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1.
Opfer von Verbrechen gegen Menschlichkeit und
Völkerrecht Mit der Vernichtung der
deutschen Volksgruppe durch die Titokommunisten ist
das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen in
Jugoslawien nach dem Ende des Zeiten Weltkrieges
untrennbar verbunden. Fast durchwegs wurden die
zivilen Gefangenen und die Kriegsgefangenen an
denselben Orten, oft sogar in denselben Lagern
festgehalten und waren gleichermaßen Hunger,
Kälte, Sklavenarbeit, Folterungen und
Ermordung ausgesetzt. War schon die
Zurückhaltung der in Gefangenschaft geratenen
deutschen Soldaten nach der Kapitulation
völkerrechtswidrig und ein Bruch der
Kapitulationsverträge, die freien Abzug
über die Grenze gewähren sollten, so kann
die folgende Behandlung der Gefangenen von
menschenunwürdiger Lagerhaft bis zur
grauenvollen Ermordung nur mehr als Verbrechen
gegen die Menschlichkeit bezeichnet
werden. Mit der Geschichte der
deutschen Kriegsgefangenen in Jugoslawien befassen
sich zwei von der Wissenschaftlichen Kommission
für deutsche Kriegsgefangenengeschichte in
München herausgegebene Bände mit
insgesamt 858 Seiten. Dagegen ist es natürlich
im Rahmen dieses Buches nicht möglich, mehr
als stichprobenartig das Geschehen aufzuzeigen.
Dies soll in Form von drei Themenkreisen
geschehen: Die genaue Zahl der in
jugoslawische Gefangenschaft geratenen und der
darin ums Leben gekommenen deutschen Soldaten wird
sich wohl nie ermitteln lassen. Das "Deutsche
Friedensbüro" in Stuttgart errechnete nach der
"zuletzt angegebenen Verpflegungsstärke
200.000 bis 240.000 Mann" an Gefangenen und
schätzte, daß "etwa 80.000 Soldaten nach
ihrer Gefangennahme ums Leben gekommen sein
dürften". Besonders hoch war der Blutzoll bei
den Angehörigen der hauptsächlich aus
Banater
Volksdeutschen bestehenden Division "Prinz
Eugen"; die meisten
von ihnen wurden gleich bei der Gefangennahme
ermordet. 2.
Gefangennahme und
"Sühnemärsche" Die zwei markantesten
Beispiele für die Gefangennahme durch Bruch
der Kapitulationsverträge bzw. der Zusage
freien Abzugs sind das Ende der Heeresgruppe
Löhr und der Division "Prinz
Eugen". Als am 8. Mai 1945 der Befehl
zur Kapitulation erging, befanden sich noch 150.000
Mann der Heeresgruppe Löhr auf slowenischem
Gebiet. Die letzten Nachhuten der Deutschen waren
nur mehr 72 Marschstunden von der Kärntner
Grenze entfernt. Es war zunächst auf deutscher
Seite erwogen worden, den Truppen den Befehl zu
geben, weiter zu kämpfen. Nichts hätte
sie auf dem Weg nach Kärnten und in die
Steiermark aufhalten können. Aber die Briten, mit denen
Generaloberst Löhr in Griffen bei
Völkermarkt verhandelt hatte, zeigten, auf
höheren Befehl, keine Neigung, die noch auf
jugoslawischem Gebiet stehenden Teile der
Heeresgruppe zu übernehmen. Die Ablehnung der
Briten kostete mindestens 50.000 deutschen Soldaten
das Leben in jugoslawischer Gefangenschaft, denn
Generaloberst Löhr resignierte angesichts der
britischen Weigerung und gab den Befehl zur
Kapitulation. Er folgte freiwillig seiner
Heeresgruppe in das Verhängnis, indem er sich
am 15. Mai mit seinem engsten Stab von Griffen
(Kärnten) nach Marburg in die Gefangenschaft
begab, aus der er nicht mehr zurückkehren
sollte. Zusammen mit den anderen
Heereseinheiten befand sich die 7. SS-Division
"Prinz Eugen" nach der Kapitulation waffenlos auf
dem Marsch in Richtung Villach. Diese Abführung von
150.000 entwaffneten Soldaten nach dem Bruch aller
vorher abgegebenen Versicherungen wird von den
Jugoslawen als ihr historischer Sieg in
"Kesselschlacht von Cilli" umgemünzt. Auf
diese traurige Weise endet der heroische Kampf der
zum größten Teil aus deutschen
Männern des Banats und Siebenbürgens
zusammengesetzten Division "Prinz Eugen". Bis in
die letzten Kriegstage war sie Vorbild für
viele andere Truppenteile. Sie hat mit ihrem
Einsatz und Opfermut vielen Balkankämpfern den
Weg zurück in die Heimat geöffnet und
offengehalten. Nun beginnt ihre
Tragödie. Milovan Djilas, während
des Krieges einer der engsten Mitarbeiter Titos,
gibt diese Greueltaten nicht nur zu, sondern
rechtfertigt sie sogar: "Ja - was die Briten taten,
als sie diese Leute zurück über die
Grenze schickten, war völlig falsch, genau wie
wir völlig falsch handelten, als wir sie alle
erschossen. In "Der Krieg der Partisanen" machte
ich kein Geheimnis aus meiner Ansicht, daß
diese Tötungen sinnlose Akte wütender
Rache waren. Es gab keine ordentlichen Gerichte. Es
gab keine Möglichkeiten, die 20.000 bis 30.000
Fälle zuverlässig zu untersuchen. So war
der einfachste Ausweg, sie alle zu erschießen
und damit das Problem los zu sein". Und in einem Gespräch
mit dem Engländer George Urban sagte er 1984
auf die Frage: "Warum?" Djilas: "Weil er
Deutscher war und ich sie alle haßte. Sie
hatten viele meiner Freunde getötet - ich
haßte sie als Nation". Ein in Kanada lebender
früherer Partisan Titos gab an, daß sich
auf der Adriainsel Rab im Mai 1945 3.500 deutsche
Soldaten ergeben hätten. Er fuhr wörtlich
fort: "Diese Kriegsgefangenen wurden von den
Partisanen auf alle mögliche Art gefoltert und
gequält. Danach wurden sie in einen Bunker
geführt, der noch aus der Zeit des
Königreichs Jugoslawien stammte. Man band
ihnen die Hände mit Draht auf den Rücken
und mauerte den Eingang zu. Die Türen wurden
zubetoniert. So starben alle diese Deutschen in
dieser gewaltigen Grabkammer. Das Grab befindet
sich in einem mit Fichten bewachsenen Hügel
unweit des Hotels Imperial. Ich halte es nach so
vielen Jahren für meine Pflicht, an dieses
Verbrechen zu erinnern, das noch keinen Namen
trägt. Aus den Berichten von
Heimkehrern, die schilderten, wie bereits bei der
Gefangennahme bzw. kurz danach die deutschen
Soldaten ums Leben kamen, hier ein Beispiel: Die nach der Kapitulation in
die Hände der Partisanen gefallenen deutschen
Truppen wurden auf "Sühnemärschen" in das
Landesinnere gebracht. Diese Märsche wurden
von den Heimkehrern auch als "Hungermärsche",
"Propagandamärsche" und "Todesmärsche"
bezeichnet. In einem beim "Deutschen
Friedensbüro aufliegenden Bericht eines
Heimkehrers heißt es: "Sühnemarsch"
nennen die Jugoslawen das Geschehen in den ersten
Wochen nach dem Zusammenbruch. Die geschlagene
deutsche Armee und mit ihr ihre Hilfstruppen
sollten in einer großen Leidensdemonstration
durch die befreiten Gebiete geführt werden, um
deren Bewohnern den tiefen Fall der Deutschen zu
zeigen. Die dahintrottenden, geschlagenen,
zermürbten Deutschen nennen jene Tage den
"großen Hungermarsch". Als solcher wird er in
die Lebensgeschichte aller Teilnehmer eingehen,
denn fast alle tragen Folgen jener Strapazen, der
Hiebe, des Hungers, des Durstes, der Hitze am Tage
und der kalten Feuchtigkeit in den Nächten
unter dem offenen Himmel ihr Leben lang mit sich
hinaus (Sofern sie die Märsche überlebt
haben - Anmerkung des Herausgebers.) Volksschuldirektor Robert
Trötscher aus Schenkenberg/Steiermark
(inzwischen verstorben) berichtete unter dem Titel
"Hungermarsch in die Titogefangenschaft" u.a.: Die Tage heiß. Die
Nächte kalt. Nichts zum zudecken. Ein Partisan
nahm mir den Mantel weg, ein anderer meine Schuhe.
So ging es in Socken weiter. Zum Essen? Da scherten
sich die Partisanen nicht. Ich hatte mir alle
Taschen mit Brot angestopft und maßvoll
aß ich davon. In Marburg angelangt, rasteten
wir. Plötzlich hieß es: Alle am
Panzergraben entlang - Gesicht zum Graben -
aufstellen. Hinter uns Maschinengewehre.
Große Aufregung. Was soll werden?
Erlösung! Antreten! Hier die Deutschen - hier
die Österreicher -. Volksdeutsche
stießen auch einmal zu uns. Als wir wieder
rasteten - neuerliche Plünderung. Wertsachen,
Ringe, Uhren u.a. raubten uns noch die Partisanen.
Eine Volksdeutsche hielt sich darüber auf. Da
zog eine Partisanin den Revolver aus. Die Deutsche
sackte zusammen. Niemand scherte sich mehr um sie.
Die Partisaninnen waren herzlos. "Da werden Weiber
zu Hyänen". Wir kamen durch meinen
einstigen Schulkreis Cilli-Ost. Einige Schulen
ausgebrannt. Weiter! Immer weiter! Meine
schöne Hose nahm mir ein Partisan, gab mir
eine alte, zerrissene Hose. Meine Socken waren Erde
geworden. Barfuß dahin. Auf einer Brücke
fand ich einen Überschuh. Das Glück
wollte es - meine Füße schmerzten mich -
ich fand noch einen Überschuh. Es waren nun
zwei linke. Meine Füße waren schon wund.
Die Schuhe milderten etwas. Durst! Durst!
Fürchterlich! Durch Agram - die Leute warfen
uns Brot zu. Die Partisanen duldeten dies
sonderbarer Weise. Aber man konnte das Brot nicht
essen. Keinen Speichel mehr. Die Brocken wurden im
Mund immer größer und man konnte nicht
schlucken. Plötzlich kam das
nächste Unglück. Irgendwo wurden die
Partisanen abgelöst. Berittene Partisanen. So
wie sie ritten, mußten wir marschieren. 5.000
bis 6.000 Gefangene wurden getrieben. Viele brachen
zusammen. Ein Schuß! Aus! - Auch ich war
schon am Ende meiner Kräfte. In meiner
Verzweiflung schrie ich: Spitze langsamer.
Weitergeben! Spitze langsamer! Es war vergeblich.
Durch mein verzweifeltes Schreien kam ein
berittener Partisan auf mich zu - ich war schon
fast am Ende der Kolonne - und schlug mir mit einem
Knüppel über den Kopf. Mein
Käppchen, das ich noch auf hatte, dämpfte
wahrscheinlich den Schlag. Ich taumelte nach vorne
und verschwand rasch in der Kolonne. Viele Kameraden bekamen
Durchfall. Die nicht mehr weiter konnten, wurden
einfach erschossen. Die auf das freie Feld
austreten mußten, wurden oft wie Hasen
abgeknallt. Als wir einmal nicht mehr weiter
konnten, die Partisanen zu Pferd waren weg, wurden
wir irgendwo in einen Zug verladen. Da gab es auch
Brot. - In der Nähe einer großen Wiese
stiegen wir aus. Wir rasteten. Ustascha-Männer
hatte man gefangen. Sie wurden zum Tode verurteilt
und der Reihe nach erschossen. Nach 14 Tagen war
dieser Leidens- und Hungermarsch in Josefstadt
(Josipowatz) zu Ende. Abgemagert, fußwund,
zerlumpt und zerrissen wurden wir in verschiedene
Lager gesteckt. Bericht J/1501 im Band
I/1: Am 14. Mai Nachmittag
Eingliederung der Division in eine aus ca. 5.000
Mann bestehende Marschgruppe; Marschziel nach Agram
bekanntgegeben. Marschleistung täglich 30 - 40
km. Während der ersten 8 Marschtage keinerlei
Nahrungsmittel verabreicht. Schätzungsweise
erreichten nur 3.800 Mann das Marschziel, da die
Nichtmarschfähigen von den Wachmannschaften
erschossen wurden. Marschweg: Cilli - Esseg -
Belgrad - Pancevo. In Esseg wurden sämtliche
Offziere, alle Ärzte und das
Sanitätspersonal zurückgehalten und von
der Marschgruppe getrennt. Auf dem Marschweg
entzogen sich viele Offiziere, Ärzte usw. der
Gefangenschaft, wurden aber zum großen Teil
wieder eingebracht und sofort erschossen.
Ausplünderung, bei Weigerung
Erschießungen, kennzeichnen den Marschweg bis
Pancevo. Tägliche Ration 100 g Brot.
Erschöpfte konnten nicht mitgeführt
werden, da alle Fahrzeuge weggenommen wurden und
auch keine sanitären Hilfsmittel zur
Verfügung standen. Bericht J/1570 im Band
I/1: Abschließende
Feststellung zu diesem Kapitel im Band I/1, Seite
134: 3.
Gefangenenlager und
Arbeitsbataillone Die "Sühnemärsche"
- auch von Sammellagern ausgehend - endeten mit der
Unterbringung der Gefangenen in Lagern, die
Ausgangsbasen für die Schaffung, Versorgung
und Führung von Arbeitsbataillonen bildeten.
Zwischen 1945 und 1949 gab es in Jugoslawien 50 bis
60 numerierte Kriegsgefangenenlager, die 120 bis
140 Arbeitsbataillone zählten. Die
Belegstärke dieser Lager war sehr verschieden,
die größten waren Lager Belgrad 4 mit
zeitweise 4.000 bis 5.000 Mann. Lager 5 Sarajevo
mit durchschnittlich 3.000 bis 4.000 Mann und das
Offizierslager Werschetz mit rund 3.000 bis 3.500
Mann. Eine Schilderung der Verhältnisse in den
Lagern erübrigt sich hier, weil sie in jeder
Beziehung - Unterbringung, Verpflegung,
Krankheiten, Folterungen, Sterblichkeit, usw. -
denen gleich waren, wie sie bereits
ausführlich in bezug auf die
Volksdeutschen-Lager geschildert wurden. Die Vielfältigkeit der
Arbeitsmaßnahmen beim Wiederaufbau
Jugoslawiens bedingte eine Aufgliederung der
Arbeitsbataillone in zeitweise 400 bis 500
Arbeitskommandos verschiedener Stärke. Der
Arbeitseinsatz der Gefangenen erfolgte vornehmlich
in folgenden Sparten: Landwirtschaft, Holzschlag,
Bergwerk, Brückenbau, Straßenbau,
Eisenbahnbau und Industrie. Die festgesetzten
Arbeitsnormen konnten oft nicht erfüllt
werden, weil die Gefangenen infolge
körperlicher Schwäche, Hunger, Krankheit,
usw. nicht mehr leisten konnten. Ungenügende
Leistungen wurden in der Regel mit Essenentzug
bestraft. Gefangenschaft und Arbeitseinsatz
widersprachen der Genfer Konvention über die
Behandlung von Kriegsgefangenen. Die ärgsten
Verstöße dagegen waren der Einsatz zum
lebensgefährlichen Minenräumen und zur
lebensbedrohenden Arbeit in Kupferbergwerken und
der Arbeitseinsatz von kriegsgefangenen Offizieren
aus dem Lager Werschetz. Hierzu ein Auszug aus dem
Bericht Ju-E-114 im Band I/2: Die Tagesnorm mußte
erreicht werden, wenn auch täglich immer mehr
Leute an Körper- und Herzschwäche
zusammenbrachen. So ging es Tag für Tag, um 4
Uhr wecken, 3/4 Liter Suppe, 5 Uhr Abmarsch, 6 Uhr
Arbeitsbeginn, bis Sonnenuntergang ohne Essen, bei
unerträglicher Hitze, bei ständigem
Antreiben durch die Posten. - Die Kranken wurden
immer mehr. Der Kommissar schrieb nun die %-Zahl
der Kranken dem Arzt vor. Als auch das nichts
nützte, durften die Lagerkranken nur die halbe
Verpflegung bekommen. Die Folge war, daß
viele zum Skelett abmagerten oder von Ödemen
(Wassererscheinungen) so stark in den Beinen und im
Gesicht wurden, daß sie ausschauten wie
gemästet. Entsprechend groß war die
Todesrate. Der Märtyrer von
Werschetz Kurz vor der heutigen
Staatsgrenze wurde er von bulgarischen Einheiten
(!!) gefangen. Von einem Oberst dieser
Spätsieger wurde er aufgefordert, in seine
Heimat zurückzukehren. Die Frage des
Priesters: "Was wird mit den Soldaten, den Kranken,
den Verwundeten?" Antwort des
Spätsieger-Offiziers: "Die werden nach Bosnien
gejagt!" Der Priester der römischen Kirche:
"Dann bleibe ich bei ihnen. Sie haben keinen Arzt
und keinen Priester mehr". So wurde Graf Adalbert
von Neipperg Kriegsgefangener und zwar als
Offizier. Und damit begann die Leidensgeschichte
dieses selbstlosen Samariters, der in der
Geschichte der römischen Kirche kaum
seinesgleichen findet. Seine erste Station war das
Lazarett von Thesen, einer ehemaligen deutschen
Flugzeughalle. Dort war er Lazarettchef, Priester,
Beichtvater und Sanitäter in einer Person,
denn Arzt gab es keinen. Verpflegung für 16
Mann pro Tag: Ein Brot und einen Schöpfer
Wasser!! Später wurde dieses Lazarett nach
Marburg verlegt. Dort erbettelte er Brot und
Kartoffeln, um den Hunger der Schwerverwundeten
einigermaßen zu stillen. Plötzlich wurde er einem
Transport zugeteilt, der in einem endlosen
Fußmarsch das Offizierslager 233 in Werschetz
erreichte. Der Balkan hatte sich für
Sühnemärsche der Gefangenen entschieden.
In einer dieser Kolonnen marschierte ein
hochgewachsener Mann in der Mönchskutte der
Benediktiner mit strohweißem Haar. Den Abt
nannten ihn seine Kameraden, als Popen beschimpften
ihn seine Schergen und schlugen ihm
fortwährend ihre Gewehrkolben ins Kreuz.
Nachdem man ihn auf diese Art nicht kleinkriegen
konnte, nahm man ihm seine Schuhe weg und er
mußte barfuß den Karstweg
weitermarschieren. Das Lager selbst war nichts
anderes als der Vorhof zur Hölle. Abt Neipperg
erkrankte selbst, ließ es sich aber nicht
nehmen, seine Pflicht als Priester der
römischen Kirche wahrzunehmen. Nach einer
schweren Herz- und Lungenerkrankung wurde er
kurzzeitig in ein Lazarett verbracht und die
dortigen Ärzte verlangten die Repatriierung in
die Heimat. Abt Neipperg lehnte kategorisch ab. Er
ist der einzige Seelsorger in diesem Elend. Er
würde nur gehen, wenn alle seine Kameraden
auch gehen könnten. Plötzlich bekam er
Ausgeherlaubnis, die er dazu nützte, um
für seine Kameraden Medikamente zu besorgen.
Rastlos ist er unterwegs um das Los seiner
Kameraden nur etwas zu erleichtern. Dem oder jenem
etwas zu bringen, damit er überleben kann. Am
23. Dezember 1948 wird Abt Neipperg zur
Kommandantur bestellt. Von diesem Weg kehrt er nie
mehr zurück. Unter einem Maisschrothaufen
entdeckte ein Hirte die Leiche eines entkleideten
Mannes. Friedhofsarbeiter erkannten den Toten. Es
war Abt Adalbert Graf Neipperg. Er lag nackt auf
einem Holzrost, seine Kehle war durchschnitten. Die
Nägel seiner Zehen waren abgerissen, der
Körper mit schwarzen Flecken bedeckt, die von
schweren Schlägen herrühren
mußten. Repatriierung 4.
Prozesse und Urteilsvollstreckungen Jugoslawien begann nach
Kriegsende seine Prozeßverfahren gegen
deutsche Kriegsgefangene wegen angeblicher
Kriegsverbrechen im Oktober 1946 nach dem Muster
des Nürnberger Militärtribunals. Neben
einer nicht feststellbaren Zahl von Einzelverfahren
gab es laut Veröffentlichungen in der "Borba",
dem Zentralorgan der Kommunistischen Partei
Jugoslawiens, folgende 11 große
Prozeßverfahren: 1. In Belgrad vom 14. bis
23.10.1946: Urteile: 21 Angeklagte wurden zum Tod
durch Erschießen, 11 zu 5 - 20 Jahren
Freiheitsentzug mit Zwangsarbeit verurteilt. Die
Todesurteile wurden in der Nacht vom 14. zum
15.11.1946 vollstreckt. 2. In Belgrad vom 28.10. bis
5.11.1946: 12 Urteile zum Tod durch Erschiessen, 2
zu 12 Jahren Freiheitsentzug mit Zwangsarbeil. 10
Todesurteile wurden am 20.12.1946 vollstreckt, 2
Verurteilte wurden zu 20 Jahren Freiheitsentzug
begnadigt. 3. In Belgrad vom 9. bis
22.12.1946: 18 Verurteilungen zum Tod durch den
Strang, darunter der ehemalige Polizeiführer
Serbiens, Generalleutnant August Meyßner, 3
zu Freiheitsentzug mit Zwangsarbeit (5 - 20
Jahre). 4. In Belgrad 5.-16.2.1947:
Dies war das historisch und politisch wichtigste
Verfahren. An der Spitze der Beschuldigten stand
der ehemalige Oberbefehlshaber Südost,
Generaloberst Alexander Löhr; mit ihm
saßen 6 Generäle und ein Oberst auf der
Anklagebank. Löhr wurde erschossen, die
übrigen wurden durch den Strang
hingerichtet. 5. In Belgrad 27.2. -
9.3.1947: 9 Verurteilungen zum Tod, davon 8
vollstreckt, 1 zu 20 Jahren Freiheitsentzug
begnadigt, 3 Freiheitsstrafen von 8 bis 20
Jahren. 6. In Belgrad 27.3. -
4.4.1947: Verurteilungen 3 zum Tod durch den
Strang, darunter der letzte Kommandeur der 7.
SS-Gebirgsdivision "Prinz Eugen", Generalmajor Karl
von Oberkampf, 4 durch Erschießen, 2 zu je 20
Jahren Freiheitsentzug mit Zwangsarbeit. Die
Todesurteile wurden am 3.5.1947
vollstreckt. 7. In Groß-Betschkerek
(Zrenjanin) vom 29.5. - 6.6.1947: Verurteilungen 3
zum Tode durch den Strang, 4 zum Tod durch
Erschießen, 6 zu langjährigen
Freiheitssttafen. 8. In Agram 29.5. -7.6.1947:
Verurteilungen 1 Deutscher zum Tod durch den
Strang; 6 Kroaten ("Kollaborateure"), darunter der
ehemalige Kriegsminister des Unabhängigen
Staates Kroatien, Slavko Kvaternik, wurden
erschossen. 9. In Marburg 16. -
26.6.1947: 4 Angeklagte wurden durch den Strang
hingerichtet, 2 durch Erschießen. 10. In Laibach 10. -
19.7.1947: Verurteilt wurden 7 zum Tod durch den
Strang, darunter der ehemalige Gauleiter von
Kärnten, Dr. Friedrich Rainer, 5 zum Tod durch
Erschießen, 2 zu 16 bzw. 18 Jahren
Freiheitsentzug mit Zwangsarbeit. 11. In Belgrad 22. -
31.10.1947: Es gab 5 Todesurteile: 4 durch
Erschießen, 1 durch Erhängen und eine
Freiheitssttafe (20 Jahre). Vernehmungsmethoden "Mein Vernehmer war ein
jugoslawischer Reserveleutnant: Er fesselte meine Hände
auf dem Rücken mit einer engen stählernen
Handfessel. Ich hatte jetzt schon Schmerzen. Sie
wurden nach einiger Zeit in der Dunkelzelle
unerträglich, zumal die Hände und Gelenke
anschwollen. Nach 2 Stunden wurde ich in das
Nebenzimmer geholt und aufgefordert, mich auf den
Stuhl vor dem Schreibtisch zu setzen. Hinter ihm
stand der Vernehmer. Er hatte einen dicken
Knüppel und Stricke in den Händen. Er sah
mich mit tödlichem Haß an. Rechts von
mir standen 2 weitere jugoslawische Offziere. Einer
von ihnen, ein Riesenkerl, sagte: "General, wir
geben Ihnen 5 Minuten Zeit. Wenn Sie bis dahin
nicht wenigstens ein Teilgeständnis abgelegt
haben, werden wir Sie dazu zwingen". Ich sagte:
"Ich habe keine Kriegsverbrechen begangen und
möchte keine erfinden." Nach nochmaliger,
ergebnisloser Befragung nahm man mir die Fesseln
ab. Ich mußte meine Schuhe ausziehen. Dann
wurde ich wieder rückwärts gefesselt und
aufgefordert, mich mit dem Bauch auf den Tisch zu
legen. Der Große riß mich am Oberarm
über den Tisch. Man band meine beiden
Fußgelenke mit einem Strick zusammen, zog die
Füße rückwärts hoch und
knotete sie scharf an die auf dem Rücken
gefesselten Hände. Der Strick wurde dann
weiter um den Hals geführt und wieder irgendwo
zusammengebunden. Sie warfen mich nun wie ein
lebendiges Paket vom Tisch auf die Erde herunter.
Ich schlug mit dem Brustkorb, den Knien und dem
Kinn schwer auf. Sie stülpten einen Schemel um
und legten mich mit Brust und Bauch auf die 4
Schemelfüße. Mein Kopf hing vorn
herunter. Dann schlugen zwei mit Knüppeln
ununterbrochen mit voller Wucht auf Rücken und
Füße. Ein schneidender Schmerz vom
linken Fuß ausgehend zog durch den ganzen
Körper. Auch bohrten sich die Schemelbeine mit
jedem Schlag in die Lenden. Ob ich gebrüllt
oder gestöhnt habe, weiß ich nicht. Die
weiteren Schläge fühlten sich immer
dumpfer an. Dann verlor ich das
Bewußtsein". Nach wiederholtem Wechsel
zwischen Erwachen, Schlägen, Vernehmungen und
Ohnmacht erhielt der Berichterstatter am folgenden
Tag einen Besuch des Arztes Dr. Rost. "Rost
untersuchte mich und stellte einen Bruch des linken
Fußes, Bruch oder Verstauchung des rechten
Fußes, schwere Gehirnerschütterung,
Bruch der linken unteren Rippe und Nierenquetschung
fest. Darüber hinaus einen zerschlagenen
Rücken, völlige Unterernährung und
unregelmäßige und schwache
Herztätigkeit. Er verband mich, gab mir eine
oder mehrere Spritzen. Am nächsten und
übernächsten Tage erreichte er wieder,
daß er mich besuchen und behandeln durfte. Er
sagte mir dabei, daß ich weitere Folterungen
bei meinem geschwächten Zustand nicht
überleben würde. Ich solle
Kriegsverbrechen erfinden, wie es alle machten, um
aus der jetzigen Lage zunächst
herauszukommen." Nachtrag "Verboten sind
körperliche Strafen jeder Art, jede
Einsperrung in nicht vom Tageslichte erhellte
Räume und überhaupt jede Grausamkeit" und
im Art. 61 wird ausdrücklich bestimmt: "Kein
Kriegsgefangener darf verurteilt werden, ohne
Gelegenheit zu seiner Verteidigung gehabt zu haben.
Kein Kriegsgefangener darf gezwungen werden, sich
der Handlung, deren er angeklagt ist, schuldig zu
bekennen". Für die noch dazu widerrechtlich in
Jugoslawien festgehaltenen Kriegsgefangenen -
gemäß Art. 75 des genannten
völkerrechtlichen Abkommens hätten die
Jugoslawen unverzüglich nach der Kapitulation
der deutschen und österreichischen Soldaten
Verbindungen mit den Herkunftsländern
(Österreich war bereits am 27. April 1945
"wiedergegründet" worden) über die
Heimschaffung der Kriegsgefangenen aufnehmen
müssen - sah die Praxis der Gefangenschaft
größtenteils anders aus: Hunger,
Folterung und Mißachtung der Menschlichkeit
bei zehntausenden Männern und Jugendlichen bis
zum Tode. Einige Einheiten, wie etwa
das Geb. Jg. Rgt. 139 hatten ihre Ausbildungs- und
Ersatzeinheiten im jugoslawiscben Raum, so
daß höchstwahrscheinlich sogar 16 und
17-jährige in Gefangenschaft geraten waren.
Kommandeur dieses Ausbildungsregiments war Oberst
(zuletzt Generalmajor?) H. Christl, über
dessen Tod P. Graf, München berichtet: Wie völkerrechtswidrig
und grausam-unmenschlich vorgegangen wurde, ergibt
sich aus einem der unzähligen Berichte, die in
der einmaligen Dokumentation "Die deutschen
Kriegsgefangenen in Jugoslawien 1941 - 1949"
aufgezeichnet wurden: Am 10.12.1949 traf ich, von
Schreikrämpfen geschüttelt, eine Reihe
von Kameraden, die noch mehr Erschießungen
zugeben mußten. Wie sie sagten, gab General
Schmid-Richberg 22.000 Erschießungen zu,
Roggenkamp 500, Hilger 1.800 usw. Die Gerichtsverhandlung fand
am 12.12.1949 statt und dauerte genau 2 1/2
Minuten. Nachdem alle 17 Kameraden durchgeschleust
waren, wurden wir geschlossen in den Gerichtssaal
gejagt. Mir diktierte man mündlich 16 Jahre
Zuchthaus, Zwangsarbeit und Landesverweisung zu
(auf diese hatten Hunderttausende Kriegsgefangene
gewartet und brauchten kein Urteil dazu!, der
Verf.) Die gegen uns ausgesprochenen
Urteile, die nur auf Grund der durch Folterung,
seelische Marter und Hungerkuren erzwungenen
Geständnisse gefällt wurden, stellen ein
himmelschreiendes Unrecht dar. Soweit mir bekannt,
wurden in Werschetz 61 Kameraden zu Tode
geschunden, weil sie keine Geständnisse
erfanden und unterschrieben. 12
österreichische, unschuldig zum Tode
verurteilte Kameraden, darunter Oberst Becker,
wurden mit Eisenstangen erschlagen und hinter den
Schweineställen des Zuchthauses in Sremska
Mitrovica verscharrt. Wir 1.400 Verurteilte waren
moralisch, körperlich und seelisch so fertig,
daß aufkommende rebellische Gedanken - nur
unter großen Vorbehalten - aufkamen. Sie
endeten mit fürchterlichen Quälereien und
Totschlag. Deshalb habe ich auch kein Rechtsmittel
eingelegt. Nach der Verurteilung sperrte man uns in
einen nassen Weinkeller. Von dort wurden wir
zusammengefesselt mittels Bahntransports nach dem
Zuchthaus Mitrowitz
überführt". Bei diesen
Massenverurteilungen ging es nur wenig oder
überhaupt nicht rechtsstaatlich zu. Ein zu "20
Jahren" verurteilter Hauptmann Dr. E.D. stellte zur
rechtlichen Abwicklung der "Gerichtsverhandlungen"
fest: "Zeugen wurden nicht gehört, weder Be-
noch Entlastungszeugen, denn die Vernehmer
(Erpresser) wußten genausogut wie wir,
daß alles unter größtem Zwang
erdacht war, was wir angegeben hatten und es Zeugen
dafür nicht geben kann. Meines Erachtens
suchte die jugoslawische Regierung nur einen
Sündenbock für die 2,000.000 Toten, die
in den inneren Kämpfen des Landes umgekommen
sind und dafür mußte die ehemalige
deutsche Wehrmacht herhalten. Diese Begründung
für die Massenverurteilungen deutscher und
österreichischer Soldaten scheint
tatsächlich eine ganz große Rolle
gespielt zu haben. Dabei ist es geboten auf die
Unterscheidung der Soldaten nach deutscher und
österreichischer Staatszugehörigkeit
durch Jugoslawien hinzuweisen. Da die
Österreicher zum Unterschied zu den deutschen
Kameraden bereits über eine echte
Staatsbürgerschaft seit der
Wiedergründung Österreichs am 27.4.1945
verfügten, hätte Jugoslawien mit
österreichischen Stellen Verbindung zur
Repatriierung der österreichischen Gefangenen
in ihr Heimatland aufnehmen müssen. Nichts
dergleichen geschah, im Gegenteil. Wie wir bereits
oben über die 12 mit Eisenstangen erschlagenen
Österreicher berichteten, führt auch der
ehemalige Oberleutnant der Schutzpolizei F.A.
folgendes aus: "Nachdem die schon verurteilten
Österreicher im Dezember 1949 hinter den
Schweineställen des Zuchthauses Mitrovica
erschossen wurden, bekam jeder zum Tode verurteilte
Deutsche am 6.1.1950 im Zuchthaus Mitrovica vom
Richter persönlich noch einmal ein Blatt
Papier für ein weiteres Gnadengesuch mit der
ausdrücklichen Weisung, ja keinen Widerruf zu
wagen. Während die Deutschen am
15.6.1950 begnadigt wurden (ich z.B. zu 20 Jahren
Zwangsarbeit), hat man am 9. 10. 1950 die
restlichen 7 Österreicher in den Wäldern
der Fruska Gora erschossen. Es blieb nur der
Österreicher Dr. Oskar Kaltenegger übrig,
weil man bei ihm nicht klar sah, ob es sich um
einen Österreicher handelte. Er war zuletzt
Ministerialdirektor im Bayrischen
Innenministerium. Die Werschetzer Prozesse
und Massenverurteilungen waren ein Politikum Und nun wollte die
jugoslawische Partisanenführung beweisen,
"daß an allem, was während des Krieges
in Jugoslawien an Menschenleben vernichtet und an
Sachwerten zerstört worden ist, die deutsche
Wehrmacht und sie ganz allein schuld sei, so
daß Deutschland dafür jetzt Genugtuung
und Reparationen zu leisten hat. Und auch die
blutigen Untaten, die der Volkstumskampf zwischen
den einzelnen Völkern Jugoslawiens
hervorgerufen hatte, mußten den Deutschen in
die Schuhe geschoben werden, sollte der neue
errichtete Vielvölkerstaat Jugoslawien nicht
mit der Hypothek völkischer Gegensätze
belastet werden". Als die Ergebnisse der
"Kriegsverbrecherprozesse" weit hinter der
Propaganda über die tatsächlichen oder
angeblichen deutschen Greueltaten
zurückblieben, befürchteten die
Verantwortlichen, daß ihnen Belgrad den
Vorwurf mache, sie hätten schlecht gearbeitet.
Nun mußte es in Werschetz gelingen, "die noch
offenen Lücken zu schließen. Deshalb
erfand man die Erpressung von Geständnissen,
die inhaltlich nach Dienstgraden oder Funktionen
der Beschuldigten gestaffelt waren. Ein
Stabsoffizier hatte 300 - 400, ein Hauptmann 200 -
300 Erschießungen zu "gestehen", während
man bei einem Leutnant mit 100 Erschießungen
zufrieden war. Während vor allem die
"Borba" (Zentralorgan der Kommunistischen Partei
Jugoslawiens) ziemlich ausführlich über
die Nachkriegsprozesse gegen die Generalität -
über 70 % der deutschen Generale in
jugoslawischer Hand wurden zum Tode verurteilt, der
höchste Prozentsatz von allen
Kriegsverbrecherprozessen Europas - schwieg sie
sich über die Werschetzer Erpressungsurteile
völlig aus. Und so schlecht muß das
Gewissen jugoslawischer Stellen sein, daß man
sich auch heute, selbst 40 Jahre nach dem Geschehen
- als die Archive schon längst geöffnet
sein müßten - noch immer nicht bereit
erklärt, über die jugoslawischen
Nachkriegsprozesse Unterlagen herauszugeben oder
nur darüber Auskünfte zu erteilen. So
wird selbst die Geschichtswissenschaft in ihrer
Arbeit behindert und die übelwollenden
Massenmedien einschließlich der
Fernsehstationen, z.B. des ORF, können
rechtlich ungehindert sogar den
österreichischen Bundespräsident Dr. Kurt
Waldheim der furchtbarsten Greuelmitwisserschaft
beschuldigen und ihn sowie Hunderttausende
pflichtbewußte österreichische Soldaten
mit deren Angehörigen verleumden. Doch die
wahren Täter an der Ermordung Zehntausender
österreichischer und deutscher Soldaten und
weit über Hunderttausend Altösterreicher
und Volksdeutscher bleiben ohne jede gerichtliche
oder mediale Anklage - ja sie wurden oft noch
für ihre "Partisanentätigkeit"
ausgezeichnet. |