben, Rumänen, Ungarn, Slowaken und andere hier an der unteren Donau angesiedelt worden und haben durch 200 Jahre in friedlicher Zusammenarbeit nebeneinander gelebt. Durch ihre angeborene Tüchtigkeit und durch ihren besonderen Fleiß aber sind, obwohl sie unter fremden Regierungen lebten, insbesondere die Deutschen hier zu beachtlichem Wohlstand gelangt. Die Stadt Pantschowa zählte zu Beginn des letzten Krieges über 25.000 Einwohner. Darunter gab es neben Serben, Rumänen, Ungarn und Slowaken über 12.000 Deutsche. Ihr Ansehen und ihren wirtschaftlichen Aufschwung verdankte die Stadt insbesondere diesen Deutschen. Sie ist zu einem wirtschaftlichen Zentrum geworden, von wo aus früher Hunderte von Donau-Schleppern alljährlich in alle möglichen Länder verladen wurden. Viele Tausende Deutsche lebten und schafften vorbildlich auch in zahlreichen Gemeinden der näheren und weiteren Umgebung dieser Stadt.

In diese Gegenden war die russische Armee bereits in den ersten Tagen des Monats Oktober 1944 eingerückt. Unter ihrem Schutz hatten sogleich kommunistische Partisanen die Macht an sich gerissen, die sogleich ein ungeheuer grausames Regime einführten. Alle, in denen sie Gegner des Kommunismus erblicken zu müssen glaubten, wurden durch sie vernichtet. Nicht nur die Anhänger des serbischen Generals Neditsch, auch die königstreuen Serben, die Tschetnici Drascha Michailowitschs und insbesondere die Deutschen wurden gänzlich ausgerottet. Von den annähernd 40.000 Deutschen von Pantschowa und seiner Umgebung hatten nur einige Tausend das Land verlassen. Die anderen hatten sich, da sie ein ruhiges Gewissen hatten, nicht gefürchtet. Sie ahnten nicht, was für ein Schicksal unter dem neuen Regime ihrer harrte. Sie sind alle, nur weil sie Deutsche waren, vernichtet worden, und heute lebt in dieser Gegend kein einziger Deutscher mehr auf seinem Grund und Boden.

Gleich nach der Übernahme der Macht haben die Partisanen mit der Verhaftung und Liquidierung der angesehensten und wohlhabendsten deutschen Männer begonnen. Die ersten Opfer waren diejenigen, deren Hab und Gut auf die Partisanen eine besondere Anziehungskraft ausübte und in deren volle Häuser sie sich sogleich hineinsetzen wollten. Alle diese Deutschen wurden zuerst in das sogenannte alte Stockhaus, in die dem dortigen Kreisgerichte angegliederte Strafanstalt, gebracht. Auch aus den Umgebungsgemeinden brachte man Tausende der angesehensten Deutschen beiderlei Geschlechts hierher, um sie hier dann Tage hindurch grausam zu foltern. Jedesmal, wenn von irgendwo blutrünstige oder nach sadistischen Quälereien lechzende Partisanen gekommen sind, die sich nach reichlichem Alkoholgenuß austoben oder unschuldige, wehrlose, gefesselte Deutsche umbringen und sterben sehen wollten, wurden aus den überfüllten Räumen der Strafanstalt wahllos einzelne oder ganze Gruppen herausgerufen und grundlos so lange mißhandelt, bis sie tot oder die Partisanen selbst satt oder müde geworden waren. Wie in den anderen Gegenden, wurden auch hier die Opfer in den Folterkammern meist zu Boden geworfen, ihnen mit Gewehrkolben von rückwärts Stöße in die Gegend der Nieren versetzt, mit aller Wucht - besonders wenn sie auf dem Rücken lagen - die Rippen gebrochen, mit Revolvern die Zähne eingeschlagen, das Nasenbein zertrümmert, usw. Viele, viele Deutsche sind so einzeln zugrunde gegangen.

Erst nach Tagen, nachdem die Partisanen genug gefoltert zu haben glaubten und sie diese Art der Liquidierung nicht mehr reizte, haben sie begonnen, die Deutschen in Gruppen gefesselt aus diesem Lager hinauszutreiben und in Gruppen zu erschießen. Vorher aber mußten sie sich, der Kleider und Wäschebeute wegen, immer nackt ausziehen. Aus diesem Lager sind auf diese Art insgesamt 1.666 Deutsche, meist zur Nachtzeit, gefesselt weggeführt worden und spurlos verschwunden. Meist wurden sie an der Straße, die gegen die Ortschaft Jabuka führt, oder am Flugplatz erschossen. In der Nähe der Stärkefabrik, unweit des Flugplatzes, waren noch 1946 zwölf Hügel zu erkennen. Es sind die Massengräber größerer Gruppen, die hier erschossen und eingescharrt wurden. Alle diese Gruppen bestanden aus hundert und mehr Opfern. Viele sind auch in dem Gefängnis gestorben.

Eines der ersten Opfer des neuen, blutigen volksdemokratischen Regimes war hier ein Knabe, und zwar der Schüler Franz Maierhöfer. Eine serbische Frau wollte den Eltern dieses Knaben, mit welchen sie nicht in Freundschaft lebte, ein Leid zufügen. Als die Partisanen die Macht in Pantschowa an sich gerissen hatten, glaubte sie, dies erreichen zu können. Die Eltern selbst hat sie nicht töten lassen, aber sie verlangte von den damals allmächtigen Partisanen, daß man das einzige Kind dieser Leute, den unschuldigen, ahnungslosen Knaben töte. Die Partisanen haben daraufhin tatsächlich das Kind ohne jede andere Veranlassung von den Eltern weggerissen und kurzerhand erschossen. Der erste, der in diesem Lager fürchterlich gefoltert worden und später an den Folgen der dabei erlittenen Verletzungen gestorben ist, war der evangelische Senior Wilhelm Kund. Er war, nachdem die Partisanen den deutschen evangelischen Bischof, Dr. Philipp Popp, erhängt hatten, der älteste evangelische Priester in Jugoslawien. Ihn haben die Partisanen in einer Zelle der erwähnten, als Lager für die Deutschen eingerichteten Strafanstalt zwei Stunden lang, nur weil er Priester war, mißhandelt. Auch er erhielt Kolbenstöße in die Gegend der Nieren. Sie schlugen ihm mit Stöcken ins Gesicht und brachen ihm das Nasenbein. Dann warfen sie ihn zu Boden. Sie sprangen ihm der Reihe nach mit aller Wucht auf den Bauch und brachen ihm drei Rippen. Er war nach dieser Folterung über und über blutig und hatte schwere innere Verletzungen, an deren Folgen er später im Lager starb. Auch den bekannten deutschen Rechtsanwalt Dr. Hans Leitner hatte man aus Kowatschitza hierher ins Lager gebracht und so lange mißhandelt, bis er an den Folgen gestorben ist.

Nach und nach brachten die Partisanen immer mehr deutsche Männer und viele angesehene deutsche Frauen der Stadt Pantschowa und Umgebung in diese Lager und nachdem die meisten von ihnen grausame Mißhandlungen überstanden hatten, begann man mit Massenerschießungen. Die erste große Erschießung fand am 16. Oktober 1944 statt. An diesem Tage sind, nur um die Zahl der Deutschen zu vermindern, 180 deutsche Männer gefesselt aus dem Lager hinausgeführt und nachdem sie sich hatten nackt ausziehen müssen, an der Straße, die nach Jabuka führt, erschossen worden. Viele Grausamkeiten wurden seitens der serbischen Partisanen und der Zigeuner bei dieser Gelegenheit begangen. Diese Deutschen wurden gruppenweise an das Massengrab herangetrieben oder mußten sich schon gleich in dasselbe nackt hineinlegen und bekamen dann ihre Schüsse. Wer aber zögerte, wurde schwer mißhandelt oder nur angeschossen. Der Drechslermeister Anton Geier wurde, als er schon ausgezogen war, von Zigeunern zuerst mit einer Grabschaufel aufgespießt und erst nach einiger Zeit des Leidens, noch lebendig, ins Grab geworfen. Den Uhrmacher Michael Eichart aber töteten die Partisanen bei dieser Gelegenheit auf eine besonders grausame Art, indem sie ihm bei lebendigem Leibe einige Rippen herausschnitten und ihn, bevor sie ihn zu den anderen Deutschen ins Grab gestoßen haben, noch lange leiden ließen.

Auf ähnliche grausame Art wurden am 18. Oktober wieder 180 Deutsche, die ebenfalls gefesselt aus dem Lager hinausgetrieben wurden, erschossen. Am 20. Oktober betrug die Zahl der Opfer sogar 300. Darunter befanden sich auch einige kriegsgefangene deutsche Soldaten. Am 22. Oktober tötete man 30 Männer und eine Frau. So ging es weiter bis Mitte November. Am 9. November ist auch der frühere deutsche Abgeordnete und Rechtsanwalt, Dr. Simon Bartmann, obwohl von ihm jedermann wußte, daß er stets ein guter jugoslawischer Patriot und niemals Faschist gewesen ist, in einer Gruppe von 84 Deutschen erschossen worden. Unter diesen Opfern befanden sich auch elf Frauen, ebenso der Zahnarzt Dr. Hauber und der Rechtsanwalt Dr. Bartosch. Auch die übrigen waren meist Angehörige der Intelligenzberufe und wohlhabendere Leute. Der Vorgang war an diesem Tage der gewesen, daß die Partisanen mit einer Liste von Zelle zu Zelle gingen und die Namen der darauf Verzeichneten vorlasen. Wessen Name vorgelesen wurde, mußte aus der Zelle hinaustreten. So versammelten sie im Hof die 84 deutschen Männer und Frauen. Sie wurden sogleich von Partisanen umringt und mit Stöcken und Gewehren geschlagen. Dann fesselten sie sie mit Stricken und Draht aneinander und trieben sie unter ständigen Mißhandlungen aus dem Lager hinaus. Auch diese Opfer sind, wie die vor ihnen, nackt an das Massengrab herangetrieben und auf grausame Art umgebracht worden.

Am 11. November 1944 haben dann die Partisanen auch alle übrigen Deutschen der Stadt Pantschowa - also auch die deutschen Frauen und Kinder - aus ihren Häusern verjagt und in ein Lager getrieben. Alles, was die Deutschen besaßen, mußten sie zurücklassen oder wurde ihnen weggenommen. 3.024 von ihnen brachte man in die Ortschaft Brestowatz, wo insgesamt 7.000 Menschen im Lager gewesen sind. Dort sind in kurzer Zeit 400 Personen gestorben. Die deutschen Frauen aber wurden von hier aus im Winter auf schwere Zwangsarbeiten getrieben. Auch hier wurden viele Deutsche umgebracht oder schrecklich mißhandelt. Gegen 1.000 dieser deutschen Mädchen und jungen Frauen aber hat die jugoslawische Regierung Ende 1944 den russischen Truppen ausgeliefert. Von diesen sind sie fortgeschleppt worden und keine einzige von diesen Frauen und Mädchen ist jemals wieder gesund in ihre Heimat zurückgekehrt. Auch aus dem Lager Brestowatz haben die Partisanen gelegentlich selbst Frauen und Mädchen verschleppt. Sie sind derzeit noch immer spurlos verschwunden.

Der Vater eines solchen deutschen Mädchens, Suchi Dominik, hat sich darüber aufgehalten, daß seine Tochter von den Partisanen verschleppt wurde und verschwunden ist. Daraufhin haben ihn die Partisanen zur Strafe fürchterlich gefoltert. Sie hielten ihm eine brennende Kerze unter die Nasenlöcher und unter die herausgestreckte Zunge und zerquetschten ihm die Geschlechtsteile. Aus dem Lager Brestowatz kamen dann im Herbst 1945 3.784 Deutsche, meist Frauen und Kinder die aus Pantschowa stammten, in das große Konzentrationslager nach Rudolfsgnad. Dies bedeutete für die Pantschowarer Deutschen ein neues Massensterben. Von den 3.784 Frauen und Kindern aus Pantschowa, bzw. aus Brestowatz, die im Herbst 1945 nach Rudolfsgnad gebracht worden waren, lebten im Sommer 1946 nur mehr 1.884. Mehr als die Hälfte, nämlich 1.900, sind in einem einzigen Winter verhungert, bzw. zugrunde gegangen. Aber auch diejenigen Männer und Frauen von Pantschowa, die nicht nach Brestowatz oder Rudolfsgnad verschleppt wurden, sondern im Lager Pantschowa zurückgeblieben waren, wurden weiterhin allmählich vernichtet. Sie wurden, unterernährt, ständig auf schwere Zwangsarbeiten getrieben, und wer sich dabei eine Verletzung zuzog oder erkrankte und arbeitsunfähig wurde, ist von den Partisanen ganz einfach erschlagen oder erschossen worden. Manchmal wurden die Kranken und Arbeitsunfähigen auch in größeren Gruppen liquidiert.

So sind am 11. Dezember 1944 auf einmal gleich 68 kranke Deutsche und die Kriegsinvaliden des ganzen Bezirkes erschossen worden, von denen 32 aus der Gemeinde Brestowatz stammten. Sie wurden deshalb liquidiert, weil man sich von diesen Invaliden wegen ihrer körperlichen Gebrechen auf den Zwangsarbeiten keinen Nutzen mehr versprach. Die billigste Art, diese Leute loszuwerden, bestand in ihrer Erschießung. Auch die Invaliden ruhen an der Straße, die nach Jabuka führt. Viele deutsche Lagerleute wurden aus Pantschowa auf schwere Zwangsarbeiten auch in andere Lager gebracht und dort liquidiert. Viele schickte man in das Lager nach Semlin, das auf dem sogenannten Ausstellungsgelände für die Deutschen errichtet worden war. Mehrere tausend deutsche Männer und Frauen fanden hier den Tod. Auf die gleiche Art wie in der Stadt Pantschowa selbst, wurden auch die Deutschen in vielen Gemeinden der Umgebung liquidiert, sofern sie nicht schon gleich in den ersten Tagen ins Lager nach Pantschowa gebracht worden waren. Meist waren es die angeseheneren und wohlhabenderen Deutschen, die auch hier zuerst umgebracht worden sind. Die anderen kamen später dran. Nur wenige kamen mit dem Leben davon.
Weiterführend: Übersetzung in Englisch

Brestowatz
So wie Kathreinfeld war auch Brestowatz ein Ort, wohin die Männer und Frauen gebracht wurden, die in den verschiedenen Lagern krank oder sonstwie arbeitsunfähig geworden waren. Auch von Pantschowa wurden die Kranken nach Brestowatz gebracht. Nicht alle Krankentransporte dürften Brestowatz erreicht haben.

Über einen solchen Transport, der in Brestowatz nie eingetroffen ist, berichtet einer, der mit dem Leben noch davon gekommen ist, wie folgt:
"Ich war gerade einen Tag in Pantschowa, als mir ein guter Freund riet, mich krank zu melden. Ich würde dann nach Brestowatz gebracht werden und dort nicht die schwere Arbeit wie in Pantschowa zu verrichten haben. Da ich dort gute Bekannte hatte, folgte ich seinem Rate. Ich hatte zwar das Gefühl, daß es, selbst auf die Gefahr schwer arbeiten zu müssen, doch vielleicht besser sein würde in Pantschowa zu bleiben. Ich hatte im Unterbewußtsein das Gefühl, daß bei Massenerschießungen vielleicht doch eher auf Arbeitsunfähige als auf Arbeitende zurückgegriffen werden könnte, was auch tatsächlich häufig der Fall war. Dennoch meldete ich mich. Als dann der Transport zusammengestellt wurde, war auf den Wagen für mich kein Platz. Wegen Platzmangels sind noch 83 andere mit mir zurückgeblieben. Am Abend desselben Tages hieß es, es sollen alle, die mit dem Transport nicht mitgehen konnten, antreten. Wir wurden aufgefordert, uns die Sache mit Brestowatz zu überlegen. Wer trotz seiner Krankheit doch noch meinte, arbeiten zu können, solle besser bleiben. Als sich so einige zum Bleiben gemeldet hatten, trat auch ich aus, obwohl ich gerne doch nach Brestowatz gegangen wäre. Zwanzig sind insgesamt so in Pantschowa geblieben. Die übrigen wurden - so hieß es zumindest - nach Brestowatz geführt. Sie sind dort nie angekommen. Sie wurden nach Alibunar gebracht und dort in der Nähe des Schlagbaumes erschossen und eingescharrt."

Das Brestowatzer Internierungslager wurde später aufgelassen und der Rest der Belegschaft nach Rudolfsgnad gebracht. Ein großer Teil der in das Brestowatzer Lager eingewiesenen Arbeitsunfähigen ist dortselbst gestorben, viele sind aber auch getötet worden.

Glogau
In Glogau haben die Partisanen gleich in den ersten Tagen ihrer Herrschaft zahlreiche Männer verhaftet und in Richtung Sefkerin oder Kowatschitza weggeführt. Viele sind unterwegs in ein Feld geführt und dort erschossen worden.

Über das Schicksal eines solchen Transportes berichtet ein Augenzeuge wie folgt:
"Ich wurde in der zweiten Hälfte des Oktobers mit einem Landsmann verhaftet, in das Gemeindehaus geführt und dort eingesperrt. Als wir die Zelle betraten, befanden sich dort bereits sechs ebenfalls verhaftete Männer, die zum Teil bereits übel zugerichtet waren. Einem hatten sie schon die Hand abgeschlagen. Unter ihnen befand sich ein gewisser Anton Glöckner aus St. Georgen und ein Mann aus Ernsthausen, namens Rotten. Ich wurde mit noch zwei anderen entlassen, die übrigen nach Sefkerin in Marsch gesetzt. Unweit des Ortsausganges hieß der Begleitposten die Männer in ein Sojabohnenfeld gehen und erschoß sie dann mit seiner Maschinenpistole. Einer der Männer namens Bayerle ließ sich geistesgegenwärtig gleich fallen, ohne daß er getroffen worden war und tat so, als wäre er tot. Als er aber merkte, daß sich der Begleitposten seinen Opfern näherte und jedem noch eine Kugel in den Kopf schoß, legte er seinen Oberarm über die Augen, um vielleicht doch nicht als noch lebend erkannt zu werden. Als der Posten zu ihm kam, schoß er ihm ebenfalls in den Kopf, doch verletzte der Schuß nur den über den Augen liegenden Arm und die Backen- und Ohrenpartie des Gesichts. Als der Posten weggegangen war, stand er, um nicht zu verbluten, auf und gedachte, in den Ort zu gehen, sich dort versteckt zu halten und seine Wunden ausheilen zu lassen. Als er das Ende des Ackers erreicht hatte, kam gerade ein Partisane ohne Schußwaffe des Weges, der ihn anhielt und danach fragte, was mit ihm geschehen sei. Er hieß ihn, sich an einen Baum zu setzen und seine Rückkehr abzuwarten. Als auch der Partisane außer Sicht war, raffte er seine letzten Kräfte zusammen und konnte gerade noch rechtzeitig eines der Häuser am Ortsrande erreichen. Er wurde auch aufgenommen und auch vom Arzt heimlich gepflegt. Die vier Toten wurden später an Ort und Stelle begraben. Nach einigen Tagen wurde ich wieder verhaftet und nach Kowatschitza in das dortige OZNA-Gefängnis gebracht.

Am 30. Oktober verhafteten die Partisanen 46 Personen, darunter auch den Ortspfarrer Knappe. Sie wurden gefesselt und an den Abhang eines neben dem Ort liegenden Hügels gebracht Dort mußten sie sich nackt ausziehen. Auf Intervention einheimischer Serben wurden noch drei von ihnen wieder nach Hause gelassen, die übrigen mit Pfarrer Knappe erschossen. Vorher hatten sie sich noch selbst das Grab schaufeln müssen. Sehr viele Glogauer Männer arbeiteten damals auf dem Flugplatz in Opovo. Eines der Liquidierungskommandos, die am 30. Oktober in vielen Banater Gemeinden Deutsche in Massen niedermetzelten, erschien auch auf den Opovoer Flugplatz und ließ alle antreten. Die aus verschiedenen Gemeinden stammenden Männer wurden einzeln gefragt, was sie seien und jeder, der zur Antwort gab, Deutscher zu sein, wurde gleich zur Seite gestellt und erschossen. Bei dieser Gelegenheit sind nur solche Deutsche mit dem Leben davon gekommen, die gut serbisch oder rumänisch sprachen und sich darauf versteiften, keine Deutschen zu sein. Insgesamt sind 183 Männer aus Glogau im Herbst 1944 erschossen worden."

Einen Einblick in die damals im ganzen Banate herrschenden Zustände gewährt die Darstellung eines später aus Groß-Betschkerek geflüchteten Deutschen, der sich dem bei der Räumung des Gebietes von den deutschen Truppen erlassenen Stellungsbefehl dadurch entziehen wollte, daß er sich in der Umgebung von Glogau versteckt hielt. Er wollte dort das Einrücken der russischen Truppen erwarten, um sich auf diese Weise dem Dienst bei den deutschen Truppen zu entziehen und in der Heimat bleiben zu können.
Er erzählt:
"Vom 4. bis 7. Oktober 1944 hielt ich mich als Zivilist in der Gemeinde Glogau bei Pantschowa versteckt. In meinem Versteck erfuhr ich, daß die Gemeindevertretung Bescheinigungen ausstellt, mit denen man ohne weiteres nach Hause gehen kann. So ging ich am 7. Oktober 1944 in das Gemeindeamt Glogau. Da wurde ich ohne jede Frage eingesperrt. Im Kerker befanden sich schon drei ebenfalls eingekerkerte Banater. Am Nachmittag wurden wir zu Fuß nach Sefkerin gebracht, wo wir in einer Schule bereits 12 Mann antrafen. Der Anblick dieser 12 Mann, die in verschiedenen Kauerstellungen ihren wundgeschlagenen Körpern eine wohltuende Ruhe angedeihen lassen wollten, war furchtbar. Sie waren seit einigen Tagen hier eingesperrt und jeder rauflustige Zivilist durfte an diesen 12 Opfern seine Wut austoben.

Am 8. Oktober 1944 mußte die Zivilbevölkerung Getreide abliefern. Die serbischen Bauern brachten Weizen und Mais und wir mußten die Wagen entladen. Wir trugen die 60 bis 70 kg schweren Säcke vom frühen Morgen bis zum späten Abend und bekamen dafür statt Verpflegung nur grausame Prügel. Jeder Zivilist sowie die Wachmannschaft, die ja auch nur aus Zivilisten bestand, konnten schlagen, so viel und so lange sie wollten. Einige von uns hatten noch gute Schuhe, die wurden uns ausgezogen. Am 9. Oktober 1944 verrichteten wir die gleiche Arbeit und empfingen noch mehr Prügel als am Vortage. In diesen zwei Tagen erhielten wir einmal 50 Gramm Brot. Abends um 7 Uhr kamen drei bewaffnete Partisanen und forderten fünf Mann von uns auf, mitzukommen. Wir wurden dem etwa zwei Kilometer vom Dorfe Sefkerin entfernten Wald zugeführt. Das Sprechen war uns nicht verboten, die Partisanen folgten uns sehr dicht, damit niemand in der Dunkelheit entkommen konnte. Es wurde uns nichts gesagt, aber das Ziel dieses Marsches war jedem von uns bekannt: Erschießung.

Mein Freund, Johann Schab aus Lazarfeld, und ich sprachen unterwegs miteinander und kamen zur Abmachung, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit zu fliehen. Im Walde angelangt, wurden wir von einem Partisanen, der mit einer Maschinenpistole bewaffnet war, zur Erschießung aufgestellt. Wir mußten Front zur Tiefe des Waldes nehmen. Zwei andere, mit Gewehren bewaffnete Partisanen überwachten die Aufstellung. Wir versuchten in unserer Todesangst nach dem Grund dieser Erschießung zu fragen, wurden jedoch schon bei den ersten Worten durch Kolbenhiebe und Stöße zum Schweigen gebracht. Außer Flüchen und Schimpfworten bekamen wir nichts zu hören. So standen wir nun dicht aneinandergepreßt zur Erschießung bereit. Als der Partisane mit der Maschinenpistole hinter uns trat, um uns von hinten zu erschießen, stieß mich mein Freund Schab mit der linken Hand an, worauf wir beide davonliefen. In diesem Augenblick krachte auch schon die erste Salve. Ich sah und fühlte beim Wegspringen die links neben mir stehenden Kameraden tot zu Boden sinken.

Die Partisanen schossen, schrien und liefen wild hinter uns her, jedoch die Dunkelheit und die sehr dichte Stelle des Waldes waren unsere Rettung. Ich lief in der Todesangst und unter Inanspruchnahme meiner letzten Kräfte, was ich konnte. Nach 300 bis 400 Metern brach ich zusammen, von meinem Freund Schab hatte ich keine Spur mehr, er hatte im Wald eine andere Richtung eingeschlagen. Immer noch schossen und schrien die Partisanen. Während ich mich wieder mühsam aufraffte, um weiterzukommen, verstummten die Schüsse und Flüche der Partisanen. Ich stand, am Waldrand angekommen, vor der Temesch. Um mich der Verfolgung durch die Partisanen zu entziehen, schwamm ich ohne lange Überlegung über den Fluß und war dann im Königsdorfer Ried angelangt. Ich verbrachte diese Nacht im Freien, weil ich mich in der Dunkelheit nicht in die Nähe von Häusern wagte, da sich überall Partisanen herumtrieben."

Kowatschitza
In Kowatschitza befand sich ein Gefängnis der OZNA. Unzählige deutsche Männer wurden aus der ganzen Umgebung nach Kowatschitza in dieses Gefängnis gebracht. Jeden Mittwoch und Samstag fanden Massenerschießungen statt.
Darüber berichtet ein ehemaliger Häftling dieses Gefängnisses folgendes:
"Ich wurde mit noch einem Mann von Glogau nach Kowatschitza in das dortige Gefängnis der OZNA gebracht. Als wir in die Zelle kamen, lagen dort bereits zwei Männer, die erbärmlich verprügelt worden waren, sich kaum mehr regen konnten und wahrscheinlich auch dann nicht mehr am Leben geblieben wären, wenn sie nicht bei den wöchentlich zweimal stattfindenden Massenerschießungen erschossen worden wären. Tagsüber mußten wir arbeiten. Jeden Mittwoch und Samstag ging abends die Zelle auf, wobei immer einige Männer aus fast jeder Zelle in den Gang geführt und dort gefesselt wurden. Man hat nie mehr was von ihnen gehört oder gesehen, nur ihre Kleider haben wir später beim Aufräumen auf dem Dachboden gesehen.

Jedesmal, wenn die Männer weggeführt waren, machten wir die Fenster unserer Zellen auf und hörten die Gruppe in Richtung Debeljatscha abziehen. Keine halbe Stunde dauerte es, da hörten wir jedesmal eine Salve aus Maschinenpistolen und dann eine gewisse Anzahl von Einzelschüssen. Diese Einzelschüsse zählten wir genau. Da viele der Häftlinge tagsüber auf Arbeit geführt wurden, wo sie Gelegenheit hatten, miteinander zu reden, wußten wir am Abend immer, wer in der vorhergehenden Nacht alles weggeführt wurde. Die auf diesem Wege ermittelte Zahl war in der Regel dieselbe, wie die am Abend gezählten Einzelschüsse. Die ausgehobene Gruppe wurde offenkundig zuerst mit Maschinengewehrsalven umgelegt und dann jeder zur Sicherheit auch noch einzeln angeschossen. Die letzte Erschießung hat drei Wochen vor meiner Entlassung stattgefunden. Damals wurden 29 Männer aus den Zellen geholt und 28 davon auf einem Lastkraftwagen weggeführt. In den fünf Wochen, die während der Zeit, als die Massenerschießungen regelmäßig jeden Mittwoch und Samstag durchgeführt wurden, wurden insgesamt rund 200 Männer erschossen. Der Mann, der mit mir eingeliefert wurde, war schon nach acht Tagen unter den Toten."

Jabuka
In Jabuka haben die Partisanen noch im Oktober als erste Maßnahme 21 der wohlhabendsten und angesehensten Deutschen, darunter auch den Arzt Dr. Peter Weinz und dessen Frau, verhaftet. Lange Zeit fehlte von diesen jede Spur. Im Jänner erschien eine Kommission im Ort, um nach Gräbern von im Kampfe gegen die deutsche Besatzungsmacht gefallenen Partisanen zu suchen. Vom Pantschowarer Lager wurden 30 Männer mitgenommen, die überall dort zu graben hatten, wo solche Gräber vermutet wurden. Links von der nach Pantschowa führenden Straße stieß man dabei auf 21 noch frische Spuren von Genickschüssen. Unter ihnen befand sich auch eine Frauenleiche. Die Leichen konnten von den ortskundigen, zu den Grabungen mitgenommenen Deutschen als die Leichen der vor Monaten in Jabuka spurlos verschwundenen Personen einwandfrei erkannt werden. Insbesondere waren die Leichen der Ärztefamilie leicht erkennbar. Die Frau war nur mit einem Höschen bekleidet und hatte in einem Ohr noch ihr Ohrgehänge. Als einer der Kommissionsmitglieder dieses bemerkte, stieg er sofort in das Grab, nahm das Ohrgehänge an sich und steckt es in seine Tasche. Nicht nur den Lagerleuten, auch den Kommissionsmitgliedern war es offenkundig, daß es sich bei diesen Leichen um keine Partisanen handeln konnte, denn weder Partisanen noch Partisaninnen sind je im Kampf nackt und aneinandergebunden gefallen. Sie ordneten an, die Grabungen abzubrechen und das Grab wieder zuzudecken.

8. Im äußersten Westen des Banats werkte die Hungermühle

Rudolfsgnad
Am linken Ufer der Theiß, dort wo diese in die Donau mündet, haben die Behörden des neuen jugoslawischen Staates im Jahre 1945 die frühere deutsche Gemeinde Rudolfsgnad (Knicanin) zu einem besonderen großen Konzentrationslager gemacht. Die Bewohner der Gemeinde waren beim Rückzug der deutschen Truppen aus dem Banat evakuiert worden und die Siedlung selbst ist im Laufe der Kampfhandlungen teilweise auch zerstört worden. 23.000 Volksdeutsche aus dem Banat, meist Frauen und Kinder, wurden nach der Vertreibung aus ihren Dörfern von den Partisanen im Herbst 1945 hierher gebracht und hier in den Ruinen und verlassenen Häusern von Rudolfsgnad zusammengedrängt. Die ersten trafen am 30. Oktober 1945 hier ein. Es war die Bevölkerung von Kathreinfeld und die dort untergebrachten arbeitsunfähigen und kranken Leute aus den verschiedenen Banater Lagern. Die Gegend ist von jedem Verkehr mit der Umgebung abgesperrt worden. Von dem Schicksal dieser Leute ist lange nichts in die Öffentlichkeit gedrungen. Niemand durfte schreiben oder Post empfangen. Kein Mensch durfte sie besuchen. Deutsche Menschen wurden hier in Massen liquidiert. Man ließ sie einfach verhungern. Schon im Laufe weniger Monate sind über 7. 000 gestorben.

Gerade während der kältesten Wintermonate hat man ihnen fast gar nichts zu essen gegeben. Jahre hindurch durfte niemand von auswärts Lebensmittel senden oder bringen. Im Dezember 1945 - also schon viele Monate nach dem Kriege - haben die Lagerbehörden an den vier unmittelbar aufeinanderfolgenden Weihnachtsfeiertagen vom 24. bis 27. Dezember überhaupt keine Nahrung ausfolgen lassen. Im Monat Januar 1946 erhielten sie insgesamt im ganzen Monat pro Kopf nur 7 dkg Salz und 223 dkg Maisschrot. Es waren dies meist mit den Kolben zusammengeschrotete Maiskörner, wie sie üblicherweise früher den Schweinen verfüttert wurden. Kein Fettstoff, kein Brot, überhaupt sonst gar nichts. An vielen Tagen und einmal sogar auch an fünf unmittelbar aufeinanderfolgenden Tagen wurde in diesen Monat überhaupt keine Nahrung, also auch nicht einmal Mais ausgegeben. Im Monat Februar 1946 betrug die Gesamtnahrungsmenge, die an einzelne Menschen in diesem Lager ausgefolgt wurde, überhaupt nur 220 dkg pro Person und bestand fast nur aus gewöhnlichem Maisschrot. Auch die kleinen Kinder und deren stillende Mütter bekamen nicht mehr und nichts anderes. Brot hat es schon vom November 1945 angefangen bis Juli 1946, also acht Monate hindurch, überhaupt keines gegeben, ebenso Salz.

Über die Verhältnisse in Rudolfsgnad berichtet eine Frau, die mit den ersten nach Rudolfsgnad kam, folgendes:
"Wer auf Arbeit war, sich dort irgend etwas zu essen ergattern konnte und sich versucht fühlte, den kostbaren Schatz eines Stückchen Brotes ins Lager hineinzuschmuggeln, bekam Prügel und wurde eingesperrt. Als Arrest dienten Keller, dann Zimmer mit vermauerten Fenstern und im Sommer auch Dachböden. Wer darin eingesperrt war, bekam nichts zu essen und nichts zu trinken. Im Sommer waren die heißen Dachböden als Arreste besonders gefürchtet. Die dort herrschende Hitze und der damit verbundene Durst konnten Menschen wahnsinnig machen. Die ersten Opfer des Hungers waren die Hunde und Katzen des Ortes. Als im Winter 1945/46 das Hungern seinen Anfang nahm, verschwanden zuerst diese Haustiere. Alle anderen hatten die Partisanen unter ihre Verwaltung genommen, so daß den Zehntausenden hungernder Menschen nichts anderes übrig blieb, als nach diesen Tieren zu greifen, sie zu schlachten und mit ihrem Fleisch den Hunger zu stillen. Wenn eine Katze von irgendwo im Orte auftauchte, wurde sie gleich von vielen verfolgt, gefangen, geschlachtet und aufgegessen. So hat sich einmal eine Katze in das Haus verirrt, in dem ich mit meinen Angehörigen wohnte. Weil wir im Haus soviel Mäuse hatten, band ich sie mit einer langen Schnur an. Als ich einmal kurz weg war, hatte sie sich losgerissen und war verschwunden. Ich ging sie in die Nachbarhäuser suchen. Schon als ich in das erste Haus kam, sagte man mir dort, daß sie schon geschlachtet und abgezogen sei und auch schon koche.

Es wurden auch überall die Schnecken gesammelt und genossen und auch Kleepflanzen, wo immer sie noch wuchsen, ausgerupft und als einzige grüne Kost gegessen. Obwohl das Verlassen des Lagers auch noch zu Beginn des Jahres 1948 unter Androhung von Todesstrafe verboten war, sind oft Mütter, die den Hungertod ihrer kleinen Kinder nicht erleben wollten, zur Nachtzeit durch die dichte Reihe der Wachposten geschlichen und haben Kleider der im Lager gestorbenen Angehörigen in serbische und ungarische Nachbarortschaften gebracht und dort gegen Lebensmittel eingetauscht. Viele, viele solcher Mütter wurden auf der Rückkehr ins Lager von den Posten erschossen und später mit fürchterlichen Verletzungen als Leichen in irgend einem Graben aufgefunden.

Im Frühjahr 1946 wurde wieder in der Lagerküche für das Lager gekocht. Es war jetzt Suppe mit Erbsen oder Gerste. Auch Schrot gab es etwas mehr. Im Frühsommer gab es auch reife Maulbeeren. Die Leute mußten auch wieder auf die Arbeit gehen. Sie waren aber meist so matt, daß sie kaum die Beine heben konnten. Wenn man sich nach langer Zeit beim Essenfassen mit Bekannten traf, hat man sich oft gar nicht gleich erkannt, so verändert sahen die Leute aus. Nicht nur, daß die lumpigen Kleider sie entstellt hätten, es waren auch alle so abgemagert, daß sie vollkommen entstellt waren. Etwa 8.000 waren zu diesem Zeitpunkt schon gestorben, es wurden aber immer neue, die arbeitsunfähig oder krank geworden waren, aus den anderen Lagern nach Rudolfsgnad gebracht, so daß noch immer gegen 2.000 Menschen in dem Ort beisammen waren. In Zeiten, wo es im Lager nichts Gekochtes zu essen gab, versuchten viele selbst zu kochen. Wenn hier vom Kochen die Rede ist, so war das ein solches besonderer Art. Man hat schon davon gehört, daß Kinder, um ihren hungrigen Magen zu füllen, zuweilen auch schon Sand gegessen haben. So ungefähr verhielt es sich auch mit dem Kochen im Lager. Es wurden Besenreisig, Brennessel, Kräuter und andere einigermaßen genießbare Grasblätter gesammelt und gekocht. Das alles war etwas, womit man das gefaßte Quantum des Maisschrotes etwas vergrößern und den vor Hunger knurrenden Magen mit etwas, wenn auch meist nähr- und nutzlosem Zeug, beschäftigen konnte. Wenn ein Stück Vieh verendete, sind bis zu tausend Menschen in das Haus gekommen, wo der Pferde- oder Kuhkadaver lag, um sich ein Stück Fleisch loszuschneiden. Mit Messern ausgerüstet, drängten sie sich um den Kadaver herum, um an die Reihe zu kommen. Es trug sich einmal zu, daß ein Mutterschwein beim Austreiben der Schweineherde auf der Straße verwarf. Die toten Ferkel waren kaum einige Minuten gelegen und das Mutterschwein noch kaum entfernt, als die toten Ferkel schon weggetragen, gekocht und aufgezehrt wurden. Nicht selten sind dann auch diejenigen, die solches Fleisch genossen, davon krank geworden und manchmal auch gestorben. Um die von den Partisanen weggeworfenen Schalen von Melonen rauften sich Hunderte von Kindern und aßen sie gierig in ihre hungernden Mägen. Solche Genüsse hatten meist keinen anderen Wert, als daß sie dem hungernden Magen etwas zu verdauen gaben, aber meist auch zu Durchfall, Ruhr und dergleichen führten.

Was Menschen allein an Durchfall gelitten haben, ist unbeschreiblich. Jeder war einmal, wenn nicht auch öfter, von dieser Krankheit längere Zeit befallen. Er spülte in der Regel noch den letzten Rest an Kräften weg und wer nicht an Schwäche gestorben ist, wurde bald das Opfer irgend einer anderen Krankheit, die sich in seinem Gefolge einstellte. Täglich starben 50 und mehr Personen. Von Durchfall einmal befallen, gab es davon nur selten noch eine Erlösung. Manche hatten ihn monatelang und, in einem stärkeren Maße Befallene, oft auch ein halbes Jahr und länger. Dann aber waren die Kräfte in der Regel dahin, der Körper ausgelaugt und der Tod nahe.

Ungeheuer groß war die Zahl derer, welche an Durchfall zugrunde gegangen sind, denn die wenigen Nahrungsmittel, welche sie bekamen, wurden lange Zeit hindurch wie den Schweinen in rohem Zustande verabreicht. Durch Monate hindurch bekamen sie überhaupt keine gekochte Nahrung, denn für die Deutschen war kein Brennmaterial zum Kochen vorhanden. Jeder mußte sich helfen, wie er konnte, oder zugrunde gehen. Gleichzeitig aber wurden die Frauen und selbst Kinder unter zehn Jahren täglich in langen Kolonnen schon beim Morgengrauen auf Zwangsarbeit getrieben. Sie mußten vielfach im Walde Holz machen. Dieses Holz aber wurde von den Lagergewaltigen nach auswärts geliefert. Den Lagerleuten selbst aber war es streng verboten, für sich selbst Holz zu sammeln, um sich zum Kochen Feuer machen zu können. Viele, die beim Holzsuchen angetroffen wurden, sind sogleich erschossen worden.

Wozu diese Not an Brennmaterial und zu welchen Einfällen sie Veranlassung bot, erkennt man am besten daran, daß sich die Leute in der Nähe der Kuhherde aufzuhalten bestrebt waren, und wenn eine Kuh mistete, sich gleich daran machten, den frischen Mist aufzuklauben, daraus kleine Ballen zu machen, um ihn trocknen zu lassen und im Winter als Brennmaterial zu verwenden. Die ganzen Winter hindurch wurde nämlich nichts zum Heizen ausgefolgt und wer sich nichts beschaffen konnte, mußte Tag und Nacht in der Stube frieren. Jedes Blatt und jedes Gräschen wurde im Sommer gesammelt, getrocknet und im Winter als Brennmaterial verwendet. Es trug sich zu, daß beim Düngerfahren einmal eines der Pferde nicht mehr ziehen wollte. Der Fuhrmann band die Pferde los, um sie in den Stall zu führen und ließ den Wagen auf der Straße stehen. Bis er mit anderen Pferden wieder zurückkam, hatten die Leute den ganzen Dünger weg- und in ihre Quartiere getragen, um ihn als Brennmaterial zu verwenden.

Hungerödem, Flecktyphus rafften zeitweise Menschen nur so weg. Während der Hunger den Körper so vieler Tausender Menschen schwächte und ihre Widerstandskräfte zermürbte, breiteten sich zeitweise Typhusepidemien aus, die jedes vorstellbare Ausmaß auch abnormaler Verhältnisse übertrafen. Diphtherie desgleichen. Einmal eingerissen, verfielen diese gefährlichen und ansteckenden Krankheiten Kinder und Frauen in Massen. Nur selten ist hie und da eines wieder genesen. Aber auch andere Krankheiten gab es, die im Lager in einer seltenen Häufigkeit auftraten. Eine solche war vor allem die Wassersucht. Es muß auf die Ernährung zurückzuführen gewesen sein, daß dieser an sich seltenen Krankheit so viele Menschen anheimgefallen sind. Sehr viele Lagerinsassen erkrankten auch an Skorbut. Es war eine äußerst häufige Erscheinung, daß die kleinste Hautverletzung nicht mehr heilen wollte, sich als Wunde immer mehr ausbreitete. Dieser gesundheitliche Zerfall war häufig mit eitrigen Ausschlägen und Geschwüren gepaart. Es war eine Plage, die oft Ausmaße annahm, daß sie den Tod herbeiführte. Meist waren es Frauen und Kinder - die Männer waren größtenteils schon vorher erschossen worden - die Anfang 1946 in Massen zugrunde gegangen sind. Das Ende dieser Menschen war fast immer das gleiche: es schwollen ihnen die Füße an, das Gesicht quoll auf und nach einigen Tagen trat der Tod ein.

Zum Hunger gesellte sich die Läuseplage. Reinigen konnte sich niemand. Seife gab es keine. Im Winter konnte die Wäsche nicht gewaschen werden, weil alle meist nur das besaßen, was sie am Leibe trugen und die Wäsche im Winter nicht schnell genug wieder getrocknet wäre. Im Sommer trockneten die Brunnen aus und an die Bega oder Theiß durfte niemand Wasser holen gehen. Wie satanisch dieses Regime ausgedacht war, zeigt am besten die zynische Begründung dieses Verbotes, "daß die Schiffe nicht mehr fahren könnten, wenn man aus den Flüssen so viel Wasser schöpfen würde".

Die Körper der Kinder waren meist voller Krätze. Konnten sich schon Erwachsene nicht reinigen und von der Läuseplage frei halten, um so weniger waren die Kinder diesem Ungeziefer gewachsen. Von Läusen und anderem Unrat zerfressen und aufgekratzt bildeten sich an ihren Gliedern große Flächen nie heilender und immer mehr sich ausbreitender Krätze. Für die Toten gab es kein Begräbnis. Es waren Männer bestimmt, die die Verstorbenen zu begraben hatten. Kein Priester durfte die Leichen einsegnen und kein Verwandter durfte ihnen das letzte Geleit geben. Anfangs konnten die Angehörigen noch kleine Holzkreuze mitgeben, die dann auch auf das Grab gesteckt wurden, später aber auch nicht mehr. Dann half man sich mit Flaschen, in die ein Zettel mit dem Namen des Verstorbenen gesteckt wurde und so dem Toten mit ins Grab gegeben wurde. Bald aber gab es auch keine Flaschen mehr.

Ärztliche Hilfe gab es keine. Wöchentlich kam ein russischer Arzt aus der Stadt, der innerhalb weniger Stunden 1.000 bis 1.200 Kranke besichtigte. Seine Krankenvisiten waren eine denkbar einfache Angelegenheit. Mit der Pfeife in dem Munde ging er durch die Räume, in denen Kranke lagen. Nur selten fragte er jemand, was ihm fehle, untersucht oder geholfen hat er niemand. Auch sonst war die Behandlung in diesem Lager überaus unmenschlich. Täglich wurden deutsche Frauen, welche auf den Zwangsarbeiten infolge Unterernährung schwach wurden und nicht mehr arbeiten konnten, grausam und ganz unsinnig mißhandelt. Auch die katholischen Priester, die in diesem Lager waren, wurden auf besonders schwere Zwangsarbeiten getrieben und roh behandelt. Wie groß der Vernichtungswille der Behörden gegen die deutschen Zivilpersonen hier war, haben sie auch dadurch bewiesen, daß sie an einem der heißesten Tage des Jahres 1946 alle deutschen Lagerleute, ungefähr 20.000 Menschen, auf die östlich des Lagers gelegene Hutweide getrieben haben. Dort mußten alle den ganzen Tag hindurch in der Sonnenglut in einem großen Haufen stehen. Man gab den Tausenden kleinen Kindern den ganzen Tag kein Wasser und niemand durfte zur Verrichtung der Not austreten. Alle mußten ruhig den ganzen Tag auf einem Platz stehen. Ein Massenaufgebot von schwerbewaffneten Partisanen ringsum aber hielt Wache und drohte, jeden zu erschießen, der seinen Platz verläßt

Gottesdienste gab es keine und beten war verboten. Zum Spott trugen die Partisanen einmal zur Nachtzeit aus der Kirche von Rudolfsgnad alle heilige Statuen heraus und stellten sie in der Nacht, als keiner von den Lagerleuten das Quartier verlassen durfte, mitten auf die Straße, welche durch das Lager führte, als gingen die Heiligen durch das Lager spazieren. Man verspottete so die religiösen Gefühle der deutschen Gläubigen. Tausende deutsche Kinder in diesem Lager aber mußten all dies ansehen. Für sie gab es keine Schule. Sie sollten keinen Herrgott kennen und keinen Lehrer haben und auch den eigenen Eltern wurden sie entfremdet. Viele Kinder wußten gar nicht, wo ihre Eltern sind. Die Eltern vieler waren erschossen worden oder schon im Lager verhungert. Hunderte hatten auch keine Großeltern mehr. Nahe Verwandte oder Bekannte nahmen sich ihrer an. Eines Tages wurden die Kinder weggenommen und in dem Schulgebäude und in Gasthäuser einquartiert. Das waren dann die Kinderheime. Sie waren mit Drahtzäunen eingefriedet. Die armen und verlassenen Kinder, die vielfach schon niemand mehr anderen auf der Welt als vielleicht noch ein altes Großmütterchen hatten, standen an den Drahtzäunen und weinten. Hatten bisher doch noch Großmütter oder verwandte Frauen für sie gesorgt und ihnen hie und da noch einen am eigenen Mund abgesparten Bissen zu essen gegeben, so gab es jetzt für sie nichts mehr als die Lagerkost. Daß der Tod von nun an in diesen Kinderheimen besonders reichliche Ernte hielt, liegt auf der Hand. Mit dem, was es zu essen gab, konnten erfahrene und erwachsene Menschen kaum etwas anfangen, geschweige diese sich selbst überlassenen Kinder. Sie schliefen auf den Fußböden und hatten nur selten Stroh für ihr Nachtlager."

Eine Krankenschwester berichtet darüber folgendes:
"Ich ging einmal vorbei, öffnete die Tür und sah die armen, ausgezehrten Knochenskelette von Kindern dort liegen: ihre Hemdchen - ein einziger zerrissener Fetzen, zugedeckt mit den Lumpen ihrer Kleider. Täglich starben ihrer 30 und mehr. Jeden Tag fuhr ein Bauernwagen von einem dieser Kinderheime zum anderen und lud die toten Kinder auf. Ihre halbnackten, nur noch aus Haut und Knochen bestehenden, ausgezehrten Körper wurden herausgetragen und wie Holzscheite auf dem Wagen aufgeschichtet und dann hinaus zum Totenloch gefahren. Dort wurden sie zu den anderen Toten hineingeworfen und am Abend mit Erde zugedeckt. Wenn man auf der Straße einem solchen Wagen begegnete, wußte man nicht, sollte man weg- oder hinschauen - es zerbrach einem so oder so das Herz.

Es dauerte nicht lange, da fuhren die Partisanen vor den Kinderheimen mit Lastwagen vor und luden die Kinder alle auf. Die Kinder und die Erwachsenen ahnten, daß die Kinder fortgeführt werden sollten und weinten und schrien. Die einen, weil sie trotz ihres Elendes aus dem Ort nicht fort wollten, wo sie doch noch einen Großvater oder Bekannten in ihrer Nähe wußten, die anderen, weil sie nach dem Bisherigen auch für die Zukunft und das Schicksal der Kinder nichts Gutes mehr erwarten konnten. Alles Schreien, Weinen und Wehklagen half nichts. So wie ein Lastwagen voll war, fuhr er weg. Insgesamt sind etwa 750 Kinder an einem einzigen Tag spurlos verschleppt worden. Allgemein war man der Ansicht, daß die Kinder nach Rußland geschafft würden. Viele alte Großmütter und Großväter konnten den Verlust ihrer Enkelkinder nicht mehr übers Herz bringen. Sie erhängten sich oder sie sprangen in die Theiß, um an das viele Leid, das sie inzwischen erleben mußten, nicht mehr denken zu müssen. Bei den Enkelkindern konnten sie nicht mehr sein und so schien ihnen das Weiterleben ohne Zweck, zumal es nur mehr aus Leid und Hunger bestehen konnte. Später hörte man, daß die Kinder in serbische Orte gebracht wurden, wo sie in Erziehungsheimen und bei Privaten untergebracht und zu serbischen Kommunisten erzogen wurden.

Die toten Deutschen durften nicht im Friedhof begraben werden. Wie das verreckte Vieh wurden sie an einem abseits gelegenen Platz außerhalb des Lagers auf der sogenannten "Teletschka" eingescharrt. Es wurden dort schon immer im voraus lange Laufgräben gezogen. Täglich fuhr ein Bauernwagen fast ununterbrochen durch das Dorf und sammelte in den Häusern, in denen jemand gestorben war, die Toten. Sieben bis acht lud er jedesmal auf und führte sie dann in das Massengrab des Tages. Jeder Tag hatte so ein Massengrab. Wer einmal einem solchen Wagen begegnete, dem blieb das Herz still stehen, so ein Anblick war es, halbnackte Menschen mit ihren zu Skeletten abgemagerten Gliedern wie Holzscheite auf einem Bauernwagen liegen zu sehen und zu wissen, daß er tagaus, tagein und wahrscheinlich so lange durch diese Straßen fahren wird, so lange auch nur ein einziger dieser Tausenden von Menschen lebt, die sich in diesem Ort befinden. Tags darauf kamen die neuen Toten dazu, und wenn ein Graben der ganzen Länge nach voll war, kam der nächste an die Reihe. An einem Tag des Monats Januar 1946 waren es 113 Personen, welche auf einmal auf diese Art begraben worden sind. Grabzeichen durften nicht errichtet werden. Die Mütter durften ihre toten Kinder nicht begleiten und die Kinder nicht ihre toten Eltern. Niemand durfte wissen, wo das Grab seiner Liebsten ist.

Sobald einige tausend Lagerleute begraben waren und wieder Platz entstanden war, wurden aus den anderen kleineren Lagern, welche über das ganze Land verstreut waren, immer wieder neue Transporte mit Tausenden deutscher Frauen und Kinder hierhergetrieben, um hier auf gleiche Weise vernichtet zu werden, so daß andere Lager allmählich leer wurden und aufgelassen werden konnten. Dies dauerte bis Ende 1947 ununterbrochen so an. In demselben Jahre sind einmal sogar aus der Untersteiermark 400 Menschen gebracht worden, die schon im Jahre 1946 von dort weggeschleppt und eine Zeitlang in einem Lager in Kroatien gehalten worden waren. Ein großer Teil von diesen waren österreichische Staatsbürger. Statt daß man sie aus der Untersteiermark nach Kriegsschluß über die nahe Grenze nach Österreich gelassen hätte, wurden sie in das Sumpfgebiet der Theiß geschleppt. Nur 57 sind von diesen mit dem Leben davongekonunen. Mit Ausnahme von drei Männern waren alle übrigen Frauen und Kinder. Sie mußten bis zur Auflösung aller Lager im Jahre 1948 gleich den jugoslawischen Deutschen hier leiden, kamen dann ins Kriegsgefangenenlager nach Neusatz und wurden erst am 29. März 1948 nach Österreich repatriiert. Sie wurden an diesem Tage in einen Viehwaggon verladen.

Beschwerden gegen die unmenschliche Behandlung brachten keine Abhilfe. Sie hatten vielmehr nur Nachteile für diejenigen zur Folge, welche sich beschwerten. So hatten sich einmal im Jahre 1946 drei deutsche Frauen beim Lagerkommandanten darüber beschwert, daß sie von den ihm unterstellten Organen auf brutale Weise vergewaltigt worden seien. Wutentbrannt übergab der Kommandant gleich darauf alle drei Frauen den Partisanen, die sie mißhandelten, weil sich deutsche Frauen gegen slawische Partisanen wegen geschlechtlichen Mißbrauchs nicht hätten beschweren dürfen. Über Anordnung des Lagerkommandanten selbst aber wurden sie überdies noch neun Tage eingesperrt und bekamen die ganze Zeit nichts zu essen. Auf diese Weise in ihrem brutalen Vorgehen gegen die Deutschen nur noch aufgemuntert, nahmen die Mißhandlungen und Erschießungen kein Ende. Es vergingen selten Nächte, daß nicht in irgend einem Teil des Lagers auf Deutsche geschossen oder deutsche Frauen von Partisanen mißhandelt worden wären. Das Gefühl der Hilflosigkeit lastete schwer auf den Gemütern. Um ihrem Leiden ein Ende zu machen, begingen sehr viele Selbstmord. Großmütter nahmen ihre Enkelkinder in die Arme und stürzten sich mit ihnen in die Theiß.

Vom Frühjahr 1946 an konnten sich serbische Arbeitgeber Arbeitskräfte aus dem Lager pachten. Sie hatten für eine Arbeitskraft an die Lagerverwaltung 50 Dinar pro Tag zu bezahlen. Diese Einrichtung - sie war zwar nichts anderes als ein Sklavenhandel wie zu alten Zeiten - hat vielen Menschen das Leben gerettet. Alle rissen sich darum, einmal verpachtet zu werden. Die Pächter waren oft serbische Freunde, die ihre Bekannten auf diese Weise für einige Zeit von dem Elend loskauften, oft aber auch sehr anspruchsvolle Ausbeuter, die sich vor dem Geschäft die so reichlich angebotene Ware genau ansahen, sie nach Muskelkraft abtasteten und sich über ihre Kenntnisse und Fertigkeiten informieren ließen. Jeder war aber froh, wenn die Wahl auf ihn fiel, denn wenn er auch oft schwer und viel hat arbeiten müssen, er konnte doch damit rechnen, sich wenigstens einigermaßen sattessen zu können. Als Sklave verkauft zu werden, war ein Glück, in tausend Fällen die Rettung des Lebens.

Um diese Zeit wurde der freien Bevölkerung auch gestattet, Pakete in das Lager zu bringen. Ein Haus wurde mit Stacheldraht von dem Lager abgesondert und dort konnten die Pakete abgegeben werden. Die serbischen und ungarischen Landsleute brachten von nun an ihre Bekannten, so gut sie konnten, Pakete mit Lebensmitteln und Kleidern. Sie haben manchen damit das Leben gerettet. In der Nähe des Pakethauses versammelten sich immer große Menschenmengen, die sehnsüchtig darauf warteten, ob nicht ein edler Spender auch ihrer gedachte. Immer wieder trieben die Partisanen diese Ansammlungen mit Gummiknüppeln und Gewehrkolben auseinander. Mit den Spendern der Pakete durfte niemand sprechen. Die Pakete wurden von den Partisanen geöffnet und am nächsten Tage, meist schon halb leer, den damit Bedachten übergeben.

Was diese Pakete bedeuteten, erkennt man am besten aus der Schilderung einer alten Großmutter. Sie erzählt darüber folgendes:
"Nach sehr, sehr langer Zeit bekamen wir ein Paket, in dem auch etwas Mehl enthalten war. Ich machte davon einen Teig, um für die Kinder was zu backen. Hundertmal fragten sie mich, ob es noch nicht gebacken sei, und als ich die Platte mit dem heißen Gebäck herauszog, mußte ich mit allen Kräften abwehren, damit sie sich an der heißen Platte nicht die Hände und mit dem heißen Gebäck nicht die Mäuler verbrannten."

Bald trafen auch die ersten Pakete aus Amerika ein. Landsleute in Amerika hatten von dem Elend in Rudolfsgnad gehört und entschlossen sich, zu helfen. Wohl fehlte hie und da was davon, aber man bekam immerhin etwas. Soweit es Kleider waren, mußten sie auf nächtlichen Schleichwegen hinausgeschafft und gegen Lebensmittel vertauscht werden. Diese Hilfe aus Amerika, oft klein und oft nur für Tage spürbar, war das Schönste, was die Menschen in dem Lager seit Jahren erlebt hatten.

Seitens der Behörden wurde immer verkündet, daß bei den Besprechungen der Großmächte in Yalta die Aussiedlung der Volksdeutschen aus Jugoslawien nicht beschlossen worden sei. Das neue Jugoslawien habe dort vielmehr das Recht erhalten, mit seinen Deutschen zu machen, was es wolle. Sie seien vogelfrei und sie hätten daher nur mehr zu arbeiten und im Lager, aus welchem sie nie mehr freigelassen würden, zu sterben. In dieser verzweifelten Notlage wandte sich im Sommer 1946 der einstige deutsche Abgeordnete, Dr. Wilhelm Neuner, der sich auch in diesem Lager befand, in schriftlichen Beschwerden, welche auf der Post eines Nachbarortes aufgegeben worden waren, sowohl unmittelbar an den jugoslawischen Staatspräsidenten als auch an die in Belgrad akkredierten Botschafter der Großmächte. Er verlangte, daß dem ständigen Morden von unschuldigen deutschen Zivilpersonen, nur weil sie wegen ihrer Staatenlosigkeit nirgends Schutz fanden, im zweiten Jahre nach dem Kriege endlich Einhalt geboten werde. Das Lagerkommando erfuhr davon. Der Beschwerdeführer wurde am 8. August 1946 aus dem Quartier geholt und ihm nach kurzem Verhör in Anwesenheit der gesamten Lagerverwaltung wegen dieser Beschwerde das Todesurteil verkündet, das nicht durch Erschießen, sondern in der Weise vollzogen werden sollte, daß er in einen Keller zu sperren sei und dort ohne Nahrung so lange zu bleiben habe, bis er verhungere. In Vollstreckung dieses Urteils wurde Dr. Neuner sofort in einen kleinen, dunklen Keller gesperrt, in dem er weder stehen noch liegen konnte. Der Keller war niedrig und naß. Nach elf Tagen wurde er nach Belgrad in das Gefängnis der OZNA gebracht. In bezug auf die Verhältnisse und Behandlung im Lager hatte diese Beschwerde nur den einen Erfolg, daß einige Funktionäre des Lagers von Rudolfsgnad in andere Lager versetzt wurden und die neuen Kommandanten nach kurzer Unterbrechung in derselben grausamen Art das Vernichtungswerk fortsetzen.

Nach und nach fingen die Leute an zu flüchten. Oft wurden Flüchtlinge von den neuen serbischen Kolonisten auf dem Felde und den Straßen, oft aber auch an der Grenze aufgegriffen und wieder in das Lager zurückgebracht. Das dämpfte dann wieder für eine kurze Zeit die Lust zum Fliehen bei solchen, die sich darauf schon vorbereitet hatten. Wer zurückgebracht wurde, wurde meist fürchterlich mißhandelt und nach einigen mißglückten Versuchen waren die Leute meist schon so schwach und gesundheitlich herabgekommen, daß sie an eine Wiederholung ihrer Versuche nicht mehr denken konnten.

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