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VI. IN KÄRNTEN UND IN DER STEIERMARK

1. Der Griff über die Grenzen

Während es in Jugoslawien um die Ausrottung der Volksdeutschen und die Vernichtung der antikommunistischen Kräfte ging, war der Partisanenkampf und in Verbindung damit die Verschleppung und Ermordung heimattreuer deutscher Menschen in Kärnten und Steiermark - den südlichen Grenzländern heute Österreichs, damals des Großdeutschen Reiches - einzig auf das Ziel gerichtet, ganz Südkärnten und Grenzgebiete der Steiermark im Rahmen eines Groß-Slowenien an das kommunistische Jugoslawien anzuschließen. Beweise für diese Feststellung gibt es mehr als genug: Die Besetzung dieser Gebiete bei und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, die dabei erlassenen Proklamationen, die noch Jahre danach ausgesprochene Propaganda. Aus der Fülle der Belege hierfür ein paar Beispiele in Bezug auf Kärnten:

Die in Kärntens Hauptstadt Klagenfurtam 12. Mai 1945 plakatierte "Bekanntmachung":
Bekanntmachung
Die Jugoslawische Armee ist in Kärnten eingerückt, um das Land ein für alle mal von den Nazi- Verbrechern zu säubern und um der gesamten slowenischen und österreichischen Bevölkerung die wahre Volksdemokratie, Freiheit und Wohlstand im neuen siegreichen und starken Groß-Jugoslawien zu gewährleisten.
Der volle Sieg und die Befreiung sind das Resultat eines jahrelangen Kampfes in Kärnten, den jugoslawische Partisanen-Einheiten, einzig und allein auf die eigenen Kräfte gestützt, für die gemeinsame Sache der Alliierten, für den Sieg über Hitlerdeutschland führten und das Ergebnis der alliierten Hilfe, die das Tito-Jugoslawien vor allem von seiten der Sowjet-Union, Englands und Amerikas erhalten hat.
Wir geben bekannt, daß im ganzen Gebiet des befreiten Kärntens die Militärgewalt der Jugoslawischen Armee, die durch das Kommando der Kärntner Militärzone vertreten ist, errichtet wurde. Diesem Kommando sind die Kommandostellen der Städte sowie die Befehlsstellen der Partisanenwachen untergeordnet.
Die Bevölkerung sowie alle Organe unserer Behörden haben unserer Wehrmacht jegliche Hilfe zu leisten und alle ergangenen Erlässe bedingungslos zu befolgen.
Tod dem Faschismus - Freiheit dem Volke!
Kommando der Kärntner Militärzone:
Kommandant Major KEMEC EGON - BORUT e.h.
Celovec, am 12. Mai 1945
(Faksimile aus "Titostern über Kärnten")

Auszüge aus der Zeitung "Slovenski vestnik":
Nr. 5 vom 31.1.1947:
Wir haben das ungerechte Plebiszit (gemeint ist die Volksabstimmung 1920, nach der Kärnten ungeteilt bei Österreich verbleibt - Anmerkung des Herausgebers) niemals anerkannt. Unsere Partisanen haben Slowenisch-Kärnten befreit.

Nr. 19 vom 28.3.1947:
Es gibt keine andere Lösung als den Anschluß Slowenisch-Kärntens an die FVR Jugoslawien.

Der Chef der jugoslawischen Delegation, Edvard Kardelj, sagte in seiner Rede vor dem Rat der Außenminister in Moskau: "Der Anschluß Slowenisch-Kärntens an Jugoslawien wäre im Interesse des Friedens und der gutnachbarlichen Beziehungen zwischen Jugoslawien und Österreich."

In dem von Dr. Franc im Jahre 1951 in Klagenfurt herausgegebenen Buch "Koroska v borbi" (Kärnten im Kampf) wird immer wieder von einem "Slowenisch-Kärnten" und von dessen "Befreiung" durch die Partisanen gesprochen.

So zum Beispiel: Demonstration der Titopartisanen und Kärntner Slowenen in Klagenfurt am 16. Mai 1945:
"Bei der Befreiung im Mai 1945 zählte die Partisanen-Armee 3.500 Kämpfer, die im Verband der IV. Jugoslawischen Armee Kärnten befreite. In Klagenfurt marschierten die Kärntner Partisaneneinheiten zugleich mit den Einheiten des englischen Heeres ein."
"...die künstliche Grenze, welche die slowenischen Partisanen niederrissen, um die ganze slowenische Erde im Aufstand zu vereinen."
(Gemeint ist die nach dem Ersten Weltkrieg aufgrund des Friedensvertrages und der Volksabstimmung festgelegte Kärntner Südgrenze). Offiziell wurden die jugoslawischen Gebietsforderungen erst eingestellt, nachdem der Außenministerrat der vier Siegermächte in seiner Konferenz vom 3.5. bis 20.6.1949 in Paris beschlossen hatte, daß die Grenzen Österreichs vom 1. Januar 1938 beibehalten werden.

2. Über 200 Kärntner wurden nach Jugoslawien verschleppt

In großen Zügen ist die Verschleppung von über 200 Kärntnern nach der Kapitulation 1945 der Öffentlichkeit bekannt. Nutzlose öffentliche Appelle an Jugoslawien erfolgten aufgrund von Erhebungen der österreichischen Exekutive. Das jugoslawische Außenministerium beantwortete alle 1948 einsetzenden Fragen nach dem Schicksal der Verschleppten mit der sturen Erklärung: "Die genannten Personen befanden sich nie in jugoslawischem Gewahrsam".

Die Verschleppungsaktion war der Schlußakt eines Ausrottungsplanes, mit dessen Durchführung schon im Jahre 1943 begonnen worden war. Die Liquidierungen in Südkärnten, die "tödlichen Hausbesuche", waren die erste Phase dieser Aktion. Ihr Ziel war die "Säuberung" von tatsächlichen oder vermeintlichen "partisanenfeindlichen Elementen". Diese war Aufgabe einer Sondereinheit, bei dem es eine eigene Liquidierungskompanie gab. Die wichtigsten Unterlagen für deren Tätigkeit waren die "Schwarzen Listen", die schon zu Beginn des Partisanenkrieges in Kärnten mit Hilfe einheimischer slowenischer Mitkämpfer und Sympathisanten aufgestellt und nach dem 8. Mai 1945 ergänzt worden waren.

Wie im Kapitel über die Untersteirer und Gottscheer soll auch hier nicht auf die Liquidierungen und Verschleppungen im Rahmen des Partisanenkampfes während des Krieges näher eingegangen werden. Im Sinne des Grundthemas dieses Buches sollen nur die Geschehnisse am und nach dem Ende des Krieges dargelegt werden. Eine umfangreiche Darstellung der Südkärntner Tragödie ab 1942 ist in dem Buch von Ingomar Pust "Titostern über Kärnten" enthalten. Genau wie bei den "tödlichen Hausbesuchen" zeigen die Fälle von Verschleppungen im Gebiet von Eisenkappel-Eberndorf-Bleiburg die größte Dichte. Es wurden hier über 200 Personen verhaftet. 74 kehrten nicht mehr zurück. Ein weiterer Schwerpunkt der Verhaftungswelle war das Stadtgebiet von Klagenfurt. Hier wurden vom 8. bis 20. Mai 1945 mindestens 80 Personen festgenommen. Die Verhafteten wurden in die Keller der Jesuitenkaserne gebracht und dann heimlich auf jugoslawisches Gebiet verfrachtet. 22 Personen kehrten nicht mehr zurück.

Im Bezirk Villach wurde in Finkenstein am 11. Mai der Gendarmeriebeamte Nikolaus Kazianka von einer vier Mann starken Partisanenpatrouille verschleppt. Er soll in Vigaun zu Tode geschlagen worden sein. Am 13. Mai 1945 holten Partisanen in Maria Gail den Zollwachebeamten Josef Nageler. Er wurde nie wieder gesehen. Ebenfalls am 13. Mai gegen 22 Uhr wurde der Besitzersohn Albert Lammer aus Rabenstein vom Hofe geholt und in Richtung Unterdrauburg abtransportiert. Er war erst wenige Tage vorher von seiner Gebirgsjägereinheit entlassen worden. Von ihm fand man später nicht die geringste Spur.

"Säuberung in Klagenfurt"
Die Aktion in Klagenfurt ging offensichtlich von der OZNA-Dienststelle aus, die zuerst in der Burg, später in der Villa "Akazienhof" ihren Sitz hatte. Den Akazienhof bewohnte der Klagenfurter Bürgermeister Dr. Friedrich Franz, der mit seiner Frau und seinem Sohn ein erstes Opfer der Partisanen wurde. Der eben heimgekehrte Sohn Ernst Otto, ein Gebirgsjäger, wollte seine Eltern nicht allein lassen und ging freiwillig mit. Alle drei wurden in Vigaun umgebracht. Der zweite Sohn von Dr. Franz entging dem Schicksal der Familie dadurch, daß er zu diesem Zeitpunkt in sowjetischer Kriegsgefangenschaft war.

Der akademische Maler Eduard Manhart wurde schon bei der Verhaftung so schwer mißhandelt, daß er in bewußtlosem Zustand in die Jesuitenkaserne gebracht wurde, wo die Keller-Bunker zu einem düsteren Gefängnis geworden waren. Noch Tage später, als die Gefangenen abtransportiert wurden, war Manhart unfähig aufzustehen. Er wurde zu einem Lastwagen getragen und dort wie ein Sack auf den Boden geworfen. Niemand kennt das Motiv seiner Verhaftung.

Opfer eines bekannten Denunzianten war die Familie Gassner in Klagenfurt. Zuerst wurde der Bäckermeister Anton Gassner (61) in der Domgasse verhaftet. Seine Frau Adele holten sie aus der Wohnung in der Villacherstraße, den Sohn Anton verhafteten sie in Krumpendorf. Als Adelheid, die Zwillingsschwester Antons, die nicht Zuhause war, von der Festnahme ihrer Eltern erfuhr, erbat sie Hilfe bei den Briten. Mit einem englischen Soldaten ging sie in die Jesuitenkaserne. Der Brite blieb am Tor zurück. Die Jugoslawen versprachen, das Mädel zu ihren Eltern zu führen. Das "Versprechen" hielten sie, Adelheid Gassner kam zu ihren Eltern. Aber sie kam nie mehr zurück. Wie die Eltern: Ermordet in Vigaun (slowenisch Begunje).

Das einstige Gefängnis von Vigaun, in dem die Verschleppten aus Klagenfurt und dem Raum Villach erschossen und erschlagen wurden, ist heute ein Museum. Darin wird allerdings nur an die Erschießung von Partisanen und Geiseln durch die Deutschen erinnert. Die schauerliche Rolle des Gefängnisses nach dem 8. Mai 1945 wird verschwiegen. Die Zahl derer, die hier ermordet wurden, weiß niemand. Täglich wurden die Zellen der erschossenen Insassen geräumt, um anderen Opfern Platz zu machen.

Mit gutem Gewissen in den Tod
Alle die verschleppt wurden, waren Opfer ihres guten Gewissens. Wer immer die Partisanen zu fürchten hatte, hätte Zeit gehabt, sich abzusetzen. Franz Fink, den Schulleiter und Gemeindesekretär von Hörtendorf nahm ein Partisane fest und entfernte sich dann wieder mit dem Auftrag, Fink möge auf ihn warten. Und Fink wartete wirklich. Aus freien Stücken. Bis die Henker kamen und ihn dann nach Klagenfurt brachten. Die Angehörigen haben nie wieder von ihm gehört. Auch der Ferlacher Amtsrat Andreas Melcher verließ seine Frau mit den Worten: "Ich habe nicht das geringste zu befürchten". Er ging und kam nie wieder. Eine Denunziation kostete dem Beamten Johann Scheib das Leben. Um 23 Uhr zertrümmerten die Henker mit Bajonetten und Kolben die Wohnungstür. Scheib wurde aus dem Bett geholt und im Pyjama fortgeführt. Er sagte zu seiner Frau noch: "Es kann nur ein Mißverständnis sein, ich komme bald wieder". Das war das letzte Wort, das sie von ihm hörte.

Auf Schloß Hirschenau fielen die Würfel über Leben und Tod
Zwischen Griffen und Völkermarkt liegt südlich der Straße das alte Schloß Hirschenau. Es muß einmal ein sehr schmuckes Gebäude gewesen sein, jetzt ist es dem hoffnungslosen Verfall preisgegeben. Beim Zusammenbruch stand es leer. In der Nacht zum 15. Mai 1945 sollte dieses Schloß zu einer Schicksalsstätte für 125 verschleppte Kärntner aus dem Raum Eberndorf-Bleiburg-Eisenkappel werden. Um 2.00 Uhr früh wurden die Gefangenen durch ein Spalier schwer bewaffneter Titoleute in das Schloß getrieben und in den Räumen des Hochparterrs untergebracht. Vor jeder Türe stand ein Posten, ein Posten in jedem Raum. Wachen standen auch vor den Fenstern.

Im Laufe des 15. und 16. Mai wurden die Gefangenen vernommen. Sie wurden nach ihren Personalien, nach ihrer Einstellung zu den Slowenen befragt und dann sollten sie den Grund ihrer Verhaftung angeben. Die Einvernommenen, die überlebten, sagten später aus, die Partisanen, die die Verhöre durchführten, seien ständig betrunken gewesen. Später stellte sich heraus, daß diese Verhöre über Tod und Leben entschieden hatten. Sie hatten den Zweck, die 125 südkärntner Männer und Frauen in zwei Gruppen zu teilen: Eine, die interniert und eine, die sofort liquidiert werden sollte.

Die letztere Gruppe umfaßte meist Personen älterer Jahrgänge, die sich in der Zeit der Volksabstimmung auf österreichischer Seite verdient gemacht hatten. In der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1945 wurde wieder ein überstürzter Aufbruch befohlen. Wie sich später herausstellte, hatte der Besitzer des Kabonhofes, Fritz Klois, die Briten davon verständigt, was auf Hirschenau vorging. Die jugoslawischen Verbindungsoffiziere beim britischen Stab in Völkermarkt erfuhren davon und warnten ihre Genossen in Hirschenau, die dann jählings mit allen Gefangenen Richtung Prävali aufbrachen, ehe es mit den Briten Unannehmlichkeiten geben konnte.

Die Lastwagenkolonne wurde auf der Fahrt nach Prävali zwar von Briten an der Draubrücke bei Völkermarkt und an der österreichischen Grenze bei Grablach aufgehalten. Aber die Jugoslawen erklärten, die Insassen der Lastwagen seien Angehörige der Partisanenarmee. Die LKW's waren mit Planen überdeckt. Den Gefangenen war auch hier vorher gesagt worden: "Wer redet, wird sofort erschossen!" Auf Schloß Hirschenau waren die Weichen gestellt worden. Für einen Teil begann in jugoslawischen Hungerlagern eine leidvolle Gefangenschaft. 64 Menschen wurden in Lischa erschossen. Die Kärntner Sicherheitsdirektion erhielt später Beweise dafür, daß die Männer und Frauen, Veteranen des Abwehr- und Abstimmungskampfes, vor ihrer Ermordung auf grauenhafte Weise gemartert worden waren.

Die Morde im Lischagraben
Was geschah mit den Verschleppten? Eine der zurückgekehrten Frauen, K. Lakonig aus Bleiburg, sagte nach ihrer Rückkehr Ende September 1945 aus, daß ein Teil der Verschleppten in den Lischagraben gefahren wurde. Sie wurden in einen Stollen gebracht und dort zuerst geschlagen. Es hieß im Lager, man habe die Schmerzensschreie der Mißhandelten aus dem Stollen gehört. Am Ende wurden dann alle Delinquenten erschossen.

Die verschleppten Kärntner, die in das Lager Sterntal gebracht worden waren, wurden dort Zeugen von Massenhinrichtungen. Im Mai 1945 gehörte das Töten in ganz Jugoslawien zum Alltag. In diese Mordmaschine gerieten die Transporte mit den Verschleppten. Die Dokumentation der Kärntner Sicherheitsdirektion nennt die Orte, an denen Kärntner erschossen wurden. Sie stützt sich auf Flüchtlingsaussagen, auf indirekte Aussagen von Partisanen, die dabei beteiligt waren und auf die Vernehmung von Ortsbewohnern im Mießtal.

Alle diese Aussagen verdichten sich zur Gewißheit, daß ein Teil der Verschleppten nach vorherigen schwersten Mißhandlungen im Lischagraben erschossen wurden. In der Regel mußten sich Männer wie Frauen entkleiden und ihr Loch schaufeln, bevor sie den Genickschuß erhielten. Andere Gruppen wurden zu verlassenen Bergwerksstollen im Lischagraben gebracht, dort ihrer Kleider beraubt, mißhandelt und erschossen. Die Leichen wurden in die Stollen geworfen und diese gesprengt. Ein Flüchtling aus Prävali war Augenzeuge einer Exekution: "Die Frauen und Männer mußten ihr Grab schaufeln, ihre Kleider ablegen, dann wurden sie geschlagen und schließlich erschossen. Die Löcher waren nicht tief genug. Die Partisanen warfen etwas Erde darüber. Die Gliedmaßen der Opfer ragten aus der Erde".

In der Dokumentation der Sicherheitsdirektion wurden auch Aussagen vermerkt, die darauf hinweisen, daß nicht alle Verschleppten in den Stollen umgebracht wurden. Ein Teil soll auf einer Wiese im Mießtal, bei Gutenstein, erschossen worden sein. Ein Augenzeuge sah 12 oder 14 Tote auf einer Wiese unterhalb von Lischa. Unter den Toten erkannte er eine Frau Anna Pleschiutschnig. Auch sie war entkleidet worden und wies Spuren schwerster Mißhandlungen auf. "Auf ihrer Brust waren die Spuren eines Gebirgsschuhs zu sehen!".

Frauenmörder unterwegs
Tragisch war das Schicksal der Frauen. Ihr Anteil an der Todesfracht, die nach Jugoslawien ging, war erschreckend hoch. 37 von 100 Todgeweihten waren Frauen, 12 von ihnen waren zwischen 20 und 50. Die meisten waren Hausfrauen. Töchter wurden einfach zusammen mit den Müttern mitgenommen. In 12 Fällen wurden die Frauen deshalb verschleppt, weil ihre Männer auf der "Schwarzen Liste" standen.

Typisch für diese Fälle ist das Drama der Familie Wollautschnig in Eisenkappel. Am Tag nach der Kapitulation kamen Partisanen, um den Zimmermann Siegfried Wollautschnig zu verhaften. Weil dieser aber in Friesach auf Arbeit war, nahmen sie einfach die Gattin mit. Die Tochter Helena warf sich dazwischen, hing sich an ihre Mutter. Da machten die Barbaren kurzen Prozeß und verschleppten beide. Als Siegfried Wollautschnig am Abend mit dem Zug nach Eisenkappel zurückkam und die Schreckensnachricht der Verhaftung von Frau und Tochter erhielt, eilte er ohne sich zu besinnen in das Schloß Hagenegg, in dem die Gefangenen damals untergebracht waren. Als er dort nach seinen Angehörigen fragte, nahmen ihn die Partisanen sofort fest. Aber sie dachten gar nicht daran, Frau und Tochter freizulassen. Alle drei wurden nie wieder gesehen.

Als der zu den Gebirgsjägern eingerückte Sohn Siegfried nach Eisenkappel zurückkam, fand er ein leeres Haus. Es war alles geraubt worden, was nicht niet- und nagelfest war. Der alte Wollautschnig war kein Parteimitglied. Er war Sozialdemokrat. Er war Abwehrkämpfer und die ganze Familie war heimattreu. Das genügte offenbar für das Todesurteil. Unfaßbar war die Verschleppung der behäbigen, sangesfreudigen Wirtin Anna Niederdorfer. Die Partisanen schleppten sie in den Tod und mit ihr auch ihre Tochter Friedl Kabas, die am 7. Mai noch von Klagenfurt nach Eisenkappel geeilt war, um in den zu erwartenden Wirren des Zusammenbruchs an der Seite ihrer Mutter zu sein. Auch Friedl Kabas kam nie wieder.

Das tödliche Drama im Reichmannwald
Am 13. Mai 1945 richteten die Partisanen nahe von Glainach bei Ferlach ein Massaker an, das bis heute weithin unbekannt geblieben ist. Vielleicht wären die Gerüchte darüber unbestätigt geblieben, wenn es nicht dem mutigen Pfarrer Arnulf Memmer gegeben hätte.

Ihm verdankt die Nachwelt eine dramatische Eintragung im Pfarrbuch, das über die Beerdigungen im Juni 1946 Auskunft gibt. Da steht in gestochener, gotischer Schrift: "Beerdigt 16 Personen, 13 männlichen und 3 weiblichen Geschlechts, vermutlich jugoslawische Staatsbürger, hingerichtet von Partisanen im Reichmannwald am 13. Mai 1945". Eine inhaltsschwere Notiz. Sie erfolgte im Juni 1946 nach der Exhumierung der 16 Unbekannten, die über Veranlassung des Pfarrers im Reichmannwald in der unmittelbaren Nähe der Ortschaft Otrouza durchgeführt worden war. Der Pfarrprovisor Memmer hatte die Exhumierung durchführen lassen, nachdem die Gerüchte nicht verstummen wollten, daß in diesem Wäldchen in den Tagen nach dem 10. Mai etwas Furchtbares geschehen sein muß.

Heute gibt es in Otrouza viele neue Häuser, damals standen nur zwei Objekte an der Straße am Waldesrand. Und in diesen Häusern hörten die Menschen in der Nacht des 13. Mai 1945 etwas Unheimliches, das sie mit Schrecken erfüllte. Ein Lastauto hielt an der Straße, und dann hörte man unterdrückte Stimmen in Befehlston und Wimmern und Weinen und herzzerreißendes Flehen weiblicher Stimmen in slowenischer Sprache. Was im Wald geschehen war, wußte niemand. Aber die ganze Zeit über, so hieß es, sei der Motor des Wagens gelaufen, bis die Partisanen wieder wegfuhren. Im Wald fand man später einen Telefondraht an einem Baum hängen, und am Waldboden war zu sehen, daß da etwas vergraben worden sein mußte. Es gab da einen slowenischen Mitbürger, der jedem, der es hören wollte, beruhigend sagte, daß hier nur verendetes Vieh verscharrt worden sei.

Aber wie paßte das Weinen in Todesangst in dieses Bild? Der Pfarrprovisor Memmer machte der Ungewißheit mit der Exhumierung im Juni 1946 ein Ende. Unter der dünnen Humusdecke des Waldbodens öffnete sich ein Massengrab. Die Hände aller Leichen waren mit Telefondraht auf den Rücken gefesselt. Eine der ermordeten Frauen muß ein ganz junges Mädchen gewesen sein. Bei den Leichen fand sich kein Hinweis auf ihre Identität, kein Gegenstand, kein Dokument. Zeugen, die bei der Exhumierung anwesend waren, erinnern sich, daß einige der Männer Uniform getragen haben. Wie das Massaker vor sich gegangen ist, blieb unklar. Der Telefondraht auf dem Baum wies auf Erhängen hin. Schüsse waren in jener Nacht nicht gehört worden. Die Partisanen hatten offenbar Grund, ihr grausiges Werk rasch und lautlos zu vollziehen. Allzu oft hatten ihnen die Briten in diesen Tagen in letzter Minute ihre Opfer wieder abgejagt.

Der Verschleppten-Transport war nur durch Täuschung der Briten möglich
Genaue Berichte liegen über den heimlichen Abtransport der Gefangenen aus Klagenfurt vor. Er mußte vor den Briten geheimgehalten werden. Im Morgengrauen des 20. Mai 1945, es war der Pfingstsonntag, wurden die Gefangenen aus Klagenfurt, aber auch viele gefangene Jugoslawen auf eine LKW-Kolonne verladen. Auf jedem Wagen nahm auch eine Abteilung Partisanen Platz.

Die Fahrt ging dann noch vor Tagesanbruch über Viktring nach Rosegg. Dem Transport fuhr ein blauer PKW voraus, dessen Insassen die Verhandlungen mit den Briten an der Draubrücke und dann auch später am Beginn der Straße zum Wurzenpaß führten. Den Briten wurde vorgelogen, es handle sich um einen Transport von Jugoslawen, die von den Deutschen verschleppt worden seien und jetzt wieder in die Heimat zurückgebracht würden. Den Gefangenen selbst hatten die Partisanen vorher gedroht: "Wer den Mund aufmacht, wird erschossen!" Eingeschüchtert schwiegen sie und fuhren in den Tod. Einer, dem später Flucht und Heimkehr gelang, erzählte:

"An der Draubrücke bei Rosegg wurde die Autokolonne an dem Schlagbaum durch dort stationierte englische Soldaten angehalten. In den verzagten Herzen der Gefangenen glimmte ein Hoffnungsschimmer auf. Die Engländer würden nicht dulden, daß unschuldige Menschen wie Verbrecher in der Nacht aus ihrer Heimat verschleppt würden. Sie hörten, wie der englische Posten die von den Wagen abspringende Begleitmannschaft der Partisanen um die Bewandtnis und Identität der auf den Autos verladenen Menschen fragte. Nachdem er die Auskunft erhielt, es handle sich hierbei ausschließlich um Slowenen, die seinerzeit von den nationalsozialistischen Machthabern zwangsweise nach Kärnten gebracht und die nun wieder in ihre Heimat zurückbefördert würden, öffnete die Wache anstandslos den Schlagbaum. Die Verschleppten wollten aufschreien, doch die im Mondlicht auf sie gerichteten Maschinenpistolen brachten sie rasch zum Schweigen. Es gab kein Entrinnen, kein Erbarmen und keine Hilfe mehr für sie. In ununterbrochener Fahrt wurden sie über die Grenze und in das Gefängnis von Begunje gebracht".

Bericht eines nicht genannt sein wollenden Zeitzeugen
Vom Internierungslager Vigaun (Begunje) in das Todeslager Sternthal
Bei der Einlieferung in Vigaun wurde den Gefangenen alles abgenommen, was sie am Leibe trugen, den meisten blieb nur Hose und Hemd, den Frauen die Unterwäsche. Dem akad. Maler Eduard Manhart, den man auf einer Bahre halbtot mitgeführt hatte, wurde mit einem Kolbenschlag der Schädel zertrümmert; anschließend wurde er in einer Wiese verscharrt. Es wurden keinerlei Aufnahmeformalitäten vorgenommen, die Gefangenen wurden in Zimmer gepfercht, wo es weder Stühle noch Tische oder Matratzen gab, man konnte nur stehen oder auf dem Steinboden liegen. Zu essen und zu trinken gab es nichts.

Nach einigen Tagen wurden sie in Gruppen, wieder zu zweit mit Draht aneinander gefesselt, auf Lastwagen verfrachtet und dem Militärtribunal in Laibach vorgeführt. Es wurden immer zehn und zehn Mann vor den Richter gebracht, der mit ein paar Beisitzern hinter einem rohen Tisch saß. Der Richter war kein Jurist, sondern von Beruf Schlosser. Es wurden nur kurz von jedem die Personalien verlangt, dann verurteilte sie der "Richter" wie es ihm gerade in den Sinn kam, zu fünf bzw. zehn oder 15 Jahren Straflager.

Im Anschluß daran (eine Frage oder Verteidigung war nicht erlaubt), wurden die Gefangenen wieder auf die LKW's verladen und in das berüchtigte Straflager Sternthal gebracht. Dort befanden sich schon Hunderte Gefangene, die alle an Flecktyphus litten, sodaß kein Zivilist das Lager betreten wollte. In diesem Vernichtungslager starben die Menschen wie die Fliegen, hauptsächlich Frauen und Kinder waren gegen die Krankheit wehrlos, da es weder Medikamente noch eine ärztliche Betreuung gab. Erst wenn die Läuse die Leiber verließen, wußten wir, daß sie tot waren, schilderte der Heimgekehrte. Er selbst konnte sich vor der Krankheit nur dadurch schützen, indem er sich drei Monate nicht gewaschen hat, sodaß die Schmutzschicht auf seiner Haut die Krankheit übertragenden Läuse fernhielt. Drei Monate verbrachte er Tag und Nacht nur mit einem Stück Plane bedeckt auf einer schmalen Bank. Zum Essen gab es später täglich einmal Maismehl in Wasser und Dörrobst. Durch Unterernährung geschwächt, hielt der Tod reiche Ernte.

Am 23. September 1945 wurde der Mann, nachdem ihm nichts nachgewiesen werden konnte, entlassen. Er nannte als Heimatort Klagenfurt. Der die Entlassungspapiere bearbeitende Partisan klärte ihn auf, daß er nach Klagenfurt nicht entlassen werden könne, da Klagenfurt dem jugoslawischen Staatsgebilde eingegliedert worden sei. So wurde er nach Wien entlassen. Zwei offene Eisenbahnwaggons brachten die Freigegebenen nach Rosenbach. Da sie nur stehen konnten und eine alte Dampflok vorgespannt war, die den Rosenbachtunnel im Schritt langsam durchfuhr, erreichten sie alle rußgeschwärzt Rosenbach, wo sie schon von der britischen FSS in Empfang genommen wurden. Dem Mann gelang die Flucht, er hielt sich dann zwei Monate auf einem Dachboden versteckt. Noch heute, 40 Jahre danach, hütet er in seiner Brusttasche den Entlassungsschein, und des nachts schreckt er oft, gequält durch Angstträume, in Schweiß gebadet auf und findet keinen Schlaf mehr.

Rückzug der Partisanen aus Kärnten
Erst am 20. Mai 1945 räumten auf ultimativen Druck Großbritanniens und der USA die Titotruppen Kärnten und zogen sich auf die alte Grenze zurück. Hierbei verschleppten sie von den etwa 300 von ihnen verhafteten Personen mehr als die Hälfte. Von den insgesamt verschleppten Kärntnern sind nach amtlicher Feststellung 128 nicht in die Heimat zurückgekehrt. 97 von ihnen sind in dem Buch "Titostern über Kärnten" namentlich mit Alter, Beruf und Heimatort angeführt und zwar aus den Gebieten um Klagenfurt 22, Eisenkappel 30, Bleiburg 28, Völkermarkt-Kühnsdorf 9, Eberndorf 4, sowie je 1 aus Finkenstein, Rabenstein, Maria Gail und Feistritz bei Bleiburg.

3. Die Partisanen in der Steiermark; der Mord am "Grenzlandvater" und die Massengräber im Karwald

Die Gebietsansprüche der Titokommunisten erstreckten sich außer auf Südkärnten auch auf die Südweststeiermark bis Deutschlandsberg und Leibnitz. Dementsprechend drangen auch die Partisanen im letzten Kriegsjahr in diese Gebiete vor, brandschatzten, plünderten und mordeten. Am Ende des Krieges und in der ersten Zeit danach waren besonders die grenznahen Orte Eibiswald und Soboth davon betroffen. Ein bezeichnendes Beispiel für die Morde an Unschuldigen ist der Fall des Volksschuldirektors Fritz Fuchs zu Eibiswald. Fuchs war mehr als ein ausgezeichneter Lehrer, er war den Bauern Freund und Berater. Für seine volksnahe kulturelle und volkswirtschaftliche Tätigkeit hat ihm die Bevölkerung zu seinen Leibzeiten den Ehrennamen "Grenzlandvater" verliehen. Dieser Mann, dessen einzige "Schuld" war, Parteimitglied gewesen zu sein, einer der eben mitgelaufen war, verschwand im Juni 1945 spurlos.

Am 16 Juni, als "Kriegsverbrecher" angezeigt (der Denunziant soll einer "aus den eigenen Reihen" gewesen sein), wurde er mit siebzehn anderen Eibiswaldern verhaftet und zum Verhör nach Amfels gebracht. Fuchs war sich keiner Schuld bewußt und versuchte auch seine Mithäftlinge, darunter ein Mädchen, immer wieder zu trösten. Die slowenischen Partisanen, die ihn in Amfels verhörten, sagten: "Was sollen wir mit diesen Leuten anfangen, die haben nichts getan, nehmt sie wieder mit!" Der Transport sollte nach Eibiswald zurück. Er kam nie an. Die Spur verlor sich irgendwo im Leibnitzer Gebiet. Spätere Nachforschungen, in Jugoslawien angestellt, ergaben einwandfrei, daß der Transport auch dort nicht angekommen ist. Die Leute sagen: "Der Grenzlandvater ist im Karwald ermordet und in den Massengräbern verscharrt worden". In diesem Gebiet hatte man später drei Massengräber gefunden; als man eines geöffnet hatte, bot sich ein Bild namenlosen Grauens: Den Toten waren die Hände am Rücken mit Draht gefesselt, manche hatten einen eingeschlagenen Schädel, zerbrochene Knochen. Man warf wieder Erde aufs Grab. Die anderen Gräber wurden erst gar nicht geöffnet "Da drinnen liegt irgendwo der Grenzlandvater!" meint die Bevölkerung heute noch. 1975 hat man ihn in Eibiswald ein Denkmal gesetzt.

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