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II. IN DER BATSCHKA (1)

1. Systematische Ausrottung nach Vernichtungsbereichen
Bei der Ausrottung des Deutschtums der Batschka lassen sich scharf abgegrenzte Bereiche, die die Vernichtungsmaßnahmen zu planen und durchzuführen hatten, genau erkennen. Das donauschwäbische Siedlungsgebiet der Batschka war in drei solche Bereiche eingeteilt, und zwar in den der Nord- und Mittelbatschka, in den der Süd- und Südwestbatschka und den der West- und Nordwestbatschka. Jeder dieser Bereiche hatte in den Bezirksorten zentrale Zwangsarbeitslager, zahlreiche Arbeitsplatzlager, deren Belegschaft von den zentralen Bezirkslagern zahlenmäßig geführt wurde, und zeitweise auch Internierungs- und Konzentrationslager für Arbeitsunfähige. Die Internierungs- und Konzentrationslager der Bezirke wurden gewöhnlich schon bald aufgegeben und die Belegschaften in das Internierungslager des Bereiches überstellt. Zum Bereich der Nord- und Mittelbatschka gehörten vorwiegend die Bezirke Kula, Subotitza und die Streusiedlungen in den übrigen Bezirken der Ostbatschka, für die wegen der geringen Zahl der dort lebenden Deutschen kein eigener Bereich errichtet wurde. Zum Bereich der Süd- und Südwestbatschka gehörten vorwiegend die Ortschaften in den Bezirken Neusatz und Palanka. Zum Bereich der West- und Nordwestbatschka gehörten vorwiegend die Bezirke Hodschag, Apatin und Sombor.

2. In der Süd- und Südwestbatschka wurden Menschen schlechter als Tiere behandelt

Neusatz
In Neusatz, der Hauptstadt der Wojwodina, holten die Partisanen schon im Oktober 1944 viele Deutsche aus ihren Wohnungen. Sie wurden einige Zeit im Gebäude der Marine an der Donau gefangengehalten, zur Nachtzeit gruppenweise weggeführt und in der Nähe der Schlachtbrücke ohne Verfahren erschossen. Auch der bekannte Neusatzer Ingenieur Wilhelm Weiß und der Rechtsanwalt Dr. Leopold Veith wurden so liquidiert. Die anderen Deutschen kamen bald darauf ins Konzentrationslager. In ihre Häuser setzten sich sogleich Partisanen und Funktionäre der neuen Behörden. Wie in allen übrigen Lagern, sind auch hier sehr viele zugrunde gegangen. Unter den ersten, die hier gestorben sind, befand sich der Dechant-Pfarrer Peter Weinert aus Palanka.

Das Konzentrationslager befand sich im Sumpfgebiet an der Donau. Obwohl gegen 2.000 Volksdeutsche ständig im Stande dieses Lagers geführt wurden, bestand es aus nur zwei Baracken. Eine war für die Frauen und Kinder, die andere für die Männer bestimmt. Diese Unterkünfte waren sehr ungesund. Wenn die Donau einen höheren Wasserstand hatte, stand infolge des Grundwassers auch das Land rings um die Baracken im Wasser. Besonders schlecht hatten es die Frauen. Gegen 700 und noch mehr befanden sich in einem Raum, der kaum für 100 Menschen Platz bot. Sie mußten volle drei Jahre in zwei Etagen übereinander auf Brettern liegen, konnten sich nicht waschen und waren meist so zusammengepreßt, daß sie sich nicht einmal ausstrecken konnten. Die Baracken hatten keine Fenster. Es war in ihnen dumpf und finster. Sie waren Brutstätten der Tuberkulose. Die Ungezieferplage war eine schreckliche. Insbesondere litten darunter die Kinder. Läuse, Flöhe und Millionen Wanzen steckten in den alten Barackenbrettern und peinigten die Menschen. Viele, besonders aber die Kinder, waren von den vielen Bissen über und über wund und voll Krätze. Der Raum um die Baracken war außerdem mit Stacheldraht umgeben. Schwer bewaffnete Partisanen hielten Wache und bedrohten jeden mit Erschießen, der sich näher als zwei Meter an den Stacheldraht heranwagte. Nur zwei gemauerte Räume wurden im Lager aufgeführt: ein Schweinestall für die Schweine des Innenministers der Wojwodina und der Bunker für "straffällige" Lagerleute. In diesen Bunker wurde oft eine große Zahl Lagerleute beiderlei Geschlechts und oft auch Kinder gesteckt. Er hatte eine Länge von 3 und eine Breite und Höhe von je 2 m, war von allen Seiten geschlossen und ohne Fenster. Dennoch ist es vorgekommen, daß trotz des Luftmangels auch bis zu 20 Menschen - Männer, Frauen und Kinder - Tage hindurch darin eingesperrt waren. Im kleinen Lagerhof aber liefen mitten unter den Lagerleuten die Schweine der höchsten Herren der Wojwodina herum, beschmutzten alles und machten das Los der Lagerleute noch unerträglicher.

Das Neusatzer Lager wurde amtlich als Zentrallager geführt. Obwohl es nur aus zwei schäbigen Baracken, einem Schweinestall und einem Bunker bestand, ist fast die Hälfte aller in Jugoslawien noch lebenden Deutschen durch dieses Lager gegangen. Wenn durch viele Todesfälle irgendein anderes Lager im Lande nur mehr wenige Überlebende hatte, wurde es aufgelöst und der Rest der Insassen hierher geschickt. Einmal brachte man sogar über 100 Menschen deutscher Volkszugehörigkeit aus der Untersteiermark, darunter auch viele österreichische Staatsbürger, hierher. Auch zur Strafe wurden viele in dieses Lager gebracht. Das ganze Ausrottungssystem durch die Zwangsarbeits- und Internierungslager war von allem Anfang an so ausgedacht, daß die einzelnen Familienmitglieder von einander getrennt wurden und eines von dem anderen nichts erfahren konnte. Wenn dann nach längerer Zeit eine Mutter aus ihrem Lager in das ihrer Kinder flüchtete oder das Kind dorthin durchging, wo es die Eltern vermutete, wurden die Durchgegangenen strafweise hierher in das Zentrallager gebracht, eine Zeitlang in den Bunker gesperrt und mußten dann hier bleiben. Auch alle anderen, die den Behörden unangenehm hätten werden können, brachte man hierher. So wurden im Jahre 1947 alle Vertreter der deutschen Intelligenz, die durch irgendeinen Zufall den Erschießungen entgangen waren, aus allen anderen Lagern abgezogen und hierher hinter Stacheldraht gebracht. Die Mehrzahl der deutschen Priester Jugoslawiens war zwar um diese Zeit schon liquidiert. Außer einigen älteren Reichsdeutschen und einem 78 Jahre alten österreichischen Ordenspriester waren die übrigen in den verschiedensten Lagern verstreut. Es lebten noch 14 einheimische deutsche katholische und ein evangelischer Pfarrer. Sie wurden alle hierher verschleppt. Auch zwei einheimische deutsche Tierärzte und eine Professorin brachte man neben anderen deutschen Intellektuellen hierher. Ebenso den letzten in Jugoslawien am Leben gebliebenen einstigen deutschen Abgeordneten, den Oberlandesgerichtspräsidenten Dr. Wilhelm Neuner.

Als das Konzentrationslager Betschkerek am 22.5.1947 aufgelassen und nach St. Georgen verlegt werden sollte, haben sich tags zuvor Organe der Betschkereker OZNA, unter irgendeinem Vorwand noch schnell fünf deutsche Mädchen und drei Frauen bringen lassen und in ihrem Gefängnis eingesperrt. Nachts wurden sie dann aus dem Gefängnis in die Kanzlei geholt und mußten sich dann vor den Funktionären dieser berüchtigten Polizeiorganisation nackt ausziehen. Die Organe der OZNA hielten dann einzelnen von ihnen brennende Zigaretten an die nackten Brustwarzen, rissen ihnen Haare aus der Gegend der Geschlechtsteile heraus, trieben mit ihnen Spott und befriedigten an diesen unschuldigen Menschen ihre perversen Anwandlungen. Einem der Mädchen steckten sie die eigene Periodenbinde in den Mund. Als nach dieser sadistischen Prozedur alle acht Frauen wieder zurück in das Lager geschickt worden waren, flohen anläßlich der Übersiedlung dieses Lagers vier, die die Wiederholung solcher Pein fürchteten, über die Grenze ins Ausland. Die anderen vier brachte man darauf in das Zentrallager in Neusatz. Sie wurden hier, ohne daß ihnen der Grund mitgeteilt worden wäre, eine Zeitlang in dem berüchtigten Bunker eingesperrt und dann hinter Stacheldraht gehalten, so daß keine einzige mehr Gelegenheit zur Flucht finden konnte.

Die Belegschaft des Lagers wurde ständig auf Zwangsarbeit getrieben. So wurden in einem einzigen Transport 875 Lagerleute gleichzeitig weg nach Mitrowitz in Syrmien geführt, wo sie längere Zeit beim Eisenbahnstreckenbau arbeiten mußten. Die Frauen wurden im Lager Mitrowitz sogleich glatt geschoren, die Kranken abends weggeführt, erschossen und in die Save geworfen. Nur 300 von 875 Neusatzer Lagerleuten sind nach Beendigung dieser Zwangsarbeit aus Mitrowitz in das Lager Neusatz wieder zurückgekehrt.

Noch vor der Morgendämmerung wurden täglich alle Lagerleute, die sich nicht ständig irgendwo auswärts auf Zwangsarbeit befanden, aus den beiden Baracken getrieben und mußten sich - die Frauen von den Männern getrennt - aufstellen und stundenlang warten. Dann kamen die Sklavenhändler. Sie gingen die Front ab und kauften sich für den betreffenden Tag oder auch für längere Zeit Leute und auch Mädchen und Frauen, wenn sie an ihnen Gefallen fanden oder sie für eine Arbeit benötigten. 80 Dinar hatten sie für einen Menschen zu bezahlen und dann gehörte er für diesen Tag dem Käufer. Das Geld war sogleich im voraus bei dem Lagerkommandanten zu erlegen. Für die schlechtesten Arbeiten, als Schinderknechte zur Abortreinigung in den verschiedensten Gegenden der Stadt und für Verrichtungen, wofür man sonst so billig keine anderen Menschen finden konnte, wurden deutsche Männer und Frauen vermietet. Gruppenweise wurden sie so jeden Morgen abtransportiert. Wer es wagte, gegen eine Arbeit, zu welcher er sich nicht fähig fühlte, etwas einzuwenden, wurde in den Bunker geworfen, bekam Schläge und nichts zu essen.

Stattliche und anmutig aussehende Frauen und Mädchen wurden prominenteren Vertretern der neuen Behörden und kommunistischen Parteigrößen zur Besorgung der Arbeiten im Haushalt als Sklavinnen abgegeben. Sie mußten, selbst auf die Gefahr hin, für "alles" benützt zu werden, gehen. Eine intelligente deutsche Frau weigerte sich einmal, eine solche Verwendung anzutreten. Sie wurde sofort in den Bunker geworfen und später gezwungen, mitzugehen. Daß deutsche Lagerfrauen selbst von höchsten Funktionären des Regimes nur als Objekte für alle Zwecke betrachtet wurden, geht aus dem unsittlichen Ansinnen des Sektionschefs der zentralen Lagerverwaltung der Wojwodina an eine hübsche junge Prau namens R. Olga hervor. Sie hat sein Ansinnen mit Entrüstung zurückgewiesen. Da sie böse Folgen davon fürchtete, ist sie, um sich zu retten, aus dem Lager entwichen. Es ist ihr auch gelungen, über die Staatsgrenze nach Ungarn und später nach Österreich zu gelangen.

Die Verpflegung war auch in diesem Lager sehr schlecht. Sie bestand entweder aus Gerste oder aus Erbsensuppe und einem ganz kleinen Stück gebackenen Maisschrot-Brotes. Es war immer viel zu wenig. Brot gab es sonst keines. Die Kriegsgefangenen hatten es viel besser. Im Sommer 1947 gab man den deutschen Lagerleuten Monate hindurch nur gänzlich verdorbene, verschimmelte und übelriechende Gerste, deren Genuß Erkrankungen verursachte, obwohl man wußte, daß diese Gerste von den Lagerleuten nicht genossen werden konnte. Das war den verantwortlichen Funktionären der Wojwodina gerade willkommen. Sie zogen daraus einen persönlichen Vorteil. Sie ließen sich, wie bereits erwähnt, gleich neben den Bretterbaracken im Lagerhof innerhalb des Stacheldrahtes einen schönen geräumigen großen Schweinestall erbauen. Dort mußten die Lagerleute für den Innenminister der Wojwodina, für den Sektionschef der zentralen Lagerverwaltung, für den Lagerkommandanten und für andere Nutznießer des Regimes eine unheimlich große Zahl von Schweinen füttern, die tagsüber auch bei den Lagerleuten innerhalb des Stacheldrahtes im Hof herumliefen und mit ihnen den Hof teilten. Diese Schweine mästete man mit dem, was an Nahrung den Lagerleuten gebührte. Wenn diese die Gerste nicht essen konnten, hatten die Gewaltigen davon ihren persönlichen Profit, denn dann bekamen es ihre Schweine. Als nach Monaten für die Lagerleute keine verdorbene Gerste mehr zu haben war, wurden monatelang ohne Abwechslung Tag für Tag nur harte und minderwertige Erbsen in die Suppe gekocht. Sie wurden weder weichgekocht noch geschrotet, denn sonst hätten sie die Lagerleute, die ja immer alle hungrig waren, wirklich zur Gänze aufgegessen. Diese halbgekochten Erbsen kamen so zum großen Teil wieder in den Trank für die Schweine des Ministers, des Sektionschefs, des Lagerkommandanten, usw. Der Lagerkommandant begründete die harten Erbsen damit, daß nicht genügend Brennmaterial zum Weichkochen vorhanden sei. Die Bitten, man solle den Lagerleuten bewilligen, die Erbsen vor dem Kochen zusammenzuschroten, wurden mit Entrüstung abgewiesen. Es hätten ja dann die Schweine kein Futter gehabt.

Gegen die unmenschliche Behandlung Beschwerde zu führen oder gar Anzeige zu erstatten, war verboten. Denen, die es versuchten, wurde gedroht. Noch Anfang 1948 wurde vom Sektionschef der zentralen Lagerverwaltung der ganzen Wojwodina in einer Rede vor allen Lagerleuten angedeutet, daß man unangenehme Leute nicht immer öffentlich erschießen müsse, man könne sie auch auf einen Wagen setzen, aus der Stadt hinausführen und für immer verschwinden machen. Ein solcher Fall, der sich am 12. Juni 1947 tatsächlich ereignet hatte, hat die Lagerleute auch abgeschreckt. Anfang 1947 wurden über Anordnung des Innenministers der Wojwodina und des Sektionschefs die älteren und weniger arbeitsfähigen Leute nach Gakovo an die ungarische Grenze ins Lager gebracht. Wer dort von irgend jemand 1.000 Dinar aufbringen und erlegen konnte, wurde mit den sogenannten "weißen Transporten" über die Grenze geschoben. Das Geld mußte den behördlichen Organen abgeführt werden, die dabei Millionen verdienten. Es gab Tage, wo auf einmal sogar über 400 Menschen auf diese Art nach Ungarn gebracht wurden. Als ein deutscher Lagermann, der als Mitwisser nach Einstellung dieser "Transporte" ins Neusatzer Lager überstellt worden war, unwillig über die schlechte Entlohnung seiner Dienste von seiten seines Auftraggebers, diese Dinge weitererzählte, wurde er am 12. Juli 1947 abends aus der Baracke gerufen. Vor dem Lagertor wartete schon der bespannte Lagerwagen. Auf diesen mußte er steigen. Vier Organe des Innenministers der Wojwodina führten ihn auf dem Wagen fort. Um Mitternacht stand derselbe Lagerwagen wieder leer, ohne Kutscher, aber mit vielen Blutspuren vor dem Tor des Lagers. Jeder im Lager aber war tags darauf davon überzeugt, daß der Mann in der Nacht liquidiert wurde um nichts mehr verraten zu können.

Brutale Mißhandlungen der Lagerleute, besonders der Frauen und der Mädchen, war auf der Tagesordnung. Alles dies geschah mit Wissen der höchsten Regierungsstellen. Am grausamsten zeichnete sich in dieser Hinsicht der kaum 19 Jahre alte Bruder des Innenministers der Wojwodina aus. Mehr als bodenlosen Haß kannte er nicht. Das war nach Meinung seines Bruder-Ministers auch die einzige und richtige Qualifikation, die ihn für den Posten eines Funktionärs im Lager der Deutschen gerade geeignet erscheinen ließ. Viele Frauen wurden von ihm geprügelt und noch im Frühjahr 1948 hat er mit der Pistole in der Hand deutsche Frauen und Mädchen - auch die dort internierten österreichischen Frauen - bedroht, gequält und innerhalb des Stacheldrahts im Lagerhof herumgetrieben.

Dieser Vorkommnisse wegen ist einmal auch ein deutscher Lagermann durchgegangen. Die Flucht ist ihm geglückt. Aus Ärger darüber hat der Lagerkommandant eine Kollektivstrafe für alle Lagerleute angedroht. Es war im Monat Januar 1947 und gerade ein sehr kalter Wintertag. Ein eisiger Schneesturm blies vom Frankenberg über das Lager. Bei dieser Witterung jagte der Lagerkommandant alle ins Freie und ließ sie dort im Schneesturm zur Strafe für Stunden auf einem Platz stehen. Ein anderes Mal, und zwar Anfang Februar 1948, gab man den Lagerleuten wieder einen ganzen Tag keinen Tropfen Wasser. Diese Torturen mußten außer den Männern auch 300 Frauen und gegen 100 Kinder, darunter 57 österreichische und einige reichsdeutsche Staatsbürger, über sich ergehen lassen.

Wegen dieser ständigen unmenschlichen Behandlungsmethoden sandte Dr. Wilhelm Neuner, ein Insasse dieses Lagers, eine schriftliche Beschwerde an den jugoslawischen Ministerpräsidenten nach Belgrad. Darauf kam ein Vertreter des Belgrader Innenministeriums in das Lager und führte eine Untersuchung durch. Dem Regierungsvertreter gegenüber erhob Dr. Neuner in Anwesenheit des verantwortlichen Sektionschefs Klage darüber, daß trotz der Beendigung des Krieges noch immer deutsche Menschen grausam behandelt und ohne Verfahren erschossen werden. Während der behördliche Vertreter die Tatsache, daß bereits gegen 20.000 deutsche Zivilpersonen in Jugoslawien in den Lagern liquidiert worden seien, gar nicht in Abrede zu stellen versuchte, gab er auf die Vorhaltungen Dr. Neuners, daß es nicht angehe, auf dem Richterstuhle sitzend andere wegen Grausamkeiten abzuurteilen aber gleichzeitig selbst noch gröbere Unmenschlichkeiten zu begehen, nur zur Antwort, daß sich das neue Jugoslawien vor einem internationalen Forum nicht fürchte. Wie leer, bedeutungslos und heimtückisch sein Versprechen war, in Zukunft für Abstellung solcher Vorkommnisse zur sorgen, zeigte sich schon am nächsten Tage. Dr. Neuner wurde am 16. Februar 1948 für sein Eintreten in den berüchtigten Bunker gesperrt, in welchen man vorher noch die stinkenden Überreste eines Schweines geworfen hatte, das im Lager krepiert war.

Fast die Hälfte der in Jugoslawien jetzt noch lebenden Deutschen, hat ehe sie 1948 aus den Lagern entlassen wurden, die grausamen Methoden des Neusatzer Straflagers für Schuldlose am eigenen Leibe verspürt. Hier in Neusatz wurden sie nach einiger Zeit bitterster Entbehrungen und Qualen für die Kohlengruben reif gemacht. Hier erpreßte man ihnen im Zustande der Verzweiflung die Verpflichtung für freiwillige Arbeit in den Bergwerken Serbiens. Es wurde ihnen vom Sektionschef der zentralen Lagerverwaltung der Wojwodina immer wieder ausdrücklich erklärt, daß die Deutschen nur so aus den Lagern herauskommen könnten. Nur so wurden die Transporte für die Bergwerke in Serbien und die neu errichteten staatlichen Kolchoswirtschaften in den Sumpfgebieten an der unteren Donau und Theiß zusammengebracht. Wer aber trotzdem nicht gehen wollte, der wurde so lange in dem Bunker eingesperrt gehalten bis er einwilligte. Nur auf diese Art wurden die verschiedenen Lager nach und nach leer, bis sie schließlich auch aufgelassen werden konnten.

Schon ganz zum Schluß, als im Frühjahr 1948 fast alle überlebenden deutschen Männer auf Kolchoswirtschaften und in Bergwerke abgeschoben und die Lager schon alle aufgelassen worden waren, liquidierte man als letztes auch das Neusatzer Zentrallager. Obwohl sich noch 400 Leute im Lager befanden, ließ man beide Baracken über ihrem Haupte abreißen. Man brauchte die verwanzten Bretter, um mit ihnen auf einer Kolchoswirtschaft im Pantschowarer Ried für die dorthin verschleppten deutschen Lagerleute eine Unterkunft zu errichten. Die 400 letzten Neusatzer Lagerleute aber wurden in eine Baracke des benachbarten Kriegsgefangenenlagers übersiedelt. Es waren fast nur noch Angehörige intellektueller Berufe, gegen 100 Leute aus der Untersteiermark und Deutsche fremder Staatszugehörigkeit, zumeist Frauen und Kinder. Die 14 deutschen katholischen, der evangelische Pfarrer und die zwei reichsdeutschen und der österreichische Ordenspriester waren auch noch da. Von den österreichischen Staatsbürgern lebten noch 57. Alle übrigen waren schon gestorben. Sie wurden am 29. März 1948 auf den Bahnhof geführt und in zwei Viehwaggons verladen. Die Wagen wurden in Neusatz geschlossen und erst nach zweitägiger Fahrt ohne Verpflegung und ohne Wasser an der österreichischen Grenze bei Spielfeld geöffnet. Die aber, die auch noch nach diesem Transport in Neusatz zurückgeblieben waren, wurden nach Karlsdorf im Banat gebrach!

Futok
In der neben Neusatz gelegenen gemischtsprachigen Gemeinde Futok haben die Partisanen gleich in den ersten Tagen mehrere Deutsche, namentlich aber Frauen, geschlagen und mißhandelt. Den Fleischhauer Konrad Mai holten sie in der Nacht, folterten ihn gräßlich und schleiften ihn dann über den zur Insel ziehenden Damm. Noch vom Damm hörte man seine qualvollen Schreie in der Stille der Nacht bis in den Ort. Er ist seither spurlos verschwunden. Nicht viel später verschwand auch der früher in Apatin als Steuerbeamter tätig gewesene Hans Latzgang und Anton Sauer. Am 4. Dezember 1944 wurde dann die ganze deutsche Bevölkerung des Ortes aus ihren Häusern heraus nach Jarek getrieben. Es waren etwa 800 Personen. In Futok blieben nur Arbeitsfähige zurück, die im Lager behalten wurden und Zwangsarbeit in der Hanffabrik und anderswo verrichten mußten. Später wurden auch von auswärts Zwangsarbeiter nach Futok gebracht. Das Futoker Zwangsarbeitslager wurde im Jänner 1947 aufgelassen und dessen Belegschaft nach Gakovo überstellt.

3. In der Südbatschka entstand die erste Hungermühle

Batschki Jarek
In der deutsch-evangelischen Gemeinde Batschki Jarek sind alle deutschen Familien bis auf eine und eine geistesgestörte alleinstehende Person von den abziehenden deutschen Truppen noch im September 1944 evakuiert worden. Am 4. Dezember 1944 wurde die arbeitsunfähige deutsche Bevölkerung von Futok als erste nach Jarek getrieben. In kurzen Abständen folgte dann die deutsche Bevölkerung aller anderen Orte der Südbatschka: Palanka, Katsch, Temerin, Tschurug, Gajdobra, Bukin, Novoselo, Schowe, Torschau, Plavna, Wekerledorf, Obrowatz, Batsch u.a.

Viele der Leute, die nach Jarek getrieben wurden, erreichten Jarek nicht. Männer, Frauen und Kinder, die wegen Erschöpfung und Übermüdung mit der Marschkolonne nicht mehr Schritt halten konnten, wurden geschlagen und oft auch erschlagen. Öfter ist es auch vorgekommen, daß ganze Gruppen von Personen, die nicht mehr gehen konnten, auf dem Wege mit der Versicherung zurückgelassen wurden, es würden Wagen kommen, die sie aufladen und den Rest des Weges fahren würden. Wenn sich dann die Marschgruppe entfernt hatte, wurden sie erschossen. Unter diesen Opfern befanden sich häufig auch sehr viele Kinder. Sie sind meist in der Nähe der Gemeinde Gloschan Opfer des bestialischen Sadismus der Partisanen geworden. Die Verpflegung und die ganze Behandlung war im Lager Jarek eine solche, daß Tausende daran zugrunde gehen mußten. In den ersten acht Tagen gab es in Jarek überhaupt nichts zu essen. Erst nach acht Tagen wurden Kessel aufgestellt, in denen für die Lagerinsassen gekocht wurde. Drei Wochen lang gab es täglich zweimal Kartoffelsuppe und 15 Dekagramm Maisbrot. Für das Brot wurde nur Maisschrot verwendet. Später gab es eine Zeitlang Nudelsuppe, die aus versticktem Mehl gemacht wurde. Als auch das verstickte Mehl verbraucht war, wurden nur mehr Erbsen, Bohnen oder Gerste in die Suppe eingekocht, aber auch immer so wenig, daß die ganze Nahrung meist nur aus dem Stückchen Maisbrot und Wasser bestand. Im Herbst 1945 kam die große Knappheit an Brennmaterial. Was irgendwie zum Heizen und Kochen verwendbar war, wurde noch im Winter 1944/45 verbraucht. Der Mangel an Brennmaterial führte im Herbst 1945 dazu, daß von da an nur mehr täglich einmal Suppe gekocht wurde. Vier Monate lang gab es auch kein Salz, weder für das Brot noch für die Suppe. Das Fehlen von Salz einerseits und der Umstand, daß nur einmal täglich Essen verabreicht wurde, war die bitterste Qual, der Tausende von Menschen und unschuldigen Kindern vom Herbst 1945 bis Frühjahr 1946 in Jarek ausgesetzt waren. Kein Wunder, daß alle Katzen, Hunde, ja selbst alle Tiere, die verendeten, von den Lagerinsassen aufgezehrt wurden.

Ein jüdischer Arzt aus Neusatz, der selbst volle vier Jahre in dem deutschen Konzentrationslager Dachau verbracht und das Lager Jarek im Winter 1945/46 besichtigt hat, sagte von ihm, "daß es das furchtbarste sei, was je mit Menschen getan wurde". Selbst mit Dachau ließe sich Jarek in keiner Weise vergleichen. Sehr bald trat auch ein mörderisches Massensterben ein. Die gräßlichsten Ausmasse nahm es unter der aus Bulkes stammenden Bevölkerung an. Von etwa 902 Personen, die aus Bulkes nach Jarek gebracht worden waren, starben in wenigen Monaten 788. Im Sommer wurden auch aus den Zwangsarbeitslagern der Südbatschka, Syrmiens und Slawoniens von der Zwangsarbeit und schlechten Ernährung schon vollkommen erschöpfte Männer und Frauen nach Jarek gebracht, die dann dort auch meistens in kurzer Zeit starben. Fast täglich sind 10 bis 20 Kinder unter den Toten gewesen. Allein zwölf Männer hatten täglich von morgens bis abends mit der Beerdigung der Toten zu tun. Mit einem Wagen fuhren sie von Haus zu Haus und luden die Toten auf. Sie führten sie auf den Friedhof, wo sie täglich tiefe Gräben ausgegraben hatten. Dort wurden die Toten hineingeschichtet und mit Erde zugedeckt. Anfangs stellten sie den Toten noch primitive Kreuze, auf die die Namen der Toten geschrieben waren. Eines Tages aber wurden alle Kreuze eingesammelt und es war verboten, weiterhin noch solche aufzustellen. Hie und da sind auch Leute, die sich in den umliegenden Ortschaften Lebensmittel holen wollten, erschossen worden. Eine Frau wurde deswegen erschossen, weil sie an das Grab einer Verwandten gegangen war. Sie bat den Partisanen, der den Friedhof bewachte, den Friedhof betreten und das Grab ihrer Verwandten besuchen zu dürfen. Als sie an dem Grabe angelangt war, legte derselbe Partisane das Gewehr auf sie an und schoß sie nieder.

Im Frühjahr 1945 hatte das Jareker Lager eine Belegschaft von 16.700 Personen. Trotz der hohen Sterblichkeit, namentlich in den Sommermonaten des Jahres 1945, erhöhte sich der zahlenmäßige Stand der Insassen und betrug am 16. August genau 18.068. Obwohl auch noch weiterhin deutsche Menschen nach Jarek gebracht wurden, betrug sein Stand bei der Verlegung des Lagers im Frühjahr 1946 nur noch 8.082 Personen, die in Viehwaggons zusammengepreßt in der Karwoche (Osterwoche) nach Gakovo und Kruschevlje gebracht wurden. In Jarek sind insgesamt 14.700, davon allein in einem einzigen Jahre 6.434 Personen gestorben. Unter den Toten befanden sich allein rund 3.700 Kinder im Alter bis zu acht Jahren.

Hier starben auch die zwei bekannten Volkstumsführer Karl Mahler aus Bulkes und Josef Bolz aus Neu-Schowe. Von beiden war allgemein bekannt, daß sie vor dem ersten Weltkriege mit den serbischen Volkstumsführern der Südbatschka zusammenarbeiteten und die Sache ihres Volkes an der Seite der serbischen Minderheit Ungarns vertraten. Auch Prof. Dr. Jakob Müller aus Neusatz, der Arzt Dr. Michael Köpfer aus Obrowatz und der evangelische Pfarrer Franz Klein aus Katsch sind in Jarek des Hungers gestorben. Der Transport nach Gakovo und Kruschevlje dauerte zwei volle Tage, während welcher Zeit die Waggons verschlossen blieben, niemand was zu essen bekam und auch niemand austreten konnte.

Bulkes
Bulkes war eine rein deutsche evangelische Ortschaft und hatte 3.000 Einwohner. Als im Oktober 1944 die Russen heranrückten, waren nur 65 deutsche Familien von den ungarischen und deutschen Truppen evakuiert worden. Die übrigen blieben. Auch hier waren die ersten Deutschen, welche nach Übernahme der Macht durch die Partisanen von diesen liquidiert wurden, die Vertreter der deutschen Intelligenz. Sie wurden verhaftet, in den Bezirksort Batschka-Palanka getrieben und dort von den Partisanen umgebracht. Unter den ersten Opfern befand sich der Gemeindearzt Dr. Alexander Sander, der Apotheker Christian Hartmann und der Lehrer Peter Hartmann. Am 17. November 1944 wurden dann alle übrigen deutschen Männer im Alter von 16 - 60 Jahren von den Partisanen aus ihren Wohnungen geholt und nach

Batschka-Palanka getrieben. Es waren insgesamt 156 Personen. Auch ungefähr 200 Männer aus der Ortschaft Bukin und fast ebensoviel aus der rein deutschen Nachbargemeinde Gajdobra brachte man damals dorthin. Sie alle wurden zuerst in der dortigen Bürgerschule eingesperrt und am 18. November in einem Transport ins Zwangsarbeitslager nach Neusatz getrieben. Die Partisanen, die den Transport begleiteten, töteten unterwegs alle, die nicht Schritt hielten. So wurden ohne Grund 6 Männer von Bulkes, 14 Männei aus Bukin und 5 Männer aus Gajdobra auf der Straße unterwegs erschossen.

Aus dem Neusatzer Lager schickte man diese Leute später zum Eisenbahnstreckenbau nach Mitrowitz in Syrmien. Dort mußten sie schwere Zwangsarbeiten verrichten. Mit schweren Eichenschwellen mußten sie auf weite Entfernungen im Laufschritt laufen, und wem dabei die Kräfte versagten und wer nicht mehr Schritt halten konnte, wurde von den Partisanen sogleich getötet. Von den 36 Bulkeser Zimmerleuten und Facharbeitern sind dort nur drei am Leben geblieben. Eine Anzahl von Männern aus Bulkes, Gajdobra und Bukin kam auch zu Zwangsarbeiten in das Kohlebergwerk nach Vrdnik, wo fast alle zugrunde gegangen sind.

Am 4. Dezember 1944 sind dann die restlichen deutschen Männer, die in Bulkes noch zurückgeblieben waren - es waren dies noch 86 - ins Zwangsarbeitslager nach Palanka getrieben worden. Auch von Bukin und Gajdobra kamen die älteren Männer dorthin, wo auch viele von ihnen starben. Die von ihren Familien getrennten Mädchen und jungen Frauen wurden in die Sowjetunion verschleppt: am 18. Dezember 1944 - 150 Frauen, am 25. Dezember - 80, und am 28. Dezember - 120. Keine einzige von ihnen ist jemals wieder in die Heimat zurückgekehrt.

Am 15. April 1945 wurden dann aus Bulkes auch die letzten Reste der einheimischen deutschen Bevölkerung aus ihren Heimstätten getrieben. Die ganze noch lebende Bevölkerung, die alten Frauen und Kinder und noch ein paar alte zurückgebliebene Männer, wurden aus ihren Häusern herausgetrieben. Zwei Tage und Nächte ließ man sie außerhalt der Ortschaft auf der Hutweide unter freiem Himmel warten. Dann wurden sie nach Batschki-Jarek in das Konzentrationslager geführt. Auch den Pfarrer Karl Elicker brachte man dorthin, wo auch er wiederholt schwer mißhandelt worden ist. 902 Menschen waren es insgesamt, welche von den einstigen 3.000 Einwohnern in diesem Lager angekommen sind. Dort starben in kurzer Zeit alle bis auf 114, also 788 Menschen. Auch der bekannte alte Deutschtumsführer Karl Mahler war unter diesen Opfern. Zu den ungarischen Zeiten vor dem ersten Weltkriege mit den serbischen politischen Führern der Batschka eng befreundet und aufgrund einer Zusammenarbeit mit diesen als jugoslawischer Patriot allgemein bekannt, hat auch er seine Heimat verlassen und im Lager sterben müssen.

Palanka
In der Südbatschka haben die Partisanen gleich nach dem Einmarsch der russischen Truppen und der gleichzeitigen Übernahme der Verwaltungs- und Machtbefugnisse in ihre Militärverwaltungen in Neusatz und Palanka zentrale Zwangsarbeitslager und in allen Orten mit deutscher Bevölkerung Arbeitsplatzlager errichtet. Arbeitsfähige Personen, Männer und Frauen, wurden in diese eingewiesen und rücksichtslos den ganzen Winter hindurch und auch später noch zu den schwersten Arbeiten eingesetzt. Ein Teil der deutschen Bevölkerung war zwar von den abziehenden deutschen Truppen evakuiert worden. Der Prozentsatz der Evakuierten war jedoch von Ort zu Ort sehr verschieden. Während in Bulkes nur einige Familien den Ort verlassen hatten, waren in Jarek nur eine einzige Familie, in Towarisch nur einige zurückgeblieben. Mit der Einführung der Militärverwaltung der Partisanen setzten auch gleich schon im Oktober Massenerschießungen und Verschleppungen von Deutschen ein.

Die schönste deutsche Gemeinde der Südbatschka war die an der Donau gelegene Großgemeinde Palanka (Batschka-Palanka). Eigentlich bestand Palanka aus drei selbständigen Gemeinden, aus Batschka-Palanka, Neu-Palanka und Alt-Palanka. Die beiden ersteren waren rein deutsch, Alt-Palanka gemischtsprachig, doch lebten auch hier neben Serben, Ungarn und Slowaken zahlreiche Deutsche. Zusammen betrug die Einwohnerzahl in den drei Gemeinden über 16.000. Die Deutschen waren die wirtschaftlich tüchtigsten und daher auch die wohlhabendsten Einwohner. Insbesondere hatte hier ein sehr fortschrittlicher deutscher Gewerbestand bestanden. Batschka-Palanka war Mittelpunkt des überwiegend deutschen Bezirkes, zu dem die großen und wohlhabenden deutschen Ortschaften Gajdobra, Wekerledorf, Bulkes, Bukin, Novoselo, Obrowatz, Towarisch, Tscheb gehörten. In den übrigen Ortschaften des Bezirkes bildete die deutsche Bevölkerung eine starke Minderheit. Im ganzen Bezirk lebten annähernd 30.000 Deutsche.

Nachdem die Partisanen im Oktober 1944 die Macht an sich gerissen hatten, wurden gleich die angesehensten und wohlhabendsten deutschen (und auch einige ungarische) Männer verhaftet, fürchterlich mißhandelt und schließlich erschlagen. Auch der Rechtsanwalt Dr. Ludwig Hilkene und der bekannte Grundbesitzer und Kaufmann Wilhelm Wagner waren unter diesen Opfern. An einem anderen Tage im Monat Oktober 1944 wurden gegen abend 70 deutsche Jungen im Alter von 14 bis 19 Jahren aus ihren Wohnungen geholt In der Bürgerschule von Batschka-Palanka wurden sie gefesselt und in den nördlich der Gemeinde gelegenen Akazienwald getrieben, wo sie ein großes Loch graben mußten. Als dieses fertig war, wurden sie erschossen. Ihre Leichen wurden von den Partisanen in das Loch geworfen. Aus der darauf geworfenen dünnen Erdschicht haben später Schweine einige Leichen herausgewühlt.

Am 26. Oktober wurden abermals gegen 100 deutsche Männer verhaftet. Man führte sie in das Gerichtsgebäude von Batschka-Palanka. Dort wurden sie von Partisanen grausam mißhandelt. Um das Jammern der Gefolterten zu ersticken, wurden drei Radiogeräte auf höchste Lautstärke eingestellt. Unter den Klängen der Musik wurden dann die Opfer auf die grausamste Art gepeinigt. Am 27. Oktober wurden sie in demselben Akazienwald erschossen. Unter den Erschossenen befand sich auch der katholische Priester und Katechet Karl Unterreiner.

Am 7. November 1944 wurden in Palanka abermals 184 deutsche Männer aus ihren Wohnungen geholt. Sie wurden zuerst in der Bürgerschule eingesperrt und geprügelt. Am 8. November nachmittag um 2 Uhr wurden sie aus ihrer Heimat fortgetrieben. Sie sollten in den Kohlengruben von Vrdnik in Syrmien Zwangsarbeiten verrichten. Als sie auf dem Marsch dorthin östlich von Alt-Palanka in das sogenannte Tscheber Ried gekommen waren, wurden sie von den Partisanen an die Donau herangeführt und mußten bereitgehaltene Kähne besteigen. Mit diesen wurden sie in den Strom hinausgeführt. Während der Überfahrt warfen die begleitenden Partisanen mitten im Fluß diejenigen aus den Kähnen in das eisig kalte Wasser, an denen sie ihre Mordlust stillen wollten. Sie schossen ihnen auch noch im Wasser nach. Auf dieselbe Art und Weise fand am 14. November unter anderem auch der bekannte Dampfmühlenbesitzer Carl Czerveny aus Batschka-Palanka während der Überfahrt über die Donau den Tod. Während der Überfahrt stach ihn eine Partisanin mit einem Dolch in den Rücken und stieß ihn dann noch lebend in das Wasser, wo er auch ertrank. Am jenseitigen Ufer angelangt, mußten die Opfer den Marsch zu Fuß fortsetzen. Bei der Ortschaft Neschtin nahmen dann die Partisanen den Männern alles weg, was sie noch bei sich hatten. Insbesonders hatten sie es dabei auf die Wintermäntel abgesehen. Die meisten mußten auch die Schuhe ausziehen und hergeben.

Die Männer mußten so trotz der winterlichen Kälte und des einsetzenden Schneetreibens barfuß weitergehen. Die Straße war frisch beschottert und viele bekamen daher wunde Füße. Wer aber deshalb nicht weiter konnte, wurde erschossen. In der Nacht kam der traurige Zug bis zur Ortschaft Susek in Syrmien. Dort wurden wieder viele von ihnen schwer mißhandelt. Drei von ihnen, darunter auch ein Knabe, wurden ganz grundlos und nur weil es den begleitenden Partisanen so gefiel, erschlagen. Am Weitermarsch töteten die Partisanen noch weitere 6 Männer, die barfuß auf der frisch geschotterten Straße nicht mehr weitergehen konnten. Vor der Ortschaft Rakowatz wurde auch der frühere Bezirksrichter von Palanka, Dr. Staudt, der schon vorher schwer mißhandelt worden war und viele Verletzungen aufwies, von den Partisanen erschossen. Am Abend dieses zweiten Tages erst kamen die noch am Leben gebliebenen deutschen Männer im Kohlenbergwerk Vrdnik an. Viele von ihnen sind dann auch dort noch gestorben. Mitte November wurden dann alle übrigen deutschen Männer von Palanka im Alter von 16 bis 60 Jahren, die noch zuhause waren, verhaftet. Auch aus den übrigen Ortschaften des Bezirkes brachte man die meisten deutschen Männer in den Bezirksort. Man trieb sie dann alle zu Fuß nach Neusatz in das dortige Zwangsarbeitslager. Viele, die nicht gehen konnten, wurden unterwegs auf offener Straße erschossen. Auch der alte katholische Dechant-Pfarrer Peter Weinert ist nach Neusatz ins Lager gebracht worden und hat dort den Tod gefunden. Den Bürgermeister Stefan Schneider führten die Partisanen ins Konzentrationslager nach Batschki Jarek, wo er auch gestorben ist. Der Pfarrer von Neu-Palanka, Stefan Mesarosch-Müller, aber wurde zu Fuß gegen die ungarische Grenze fortgeführt und hat unterwegs den Tod gefunden.

Frau Anna T. aus Palanka berichtet folgende Einzelheiten:
"Ich konnte mit Rücksicht auf meine kranke Mutter und mein kleines Kind in der großen Aufregung des 14. November 1944 nicht flüchten. Auch hatten die Serben uns wiederholt die Versicherung gegeben, daß sie uns aus Dankbarkeit für unser freundliches Verhalten in den oft kritischen Zeiten des Krieges den Partisanen gegenüber in Schutz nehmen würden. In dem Augenblick, als die Partisanen einmarschierten, verwandelte sich die Ordnung in wüstes Plündern und Morden. Immer wieder wurden deutsche Menschen ermordet und schwerstens mißhandelt. Niemand wußte, wann er oder ein Angehöriger an die Reihe kommt. So wurde der Großkaufmann Josef Hauswirt vor den Augen seiner Frau erschlagen, weil er nicht so viel Zucker abliefern konnte, wieviel man forderte. Der Uhrmacher Ladislaus Preßl fand den Tod, weil er nicht die gewünschte Zahl goldener Uhren herbeischaffen konnte. Die Gattin des Grundbesitzers Lajos Reis wurde an den Haaren durch die Straßen gezerrt und nach grausamen Torturen langsam hingemordet, weil sie sich bei einer serbischen Farnilie verstecken wollte.

Der angesehene Grundbesitzer und Holzhändler Wilhelm Wagner wollte in Zusammenarbeit mit den angesehensten Serben nach dem Abzug der ungarischen Behörden einen Ordnungsausschuß in der Gemeinde bilden, und fand, bis die Partisanen kamen, auch volle Unterstützung von seiten aller Serben. Er wurde dann verhaftet, tagelang systematisch gefoltert und getötet. Nach einiger Zeit wurden die zurückgebliebenen Männer zusammengetrieben und mußten den Marsch in ein Zwangsarbeilslager nach Serbien antreten. Wie später Zurückgekehrte meldeten, wurden sehr viele von diesen unterwegs auf verschiedene Weise umgebracht. So wurde der herzkranke Karl Cservenyi bei der Überfuhr über die Donau geprügelt, gestochen, in das Wasser geworfen und dann so lang unter Wasser gedrückt, bis er ertrank. Sein Bruder Julius erlitt einen noch gräßlicheren Tod, indem ihm die Hände zerbrochen, die Augen herausgestochen, die Nasenlöcher aufgerissen, sämtliche Zähne herausgebrochen, große Streifen Haut vom Körper geschunden und schließlich die Geschlechtsteile abgeschnitten und in den Mund gesteckt wurden. Unterwegs wurde der Weingartenbesitzer Bela Brucker mit Stöcken und Gewehrkolben erschlagen, weil er infolge seines alten Herzleidens an einer steilen Wegpartie nicht mehr mitkam. Lajos Reszely wurde in seinem eigenen Hause vor den Augen seiner Frau erschlagen, wobei seine Frau auch noch vergewaltigt wurde, weil er sich als Ungar fühlte und glaubte, deswegen nicht auf Zwangsarbeit gehen zu müssen. Der Maurermeister Josef Schweiß wurde auf diesem Marsch zuerst geprügelt und dann erschossen, weil er übermüdet nicht mehr mit konnte. So ging es noch einer Reihe von Männern. Eines Tages mußten alle Deutschen auf der Straße Aufstellung nehmen und sich auf einer Wiese außerhalb der Gemeinde sammeln. Nach einer Übernachtung im strömenden Regen traten sie den Todesmarsch von 60 Kilometern in das Lager Batschki Jarek an. Während des traurigen Marsches, wobei ständig zu Eile getrieben wurde, ging zunächst das Gepäck verloren. Greise, Krüppel und Kranke blieben zurück und wurden erschlagen oder erschossen. Säuglinge und Kleinstkinder lagen mit ihren toten Großmüttern am Straßenrand, dazwischen die Großväter. Die 60 Kilometer lange Straße war von Hunderten von Leichen umsäumt."

Novoselo
Novoselo ist eine der ältesten deutschen Siedlungen der Batschka und eine rein deutsche Gemeinde mit rund 3.000 Seelen gewesen. Auch hier sind schon im Herbst die ersten Maßnahmen gegen die deutsche Bevölkerung ergriffen worden. Als erster wurde der dortige deutsche Arzt Dr. Josef Fath eines Abends aus seinem Hause mit Gewalt fortgeschleppt und noch in derselben Nacht getötet. Dr. Fath hatte auch zwei Söhne, die beide, ins Konzentrationslager verschleppt, dort den Tod fanden. Der jüngere, namens Erwin, war erst 15 Jahre alt und ist im Lager Palanka von Partisanen erschlagen worden.

Am 19. November 1944 wurden alle deutschen Männer dieser Ortschaft im Alter von 16 bis 60 Jahren in den Bezirksort Palanka gebracht. Dort waren sie mehrere Tage lang im Turnsaal der Bürgerschule eingesperrt. Auch die deutschen Männer aus der Ortschaft Wekerledorf und 70 Männer aus Plavna brachte man dorthin. Zusammen waren es über 200 Personen. Sie wurden fürchterlich mißhandelt, viele abgesondert und ohne Verfahren erschossen. Die Überlebenden wurden am 24. November in das Lager nach Neusatz getrieben. Sie mußten 42 km im Eilmarsch bis Neusatz zurücklegen und wurden von den auf Wagen mitfahrenden Partisanen grausam behandelt. Wer nicht Schritt halten konnte und zurückblieb, wurde auf der Straße erschossen. So wurden unterwegs allein von den Männern aus Novoselo 9 getötet. In einer Gruppe von 900 eigens dazu ausgewählten Männern, von denen nach Wochen nur mehr 45 am Leben waren und wieder nach Neusatz zurückgebracht wurden, kamen dann viele von ihnen nach Mitrowitz in Syrmien. Zu Weihnachten wurden die Mädchen und jungen Frauen nach Rußland verschleppt und die übrigen alle in der Osterwoche 1945 aus ihren Häusern vertrieben, in verschiedene Zwangsarbeitslager und in das Internierungslager nach Batschki-Jarek gebracht.

Obrowatz
In der gemischtsprachigen Ortschaft Obrowatz wurden gleich nach Übernahme der Macht durch die neuen jugoslawischen Behörden 34 Deutsche, darunter auch Frauen und Mädchen, ohne Verfahren erschossen. Zwei dort selbst ansässige, angesehene serbische Bürger wollten die weiteren sinnlosen Erschießungen von Deutschen verhindern. Sie beriefen sich dabei auf die Vergangenheit, in der sie mit den Deutschen immer gut ausgekommen und gut miteinander gelebt hatten, und erhoben dagegen Einspruch. Darauf wurden auch diese beiden Serben von den Partisanen getötet.

Der dortige deutsche Arzt, Dr. Michael Köpfer, welcher als Menschenfreund auch bei den einheimischen Serben besonders geachtet war, wurde von fremden Partisanen roh mißhandelt und in das Konzentrationslager nach Jarek gebracht, wo er auch starb. Alle übrigen deutschen Männer wurden in die Lager nach Neusatz und anderen Orten verschleppt, die jungen deutschen Frauen und Mädchen Anfang 1945 den Russen ausgeliefert, die alten Frauen und Kinder von Haus und Hof vertrieben und nach Jarek gebracht. Die meisten von ihnen sind dort zugrunde gegangen.

Die Zeitschrift "Der Donauschwabe" brachte in ihrer Ausgabe vom 15.2.1988 einen Auszug aus dem Buch "Obrovac, Geschichte und Erlebnisse der Obrovacer" von Fabian Walter: "Als nach einigen Tagen die russischen und bulgarischen Truppen abgezogen waren, kam für die Deutschen eine schwere und harte Zeit, denn die Partisanen (auch einige Obrovacer Serben) begingen die grausamsten und unmenschlichsten Taten, marterten und erschossen zurückgebliebene Deutsche. Am 21. November 1944 wurde durch einen Partisanenerlaß das gesamte Vermögen der Deutschen konfisziert, ihnen alle menschlichen und bürgerlichen Rechte aberkannt. Es gab für sie keinen Staatsschutz und keine Gerichtsbarkeit mehr. Einige Partisanen in unserer Gemeinde hatten diesem Erlaß schon vorgegriffen und schon vor dessen Verkündigung zirka 42 Menschen aus unserem Dorf das Leben genommen. Es waren 34 Deutsche, 6 Ungarn und 2 Serben".

In der anschließenden Besprechung des Buches bemerkte Dr. A. Buchenauer u.a.: "Auf Seite 54 des Buches werden dann alle Namen, die der Deutschen und die der anderen, angeführt. Die Erschießungen begannen laut Fabian Walter am 30. Oktober 1944. An diesem Tag wurden 3 Frauen erschossen. Was hatten also die 3 Frauen verbrochen? Die älteste war 84 Jahre alt und nach einem Unfall gehbehindert. Die andere, ihre Tochter und gleichzeitig die Mutter von Franz Reinhardt, einem Kaufmann, der nach Deutschland geflüchtet war und die dritte war das Dienstmädchen. Und warum wurden die Frauen erschossen? Franz Reinhardt hatte vor seiner Flucht Lebensmittel versteckt. Und diese wurden gefunden. Das war das Todesurteil für die 3 Frauen, die angeblich im Hofe des Gemeindehauses erschossen wurden. Die nächste Hinrichtung fand am 3. November statt, und so ging es den ganzen November hin. Das letzte gesicherte Datum: 24. November. In der Mehrzahl Männer, aber auch einige Frauen wurden umgebracht".

Tscheb
Nicht viel anders war es in Tscheb, der Heimatgemeinde des Schwabenführers in den Zeiten nach dem ersten Weltkrieg in Ungarn, des Universitätsprofessors und Ministers a.d. Doktor Jakob Bleyer. Hier wurden am 9. November 1944 20 deutsche Männer aus ihren Wohnungen geholt. Sie sollten auf Zwangsarbeit in das Kohlenbergwerk nach Vrdnik in Syrmien geführt werden, weil von den 184 deutschen Männern, die zwei Tage vorher aus dem Bezirksort Batschka-Palanka dorthin getrieben wurden, unterwegs von den Partisanen so viele umgebracht worden waren, daß nur ein Teil der dort erwarteten Arbeitskräfte eingetroffen ist. Noch vor dem Abmarsch aus der Gemeinde Tscheb haben die Partisanen die zwei jüngsten aus der Einteilung herausgerufen und ohne Grund und Verfahren erschossen. Die beiden unschuldigen Opfer hießen Josef Tiefenbach und Ludwig Roth. Die übrigen 18 Männer wurden am Wege bis Vrdnik von den Partisanen ständig schwer mißhandelt. Sie mußten die Schuhe ausziehen, die Röcke hergeben und trotz des Schneetreibens auf der frisch geschotterten Straße ebenso barfuß gehen, wie vorher die deutschen Männer von Palanka. Nach zweitägigem Fußmarsch kamen sie am 10. November in Vrdnik an, wo sogleich infolge der durch die Mißhandlungen erlittenen Verletzungen noch zwei weitere starben. Die übrigen Männer von Tscheb brachte man Anfang Dezember ins Lager nach Neusatz. Auch von dieser Gruppe wurden während des Fußmarsches dorthin von den Partisanen alle diejenigen getötet, welche nicht schnell genug mitkommen konnten. Viele andere sind auch später noch in den Lagern und auf Zwangsarbeiten zugrunde gegangen.

Um die Jahreswende 1944 auf 1945 wurden von den neuen jugoslawischen Behörden auch hier die deutschen Mädchen und jungen Frauen zusammengefangen, den russischen Militärbehörden ausgeliefert und von diesen verschleppt. Am 2. Juni 1945 wurden dann auch die übrigen deutschen Frauen, Greise und Kinder aus ihren Häusern fortgetrieben und ins Konzentrationslager in Jarek gesteckt.

Towarisch
In der Gemeinde Towarisch machten die Deutschen ungefähr ein Drittel der Einwohner aus. Sie waren durchwegs Landwirte und römisch-katholisch. Die übrigen Bewohner dieser Gemeinde waren Serben. Als im Herbst 1944 die russischen Truppen die Theiß nach Westen überschritten und die ungarischen Soldaten das Land verließen, hat der katholische Pfarrer des Ortes alle deutschen Ortsbewohner in der Kirche versammelt und ihnen nach einem feierlichen Gottesdienst geraten, mit ihm gemeinsam die Heimat zu verlassen und mit den deutschen Truppen westwärts zu ziehen.

Die meisten Deutschen von Towarisch folgten dem gut gemeinten Ruf ihres Pfarrers und verließen unter seiner Führung die Heimat. Nur 10 deutsche Familien, welche sich von ihrem Hab und Gut, von ihren Häusern und von der durch sie selbst urbar gemachten Scholle nicht trennen wollten und nicht glauben konnten, daß die Partisanen so roh sein und auch Unschuldige mißhandeln und töten konnten, sind zurückgeblieben. Zu diesen Leuten kam tags darauf noch eine deutsche Familie, namens Brandelik, hinzu. Sie war ursprünglich auch mit dem Pfarrer aus Towarisch fortgezogen. Aber als alle zusammen schon über einen Tag unterwegs und schon bis an die Donau gekommen waren, überlegte sie es sich und kehrte wieder nach Hause zurück. In Towarisch hatten inzwischen bereits die neuen jugoslawischen Behörden die Macht in die Hand genommen. Eine der ersten Handlungen war, daß sie daran gingen, alle Menschen deutscher Volkszugehörigkeit auszurotten. Es wurden alle zehn, in bester Absicht und mit ruhigem Gewissen zurückgebliebenen deutschen Familien mit allen Kindern und Greisen und auch die eben erst wieder zurückgekehrte Familie Brandelik aus ihren Häusern geholt. Sie wurden an den Ortsrand getrieben, wo sie alle zusammen zuerst ein großes Loch graben mußten. Dann wurden alle, die Männer, Frauen, Greise und Kinder aneinander gebunden, mußten an das Grab herantreten und wurden erschossen. Was nach den Schüssen nicht gleich in das Loch fiel, wurde von den Partisanen hineingestoßen. In der Meinung alle getroffen und auch das letzte deutsche Kind von Towarisch ausgelöscht zu haben, zogen sie ab und ließen das Grab offen. Es geschah dies alles in der Abenddämmerung, und das Massengrab sollte erst am nächsten Morgen von anderen Leuten zugeschaufelt werden. Auch die Familie Brandelik befand sich unter den Opfern. Als die Schüsse gefallen und alle in das Loch gestürzt waren, rissen die aneinander gebundenen Leichen auch eine unversehrt gebliebene Frau mit in die Tiefe. Sie war an ihren tödlich getroffenen Mann gebunden. Lange blieb sie darauf unter den Leichen liegen, und als es schon Nacht geworden war, entledigte sie sich ihrer Fesseln, stieg aus dem Grab und lief über und über blutig in der Nacht davon. Sie gelangte noch vor Morgengrauen bis zur Ortschaft Bukin, wo sie Bekannte hatte und suchte bei diesen Zuflucht. Da sie aber auch in Bukin nach einiger Zeit als Deutsche erkannt worden war, ist sie abermals verhaftet und fortgeschleppt worden. Man brachte sie in das Konzentrationslager nach Batschki-Jarek.

In der Osterwoche 1945 wurden dann auch aus allen anderen Gemeinden des ganzen Bezirkes alle deutschen Kinder, übriggebliebenen Frauen und Greise, welche noch immer dort lebten, vertrieben und in verschiedene Lager geworfen, wo sie in Massen zugrunde gingen. In die Häuser und in die Habe dieser Deutschen aber setzten sich darauf die Partisanen und slawische Kolonisten, die aus den südlichen Gegenden des Staates hierher gebracht worden waren.

Plavna
In der nahe der Donau gelegenen Gemeinde Plavna betrug die Zahl der Deutschen nur einen Bruchteil der vorwiegend schokatzischen Bevölkerung. Noch im Herbst 1944 wurden 70 Männer verhaftet, nach Palanka verbracht und von dort zu Zwangsarbeiten verschleppt. Die übrigen arbeitsfähigen Personen wurden nach und nach ausgehoben und als Zwangsarbeiter in den verschiedensten Orten verwendet. Im Sommer 1945 wurden aus dem Somborer Lager Männer zu Fuß nach Plavna gebracht, die dort in der Hanffabrik Zwangsarbeit verrichten mußten. Bei der kargen Ernährung, schlechten Behandlung und schweren Arbeit sind einige auch an Erschöpfung gestorben. Die Männer waren vorwiegend aus Gakovo und Stanischitsch.

Welche Schicksale die ständigen Verschleppungen und Verschiebungen oft zur Folge hatten, zeigt das Schicksal eines Plavnaer Kindes, das mit sieben Jahren zu Weihnachten 1948 vollkommen allein nach Salzburg kam. Im Herbst 1944 war das Mädchen Margarete Knöbl drei Jahre alt.
Sie erzählt über ihr Schicksal in den vier dazwischen liegenden Jahren selbst folgendes:
"Meine Eltern haben sie damals zu Weihnachten, am Heiligen Abend, verschleppt. Meine Großmutter sagte mir, daß sie nach Rußland gebracht wurden. Ich bin mit der Großmutter allein daheim geblieben. Dann haben sie auch die Großmutter geholt. Später erzählte sie mir, daß man sie nach Kolut gebracht hatte, wo sie arbeiten mußte. Als die Großmutter weggeführt wurde, hat sie die Nachbarsleute gebeten, mich nach Batsch zu Verwandten zu bringen. Als sie dann aber auch aus Batsch bald alle Deutschen vertrieben hatten, bin ich mit meinen Verwandten, die mich aufgenommen hatten, nach Jarek in das Lager gekommen. Bald blieb ich aber auch dort allein, denn meine Tante und meinen Onkel haben sie aus dem Lager in Jarek fort auf Arbeit geführt, von wo sie nicht mehr zurückgekommen sind. Als in Jarek schon viele gestorben waren, wurden wir alle nach Gakovo gebracht. Von einer alten Frau aus Plavna, die auch in Gakovo war, erfuhr meine Großmutter in Kolut, daß auch ich in Gakovo bin. Sie ist dann einmal in der Nacht nach Gakovo gekommen und hat mich dort aus dem Lager herausgestohlen und mit nach Kolut genommen. Dort ist sie dann krank geworden, und weil sie dann nicht mehr arbeiten konnte, mußte sie wieder zurück nach Gakovo. Weil aber dort immer so viele verhungert sind und auch wir viel leiden mußten, hat sie mich einmal in der Nacht mitgenommen. Wir haben uns aus dem Lager geschlichen und sind noch in derselben Nacht nach Ungarn gegangen. Wir sind dann lange gelaufen, bis wir nach Österreich in die Steiermark gekommen sind. Meine Großmutter arbeitete dort als Magd bei einem Bauern und ist auch dort gestorben. Noch bevor sie starb, hat sie dem Bauern eine Adresse von Bekannten aufgeschrieben, die damals in Wien waren. Als sie dann gestorben war, hat der Bauer nach Wien geschrieben. Die Frau aus Wien - es war unsere Nachbarin aus Plavna - hat mich dann nach Wien geholt. Meine Eltern waren inzwischen krank von Rußland entlassen und nach Deutschland gebracht worden. Zuerst erfuhr meine Mutter, wo ich bin. Später auch der Vater. Als uns dann der Vater geschrieben hatte, schickten wir seine Adresse auch der Mutter. Als sie so erfahren hatte, daß mein Vater in Bremen ist, ging sie zu ihm. Er konnte damals noch nicht aufstehen. Wir verabredeten dann, daß mein Vater nach Salzburg kommen und mich von hier holen sollte. Als mich aber unsere Nachbarin nach Salzburg geschickt hatte, war mein Vater nicht da. Er war inzwischen wieder so krank geworden, daß er nicht aufstehen und mich abholen kommen konnte. Ich werde jetzt vom Roten Kreuz nach Bremen zu meinen kranken Eltern gebracht".

4. In der Nord- und Mittelbatschka tobte sich ein Blutrausch aus

Werbaß
In der mittleren Batschka lebten in den großen, vielfach rein deutschen Gemeinden die Nachkommen der Siedler aus der josephinischen Zeit. Es waren vorwiegend evangelische Ortschaften. Die Doppelgemeinde Werbaß, bestehend aus Alt- und Neuwerbaß, war der geistige und wirtschaftliche Mittelpunkt dieses Siedlungsgebietes, umgeben von den großen deutsch-evangelischen Orten Sekitsch, Feketitsch, Alt- und Klein-Ker, Tscherwenka und Torschau. Kula war eine gemischtsprachige Gemeinde und vorwiegend katholisch. Dieser Teil des deutschen Siedlungsgebietes der Batschka war im Herbst Schauplatz der gräßlichsten Massenerschießungen in der Batschka.

Sofort nach der Errichtung der Militärverwaltung wurde hier mit der Niedermetzelung der deutschen Bevölkerung begonnen. In wenigen Wochen waren allein in der Doppelgemeinde Werbaß rund 600 Männer erschossen worden. In Neuwerbaß wurden die angesehensten deutschen Bewohner des Ortes und die Intellektuellen verhaftet und einzeln und in Gruppen erschossen. Unter den Opfern befand sich auch Prof. Geza Stetzik, der Inhaber und Leiter des Werbaßer Schülerheimes, Prof. Jakob Lotz, der letzte Direktor des ungarischen Gymnasiums, Apotheker Schuch, Lehrer Mensch und zahlreiche andere über die engen Grenzen ihrer Heimat hinaus bekannte Persönlichkeiten. Vor den Erschießungen mußten immer andere deutsche Männer aus Werbaß die Gräber graben. Die Opfer wurden an diese Gräber herangeführt und mit Genickschuß getötet. Bei diesen Erschießungen hat sich ein ehemaliger Werbaßer Jagdhüter besonders hervorgetan. Er hat allein 80 Werbaßer Bürger erschossen. Für die Vollbringung dieser "nationalen Tat" wurde er in Kula als Bezirkshauptmann eingesetzt und waltete, obwohl des Lesens und Schreibens unkundig, noch jahrelang dieses Amt.

Der Rest der Bevölkerung wurde dann im Frühjahr 1945 in das Lager in der Seidenfabrik getrieben und einige Zeit später nach Gakovo und Kruschevlje gebracht. Auch in Altwerbaß wurden zum Teil neben dem Gemeindehaus in dem Hofe der Notarswohnung, zum Teil aber auf dem Schinderplatz viele deutsche Männer und Frauen erschossen. Die Zahl der in Altwerbaß Erschossenen, Erschlagenen oder sonstwie Getöteten beträgt rund 370. Sie wurden immer nackt ausgezogen.

Kula
In dem Bezirksort Kula waren die Massenhinrichtungen kaum weniger schlimm. Dort haben im Herbst 1944 wohl nur 200 Menschen das Leben verloren, doch waren die Niedermetzelungen bedeutend brutaler als in Werbaß. Ganze Familien wurden dort ganz einfach totgeschlagen. So Dr. Sauer mit Frau und zwei kleinen Kindern. Auch hier wurden in erster Linie die Intellektuellen und wohlhabenderen und angeseheneren Bürger des Ortes liquidiert. Unter den Opfern befanden sich u.a. auch die Rechtsanwälte Dr. Gustav Fammler und Dr. Heinrich Betsch.

Klein-Ker
In Klein-Ker (Backo Dobropolje), wo früher 4.000 Deutsche wohnten, wurden am 9. November 1944 durch Partisanen alle Häuser blockiert. 82 der angesehensten und wohlhabendsten Leute wurden bei dieser Gelegenheit verhaftet. Die Hälfte darunter bildeten Frauen und Mädchen. Auch der Arzt Dr. Wilhelm Liebmann mit seiner Mutter und der Professor Georg Dietrich mit seiner Frau waren darunter. Sie waren alle ins Gemeindehaus getrieben worden. Dort wurden sie eingesperrt und mißhandelt. Am 10. November, in der früh um 3 Uhr, mußten sich alle bis aufs Hemd ausziehen. Die Hände wurden ihnen mit Draht gefesselt. So wurden sie dann aus der Gemeinde hinaus an die Eisenbahnstrecke getrieben. wo sie sich alle niederlegen mußten und durch Genickschuß getötet wurden. Der Arzt Dr. Liebmann und ein starker Bauer wurden zuletzt erschossen. Sie haben vorher alle Leichen in ein großes Loch werfen müssen. Dann wurden Zigeuner gerufen, welche Erde auf die Leichen werfen mußten.

Am 14. November wurden abermals 70 Deutsche aus ihren Häusern geholt. Auch diesmal bestand die Mehrzahl der Opfer aus Frauen und Mädchen. Sie wurden im Gemeindehaus zusammengetrieben und mißhandelt. Die Frauen und Mädchen wurden außerdem noch belästigt. Bis in die Nacht des nächsten Tages ließ man sie im Gemeindearrest, einem ganz kleinen Raum, dicht aneinander gedrängt, eingesperrt. Dann wurden sie von Partisanen aus dem Arrest einzeln herausgerufen, um gefesselt zum Erschießen geführt zu werden. Als der Taglöhner Ludwig Schwarz aufgerufen wurde, stürzte er sich in seiner Verzweiflung ganz unerwartet auf den am Arrestausgang stehenden bewaffneten Partisanen, warf ihn zu Boden, sprang über ihn hinweg und lief vor den Augen aller hinaus in den Hof. Die anderen Partisanen schossen ihm sogleich alle nach. Er wurde aber nur an der Hand verwundet und konnte noch über den Zaun springen und in der Dunkelheit entfliehen. Drei Monate hielt er sich darauf verborgen, bis er mit seiner Familie ins Ausland fliehen konnte. Die übrigen Deutschen trieb man programmgemäß an den Dorfrand zum Ziegelofen, wo sie umgebracht worden sind. Die Leichen warf man in den Wasserableitungsgraben und scharrte sie ein.

Am 17. November wurde zum dritten Mal eine Blockade durchgeführt, wobei 50 Deutsche zusammengetrieben wurden. Auch darunter waren mehr als die Hälfte Frauen und Mädchen. Auch Kinder von 14 Jahren waren darunter. Auch diese kamen zuerst ins Gemeindehaus, wo sie mißhandelt wurden. In der Nacht auf den 18. November wurden sie mit einem Lastkraftwagen weggeführt und am Weg, der nach Werbaß führt, bei der sogenannten Römerschanze erschossen.

Am 19. November wurden abermals 17 deutsche Männer und Frauen von Partisanen zusammengetrieben und in der Nacht an der Landstraße bei der Mühle erschossen. Die Toten ließ man dort liegen. Eine Frau war dabei nur angeschossen worden. Sie lag schwerverwundet unter den Leichen. Man konnte sie noch am nächsten Tag zu mittag hören, wie sie jammerte, aber niemand durfte ihr helfen. Sie blieb dort liegen, bis sie der Tod von ihrem Leiden erlöste. An einem anderen Tag des Monates November wurden drei alte deutsche Männer der Gemeinde in Werbaß erschossen, weil die neuen Behörden von Werbaß in ihnen deutsche Menschen erkannt hatten und deutsches Blut fließen sehen wollten. Sie waren im Auftrage der Militärverwaltung nach Werbaß gefahren. Die Opfer waren: Wächter Jakob, Mehl Heinrich und Enzminger.

Im Dezember 1944 führte man nochmals 15 Männer aus der Gemeinde weg. Sie kamen nach Mitrowitz zu Eisenbahnarbeiten und sind von dort nicht mehr zurückgekehrt. Im Mai 1945 wurde der Rest der noch lebenden Deutschen aus ihren Häuser vertrieben und ins Lager gebracht. Viele führte man nach Batschki-Jarek, wo fast alle auch gestorben sind.

Subotitza
Subotitza, eine der größten Städte des Landes, war eine bunjewatzisch-ungarische Stadt. Nur in der Umgebung gab es Ortschaften mit einer starken deutschen Bevölkerung. In Subotitza hat die Militärverwaltung der Partisanen noch im Herbst 1944 zwei Lager errichtet. In einem Durchgangslager wurden die zurückströmenden Evakuierten aufgenommen, überprüft und nach der Feststellung, daß sie Deutsche sind, in eines der Lager der Nord- und Mittelbatschka eingewiesen. Während die Frauen und Kinder vorwiegend nach Sekitsch gebracht wurden, wurden die Arbeitsfähigen meist in das Subotitzaer Zwangsarbeitslager oder in eines der Umgebung eingewiesen. Das Zwangsarbeitslager in Subotitza hatte zeitweise eine sehr hohe Belegschaft, die lange Zeit sogar über 4.000 Personen zählte. Sie wurden zu den verschiedensten Arbeiten verwendet. Unterbringung und Verköstigung unterschieden sich in nichts von den Verhältnissen in den übrigen Zwangsarbeitslagern der Batschka.

Über die in dem Vernichtungsbereich der Nord- und Mittelbatschka herrschenden Methoden berichtet die aus Erdevik in Syrmien stammende Frau M. Bogner, die sich mit ihren Kindern im Herbst 1944 evakuieren ließ und später, im Mai 1945, mit vielen anderen nach Jugoslawien zurückkehrte.
Sie berichtet:
"Wir trafen am 6. Juni 1945 in Subotitza aus Ostdeutschland kommend ein. Hier wurden wir Deutschen gleich von den anderen getrennt und auch selbst in Sondergruppen eingeteilt. Männer, Frauen, Kinder, Arbeitsunfähige bildeten die Sondergruppen. Die jungen Frauen, welche sich von ihren Kindern nicht trennen lassen wollten, wurden mißhandelt und eingesperrt. Diejenigen, die ihr Geld und ihre Wertsachen nicht freiwillig abgegeben hatten, wurden an Ort und Stelle erschossen. Noch am Tage unserer Ankunft sah ich selbst 25 solche Erschießungen, deren Opfer durchwegs Frauen waren. Es fanden dabei unter anderen den Tod: Frau Nusspl aus Palanka, die 23jährige Maria Kirschner aus Hodschag, die 19jährige Katharina Beuschl aus Wekerle, die 27jährige Eva Beck aus Ruma, die 18jährige Katharina Müller aus Ruma, die 17jährige Maria Fischer aus Krndija, die 33jährige Rosalia Berger aus Pasua. Die alten Frauen kamen in das Lager nach Sekitsch, die jungen blieben im Zwangsarbeitslager in Subotitza. Die Männer wurden weggeführt. Weder wir noch sie selbst wußten wohin. Auch haben wir nie wieder etwas von ihnen erfahren. Ich arbeitete zwei Monate im Partisanenspital in Subotitza, wurde dann arbeitsunfähig und ebenfalls nach Sekitsch überstellt".

Zeitweise herrschten im Subotitzaer Zwangsarbeitslager verheerende Typhusepidemien, die Menschen nur so wegrafften. Große Arbeiterpartien dieses Lagers waren oft Monate lang und besonders im Winter ständig auswärts. Über Nacht wurden sie beim Einbruch der Dunkelheit meist in eine offene Scheune der in dieser Gegend häufigen Gehöfte gebracht und in den frühesten Morgenstunden, bei jedem Wetter und tagaus, tagein, wieder auf Arbeit geführt. Nicht nur, daß sie wie in den übrigen Zwangsarbeitslagern oft Monate und Jahre lang ihre Kleider nicht ablegen konnten, konnten sie sich sogar oft wochenlang nicht einmal für eine Nacht richtig hinlegen oder ausruhen. Personen, die durch den ständigen Arbeitseinsatz arbeitsunfähig geworden waren, wurden nach Sekitsch und später nach Gakovo oder Kruschevlje gebracht. Das Subotitzaer Lager hat eine Auflösung auf diese Weise gefunden. Es wurde so lange unterhalten, solange auch nur ein einziger arbeiten konnte. Erst als der letzte zu keiner Arbeit mehr fähig war, wurde das Lager aufgelassen. Im Jänner 1948 bestand es fast ausschließlich noch aus Kranken, von denen allein 50 an Flecktyphus lagen.

Sekitsch-Feketisch
Die zwei deutsch-evangelischen Gemeinden Sekitsch und Feketisch an der internationalen Autobahn nördlich von Werbaß wurden am 12. Oktober 1944 von sowjetischen Truppen besetzt. Die Partisanen errichteten drei Tage später die Militärverwaltung. Gleich am ersten Tage wurden mehrere deutsche Männer verhaftet und fürchterlich geschlagen. Gleichzeitig wurde auch damit begonnen, die Zivilbevölkerung zu Zwangsarbeiten heranzuziehen. Während die Zwangsarbeit anfangs meist im Orte selbst zu verrichten war und die Arbeiter meist auch wieder nach Hause gelassen wurden, wurden auch bald Leute nach auswärts verschleppt und nicht mehr zurückgelassen. So mußten sich noch im Oktober alle Männer im Alter von 18 bis 60 Jahren melden. Sie wurden nicht mehr entlassen. Die jüngeren kamen meist nach Subotitza in das dortige Lager, die älteren nach Topola.

Am 20. November wurde Sekitsch offiziell als Lager erklärt. Die in dem östlich der internationalen Autostraße gelegenen Ortsteil lebende Bevölkerung mußte ihre Häuser verlassen und wurde in den westlich der Straße gelegenen Teil des Ortes getrieben. In die leer gewordenen Häuser wurden noch Ende November die aus Bajmok vertriebenen alten Männer, Frauen und Kinder gebracht. Nach und nach wurde auch die gesamte arbeitsfähige deutsche Bevölkerung der Umgebung und zuletzt auch die der dicht neben Sekitsch liegenden ebenfalls deutsch-evangelischen Gemeinde Feketisch in das Sammellager gebracht. Auch alle aus Deutschland oder von sonstwo nach Jugoslawien über Subotitza Zurückkehrenden wurden nicht mehr in ihre Heimat gelassen. Während die Arbeitsfähigen vorwiegend in Subotitza behalten oder von dort aus in den verschiedensten Orten der Nord- und Mittelbatschka als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden, kamen die Arbeitsunfähigen meist nach Sekitsch. Aber auch in Sekitsch wurden aus den angestauten und zusammengepferchten Menschenmassen immer wieder arbeitsfähige Männer und Frauen ausgewählt und nach Topola, Morawitza, Bajmok und Subotitza auf Arbeit gebracht. Auch auf Mütter mit kleinen Kindern wurde keine Rücksicht genommen. Sie mußten ihre Kinder zurücklassen, gleichgültig, ob jemand für sie sorgte oder nicht.

Die Sterblichkeit war in Sekitsch - verglichen mit den anderen Internierungslagern - keine erhebliche. Wohl wurde der Bevölkerung noch im Herbst alles weggenommen. Weil sich aber nur wenige vor dem Einmarsch der russischen Truppen evakuieren ließen, war der größte Teil der Bevölkerung im Herbst noch daheim und hat noch rechtzeitig Vorsorge für spätere Zeiten treffen können. Auch der Umstand, daß die Sekitscher, wenn schon nicht in den eigenen Häusern, so doch in der Heimat bleiben konnten, erwies sich glücklich. Sie waren nicht darauf angewiesen, sich von der Lagerkost zu ernähren. Das war nicht nur für sie, sondern auch für die von auswärts nach Sekitsch gebrachten Deutschen der Umgebung ein großer Vorteil. Der von den Sekitschern nicht beanspruchte Teil der Lagerverpflegung kam den Auswärtigen zugute. Die günstigen Umstände des Sekitscher Lagers sollten sich aber bald rächen. Als das Lager nach Gakovo und Kruschevlje verlegt wurde, kam es dort gleich zu einem Massensterben der Lagerinsassen, die aus Sekitsch gebracht worden waren. Der plötzliche Übergang auf die Lagerkost in Kruschevlje erschütterte die Gesundheit der meisten gleich so stark, daß sie wie Fliegen im Herbst nur so dahinstarben.

Am 1. Oktober 1945 wurde das Lager nach Kruschevlje verlegt. Die hohe Sterblichkeit in Kruschevlje hatte dort schon so große Lücken in die Belegschaft gerissen, daß das ganze Sekitscher Lager mit etwa 7.000 Personen nach Gakovo und Kruschevlje verlegt werden konnte. In Sekitsch blieben nur solche zurück, die zu irgendwelchen Arbeiten noch zu verwenden waren.

Noch vor dem Abtransport wurde den Insassen des Lagers alles weggenommen, was sie noch bei sich hatten. Den meisten von ihnen wurde nur das allernötigste an Kleidungsstücken gelassen, aber keine Decken und auch sonst nichts anderes. Während viele andere Insassen des Kruschevljer Lagers doch noch hie und da etwas hatten, was sie auf nächtlichen Schleichwegen eintauschen konnten, hatten die aus Sekitsch nichts mehr. Der Abtransport fand in offenen Eisenbahnwagen statt und dauerte zwei Tage, währenddessen es die ganze Zeit regnete. In Sombor zogen Partisanen entlang des Zuges und verprügelten die darin stehenden Frauen und Kinder. Viele wurden gräßlich mißhandelt. Eine von kirchlicher Seite Ende 1946 heimlich durchgeführte Erhebung über den Aufenthalt eines jeden ehemaligen Sekitscher Einwohners ergab, daß von 6.000 Einwohnern zu diesem Zeitpunkt nur mehr 1.000 lebten. Berücksichtigt man, daß darin fast 1.000 mit dem Aufenthalt in Deutschland und Österreich geführt wurden, so ergibt sich daraus, daß in Jugoslawien nur mehr ganz wenige - vielleicht keine hundert mehr lebten. In Kruschevlje sind zwei Sekitscher Frauen, darunter auch Schuhay Elisabetha, auf dem Felde erschossen worden. Sie hatten das Lager nachts verlassen und waren in eine der ungarischen Nachbargemeinden betteln gegangen. Auf dem Rückweg wurden sie von einem der Posten gesehen und erschossen.

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