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Während es in Jugoslawien um die Ausrottung
der Volksdeutschen und die Vernichtung der
antikommunistischen Kräfte ging, war der
Partisanenkampf und in Verbindung damit die
Verschleppung und Ermordung heimattreuer deutscher
Menschen in Kärnten und Steiermark - den
südlichen Grenzländern heute
Österreichs, damals des Großdeutschen
Reiches - einzig auf das Ziel gerichtet, ganz
Südkärnten und Grenzgebiete der
Steiermark im Rahmen eines Groß-Slowenien an
das kommunistische Jugoslawien anzuschließen.
Beweise für diese Feststellung gibt es mehr
als genug: Die Besetzung dieser Gebiete bei und
nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, die dabei
erlassenen Proklamationen, die noch Jahre danach
ausgesprochene Propaganda. Aus der Fülle der
Belege hierfür ein paar Beispiele in Bezug auf
Kärnten: Auszüge aus der Zeitung "Slovenski
vestnik": Nr. 19 vom 28.3.1947: Der Chef der jugoslawischen Delegation, Edvard
Kardelj, sagte in seiner Rede vor dem Rat der
Außenminister in Moskau: "Der Anschluß
Slowenisch-Kärntens an Jugoslawien wäre
im Interesse des Friedens und der gutnachbarlichen
Beziehungen zwischen Jugoslawien und
Österreich." In dem von Dr. Franc im Jahre 1951 in Klagenfurt
herausgegebenen Buch "Koroska v borbi"
(Kärnten im Kampf) wird immer wieder von einem
"Slowenisch-Kärnten" und von dessen
"Befreiung" durch die Partisanen gesprochen. So zum Beispiel: Demonstration der
Titopartisanen und Kärntner Slowenen in
Klagenfurt am 16. Mai 1945: 2.
Über 200 Kärntner wurden nach Jugoslawien
verschleppt In großen Zügen ist die Verschleppung
von über 200 Kärntnern nach der
Kapitulation 1945 der Öffentlichkeit bekannt.
Nutzlose öffentliche Appelle an Jugoslawien
erfolgten aufgrund von Erhebungen der
österreichischen Exekutive. Das jugoslawische
Außenministerium beantwortete alle 1948
einsetzenden Fragen nach dem Schicksal der
Verschleppten mit der sturen Erklärung: "Die
genannten Personen befanden sich nie in
jugoslawischem Gewahrsam". Die Verschleppungsaktion war der Schlußakt
eines Ausrottungsplanes, mit dessen
Durchführung schon im Jahre 1943 begonnen
worden war. Die Liquidierungen in
Südkärnten, die "tödlichen
Hausbesuche", waren die erste Phase dieser Aktion.
Ihr Ziel war die "Säuberung" von
tatsächlichen oder vermeintlichen
"partisanenfeindlichen Elementen". Diese war
Aufgabe einer Sondereinheit, bei dem es eine eigene
Liquidierungskompanie gab. Die wichtigsten
Unterlagen für deren Tätigkeit waren die
"Schwarzen Listen", die schon zu Beginn des
Partisanenkrieges in Kärnten mit Hilfe
einheimischer slowenischer Mitkämpfer und
Sympathisanten aufgestellt und nach dem 8. Mai 1945
ergänzt worden waren. Wie im Kapitel über die Untersteirer und
Gottscheer soll auch hier nicht auf die
Liquidierungen und Verschleppungen im Rahmen des
Partisanenkampfes während des Krieges
näher eingegangen werden. Im Sinne des
Grundthemas dieses Buches sollen nur die
Geschehnisse am und nach dem Ende des Krieges
dargelegt werden. Eine umfangreiche Darstellung der
Südkärntner Tragödie ab 1942 ist in
dem Buch von Ingomar Pust "Titostern über
Kärnten" enthalten. Genau wie bei den
"tödlichen Hausbesuchen" zeigen die Fälle
von Verschleppungen im Gebiet von
Eisenkappel-Eberndorf-Bleiburg die
größte Dichte. Es wurden hier über
200 Personen verhaftet. 74 kehrten nicht mehr
zurück. Ein weiterer Schwerpunkt der
Verhaftungswelle war das Stadtgebiet von
Klagenfurt. Hier wurden vom 8. bis 20. Mai 1945
mindestens 80 Personen festgenommen. Die
Verhafteten wurden in die Keller der
Jesuitenkaserne gebracht und dann heimlich auf
jugoslawisches Gebiet verfrachtet. 22 Personen
kehrten nicht mehr zurück. Im Bezirk Villach wurde in Finkenstein am 11.
Mai der Gendarmeriebeamte Nikolaus Kazianka von
einer vier Mann starken Partisanenpatrouille
verschleppt. Er soll in Vigaun zu Tode geschlagen
worden sein. Am 13. Mai 1945 holten Partisanen in
Maria Gail den Zollwachebeamten Josef Nageler. Er
wurde nie wieder gesehen. Ebenfalls am 13. Mai
gegen 22 Uhr wurde der Besitzersohn Albert Lammer
aus Rabenstein vom Hofe geholt und in Richtung
Unterdrauburg abtransportiert. Er war erst wenige
Tage vorher von seiner Gebirgsjägereinheit
entlassen worden. Von ihm fand man später
nicht die geringste Spur. "Säuberung in Klagenfurt" Der akademische Maler Eduard Manhart wurde schon
bei der Verhaftung so schwer mißhandelt,
daß er in bewußtlosem Zustand in die
Jesuitenkaserne gebracht wurde, wo die
Keller-Bunker zu einem düsteren Gefängnis
geworden waren. Noch Tage später, als die
Gefangenen abtransportiert wurden, war Manhart
unfähig aufzustehen. Er wurde zu einem
Lastwagen getragen und dort wie ein Sack auf den
Boden geworfen. Niemand kennt das Motiv seiner
Verhaftung. Opfer eines bekannten Denunzianten war die
Familie Gassner in Klagenfurt. Zuerst wurde der
Bäckermeister Anton Gassner (61) in der
Domgasse verhaftet. Seine Frau Adele holten sie aus
der Wohnung in der Villacherstraße, den Sohn
Anton verhafteten sie in Krumpendorf. Als Adelheid,
die Zwillingsschwester Antons, die nicht Zuhause
war, von der Festnahme ihrer Eltern erfuhr, erbat
sie Hilfe bei den Briten. Mit einem englischen
Soldaten ging sie in die Jesuitenkaserne. Der Brite
blieb am Tor zurück. Die Jugoslawen
versprachen, das Mädel zu ihren Eltern zu
führen. Das "Versprechen" hielten sie,
Adelheid Gassner kam zu ihren Eltern. Aber sie kam
nie mehr zurück. Wie die Eltern: Ermordet in
Vigaun (slowenisch Begunje). Mit gutem Gewissen in den Tod Auf Schloß Hirschenau fielen die
Würfel über Leben und Tod Im Laufe des 15. und 16. Mai wurden die
Gefangenen vernommen. Sie wurden nach ihren
Personalien, nach ihrer Einstellung zu den Slowenen
befragt und dann sollten sie den Grund ihrer
Verhaftung angeben. Die Einvernommenen, die
überlebten, sagten später aus, die
Partisanen, die die Verhöre durchführten,
seien ständig betrunken gewesen. Später
stellte sich heraus, daß diese Verhöre
über Tod und Leben entschieden hatten. Sie
hatten den Zweck, die 125 südkärntner
Männer und Frauen in zwei Gruppen zu teilen:
Eine, die interniert und eine, die sofort
liquidiert werden sollte. Die letztere Gruppe umfaßte meist Personen
älterer Jahrgänge, die sich in der Zeit
der Volksabstimmung auf österreichischer Seite
verdient gemacht hatten. In der Nacht vom 16. auf
den 17. Mai 1945 wurde wieder ein
überstürzter Aufbruch befohlen. Wie sich
später herausstellte, hatte der Besitzer des
Kabonhofes, Fritz Klois, die Briten davon
verständigt, was auf Hirschenau vorging. Die
jugoslawischen Verbindungsoffiziere beim britischen
Stab in Völkermarkt erfuhren davon und warnten
ihre Genossen in Hirschenau, die dann jählings
mit allen Gefangenen Richtung Prävali
aufbrachen, ehe es mit den Briten
Unannehmlichkeiten geben konnte. Die Lastwagenkolonne wurde auf der Fahrt nach
Prävali zwar von Briten an der Draubrücke
bei Völkermarkt und an der
österreichischen Grenze bei Grablach
aufgehalten. Aber die Jugoslawen erklärten,
die Insassen der Lastwagen seien Angehörige
der Partisanenarmee. Die LKW's waren mit Planen
überdeckt. Den Gefangenen war auch hier vorher
gesagt worden: "Wer redet, wird sofort erschossen!"
Auf Schloß Hirschenau waren die Weichen
gestellt worden. Für einen Teil begann in
jugoslawischen Hungerlagern eine leidvolle
Gefangenschaft. 64 Menschen wurden in Lischa
erschossen. Die Kärntner Sicherheitsdirektion
erhielt später Beweise dafür, daß
die Männer und Frauen, Veteranen des Abwehr-
und Abstimmungskampfes, vor ihrer Ermordung auf
grauenhafte Weise gemartert worden waren. Die Morde im Lischagraben Die verschleppten Kärntner, die in das
Lager Sterntal gebracht worden waren, wurden dort
Zeugen von Massenhinrichtungen. Im Mai 1945
gehörte das Töten in ganz Jugoslawien zum
Alltag. In diese Mordmaschine gerieten die
Transporte mit den Verschleppten. Die Dokumentation
der Kärntner Sicherheitsdirektion nennt die
Orte, an denen Kärntner erschossen wurden. Sie
stützt sich auf Flüchtlingsaussagen, auf
indirekte Aussagen von Partisanen, die dabei
beteiligt waren und auf die Vernehmung von
Ortsbewohnern im Mießtal. Alle diese Aussagen verdichten sich zur
Gewißheit, daß ein Teil der
Verschleppten nach vorherigen schwersten
Mißhandlungen im Lischagraben erschossen
wurden. In der Regel mußten sich Männer
wie Frauen entkleiden und ihr Loch schaufeln, bevor
sie den Genickschuß erhielten. Andere Gruppen
wurden zu verlassenen Bergwerksstollen im
Lischagraben gebracht, dort ihrer Kleider beraubt,
mißhandelt und erschossen. Die Leichen wurden
in die Stollen geworfen und diese gesprengt. Ein
Flüchtling aus Prävali war Augenzeuge
einer Exekution: "Die Frauen und Männer
mußten ihr Grab schaufeln, ihre Kleider
ablegen, dann wurden sie geschlagen und
schließlich erschossen. Die Löcher waren
nicht tief genug. Die Partisanen warfen etwas Erde
darüber. Die Gliedmaßen der Opfer ragten
aus der Erde". In der Dokumentation der Sicherheitsdirektion
wurden auch Aussagen vermerkt, die darauf
hinweisen, daß nicht alle Verschleppten in
den Stollen umgebracht wurden. Ein Teil soll auf
einer Wiese im Mießtal, bei Gutenstein,
erschossen worden sein. Ein Augenzeuge sah 12 oder
14 Tote auf einer Wiese unterhalb von Lischa. Unter
den Toten erkannte er eine Frau Anna
Pleschiutschnig. Auch sie war entkleidet worden und
wies Spuren schwerster Mißhandlungen auf.
"Auf ihrer Brust waren die Spuren eines
Gebirgsschuhs zu sehen!". Frauenmörder unterwegs Typisch für diese Fälle ist das Drama
der Familie Wollautschnig in Eisenkappel. Am Tag
nach der Kapitulation kamen Partisanen, um den
Zimmermann Siegfried Wollautschnig zu verhaften.
Weil dieser aber in Friesach auf Arbeit war, nahmen
sie einfach die Gattin mit. Die Tochter Helena warf
sich dazwischen, hing sich an ihre Mutter. Da
machten die Barbaren kurzen Prozeß und
verschleppten beide. Als Siegfried Wollautschnig am
Abend mit dem Zug nach Eisenkappel zurückkam
und die Schreckensnachricht der Verhaftung von Frau
und Tochter erhielt, eilte er ohne sich zu besinnen
in das Schloß Hagenegg, in dem die Gefangenen
damals untergebracht waren. Als er dort nach seinen
Angehörigen fragte, nahmen ihn die Partisanen
sofort fest. Aber sie dachten gar nicht daran, Frau
und Tochter freizulassen. Alle drei wurden nie
wieder gesehen. Als der zu den Gebirgsjägern
eingerückte Sohn Siegfried nach Eisenkappel
zurückkam, fand er ein leeres Haus. Es war
alles geraubt worden, was nicht niet- und nagelfest
war. Der alte Wollautschnig war kein
Parteimitglied. Er war Sozialdemokrat. Er war
Abwehrkämpfer und die ganze Familie war
heimattreu. Das genügte offenbar für das
Todesurteil. Unfaßbar war die Verschleppung
der behäbigen, sangesfreudigen Wirtin Anna
Niederdorfer. Die Partisanen schleppten sie in den
Tod und mit ihr auch ihre Tochter Friedl Kabas, die
am 7. Mai noch von Klagenfurt nach Eisenkappel
geeilt war, um in den zu erwartenden Wirren des
Zusammenbruchs an der Seite ihrer Mutter zu sein.
Auch Friedl Kabas kam nie wieder. Das tödliche Drama im Reichmannwald Ihm verdankt die Nachwelt eine dramatische
Eintragung im Pfarrbuch, das über die
Beerdigungen im Juni 1946 Auskunft gibt. Da steht
in gestochener, gotischer Schrift: "Beerdigt 16
Personen, 13 männlichen und 3 weiblichen
Geschlechts, vermutlich jugoslawische
Staatsbürger, hingerichtet von Partisanen im
Reichmannwald am 13. Mai 1945". Eine inhaltsschwere
Notiz. Sie erfolgte im Juni 1946 nach der
Exhumierung der 16 Unbekannten, die über
Veranlassung des Pfarrers im Reichmannwald in der
unmittelbaren Nähe der Ortschaft Otrouza
durchgeführt worden war. Der Pfarrprovisor
Memmer hatte die Exhumierung durchführen
lassen, nachdem die Gerüchte nicht verstummen
wollten, daß in diesem Wäldchen in den
Tagen nach dem 10. Mai etwas Furchtbares geschehen
sein muß. Heute gibt es in Otrouza viele neue Häuser,
damals standen nur zwei Objekte an der Straße
am Waldesrand. Und in diesen Häusern
hörten die Menschen in der Nacht des 13. Mai
1945 etwas Unheimliches, das sie mit Schrecken
erfüllte. Ein Lastauto hielt an der
Straße, und dann hörte man
unterdrückte Stimmen in Befehlston und Wimmern
und Weinen und herzzerreißendes Flehen
weiblicher Stimmen in slowenischer Sprache. Was im
Wald geschehen war, wußte niemand. Aber die
ganze Zeit über, so hieß es, sei der
Motor des Wagens gelaufen, bis die Partisanen
wieder wegfuhren. Im Wald fand man später
einen Telefondraht an einem Baum hängen, und
am Waldboden war zu sehen, daß da etwas
vergraben worden sein mußte. Es gab da einen
slowenischen Mitbürger, der jedem, der es
hören wollte, beruhigend sagte, daß hier
nur verendetes Vieh verscharrt worden sei. Aber wie paßte das Weinen in Todesangst in
dieses Bild? Der Pfarrprovisor Memmer machte der
Ungewißheit mit der Exhumierung im Juni 1946
ein Ende. Unter der dünnen Humusdecke des
Waldbodens öffnete sich ein Massengrab. Die
Hände aller Leichen waren mit Telefondraht auf
den Rücken gefesselt. Eine der ermordeten
Frauen muß ein ganz junges Mädchen
gewesen sein. Bei den Leichen fand sich kein
Hinweis auf ihre Identität, kein Gegenstand,
kein Dokument. Zeugen, die bei der Exhumierung
anwesend waren, erinnern sich, daß einige der
Männer Uniform getragen haben. Wie das
Massaker vor sich gegangen ist, blieb unklar. Der
Telefondraht auf dem Baum wies auf Erhängen
hin. Schüsse waren in jener Nacht nicht
gehört worden. Die Partisanen hatten offenbar
Grund, ihr grausiges Werk rasch und lautlos zu
vollziehen. Allzu oft hatten ihnen die Briten in
diesen Tagen in letzter Minute ihre Opfer wieder
abgejagt. Der Verschleppten-Transport war nur durch
Täuschung der Briten möglich Die Fahrt ging dann noch vor Tagesanbruch
über Viktring nach Rosegg. Dem Transport fuhr
ein blauer PKW voraus, dessen Insassen die
Verhandlungen mit den Briten an der Draubrücke
und dann auch später am Beginn der
Straße zum Wurzenpaß führten. Den
Briten wurde vorgelogen, es handle sich um einen
Transport von Jugoslawen, die von den Deutschen
verschleppt worden seien und jetzt wieder in die
Heimat zurückgebracht würden. Den
Gefangenen selbst hatten die Partisanen vorher
gedroht: "Wer den Mund aufmacht, wird erschossen!"
Eingeschüchtert schwiegen sie und fuhren in
den Tod. Einer, dem später Flucht und Heimkehr
gelang, erzählte: "An der Draubrücke bei Rosegg wurde die
Autokolonne an dem Schlagbaum durch dort
stationierte englische Soldaten angehalten. In den
verzagten Herzen der Gefangenen glimmte ein
Hoffnungsschimmer auf. Die Engländer
würden nicht dulden, daß unschuldige
Menschen wie Verbrecher in der Nacht aus ihrer
Heimat verschleppt würden. Sie hörten,
wie der englische Posten die von den Wagen
abspringende Begleitmannschaft der Partisanen um
die Bewandtnis und Identität der auf den Autos
verladenen Menschen fragte. Nachdem er die Auskunft
erhielt, es handle sich hierbei
ausschließlich um Slowenen, die seinerzeit
von den nationalsozialistischen Machthabern
zwangsweise nach Kärnten gebracht und die nun
wieder in ihre Heimat zurückbefördert
würden, öffnete die Wache anstandslos den
Schlagbaum. Die Verschleppten wollten aufschreien,
doch die im Mondlicht auf sie gerichteten
Maschinenpistolen brachten sie rasch zum Schweigen.
Es gab kein Entrinnen, kein Erbarmen und keine
Hilfe mehr für sie. In ununterbrochener Fahrt
wurden sie über die Grenze und in das
Gefängnis von Begunje gebracht". Bericht eines nicht genannt sein wollenden
Zeitzeugen Nach einigen Tagen wurden sie in Gruppen, wieder
zu zweit mit Draht aneinander gefesselt, auf
Lastwagen verfrachtet und dem Militärtribunal
in Laibach vorgeführt. Es wurden immer zehn
und zehn Mann vor den Richter gebracht, der mit ein
paar Beisitzern hinter einem rohen Tisch saß.
Der Richter war kein Jurist, sondern von Beruf
Schlosser. Es wurden nur kurz von jedem die
Personalien verlangt, dann verurteilte sie der
"Richter" wie es ihm gerade in den Sinn kam, zu
fünf bzw. zehn oder 15 Jahren Straflager. Im Anschluß daran (eine Frage oder
Verteidigung war nicht erlaubt), wurden die
Gefangenen wieder auf die LKW's verladen und in das
berüchtigte Straflager Sternthal gebracht.
Dort befanden sich schon Hunderte Gefangene, die
alle an Flecktyphus litten, sodaß kein
Zivilist das Lager betreten wollte. In diesem
Vernichtungslager starben die Menschen wie die
Fliegen, hauptsächlich Frauen und Kinder waren
gegen die Krankheit wehrlos, da es weder
Medikamente noch eine ärztliche Betreuung gab.
Erst wenn die Läuse die Leiber
verließen, wußten wir, daß sie
tot waren, schilderte der Heimgekehrte. Er selbst
konnte sich vor der Krankheit nur dadurch
schützen, indem er sich drei Monate nicht
gewaschen hat, sodaß die Schmutzschicht auf
seiner Haut die Krankheit übertragenden
Läuse fernhielt. Drei Monate verbrachte er Tag
und Nacht nur mit einem Stück Plane bedeckt
auf einer schmalen Bank. Zum Essen gab es
später täglich einmal Maismehl in Wasser
und Dörrobst. Durch Unterernährung
geschwächt, hielt der Tod reiche Ernte. Am 23. September 1945 wurde der Mann, nachdem
ihm nichts nachgewiesen werden konnte, entlassen.
Er nannte als Heimatort Klagenfurt. Der die
Entlassungspapiere bearbeitende Partisan
klärte ihn auf, daß er nach Klagenfurt
nicht entlassen werden könne, da Klagenfurt
dem jugoslawischen Staatsgebilde eingegliedert
worden sei. So wurde er nach Wien entlassen. Zwei
offene Eisenbahnwaggons brachten die Freigegebenen
nach Rosenbach. Da sie nur stehen konnten und eine
alte Dampflok vorgespannt war, die den
Rosenbachtunnel im Schritt langsam durchfuhr,
erreichten sie alle rußgeschwärzt
Rosenbach, wo sie schon von der britischen FSS in
Empfang genommen wurden. Dem Mann gelang die
Flucht, er hielt sich dann zwei Monate auf einem
Dachboden versteckt. Noch heute, 40 Jahre danach,
hütet er in seiner Brusttasche den
Entlassungsschein, und des nachts schreckt er oft,
gequält durch Angstträume, in
Schweiß gebadet auf und findet keinen Schlaf
mehr. Rückzug der Partisanen aus
Kärnten 3. Die
Partisanen in der Steiermark; der Mord am
"Grenzlandvater" und die Massengräber im
Karwald Die Gebietsansprüche der Titokommunisten
erstreckten sich außer auf
Südkärnten auch auf die
Südweststeiermark bis Deutschlandsberg und
Leibnitz. Dementsprechend drangen auch die
Partisanen im letzten Kriegsjahr in diese Gebiete
vor, brandschatzten, plünderten und mordeten.
Am Ende des Krieges und in der ersten Zeit danach
waren besonders die grenznahen Orte Eibiswald und
Soboth davon betroffen. Ein bezeichnendes Beispiel
für die Morde an Unschuldigen ist der Fall des
Volksschuldirektors Fritz Fuchs zu Eibiswald. Fuchs
war mehr als ein ausgezeichneter Lehrer, er war den
Bauern Freund und Berater. Für seine volksnahe
kulturelle und volkswirtschaftliche Tätigkeit
hat ihm die Bevölkerung zu seinen Leibzeiten
den Ehrennamen "Grenzlandvater" verliehen. Dieser
Mann, dessen einzige "Schuld" war, Parteimitglied
gewesen zu sein, einer der eben mitgelaufen war,
verschwand im Juni 1945 spurlos. Am 16 Juni, als "Kriegsverbrecher" angezeigt
(der Denunziant soll einer "aus den eigenen Reihen"
gewesen sein), wurde er mit siebzehn anderen
Eibiswaldern verhaftet und zum Verhör nach
Amfels gebracht. Fuchs war sich keiner Schuld
bewußt und versuchte auch seine
Mithäftlinge, darunter ein Mädchen, immer
wieder zu trösten. Die slowenischen
Partisanen, die ihn in Amfels verhörten,
sagten: "Was sollen wir mit diesen Leuten anfangen,
die haben nichts getan, nehmt sie wieder mit!" Der
Transport sollte nach Eibiswald zurück. Er kam
nie an. Die Spur verlor sich irgendwo im Leibnitzer
Gebiet. Spätere Nachforschungen, in
Jugoslawien angestellt, ergaben einwandfrei,
daß der Transport auch dort nicht angekommen
ist. Die Leute sagen: "Der Grenzlandvater ist im
Karwald ermordet und in den Massengräbern
verscharrt worden". In diesem Gebiet hatte man
später drei Massengräber gefunden; als
man eines geöffnet hatte, bot sich ein Bild
namenlosen Grauens: Den Toten waren die Hände
am Rücken mit Draht gefesselt, manche hatten
einen eingeschlagenen Schädel, zerbrochene
Knochen. Man warf wieder Erde aufs Grab. Die
anderen Gräber wurden erst gar nicht
geöffnet "Da drinnen liegt irgendwo der
Grenzlandvater!" meint die Bevölkerung heute
noch. 1975 hat man ihn in Eibiswald ein Denkmal
gesetzt. |