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1.
Systematische Ausrottung nach
Vernichtungsbereichen 2. In der
Süd- und Südwestbatschka wurden Menschen
schlechter als Tiere behandelt Neusatz Das Konzentrationslager befand sich im
Sumpfgebiet an der Donau. Obwohl gegen 2.000
Volksdeutsche ständig im Stande dieses Lagers
geführt wurden, bestand es aus nur zwei
Baracken. Eine war für die Frauen und Kinder,
die andere für die Männer bestimmt. Diese
Unterkünfte waren sehr ungesund. Wenn die
Donau einen höheren Wasserstand hatte, stand
infolge des Grundwassers auch das Land rings um die
Baracken im Wasser. Besonders schlecht hatten es
die Frauen. Gegen 700 und noch mehr befanden sich
in einem Raum, der kaum für 100 Menschen Platz
bot. Sie mußten volle drei Jahre in zwei
Etagen übereinander auf Brettern liegen,
konnten sich nicht waschen und waren meist so
zusammengepreßt, daß sie sich nicht
einmal ausstrecken konnten. Die Baracken hatten
keine Fenster. Es war in ihnen dumpf und finster.
Sie waren Brutstätten der Tuberkulose. Die
Ungezieferplage war eine schreckliche. Insbesondere
litten darunter die Kinder. Läuse, Flöhe
und Millionen Wanzen steckten in den alten
Barackenbrettern und peinigten die Menschen. Viele,
besonders aber die Kinder, waren von den vielen
Bissen über und über wund und voll
Krätze. Der Raum um die Baracken war
außerdem mit Stacheldraht umgeben. Schwer
bewaffnete Partisanen hielten Wache und bedrohten
jeden mit Erschießen, der sich näher als
zwei Meter an den Stacheldraht heranwagte. Nur zwei
gemauerte Räume wurden im Lager
aufgeführt: ein Schweinestall für die
Schweine des Innenministers der Wojwodina und der
Bunker für "straffällige" Lagerleute. In
diesen Bunker wurde oft eine große Zahl
Lagerleute beiderlei Geschlechts und oft auch
Kinder gesteckt. Er hatte eine Länge von 3 und
eine Breite und Höhe von je 2 m, war von allen
Seiten geschlossen und ohne Fenster. Dennoch ist es
vorgekommen, daß trotz des Luftmangels auch
bis zu 20 Menschen - Männer, Frauen und Kinder
- Tage hindurch darin eingesperrt waren. Im kleinen
Lagerhof aber liefen mitten unter den Lagerleuten
die Schweine der höchsten Herren der Wojwodina
herum, beschmutzten alles und machten das Los der
Lagerleute noch unerträglicher. Das Neusatzer Lager wurde amtlich als
Zentrallager geführt. Obwohl es nur aus zwei
schäbigen Baracken, einem Schweinestall und
einem Bunker bestand, ist fast die Hälfte
aller in Jugoslawien noch lebenden Deutschen durch
dieses Lager gegangen. Wenn durch viele
Todesfälle irgendein anderes Lager im Lande
nur mehr wenige Überlebende hatte, wurde es
aufgelöst und der Rest der Insassen hierher
geschickt. Einmal brachte man sogar über 100
Menschen deutscher Volkszugehörigkeit aus der
Untersteiermark, darunter auch viele
österreichische Staatsbürger, hierher.
Auch zur Strafe wurden viele in dieses Lager
gebracht. Das ganze Ausrottungssystem durch die
Zwangsarbeits- und Internierungslager war von allem
Anfang an so ausgedacht, daß die einzelnen
Familienmitglieder von einander getrennt wurden und
eines von dem anderen nichts erfahren konnte. Wenn
dann nach längerer Zeit eine Mutter aus ihrem
Lager in das ihrer Kinder flüchtete oder das
Kind dorthin durchging, wo es die Eltern vermutete,
wurden die Durchgegangenen strafweise hierher in
das Zentrallager gebracht, eine Zeitlang in den
Bunker gesperrt und mußten dann hier bleiben.
Auch alle anderen, die den Behörden unangenehm
hätten werden können, brachte man
hierher. So wurden im Jahre 1947 alle Vertreter der
deutschen Intelligenz, die durch irgendeinen Zufall
den Erschießungen entgangen waren, aus allen
anderen Lagern abgezogen und hierher hinter
Stacheldraht gebracht. Die Mehrzahl der deutschen
Priester Jugoslawiens war zwar um diese Zeit schon
liquidiert. Außer einigen älteren
Reichsdeutschen und einem 78 Jahre alten
österreichischen Ordenspriester waren die
übrigen in den verschiedensten Lagern
verstreut. Es lebten noch 14 einheimische deutsche
katholische und ein evangelischer Pfarrer. Sie
wurden alle hierher verschleppt. Auch zwei
einheimische deutsche Tierärzte und eine
Professorin brachte man neben anderen deutschen
Intellektuellen hierher. Ebenso den letzten in
Jugoslawien am Leben gebliebenen einstigen
deutschen Abgeordneten, den
Oberlandesgerichtspräsidenten Dr. Wilhelm
Neuner. Als das Konzentrationslager Betschkerek am
22.5.1947 aufgelassen und nach St. Georgen verlegt
werden sollte, haben sich tags zuvor Organe der
Betschkereker OZNA, unter irgendeinem Vorwand noch
schnell fünf deutsche Mädchen und drei
Frauen bringen lassen und in ihrem Gefängnis
eingesperrt. Nachts wurden sie dann aus dem
Gefängnis in die Kanzlei geholt und
mußten sich dann vor den Funktionären
dieser berüchtigten Polizeiorganisation nackt
ausziehen. Die Organe der OZNA hielten dann
einzelnen von ihnen brennende Zigaretten an die
nackten Brustwarzen, rissen ihnen Haare aus der
Gegend der Geschlechtsteile heraus, trieben mit
ihnen Spott und befriedigten an diesen unschuldigen
Menschen ihre perversen Anwandlungen. Einem der
Mädchen steckten sie die eigene Periodenbinde
in den Mund. Als nach dieser sadistischen Prozedur
alle acht Frauen wieder zurück in das Lager
geschickt worden waren, flohen anläßlich
der Übersiedlung dieses Lagers vier, die die
Wiederholung solcher Pein fürchteten,
über die Grenze ins Ausland. Die anderen vier
brachte man darauf in das Zentrallager in Neusatz.
Sie wurden hier, ohne daß ihnen der Grund
mitgeteilt worden wäre, eine Zeitlang in dem
berüchtigten Bunker eingesperrt und dann
hinter Stacheldraht gehalten, so daß keine
einzige mehr Gelegenheit zur Flucht finden
konnte. Die Belegschaft des Lagers wurde ständig
auf Zwangsarbeit getrieben. So wurden in einem
einzigen Transport 875 Lagerleute gleichzeitig weg
nach Mitrowitz in Syrmien geführt, wo sie
längere Zeit beim Eisenbahnstreckenbau
arbeiten mußten. Die Frauen wurden im Lager
Mitrowitz sogleich glatt geschoren, die Kranken
abends weggeführt, erschossen und in die Save
geworfen. Nur 300 von 875 Neusatzer Lagerleuten
sind nach Beendigung dieser Zwangsarbeit aus
Mitrowitz in das Lager Neusatz wieder
zurückgekehrt. Noch vor der Morgendämmerung wurden
täglich alle Lagerleute, die sich nicht
ständig irgendwo auswärts auf
Zwangsarbeit befanden, aus den beiden Baracken
getrieben und mußten sich - die Frauen von
den Männern getrennt - aufstellen und
stundenlang warten. Dann kamen die
Sklavenhändler. Sie gingen die Front ab und
kauften sich für den betreffenden Tag oder
auch für längere Zeit Leute und auch
Mädchen und Frauen, wenn sie an ihnen Gefallen
fanden oder sie für eine Arbeit
benötigten. 80 Dinar hatten sie für einen
Menschen zu bezahlen und dann gehörte er
für diesen Tag dem Käufer. Das Geld war
sogleich im voraus bei dem Lagerkommandanten zu
erlegen. Für die schlechtesten Arbeiten, als
Schinderknechte zur Abortreinigung in den
verschiedensten Gegenden der Stadt und für
Verrichtungen, wofür man sonst so billig keine
anderen Menschen finden konnte, wurden deutsche
Männer und Frauen vermietet. Gruppenweise
wurden sie so jeden Morgen abtransportiert. Wer es
wagte, gegen eine Arbeit, zu welcher er sich nicht
fähig fühlte, etwas einzuwenden, wurde in
den Bunker geworfen, bekam Schläge und nichts
zu essen. Stattliche und anmutig aussehende Frauen und
Mädchen wurden prominenteren Vertretern der
neuen Behörden und kommunistischen
Parteigrößen zur Besorgung der Arbeiten
im Haushalt als Sklavinnen abgegeben. Sie
mußten, selbst auf die Gefahr hin, für
"alles" benützt zu werden, gehen. Eine
intelligente deutsche Frau weigerte sich einmal,
eine solche Verwendung anzutreten. Sie wurde sofort
in den Bunker geworfen und später gezwungen,
mitzugehen. Daß deutsche Lagerfrauen selbst
von höchsten Funktionären des Regimes nur
als Objekte für alle Zwecke betrachtet wurden,
geht aus dem unsittlichen Ansinnen des
Sektionschefs der zentralen Lagerverwaltung der
Wojwodina an eine hübsche junge Prau namens R.
Olga hervor. Sie hat sein Ansinnen mit
Entrüstung zurückgewiesen. Da sie
böse Folgen davon fürchtete, ist sie, um
sich zu retten, aus dem Lager entwichen. Es ist ihr
auch gelungen, über die Staatsgrenze nach
Ungarn und später nach Österreich zu
gelangen. Die Verpflegung war auch in diesem Lager sehr
schlecht. Sie bestand entweder aus Gerste oder aus
Erbsensuppe und einem ganz kleinen Stück
gebackenen Maisschrot-Brotes. Es war immer viel zu
wenig. Brot gab es sonst keines. Die
Kriegsgefangenen hatten es viel besser. Im Sommer
1947 gab man den deutschen Lagerleuten Monate
hindurch nur gänzlich verdorbene,
verschimmelte und übelriechende Gerste, deren
Genuß Erkrankungen verursachte, obwohl man
wußte, daß diese Gerste von den
Lagerleuten nicht genossen werden konnte. Das war
den verantwortlichen Funktionären der
Wojwodina gerade willkommen. Sie zogen daraus einen
persönlichen Vorteil. Sie ließen sich,
wie bereits erwähnt, gleich neben den
Bretterbaracken im Lagerhof innerhalb des
Stacheldrahtes einen schönen geräumigen
großen Schweinestall erbauen. Dort
mußten die Lagerleute für den
Innenminister der Wojwodina, für den
Sektionschef der zentralen Lagerverwaltung,
für den Lagerkommandanten und für andere
Nutznießer des Regimes eine unheimlich
große Zahl von Schweinen füttern, die
tagsüber auch bei den Lagerleuten innerhalb
des Stacheldrahtes im Hof herumliefen und mit ihnen
den Hof teilten. Diese Schweine mästete man
mit dem, was an Nahrung den Lagerleuten
gebührte. Wenn diese die Gerste nicht essen
konnten, hatten die Gewaltigen davon ihren
persönlichen Profit, denn dann bekamen es ihre
Schweine. Als nach Monaten für die Lagerleute
keine verdorbene Gerste mehr zu haben war, wurden
monatelang ohne Abwechslung Tag für Tag nur
harte und minderwertige Erbsen in die Suppe
gekocht. Sie wurden weder weichgekocht noch
geschrotet, denn sonst hätten sie die
Lagerleute, die ja immer alle hungrig waren,
wirklich zur Gänze aufgegessen. Diese
halbgekochten Erbsen kamen so zum großen Teil
wieder in den Trank für die Schweine des
Ministers, des Sektionschefs, des
Lagerkommandanten, usw. Der Lagerkommandant
begründete die harten Erbsen damit, daß
nicht genügend Brennmaterial zum Weichkochen
vorhanden sei. Die Bitten, man solle den
Lagerleuten bewilligen, die Erbsen vor dem Kochen
zusammenzuschroten, wurden mit Entrüstung
abgewiesen. Es hätten ja dann die Schweine
kein Futter gehabt. Gegen die unmenschliche Behandlung Beschwerde zu
führen oder gar Anzeige zu erstatten, war
verboten. Denen, die es versuchten, wurde gedroht.
Noch Anfang 1948 wurde vom Sektionschef der
zentralen Lagerverwaltung der ganzen Wojwodina in
einer Rede vor allen Lagerleuten angedeutet,
daß man unangenehme Leute nicht immer
öffentlich erschießen müsse, man
könne sie auch auf einen Wagen setzen, aus der
Stadt hinausführen und für immer
verschwinden machen. Ein solcher Fall, der sich am
12. Juni 1947 tatsächlich ereignet hatte, hat
die Lagerleute auch abgeschreckt. Anfang 1947
wurden über Anordnung des Innenministers der
Wojwodina und des Sektionschefs die älteren
und weniger arbeitsfähigen Leute nach Gakovo
an die ungarische Grenze ins Lager gebracht. Wer
dort von irgend jemand 1.000 Dinar aufbringen und
erlegen konnte, wurde mit den sogenannten
"weißen Transporten" über die Grenze
geschoben. Das Geld mußte den
behördlichen Organen abgeführt werden,
die dabei Millionen verdienten. Es gab Tage, wo auf
einmal sogar über 400 Menschen auf diese Art
nach Ungarn gebracht wurden. Als ein deutscher
Lagermann, der als Mitwisser nach Einstellung
dieser "Transporte" ins Neusatzer Lager
überstellt worden war, unwillig über die
schlechte Entlohnung seiner Dienste von seiten
seines Auftraggebers, diese Dinge
weitererzählte, wurde er am 12. Juli 1947
abends aus der Baracke gerufen. Vor dem Lagertor
wartete schon der bespannte Lagerwagen. Auf diesen
mußte er steigen. Vier Organe des
Innenministers der Wojwodina führten ihn auf
dem Wagen fort. Um Mitternacht stand derselbe
Lagerwagen wieder leer, ohne Kutscher, aber mit
vielen Blutspuren vor dem Tor des Lagers. Jeder im
Lager aber war tags darauf davon überzeugt,
daß der Mann in der Nacht liquidiert wurde um
nichts mehr verraten zu können. Brutale Mißhandlungen der Lagerleute,
besonders der Frauen und der Mädchen, war auf
der Tagesordnung. Alles dies geschah mit Wissen der
höchsten Regierungsstellen. Am grausamsten
zeichnete sich in dieser Hinsicht der kaum 19 Jahre
alte Bruder des Innenministers der Wojwodina aus.
Mehr als bodenlosen Haß kannte er nicht. Das
war nach Meinung seines Bruder-Ministers auch die
einzige und richtige Qualifikation, die ihn
für den Posten eines Funktionärs im Lager
der Deutschen gerade geeignet erscheinen
ließ. Viele Frauen wurden von ihm
geprügelt und noch im Frühjahr 1948 hat
er mit der Pistole in der Hand deutsche Frauen und
Mädchen - auch die dort internierten
österreichischen Frauen - bedroht,
gequält und innerhalb des Stacheldrahts im
Lagerhof herumgetrieben. Dieser Vorkommnisse wegen ist einmal auch ein
deutscher Lagermann durchgegangen. Die Flucht ist
ihm geglückt. Aus Ärger darüber hat
der Lagerkommandant eine Kollektivstrafe für
alle Lagerleute angedroht. Es war im Monat Januar
1947 und gerade ein sehr kalter Wintertag. Ein
eisiger Schneesturm blies vom Frankenberg über
das Lager. Bei dieser Witterung jagte der
Lagerkommandant alle ins Freie und ließ sie
dort im Schneesturm zur Strafe für Stunden auf
einem Platz stehen. Ein anderes Mal, und zwar
Anfang Februar 1948, gab man den Lagerleuten wieder
einen ganzen Tag keinen Tropfen Wasser. Diese
Torturen mußten außer den Männern
auch 300 Frauen und gegen 100 Kinder, darunter 57
österreichische und einige reichsdeutsche
Staatsbürger, über sich ergehen
lassen. Wegen dieser ständigen unmenschlichen
Behandlungsmethoden sandte Dr. Wilhelm Neuner, ein
Insasse dieses Lagers, eine schriftliche Beschwerde
an den jugoslawischen Ministerpräsidenten nach
Belgrad. Darauf kam ein Vertreter des Belgrader
Innenministeriums in das Lager und führte eine
Untersuchung durch. Dem Regierungsvertreter
gegenüber erhob Dr. Neuner in Anwesenheit des
verantwortlichen Sektionschefs Klage darüber,
daß trotz der Beendigung des Krieges noch
immer deutsche Menschen grausam behandelt und ohne
Verfahren erschossen werden. Während der
behördliche Vertreter die Tatsache, daß
bereits gegen 20.000 deutsche Zivilpersonen in
Jugoslawien in den Lagern liquidiert worden seien,
gar nicht in Abrede zu stellen versuchte, gab er
auf die Vorhaltungen Dr. Neuners, daß es
nicht angehe, auf dem Richterstuhle sitzend andere
wegen Grausamkeiten abzuurteilen aber gleichzeitig
selbst noch gröbere Unmenschlichkeiten zu
begehen, nur zur Antwort, daß sich das neue
Jugoslawien vor einem internationalen Forum nicht
fürchte. Wie leer, bedeutungslos und
heimtückisch sein Versprechen war, in Zukunft
für Abstellung solcher Vorkommnisse zur
sorgen, zeigte sich schon am nächsten Tage.
Dr. Neuner wurde am 16. Februar 1948 für sein
Eintreten in den berüchtigten Bunker gesperrt,
in welchen man vorher noch die stinkenden
Überreste eines Schweines geworfen hatte, das
im Lager krepiert war. Fast die Hälfte der in Jugoslawien jetzt
noch lebenden Deutschen, hat ehe sie 1948 aus den
Lagern entlassen wurden, die grausamen Methoden des
Neusatzer Straflagers für Schuldlose am
eigenen Leibe verspürt. Hier in Neusatz wurden
sie nach einiger Zeit bitterster Entbehrungen und
Qualen für die Kohlengruben reif gemacht. Hier
erpreßte man ihnen im Zustande der
Verzweiflung die Verpflichtung für freiwillige
Arbeit in den Bergwerken Serbiens. Es wurde ihnen
vom Sektionschef der zentralen Lagerverwaltung der
Wojwodina immer wieder ausdrücklich
erklärt, daß die Deutschen nur so aus
den Lagern herauskommen könnten. Nur so wurden
die Transporte für die Bergwerke in Serbien
und die neu errichteten staatlichen
Kolchoswirtschaften in den Sumpfgebieten an der
unteren Donau und Theiß zusammengebracht. Wer
aber trotzdem nicht gehen wollte, der wurde so
lange in dem Bunker eingesperrt gehalten bis er
einwilligte. Nur auf diese Art wurden die
verschiedenen Lager nach und nach leer, bis sie
schließlich auch aufgelassen werden
konnten. Schon ganz zum Schluß, als im
Frühjahr 1948 fast alle überlebenden
deutschen Männer auf Kolchoswirtschaften und
in Bergwerke abgeschoben und die Lager schon alle
aufgelassen worden waren, liquidierte man als
letztes auch das Neusatzer Zentrallager. Obwohl
sich noch 400 Leute im Lager befanden, ließ
man beide Baracken über ihrem Haupte
abreißen. Man brauchte die verwanzten
Bretter, um mit ihnen auf einer Kolchoswirtschaft
im Pantschowarer Ried für die dorthin
verschleppten deutschen Lagerleute eine Unterkunft
zu errichten. Die 400 letzten Neusatzer Lagerleute
aber wurden in eine Baracke des benachbarten
Kriegsgefangenenlagers übersiedelt. Es waren
fast nur noch Angehörige intellektueller
Berufe, gegen 100 Leute aus der Untersteiermark und
Deutsche fremder Staatszugehörigkeit, zumeist
Frauen und Kinder. Die 14 deutschen katholischen,
der evangelische Pfarrer und die zwei
reichsdeutschen und der österreichische
Ordenspriester waren auch noch da. Von den
österreichischen Staatsbürgern lebten
noch 57. Alle übrigen waren schon gestorben.
Sie wurden am 29. März 1948 auf den Bahnhof
geführt und in zwei Viehwaggons verladen. Die
Wagen wurden in Neusatz geschlossen und erst nach
zweitägiger Fahrt ohne Verpflegung und ohne
Wasser an der österreichischen Grenze bei
Spielfeld geöffnet. Die aber, die auch noch
nach diesem Transport in Neusatz
zurückgeblieben waren, wurden nach Karlsdorf
im Banat gebrach! Futok 3.
In der Südbatschka entstand die erste
Hungermühle Batschki Jarek Viele der Leute, die nach Jarek getrieben
wurden, erreichten Jarek nicht. Männer, Frauen
und Kinder, die wegen Erschöpfung und
Übermüdung mit der Marschkolonne nicht
mehr Schritt halten konnten, wurden geschlagen und
oft auch erschlagen. Öfter ist es auch
vorgekommen, daß ganze Gruppen von Personen,
die nicht mehr gehen konnten, auf dem Wege mit der
Versicherung zurückgelassen wurden, es
würden Wagen kommen, die sie aufladen und den
Rest des Weges fahren würden. Wenn sich dann
die Marschgruppe entfernt hatte, wurden sie
erschossen. Unter diesen Opfern befanden sich
häufig auch sehr viele Kinder. Sie sind meist
in der Nähe der Gemeinde Gloschan Opfer des
bestialischen Sadismus der Partisanen geworden. Die
Verpflegung und die ganze Behandlung war im Lager
Jarek eine solche, daß Tausende daran
zugrunde gehen mußten. In den ersten acht
Tagen gab es in Jarek überhaupt nichts zu
essen. Erst nach acht Tagen wurden Kessel
aufgestellt, in denen für die Lagerinsassen
gekocht wurde. Drei Wochen lang gab es täglich
zweimal Kartoffelsuppe und 15 Dekagramm Maisbrot.
Für das Brot wurde nur Maisschrot verwendet.
Später gab es eine Zeitlang Nudelsuppe, die
aus versticktem Mehl gemacht wurde. Als auch das
verstickte Mehl verbraucht war, wurden nur mehr
Erbsen, Bohnen oder Gerste in die Suppe eingekocht,
aber auch immer so wenig, daß die ganze
Nahrung meist nur aus dem Stückchen Maisbrot
und Wasser bestand. Im Herbst 1945 kam die
große Knappheit an Brennmaterial. Was
irgendwie zum Heizen und Kochen verwendbar war,
wurde noch im Winter 1944/45 verbraucht. Der Mangel
an Brennmaterial führte im Herbst 1945 dazu,
daß von da an nur mehr täglich einmal
Suppe gekocht wurde. Vier Monate lang gab es auch
kein Salz, weder für das Brot noch für
die Suppe. Das Fehlen von Salz einerseits und der
Umstand, daß nur einmal täglich Essen
verabreicht wurde, war die bitterste Qual, der
Tausende von Menschen und unschuldigen Kindern vom
Herbst 1945 bis Frühjahr 1946 in Jarek
ausgesetzt waren. Kein Wunder, daß alle
Katzen, Hunde, ja selbst alle Tiere, die
verendeten, von den Lagerinsassen aufgezehrt
wurden. Ein jüdischer Arzt aus Neusatz, der selbst
volle vier Jahre in dem deutschen
Konzentrationslager Dachau verbracht und das Lager
Jarek im Winter 1945/46 besichtigt hat, sagte von
ihm, "daß es das furchtbarste sei, was je mit
Menschen getan wurde". Selbst mit Dachau
ließe sich Jarek in keiner Weise vergleichen.
Sehr bald trat auch ein mörderisches
Massensterben ein. Die gräßlichsten
Ausmasse nahm es unter der aus Bulkes stammenden
Bevölkerung an. Von etwa 902 Personen, die aus
Bulkes nach Jarek gebracht worden waren, starben in
wenigen Monaten 788. Im Sommer wurden auch aus den
Zwangsarbeitslagern der Südbatschka, Syrmiens
und Slawoniens von der Zwangsarbeit und schlechten
Ernährung schon vollkommen erschöpfte
Männer und Frauen nach Jarek gebracht, die
dann dort auch meistens in kurzer Zeit starben.
Fast täglich sind 10 bis 20 Kinder unter den
Toten gewesen. Allein zwölf Männer hatten
täglich von morgens bis abends mit der
Beerdigung der Toten zu tun. Mit einem Wagen fuhren
sie von Haus zu Haus und luden die Toten auf. Sie
führten sie auf den Friedhof, wo sie
täglich tiefe Gräben ausgegraben hatten.
Dort wurden die Toten hineingeschichtet und mit
Erde zugedeckt. Anfangs stellten sie den Toten noch
primitive Kreuze, auf die die Namen der Toten
geschrieben waren. Eines Tages aber wurden alle
Kreuze eingesammelt und es war verboten, weiterhin
noch solche aufzustellen. Hie und da sind auch
Leute, die sich in den umliegenden Ortschaften
Lebensmittel holen wollten, erschossen worden. Eine
Frau wurde deswegen erschossen, weil sie an das
Grab einer Verwandten gegangen war. Sie bat den
Partisanen, der den Friedhof bewachte, den Friedhof
betreten und das Grab ihrer Verwandten besuchen zu
dürfen. Als sie an dem Grabe angelangt war,
legte derselbe Partisane das Gewehr auf sie an und
schoß sie nieder. Im Frühjahr 1945 hatte das Jareker Lager
eine Belegschaft von 16.700 Personen. Trotz der
hohen Sterblichkeit, namentlich in den
Sommermonaten des Jahres 1945, erhöhte sich
der zahlenmäßige Stand der Insassen und
betrug am 16. August genau 18.068. Obwohl auch noch
weiterhin deutsche Menschen nach Jarek gebracht
wurden, betrug sein Stand bei der Verlegung des
Lagers im Frühjahr 1946 nur noch 8.082
Personen, die in Viehwaggons zusammengepreßt
in der Karwoche (Osterwoche) nach Gakovo und
Kruschevlje gebracht wurden. In Jarek sind
insgesamt 14.700, davon allein in einem einzigen
Jahre 6.434 Personen gestorben. Unter den Toten
befanden sich allein rund 3.700 Kinder im Alter bis
zu acht Jahren. Hier starben auch die zwei bekannten
Volkstumsführer Karl Mahler aus Bulkes und
Josef Bolz aus Neu-Schowe. Von beiden war allgemein
bekannt, daß sie vor dem ersten Weltkriege
mit den serbischen Volkstumsführern der
Südbatschka zusammenarbeiteten und die Sache
ihres Volkes an der Seite der serbischen Minderheit
Ungarns vertraten. Auch Prof. Dr. Jakob Müller
aus Neusatz, der Arzt Dr. Michael Köpfer aus
Obrowatz und der evangelische Pfarrer Franz Klein
aus Katsch sind in Jarek des Hungers gestorben. Der
Transport nach Gakovo und Kruschevlje dauerte zwei
volle Tage, während welcher Zeit die Waggons
verschlossen blieben, niemand was zu essen bekam
und auch niemand austreten konnte. Bulkes Batschka-Palanka getrieben. Es waren insgesamt
156 Personen. Auch ungefähr 200 Männer
aus der Ortschaft Bukin und fast ebensoviel aus der
rein deutschen Nachbargemeinde Gajdobra brachte man
damals dorthin. Sie alle wurden zuerst in der
dortigen Bürgerschule eingesperrt und am 18.
November in einem Transport ins Zwangsarbeitslager
nach Neusatz getrieben. Die Partisanen, die den
Transport begleiteten, töteten unterwegs alle,
die nicht Schritt hielten. So wurden ohne Grund 6
Männer von Bulkes, 14 Männei aus Bukin
und 5 Männer aus Gajdobra auf der Straße
unterwegs erschossen. Aus dem Neusatzer Lager schickte man diese Leute
später zum Eisenbahnstreckenbau nach Mitrowitz
in Syrmien. Dort mußten sie schwere
Zwangsarbeiten verrichten. Mit schweren
Eichenschwellen mußten sie auf weite
Entfernungen im Laufschritt laufen, und wem dabei
die Kräfte versagten und wer nicht mehr
Schritt halten konnte, wurde von den Partisanen
sogleich getötet. Von den 36 Bulkeser
Zimmerleuten und Facharbeitern sind dort nur drei
am Leben geblieben. Eine Anzahl von Männern
aus Bulkes, Gajdobra und Bukin kam auch zu
Zwangsarbeiten in das Kohlebergwerk nach Vrdnik, wo
fast alle zugrunde gegangen sind. Am 4. Dezember 1944 sind dann die restlichen
deutschen Männer, die in Bulkes noch
zurückgeblieben waren - es waren dies noch 86
- ins Zwangsarbeitslager nach Palanka getrieben
worden. Auch von Bukin und Gajdobra kamen die
älteren Männer dorthin, wo auch viele von
ihnen starben. Die von ihren Familien getrennten
Mädchen und jungen Frauen wurden in die
Sowjetunion verschleppt: am 18. Dezember 1944 - 150
Frauen, am 25. Dezember - 80, und am 28. Dezember -
120. Keine einzige von ihnen ist jemals wieder in
die Heimat zurückgekehrt. Am 15. April 1945 wurden dann aus Bulkes auch
die letzten Reste der einheimischen deutschen
Bevölkerung aus ihren Heimstätten
getrieben. Die ganze noch lebende Bevölkerung,
die alten Frauen und Kinder und noch ein paar alte
zurückgebliebene Männer, wurden aus ihren
Häusern herausgetrieben. Zwei Tage und
Nächte ließ man sie außerhalt der
Ortschaft auf der Hutweide unter freiem Himmel
warten. Dann wurden sie nach Batschki-Jarek in das
Konzentrationslager geführt. Auch den Pfarrer
Karl Elicker brachte man dorthin, wo auch er
wiederholt schwer mißhandelt worden ist. 902
Menschen waren es insgesamt, welche von den
einstigen 3.000 Einwohnern in diesem Lager
angekommen sind. Dort starben in kurzer Zeit alle
bis auf 114, also 788 Menschen. Auch der bekannte
alte Deutschtumsführer Karl Mahler war unter
diesen Opfern. Zu den ungarischen Zeiten vor dem
ersten Weltkriege mit den serbischen politischen
Führern der Batschka eng befreundet und
aufgrund einer Zusammenarbeit mit diesen als
jugoslawischer Patriot allgemein bekannt, hat auch
er seine Heimat verlassen und im Lager sterben
müssen. Palanka Die schönste deutsche Gemeinde der
Südbatschka war die an der Donau gelegene
Großgemeinde Palanka (Batschka-Palanka).
Eigentlich bestand Palanka aus drei
selbständigen Gemeinden, aus Batschka-Palanka,
Neu-Palanka und Alt-Palanka. Die beiden ersteren
waren rein deutsch, Alt-Palanka gemischtsprachig,
doch lebten auch hier neben Serben, Ungarn und
Slowaken zahlreiche Deutsche. Zusammen betrug die
Einwohnerzahl in den drei Gemeinden über
16.000. Die Deutschen waren die wirtschaftlich
tüchtigsten und daher auch die wohlhabendsten
Einwohner. Insbesondere hatte hier ein sehr
fortschrittlicher deutscher Gewerbestand bestanden.
Batschka-Palanka war Mittelpunkt des
überwiegend deutschen Bezirkes, zu dem die
großen und wohlhabenden deutschen Ortschaften
Gajdobra, Wekerledorf, Bulkes, Bukin, Novoselo,
Obrowatz, Towarisch, Tscheb gehörten. In den
übrigen Ortschaften des Bezirkes bildete die
deutsche Bevölkerung eine starke Minderheit.
Im ganzen Bezirk lebten annähernd 30.000
Deutsche. Nachdem die Partisanen im Oktober 1944 die Macht
an sich gerissen hatten, wurden gleich die
angesehensten und wohlhabendsten deutschen (und
auch einige ungarische) Männer verhaftet,
fürchterlich mißhandelt und
schließlich erschlagen. Auch der Rechtsanwalt
Dr. Ludwig Hilkene und der bekannte Grundbesitzer
und Kaufmann Wilhelm Wagner waren unter diesen
Opfern. An einem anderen Tage im Monat Oktober 1944
wurden gegen abend 70 deutsche Jungen im Alter von
14 bis 19 Jahren aus ihren Wohnungen geholt In der
Bürgerschule von Batschka-Palanka wurden sie
gefesselt und in den nördlich der Gemeinde
gelegenen Akazienwald getrieben, wo sie ein
großes Loch graben mußten. Als dieses
fertig war, wurden sie erschossen. Ihre Leichen
wurden von den Partisanen in das Loch geworfen. Aus
der darauf geworfenen dünnen Erdschicht haben
später Schweine einige Leichen
herausgewühlt. Am 26. Oktober wurden abermals gegen 100
deutsche Männer verhaftet. Man führte sie
in das Gerichtsgebäude von Batschka-Palanka.
Dort wurden sie von Partisanen grausam
mißhandelt. Um das Jammern der Gefolterten zu
ersticken, wurden drei Radiogeräte auf
höchste Lautstärke eingestellt. Unter den
Klängen der Musik wurden dann die Opfer auf
die grausamste Art gepeinigt. Am 27. Oktober wurden
sie in demselben Akazienwald erschossen. Unter den
Erschossenen befand sich auch der katholische
Priester und Katechet Karl Unterreiner. Am 7. November 1944 wurden in Palanka abermals
184 deutsche Männer aus ihren Wohnungen
geholt. Sie wurden zuerst in der Bürgerschule
eingesperrt und geprügelt. Am 8. November
nachmittag um 2 Uhr wurden sie aus ihrer Heimat
fortgetrieben. Sie sollten in den Kohlengruben von
Vrdnik in Syrmien Zwangsarbeiten verrichten. Als
sie auf dem Marsch dorthin östlich von
Alt-Palanka in das sogenannte Tscheber Ried
gekommen waren, wurden sie von den Partisanen an
die Donau herangeführt und mußten
bereitgehaltene Kähne besteigen. Mit diesen
wurden sie in den Strom hinausgeführt.
Während der Überfahrt warfen die
begleitenden Partisanen mitten im Fluß
diejenigen aus den Kähnen in das eisig kalte
Wasser, an denen sie ihre Mordlust stillen wollten.
Sie schossen ihnen auch noch im Wasser nach. Auf
dieselbe Art und Weise fand am 14. November unter
anderem auch der bekannte Dampfmühlenbesitzer
Carl Czerveny aus Batschka-Palanka während der
Überfahrt über die Donau den Tod.
Während der Überfahrt stach ihn eine
Partisanin mit einem Dolch in den Rücken und
stieß ihn dann noch lebend in das Wasser, wo
er auch ertrank. Am jenseitigen Ufer angelangt,
mußten die Opfer den Marsch zu Fuß
fortsetzen. Bei der Ortschaft Neschtin nahmen dann
die Partisanen den Männern alles weg, was sie
noch bei sich hatten. Insbesonders hatten sie es
dabei auf die Wintermäntel abgesehen. Die
meisten mußten auch die Schuhe ausziehen und
hergeben. Die Männer mußten so trotz der
winterlichen Kälte und des einsetzenden
Schneetreibens barfuß weitergehen. Die
Straße war frisch beschottert und viele
bekamen daher wunde Füße. Wer aber
deshalb nicht weiter konnte, wurde erschossen. In
der Nacht kam der traurige Zug bis zur Ortschaft
Susek in Syrmien. Dort wurden wieder viele von
ihnen schwer mißhandelt. Drei von ihnen,
darunter auch ein Knabe, wurden ganz grundlos und
nur weil es den begleitenden Partisanen so gefiel,
erschlagen. Am Weitermarsch töteten die
Partisanen noch weitere 6 Männer, die
barfuß auf der frisch geschotterten
Straße nicht mehr weitergehen konnten. Vor
der Ortschaft Rakowatz wurde auch der frühere
Bezirksrichter von Palanka, Dr. Staudt, der schon
vorher schwer mißhandelt worden war und viele
Verletzungen aufwies, von den Partisanen
erschossen. Am Abend dieses zweiten Tages erst
kamen die noch am Leben gebliebenen deutschen
Männer im Kohlenbergwerk Vrdnik an. Viele von
ihnen sind dann auch dort noch gestorben. Mitte
November wurden dann alle übrigen deutschen
Männer von Palanka im Alter von 16 bis 60
Jahren, die noch zuhause waren, verhaftet. Auch aus
den übrigen Ortschaften des Bezirkes brachte
man die meisten deutschen Männer in den
Bezirksort. Man trieb sie dann alle zu Fuß
nach Neusatz in das dortige Zwangsarbeitslager.
Viele, die nicht gehen konnten, wurden unterwegs
auf offener Straße erschossen. Auch der alte
katholische Dechant-Pfarrer Peter Weinert ist nach
Neusatz ins Lager gebracht worden und hat dort den
Tod gefunden. Den Bürgermeister Stefan
Schneider führten die Partisanen ins
Konzentrationslager nach Batschki Jarek, wo er auch
gestorben ist. Der Pfarrer von Neu-Palanka, Stefan
Mesarosch-Müller, aber wurde zu Fuß
gegen die ungarische Grenze fortgeführt und
hat unterwegs den Tod gefunden. Frau Anna T. aus Palanka berichtet folgende
Einzelheiten: Der angesehene Grundbesitzer und
Holzhändler Wilhelm Wagner wollte in
Zusammenarbeit mit den angesehensten Serben nach
dem Abzug der ungarischen Behörden einen
Ordnungsausschuß in der Gemeinde bilden, und
fand, bis die Partisanen kamen, auch volle
Unterstützung von seiten aller Serben. Er
wurde dann verhaftet, tagelang systematisch
gefoltert und getötet. Nach einiger Zeit
wurden die zurückgebliebenen Männer
zusammengetrieben und mußten den Marsch in
ein Zwangsarbeilslager nach Serbien antreten. Wie
später Zurückgekehrte meldeten, wurden
sehr viele von diesen unterwegs auf verschiedene
Weise umgebracht. So wurde der herzkranke Karl
Cservenyi bei der Überfuhr über die Donau
geprügelt, gestochen, in das Wasser geworfen
und dann so lang unter Wasser gedrückt, bis er
ertrank. Sein Bruder Julius erlitt einen noch
gräßlicheren Tod, indem ihm die
Hände zerbrochen, die Augen herausgestochen,
die Nasenlöcher aufgerissen, sämtliche
Zähne herausgebrochen, große Streifen
Haut vom Körper geschunden und
schließlich die Geschlechtsteile
abgeschnitten und in den Mund gesteckt wurden.
Unterwegs wurde der Weingartenbesitzer Bela Brucker
mit Stöcken und Gewehrkolben erschlagen, weil
er infolge seines alten Herzleidens an einer
steilen Wegpartie nicht mehr mitkam. Lajos Reszely
wurde in seinem eigenen Hause vor den Augen seiner
Frau erschlagen, wobei seine Frau auch noch
vergewaltigt wurde, weil er sich als Ungar
fühlte und glaubte, deswegen nicht auf
Zwangsarbeit gehen zu müssen. Der
Maurermeister Josef Schweiß wurde auf diesem
Marsch zuerst geprügelt und dann erschossen,
weil er übermüdet nicht mehr mit konnte.
So ging es noch einer Reihe von Männern. Eines
Tages mußten alle Deutschen auf der
Straße Aufstellung nehmen und sich auf einer
Wiese außerhalb der Gemeinde sammeln. Nach
einer Übernachtung im strömenden Regen
traten sie den Todesmarsch von 60 Kilometern in das
Lager Batschki Jarek an. Während des traurigen
Marsches, wobei ständig zu Eile getrieben
wurde, ging zunächst das Gepäck verloren.
Greise, Krüppel und Kranke blieben zurück
und wurden erschlagen oder erschossen.
Säuglinge und Kleinstkinder lagen mit ihren
toten Großmüttern am Straßenrand,
dazwischen die Großväter. Die 60
Kilometer lange Straße war von Hunderten von
Leichen umsäumt." Novoselo Am 19. November 1944 wurden alle deutschen
Männer dieser Ortschaft im Alter von 16 bis 60
Jahren in den Bezirksort Palanka gebracht. Dort
waren sie mehrere Tage lang im Turnsaal der
Bürgerschule eingesperrt. Auch die deutschen
Männer aus der Ortschaft Wekerledorf und 70
Männer aus Plavna brachte man dorthin.
Zusammen waren es über 200 Personen. Sie
wurden fürchterlich mißhandelt, viele
abgesondert und ohne Verfahren erschossen. Die
Überlebenden wurden am 24. November in das
Lager nach Neusatz getrieben. Sie mußten 42
km im Eilmarsch bis Neusatz zurücklegen und
wurden von den auf Wagen mitfahrenden Partisanen
grausam behandelt. Wer nicht Schritt halten konnte
und zurückblieb, wurde auf der Straße
erschossen. So wurden unterwegs allein von den
Männern aus Novoselo 9 getötet. In einer
Gruppe von 900 eigens dazu ausgewählten
Männern, von denen nach Wochen nur mehr 45 am
Leben waren und wieder nach Neusatz
zurückgebracht wurden, kamen dann viele von
ihnen nach Mitrowitz in Syrmien. Zu Weihnachten
wurden die Mädchen und jungen Frauen nach
Rußland verschleppt und die übrigen alle
in der Osterwoche 1945 aus ihren Häusern
vertrieben, in verschiedene Zwangsarbeitslager und
in das Internierungslager nach Batschki-Jarek
gebracht. Obrowatz Der dortige deutsche Arzt, Dr. Michael
Köpfer, welcher als Menschenfreund auch bei
den einheimischen Serben besonders geachtet war,
wurde von fremden Partisanen roh mißhandelt
und in das Konzentrationslager nach Jarek gebracht,
wo er auch starb. Alle übrigen deutschen
Männer wurden in die Lager nach Neusatz und
anderen Orten verschleppt, die jungen deutschen
Frauen und Mädchen Anfang 1945 den Russen
ausgeliefert, die alten Frauen und Kinder von Haus
und Hof vertrieben und nach Jarek gebracht. Die
meisten von ihnen sind dort zugrunde gegangen. Die Zeitschrift "Der Donauschwabe" brachte in
ihrer Ausgabe vom 15.2.1988 einen Auszug aus dem
Buch "Obrovac, Geschichte und Erlebnisse der
Obrovacer" von Fabian Walter: "Als nach einigen
Tagen die russischen und bulgarischen Truppen
abgezogen waren, kam für die Deutschen eine
schwere und harte Zeit, denn die Partisanen (auch
einige Obrovacer Serben) begingen die grausamsten
und unmenschlichsten Taten, marterten und
erschossen zurückgebliebene Deutsche. Am 21.
November 1944 wurde durch einen
Partisanenerlaß das gesamte Vermögen der
Deutschen konfisziert, ihnen alle menschlichen und
bürgerlichen Rechte aberkannt. Es gab für
sie keinen Staatsschutz und keine Gerichtsbarkeit
mehr. Einige Partisanen in unserer Gemeinde hatten
diesem Erlaß schon vorgegriffen und schon vor
dessen Verkündigung zirka 42 Menschen aus
unserem Dorf das Leben genommen. Es waren 34
Deutsche, 6 Ungarn und 2 Serben". In der anschließenden Besprechung des
Buches bemerkte Dr. A. Buchenauer u.a.: "Auf Seite
54 des Buches werden dann alle Namen, die der
Deutschen und die der anderen, angeführt. Die
Erschießungen begannen laut Fabian Walter am
30. Oktober 1944. An diesem Tag wurden 3 Frauen
erschossen. Was hatten also die 3 Frauen
verbrochen? Die älteste war 84 Jahre alt und
nach einem Unfall gehbehindert. Die andere, ihre
Tochter und gleichzeitig die Mutter von Franz
Reinhardt, einem Kaufmann, der nach Deutschland
geflüchtet war und die dritte war das
Dienstmädchen. Und warum wurden die Frauen
erschossen? Franz Reinhardt hatte vor seiner Flucht
Lebensmittel versteckt. Und diese wurden gefunden.
Das war das Todesurteil für die 3 Frauen, die
angeblich im Hofe des Gemeindehauses erschossen
wurden. Die nächste Hinrichtung fand am 3.
November statt, und so ging es den ganzen November
hin. Das letzte gesicherte Datum: 24. November. In
der Mehrzahl Männer, aber auch einige Frauen
wurden umgebracht". Tscheb Um die Jahreswende 1944 auf 1945 wurden von den
neuen jugoslawischen Behörden auch hier die
deutschen Mädchen und jungen Frauen
zusammengefangen, den russischen
Militärbehörden ausgeliefert und von
diesen verschleppt. Am 2. Juni 1945 wurden dann
auch die übrigen deutschen Frauen, Greise und
Kinder aus ihren Häusern fortgetrieben und ins
Konzentrationslager in Jarek gesteckt. Towarisch Die meisten Deutschen von Towarisch folgten dem
gut gemeinten Ruf ihres Pfarrers und
verließen unter seiner Führung die
Heimat. Nur 10 deutsche Familien, welche sich von
ihrem Hab und Gut, von ihren Häusern und von
der durch sie selbst urbar gemachten Scholle nicht
trennen wollten und nicht glauben konnten,
daß die Partisanen so roh sein und auch
Unschuldige mißhandeln und töten
konnten, sind zurückgeblieben. Zu diesen
Leuten kam tags darauf noch eine deutsche Familie,
namens Brandelik, hinzu. Sie war ursprünglich
auch mit dem Pfarrer aus Towarisch fortgezogen.
Aber als alle zusammen schon über einen Tag
unterwegs und schon bis an die Donau gekommen
waren, überlegte sie es sich und kehrte wieder
nach Hause zurück. In Towarisch hatten
inzwischen bereits die neuen jugoslawischen
Behörden die Macht in die Hand genommen. Eine
der ersten Handlungen war, daß sie daran
gingen, alle Menschen deutscher
Volkszugehörigkeit auszurotten. Es wurden alle
zehn, in bester Absicht und mit ruhigem Gewissen
zurückgebliebenen deutschen Familien mit allen
Kindern und Greisen und auch die eben erst wieder
zurückgekehrte Familie Brandelik aus ihren
Häusern geholt. Sie wurden an den Ortsrand
getrieben, wo sie alle zusammen zuerst ein
großes Loch graben mußten. Dann wurden
alle, die Männer, Frauen, Greise und Kinder
aneinander gebunden, mußten an das Grab
herantreten und wurden erschossen. Was nach den
Schüssen nicht gleich in das Loch fiel, wurde
von den Partisanen hineingestoßen. In der
Meinung alle getroffen und auch das letzte deutsche
Kind von Towarisch ausgelöscht zu haben, zogen
sie ab und ließen das Grab offen. Es geschah
dies alles in der Abenddämmerung, und das
Massengrab sollte erst am nächsten Morgen von
anderen Leuten zugeschaufelt werden. Auch die
Familie Brandelik befand sich unter den Opfern. Als
die Schüsse gefallen und alle in das Loch
gestürzt waren, rissen die aneinander
gebundenen Leichen auch eine unversehrt gebliebene
Frau mit in die Tiefe. Sie war an ihren
tödlich getroffenen Mann gebunden. Lange blieb
sie darauf unter den Leichen liegen, und als es
schon Nacht geworden war, entledigte sie sich ihrer
Fesseln, stieg aus dem Grab und lief über und
über blutig in der Nacht davon. Sie gelangte
noch vor Morgengrauen bis zur Ortschaft Bukin, wo
sie Bekannte hatte und suchte bei diesen Zuflucht.
Da sie aber auch in Bukin nach einiger Zeit als
Deutsche erkannt worden war, ist sie abermals
verhaftet und fortgeschleppt worden. Man brachte
sie in das Konzentrationslager nach
Batschki-Jarek. In der Osterwoche 1945 wurden dann auch aus
allen anderen Gemeinden des ganzen Bezirkes alle
deutschen Kinder, übriggebliebenen Frauen und
Greise, welche noch immer dort lebten, vertrieben
und in verschiedene Lager geworfen, wo sie in
Massen zugrunde gingen. In die Häuser und in
die Habe dieser Deutschen aber setzten sich darauf
die Partisanen und slawische Kolonisten, die aus
den südlichen Gegenden des Staates hierher
gebracht worden waren. Plavna Welche Schicksale die ständigen
Verschleppungen und Verschiebungen oft zur Folge
hatten, zeigt das Schicksal eines Plavnaer Kindes,
das mit sieben Jahren zu Weihnachten 1948
vollkommen allein nach Salzburg kam. Im Herbst 1944
war das Mädchen Margarete Knöbl drei
Jahre alt. 4. In der
Nord- und Mittelbatschka tobte sich ein Blutrausch
aus Werbaß Sofort nach der Errichtung der
Militärverwaltung wurde hier mit der
Niedermetzelung der deutschen Bevölkerung
begonnen. In wenigen Wochen waren allein in der
Doppelgemeinde Werbaß rund 600 Männer
erschossen worden. In Neuwerbaß wurden die
angesehensten deutschen Bewohner des Ortes und die
Intellektuellen verhaftet und einzeln und in
Gruppen erschossen. Unter den Opfern befand sich
auch Prof. Geza Stetzik, der Inhaber und Leiter des
Werbaßer Schülerheimes, Prof. Jakob
Lotz, der letzte Direktor des ungarischen
Gymnasiums, Apotheker Schuch, Lehrer Mensch und
zahlreiche andere über die engen Grenzen ihrer
Heimat hinaus bekannte Persönlichkeiten. Vor
den Erschießungen mußten immer andere
deutsche Männer aus Werbaß die
Gräber graben. Die Opfer wurden an diese
Gräber herangeführt und mit
Genickschuß getötet. Bei diesen
Erschießungen hat sich ein ehemaliger
Werbaßer Jagdhüter besonders
hervorgetan. Er hat allein 80 Werbaßer
Bürger erschossen. Für die Vollbringung
dieser "nationalen Tat" wurde er in Kula als
Bezirkshauptmann eingesetzt und waltete, obwohl des
Lesens und Schreibens unkundig, noch jahrelang
dieses Amt. Der Rest der Bevölkerung wurde dann im
Frühjahr 1945 in das Lager in der Seidenfabrik
getrieben und einige Zeit später nach Gakovo
und Kruschevlje gebracht. Auch in Altwerbaß
wurden zum Teil neben dem Gemeindehaus in dem Hofe
der Notarswohnung, zum Teil aber auf dem
Schinderplatz viele deutsche Männer und Frauen
erschossen. Die Zahl der in Altwerbaß
Erschossenen, Erschlagenen oder sonstwie
Getöteten beträgt rund 370. Sie wurden
immer nackt ausgezogen. Kula Klein-Ker Am 14. November wurden abermals 70 Deutsche aus
ihren Häusern geholt. Auch diesmal bestand die
Mehrzahl der Opfer aus Frauen und Mädchen. Sie
wurden im Gemeindehaus zusammengetrieben und
mißhandelt. Die Frauen und Mädchen
wurden außerdem noch belästigt. Bis in
die Nacht des nächsten Tages ließ man
sie im Gemeindearrest, einem ganz kleinen Raum,
dicht aneinander gedrängt, eingesperrt. Dann
wurden sie von Partisanen aus dem Arrest einzeln
herausgerufen, um gefesselt zum Erschießen
geführt zu werden. Als der Taglöhner
Ludwig Schwarz aufgerufen wurde, stürzte er
sich in seiner Verzweiflung ganz unerwartet auf den
am Arrestausgang stehenden bewaffneten Partisanen,
warf ihn zu Boden, sprang über ihn hinweg und
lief vor den Augen aller hinaus in den Hof. Die
anderen Partisanen schossen ihm sogleich alle nach.
Er wurde aber nur an der Hand verwundet und konnte
noch über den Zaun springen und in der
Dunkelheit entfliehen. Drei Monate hielt er sich
darauf verborgen, bis er mit seiner Familie ins
Ausland fliehen konnte. Die übrigen Deutschen
trieb man programmgemäß an den Dorfrand
zum Ziegelofen, wo sie umgebracht worden sind. Die
Leichen warf man in den Wasserableitungsgraben und
scharrte sie ein. Am 17. November wurde zum dritten Mal eine
Blockade durchgeführt, wobei 50 Deutsche
zusammengetrieben wurden. Auch darunter waren mehr
als die Hälfte Frauen und Mädchen. Auch
Kinder von 14 Jahren waren darunter. Auch diese
kamen zuerst ins Gemeindehaus, wo sie
mißhandelt wurden. In der Nacht auf den 18.
November wurden sie mit einem Lastkraftwagen
weggeführt und am Weg, der nach Werbaß
führt, bei der sogenannten Römerschanze
erschossen. Am 19. November wurden abermals 17 deutsche
Männer und Frauen von Partisanen
zusammengetrieben und in der Nacht an der
Landstraße bei der Mühle erschossen. Die
Toten ließ man dort liegen. Eine Frau war
dabei nur angeschossen worden. Sie lag
schwerverwundet unter den Leichen. Man konnte sie
noch am nächsten Tag zu mittag hören, wie
sie jammerte, aber niemand durfte ihr helfen. Sie
blieb dort liegen, bis sie der Tod von ihrem Leiden
erlöste. An einem anderen Tag des Monates
November wurden drei alte deutsche Männer der
Gemeinde in Werbaß erschossen, weil die neuen
Behörden von Werbaß in ihnen deutsche
Menschen erkannt hatten und deutsches Blut
fließen sehen wollten. Sie waren im Auftrage
der Militärverwaltung nach Werbaß
gefahren. Die Opfer waren: Wächter Jakob, Mehl
Heinrich und Enzminger. Im Dezember 1944 führte man nochmals 15
Männer aus der Gemeinde weg. Sie kamen nach
Mitrowitz zu Eisenbahnarbeiten und sind von dort
nicht mehr zurückgekehrt. Im Mai 1945 wurde
der Rest der noch lebenden Deutschen aus ihren
Häuser vertrieben und ins Lager gebracht.
Viele führte man nach Batschki-Jarek, wo fast
alle auch gestorben sind. Subotitza Über die in dem Vernichtungsbereich der
Nord- und Mittelbatschka herrschenden Methoden
berichtet die aus Erdevik in Syrmien stammende Frau
M. Bogner, die sich mit ihren Kindern im Herbst
1944 evakuieren ließ und später, im Mai
1945, mit vielen anderen nach Jugoslawien
zurückkehrte. Zeitweise herrschten im Subotitzaer
Zwangsarbeitslager verheerende Typhusepidemien, die
Menschen nur so wegrafften. Große
Arbeiterpartien dieses Lagers waren oft Monate lang
und besonders im Winter ständig auswärts.
Über Nacht wurden sie beim Einbruch der
Dunkelheit meist in eine offene Scheune der in
dieser Gegend häufigen Gehöfte gebracht
und in den frühesten Morgenstunden, bei jedem
Wetter und tagaus, tagein, wieder auf Arbeit
geführt. Nicht nur, daß sie wie in den
übrigen Zwangsarbeitslagern oft Monate und
Jahre lang ihre Kleider nicht ablegen konnten,
konnten sie sich sogar oft wochenlang nicht einmal
für eine Nacht richtig hinlegen oder ausruhen.
Personen, die durch den ständigen
Arbeitseinsatz arbeitsunfähig geworden waren,
wurden nach Sekitsch und später nach Gakovo
oder Kruschevlje gebracht. Das Subotitzaer Lager
hat eine Auflösung auf diese Weise gefunden.
Es wurde so lange unterhalten, solange auch nur ein
einziger arbeiten konnte. Erst als der letzte zu
keiner Arbeit mehr fähig war, wurde das Lager
aufgelassen. Im Jänner 1948 bestand es fast
ausschließlich noch aus Kranken, von denen
allein 50 an Flecktyphus lagen. Sekitsch-Feketisch Am 20. November wurde Sekitsch offiziell als
Lager erklärt. Die in dem östlich der
internationalen Autostraße gelegenen Ortsteil
lebende Bevölkerung mußte ihre
Häuser verlassen und wurde in den westlich der
Straße gelegenen Teil des Ortes getrieben. In
die leer gewordenen Häuser wurden noch Ende
November die aus Bajmok vertriebenen alten
Männer, Frauen und Kinder gebracht. Nach und
nach wurde auch die gesamte arbeitsfähige
deutsche Bevölkerung der Umgebung und zuletzt
auch die der dicht neben Sekitsch liegenden
ebenfalls deutsch-evangelischen Gemeinde Feketisch
in das Sammellager gebracht. Auch alle aus
Deutschland oder von sonstwo nach Jugoslawien
über Subotitza Zurückkehrenden wurden
nicht mehr in ihre Heimat gelassen. Während
die Arbeitsfähigen vorwiegend in Subotitza
behalten oder von dort aus in den verschiedensten
Orten der Nord- und Mittelbatschka als
Zwangsarbeiter eingesetzt wurden, kamen die
Arbeitsunfähigen meist nach Sekitsch. Aber
auch in Sekitsch wurden aus den angestauten und
zusammengepferchten Menschenmassen immer wieder
arbeitsfähige Männer und Frauen
ausgewählt und nach Topola, Morawitza, Bajmok
und Subotitza auf Arbeit gebracht. Auch auf
Mütter mit kleinen Kindern wurde keine
Rücksicht genommen. Sie mußten ihre
Kinder zurücklassen, gleichgültig, ob
jemand für sie sorgte oder nicht. Die Sterblichkeit war in Sekitsch - verglichen
mit den anderen Internierungslagern - keine
erhebliche. Wohl wurde der Bevölkerung noch im
Herbst alles weggenommen. Weil sich aber nur wenige
vor dem Einmarsch der russischen Truppen evakuieren
ließen, war der größte Teil der
Bevölkerung im Herbst noch daheim und hat noch
rechtzeitig Vorsorge für spätere Zeiten
treffen können. Auch der Umstand, daß
die Sekitscher, wenn schon nicht in den eigenen
Häusern, so doch in der Heimat bleiben
konnten, erwies sich glücklich. Sie waren
nicht darauf angewiesen, sich von der Lagerkost zu
ernähren. Das war nicht nur für sie,
sondern auch für die von auswärts nach
Sekitsch gebrachten Deutschen der Umgebung ein
großer Vorteil. Der von den Sekitschern nicht
beanspruchte Teil der Lagerverpflegung kam den
Auswärtigen zugute. Die günstigen
Umstände des Sekitscher Lagers sollten sich
aber bald rächen. Als das Lager nach Gakovo
und Kruschevlje verlegt wurde, kam es dort gleich
zu einem Massensterben der Lagerinsassen, die aus
Sekitsch gebracht worden waren. Der plötzliche
Übergang auf die Lagerkost in Kruschevlje
erschütterte die Gesundheit der meisten gleich
so stark, daß sie wie Fliegen im Herbst nur
so dahinstarben. Am 1. Oktober 1945 wurde das Lager nach
Kruschevlje verlegt. Die hohe Sterblichkeit in
Kruschevlje hatte dort schon so große
Lücken in die Belegschaft gerissen, daß
das ganze Sekitscher Lager mit etwa 7.000 Personen
nach Gakovo und Kruschevlje verlegt werden konnte.
In Sekitsch blieben nur solche zurück, die zu
irgendwelchen Arbeiten noch zu verwenden waren. Noch vor dem Abtransport wurde den Insassen des
Lagers alles weggenommen, was sie noch bei sich
hatten. Den meisten von ihnen wurde nur das
allernötigste an Kleidungsstücken
gelassen, aber keine Decken und auch sonst nichts
anderes. Während viele andere Insassen des
Kruschevljer Lagers doch noch hie und da etwas
hatten, was sie auf nächtlichen Schleichwegen
eintauschen konnten, hatten die aus Sekitsch nichts
mehr. Der Abtransport fand in offenen
Eisenbahnwagen statt und dauerte zwei Tage,
währenddessen es die ganze Zeit regnete. In
Sombor zogen Partisanen entlang des Zuges und
verprügelten die darin stehenden Frauen und
Kinder. Viele wurden gräßlich
mißhandelt. Eine von kirchlicher Seite Ende
1946 heimlich durchgeführte Erhebung über
den Aufenthalt eines jeden ehemaligen Sekitscher
Einwohners ergab, daß von 6.000 Einwohnern zu
diesem Zeitpunkt nur mehr 1.000 lebten.
Berücksichtigt man, daß darin fast 1.000
mit dem Aufenthalt in Deutschland und
Österreich geführt wurden, so ergibt sich
daraus, daß in Jugoslawien nur mehr ganz
wenige - vielleicht keine hundert mehr lebten. In
Kruschevlje sind zwei Sekitscher Frauen, darunter
auch Schuhay Elisabetha, auf dem Felde erschossen
worden. Sie hatten das Lager nachts verlassen und
waren in eine der ungarischen Nachbargemeinden
betteln gegangen. Auf dem Rückweg wurden sie
von einem der Posten gesehen und erschossen. |