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5. In der
West- und Nordwestbatschka hielt der Tod reiche
Ernte Hodschag Schon gleich in den ersten Tagen nach ihrem
Einmarsch hatten die Partisanen im ganzen Bezirk
die angesehensten Deutschen verhaftet und nach
Hodschag gebracht. Während viele von ihnen mit
der Verhaftung auch gleichzeitig spurlos
verschwunden sind, wurden viele in das Lager
eingewiesen und von dort aus zu Zwangsarbeiten
eingesetzt. Noch im Herbst wurden 182 deutsche
Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren von einem
Partisanenkommando verhaftet und sind seither
verschwunden. Sie wurden in zwei Gruppen aus dem
Ort geführt, und zwar eine in Richtung
Karavukovo zu dem am Karavukovoer Weg stehenden
Kreuz, die andere in Richtung Filipovo auf die dort
neben der Straße liegenden Wiese. Sie
mußten sich dort ausziehen und wurden
erschossen. Die Toten wurden von den Partisanen in
das bereitgemachte Massengrab geworfen und
zugeschaufelt. Unter den Opfern befanden sich die
angesehensten Hodschager Bürger, u.a. auch der
Industrielle Ing. Franz Ertl. Ein einziger ist von
dieser Gruppe mit dem Leben davongekommen. Schon
nackt ausgezogen, lief er gerade in dem Augenblick
davon, als er an das Grab herantreten sollte, um
dort erschossen zu werden. Die Partisanen - auf
diese Wendung nicht gefaßt - schossen und
liefen ihm nach, wobei selbst ein Partisane von
einem anderen angeschossen wurde. Dieser
Zwischenfall begünstigte seine Flucht erst
recht, so daß er mit heiler Haut noch davon
kam. Lange Zeit hielt er sich bei Leuten, die ihn
nicht kannten, verborgen. Als im Frühjahr und
Sommer alle Deutschen des ganzen Bezirkes in die
Lager getrieben wurden, konnte auch er sich nicht
mehr halten und wurde in eines dieser Lager
eingewiesen. In diesem lebte er fortan unter einem
falschen Namen. Im Frühjahr und Sommer wurden auch
zahlreiche deutsche Frauen, Mädchen und
Männer aus den verschiedensten Orten und
Lagern nach Hodschag gebracht. Im
nordöstlichen Teil des Ortes wurden zu diesem
Zwecke zwei gegenüberliegende
Häuserreihen einer Gasse in der Länge
eines Straßenquadrates mit Stacheldraht
eingefaßt. Jahrelang wurden dahinter Tausende
von deutschen Menschen gefangengehalten und von
hier aus zu den verschiedensten Arbeiten im ganzen
Bezirk eingesetzt. Die gefährlichsten
Arbeitsplätze waren in den Rieden. Die ersten,
die in diesen Rieden massenhaft zugrunde gingen,
waren junge Frauen aus Apatin. Es waren vorwiegend
solche, die, weil sie Mütter kleiner Kinder
oder gesundheitlich nicht auf der Höhe waren,
nicht nach Rußland deportiert, später
aber dann nach Gakovo und Kruschevlje vertrieben,
dort von ihren Kindern getrennt und nach Hodschag
überstellt worden waren. Die hohe
Sterblichkeit erhellt die Tatsache, daß in
wenigen Tagen in Hodschag allein 27 in den Rieden
gestorben sind. Die Krankheitserscheinungen, an
denen sie alle gestorben sind, waren recht
sonderbarer Natur. Sie haben meist vor ihrem Tode
stark ins Auge fallende körperliche
Veränderungen an Kopf und Füßen
aufzuweisen gehabt, verfielen dann einer
Teilnahmslosigkeit an dem Geschehen um sie herum,
vernachlässigten sich, namentlich aber
hinsichtlich des Essens, wurden zuletzt wahnsinnig
und starben in wenigen Tagen. Das erste Anzeichen,
das an ihnen auffiel, war auch ein starrer und
geisterhafter Blick der Augen. Die
merkwürdigen Erscheinungen wurden auf die
völlig unzureichende Nahrung und den
ständigen Einsatz zu den denkbar schwersten
Arbeiten, aber noch mehr auf seelische Depressionen
im Zusammenhang mit der Trennung von ihren Kindern
zurückgeführt. Oft brachten ganze Wagenkolonnen völlig
entkräftete Frauen, die sich auf den Wagen
sitzend schon nicht mehr aufrecht halten konnten,
aus den Rieden zurück, weil sie keinerlei
Arbeiten mehr verrichten konnten. Sie litten meist
an Durchfall und roter Ruhr. In den Rieden und im
Zentrallager ist auch Typhus aufgetreten. Nach
einer, gelegentlich eines Typhusfalles in dem
Krankenhaus des Hodschager Lagers, an allen Kranken
durchgeführten Impfung, sind nach wenigen
Tagen alle Geimpften bis auf einen kleinen Teil
gestorben. Der Lagerkommandant - ein Partisane aus Deronje
- war ein gefährliches Individuum.
Verstöße gegen jede Menschlichkeit oder
Anordnungen wurden von ihm grausam bestraft. Die
Strafe bestand in der Regel darin, daß er die
nach seiner Ansicht zu Bestrafenden in einen Keller
einsperren ließ, bis er selbst oder einer
seiner Männer Lust und Muße hatte, sich
an ihnen auszutoben. Solche Opfer waren oft Tage
lang in den Kellern, ohne je herausgelassen worden
zu sein, oder was zu essen bekommen zu haben. War
es dann soweit, daß er sich ein
Vergnügen machen wollte, ließ er sich
die "Straffälligen" vorführen, um sie zu
verprügeln oder von anderen quälen zu
lassen. Reitpeitschen, Riemen, schwere
Holzknüppel, Stühle, Schaufelstiele und
ähnliches waren die Werkzeuge, die bei diesen
Mißhandlungen Verwendung fanden. Einmal
zusammengebrochene Opfer bearbeitete er mit seinen
Stiefelabsätzen. Insbesonders wurden solche
hart bestraft, die auf der Flucht oder bei
unerlaubten Entfernungen aus anderen Lagern
ergriffen und in das Hodschager Lager eingeliefert
wurden. Die Ernährung war eine solche, bei der man
weder leben noch sterben, geschweige denn auch noch
arbeiten - und zwar in der großen Sommerhitze
- schwer arbeiten konnte. Morgens gab es einen
Schöpflöffel voll Tee, der von
irgendwelchen Blättern gekocht war. Zucker gab
es keinen. Zum Mittagessen gab es eine Bohnensuppe
ohne Fett und ohne Salz. Ebenso am Abend. Im Sommer
1945 wurden im Lager 1.400 Personen
verköstigt. Für diese wurden täglich
etwas mehr als 2 kg Bohnen von der
Lagerkommandantur zur Verfügung gestellt, mit
denen für die ganze Belegschaft für beide
Mahlzeiten gekocht und ausgekommen werden
mußte. Am Nachmittag oder Abend bekam jede
Person außerdem noch ein Stückchen Brot
aus Maisschrot in der Größe von zwei
Zündholzschachteln, das auch wieder ohne Salz
war. Es wurde in Pfannen gebacken, bis es etwas
steif war, und blieb meist innen noch recht
naß. In Fällen, wo es trocken gebacken
war, verbröselte es zu kleinen
Krümelchen, die dann mit Löffeln
ausgeteilt wurden. Das im Lager eingerichtete Krankenhaus
führte diesen Namen nur deswegen, weil in ihm
solche Personen untergebracht wurden, die nicht
mehr aufstehen konnten. Es waren meist von Hunger,
schwerer Arbeit, Durchfall und Ruhr vollkommen
ausgemergelte und zu Skeletten abgemagerte
menschliche Gestalten. Behandlung gab es keine,
dafür aber Prügel vom Lagerkommandanten.
Das Krankenhaus war meist die Vorstation vom
Friedhof. Im frühen Sommer des Jahres 1945
wurde eine Ortschaft des Hodschager Bezirkes nach
der anderen von der deutschen Bevölkerung
geräumt. Während bei dieser totalen
Vertreibung aller Personen deutscher Abstammung die
Arbeitsfähigen meist im Orte selbst in den
Arbeitsplatzlagern des Hodschager Zentrallagers
behalten oder in das Zentrallager als
Zwangsarbeiter eingewiesen wurden, wurden die
Kinder und sonstigen arbeitsunfähigen Personen
zuerst nach Filipovo und dann nach Gakovo und
Kruschevlje gebracht. Im Herbst 1945 wurden von allen
Arbeitsplätzen des Hodschager Bezirkes die
deutschen Mädchen und jungen Frauen
zusammengelesen und im Zentrallager in Hodschag
gesammelt. Allgemein wurde angenommen, daß
sie auch nach Rußland verschleppt werden
sollten. Viele Mütter, die davon hörten
oder sich mit ihren Töchtern in demselben
Lager befanden, wollten sich von diesen nicht
trennen und versuchten zu ihren Töchtern, wenn
nicht anders, so auf heimlichen Wegen in das
Hodschager Lager zu gelangen. Die meisten von
diesen wurden dort Objekte der sadistischen
Mißhandlungen des Lagerkommandanten. Mit den
Mädchen und jungen Frauen wurde eine
"Stoßarbeiter-Brigade" aufgestellt, die den
ganzen Winter Tag für Tag auf dem Felde Mais
brechen mußte. Von Sonnenaufgang bis
Sonnenuntergang mußten sie ununterbrochen und
auch im stärksten Schneetreiben über die
verschneiten Felder waten und den Mais ernten. Nach
wenigen Tagen hatten viele von ihnen schon
erfrorene Füße und erfrorene Hände.
Dessen ungeachtet mußten sie mit ihren wunden
Händen den ganzen Winter hindurch Tag für
Tag, Sonntag wie Werktag, diese Arbeit verrichten.
Als im Frühjahr die Brigade wieder nach
Hodschag zurückgebracht wurde, wurde sie
aufgelöst und auf verschiedene
Arbeitsplätze verteilt. Eine
größere Gruppe kam später nach
Batsch. Im Frühjahr und Sommer 1946 wurden in den
entvölkerten Orten des Bezirkes Kolonisten aus
den südlichen Teilen des Landes angesiedelt.
Im Laufe des Sommers mußten sie die
Bewirtschaftung der Felder übernehmen, so
daß die Zwangsarbeiter der Lager meist
überflüssig und in das Zentrallager nach
Hodschag zurückgebracht wurden. Mitte
September wurden alle, für deren Arbeitskraft
im Hodschager Bezirk keine Verwendung mehr war,
nach Gakovo und Kruschevlje überstellt. Aber
auch schon vorher wurden von Zeit zu Zeit die
Arbeitsplatzlager des Bezirkes durchgekämmt
und arbeitsunfähige Personen und solche, die
zu Arbeiten nicht mehr benötigt wurden, nach
Hodschag und von da nach Gakovo und Kruschevlje
gebracht. Als im Herbst die Insassen fast aller
Lager des Hodschager Bezirkes zum Abtransport nach
Gakovo und Kruschevlje gesammelt waren, betrug ihre
Zahl keine Tausend. Noch im Herbst 1945 führte
das Lager Hodschag rund 4.000 in
zahlenmäßiger Evidenz. Rund 3.000 waren
also inzwischen zugrunde gegangen oder zum
Zugrundegehen nach Gakovo und Kruschevlje
überstellt worden. Karavukovo Im Sommer 1945 wurden alle arbeitsunfähigen
Personen nach Filipovo getrieben und von dort nach
einiger Zeit nach Gakovo überstellt. Unter den
Deutschen, die bei dieser Vertreibung ihre Heimat
verlassen mußten, befand sich auch Pfarrer
Alexander Thiel. Er konnte später zwar
nochmals für kurze Zeit in seine Pfarre
zurückkehren, wurde aber wieder verhaftet und
ein halbes Jahr in Neusatz im Gefängnis
gefangengehalten. Von dort entlassen,
flüchtete er später nach
Österreich. Als 1945 zur Ernte Arbeiter benötigt
wurden, wurden solche vom Lager in Sombor
angefordert und auch geliefert. Eine Gruppe von 160
Männern und Frauen wurde am 21. Juni von
Sombor zu Fuß nach Karavukovo in Marsch
gesetzt. Das Lager befand sich ursprünglich im
Hause des Schlossermeisters Leopold Rohrbacher,
wurde aber nach dem Eintreffen der aus Sombor
kommenden Arbeiterpartie verlegt. Die Männer
kamen in das Haus des Großbauern Auer in der
Morastgasse, die Frauen in das des Bauern Hutterer.
Die Verköstigung unterschied sich in den
ersten Monaten in nichts von der im Hodschager
Zentrallager, wurde aber bald besser. Dieser
Besserung ist es auch zuzuschreiben, daß
trotz der schweren Arbeit Todesfälle
äußerst selten waren. Im Rohrbacherschen Hause neben dem Frauenlager
war die Wachmannschaft der Partisanen
untergebracht. Diese ließen es sich nicht
nehmen, die Frauen ständigen Schikanen zu
unterwerfen und zuweilen auch schwer zu
mißhandeln. Wochenlang wurden sie jede Nacht
aus dem Schlaf hinaus in den Hof getrieben und
mußten dort oft stundenlang im Regen und
Unwetter stehen, während die Partisanen in den
Zimmern die zurückgebliebenen
Kleidungsstücke durchsuchten und alles
wegnahmen, was ihnen paßte. Frauen, die etwas versteckt hatten, wurden in
den Keller getrieben und dort längere Zeit
hindurch über Nacht immer wieder eingesperrt
und geschlagen. Eine Frau, die ihre Tochter im
Karavukovoer Lager suchen kam und dabei ertappt
wurde, wurde in dem Keller so stark geschlagen,
daß sie tagelang bewegungslos und mit dem
Tode ringend liegengeblieben ist. Ebenso eine
andere, die aus einer Nachbargemeinde ihre Tochter
im Parabutscher Lager suchen wollte und dabei
erwischt wurde. Beide sind nie wieder gesund
geworden und später in Hodschag an den
Mißhandlungen gestorben. Mehr Ruhe hatten die Männer. Hatte aber
einer das Pech, bei einer unerlaubten Entfernung
ertappt und nach Karavukovo zurückgebracht
oder im Falle eines in dieser Zeit recht
häufigen Diebstahles verdächtigt zu
werden, wurde er in der Regel so verprügelt
und mißhandelt, daß er sich nur selten
wieder davon erholen konnte. Im Sommer 1945 wurde das Arbeitsplatzlager in
Deronje aufgelassen und die Belegschaft nach
Karavukovo überstellt. Vom Herbst 1945 an
wurden immer mehr Lagerinsassen an das Zentrallager
in Hodschag zurückgeschickt und von dort
wieder auf anderen Arbeitsplätzen eingesetzt.
Die Frauen wurden fast restlos nach Hodschag
überstellt und in dem darauffolgenden
Frühjahr wieder in die Riede diesseits der
Donau, wo schon im Sommer des vorigen Jahres Frauen
in Massen gestorben waren, auf Arbeit
geschickt. Als im Frühjahr 1946 die Ziegelei wieder in
Betrieb genommen wurde, wurde auch dort ein
Arbeitsplatzlager errichtet. Die Leitung der
Ziegelei bevorzugte ehemalige Karavukovoer
Bürger und holte sich solche aus dem
Hodschager Zentrallager. Das Vergnügen, in der
Heimat als Zwangsarbeiter bei kärglicher
Ernährung die schwere Arbeit der
Mauersteinherstellung zu verrichten, war recht
zweifelhafter Natur, zumal in dieser Zeit schon
Kolonisten aus der Piroter Gegend angesiedelt waren
und die schwer arbeitenden ehemaligen Besitzer
schöner Bauernhöfe nur die
Begünstigung hatten, zuzusehen, wie andere
mühelos in den Besitz der Güter gekommen
waren, die ihre Väter und Generationen vor
ihnen mit schwerer Mühe, harter Arbeit,
Sparsamkeit und Anspruchslosigkeit zu dem gemacht
hatten, was sie waren, als sie ihnen weggenommen
wurden. Im Frühjahr 1946 wurde auch das
Karavukovoer Männerlager fast vollkommen
aufgelassen. Eine größere Arbeiterpartie
wurde über das Hodschager Zentrallager nach
Batsch überstellt und fand dort bei der
Forstverwaltung als Zwangsarbeiter Verwendung. Die
Männer und Frauen, die von Karavukovo wieder
fortgeführt und nach Hodschag oder anderswohin
gebracht wurden und vorher oft ein volles Jahr und
länger in Karavukovo für ein
Stückchen Maisschrotbrot und drei
Schöpflöffel Suppe täglich
gearbeitet hatten, wurden vor ihrem Abtransport
immer zur Partisanenwache geführt, die ihnen
alles wegnahm, was für die Bedeckung des
nackten Körpers irgendwie entbehrlich war. Milititsch Am 11. März 1945 wurde eine
größere Zahl Männer und Frauen nach
Sombor in das dortige Lager gebracht. Sie
mußten den Weg von etwa 40 km in der Nacht zu
Fuß zurücklegen und sollten dort einer
großen, von den russischen Truppen für
die Baranja angeforderten Arbeiterpartie
beigeschlossen werden. Da nach ihrem Eintreffen die
Zahl der von den Russen angeforderten 14.000
Arbeiter bereits voll war, blieben sie in Sombor.
Sie wurden im Partisanen-Spital in Sombor als
Arbeiter eingesetzt. Als von Sombor in den Monaten
April und Mai verschiedentlich Arbeiterpartien nach
Semlin und Mitrowitz in Marsch gesetzt wurden,
wurden die meisten von ihnen diesen zugeteilt. Sie
sind meist dann auch dort gestorben. Alle
übrigen, die nicht nach Mitrowitz oder Syrmien
kamen, wurden am 21. Juni zu Fuß von Sombor
nach Karavukovo getrieben, wo sie bis zur
Auflösung des Karavukovoer Lagers im Sommer
1946 blieben und dann über Hodschag nach
Gakovo und Kruschevlje gebracht wurden. Im Frühjahr 1945 wurden alle Deutschen
zusammengetrieben und in zwei Gruppen eingeteilt:
in eine der Arbeitsunfähigen mit den Kindern
und den alten, kranken und arbeitsunfähigen
Männern und Frauen, und in eine der
Arbeitsfähigen. Es war eine unbeschreibliche,
herzzerreißende Szene, als jede Gruppe eines
anderen Weges weggeführt wurde. Die Kinder
schrien und wollten zu ihren Müttern oder
Großmüttern laufen, die Frauen ihren
Kindern nachlaufen oder sie mit sich nehmen. Mit
Prügel und Gewehrkolben wurden sie immer
wieder zurückgetrieben, genau so, wie wenn
Jungtiere von der Mutterherde weggetrieben werden.
Die Arbeitsunfähigen wurden nach Filipovo
geschafft, von wo sie dann später mit allen
anderen arbeitsunfähigen Personen des Bezirkes
nach Gakovo verfrachtet wurden; die
Arbeitsfähigen zum Teil in Milititsch zur
Arbeit behalten, zum Teil aber auch nach Hodschag
gebracht und von dort auf die verschiedensten
Arbeitsplätze im ganzen Bezirke verteilt. Batsch Noch im Herbst 1944 wurden zahlreiche Deutsche
nach Hodschag gebracht und von dort in den
verschiedensten Orten des Bezirkes als
Zwangsarbeiter verwendet Als im Frühjahr alle
Deutschen des Bezirkes von ihren Heimstätten
vertrieben und nach Hodschag gebracht wurden,
blieben in Batsch nur zwei deutsche Männer
zurück, der Fleischhauer Pauschert und der
Schlosser Armbrust, die in der Heimat Zwangsarbeit
verrichten mußten. Noch im Herbst brachten
die Partisanen den Pfarrer Novotny aus Plavna nach
Batsch und sperrten ihn im Gemeindehaus ein. Einige
Tage später führten sie unter Vorgabe,
den geflüchteten Pfarrer Novotny zu suchen, in
dem jahrhundertealten Franziskanerkloster und im
Pfarrhause eine Hausdurchsuchung durch, die
ergebnislos verlief, weil der Gesuchte zu dieser
Zeit gar nicht mehr am Leben und auch nicht
entflohen war. Er war in dem Keller des
Gemeindehauses inzwischen schon zu Tode
gequält und verscharrt worden. Die angesehenen
Bürger des Ortes, Kubesch und Gebauer sind
ebenfalls spurlos verschwunden und wahrscheinlich
getötet worden. Ende März 1945 kam eine größere
Arbeiterpartie aus dem Somborer Lager nach Batsch.
Sie wurde im Tanzsaal des Kaiserschen Gasthauses am
Towarischer Weg untergebracht und bei der
Bestellung der ehemaligen schwäbischen Felder
des Ortes eingesetzt. Sie stammten vorwiegend aus
den Gemeinden Stanischitsch, Gakovo und Apatin.
Unter ihnen befanden sich u.a. auch der Apatiner
Schiffahrtsunternehmer Braun, der Stanischitscher
Mühlenbesitzer Paul Haut, der Stanischitscher
Großgrundbesitzer Anton Rendl sowie der
Sentiwaner Industrielle und Großgrundbesitzer
- einer der reichsten Männer des Landes -
Anton Kerschner, der hier dann auch lange Zeit als
Schweinehirt Verwendung fand. Der Batscher Landwirt Djuro Treuer war vom Lager
Hodschag schon im Winter 1945/46 nach Apatin
überstellt worden und ist von dort im Sommer
1946, als sich bei ihm Anzeichen einer
tödlichen, aber an sich heilbaren Krankheit
bemerkbar gemacht hatten, nach Batsch
geflüchtet und hielt sich in seinem Hause
versteckt. Seine Anwesenheit wurde von einer sich
in Batsch mit dem berüchtigten "Lazo"
herumtreibenden ortsfremden Serbin entdeckt und den
Partisanen gemeldet. "Lazo" ließ gleich einen
Wagen einspannen und fuhr selbst mit, den von
seiner Krankheit bereits genesenden Mann abzuholen.
Während des ganzen Nachmittags konnte man
schon merken, daß "Lazo" mit dem Manne nichts
Rechtes vor hatte. Sein Blick war schon von jener
Trunkenheit verschleiert, die blutrünstige
Partisanen zuweilen schon von weitem als solche
kenntlich machten. Am Abend sperrte er ihn in den
Keller ein und holte ihn in der Nacht auf sein
Zimmer. Dort mußte sich der alte Mann
ausziehen und hinknien. Mit einem
Pferdegeschirrteil schlug er dann auf den Mann ein.
Noch liegend, flehte dieser mit gefalteten
Händen um Gnade. Einigemale wiederholte der
Partisane diese Prügelei, die er immer nur
wegen eigener Erschöpfung unterbrach. Das ging
so bis gegen vier Uhr morgens. Um diese Zeit konnte
sich der alte Mann schon nicht mehr aufrichten und
lag stöhnend auf dem Fußboden. Im
Vorraum des Zimmers, in dem sich diese schaurige
Mißhandlung zutrug, befand sich eine
Dezimalwaage und deren Gewichte. Von diesen holte
der Partisane zwei und zertrümmerte mit ihnen
die Geschlechtsteile des Mannes. Eine halbe Stunde
später schoß er ihm noch in den Bauch
und ließ dann einspannen und den Mann nach
Hodschag in das Zentrallager fahren. Als er
aufgeladen wurde, war er schon tot. Im Sommer 1945 führten die Partisanen aus
dem Somborer Lager eine Arbeiterpartie weg und
führten sie zu Fuß nach Batsch, wo sie
in der Hanffabrik in der Hanfröste arbeiten
mußten. Auf der Tomoripuszta, dem inzwischen
enteigneten Besitz des Bischofes der Batschka,
arbeitete zu dieser Zeit ebenfalls eine
Arbeiterpartie, die aus über 45 Jahre alten
Frauen bestand. Sie waren von Hodschag nach Batsch
gebracht worden. Als im Herbst desselben Jahres
beide dieser Lager aufgelassen wurden, wurden deren
Insassen in das Lager der Kolchos-Verwaltung
übernommen. Im Frühjahr 1946 wurden erneut
Zwangsarbeiter aus dem Hodschager Zentrallager nach
Batsch gebracht. Es waren dies meist Mädchen
und junge Frauen aus der damals gerade
aufgelösten "Stoßarbeiter-Brigade", die
den ganzen Winter hindurch auf dem Felde Mais
brechen mußten. Ein großer Teil dieser
neuen Zwangsarbeiter waren aber auch ältere
und junge Buben sowie Männer aus Filipovo. Im Juli 1946 wurde das Lager in Batsch nach und
nach aufgelassen und die Insassen nach Hodschag
gebracht, von wo sie meist noch im September nach
Gakovo und Kruschevlje weitergeleitet wurden. Das
Lager der Forstverwaltung wurde weiter
aufrechterhalten und erst 1948, als die Lager
allgemein aufgelassen wurden, aufgelöst, die
Männer jedoch als Arbeitsverpflichtete
beibehalten. Von dieser Zeit an wurden sie für
ihre Arbeit entlohnt. Filipovo Mit diesem Verhalten der Filipovoer anscheinend
unzufrieden, machten die Partisanen Filipovo schon
gleich nach ihrer Machtübernahme zum
Schauplatz der größten
Massenerschießung in der Batschka. Eines
Morgens mußten alle Männer im Alter von
16 bis 60 antreten. Unter den erschienenen
Männern befand sich auch der Mitarbeiter des
Ortspfarrers, Kaplan Paul Pfuhl, und der in
Filipovo gebürtige, damals aber im Banate
tätige Priester Anton Zollitsch, der um diese
Zeit gerade in der Heimat weilte. Der Kommandant
des Liquidierungstrupps erkannte in Kaplan
Zollitsch einen ehemaligen Regimentskameraden und
gestattete ihm und seinem Amtsbruder Pfuhl,
wegzutreten und wieder heimzugehen. Alle
übrigen wurden darauf aus dem Dorfe in
Richtung Hodschag hinausgeführt und dort
erschossen. Sie haben sich zuvor das Grab selbst
schaufeln müssen. Ihre Kleider, die sie vor
ihrer Erschießung ablegen mußten,
wurden tags darauf auf einem Wagen nach Hodschag
gefahren. Unter den bei dieser Gelegenheit
liquidierten 243 Männern befand sich auch der
Filipovoer Arzt und Klaviervirtuose Dr. Franz
Dickmann und zahlreiche andere angesehene
Bürger des Ortes. Während schon vorher immer wieder
Männer und Frauen von Filipovo nach Hodschag
in das dortige Zentrallager gebracht worden waren,
wurden im Frühjahr alle Filipovoer aus ihren
Häusern vertrieben. Zum Teil mußten sie
in Filipovo Zwangsarbeit verrichten, zum Teil
wurden sie nach Hodschag in das Zentrallager
gebracht, von dort im ganzen Bezirk verstreut,
immer wieder versetzt und verschoben und gezwungen,
bald da, bald dort ohne Lohn und bei schlechtester
Ernährung zu arbeiten. Die Kinder und
arbeitsunfähigen Personen blieben
zunächst noch in Filipovo, wo auch die
übrigen Kinder und alten Leute des Bezirkes
gesammelt und nach einiger Zeit nach Gakovo und
Kruschevlje verschickt wurden. Im September 1946
kamen meist auch die Arbeitsfähigen, soweit
sie noch am Leben waren, über Hodschag nach
Gakovo oder Kruschevlje. 6. Im
Apatiner Bezirk brachten Zwangsarbeit und Hunger
vielen den Tod Apatin Die russischen Truppen erreichten noch im
Oktober Apatin. Wochenlang versteifte sich hier der
Kampf um die in den Tagesberichten der
kriegführenden Mächte so oft als Apatiner
Brückenkopf bezeichnete Stelle zwischen Apatin
und Monoschtor. Die russischen Anstrengungen, hier
die Donau zu überschreiten, kostete die Rote
Armee Ströme Blutes. Es sollen hier nicht
weniger als 60.000 russische Soldaten in den
Sumpfgebieten auf der gegenüberliegenden Seite
der Donau gefallen und ertrunken sein. Noch
während die Schlacht um den Donauübergang
voll im Gange war, richteten die Partisanen in
Apatin und im ganzen Bezirk ihre
Militärverwaltungen ein, deren erste
Amtshandlung die Verhaftung zahlreicher deutscher
Bürger war. Fast täglich wurden Männer aus ihren
Wohnungen abgeholt und im Keller des
Gemeindehauses, im Gefängnis des
Bezirksgerichtes und im Gemeindegefängnis
eingesperrt, geschlagen und getötet. Andere
wurden in das Lagergebäude Weindl, das als
Lager erklärt wurde, gebracht und von dort zu
Zwangsarbeiten eingesetzt. Auch nach Sombor wurden
viele geschickt und dort im Gefängnis nach
Zupanija und im Kronic-Palais gefangengehalten oder
in das Somborer Lager am Bezdaner Weg eingewiesen.
Mit Ausnahme der im Weindl-Magazin
gefangengehaltenen oder in das Somborer Lager
eingewiesenen Männer haben von den verhafteten
nur mehr wenige wieder das Tageslicht gesehen.
Unter den Opfern dieser Wochen und Monate befand
sich der angesehene Holzhändler und
Ziegeleibesitzer Adam Mayer, der Inhaber der
Erzeugungswerkstätte für
landwirtschaftliche Maschinen, Ingenieur Adam
Hauck, der Steinmetz Anton Wilpert, der
Ziegeleibesitzer und Holzhändler Josef
Zimmermann, der Schiffahrtsunternehmer Michael
Rayal, der Kinobesitzer Josef Gaßmann und
zahlreiche andere. Die an den Verhafteten
ausgeführten Folterungen gehörten zu den
gräßlichsten dieser an sadistischen
Bestialitäten wirklich nicht armen Zeit. Adam
Hauck wurden mit glühenden Eisen am ganzen
Körper und im Gesicht Brandwunden beigebracht.
Diese Wunden wurden dann mit Stahlbürsten
abgerieben. Von den unmenschlichen Leiden und
Folterungen hat ihn der Tod befreit. Gaßmann
war nach Sombor in das Kronic-Palais verschleppt
und dort so schwer mißhandelt worden,
daß er, vollkommen entstellt, von den
Häftlingen, die ihn aus der Zelle trugen, nur
an seinen Kleidern erkannt werden konnte. Die Zahl
der auf diese Weise ums Leben gekommenen Apatiner
Bürger wird mit 64 beziffert, dürfte aber
auch höher sein und wird wahrscheinlich nie
genau ermittelt werden können. Die Verhaftungen hielten auch in den ersten
Monaten des Jahres 1945 noch an; einer der letzten,
die verhaftet wurden, war der Zahnarzt Kiefer. Er
und der Schiffahrtsunternehmer Peter Ehmann sind im
März wieder entlassen worden und sind einige
der wenigen, die wieder das Tageslicht gesehen
haben. Nach ihrer Entlassung wurden sie in das
Somborer Lager überstellt. Während der
Zahnarzt Kiefer kurz darauf einem nach Syrmien in
Marsch gesetzten Arbeitertransport beigeschlossen
und unterwegs an Erschöpfung und
Mißhandlungen gestorben ist, erreichte Ehmann
noch eine Überstellung in das
Internierungslager Gakovo, wo aber auch er bald
starb. Apatin war das geistige Zentrum des deutschen
Katholizismus des ganzen Landes. Seit dem
Frühjahr 1935 erschien hier die durch ihre
Schreibweise gegen den Nationalsozialismus weit
über die Grenzen des Landes bekanntgewordene
und auf Betreiben Deutschlands von den ungarischen
Besatzungsbehörden 1941 verbotene katholische
Wochenschrift "Die Donau". Trotz dieses Umstandes
hatten es die Partisanen gerade mit Apatin darauf
abgesehen, der deutschen Bevölkerung Apatins
ganz besondere Drangsalierungen angedeihen zu
lassen. Nicht nur, daß im ganzen Bereich der
Westbatschka in Apatin die höchste Zahl an
Männern auf die grausamste Weise zu Tode
gefoltert wurde und Apatin die erste Gemeinde der
Westbatschka war, die von ihrer deutschen
Bevölkerung restlos geräumt werden
mußte, wurden von Zeit zu Zeit eigens und nur
aus Apatinern aufgestellte Arbeiterpartien zu
Fuß nach Syrmien in Marsch gesetzt. Selbst
auf Lager verschiedener Orte verstreute Apatiner
Bürger wurden zu diesen Transporten gesammelt.
Von einer solchen aus 500 Männern bestehenden
Arbeiterpartie sind schon unterwegs 27 an
Erschöpfung und Mißhandlungen gestorben
und nach Wochen nur mehr 43, vollkommen
entkräftet und zu lebenden Menschenwracks
ausgemergelt, zurückgekehrt. Nicht viel besser ist es den Transporten
gegangen, die im Frühjahr 1945 nach Semlin und
Mitrowitz in Marsch gesetzt wurden, wo ebenfalls
von Hunderten nur mehr einzelne am Leben blieben
und wieder zurückkehrten. Der 11. März 1945 war der schwarze Tag
für Apatin. An diesem Tage wurde die ganze
Bevölkerung Apatins von ihren Heimstätten
vertrieben und nach Gakovo und Kruschevlje in die
dortigen Internierungslager gebracht. Sie waren die
ersten, mit denen diese Todesmühlen gespeist
wurden. Schon nach wenigen Monaten waren 700 dort
Hungers gestorben. Wer auf dem Marsch nicht mitkam
oder nicht Schritt halten konnte, wurde mit
Prügel angetrieben, wer zusammenbrach, blieb
liegen. Keines der Angehörigen durfte sich
dieser Unglücklichen annehmen. Die lange Anwesenheit russischer
Militärverbände und Einheiten von
Partisanen führte zu zahlreichen
Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen. Der
sadistische Charakter dieser Ausschreitungen ist
besonders an der Tatsache ersichtlich, daß
selbst ein Alter von 92 Jahren kein Schutz dagegen
war. Häufig ersannen die Wüstlinge auch
die abscheulichsten Torturen für ihre Opfer.
So haben sie, unter dem Vorwand, die Deutschen
hätten das Elektrizitätswerk zu sprengen
beabsichtigt, Frauen und Mädchen auch damit
gepeinigt, daß sie ihnen in die
Geschlechtsteile elektrische Leitungen
einführten und Strom einschalteten. Schon kurze Zeit nach der Einführung der
Militärverwaltung führte diese in ganz
Apatin eine Volkszählung durch. Einige hundert
Familien, vorwiegend solche, die einen nichtdeutsch
klingenden Namen hatten, erklärten sich bei
dieser Registrierung als Ungarn oder Slawen. Auf
Grund dieser Zählung wurden allen, denen
anerkannt wurde, einer nichtdeutschen
Nationalität anzugehören, Legitimationen
ausgeteilt. Die Besitzer solcher Legitimationen
waren am 11. März die einzigen, die ihre
Heimstätten nicht verlassen mußten. Rund
2.000 Personen blieben auf diese Weise von der
Vertreibung verschont. Etwa mehr als 2.000 hatten
noch vor dem Abzug der ungarischen Behörden
den Ort verlassen, 2.400 - vorwiegend Mädchen
und junge Frauen - waren an Weihnachten und Neujahr
nach Rußland verschleppt worden und nicht
ganz 8.000 wurden am Nachmittag des 11. März
über Sombor nach Gakovo und Kruschevlje
getrieben. Diejenigen, die daheim bleiben konnten,
hatten aber auch keine Ruhe. In gewissen
Zeitabständen immer wieder durchgeführte
Razzien, von denen die am Ostermontag die
berüchtigste war, beunruhigten immer wieder
die Bevölkerung und lichteten ihre Reihen.
Unter den Männern, die noch im Februar
verhaftet wurden, befanden sich auch der zuletzt
als Kaufmann tätige ehemalige Redakteur der
katholischen Zeitung "Die Donau" und einer der
Autoren des Buches "Ein Volk - ausgelöscht",
Leopold Rohrbacher. Am Tage der Vertreibung der
Apatiner war er schon einige Tage von der OZNA
entlassen und in das Somborer Lager überstellt
worden. In den Vormittagsstunden des 11. März
war er mit Gewehrkolben und Gummiknüppel so
erbärmlich geschlagen worden, daß er
bewußtlos liegen blieb und wochenlang nicht
auf den Rücken liegen konnte. Er war gerade
wieder in die Lagerkommandantur gerufen worden, um
ein zweites Mal geprügelt zu werden, als vom
GNOV (Glavni Narodnooslobodilacki Odbor Vojvodine -
Haupt-Volksbefreiungsauschuß der Wojwodina)
angerufen und Befehl gegeben wurde, sofort für
die Unterbringung von 8.000 Frauen und Kindern
Platz zu machen. In dieser Zeit streiften noch immer
Flüchtlingskolonnen aus dem Landesinnern nach
dem Norden. Es waren dies in der Regel
Flüchtlinge aus Gebieten, durch die sich
starke kroatische und deutsche Verbände nach
dem Norden durchzukämpfen trachteten und diese
Flüchtlingszüge vor sich einher trieben.
In der Meinung, es wäre für einen
derartigen Flüchtlingszug im Lager Platz zu
machen, ließ der Kommandant sofort alle
Baracken bis auf zwei räumen. Erst als er sah,
daß die Kommenden keine Flüchtlinge aus
den Kampfgebieten, sondern die aus Apatin
vertriebene Zivilbevölkerung war, ließ
er die Lagerinsassen wieder in ihre Baracken
treiben. Ungefähr viertausend Frauen und
Kinder - darunter auch Säuglinge -
mußten die ganze Nacht bei grimmiger
Kälte und Frost draußen im Freien
zubringen. Der restliche Teil des Elendszuges wurde auf
offener Straße angehalten und sollte die
Nacht dort verbringen. Als in einer in der
Nähe liegenden Kaserne untergebrachte Soldaten
einer bulgarischen Einheit das Schreien der
frierenden Kinder hörten, lockten sie die
Bewachungsmannschaft der Partisanen mit Schnaps in
ihre Kaserne und überließen ihre Betten
und Unterkünfte den Vertriebenen. In den
Morgenstunden des 12. März wurden die
Vertriebenen weiter nach Gakovo und Kruschevlje
getrieben. Der Gruppe, die im Hof des Somborer
Lagers über Nacht untergebracht war, wurde
zuerst alles, was sie als Handgepäck oder auf
Schubkarren mitgebracht hatte, weggenommen. Schon
nach wenigen Tagen wurden die arbeitsfähigen
Frauen von ihren Kindern - es waren meist nur
Säuglinge - getrennt und in die Baranja
gebracht, wo sie Stellungen für die russischen
Truppen graben mußten. Als diese Arbeit am
21. März abgebrochen wurde, wurden sie nach
Sombor gebracht und von dort wieder auf anderen
Plätzen in der ganzen Westbatschka eingesetzt,
Arbeiterpartien von Männern von Zeit zu Zeit
auch wieder nach Syrmien in Marsch gesetzt. Sie
sind meist auch dort gestorben oder erschlagen
worden. Lange Zeit waren die Vertriebenen aus Apatin,
Kernei und Sentiwan die einzige Belegschaft des in
Gakovo und Kruschevlje untergebrachten
Internierungslagers. Immer wieder wurden solche,
die noch einigermaßen arbeitsfähig
waren, herausgekämmt und den verschiedensten
Lagern der Westbatschka als Zwangsarbeiter
zugeteilt. In wenigen Wochen waren in dem
Internierungslager nur mehr alte Leute und Kinder
(meist ohne Eltern) zurückgeblieben. Eine
große Gruppe junger Apatiner Frauen kam in
den Hodschager Bezirk, von wo dann nach Monaten und
Jahren nur mehr einzelne, insgesamt aber recht
wenige, wieder nach Gakovo oder Kruschevlje
zurückkamen. Auf den in den Rieden gelegenen
Arbeitsplätzen des Hodschager Lagers und im
Hodschager Zentrallager selbst sind fast alle
gestorben. Was die Vernichtungslager in Semlin und
Mitrowitz für Hunderte von Apatiner
Männer war, waren die Riede des Hodschager
Lagers für die Frauen: Die letzte Station
eines leidvollen Weges. Als in den späteren Monaten in Apatin
wieder verschiedene Industrien (Korbschule,
Strumpffabrik, Mank, Brauerei u.a.) in Betrieb
genommen wurden, hatten viele Apatiner Facharbeiter
das Glück, nach Apatin zurückzukommen und
in der Heimat als Zwangsarbeiter Verwendung zu
finden. Diese Veränderungsmöglichkeiten
retteten vielen das Leben. Als später die
Bewirtschaftung der Felder von den neuen Kolonisten
übernommen wurde und die in der Landwirtschaft
eingesetzten Zwangsarbeiter überflüssig
geworden waren und wieder nach Sombor, Gakovo und
Kruschevlje gebracht wurden, blieben die
Facharbeiter in den Industrien auch vor dieser
Maßnahme verschont und konnten vielfach auch
nach der Auflösung der Lager und der Befreiung
der deutschen Bevölkerung von der
Zwangsarbeit, als Arbeitsverpflichtete zwar, in der
Heimat bleiben, aber nicht mehr in ihre inzwischen
von den Kolonisten belegten Häuser
zurückkehren. Sonta Sentiwan Bald nach der Errichtung der
Militärverwaltung wurden mehrere deutsche
Männer verhaftet und in die Lager nach Apatin
und Sombor gebracht. Einzelne kamen auch in das
berüchtigte Gefängnis der OZNA. Selbst
der ehemalige Richter Müller, ein Mann, der
zeitlebens ein eifriger Vorkämpfer
serbischer-nationalistischer Parteien war, und es
immer leugnete, Deutscher zu sein, wurde nach
Sombor in das Kronic-Palais und seine Frau nach
Parabutsch in das dortige Zwangsarbeitslager
verschleppt. Eine größere Zahl deutscher
Männer, darunter auch der Industrielle Anton
Kerschner, wurde in dem Schwesternkloster
eingesperrt und zu Zwangsarbeiten verwendet. Am 12.
März wurden sie nach Sombor und von dort in
die Baranja gebracht, wo sie für die
russischen Stellungen Verteidigungsanlagen
errichten mußten. Nach ihrer Rückkehr
aus der Baranja wurden sie vom Somborer Lager aus
auf verschiedene Orte als Zwangsarbeiter verteilt.
Am 15. März wurde die deutsche
Bevölkerung von Sentiwan über Sombor nach
Gakovo und Kruschevlje gebracht. Im Orte selbst
blieben zahlreiche arbeitsfähige Männer
und Frauen, die als Zwangsarbeiter die Felder
bestellen und in den Industrien, namentlich in den
zahlreichen und großen Hanffabriken und
Hechlereien, arbeiten mußten. Doroslo 7. Im
Somborer Bezirk: Sklavenhandel und Endstation des
Leidensweges Sombor Das Bereichskommando der Partisanen schickte
zeitweise an die einzelnen Gemeindeverwaltungen
Befehle, daß soundsoviele Männer oder
Frauen zu liefern seien. Prompt wurden solche
Befehle immer wieder ausgeführt. Schon im
Frühjahr 1945 war das Somborer Lager der
größte Umschlagplatz des Sklavenhandels
in Jugoslawien geworden. Immer wieder wurden neue
Arbeiterpartien aufgestellt und in die entlegensten
Orte der Batschka zu Fuß in Marsch gesetzt.
War man nach Tagen oder Wochen von einem solchen
Arbeitsplatz in das Lager zurückgekehrt, so
wurde man oft schon an demselben Tage wieder einer
neu abgehenden Arbeiterpartie zugeteilt und erneut
irgendwohin getrieben. Wie zügig und
erfolgreich in der Abstrapazierung und Vernichtung
deutscher Menschen dieses
Verschleißgeschäft florierte, ist am
deutlichsten bei dem Versuch offenkundig geworden,
den Lagerinsassen eine Nummer zu geben, wo bei den
häufigen Verschickungen nicht mehr die Namen,
sondern nur mehr die Nummern aufschreiben zu
müssen und so die Abfertigung von
Arbeiterpartien zu vereinfachen. Der Arbeitseinsatz bei der Errichtung russischer
Verteidigungslinien in der Baranja war einer der
schwersten, für den Zwangsarbeiter des
Somborer Lagers verwendet wurden. Schon in der
Nacht um drei Uhr wurden alle aus den
Unterkünften getrieben. Es waren meist
Gasthäuser, Scheunen oder Ställe, in
denen sie zusammengepfercht, auf dem nackten Boden
liegen mußten, ihre Kleider aber nicht
ablegen und sich auch nicht ausruhen konnten.
Gleich nach dem Verlassen der Unterkünfte
mußten alle zum Frühstück antreten.
Es bestand aus einer salz- und fettlosen
Erbsensuppe. Die eingekochten Erbsen waren hart und
konnten nicht gegessen werden. Es ist zuweilen
vorgekommen, daß das Wasser der Suppe noch
gar nicht erwärmt, geschweige mit den Erbsen
zu einer Suppe gekocht gewesen wäre. Da schon
in Sombor die Eßgeschirre und Löffel
vielfach abgenommen worden waren, mußten oft
Tausende die Suppe aus einigen, sonst restlos
unbrauchbaren Geschirren, Blechdosen und
dergleichen trinken. Mit dem Frühstück
wurde auch ein Stückchen Brot von etwa 15
Dekagramm ausgefolgt. Diese Stückchen Brot und
die Erbsensuppe mußten bis zur Nacht
genügen. Um die Mittagszeit wurde eine kleine
Ruhepause gewährt, während der das
Stückchen Brot verzehrt werden durfte. Jede
bei den Arbeiten eingesetzte Person bekam von dem
meist mit Pflügen vorgezeichneten Lauf der
Stellungsgräben 6 Meter vorgemessen und
mußte in dieser Länge einen 185 cm
tiefen und 80 cm breiten Laufgraben ausgraben.
Solange nicht alle so vorgemessenen und zum
Ausgraben zugeteilten Abschnitte fertig waren,
durfte keiner weg. Wer auf einem steinigen Boden
eingeteilt worden war, konnte unmöglich damit
fertig werden. Das vorgemessene Arbeitspensum
wäre bei einer entsprechenden Ernährung
zu bewältigen gewesen. Da aber die meisten der
Arbeiter schon monatelang nur von der Lagerkost
lebten, waren sie meist schon so erschöpft,
daß selbst diejenigen, die immerhin noch
damit fertig wurden, bis zum Einbruch der
Dunkelheit zu tun hatten. Aber auch dann gab es
noch keine Ruhe. Wer fertig war, mußte den anderen, die
wegen Kräftelosigkeit oder steinigem Boden
nicht fertig geworden waren, helfen. In den
späten Abendstunden, gegen zehn Uhr und
später, wurden dann die Zwangsarbeiter in den
nächsten Ort zum Übernachten in
Gasthäuser, Schulgebäude, Scheunen und
Ställe geführt. Für viele gab es oft
auch kein Abendessen mehr. Dieser Einsatz dauerte
neun Tage. Schon in den ersten Tagen litten die
meisten so an Hunger, daß sie alles zu essen
versuchten, was sie auf den Feldern fanden. Selbst
den Genuß rohen Maises konnten viele nicht
widerstehen. Als die Arbeiten abgebrochen wurden,
mußten alle wieder zu Fuß nach Sombor
zurück. Es war gerade ein heißer Tag.
Schon auf dem Hinweg wurden die Frauen und
Männer immer mit Prügel angetrieben. Noch
mehr war es beim Rückweg der Fall, wo viele
schon so erschöpft waren, daß sie ein
Bein kaum noch vor das andere brachten. Die meist
ungarische Bevölkerung der Orte, durch die die
oft kilometerlangen Arbeiterkolonnen getrieben
wurden, standen oft mit Lebensmitteln und Kannen
mit Wasser vor ihren Häusern, um sie den
Erschöpften zu geben. Wer es wagte, aus der
Kolonne auszutreten, um sich durch einen Schluck
Wasser zu erfrischen oder den peinigenden Durst zu
stillen, wurde mit Gewehrkolben
zurückgestoßen und geschlagen. In den
Nachmittagsstunden waren viele schon so stark vom
Durst gepeinigt, daß beim Anblick eines nahe
gelegenen Brunnens ganze Rudel auszureißen
und Wasser zu holen versuchten. Solche Versuche
wurden mit Schüssen, bei denen einige auch
verwundet wurden, unterdrückt. Während
des ganzen Rückmarsches - er dauerte einen
vollen Tag und eine volle Nacht - gab es nachts nur
eine kurze Ruhepause, aber nichts zu essen und
nichts zu trinken. Am 23. März wurde eine größere
Arbeiterpartie auch von dem Partisanen-Spital
angefordert. Die dort eingesetzten Männer und
Frauen mußten abends meist bis 10 Uhr und
länger arbeiten, wurden aber dennoch jeden
Morgen schon um vier Uhr wieder an die Arbeit
getrieben. Das Spital führte eine gute
Küche, doch war es jedem unter Strafe
verboten, den Zwangsarbeitern von den Speisen zu
geben, die dort für die verwundeten Partisanen
zubereitet wurden, obwohl in der Küche
zentnerweise übriggebliebene Speisereste
weggeschüttet und Schweinen verfüttert
werden mußten. Für die Lagerleute
mußte eigens gekocht werden, und zwar
dasselbe wie im Lager: morgens Tee ohne Zucker, und
mittags und abends Bohnensuppe. Es war auch
verboten, den Zwangsarbeitern von dem besseren Brot
der Partisanen zu geben. Für sie wurde eigens
Maisbrot gebacken, obwohl hartgewordenes Weizenbrot
täglich in Massen verheizt oder verbrannt
werden mußte. Wie reich an Einfällen die Kommandantur des
Somborer Lagers in dem Bestreben war, die Insassen
des Lagers durch Zwangsarbeit zu schwächen und
ihre physischen Widerstandskräfte zu
zermürben, zeigen recht eigenartige
Einfälle. Wenn keine andere Arbeit war,
mußten die Lagerinsassen Gebäude
abtragen und das Baumaterial an das andere Ende der
Stadt tragen. Endlose Kolonnen von Frauen,
Mädchen und Männem zogen oft tagelang
immer wieder durch die Stadt und trugen Mauersteine
und anderes Baumaterial eines abgetragenen
Gebäudes in einen anderen Stadtteil. Bis Herbst 1945 verging selten ein Tag an dem
Lagerinsassen einzeln oder in Gruppen nicht
geschlagen oder mißhandelt wurden. Im
Lagerhof lag die Karosserie eines ehemaligen
geschlossenen Personenkraftwagens, dessen Fenster
mit angenietetem Blech verschlossen worden waren.
Die Karosserie war weiß überstrichen.
Wer nach Auffassung der Lagerwachmannschaft
straffällig geworden war, wurde oft für
Tage in diesem als "Weißes Haus" bezeichneten
Lagergefängnis eingesperrt. Sobald einer der
Partisanen Lust hatte, konnte er sich an den Opfern
im "Weißen Haus" austoben, ohne erst nach
Opfern in den Baracken suchen zu müssen. Die
im "Weißen Haus" Eingesperrten bekamen die
ganze Zeit keine Nahrung und wurden auch die ganze
Zeit nicht herausgelassen. Die Befriedigung ihrer
natürlichen Bedürfnisse mußten sie
auf dem Boden verrichten, die Karosserie selbst
durften sie erst beim Verlassen reinigen. Von einem
Ruhen konnte keine Rede sein. Besonders
gefürchtet waren die kalten Nächte des
Winters. Decken durften keine mitgenommen werden
und warme Kleidungsstücke wurden abgenommen.
Hunger, Kälte, Gestank, ständiges Stehen
und Prügel zermürbten häufig noch
die letzten Widerstandskräfte und viele, die
einmal im "Weißen Haus" eingesperrt waren,
sind nie wieder gesund geworden, viele später
dann auch gestorben. Eine beliebte Tortur der
Partisanen-Wachmannschaft des Somborer Lagers war
auch die Verspottung Gottes und des Gebetes. Wenn
die Frauen bei gemeinsamen Gebeten ertappt wurden,
wurden sie gewöhnlich geschlagen. Zuweilen
wurden aber auch besondere Torturen für
Betende ersonnen. Sie mußten sich in einer
Reihe entlang der Wand niederknien und laut
gemeinsam beten, während ihnen die Partisanen
Fußtritte versetzten. Dann mußten sie
der Reihe nach aufstehen, vor die Partisanen treten
und sagen, ob ihnen Gott geholfen habe, wieder von
dem Lager frei zu werden. Sobald einer die Frage
beantwortet hatte, bekam er mit Fluchworten
gewürzte Ohrfeigen. "Was betest Du dann?"
schrien sie ihn gewöhnlich an und hießen
ihn hinknien und weiterbeten. "Vielleicht hilft er
Dir doch", sagten sie und wiederholten nach einer
Weile dieselbe Prozedur mit ihm. Diese Torturen
wurden vorwiegend auch mit solchen ausgeführt,
die bei Versuchen, aus den Lagern ins Ausland zu
fliehen, aufgegriffen und in das Lager
überstellt wurden. Am 20. Juli 1945 wurden abends auch alle
außerhalb der Stadt eingesetzten
Arbeiterpartien im Lager versammelt und in die
Baracken geführt. Als es dunkel geworden war,
wurden zehn und zehn abgesondert und in eine
Baracke genommen. Dort mußten sie alles, was
sie hatten, abgeben. Nur das Nötigste an
Kleidungsstücken wurde belassen; Uhren,
Schmuckstücke, Geld und alles andere wurde
weggenommen. Jeder wurde aufgefordert, alles
herzugeben und nichts zu verstecken. Bei wem etwas
versteckt gefunden würde, würde sofort
erschossen werden. (In der Nacht wurden im Hofe
öfter Schüsse abgegeben.) Allen wurde
eingeschärft, daß schon einige
erschossen worden seien, weil bei ihnen versteckte
Sachen gefunden wurden. In derselben Nacht haben
Partisanentrupps auch die Arbeiterpartien
aufgesucht, die nicht in das Lager kommen konnten,
und haben diese Aktion auch dort durchgeführt.
Wer seine Kleidungsstücke nicht schnell genug
aufgeknöpft und nicht so weit freigemacht
hatte, daß sie genauestens durchsucht werden
konnten, bekam Ohrfeigen und Prügel. Auf
manche hat sich gleich ein ganzes Rudel von
Partisanen gestürzt und die Männer und
Frauen erbärmlich geschlagen. Manche wurden
bewußtlos wieder aus der Baracke ins Freie
gestoßen. Besonders unflätig und
flegelhaft benahmen sich die Partisanen bei diesen
Leibesvisitationen Frauen und Mädchen
gegenüber. Im Mai 1946 fand in Sombor eine Demonstration
der Partisanen gegen den Beschluß der
Westmächte statt, die Stadt Triest nicht
Jugoslawien anzuschließen, sondern als
Freistadt unter Verwaltung der UNO zu stellen. Als
der Lagerkommandant in vorgerückter
Abendstunde von der Demonstration in das Lager
zurückkam, holte er zwei alte Männer aus
den Baracken und führte sie in seine Kanzlei,
wo er sie mit noch drei Partisanen
fürchterlich folterte. Sie schnitten ihnen
einzelne Glieder ab, schlugen sie, stachen sie mit
Messern und schnitten ihnen schließlich die
Kehlen durch. Nach der Tat erklärte der
Lagerkommandant, diese Bluttat nur aus Wut gegen
den Beschluß der UNO ausgeführt zu
haben. Mangels anderer Möglichkeiten, sich zu
rächen, wollte er seinen Blutrausch an wehr-
und schutzlosen deutschen Menschen stillen. Eine zweite Folterstätte für deutsche
Menschen war in Sombor das Gefängnis in der
Zupanija. Hunderte schmachteten in den Zellen
dieses Gefängnisses. Die Häftlinge wurden
ständig Vernehmungen und Verhören
unterzogen, die sich in den seltensten Fällen
auf sie selbst oder ihre Vergangenheit oder
Tätigkeit bezogen. Auf sie bezogen sich nur
die Prügel und die seelischen Qualen, denen
sie unterworfen wurden. Nur selten hatten die
Häftlinge auch nur eine Ahnung von dem, was
sie aussagen sollten. Sie wurden meist über
andere befragt und meist über Personen, die
sie gar nicht kannten und nie gesehen hatten. Um
von ihnen belastende Aussagen gegen andere, auch
gegen einheimische Serben und Ungarn, zu erpressen,
wurde manchen Tag und Nacht keine Ruhe
gelassen. Ein Häftling, der drei Monate lang in
diesem Gefängnis eingesperrt war, erzählt
darüber folgendes: Gefährlicher als das Gefängnis in der
Zupanija war das im Kronic-Palais. Nur wenige, die
einmal hier hinter Schloß und Riegel
verschwunden sind, haben wieder das Tageslicht
gesehen. Wieviele Menschen hinter den Mauern dieses
Hauses unter furchtbaren Qualen ihr Leben
ausgehaucht haben, wird die Welt wahrscheinlich nie
erfahren. Die Häftlinge wurden nicht nur immer
wieder auf andere Zellen verlegt, sie wurden auch
nach Neusatz (Novisad) verschoben. Manche wurden
von dort auch wieder zurückgebracht und wieder
nach Neusatz verschickt. Der Sinn dieser
ständigen Umlegungen dürfte der gewesen
sein, den Mithäftlingen alle
Möglichkeiten auch für annähernde
Schätzungen der Opfer dieses Hauses zu
verwischen. In dem Gefängnis waren auch solche
verhaftet, mit denen man nichts anderes im Sinn
hatte, als belastende Aussagen gegen andere zu
erwirken und zu erpressen. Die Vernehmungen sollen
das Brutalste gewesen sein, was bisher in solchen
Dingen je auf der Welt bekanntgeworden ist. Fast
täglich gab es auf zahlreichen Zellen Tote,
die an den Mißhandlungen gestorben sind. Von
den Leiden einzelner erzählten hie und da doch
entlassene Häftlinge, bis dann nach einem
gewissen Zeitpunkt keiner der später
Entlassenen mehr was von ihnen berichten konnte.
Das war das sicherste Zeichen, daß der
Häftling auch nicht mehr lebte. Der Apatiner Kinobesitzer Gassmann lag eines
Tages tot in der Zelle und mußte von einem
Häftling, der aus seinem Geburtsort Sentiwan
stammte und ihn trotz seines durch
Mißhandlungen entstellten Kopfes an den von
ihm in den Wochen vorher getragenen Kleidern
erkennen konnte, hinausgetragen werden. Das sind
nur wenige von den vielen bekannten Fällen,
die in den Zellen und Folterkammern dieses Hauses
geendet haben. Noch größer ist aber die
Zahl derer, die in dieses Haus gekommen und darin
verschwunden sind, ohne daß je ein Mensch
einmal was davon erfahren hätte. Es war damals
und noch viele Monate später jedem strengstens
verboten, seinen Wohnort auch nur zeitweilig zu
verlassen. Niemand durfte reisen, oder sich auf
eine andere Art in einen anderen Ort begeben, ja
nicht einmal einen solchen für Stunden
besuchen. Diesem Umstande ist es zuzuschreiben,
daß nur wenig Einzelheiten aus dem
Kronic-Palais von den recht selten entlassenen
Häftlingen erfahren werden konnten. Durch die
ständigen Umlegungen aber blieb auch diesen
das Schicksal vieler Mithäftlinge völlig
in Dunkel gehüllt. Niemals aber wurde gegen Personen deutscher
Abstammung eine Untersuchung darüber
geführt, ob sie Anhänger des
Nationalsozialismus oder Kriegsverbrecher waren. Es
genügte, deutscher Abstammung zu sein, um
hinter den Mauern dieses oder jenes
Gefängnisses für immer zu verschwinden.
Mehr als bezeichnend ist der Umstand, daß es
die sogenannten "Komitees zur Untersuchung von
Kriegsverbrechern" nur in Orten gab, in denen
Ungarn wohnten. Die Deutschen waren anscheinend
schon damals alle dem Tode geweiht, so daß es
sich nicht mehr gelohnt hat, noch eigens zu
untersuchen, ob sie sich etwas haben zuschulden
kommen lassen oder nicht. Eine besonders beliebte Art war bei
Erschießungen der Versuch, mit einer Kugel
gleich eine ganze Reihe zu töten. Oft wurden
mehrere Personen streng in einer Reihe
hintereinander aufgestellt und erschossen, um
feststellen zu können, wieviele Menschen eine
einzige Kugel tödlich treffen kann. Die überwiegend deutschen Gemeinden des
Somborer Bezirkes stellten schon im Herbst den
größten Teil der Belegschaft des
Somborer Lagers. Einige tausend waren in Kolut,
Gakovo, Kruschevlje, Stanischitsch, Monoschtor,
Siwatz, Tschonopl, Kernei ausgehoben und nach
Sombor gebracht worden. Viele wurden auch in ihren
Heimatorten gefangengehalten und mußten dort
Zwangsarbeit verrichten. Im Frühjahr und
Sommer wurden dann auch die arbeitsunfähigen
Personen ausgehoben und nach Gakovo und Kruschevlje
gebracht. Die letzte Gemeinde, die dieses Schicksal
erreichte, war Stanischitsch. Sie war zugleich auch
die letzte der einige hundert zählenden Reihe
von Ortschaften, in denen deutsche Menschen
lebten. Schauplatz kommunistischer Grausamkeiten war
Kernei. Hier wurden noch im Herbst mehrere deutsche
Frauen, zum Teil auch vor den Augen ihrer eigenen
Kinder, vergewaltigt, und solche, deren Widerstand
auch mit Gewalt und Schlägen nicht gebrochen
werden konnte, erschossen. Im Keller des
Schulgebäudes haben besoffene Partisanen 15
deutsche Männer in eine Ecke getrieben und
solange mit Maschinenpistolen in die Gruppe
geschossen, bis sie alle tot waren. Einige der
erschossenen Männer hatten allein 16
tödliche Wunden. Gakovo -
Kruschevlje Im Frühjahr wurde der Sinn der im Herbst
schon durchgeführten aber wieder
rückgängig gemachten Vertreibung der
Bevölkerung beider Orte offenkundig. Am 12.
März wurden 8.000 Personen zu Fuß von
Apatin nach Gakovo und Kruschevlje gebracht, beide
Orte hermetisch abgeschlossen und die Todesstrafe
allen jenen angedroht, die den Ort zu verlassen
oder unbefugt zu betreten versuchen sollten. Nach
und nach folgten immer neue Menschenmassen. So wie
ein Ort im Vernichtungsbereich der Westbatschka
ausgetrieben wurde, wurde seine
arbeitsunfähige Bevölkerung nach Gakovo
und Kruschevlje getrieben. Sowohl Gakovo als auch
Kruschevlje wurde von den Partisanen selbst
"Vernichtungslager" genannt. Immer wieder kamen
neue, oft aus mehreren Tausenden von Menschen
bestehende Marschgruppen an. Mütter mit
kleinen Kindern wurden meist zusammen nach
Kruschevlje gebracht. Nur in seltenen Fällen
konnten sie jedoch beisammen bleiben. Fast
täglich wurden arbeitsfähige Personen
ausgehoben, fortgeführt und auf die
verschiedensten Arbeitsplätze in der ganzen
Batschka gebracht, so daß jeden Tag immer
mehr Kinder elternlos wurden. Wohl hatten anfangs
die Kinder meist doch noch jemanden, der sich ihrer
annahm - eine Großmutter oder eine Verwandte.
Als aber schon nach wenigen Wochen das große
Sterben anhub und der Hungertod mehr als reich
Ernte hielt, verloren Hunderte und Hunderte von
Kindern auch den letzten Menschen, der sich ihrer
hätte annehmen können. Post gab es keine. Weder konnten Briefe
abgeschickt noch empfangen werden. Wer einmal von
den Seinen getrennt war, blieb meist ohne jede
Kunde von ihnen. Die einzige Möglichkeit, von
Angehörigen, die in Gakovo oder Kruschevlje
zurückgeblieben waren, etwas zu hören,
bestand in seltenen Fällen in den reichlichen
Verlegungen von einem Arbeitsplatz auf den anderen
und den ständigen Umgruppierungen der
Arbeiterpartien. So und nur so konnte hie und da
von einem Leidensgenossen über den Verbleib
eines Angehörigen, den er vielleicht noch vor
Wochen oder Monaten gesehen hatte, etwas erfahren
werden. Meist lagen aber diese Nachrichten zeitlich
so weit zurück, daß sie schon
überholt waren. Es gab Tausende von
Fällen, wo Mütter erst nach Jahren
erfuhren, ob und wo ihre Kinder noch lebten und
unzählige Mütter, die nie vom Schicksal
ihrer Kinder erfuhren und in Ungewißheit
blieben, ob sie noch lebten oder nicht. Bald wurde die deutsche Bevölkerung dieses,
bald jenes Ortes der Batschka vertrieben und nach
Gakovo und Kruschevlje gebracht. In den
Sommermonaten 1945 erreichte die Zahl der dort
zusammengepferchten Menschen 21.000. Sie ist
während der ganzen Zeit kaum nennenswert und
nur für kurze Zeitspannen heruntergegangen,
weil immer wieder aus den anderen
Internierungslagern Menschen hierher gebracht
wurden. Selbst ganze Lager konnten im Laufe der
Zeit nach Gakovo und Kruschevlje verlegt werden.
Sie füllten dort die Lücken aus, die das
Massensterben in die Belegschaft gerissen hatte.
Als im Sommer 1945 als erstes das Filipovoer
Internierungslager, im Herbst desselben Jahres das
Sekitscher und im Frühjahr 1946 das Jareker
auch nach Gakovo und Kruschevlje verlegt worden
waren, erreichte die Belegschaft eine Zahl von rund
27.000 (18.400 in Gakovo und 8.600 in Kruschevlje).
In der Folgezeit ist die Zahl der Belegschaft nie
unter 20.000 gesunken. Neben dem ständigen
Zustrom von in Zwangsarbeitslagern
arbeitsunfähig gewordenen Personen wurden,
nachdem bereits alle Internierungslager der
Batscbka nach Gakovo und Kruschevlje verlegt worden
waren, nicht nur nach und nach auch
Zwangsarbeitslager der Batschka aufgelassen und
deren Belegschaft ebenfalls hierher gebracht,
sondern auch Transporte aus dem Banat, vorwiegend
aus Rudolfsgnad, nach Gakovo und Kruschevlje
überführt. Im April 1945 mußte die gesamte
Belegschaft beider Lager mit allem, was sie hatte,
antreten. Einzeln wurde ein jeder vorgenommen und
mußte alles abgeben, was er an Geld,
Wertgegenständen oder sonst nach Auffassung
der Partisanen an entbehrlichen Dingen bei sich
hatte. Wer etwas versteckt, würde sofort
erschossen werden, hieß es. Tatsächlich
wurden in Kruschevlje auch zwei Frauen gleich von
den ersten, die ihre Sachen abzugeben hatten,
deswegen erschossen, weil bei ihnen kleine
Geldbeträge versteckt gefunden wurden. Sie
wurden auf die Straße geführt und vor
der Kolonne, die dort angetreten war und zu warten
hatte, bis jedes an die Reihe kam, aufgestellt und
vor allen erschossen. Alle weiteren mußten
dann auf dem Wege zu der "Kommission", die die
Sachen abnahm, an den Toten vorbeigehen. Erst als
die "Aktion", die bis in die Morgenstunden des
nächsten Tages dauerte, beendet war, durften
die Leichen weggetragen und begraben werden. Der ewige Hunger und das Massensterben, das aus
der nächsten Umgebung täglich neue Opfer
forderte, drängte Unzählige zur letzten
Verzweiflungstat: Sie erhängten sich. Viele
aber entschlossen sich, ihr Leben für ein
Stückchen Brot aufs Spiel zu setzen,
namentlich Mütter. Aber auch Kinder taten es.
Sie schlichen nachts aus dem Lager und gingen in
die umliegenden serbischen, bunjewatzischen und
ungarischen Orte betteln. Sie legten dabei oft
erstaunlich weite Wege zurück und bettelten
häufig in 10 bis 20 Kilometer entfernten
Ortschaften. Das Ende vieler solcher Unternehmungen
aber war, daß die Verzweifelten bei der
Rückkehr in das Lager kurz vor dem Erreichen
des Zieles erwischt und entweder noch auf dem Felde
oder im Ort selbst öffentlich erschossen
wurden. Geschäft mit der
Flucht An diesen Transporten verdiente die
Lagerkommandantur unheimliche Millionen. Fast jede
Nacht gingen Transporte ab und öfter betrug
die Zahl der mit einem einzigen Transport über
die Grenze geschafften Menschen, einige hundert
Personen. Für jede und auch für das
kleinste Kind mußten 1.000 Dinar bezahlt
werden. Die Aufbringung dieser hohen
Kopfprämie und der gesamte Aufwand von
schätzungsweise 10 bis 20 Millionen Dinar von
Menschen, denen schon seit vollen zwei Jahren alles
weggenommen und die ständig auf Geld- oder
Wertsachenbesitz durchsucht worden waren, scheint
jedem, der das enge Freundschaftsverhältnis
der deutschen Bevölkerung Jugoslawiens zu den
ungarischen, bunjewatzischen, schokatzischen,
serbischen und slowakischen Mitbewohner des Landes
nicht kennt, unwahrscheinlich. Das ganze
Transportgeld wurde von andersnationalen Bekannten,
Verwandten und Freunden aufgebracht. Die Kunde von
dieser Fluchtmöglichkeit nahm ihren Lauf durch
die weitesten Teile des Landes, und die niemanden
hatten, wagten den "schwarzen" Weg und vielen
gelang er auch. Die Zahl der Deutschen, die sich so
über Gakovo und Kruschevlje das Leben retten
konnten, wird mit 30.000 veranschlagt. Als die
Lager im Frühjahr 1948 aufgelassen wurden,
hatte Gakovo noch immer eine Belegschaft von etwa
20.000 Personen. "Freiwillige"
Arbeitsverpflichtungen Ein großer Teil der Personen, die
Arbeitsverpflichtungen eingingen, waren Väter
und Mütter von Kindern die von Gakovo,
Kruschevlje, Rudolfsgnad oder sonst einem anderen
Internierungslager entführt und verschleppt
worden sind. Da sie den Aufenthalt ihrer Kinder
nicht wußten und als unfreie Menschen im
Lager auch nie hätten erfahren können,
gab es für sie nur einen Weg - über eine
Arbeitsverpflichtung erst mal ihre Freiheit zu
erreichen, um vielleicht dann doch noch von ihren
Kindern etwas zu hören oder sie vielleicht
noch zu finden. Viele Arbeitsfähige aber, die noch immer
lieber nach Ungarn geflohen wären, hielten
sich diesem Freiheitsangebot gegenüber
zurück. Um auch diese in den Bann des
arbeitsverpflichtenden Freiheitsversprechens zu
zwingen, wurden als erstes die
"Transportmöglichkeiten" unterbunden, sowohl
die "weißen" als auch die "schwarzen". Als
auch das nicht viel nützte, brachte man viele
Arbeitsfähige in die in manchen Bezirksorten
noch bestehenden zentralen Zwangsarbeitslager, gab
ihnen nichts zu essen und machte sie mürbe.
Angesichts der solcherart reduzierten
Fluchtmöglichkeiten und des verstärkten
Druckes konnten die Partisanen bis Frühjahr
1948 doch erreichen, daß sich fast alle
Arbeitsfähigen zu irgend einer Arbeit
verpflichtet hatten. Im Frühjahr 1948 wurden
die Lager aufgelöst. Solche, auf deren
Arbeitsverpflichtung kein besonderer Wert gelegt
wurde - meist vermindert Arbeitsfähige -
konnten sich selbst eine Arbeit suchen. Solche, die
arbeitsunfähig waren, konnten bei Bekannten
oder Verwandten aufgenommen werden. Die vielen
aber, die niemand mehr hatten, der sich ihrer
angenommen hätte, wurden nach Rudolfsgnad und
später dann auch wieder nach Karlsdorf
gebracht. Sie lebten dort in der Fliegerbaracke,
die als "Altersheim" erklärt wurde. Sie
durften den Ort nicht verlassen und lebten in
Verhältnissen wie früher in den
Internierungslagern, nur mit dem Unterschied,
daß sie Geld besitzen, im Ort selbst sich
bewegen und Spenden von der Bevölkerung
annehmen durften. Hunger und Seuchen Ärztliche Behandlung gab es keine. Seuchen
und Epidemien brachen schon in den ersten Monaten
aus und haben nie ganz aufgehört. Was ihnen
nicht zum Opfer fiel, mergelte an Durchfall aus und
starb dann an Hungerödem. Besonders waren es
die Kinder, die wie Fliegen nur so dahinstarben.
Täglich starben 30 bis 35 Personen in
Kruschevlje und 50 bis 60 in Gakovo. Die
höchste Zahl der Toten eines einzigen Tages
war in Kruschevlje 42, in Gakovo 96. Aus rund 120
Orten Jugoslawiens entstammten die 7.000 bis 8.000
Menschen, die allein in Kruschevlje gestorben sind.
Von 220 Personen, die aus Kruschevlje selbst
stammten, sind in einem einzigen Jahre allein 92
gestorben. Kinderschicksale |