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6. Im
Süden des Banats gab es einen Blutrausch ohne
Grenzen Kovin Die neue volksdemokratische jugoslawische
Regierung hat auch in dieser Gegend die deutsche
Bevölkerung, Männer, Frauen und Kinder,
weit über 10.000 Menschen,
planmäßig ausgerottet. Die gesunden,
über 15 Jahre alten Männer wurden in
allen diesen Ortschaften größtenteils
sogleich erschossen oder erschlagen. Tausende
erwachsene deutsche Mädchen und junge Frauen
von ihren Familien und die jungen Mütter von
ihren kleinen Kindern weggerissen und nach
Rußland verschleppt. Keine einzige von diesen
Frauen und Mädchen ist gesund in die Heimat
zurückgekehrt. Die übrige deutsche
Bevölkerung wurde restlos von Haus und Hof
vertrieben. Man hat ihnen alles, was sie hatten,
weggenommen. Auch Schuhe und Kleider, die sie am
Leibe trugen, mußten sie vielfach ausziehen
und hergeben. Dürftig bekleidet wurden sie in
den Bezirksort Kovin oder in andere Gegenden in
Konzentrationslager verschleppt. Bei dieser
Gelegenheit und auch noch später wurden dann
Tausende einzeln oder in Gruppen von den Partisanen
erschlagen, abgeschlachtet, erschossen, durch
andere grausame Mittel liquidiert oder durch Hunger
vernichtet. Heute wohnt in dieser Gegend kein
Deutscher mehr. Die Ausrottung der Deutschen
vollzog sich in allen Ortschaften dieser Gegen in
gleicher Weise. Im Bezirksort Kovin wurden am 13. Oktober 1944
als erste die zehn wohlhabendsten Deutschen aus
ihren Häusern geholt und auf grausame Art
umgebracht. Unter diesen ersten Opfern befand sich
der deutsche Soda-Fabrikant Josef Fitschelka. Er
mußte sich im Hofe des Gutsbesitzers Franz
Schneider nackt ausziehen und wurde dann
fürchterlich mißhandelt. Die Partisanen
nahmen eine Zugsäge, hielten ihn nieder und
durchsägten den lebenden Körper des
Genannten von der rechten Brustkorbseite nach links
über Lunge und Bauch. Er jammerte
fürchterlich. Nach ihm wurden ähnlich
grausam auch die anderen reichen Leute
getötet. Darunter befand sich die ganze
Familie des Großgrundbesitzers Franz
Schneider. Gleich darauf begannen die Partisanen auch mit
der Verhaftung der übrigen deutschen
Männer Kovins. Sie wurden alle eingesperrt und
Tage hindurch fürchterlich gefoltert. Am 19.
Oktober in der Früh um 2 Uhr wurden dann 280
dieser Deutschen auf den Pferdefriedhof
(Schinderplatz) getrieben und dort erschossen. Auch
vier deutsche Kriegsgefangene sollten gleichzeitig
mit ihnen getötet werden. Alle übrigen
waren Deutsche aus Kovin. 20 Männer, die erst
später erschossen wurden, hatten vorher am
Schinderplatz ein Massengrab graben müssen.
Als das Loch fertig war, mußten sie wegtreten
und sich 50 Schritte seitwärts niederlegen.
Die 280 ausgewählten Opfer mit den vier
deutschen Kriegsgefangenen wurden dann gefesselt
herangeführt, mußten sich nackt
ausziehen und sich in Gruppen zu je zehn Menschen
in das Grab legen. Wer nicht folgte, wurde
fürchterlich geschlagen. Sobald die Leute dann
im Grab lagen, schossen die Partisanen von oben auf
sie. Dann kamen neue Gruppen daran, welche sich auf
die toten und schwerverwundeten nackten Menschen
legen mußten. Dies ging so weiter, bis alle
liquidiert waren. Dann mußten die 20
seitwärts wartenden Schaufler Erde auf die
toten und schwerverwundeten Menschen werfen und das
Grab zudecken. Am 20. Oktober 1944 wurden abermals
105 Koviner Deutsche auf gleiche Weise wie die 280
tags zuvor erschossen. Nachdem auf diese Art fast alle männlichen
Deutschen von Kovin selbst liquidiert waren, gingen
die Partisanen daran, auch die Deutschen der
übrigen Orte des Bezirkes zu vernichten. In
langen Kolonnen wurden Tag für Tag deutsche
Menschen aus den Orten der Umgebung auf Wagen oder
zu Fuß, gefesselt und von vorhergehenden
Mißhandlungen entstellt und blutig, nach
Kovin gebracht. Hier kamen sie ins Lager, wurden
Tage hindurch fürchterlich gefoltert und
erlitten dann dasselbe Schicksal wie vorher die
Koviner Deutschen. Ploschitz Andere Partisanen nahmen Messer und stachen ihn,
um ihm schließlich auch noch mit einem Gewehr
den Schädel einzuschlagen. Seinen Leichnam
zogen Zigeuner später auf den Schinderplatz,
wo er am Pferdefriedhof eingescharrt wurde. Als
zweite wurde Frau Lina Klein aus dem Arrest
herausgeholt. Sie wurde von den betrunkenen
Partisanen nackt ausgezogen und in den Hof des
Gemeindehauses geschleppt. Da sie allen
Erpressungen standhielt, haben ihr die Partisanen
mit einem Messer zuerst in die Gegend der
Geschlechtsorgane gestochen und hackten ihr darauf
von einer Hand die Finger ab. Die andere Hand wurde
ihr gebrochen. Des schaurigen und blutigen Spieles
noch nicht satt, brachten sie ihr dann noch
Messerstiche in der Halsgegend bei. Sie blutete
sehr stark, war aber noch nicht tot. Erst als ihr
darauf ein besoffener Zigeuner auch einen
Messerstich in den Rücken versetzte, brach sie
zusammen. In Anwesenheit von ungefähr 200
Zuschauern, serbischen Partisanen und Zigeunern,
wurde sie darauf zum Brunnen gezogen, wo mehrere
Partisanen ihren Körper noch als Zielscheibe
für Pistolenschüsse benützten. Das dritte Opfer dieser Nacht war der Uhrmacher
Ernst Schreiber. Er wurde von den Partisanen mit
Messern abgeschlachtet. Nachdem die Partisanen auf
solche Art ihren Blutdurst an den wehrlosen
verhafteten deutschen Zivilisten gestillt hatten,
setzten sie ihre Unterhaltung im Wirtshaus fort. Am
nächsten Tag gingen die Verhaftungen der
übrigen Deutschen von Ploschitz weiter. Diese
wurden durch mehrere Tage fürchterlich
gefoltert und dann am 19. Oktober nach Kovin
getrieben. Auch dort im Lager wurden sie weiter
schwer mißhandelt und einzeln oder in Gruppen
getötet. Am 23. Oktober lebte in Kovin von den
Ploschitzer Deutschen noch ein Rest von 42
Personen. Sie wurden an diesem Tage gefesselt auf
den Schinderplatz getrieben und dort erschossen.
Der Vorgang bei ihrer Liquidierung war genau
derselbe wie bei der Erschießung der Koviner
Deutschen einige Tage zuvor. Mit diesen Leuten aus
Ploschitz ist auch noch der Koviner Photograph
Stefan Luftikus erschossen worden. Dieser rief, als
sie gefesselt und nackt ausgezogen an das
Massengrab herangetrieben wurden, noch den
Partisanen zu: "Durch vier Jahre während der
deutschen Okkupation haben wir euch Serben
geschützt und es ist keinem von euch etwas
geschehen. Jetzt wollt ihr uns zum Dank dafür
alle vernichten". Er ist gleich nach diesen Worten
getötet worden. Mramorak Homolitz Startschevo Unter den Opfern befand sich ein angesehener
Bürger des Ortes, dessen Name aus
begreiflichen Gründen nicht genannt werden
kann, mit seinen zwei Söhnen. Während der
Vater an den älteren Sohn gefesselt war und
beim Erschießen mit diesem zusammen in die
Grube fiel, ist der jüngere, kaum 15 Jahre
alt, mit einem anderen sehr großen deutschen
Manne zusammengebunden gewesen. Die Art der
Erschießung - es wurde von den Partisanen auf
die ganze Gruppe gleichzeitig geschossen - brachte
es mit sich, daß der große Mann
getroffen wurde und tot in die Grube stürzte.
Er riß dabei auch den Knaben, der unversehrt
geblieben war, mit sich ins Grab. Andere nackte
Tote und Schwerverwundete fielen auf sie. Nach den
Erschießungen zogen die Partisanen mit den
Zigeunern, welche vorher selbst auch noch einige
Deutsche erschlagen hatten, auf einige Zeit ab,
ohne das Grab zuzuschütten. Diese Gelegenheit
benützte der über und über von dem
Blute der anderen überronnene Knabe, um sich
der Fesseln zu entledigen. Er stieg aus dem Grab
und lief nackt davon. Bei Verwandten hielt er sich
dann lange verborgen, verließ erst nach
Wochen seinen Heimatort Startschevo und brachte
sich in der Stadt Pantschowa in Sicherheit. Bavanischte 7. Im
Südwesten des Banats wurde wahllos
gemordet Pantschowa In diese Gegenden war die russische Armee
bereits in den ersten Tagen des Monats Oktober 1944
eingerückt. Unter ihrem Schutz hatten sogleich
kommunistische Partisanen die Macht an sich
gerissen, die sogleich ein ungeheuer grausames
Regime einführten. Alle, in denen sie Gegner
des Kommunismus erblicken zu müssen glaubten,
wurden durch sie vernichtet. Nicht nur die
Anhänger des serbischen Generals Neditsch,
auch die königstreuen Serben, die Tschetnici
Drascha Michailowitschs und insbesondere die
Deutschen wurden gänzlich ausgerottet. Von den
annähernd 40.000 Deutschen von Pantschowa und
seiner Umgebung hatten nur einige Tausend das Land
verlassen. Die anderen hatten sich, da sie ein
ruhiges Gewissen hatten, nicht gefürchtet. Sie
ahnten nicht, was für ein Schicksal unter dem
neuen Regime ihrer harrte. Sie sind alle, nur weil
sie Deutsche waren, vernichtet worden, und heute
lebt in dieser Gegend kein einziger Deutscher mehr
auf seinem Grund und Boden. Gleich nach der Übernahme der Macht haben
die Partisanen mit der Verhaftung und Liquidierung
der angesehensten und wohlhabendsten deutschen
Männer begonnen. Die ersten Opfer waren
diejenigen, deren Hab und Gut auf die Partisanen
eine besondere Anziehungskraft ausübte und in
deren volle Häuser sie sich sogleich
hineinsetzen wollten. Alle diese Deutschen wurden
zuerst in das sogenannte alte Stockhaus, in die dem
dortigen Kreisgerichte angegliederte Strafanstalt,
gebracht. Auch aus den Umgebungsgemeinden brachte
man Tausende der angesehensten Deutschen beiderlei
Geschlechts hierher, um sie hier dann Tage hindurch
grausam zu foltern. Jedesmal, wenn von irgendwo
blutrünstige oder nach sadistischen
Quälereien lechzende Partisanen gekommen sind,
die sich nach reichlichem Alkoholgenuß
austoben oder unschuldige, wehrlose, gefesselte
Deutsche umbringen und sterben sehen wollten,
wurden aus den überfüllten Räumen
der Strafanstalt wahllos einzelne oder ganze
Gruppen herausgerufen und grundlos so lange
mißhandelt, bis sie tot oder die Partisanen
selbst satt oder müde geworden waren. Wie in
den anderen Gegenden, wurden auch hier die Opfer in
den Folterkammern meist zu Boden geworfen, ihnen
mit Gewehrkolben von rückwärts
Stöße in die Gegend der Nieren versetzt,
mit aller Wucht - besonders wenn sie auf dem
Rücken lagen - die Rippen gebrochen, mit
Revolvern die Zähne eingeschlagen, das
Nasenbein zertrümmert, usw. Viele, viele
Deutsche sind so einzeln zugrunde gegangen. Erst nach Tagen, nachdem die Partisanen genug
gefoltert zu haben glaubten und sie diese Art der
Liquidierung nicht mehr reizte, haben sie begonnen,
die Deutschen in Gruppen gefesselt aus diesem Lager
hinauszutreiben und in Gruppen zu erschießen.
Vorher aber mußten sie sich, der Kleider und
Wäschebeute wegen, immer nackt ausziehen. Aus
diesem Lager sind auf diese Art insgesamt 1.666
Deutsche, meist zur Nachtzeit, gefesselt
weggeführt worden und spurlos verschwunden.
Meist wurden sie an der Straße, die gegen die
Ortschaft Jabuka führt, oder am Flugplatz
erschossen. In der Nähe der Stärkefabrik,
unweit des Flugplatzes, waren noch 1946 zwölf
Hügel zu erkennen. Es sind die
Massengräber größerer Gruppen, die
hier erschossen und eingescharrt wurden. Alle diese
Gruppen bestanden aus hundert und mehr Opfern.
Viele sind auch in dem Gefängnis
gestorben. Eines der ersten Opfer des neuen, blutigen
volksdemokratischen Regimes war hier ein Knabe, und
zwar der Schüler Franz Maierhöfer. Eine
serbische Frau wollte den Eltern dieses Knaben, mit
welchen sie nicht in Freundschaft lebte, ein Leid
zufügen. Als die Partisanen die Macht in
Pantschowa an sich gerissen hatten, glaubte sie,
dies erreichen zu können. Die Eltern selbst
hat sie nicht töten lassen, aber sie verlangte
von den damals allmächtigen Partisanen,
daß man das einzige Kind dieser Leute, den
unschuldigen, ahnungslosen Knaben töte. Die
Partisanen haben daraufhin tatsächlich das
Kind ohne jede andere Veranlassung von den Eltern
weggerissen und kurzerhand erschossen. Der erste,
der in diesem Lager fürchterlich gefoltert
worden und später an den Folgen der dabei
erlittenen Verletzungen gestorben ist, war der
evangelische Senior Wilhelm Kund. Er war, nachdem
die Partisanen den deutschen evangelischen Bischof,
Dr. Philipp Popp, erhängt hatten, der
älteste evangelische Priester in Jugoslawien.
Ihn haben die Partisanen in einer Zelle der
erwähnten, als Lager für die Deutschen
eingerichteten Strafanstalt zwei Stunden lang, nur
weil er Priester war, mißhandelt. Auch er
erhielt Kolbenstöße in die Gegend der
Nieren. Sie schlugen ihm mit Stöcken ins
Gesicht und brachen ihm das Nasenbein. Dann warfen
sie ihn zu Boden. Sie sprangen ihm der Reihe nach
mit aller Wucht auf den Bauch und brachen ihm drei
Rippen. Er war nach dieser Folterung über und
über blutig und hatte schwere innere
Verletzungen, an deren Folgen er später im
Lager starb. Auch den bekannten deutschen
Rechtsanwalt Dr. Hans Leitner hatte man aus
Kowatschitza hierher ins Lager gebracht und so
lange mißhandelt, bis er an den Folgen
gestorben ist. Nach und nach brachten die Partisanen immer mehr
deutsche Männer und viele angesehene deutsche
Frauen der Stadt Pantschowa und Umgebung in diese
Lager und nachdem die meisten von ihnen grausame
Mißhandlungen überstanden hatten, begann
man mit Massenerschießungen. Die erste
große Erschießung fand am 16. Oktober
1944 statt. An diesem Tage sind, nur um die Zahl
der Deutschen zu vermindern, 180 deutsche
Männer gefesselt aus dem Lager
hinausgeführt und nachdem sie sich hatten
nackt ausziehen müssen, an der Straße,
die nach Jabuka führt, erschossen worden.
Viele Grausamkeiten wurden seitens der serbischen
Partisanen und der Zigeuner bei dieser Gelegenheit
begangen. Diese Deutschen wurden gruppenweise an
das Massengrab herangetrieben oder mußten
sich schon gleich in dasselbe nackt hineinlegen und
bekamen dann ihre Schüsse. Wer aber
zögerte, wurde schwer mißhandelt oder
nur angeschossen. Der Drechslermeister Anton Geier
wurde, als er schon ausgezogen war, von Zigeunern
zuerst mit einer Grabschaufel aufgespießt und
erst nach einiger Zeit des Leidens, noch lebendig,
ins Grab geworfen. Den Uhrmacher Michael Eichart
aber töteten die Partisanen bei dieser
Gelegenheit auf eine besonders grausame Art, indem
sie ihm bei lebendigem Leibe einige Rippen
herausschnitten und ihn, bevor sie ihn zu den
anderen Deutschen ins Grab gestoßen haben,
noch lange leiden ließen. Auf ähnliche grausame Art wurden am 18.
Oktober wieder 180 Deutsche, die ebenfalls
gefesselt aus dem Lager hinausgetrieben wurden,
erschossen. Am 20. Oktober betrug die Zahl der
Opfer sogar 300. Darunter befanden sich auch einige
kriegsgefangene deutsche Soldaten. Am 22. Oktober
tötete man 30 Männer und eine Frau. So
ging es weiter bis Mitte November. Am 9. November
ist auch der frühere deutsche Abgeordnete und
Rechtsanwalt, Dr. Simon Bartmann, obwohl von ihm
jedermann wußte, daß er stets ein guter
jugoslawischer Patriot und niemals Faschist gewesen
ist, in einer Gruppe von 84 Deutschen erschossen
worden. Unter diesen Opfern befanden sich auch elf
Frauen, ebenso der Zahnarzt Dr. Hauber und der
Rechtsanwalt Dr. Bartosch. Auch die übrigen
waren meist Angehörige der Intelligenzberufe
und wohlhabendere Leute. Der Vorgang war an diesem
Tage der gewesen, daß die Partisanen mit
einer Liste von Zelle zu Zelle gingen und die Namen
der darauf Verzeichneten vorlasen. Wessen Name
vorgelesen wurde, mußte aus der Zelle
hinaustreten. So versammelten sie im Hof die 84
deutschen Männer und Frauen. Sie wurden
sogleich von Partisanen umringt und mit
Stöcken und Gewehren geschlagen. Dann
fesselten sie sie mit Stricken und Draht aneinander
und trieben sie unter ständigen
Mißhandlungen aus dem Lager hinaus. Auch
diese Opfer sind, wie die vor ihnen, nackt an das
Massengrab herangetrieben und auf grausame Art
umgebracht worden. Am 11. November 1944 haben dann die Partisanen
auch alle übrigen Deutschen der Stadt
Pantschowa - also auch die deutschen Frauen und
Kinder - aus ihren Häusern verjagt und in ein
Lager getrieben. Alles, was die Deutschen
besaßen, mußten sie zurücklassen
oder wurde ihnen weggenommen. 3.024 von ihnen
brachte man in die Ortschaft Brestowatz, wo
insgesamt 7.000 Menschen im Lager gewesen sind.
Dort sind in kurzer Zeit 400 Personen gestorben.
Die deutschen Frauen aber wurden von hier aus im
Winter auf schwere Zwangsarbeiten getrieben. Auch
hier wurden viele Deutsche umgebracht oder
schrecklich mißhandelt. Gegen 1.000 dieser
deutschen Mädchen und jungen Frauen aber hat
die jugoslawische Regierung Ende 1944 den
russischen Truppen ausgeliefert. Von diesen sind
sie fortgeschleppt worden und keine einzige von
diesen Frauen und Mädchen ist jemals wieder
gesund in ihre Heimat zurückgekehrt. Auch aus
dem Lager Brestowatz haben die Partisanen
gelegentlich selbst Frauen und Mädchen
verschleppt. Sie sind derzeit noch immer spurlos
verschwunden. Der Vater eines solchen deutschen Mädchens,
Suchi Dominik, hat sich darüber aufgehalten,
daß seine Tochter von den Partisanen
verschleppt wurde und verschwunden ist. Daraufhin
haben ihn die Partisanen zur Strafe
fürchterlich gefoltert. Sie hielten ihm eine
brennende Kerze unter die Nasenlöcher und
unter die herausgestreckte Zunge und zerquetschten
ihm die Geschlechtsteile. Aus dem Lager Brestowatz
kamen dann im Herbst 1945 3.784 Deutsche, meist
Frauen und Kinder die aus Pantschowa stammten, in
das große Konzentrationslager nach
Rudolfsgnad. Dies bedeutete für die
Pantschowarer Deutschen ein neues Massensterben.
Von den 3.784 Frauen und Kindern aus Pantschowa,
bzw. aus Brestowatz, die im Herbst 1945 nach
Rudolfsgnad gebracht worden waren, lebten im Sommer
1946 nur mehr 1.884. Mehr als die Hälfte,
nämlich 1.900, sind in einem einzigen Winter
verhungert, bzw. zugrunde gegangen. Aber auch
diejenigen Männer und Frauen von Pantschowa,
die nicht nach Brestowatz oder Rudolfsgnad
verschleppt wurden, sondern im Lager Pantschowa
zurückgeblieben waren, wurden weiterhin
allmählich vernichtet. Sie wurden,
unterernährt, ständig auf schwere
Zwangsarbeiten getrieben, und wer sich dabei eine
Verletzung zuzog oder erkrankte und
arbeitsunfähig wurde, ist von den Partisanen
ganz einfach erschlagen oder erschossen worden.
Manchmal wurden die Kranken und
Arbeitsunfähigen auch in größeren
Gruppen liquidiert. So sind am 11. Dezember 1944 auf einmal gleich
68 kranke Deutsche und die Kriegsinvaliden des
ganzen Bezirkes erschossen worden, von denen 32 aus
der Gemeinde Brestowatz stammten. Sie wurden
deshalb liquidiert, weil man sich von diesen
Invaliden wegen ihrer körperlichen Gebrechen
auf den Zwangsarbeiten keinen Nutzen mehr
versprach. Die billigste Art, diese Leute
loszuwerden, bestand in ihrer Erschießung.
Auch die Invaliden ruhen an der Straße, die
nach Jabuka führt. Viele deutsche Lagerleute
wurden aus Pantschowa auf schwere Zwangsarbeiten
auch in andere Lager gebracht und dort liquidiert.
Viele schickte man in das Lager nach Semlin, das
auf dem sogenannten Ausstellungsgelände
für die Deutschen errichtet worden war.
Mehrere tausend deutsche Männer und Frauen
fanden hier den Tod. Auf die gleiche Art wie in der
Stadt Pantschowa selbst, wurden auch die Deutschen
in vielen Gemeinden der Umgebung liquidiert, sofern
sie nicht schon gleich in den ersten Tagen ins
Lager nach Pantschowa gebracht worden waren. Meist
waren es die angeseheneren und wohlhabenderen
Deutschen, die auch hier zuerst umgebracht worden
sind. Die anderen kamen später dran. Nur
wenige kamen mit dem Leben davon. Brestowatz Über einen solchen Transport, der in
Brestowatz nie eingetroffen ist, berichtet einer,
der mit dem Leben noch davon gekommen ist, wie
folgt: Das Brestowatzer Internierungslager wurde
später aufgelassen und der Rest der
Belegschaft nach Rudolfsgnad gebracht. Ein
großer Teil der in das Brestowatzer Lager
eingewiesenen Arbeitsunfähigen ist dortselbst
gestorben, viele sind aber auch getötet
worden. Glogau Über das Schicksal eines solchen
Transportes berichtet ein Augenzeuge wie folgt: Am 30. Oktober verhafteten die Partisanen 46
Personen, darunter auch den Ortspfarrer Knappe. Sie
wurden gefesselt und an den Abhang eines neben dem
Ort liegenden Hügels gebracht Dort
mußten sie sich nackt ausziehen. Auf
Intervention einheimischer Serben wurden noch drei
von ihnen wieder nach Hause gelassen, die
übrigen mit Pfarrer Knappe erschossen. Vorher
hatten sie sich noch selbst das Grab schaufeln
müssen. Sehr viele Glogauer Männer
arbeiteten damals auf dem Flugplatz in Opovo. Eines
der Liquidierungskommandos, die am 30. Oktober in
vielen Banater Gemeinden Deutsche in Massen
niedermetzelten, erschien auch auf den Opovoer
Flugplatz und ließ alle antreten. Die aus
verschiedenen Gemeinden stammenden Männer
wurden einzeln gefragt, was sie seien und jeder,
der zur Antwort gab, Deutscher zu sein, wurde
gleich zur Seite gestellt und erschossen. Bei
dieser Gelegenheit sind nur solche Deutsche mit dem
Leben davon gekommen, die gut serbisch oder
rumänisch sprachen und sich darauf
versteiften, keine Deutschen zu sein. Insgesamt
sind 183 Männer aus Glogau im Herbst 1944
erschossen worden." Einen Einblick in die damals im ganzen Banate
herrschenden Zustände gewährt die
Darstellung eines später aus
Groß-Betschkerek geflüchteten Deutschen,
der sich dem bei der Räumung des Gebietes von
den deutschen Truppen erlassenen Stellungsbefehl
dadurch entziehen wollte, daß er sich in der
Umgebung von Glogau versteckt hielt. Er wollte dort
das Einrücken der russischen Truppen erwarten,
um sich auf diese Weise dem Dienst bei den
deutschen Truppen zu entziehen und in der Heimat
bleiben zu können. Am 8. Oktober 1944 mußte die
Zivilbevölkerung Getreide abliefern. Die
serbischen Bauern brachten Weizen und Mais und wir
mußten die Wagen entladen. Wir trugen die 60
bis 70 kg schweren Säcke vom frühen
Morgen bis zum späten Abend und bekamen
dafür statt Verpflegung nur grausame
Prügel. Jeder Zivilist sowie die
Wachmannschaft, die ja auch nur aus Zivilisten
bestand, konnten schlagen, so viel und so lange sie
wollten. Einige von uns hatten noch gute Schuhe,
die wurden uns ausgezogen. Am 9. Oktober 1944
verrichteten wir die gleiche Arbeit und empfingen
noch mehr Prügel als am Vortage. In diesen
zwei Tagen erhielten wir einmal 50 Gramm Brot.
Abends um 7 Uhr kamen drei bewaffnete Partisanen
und forderten fünf Mann von uns auf,
mitzukommen. Wir wurden dem etwa zwei Kilometer vom
Dorfe Sefkerin entfernten Wald zugeführt. Das
Sprechen war uns nicht verboten, die Partisanen
folgten uns sehr dicht, damit niemand in der
Dunkelheit entkommen konnte. Es wurde uns nichts
gesagt, aber das Ziel dieses Marsches war jedem von
uns bekannt: Erschießung. Mein Freund, Johann Schab aus Lazarfeld, und ich
sprachen unterwegs miteinander und kamen zur
Abmachung, bei der ersten sich bietenden
Gelegenheit zu fliehen. Im Walde angelangt, wurden
wir von einem Partisanen, der mit einer
Maschinenpistole bewaffnet war, zur
Erschießung aufgestellt. Wir mußten
Front zur Tiefe des Waldes nehmen. Zwei andere, mit
Gewehren bewaffnete Partisanen überwachten die
Aufstellung. Wir versuchten in unserer Todesangst
nach dem Grund dieser Erschießung zu fragen,
wurden jedoch schon bei den ersten Worten durch
Kolbenhiebe und Stöße zum Schweigen
gebracht. Außer Flüchen und
Schimpfworten bekamen wir nichts zu hören. So
standen wir nun dicht aneinandergepreßt zur
Erschießung bereit. Als der Partisane mit der
Maschinenpistole hinter uns trat, um uns von hinten
zu erschießen, stieß mich mein Freund
Schab mit der linken Hand an, worauf wir beide
davonliefen. In diesem Augenblick krachte auch
schon die erste Salve. Ich sah und fühlte beim
Wegspringen die links neben mir stehenden Kameraden
tot zu Boden sinken. Die Partisanen schossen, schrien und liefen wild
hinter uns her, jedoch die Dunkelheit und die sehr
dichte Stelle des Waldes waren unsere Rettung. Ich
lief in der Todesangst und unter Inanspruchnahme
meiner letzten Kräfte, was ich konnte. Nach
300 bis 400 Metern brach ich zusammen, von meinem
Freund Schab hatte ich keine Spur mehr, er hatte im
Wald eine andere Richtung eingeschlagen. Immer noch
schossen und schrien die Partisanen. Während
ich mich wieder mühsam aufraffte, um
weiterzukommen, verstummten die Schüsse und
Flüche der Partisanen. Ich stand, am Waldrand
angekommen, vor der Temesch. Um mich der Verfolgung
durch die Partisanen zu entziehen, schwamm ich ohne
lange Überlegung über den Fluß und
war dann im Königsdorfer Ried angelangt. Ich
verbrachte diese Nacht im Freien, weil ich mich in
der Dunkelheit nicht in die Nähe von
Häusern wagte, da sich überall Partisanen
herumtrieben." Kowatschitza Jedesmal, wenn die Männer weggeführt
waren, machten wir die Fenster unserer Zellen auf
und hörten die Gruppe in Richtung Debeljatscha
abziehen. Keine halbe Stunde dauerte es, da
hörten wir jedesmal eine Salve aus
Maschinenpistolen und dann eine gewisse Anzahl von
Einzelschüssen. Diese Einzelschüsse
zählten wir genau. Da viele der Häftlinge
tagsüber auf Arbeit geführt wurden, wo
sie Gelegenheit hatten, miteinander zu reden,
wußten wir am Abend immer, wer in der
vorhergehenden Nacht alles weggeführt wurde.
Die auf diesem Wege ermittelte Zahl war in der
Regel dieselbe, wie die am Abend gezählten
Einzelschüsse. Die ausgehobene Gruppe wurde
offenkundig zuerst mit Maschinengewehrsalven
umgelegt und dann jeder zur Sicherheit auch noch
einzeln angeschossen. Die letzte Erschießung
hat drei Wochen vor meiner Entlassung
stattgefunden. Damals wurden 29 Männer aus den
Zellen geholt und 28 davon auf einem Lastkraftwagen
weggeführt. In den fünf Wochen, die
während der Zeit, als die
Massenerschießungen regelmäßig
jeden Mittwoch und Samstag durchgeführt
wurden, wurden insgesamt rund 200 Männer
erschossen. Der Mann, der mit mir eingeliefert
wurde, war schon nach acht Tagen unter den
Toten." Jabuka 8. Im
äußersten Westen des Banats werkte die
Hungermühle Rudolfsgnad Gerade während der kältesten
Wintermonate hat man ihnen fast gar nichts zu essen
gegeben. Jahre hindurch durfte niemand von
auswärts Lebensmittel senden oder bringen. Im
Dezember 1945 - also schon viele Monate nach dem
Kriege - haben die Lagerbehörden an den vier
unmittelbar aufeinanderfolgenden
Weihnachtsfeiertagen vom 24. bis 27. Dezember
überhaupt keine Nahrung ausfolgen lassen. Im
Monat Januar 1946 erhielten sie insgesamt im ganzen
Monat pro Kopf nur 7 dkg Salz und 223 dkg
Maisschrot. Es waren dies meist mit den Kolben
zusammengeschrotete Maiskörner, wie sie
üblicherweise früher den Schweinen
verfüttert wurden. Kein Fettstoff, kein Brot,
überhaupt sonst gar nichts. An vielen Tagen
und einmal sogar auch an fünf unmittelbar
aufeinanderfolgenden Tagen wurde in diesen Monat
überhaupt keine Nahrung, also auch nicht
einmal Mais ausgegeben. Im Monat Februar 1946
betrug die Gesamtnahrungsmenge, die an einzelne
Menschen in diesem Lager ausgefolgt wurde,
überhaupt nur 220 dkg pro Person und bestand
fast nur aus gewöhnlichem Maisschrot. Auch die
kleinen Kinder und deren stillende Mütter
bekamen nicht mehr und nichts anderes. Brot hat es
schon vom November 1945 angefangen bis Juli 1946,
also acht Monate hindurch, überhaupt keines
gegeben, ebenso Salz. Über die Verhältnisse in
Rudolfsgnad berichtet eine Frau, die mit den ersten
nach Rudolfsgnad kam, folgendes: Es wurden auch überall die Schnecken
gesammelt und genossen und auch Kleepflanzen, wo
immer sie noch wuchsen, ausgerupft und als einzige
grüne Kost gegessen. Obwohl das Verlassen des
Lagers auch noch zu Beginn des Jahres 1948 unter
Androhung von Todesstrafe verboten war, sind oft
Mütter, die den Hungertod ihrer kleinen Kinder
nicht erleben wollten, zur Nachtzeit durch die
dichte Reihe der Wachposten geschlichen und haben
Kleider der im Lager gestorbenen Angehörigen
in serbische und ungarische Nachbarortschaften
gebracht und dort gegen Lebensmittel eingetauscht.
Viele, viele solcher Mütter wurden auf der
Rückkehr ins Lager von den Posten erschossen
und später mit fürchterlichen
Verletzungen als Leichen in irgend einem Graben
aufgefunden. Im Frühjahr 1946 wurde wieder in der
Lagerküche für das Lager gekocht. Es war
jetzt Suppe mit Erbsen oder Gerste. Auch Schrot gab
es etwas mehr. Im Frühsommer gab es auch reife
Maulbeeren. Die Leute mußten auch wieder auf
die Arbeit gehen. Sie waren aber meist so matt,
daß sie kaum die Beine heben konnten. Wenn
man sich nach langer Zeit beim Essenfassen mit
Bekannten traf, hat man sich oft gar nicht gleich
erkannt, so verändert sahen die Leute aus.
Nicht nur, daß die lumpigen Kleider sie
entstellt hätten, es waren auch alle so
abgemagert, daß sie vollkommen entstellt
waren. Etwa 8.000 waren zu diesem Zeitpunkt schon
gestorben, es wurden aber immer neue, die
arbeitsunfähig oder krank geworden waren, aus
den anderen Lagern nach Rudolfsgnad gebracht, so
daß noch immer gegen 2.000 Menschen in dem
Ort beisammen waren. In Zeiten, wo es im Lager
nichts Gekochtes zu essen gab, versuchten viele
selbst zu kochen. Wenn hier vom Kochen die Rede
ist, so war das ein solches besonderer Art. Man hat
schon davon gehört, daß Kinder, um ihren
hungrigen Magen zu füllen, zuweilen auch schon
Sand gegessen haben. So ungefähr verhielt es
sich auch mit dem Kochen im Lager. Es wurden
Besenreisig, Brennessel, Kräuter und andere
einigermaßen genießbare
Grasblätter gesammelt und gekocht. Das alles
war etwas, womit man das gefaßte Quantum des
Maisschrotes etwas vergrößern und den
vor Hunger knurrenden Magen mit etwas, wenn auch
meist nähr- und nutzlosem Zeug,
beschäftigen konnte. Wenn ein Stück Vieh
verendete, sind bis zu tausend Menschen in das Haus
gekommen, wo der Pferde- oder Kuhkadaver lag, um
sich ein Stück Fleisch loszuschneiden. Mit
Messern ausgerüstet, drängten sie sich um
den Kadaver herum, um an die Reihe zu kommen. Es
trug sich einmal zu, daß ein Mutterschwein
beim Austreiben der Schweineherde auf der
Straße verwarf. Die toten Ferkel waren kaum
einige Minuten gelegen und das Mutterschwein noch
kaum entfernt, als die toten Ferkel schon
weggetragen, gekocht und aufgezehrt wurden. Nicht
selten sind dann auch diejenigen, die solches
Fleisch genossen, davon krank geworden und manchmal
auch gestorben. Um die von den Partisanen
weggeworfenen Schalen von Melonen rauften sich
Hunderte von Kindern und aßen sie gierig in
ihre hungernden Mägen. Solche Genüsse
hatten meist keinen anderen Wert, als daß sie
dem hungernden Magen etwas zu verdauen gaben, aber
meist auch zu Durchfall, Ruhr und dergleichen
führten. Was Menschen allein an Durchfall gelitten haben,
ist unbeschreiblich. Jeder war einmal, wenn nicht
auch öfter, von dieser Krankheit längere
Zeit befallen. Er spülte in der Regel noch den
letzten Rest an Kräften weg und wer nicht an
Schwäche gestorben ist, wurde bald das Opfer
irgend einer anderen Krankheit, die sich in seinem
Gefolge einstellte. Täglich starben 50 und
mehr Personen. Von Durchfall einmal befallen, gab
es davon nur selten noch eine Erlösung. Manche
hatten ihn monatelang und, in einem stärkeren
Maße Befallene, oft auch ein halbes Jahr und
länger. Dann aber waren die Kräfte in der
Regel dahin, der Körper ausgelaugt und der Tod
nahe. Ungeheuer groß war die Zahl derer, welche
an Durchfall zugrunde gegangen sind, denn die
wenigen Nahrungsmittel, welche sie bekamen, wurden
lange Zeit hindurch wie den Schweinen in rohem
Zustande verabreicht. Durch Monate hindurch bekamen
sie überhaupt keine gekochte Nahrung, denn
für die Deutschen war kein Brennmaterial zum
Kochen vorhanden. Jeder mußte sich helfen,
wie er konnte, oder zugrunde gehen. Gleichzeitig
aber wurden die Frauen und selbst Kinder unter zehn
Jahren täglich in langen Kolonnen schon beim
Morgengrauen auf Zwangsarbeit getrieben. Sie
mußten vielfach im Walde Holz machen. Dieses
Holz aber wurde von den Lagergewaltigen nach
auswärts geliefert. Den Lagerleuten selbst
aber war es streng verboten, für sich selbst
Holz zu sammeln, um sich zum Kochen Feuer machen zu
können. Viele, die beim Holzsuchen angetroffen
wurden, sind sogleich erschossen worden. Wozu diese Not an Brennmaterial und zu welchen
Einfällen sie Veranlassung bot, erkennt man am
besten daran, daß sich die Leute in der
Nähe der Kuhherde aufzuhalten bestrebt waren,
und wenn eine Kuh mistete, sich gleich daran
machten, den frischen Mist aufzuklauben, daraus
kleine Ballen zu machen, um ihn trocknen zu lassen
und im Winter als Brennmaterial zu verwenden. Die
ganzen Winter hindurch wurde nämlich nichts
zum Heizen ausgefolgt und wer sich nichts
beschaffen konnte, mußte Tag und Nacht in der
Stube frieren. Jedes Blatt und jedes Gräschen
wurde im Sommer gesammelt, getrocknet und im Winter
als Brennmaterial verwendet. Es trug sich zu,
daß beim Düngerfahren einmal eines der
Pferde nicht mehr ziehen wollte. Der Fuhrmann band
die Pferde los, um sie in den Stall zu führen
und ließ den Wagen auf der Straße
stehen. Bis er mit anderen Pferden wieder
zurückkam, hatten die Leute den ganzen
Dünger weg- und in ihre Quartiere getragen, um
ihn als Brennmaterial zu verwenden. Hungerödem, Flecktyphus rafften zeitweise
Menschen nur so weg. Während der Hunger den
Körper so vieler Tausender Menschen
schwächte und ihre Widerstandskräfte
zermürbte, breiteten sich zeitweise
Typhusepidemien aus, die jedes vorstellbare
Ausmaß auch abnormaler Verhältnisse
übertrafen. Diphtherie desgleichen. Einmal
eingerissen, verfielen diese gefährlichen und
ansteckenden Krankheiten Kinder und Frauen in
Massen. Nur selten ist hie und da eines wieder
genesen. Aber auch andere Krankheiten gab es, die
im Lager in einer seltenen Häufigkeit
auftraten. Eine solche war vor allem die
Wassersucht. Es muß auf die Ernährung
zurückzuführen gewesen sein, daß
dieser an sich seltenen Krankheit so viele Menschen
anheimgefallen sind. Sehr viele Lagerinsassen
erkrankten auch an Skorbut. Es war eine
äußerst häufige Erscheinung,
daß die kleinste Hautverletzung nicht mehr
heilen wollte, sich als Wunde immer mehr
ausbreitete. Dieser gesundheitliche Zerfall war
häufig mit eitrigen Ausschlägen und
Geschwüren gepaart. Es war eine Plage, die oft
Ausmaße annahm, daß sie den Tod
herbeiführte. Meist waren es Frauen und Kinder
- die Männer waren größtenteils
schon vorher erschossen worden - die Anfang 1946 in
Massen zugrunde gegangen sind. Das Ende dieser
Menschen war fast immer das gleiche: es schwollen
ihnen die Füße an, das Gesicht quoll auf
und nach einigen Tagen trat der Tod ein. Zum Hunger gesellte sich die Läuseplage.
Reinigen konnte sich niemand. Seife gab es keine.
Im Winter konnte die Wäsche nicht gewaschen
werden, weil alle meist nur das besaßen, was
sie am Leibe trugen und die Wäsche im Winter
nicht schnell genug wieder getrocknet wäre. Im
Sommer trockneten die Brunnen aus und an die Bega
oder Theiß durfte niemand Wasser holen gehen.
Wie satanisch dieses Regime ausgedacht war, zeigt
am besten die zynische Begründung dieses
Verbotes, "daß die Schiffe nicht mehr fahren
könnten, wenn man aus den Flüssen so viel
Wasser schöpfen würde". Die Körper der Kinder waren meist voller
Krätze. Konnten sich schon Erwachsene nicht
reinigen und von der Läuseplage frei halten,
um so weniger waren die Kinder diesem Ungeziefer
gewachsen. Von Läusen und anderem Unrat
zerfressen und aufgekratzt bildeten sich an ihren
Gliedern große Flächen nie heilender und
immer mehr sich ausbreitender Krätze. Für
die Toten gab es kein Begräbnis. Es waren
Männer bestimmt, die die Verstorbenen zu
begraben hatten. Kein Priester durfte die Leichen
einsegnen und kein Verwandter durfte ihnen das
letzte Geleit geben. Anfangs konnten die
Angehörigen noch kleine Holzkreuze mitgeben,
die dann auch auf das Grab gesteckt wurden,
später aber auch nicht mehr. Dann half man
sich mit Flaschen, in die ein Zettel mit dem Namen
des Verstorbenen gesteckt wurde und so dem Toten
mit ins Grab gegeben wurde. Bald aber gab es auch
keine Flaschen mehr. Ärztliche Hilfe gab es keine.
Wöchentlich kam ein russischer Arzt aus der
Stadt, der innerhalb weniger Stunden 1.000 bis
1.200 Kranke besichtigte. Seine Krankenvisiten
waren eine denkbar einfache Angelegenheit. Mit der
Pfeife in dem Munde ging er durch die Räume,
in denen Kranke lagen. Nur selten fragte er jemand,
was ihm fehle, untersucht oder geholfen hat er
niemand. Auch sonst war die Behandlung in diesem
Lager überaus unmenschlich. Täglich
wurden deutsche Frauen, welche auf den
Zwangsarbeiten infolge Unterernährung schwach
wurden und nicht mehr arbeiten konnten, grausam und
ganz unsinnig mißhandelt. Auch die
katholischen Priester, die in diesem Lager waren,
wurden auf besonders schwere Zwangsarbeiten
getrieben und roh behandelt. Wie groß der
Vernichtungswille der Behörden gegen die
deutschen Zivilpersonen hier war, haben sie auch
dadurch bewiesen, daß sie an einem der
heißesten Tage des Jahres 1946 alle deutschen
Lagerleute, ungefähr 20.000 Menschen, auf die
östlich des Lagers gelegene Hutweide getrieben
haben. Dort mußten alle den ganzen Tag
hindurch in der Sonnenglut in einem großen
Haufen stehen. Man gab den Tausenden kleinen
Kindern den ganzen Tag kein Wasser und niemand
durfte zur Verrichtung der Not austreten. Alle
mußten ruhig den ganzen Tag auf einem Platz
stehen. Ein Massenaufgebot von schwerbewaffneten
Partisanen ringsum aber hielt Wache und drohte,
jeden zu erschießen, der seinen Platz
verläßt Gottesdienste gab es keine und beten war
verboten. Zum Spott trugen die Partisanen einmal
zur Nachtzeit aus der Kirche von Rudolfsgnad alle
heilige Statuen heraus und stellten sie in der
Nacht, als keiner von den Lagerleuten das Quartier
verlassen durfte, mitten auf die Straße,
welche durch das Lager führte, als gingen die
Heiligen durch das Lager spazieren. Man verspottete
so die religiösen Gefühle der deutschen
Gläubigen. Tausende deutsche Kinder in diesem
Lager aber mußten all dies ansehen. Für
sie gab es keine Schule. Sie sollten keinen
Herrgott kennen und keinen Lehrer haben und auch
den eigenen Eltern wurden sie entfremdet. Viele
Kinder wußten gar nicht, wo ihre Eltern sind.
Die Eltern vieler waren erschossen worden oder
schon im Lager verhungert. Hunderte hatten auch
keine Großeltern mehr. Nahe Verwandte oder
Bekannte nahmen sich ihrer an. Eines Tages wurden
die Kinder weggenommen und in dem Schulgebäude
und in Gasthäuser einquartiert. Das waren dann
die Kinderheime. Sie waren mit Drahtzäunen
eingefriedet. Die armen und verlassenen Kinder, die
vielfach schon niemand mehr anderen auf der Welt
als vielleicht noch ein altes
Großmütterchen hatten, standen an den
Drahtzäunen und weinten. Hatten bisher doch
noch Großmütter oder verwandte Frauen
für sie gesorgt und ihnen hie und da noch
einen am eigenen Mund abgesparten Bissen zu essen
gegeben, so gab es jetzt für sie nichts mehr
als die Lagerkost. Daß der Tod von nun an in
diesen Kinderheimen besonders reichliche Ernte
hielt, liegt auf der Hand. Mit dem, was es zu essen
gab, konnten erfahrene und erwachsene Menschen kaum
etwas anfangen, geschweige diese sich selbst
überlassenen Kinder. Sie schliefen auf den
Fußböden und hatten nur selten Stroh
für ihr Nachtlager." Eine Krankenschwester berichtet darüber
folgendes: Es dauerte nicht lange, da fuhren die Partisanen
vor den Kinderheimen mit Lastwagen vor und luden
die Kinder alle auf. Die Kinder und die Erwachsenen
ahnten, daß die Kinder fortgeführt
werden sollten und weinten und schrien. Die einen,
weil sie trotz ihres Elendes aus dem Ort nicht fort
wollten, wo sie doch noch einen Großvater
oder Bekannten in ihrer Nähe wußten, die
anderen, weil sie nach dem Bisherigen auch für
die Zukunft und das Schicksal der Kinder nichts
Gutes mehr erwarten konnten. Alles Schreien, Weinen
und Wehklagen half nichts. So wie ein Lastwagen
voll war, fuhr er weg. Insgesamt sind etwa 750
Kinder an einem einzigen Tag spurlos verschleppt
worden. Allgemein war man der Ansicht, daß
die Kinder nach Rußland geschafft
würden. Viele alte Großmütter und
Großväter konnten den Verlust ihrer
Enkelkinder nicht mehr übers Herz bringen. Sie
erhängten sich oder sie sprangen in die
Theiß, um an das viele Leid, das sie
inzwischen erleben mußten, nicht mehr denken
zu müssen. Bei den Enkelkindern konnten sie
nicht mehr sein und so schien ihnen das Weiterleben
ohne Zweck, zumal es nur mehr aus Leid und Hunger
bestehen konnte. Später hörte man,
daß die Kinder in serbische Orte gebracht
wurden, wo sie in Erziehungsheimen und bei Privaten
untergebracht und zu serbischen Kommunisten erzogen
wurden. Die toten Deutschen durften nicht im Friedhof
begraben werden. Wie das verreckte Vieh wurden sie
an einem abseits gelegenen Platz außerhalb
des Lagers auf der sogenannten "Teletschka"
eingescharrt. Es wurden dort schon immer im voraus
lange Laufgräben gezogen. Täglich fuhr
ein Bauernwagen fast ununterbrochen durch das Dorf
und sammelte in den Häusern, in denen jemand
gestorben war, die Toten. Sieben bis acht lud er
jedesmal auf und führte sie dann in das
Massengrab des Tages. Jeder Tag hatte so ein
Massengrab. Wer einmal einem solchen Wagen
begegnete, dem blieb das Herz still stehen, so ein
Anblick war es, halbnackte Menschen mit ihren zu
Skeletten abgemagerten Gliedern wie Holzscheite auf
einem Bauernwagen liegen zu sehen und zu wissen,
daß er tagaus, tagein und wahrscheinlich so
lange durch diese Straßen fahren wird, so
lange auch nur ein einziger dieser Tausenden von
Menschen lebt, die sich in diesem Ort befinden.
Tags darauf kamen die neuen Toten dazu, und wenn
ein Graben der ganzen Länge nach voll war, kam
der nächste an die Reihe. An einem Tag des
Monats Januar 1946 waren es 113 Personen, welche
auf einmal auf diese Art begraben worden sind.
Grabzeichen durften nicht errichtet werden. Die
Mütter durften ihre toten Kinder nicht
begleiten und die Kinder nicht ihre toten Eltern.
Niemand durfte wissen, wo das Grab seiner Liebsten
ist. Sobald einige tausend Lagerleute begraben waren
und wieder Platz entstanden war, wurden aus den
anderen kleineren Lagern, welche über das
ganze Land verstreut waren, immer wieder neue
Transporte mit Tausenden deutscher Frauen und
Kinder hierhergetrieben, um hier auf gleiche Weise
vernichtet zu werden, so daß andere Lager
allmählich leer wurden und aufgelassen werden
konnten. Dies dauerte bis Ende 1947 ununterbrochen
so an. In demselben Jahre sind einmal sogar aus der
Untersteiermark 400 Menschen gebracht worden, die
schon im Jahre 1946 von dort weggeschleppt und eine
Zeitlang in einem Lager in Kroatien gehalten worden
waren. Ein großer Teil von diesen waren
österreichische Staatsbürger. Statt
daß man sie aus der Untersteiermark nach
Kriegsschluß über die nahe Grenze nach
Österreich gelassen hätte, wurden sie in
das Sumpfgebiet der Theiß geschleppt. Nur 57
sind von diesen mit dem Leben davongekonunen. Mit
Ausnahme von drei Männern waren alle
übrigen Frauen und Kinder. Sie mußten
bis zur Auflösung aller Lager im Jahre 1948
gleich den jugoslawischen Deutschen hier leiden,
kamen dann ins Kriegsgefangenenlager nach Neusatz
und wurden erst am 29. März 1948 nach
Österreich repatriiert. Sie wurden an diesem
Tage in einen Viehwaggon verladen. Beschwerden gegen die unmenschliche Behandlung
brachten keine Abhilfe. Sie hatten vielmehr nur
Nachteile für diejenigen zur Folge, welche
sich beschwerten. So hatten sich einmal im Jahre
1946 drei deutsche Frauen beim Lagerkommandanten
darüber beschwert, daß sie von den ihm
unterstellten Organen auf brutale Weise
vergewaltigt worden seien. Wutentbrannt
übergab der Kommandant gleich darauf alle drei
Frauen den Partisanen, die sie mißhandelten,
weil sich deutsche Frauen gegen slawische
Partisanen wegen geschlechtlichen Mißbrauchs
nicht hätten beschweren dürfen. Über
Anordnung des Lagerkommandanten selbst aber wurden
sie überdies noch neun Tage eingesperrt und
bekamen die ganze Zeit nichts zu essen. Auf diese
Weise in ihrem brutalen Vorgehen gegen die
Deutschen nur noch aufgemuntert, nahmen die
Mißhandlungen und Erschießungen kein
Ende. Es vergingen selten Nächte, daß
nicht in irgend einem Teil des Lagers auf Deutsche
geschossen oder deutsche Frauen von Partisanen
mißhandelt worden wären. Das Gefühl
der Hilflosigkeit lastete schwer auf den
Gemütern. Um ihrem Leiden ein Ende zu machen,
begingen sehr viele Selbstmord.
Großmütter nahmen ihre Enkelkinder in
die Arme und stürzten sich mit ihnen in die
Theiß. Vom Frühjahr 1946 an konnten sich serbische
Arbeitgeber Arbeitskräfte aus dem Lager
pachten. Sie hatten für eine Arbeitskraft an
die Lagerverwaltung 50 Dinar pro Tag zu bezahlen.
Diese Einrichtung - sie war zwar nichts anderes als
ein Sklavenhandel wie zu alten Zeiten - hat vielen
Menschen das Leben gerettet. Alle rissen sich
darum, einmal verpachtet zu werden. Die
Pächter waren oft serbische Freunde, die ihre
Bekannten auf diese Weise für einige Zeit von
dem Elend loskauften, oft aber auch sehr
anspruchsvolle Ausbeuter, die sich vor dem
Geschäft die so reichlich angebotene Ware
genau ansahen, sie nach Muskelkraft abtasteten und
sich über ihre Kenntnisse und Fertigkeiten
informieren ließen. Jeder war aber froh, wenn
die Wahl auf ihn fiel, denn wenn er auch oft schwer
und viel hat arbeiten müssen, er konnte doch
damit rechnen, sich wenigstens einigermaßen
sattessen zu können. Als Sklave verkauft zu
werden, war ein Glück, in tausend Fällen
die Rettung des Lebens. Um diese Zeit wurde der freien Bevölkerung
auch gestattet, Pakete in das Lager zu bringen. Ein
Haus wurde mit Stacheldraht von dem Lager
abgesondert und dort konnten die Pakete abgegeben
werden. Die serbischen und ungarischen Landsleute
brachten von nun an ihre Bekannten, so gut sie
konnten, Pakete mit Lebensmitteln und Kleidern. Sie
haben manchen damit das Leben gerettet. In der
Nähe des Pakethauses versammelten sich immer
große Menschenmengen, die sehnsüchtig
darauf warteten, ob nicht ein edler Spender auch
ihrer gedachte. Immer wieder trieben die Partisanen
diese Ansammlungen mit Gummiknüppeln und
Gewehrkolben auseinander. Mit den Spendern der
Pakete durfte niemand sprechen. Die Pakete wurden
von den Partisanen geöffnet und am
nächsten Tage, meist schon halb leer, den
damit Bedachten übergeben. Was diese Pakete bedeuteten, erkennt man am
besten aus der Schilderung einer alten
Großmutter. Sie erzählt darüber
folgendes: Bald trafen auch die ersten Pakete aus Amerika
ein. Landsleute in Amerika hatten von dem Elend in
Rudolfsgnad gehört und entschlossen sich, zu
helfen. Wohl fehlte hie und da was davon, aber man
bekam immerhin etwas. Soweit es Kleider waren,
mußten sie auf nächtlichen Schleichwegen
hinausgeschafft und gegen Lebensmittel vertauscht
werden. Diese Hilfe aus Amerika, oft klein und oft
nur für Tage spürbar, war das
Schönste, was die Menschen in dem Lager seit
Jahren erlebt hatten. Seitens der Behörden wurde immer
verkündet, daß bei den Besprechungen der
Großmächte in Yalta die Aussiedlung der
Volksdeutschen aus Jugoslawien nicht beschlossen
worden sei. Das neue Jugoslawien habe dort vielmehr
das Recht erhalten, mit seinen Deutschen zu machen,
was es wolle. Sie seien vogelfrei und sie
hätten daher nur mehr zu arbeiten und im
Lager, aus welchem sie nie mehr freigelassen
würden, zu sterben. In dieser verzweifelten
Notlage wandte sich im Sommer 1946 der einstige
deutsche Abgeordnete, Dr. Wilhelm Neuner, der sich
auch in diesem Lager befand, in schriftlichen
Beschwerden, welche auf der Post eines Nachbarortes
aufgegeben worden waren, sowohl unmittelbar an den
jugoslawischen Staatspräsidenten als auch an
die in Belgrad akkredierten Botschafter der
Großmächte. Er verlangte, daß dem
ständigen Morden von unschuldigen deutschen
Zivilpersonen, nur weil sie wegen ihrer
Staatenlosigkeit nirgends Schutz fanden, im zweiten
Jahre nach dem Kriege endlich Einhalt geboten
werde. Das Lagerkommando erfuhr davon. Der
Beschwerdeführer wurde am 8. August 1946 aus
dem Quartier geholt und ihm nach kurzem Verhör
in Anwesenheit der gesamten Lagerverwaltung wegen
dieser Beschwerde das Todesurteil verkündet,
das nicht durch Erschießen, sondern in der
Weise vollzogen werden sollte, daß er in
einen Keller zu sperren sei und dort ohne Nahrung
so lange zu bleiben habe, bis er verhungere. In
Vollstreckung dieses Urteils wurde Dr. Neuner
sofort in einen kleinen, dunklen Keller gesperrt,
in dem er weder stehen noch liegen konnte. Der
Keller war niedrig und naß. Nach elf Tagen
wurde er nach Belgrad in das Gefängnis der
OZNA gebracht. In bezug auf die Verhältnisse
und Behandlung im Lager hatte diese Beschwerde nur
den einen Erfolg, daß einige Funktionäre
des Lagers von Rudolfsgnad in andere Lager versetzt
wurden und die neuen Kommandanten nach kurzer
Unterbrechung in derselben grausamen Art das
Vernichtungswerk fortsetzen. Nach und nach fingen die Leute an zu
flüchten. Oft wurden Flüchtlinge von den
neuen serbischen Kolonisten auf dem Felde und den
Straßen, oft aber auch an der Grenze
aufgegriffen und wieder in das Lager
zurückgebracht. Das dämpfte dann wieder
für eine kurze Zeit die Lust zum Fliehen bei
solchen, die sich darauf schon vorbereitet hatten.
Wer zurückgebracht wurde, wurde meist
fürchterlich mißhandelt und nach einigen
mißglückten Versuchen waren die Leute
meist schon so schwach und gesundheitlich
herabgekommen, daß sie an eine Wiederholung
ihrer Versuche nicht mehr denken konnten. |