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Das seit vielen Jahren vergriffene Buch von Generalmajor Otto Kumm:
Vorwärts, Prinz Eugen! Die Geschichte der 7. SS-Freiwilligen-Division "Prinz Eugen"
in der eure Väter, Großväter, Brüder und sonstige Verwandte und Bekannte dienten, ist nun als Neuauflage wieder lieferbar....
Die "Kriegs"gefangenschaft in Tito's Jugoslawien
Das Verhalten der Partisanen von 1941 bis viele Jahre nach Kriegsende war eine nicht abreißende Kette von Verstößen gegen das Völkerrecht. Nachdem Jugoslawien 1941 kapituliert hatte, stand jeder bewaffnete Aufstand gegen die Besatzungsmacht im Widerspruch zur Genfer Konvention.

 

VII. DEUTSCHE KRIEGSGEFANGENE

1. Opfer von Verbrechen gegen Menschlichkeit und Völkerrecht

Mit der Vernichtung der deutschen Volksgruppe durch die Titokommunisten ist das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen in Jugoslawien nach dem Ende des Zeiten Weltkrieges untrennbar verbunden. Fast durchwegs wurden die zivilen Gefangenen und die Kriegsgefangenen an denselben Orten, oft sogar in denselben Lagern festgehalten und waren gleichermaßen Hunger, Kälte, Sklavenarbeit, Folterungen und Ermordung ausgesetzt.

War schon die Zurückhaltung der in Gefangenschaft geratenen deutschen Soldaten nach der Kapitulation völkerrechtswidrig und ein Bruch der Kapitulationsverträge, die freien Abzug über die Grenze gewähren sollten, so kann die folgende Behandlung der Gefangenen von menschenunwürdiger Lagerhaft bis zur grauenvollen Ermordung nur mehr als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet werden.

Mit der Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen in Jugoslawien befassen sich zwei von der Wissenschaftlichen Kommission für deutsche Kriegsgefangenengeschichte in München herausgegebene Bände mit insgesamt 858 Seiten. Dagegen ist es natürlich im Rahmen dieses Buches nicht möglich, mehr als stichprobenartig das Geschehen aufzuzeigen. Dies soll in Form von drei Themenkreisen geschehen:
• Gefangennahme und "Sühnemärsche"
• Gefangenenlager und Arbeitsbataillone
• Prozesse und Urteilsvollstreckungen

Die genaue Zahl der in jugoslawische Gefangenschaft geratenen und der darin ums Leben gekommenen deutschen Soldaten wird sich wohl nie ermitteln lassen. Das "Deutsche Friedensbüro" in Stuttgart errechnete nach der "zuletzt angegebenen Verpflegungsstärke 200.000 bis 240.000 Mann" an Gefangenen und schätzte, daß "etwa 80.000 Soldaten nach ihrer Gefangennahme ums Leben gekommen sein dürften". Besonders hoch war der Blutzoll bei den Angehörigen der hauptsächlich aus Banater Volksdeutschen bestehenden Division "Prinz Eugen"; die meisten von ihnen wurden gleich bei der Gefangennahme ermordet.

2. Gefangennahme und "Sühnemärsche"

Die zwei markantesten Beispiele für die Gefangennahme durch Bruch der Kapitulationsverträge bzw. der Zusage freien Abzugs sind das Ende der Heeresgruppe Löhr und der Division "Prinz Eugen".

Als am 8. Mai 1945 der Befehl zur Kapitulation erging, befanden sich noch 150.000 Mann der Heeresgruppe Löhr auf slowenischem Gebiet. Die letzten Nachhuten der Deutschen waren nur mehr 72 Marschstunden von der Kärntner Grenze entfernt. Es war zunächst auf deutscher Seite erwogen worden, den Truppen den Befehl zu geben, weiter zu kämpfen. Nichts hätte sie auf dem Weg nach Kärnten und in die Steiermark aufhalten können.

Aber die Briten, mit denen Generaloberst Löhr in Griffen bei Völkermarkt verhandelt hatte, zeigten, auf höheren Befehl, keine Neigung, die noch auf jugoslawischem Gebiet stehenden Teile der Heeresgruppe zu übernehmen. Die Ablehnung der Briten kostete mindestens 50.000 deutschen Soldaten das Leben in jugoslawischer Gefangenschaft, denn Generaloberst Löhr resignierte angesichts der britischen Weigerung und gab den Befehl zur Kapitulation. Er folgte freiwillig seiner Heeresgruppe in das Verhängnis, indem er sich am 15. Mai mit seinem engsten Stab von Griffen (Kärnten) nach Marburg in die Gefangenschaft begab, aus der er nicht mehr zurückkehren sollte.

Zusammen mit den anderen Heereseinheiten befand sich die 7. SS-Division "Prinz Eugen" nach der Kapitulation waffenlos auf dem Marsch in Richtung Villach.
Hierzu heißt es im Buch "Vorwärts Prinz Eugen!":
Mit Abgabe der letzten Waffen ist das Schicksal der Division besiegelt. Jetzt kennen die bisher feigen Feindgruppen keine Hemmungen mehr - die restlose Ausplünderung und Abführung in die Gefangenschaft wird vorbereitet. Am 15. Mai marschieren die Einheiten ab in Richtung Villach, werden aber in die Stadt Krainburg umgeleitet. In der Nacht zum 16. Mai liegen bei strömenden Regen viele Tausende wahllos in den Straßen um den Hauptplatz - von außen durch schwer bewaffnete Partisanen abgeriegelt. Am Morgen des 16. Mai beginnt dann die körperliche Durchsuchung unter unwürdigsten Bedingungen, dann Abmarsch in die Gefangenschaft nach Cilli, zum Teil auch nach St. Veith bei Laibach.

Diese Abführung von 150.000 entwaffneten Soldaten nach dem Bruch aller vorher abgegebenen Versicherungen wird von den Jugoslawen als ihr historischer Sieg in "Kesselschlacht von Cilli" umgemünzt. Auf diese traurige Weise endet der heroische Kampf der zum größten Teil aus deutschen Männern des Banats und Siebenbürgens zusammengesetzten Division "Prinz Eugen". Bis in die letzten Kriegstage war sie Vorbild für viele andere Truppenteile. Sie hat mit ihrem Einsatz und Opfermut vielen Balkankämpfern den Weg zurück in die Heimat geöffnet und offengehalten. Nun beginnt ihre Tragödie.

Milovan Djilas, während des Krieges einer der engsten Mitarbeiter Titos, gibt diese Greueltaten nicht nur zu, sondern rechtfertigt sie sogar: "Ja - was die Briten taten, als sie diese Leute zurück über die Grenze schickten, war völlig falsch, genau wie wir völlig falsch handelten, als wir sie alle erschossen. In "Der Krieg der Partisanen" machte ich kein Geheimnis aus meiner Ansicht, daß diese Tötungen sinnlose Akte wütender Rache waren. Es gab keine ordentlichen Gerichte. Es gab keine Möglichkeiten, die 20.000 bis 30.000 Fälle zuverlässig zu untersuchen. So war der einfachste Ausweg, sie alle zu erschießen und damit das Problem los zu sein".

Und in einem Gespräch mit dem Engländer George Urban sagte er 1984 auf die Frage:
"Was ist mit Ihrem unbewaffneten deutschen Gefangenen, dem Sie die Kehle durchschnitten und dann mit dem Gewehrkolben erschlugen? Und mit dem anderen Deutschen, den Raja Nedeljkovic auf Ihr Zeichen hin erstach?" Djilas: "Oh, ich habe absolut keine Schuldgefühle deswegen. Wir waren im Krieg. Hätte ich ihn nicht getötet, dann hätte er unsere Position verraten, denn die deutschen Truppen standen in Hörweite. Doch ich hätte ihn auch getötet, wenn er uns nicht hätte verraten können."

"Warum?" Djilas: "Weil er Deutscher war und ich sie alle haßte. Sie hatten viele meiner Freunde getötet - ich haßte sie als Nation". Ein in Kanada lebender früherer Partisan Titos gab an, daß sich auf der Adriainsel Rab im Mai 1945 3.500 deutsche Soldaten ergeben hätten. Er fuhr wörtlich fort: "Diese Kriegsgefangenen wurden von den Partisanen auf alle mögliche Art gefoltert und gequält. Danach wurden sie in einen Bunker geführt, der noch aus der Zeit des Königreichs Jugoslawien stammte. Man band ihnen die Hände mit Draht auf den Rücken und mauerte den Eingang zu. Die Türen wurden zubetoniert. So starben alle diese Deutschen in dieser gewaltigen Grabkammer. Das Grab befindet sich in einem mit Fichten bewachsenen Hügel unweit des Hotels Imperial. Ich halte es nach so vielen Jahren für meine Pflicht, an dieses Verbrechen zu erinnern, das noch keinen Namen trägt.

Aus den Berichten von Heimkehrern, die schilderten, wie bereits bei der Gefangennahme bzw. kurz danach die deutschen Soldaten ums Leben kamen, hier ein Beispiel:
Nach der letzten großen Schlacht in Jugoslawien, dem Kampf um Belgrad, wo die dort eingeschlossenen deutschen Truppen sechs Tage lang den Angriffswellen der Roten Armee und der Partisanen widerstanden, gerieten 30.000 deutsche Soldaten in die Gewalt der Sieger. Und nun explodierten Rachsucht und Blutdurst in schauerlicher Weise. Die Gefangenen wurden in Gruppen zu vielen Hundert vor Panzergräben geführt und erschossen. Eilig ausgehobene Massengräber füllten sich in den Nächten dieses Oktobers mit Leichen. Hunderte von Gefangenen, die mit erhobenen Händen aus Häusern und Kellern kamen, wurden auf den Straßen niedergemacht. Nachrichtenhelferinnen wurden auf Pfähle aufgespießt. Auf einem einzigen Platz in Belgrad starben 5.000 Landser. Auf dem Hauptbahnhof von Belgrad stand ein Lazarettzug, voll belegt mit deutschen Verwundeten. Sie alle starben, berichtete eine Rotkreuzschwester, unter den Messern und Dolchen der Partisanen, Mann für Mann.

Die nach der Kapitulation in die Hände der Partisanen gefallenen deutschen Truppen wurden auf "Sühnemärschen" in das Landesinnere gebracht. Diese Märsche wurden von den Heimkehrern auch als "Hungermärsche", "Propagandamärsche" und "Todesmärsche" bezeichnet. In einem beim "Deutschen Friedensbüro aufliegenden Bericht eines Heimkehrers heißt es: "Sühnemarsch" nennen die Jugoslawen das Geschehen in den ersten Wochen nach dem Zusammenbruch. Die geschlagene deutsche Armee und mit ihr ihre Hilfstruppen sollten in einer großen Leidensdemonstration durch die befreiten Gebiete geführt werden, um deren Bewohnern den tiefen Fall der Deutschen zu zeigen. Die dahintrottenden, geschlagenen, zermürbten Deutschen nennen jene Tage den "großen Hungermarsch". Als solcher wird er in die Lebensgeschichte aller Teilnehmer eingehen, denn fast alle tragen Folgen jener Strapazen, der Hiebe, des Hungers, des Durstes, der Hitze am Tage und der kalten Feuchtigkeit in den Nächten unter dem offenen Himmel ihr Leben lang mit sich hinaus (Sofern sie die Märsche überlebt haben - Anmerkung des Herausgebers.)

Volksschuldirektor Robert Trötscher aus Schenkenberg/Steiermark (inzwischen verstorben) berichtete unter dem Titel "Hungermarsch in die Titogefangenschaft" u.a.:
Aus der Offiziers-Kampfschule Windisch-Feistritz in der Untersteiermark - Abfahrt mit Flak, Personen- und Lastwagen in Richtung Heimat - 9./10. Mai 1945. Wir kamen bis Lavamünd. Titopartisanen und Bulgaren lassen uns nicht weiter. Sie verhandeln, was mit uns geschehen soll. Da hieß es: Gefangen bei Tito. In einem Talkessel wurden alle zusammengetrieben. Ringsum Maschinengewehre aufgestellt. An ein Flüchten war nicht zu denken. Plötzlich hieß es: Alle Waffen, Rucksäcke und Messer abgeben, auf einen Platz zusammenlegen. Jede Hoffnung war gesunken. Der Marsch in die Gefangenschaft begann.

Die Tage heiß. Die Nächte kalt. Nichts zum zudecken. Ein Partisan nahm mir den Mantel weg, ein anderer meine Schuhe. So ging es in Socken weiter. Zum Essen? Da scherten sich die Partisanen nicht. Ich hatte mir alle Taschen mit Brot angestopft und maßvoll aß ich davon. In Marburg angelangt, rasteten wir. Plötzlich hieß es: Alle am Panzergraben entlang - Gesicht zum Graben - aufstellen. Hinter uns Maschinengewehre. Große Aufregung. Was soll werden? Erlösung! Antreten! Hier die Deutschen - hier die Österreicher -. Volksdeutsche stießen auch einmal zu uns. Als wir wieder rasteten - neuerliche Plünderung. Wertsachen, Ringe, Uhren u.a. raubten uns noch die Partisanen. Eine Volksdeutsche hielt sich darüber auf. Da zog eine Partisanin den Revolver aus. Die Deutsche sackte zusammen. Niemand scherte sich mehr um sie. Die Partisaninnen waren herzlos. "Da werden Weiber zu Hyänen".

Wir kamen durch meinen einstigen Schulkreis Cilli-Ost. Einige Schulen ausgebrannt. Weiter! Immer weiter! Meine schöne Hose nahm mir ein Partisan, gab mir eine alte, zerrissene Hose. Meine Socken waren Erde geworden. Barfuß dahin. Auf einer Brücke fand ich einen Überschuh. Das Glück wollte es - meine Füße schmerzten mich - ich fand noch einen Überschuh. Es waren nun zwei linke. Meine Füße waren schon wund. Die Schuhe milderten etwas. Durst! Durst! Fürchterlich! Durch Agram - die Leute warfen uns Brot zu. Die Partisanen duldeten dies sonderbarer Weise. Aber man konnte das Brot nicht essen. Keinen Speichel mehr. Die Brocken wurden im Mund immer größer und man konnte nicht schlucken.

Plötzlich kam das nächste Unglück. Irgendwo wurden die Partisanen abgelöst. Berittene Partisanen. So wie sie ritten, mußten wir marschieren. 5.000 bis 6.000 Gefangene wurden getrieben. Viele brachen zusammen. Ein Schuß! Aus! - Auch ich war schon am Ende meiner Kräfte. In meiner Verzweiflung schrie ich: Spitze langsamer. Weitergeben! Spitze langsamer! Es war vergeblich. Durch mein verzweifeltes Schreien kam ein berittener Partisan auf mich zu - ich war schon fast am Ende der Kolonne - und schlug mir mit einem Knüppel über den Kopf. Mein Käppchen, das ich noch auf hatte, dämpfte wahrscheinlich den Schlag. Ich taumelte nach vorne und verschwand rasch in der Kolonne.

Viele Kameraden bekamen Durchfall. Die nicht mehr weiter konnten, wurden einfach erschossen. Die auf das freie Feld austreten mußten, wurden oft wie Hasen abgeknallt. Als wir einmal nicht mehr weiter konnten, die Partisanen zu Pferd waren weg, wurden wir irgendwo in einen Zug verladen. Da gab es auch Brot. - In der Nähe einer großen Wiese stiegen wir aus. Wir rasteten. Ustascha-Männer hatte man gefangen. Sie wurden zum Tode verurteilt und der Reihe nach erschossen. Nach 14 Tagen war dieser Leidens- und Hungermarsch in Josefstadt (Josipowatz) zu Ende. Abgemagert, fußwund, zerlumpt und zerrissen wurden wir in verschiedene Lager gesteckt.

Bei den nachstehenden Berichten diente als Quellenangabe:
Die deutschen Kriegsgefangenen in Jugoslawien 1941 -1949
Näheres im Literaturverzeichnis

Bericht J/1501 im Band I/1:
Die Division sammelte sich und marschierte nördlich bis Cilli. Dort erfolgte Abgabe der Waffen, Munition, Fahrzeuge, Ausrüstungsmaterial usw. gegen Zusicherung freien Abzugs über Österreich nach Deutschland. - In der Nacht vom 13. zum 14. Mai 1945 Bekanntgabe durch Divisions-Kommandeur, daß die mit jugoslawischen Generalen getroffene Vereinbarung nicht eingehalten werde. Divisions-Kommandeur und sämtliche Stabsoffiziere, Regiments- und Abteilungs-Kommandeur von der Einheit getrennt und nach unbekanntem Ort abtransportiert (angeblich Belgrad).

Am 14. Mai Nachmittag Eingliederung der Division in eine aus ca. 5.000 Mann bestehende Marschgruppe; Marschziel nach Agram bekanntgegeben. Marschleistung täglich 30 - 40 km. Während der ersten 8 Marschtage keinerlei Nahrungsmittel verabreicht. Schätzungsweise erreichten nur 3.800 Mann das Marschziel, da die Nichtmarschfähigen von den Wachmannschaften erschossen wurden. Marschweg: Cilli - Esseg - Belgrad - Pancevo. In Esseg wurden sämtliche Offziere, alle Ärzte und das Sanitätspersonal zurückgehalten und von der Marschgruppe getrennt. Auf dem Marschweg entzogen sich viele Offiziere, Ärzte usw. der Gefangenschaft, wurden aber zum großen Teil wieder eingebracht und sofort erschossen. Ausplünderung, bei Weigerung Erschießungen, kennzeichnen den Marschweg bis Pancevo. Tägliche Ration 100 g Brot. Erschöpfte konnten nicht mitgeführt werden, da alle Fahrzeuge weggenommen wurden und auch keine sanitären Hilfsmittel zur Verfügung standen.

Bericht J/1570 im Band I/1:
Während des Hungermarsches wurden sehr viele Gefangene, die nicht mehr mitmarschieren konnten, von der Bewachungsmannschaft erschossen. Unter anderen sah ich bei Lichtenwald über der Sawebrücke am rechten Ufer 6 erschossene Rotkreuz-Schwestern liegen, denen das männliche Glied in den Mund gesteckt war und den daneben erschossenen Soldaten lag der weibliche Geschlechtsteil über dem Munde.

Abschließende Feststellung zu diesem Kapitel im Band I/1, Seite 134:
Die Zahl der auf den "Sühnemärschen" ums Leben gekommenen Kriegsgefangenen wird aufgrund der vorliegenden Berichte auf etwa 10.000 Mann geschätzt. Eine in ihrer Stärke nicht auszumachende Gruppe von "Sühnemarschierern" erreichte zwar noch das Ziel (Lager), verstarb jedoch unmittelbar darauf infolge der während des Marsches eingetretenen Entkräftung, so daß sie als Marschopfer zu gelten haben. Ausgeliefert an Jugoslawien wurden die in Marseille/Frankreich zusammengezogenen Jugoslawiendeutschen, die als Wehrmachtsangehörige in westallierte Kriegsgefangenschaft geraten waren. Nach Feststellungen des DRK-Suchdienstes hat es sich um mehrere Transporte mit jeweils 2.500 bis 3.500 Jugoslawiendeutschen gehandelt

3. Gefangenenlager und Arbeitsbataillone

Die "Sühnemärsche" - auch von Sammellagern ausgehend - endeten mit der Unterbringung der Gefangenen in Lagern, die Ausgangsbasen für die Schaffung, Versorgung und Führung von Arbeitsbataillonen bildeten. Zwischen 1945 und 1949 gab es in Jugoslawien 50 bis 60 numerierte Kriegsgefangenenlager, die 120 bis 140 Arbeitsbataillone zählten. Die Belegstärke dieser Lager war sehr verschieden, die größten waren Lager Belgrad 4 mit zeitweise 4.000 bis 5.000 Mann. Lager 5 Sarajevo mit durchschnittlich 3.000 bis 4.000 Mann und das Offizierslager Werschetz mit rund 3.000 bis 3.500 Mann. Eine Schilderung der Verhältnisse in den Lagern erübrigt sich hier, weil sie in jeder Beziehung - Unterbringung, Verpflegung, Krankheiten, Folterungen, Sterblichkeit, usw. - denen gleich waren, wie sie bereits ausführlich in bezug auf die Volksdeutschen-Lager geschildert wurden.

Die Vielfältigkeit der Arbeitsmaßnahmen beim Wiederaufbau Jugoslawiens bedingte eine Aufgliederung der Arbeitsbataillone in zeitweise 400 bis 500 Arbeitskommandos verschiedener Stärke. Der Arbeitseinsatz der Gefangenen erfolgte vornehmlich in folgenden Sparten: Landwirtschaft, Holzschlag, Bergwerk, Brückenbau, Straßenbau, Eisenbahnbau und Industrie. Die festgesetzten Arbeitsnormen konnten oft nicht erfüllt werden, weil die Gefangenen infolge körperlicher Schwäche, Hunger, Krankheit, usw. nicht mehr leisten konnten. Ungenügende Leistungen wurden in der Regel mit Essenentzug bestraft. Gefangenschaft und Arbeitseinsatz widersprachen der Genfer Konvention über die Behandlung von Kriegsgefangenen. Die ärgsten Verstöße dagegen waren der Einsatz zum lebensgefährlichen Minenräumen und zur lebensbedrohenden Arbeit in Kupferbergwerken und der Arbeitseinsatz von kriegsgefangenen Offizieren aus dem Lager Werschetz.

Hierzu ein Auszug aus dem Bericht Ju-E-114 im Band I/2:
Am 18.5.1949 morgens marschierten wir von Werschetz ab und erreichten gegen Mittag das Lager Potporanj, 12 km südlich von Werschetz. Die ersten Arbeitstage zeigten deutlich, daß die Leute noch sehr schwach waren und von dem Anmarschweg vom Lager zur Arbeitsstelle, 6 - 10 km, schon vollkommen fertig waren. Die vom Bagger ausgehobene Sumpferde mußten wir auf Schubkarren 150 - 300 m weiter karren. Die Leute hatten sich kaum etwas erholt, wurde die Arbeit von Tag zu Tag gesteigert, die Tagesnorm von 3 cbm pro Tag und Mann gefordert. Vom Juli ab wurde die Brot- und besonders die Fleischlieferung unregelmäßig und bald hörte die Fleischlieferung ganz auf. Das Essen wurde immer schlechter, die Arbeit immer schwerer, die Fahrstrecke 300 m bei 4 - 6 m Höhenunterschied. 20 Karren waren 1 cbm, 60 Karren 3 cbm, also am Tage 60 mal je 300 m hin und zurück, macht 36 km, dazu der Anmarsch- und Rückmarschweg.

Die Tagesnorm mußte erreicht werden, wenn auch täglich immer mehr Leute an Körper- und Herzschwäche zusammenbrachen. So ging es Tag für Tag, um 4 Uhr wecken, 3/4 Liter Suppe, 5 Uhr Abmarsch, 6 Uhr Arbeitsbeginn, bis Sonnenuntergang ohne Essen, bei unerträglicher Hitze, bei ständigem Antreiben durch die Posten. - Die Kranken wurden immer mehr. Der Kommissar schrieb nun die %-Zahl der Kranken dem Arzt vor. Als auch das nichts nützte, durften die Lagerkranken nur die halbe Verpflegung bekommen. Die Folge war, daß viele zum Skelett abmagerten oder von Ödemen (Wassererscheinungen) so stark in den Beinen und im Gesicht wurden, daß sie ausschauten wie gemästet. Entsprechend groß war die Todesrate.

Der Märtyrer von Werschetz
Ein Einzelschicksal bedarf besonderer Erwähnung: Das des Abtes Adalbert Graf von Neipperg. Während des Krieges arbeitete er mit großem Eifer in der Untersteiermark, wo er fünf Pfarreien zu betreuen hatte. Darüber hinaus übernahm er als Militärseelsorger die Betreuung der deutschen Soldaten in diesem Gebiet. Weiterhin ließ er sich als Sanitäter ausbilden, um auch in den umliegenden Industrieorten für die immer häufiger anfallenden Bombenopfer des alliierten Bombenterrors helfen zu können. Nach der deutschen Kapitulation wurde er aus seiner Kirche vertrieben und schloß sich zwangsläufig dem Treck in Richtung Österreich an.

Kurz vor der heutigen Staatsgrenze wurde er von bulgarischen Einheiten (!!) gefangen. Von einem Oberst dieser Spätsieger wurde er aufgefordert, in seine Heimat zurückzukehren. Die Frage des Priesters: "Was wird mit den Soldaten, den Kranken, den Verwundeten?" Antwort des Spätsieger-Offiziers: "Die werden nach Bosnien gejagt!" Der Priester der römischen Kirche: "Dann bleibe ich bei ihnen. Sie haben keinen Arzt und keinen Priester mehr". So wurde Graf Adalbert von Neipperg Kriegsgefangener und zwar als Offizier. Und damit begann die Leidensgeschichte dieses selbstlosen Samariters, der in der Geschichte der römischen Kirche kaum seinesgleichen findet. Seine erste Station war das Lazarett von Thesen, einer ehemaligen deutschen Flugzeughalle. Dort war er Lazarettchef, Priester, Beichtvater und Sanitäter in einer Person, denn Arzt gab es keinen. Verpflegung für 16 Mann pro Tag: Ein Brot und einen Schöpfer Wasser!! Später wurde dieses Lazarett nach Marburg verlegt. Dort erbettelte er Brot und Kartoffeln, um den Hunger der Schwerverwundeten einigermaßen zu stillen.

Plötzlich wurde er einem Transport zugeteilt, der in einem endlosen Fußmarsch das Offizierslager 233 in Werschetz erreichte. Der Balkan hatte sich für Sühnemärsche der Gefangenen entschieden. In einer dieser Kolonnen marschierte ein hochgewachsener Mann in der Mönchskutte der Benediktiner mit strohweißem Haar. Den Abt nannten ihn seine Kameraden, als Popen beschimpften ihn seine Schergen und schlugen ihm fortwährend ihre Gewehrkolben ins Kreuz. Nachdem man ihn auf diese Art nicht kleinkriegen konnte, nahm man ihm seine Schuhe weg und er mußte barfuß den Karstweg weitermarschieren. Das Lager selbst war nichts anderes als der Vorhof zur Hölle. Abt Neipperg erkrankte selbst, ließ es sich aber nicht nehmen, seine Pflicht als Priester der römischen Kirche wahrzunehmen. Nach einer schweren Herz- und Lungenerkrankung wurde er kurzzeitig in ein Lazarett verbracht und die dortigen Ärzte verlangten die Repatriierung in die Heimat. Abt Neipperg lehnte kategorisch ab. Er ist der einzige Seelsorger in diesem Elend. Er würde nur gehen, wenn alle seine Kameraden auch gehen könnten.

Plötzlich bekam er Ausgeherlaubnis, die er dazu nützte, um für seine Kameraden Medikamente zu besorgen. Rastlos ist er unterwegs um das Los seiner Kameraden nur etwas zu erleichtern. Dem oder jenem etwas zu bringen, damit er überleben kann. Am 23. Dezember 1948 wird Abt Neipperg zur Kommandantur bestellt. Von diesem Weg kehrt er nie mehr zurück. Unter einem Maisschrothaufen entdeckte ein Hirte die Leiche eines entkleideten Mannes. Friedhofsarbeiter erkannten den Toten. Es war Abt Adalbert Graf Neipperg. Er lag nackt auf einem Holzrost, seine Kehle war durchschnitten. Die Nägel seiner Zehen waren abgerissen, der Körper mit schwarzen Flecken bedeckt, die von schweren Schlägen herrühren mußten.

Repatriierung
Der letzte, offiziell angekündigte Transport mit deutschen Kriegsgefangenen verließ Jugoslawien am 18. Januar 1949. Daß jedoch nicht alle nach Hause geschickt wurden, ist aus einem Bericht an den Länderrat des amerikanischen Besatzungsgebietes vom 25.3.1949 zu ersehen. Darin heißt es u.a.: "In Jugoslawien dürften etwa 800 ehemalige Offiziere und 300 - 400 Mannschaften zurückgeblieben sein". Diese befanden sich in Untersuchungslagern und Gefängnissen. Eine genauere Auskunft erhielt ein hoher protestantischer Geistlicher vom Internationalen Roten Kreuz in Genf: "Folgende Auskünfte wurden unserem Vertreter vom Jugoslawischen Roten Kreuz erteilt: Im ganzen wurden nach Abschluß der allgemeinen Repatriierung im Februar 1949 1.348 Kriegsgefangene, die unter der Anschuldigung von während der Kriegshandlungen begangener Vergehen stehen, in Jugoslawien zurückgehalten; davon befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch 976 Gefangene in Untersuchungshaft, während 372 Gefangene entweder bereits verurteilt wurden oder ihre Verurteilung abwarteten.

4. Prozesse und Urteilsvollstreckungen

Jugoslawien begann nach Kriegsende seine Prozeßverfahren gegen deutsche Kriegsgefangene wegen angeblicher Kriegsverbrechen im Oktober 1946 nach dem Muster des Nürnberger Militärtribunals. Neben einer nicht feststellbaren Zahl von Einzelverfahren gab es laut Veröffentlichungen in der "Borba", dem Zentralorgan der Kommunistischen Partei Jugoslawiens, folgende 11 große Prozeßverfahren:

1. In Belgrad vom 14. bis 23.10.1946: Urteile: 21 Angeklagte wurden zum Tod durch Erschießen, 11 zu 5 - 20 Jahren Freiheitsentzug mit Zwangsarbeit verurteilt. Die Todesurteile wurden in der Nacht vom 14. zum 15.11.1946 vollstreckt.

2. In Belgrad vom 28.10. bis 5.11.1946: 12 Urteile zum Tod durch Erschiessen, 2 zu 12 Jahren Freiheitsentzug mit Zwangsarbeil. 10 Todesurteile wurden am 20.12.1946 vollstreckt, 2 Verurteilte wurden zu 20 Jahren Freiheitsentzug begnadigt.

3. In Belgrad vom 9. bis 22.12.1946: 18 Verurteilungen zum Tod durch den Strang, darunter der ehemalige Polizeiführer Serbiens, Generalleutnant August Meyßner, 3 zu Freiheitsentzug mit Zwangsarbeit (5 - 20 Jahre).

4. In Belgrad 5.-16.2.1947: Dies war das historisch und politisch wichtigste Verfahren. An der Spitze der Beschuldigten stand der ehemalige Oberbefehlshaber Südost, Generaloberst Alexander Löhr; mit ihm saßen 6 Generäle und ein Oberst auf der Anklagebank. Löhr wurde erschossen, die übrigen wurden durch den Strang hingerichtet.

5. In Belgrad 27.2. - 9.3.1947: 9 Verurteilungen zum Tod, davon 8 vollstreckt, 1 zu 20 Jahren Freiheitsentzug begnadigt, 3 Freiheitsstrafen von 8 bis 20 Jahren.

6. In Belgrad 27.3. - 4.4.1947: Verurteilungen 3 zum Tod durch den Strang, darunter der letzte Kommandeur der 7. SS-Gebirgsdivision "Prinz Eugen", Generalmajor Karl von Oberkampf, 4 durch Erschießen, 2 zu je 20 Jahren Freiheitsentzug mit Zwangsarbeit. Die Todesurteile wurden am 3.5.1947 vollstreckt.

7. In Groß-Betschkerek (Zrenjanin) vom 29.5. - 6.6.1947: Verurteilungen 3 zum Tode durch den Strang, 4 zum Tod durch Erschießen, 6 zu langjährigen Freiheitssttafen.

8. In Agram 29.5. -7.6.1947: Verurteilungen 1 Deutscher zum Tod durch den Strang; 6 Kroaten ("Kollaborateure"), darunter der ehemalige Kriegsminister des Unabhängigen Staates Kroatien, Slavko Kvaternik, wurden erschossen.

9. In Marburg 16. - 26.6.1947: 4 Angeklagte wurden durch den Strang hingerichtet, 2 durch Erschießen.

10. In Laibach 10. - 19.7.1947: Verurteilt wurden 7 zum Tod durch den Strang, darunter der ehemalige Gauleiter von Kärnten, Dr. Friedrich Rainer, 5 zum Tod durch Erschießen, 2 zu 16 bzw. 18 Jahren Freiheitsentzug mit Zwangsarbeit.

11. In Belgrad 22. - 31.10.1947: Es gab 5 Todesurteile: 4 durch Erschießen, 1 durch Erhängen und eine Freiheitssttafe (20 Jahre).

Vernehmungsmethoden
Über die Vernehmungsmethoden, mit deren Hilfe Geständnisse erpreßt wurden, liegen zahlreiche Berichte vor. Als Beispiel hier ein Auszug aus dem umfangreichen Bericht des letzten Kommandeurs der 11. Luftwaffen-Felddivision, General Gerhard Henke:

"Mein Vernehmer war ein jugoslawischer Reserveleutnant:
Ich: Ich habe nichts zu gestehen. Von mir und meiner Division sind keine Kriegsverbrechen begangen worden.
Er: Überlegen Sie sich's. Ich habe Mittel, Sie zu Geständnissen zu zwingen. Die deutschen Generale sind alle Kriegsverbrecher. Es geht Jugoslawien darum, das ganze Ausmaß dieser Verbrechen zu erfahren. Ich könnte Sie bei Ihrem nächsten Gang auf die Latrine erschießen, weil Sie einen Fluchtversuch gemacht haben, und kein Hahn würde nach Ihnen krähen. Aber ich brauche Ihre Geständnisse und werde sie so oder so bekommen. Wollen Sie gestehen?
Ich: Sie können von einem deutschen General nicht verlangen, daß er Verbrechen, die er und seine Division nicht begangen haben, gesteht.
Er: Denken Sie jetzt eine Stunde über Ihre Verbrechen nach. Ich werde Sie in Ihrer Zelle allein lassen, Sie vorher aber fesseln, wie man einen Schwerverbrecher fesselt.

Er fesselte meine Hände auf dem Rücken mit einer engen stählernen Handfessel. Ich hatte jetzt schon Schmerzen. Sie wurden nach einiger Zeit in der Dunkelzelle unerträglich, zumal die Hände und Gelenke anschwollen. Nach 2 Stunden wurde ich in das Nebenzimmer geholt und aufgefordert, mich auf den Stuhl vor dem Schreibtisch zu setzen. Hinter ihm stand der Vernehmer. Er hatte einen dicken Knüppel und Stricke in den Händen. Er sah mich mit tödlichem Haß an. Rechts von mir standen 2 weitere jugoslawische Offziere. Einer von ihnen, ein Riesenkerl, sagte: "General, wir geben Ihnen 5 Minuten Zeit. Wenn Sie bis dahin nicht wenigstens ein Teilgeständnis abgelegt haben, werden wir Sie dazu zwingen". Ich sagte: "Ich habe keine Kriegsverbrechen begangen und möchte keine erfinden." Nach nochmaliger, ergebnisloser Befragung nahm man mir die Fesseln ab. Ich mußte meine Schuhe ausziehen. Dann wurde ich wieder rückwärts gefesselt und aufgefordert, mich mit dem Bauch auf den Tisch zu legen. Der Große riß mich am Oberarm über den Tisch. Man band meine beiden Fußgelenke mit einem Strick zusammen, zog die Füße rückwärts hoch und knotete sie scharf an die auf dem Rücken gefesselten Hände. Der Strick wurde dann weiter um den Hals geführt und wieder irgendwo zusammengebunden. Sie warfen mich nun wie ein lebendiges Paket vom Tisch auf die Erde herunter. Ich schlug mit dem Brustkorb, den Knien und dem Kinn schwer auf. Sie stülpten einen Schemel um und legten mich mit Brust und Bauch auf die 4 Schemelfüße. Mein Kopf hing vorn herunter. Dann schlugen zwei mit Knüppeln ununterbrochen mit voller Wucht auf Rücken und Füße. Ein schneidender Schmerz vom linken Fuß ausgehend zog durch den ganzen Körper. Auch bohrten sich die Schemelbeine mit jedem Schlag in die Lenden. Ob ich gebrüllt oder gestöhnt habe, weiß ich nicht. Die weiteren Schläge fühlten sich immer dumpfer an. Dann verlor ich das Bewußtsein".

Nach wiederholtem Wechsel zwischen Erwachen, Schlägen, Vernehmungen und Ohnmacht erhielt der Berichterstatter am folgenden Tag einen Besuch des Arztes Dr. Rost. "Rost untersuchte mich und stellte einen Bruch des linken Fußes, Bruch oder Verstauchung des rechten Fußes, schwere Gehirnerschütterung, Bruch der linken unteren Rippe und Nierenquetschung fest. Darüber hinaus einen zerschlagenen Rücken, völlige Unterernährung und unregelmäßige und schwache Herztätigkeit. Er verband mich, gab mir eine oder mehrere Spritzen. Am nächsten und übernächsten Tage erreichte er wieder, daß er mich besuchen und behandeln durfte. Er sagte mir dabei, daß ich weitere Folterungen bei meinem geschwächten Zustand nicht überleben würde. Ich solle Kriegsverbrechen erfinden, wie es alle machten, um aus der jetzigen Lage zunächst herauszukommen."
Diesen Rat befolgte Henke und gab bei der folgenden Vernehmung eine Reihe erfundener Kriegsverbrechen zu Protokoll.

Nachtrag
Obwohl Jugoslawien dem Genfer "Abkommen über die Behandlung der Kriegsgefangenen" vom 27. Juli 1929 bereits am 20.5.1931 beigetreten war, haben die Tito-Partisanen während und vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg fast sämtliche Bestimmungen desselben nicht eingehalten. So lautet Art. 46 dieses von fast allen am Zweiten Weltkrieg beteiligten Mächten und Ländern unterzeichnete Kriegsgefangenenabkommen:

"Verboten sind körperliche Strafen jeder Art, jede Einsperrung in nicht vom Tageslichte erhellte Räume und überhaupt jede Grausamkeit" und im Art. 61 wird ausdrücklich bestimmt: "Kein Kriegsgefangener darf verurteilt werden, ohne Gelegenheit zu seiner Verteidigung gehabt zu haben. Kein Kriegsgefangener darf gezwungen werden, sich der Handlung, deren er angeklagt ist, schuldig zu bekennen". Für die noch dazu widerrechtlich in Jugoslawien festgehaltenen Kriegsgefangenen - gemäß Art. 75 des genannten völkerrechtlichen Abkommens hätten die Jugoslawen unverzüglich nach der Kapitulation der deutschen und österreichischen Soldaten Verbindungen mit den Herkunftsländern (Österreich war bereits am 27. April 1945 "wiedergegründet" worden) über die Heimschaffung der Kriegsgefangenen aufnehmen müssen - sah die Praxis der Gefangenschaft größtenteils anders aus: Hunger, Folterung und Mißachtung der Menschlichkeit bei zehntausenden Männern und Jugendlichen bis zum Tode.

Einige Einheiten, wie etwa das Geb. Jg. Rgt. 139 hatten ihre Ausbildungs- und Ersatzeinheiten im jugoslawiscben Raum, so daß höchstwahrscheinlich sogar 16 und 17-jährige in Gefangenschaft geraten waren. Kommandeur dieses Ausbildungsregiments war Oberst (zuletzt Generalmajor?) H. Christl, über dessen Tod P. Graf, München berichtet:
"...daß mein Onkel, Generalmajor Hans Christl, von Tito-Partisanen bei Kriegsende gefangen wurde und ein halbes Jahr danach den Hungertod starb. Mein Onkel war einst Kommandeur der Mittenwalder Gebirgsjäger. Ich selbst habe als Feldwebel von entflohenen Gefangenen erfahren, daß deutsche Gefangene von den Partisanen wie Vieh im wahrsten Sinne des Wortes geschlachtet und in Schaufenstern ausgehängt wurden. Das waren die "Heldentaten" von Titos Schergen!"
Tatsächlich ist Oberst oder Generalmajor Christl jedoch nicht verhungert, sondern er wurde von einer jugoslawischen Militärstrafkammer unter dem Vorsitz von Hauptmann August Bracic am 19.7.1947 zum Tode verurteilt und durch Erschießen hingerichtet.

Wie völkerrechtswidrig und grausam-unmenschlich vorgegangen wurde, ergibt sich aus einem der unzähligen Berichte, die in der einmaligen Dokumentation "Die deutschen Kriegsgefangenen in Jugoslawien 1941 - 1949" aufgezeichnet wurden:
"Am 6.12.1949 wurden wir - etwa 40 Kriegsgefangene - dem Vernehmungslager Werschetz zugeführt. Am 7.12. holte man mich zur Vernehmung und empfing mich mit den Worten: "Ah, da kommt ja wieder so ein Herrenmensch!" Ich erwiderte, daß ich nie ein Herrenmensch gewesen wäre und nur meine PfIicht meinem Volke gegenüber getan hätte, wie er. Daraufhin wurde ich niedergeschlagen. Ich wies mit eindringlichen Worten immer wieder darauf hin, daß ich unschuldig sei, keine Kriegsverbrechen begangen und nie einen Menschen erschossen oder getötet hätte. Ich bat, man möchte mich dorthin bringen, wo ich eingesetzt gewesen sei. Die Leute könnten bestätigen, daß ich Ihnen nur Gutes angetan hätte. Ovidic (der jugoslawische Vernehmer, der Verf.) ließ sich auf nichts ein, fesselte meine Hände vorn und brachte mich unter Schlägen und Stößen zum Holzbunker. Er ließ mir sagen, er gäbe mir 3 Stunden Bedenkzeit, Kriegsverbrechen zuzugeben und zu unterschreiben. Er ließ wörtlich übersetzen: "Hier gibt es nur eins, entweder unterschreiben oder verrecken!" Während der nächsten 3 Stunden wurde ich von jugoslawischen Bewachungssoldaten durchgeprügelt und getreten. Gegen 10 Uhr kam Ovidic wieder und fragte unter Stößen und Schlägen - ich konnte schon nicht mehr stehen - ob ich bereit sei zu unterschreiben. Ich beteuerte meine Unschuld weiter (nach weiteren Unschuldsbeteuerungen kettete man dem Soldaten Hände und Füße zusammen, der Ver.). Einige Zeit später ließ mich Ovidic durch den Dolmetscher holen. Ich konnte nicht laufen. Hände und Füße waren blau von gestautem Blut und stark geschwollen. Ich bekam Papier und Bleistift und sollte Erschießungen aufschreiben. Wegen der zerschundenen Hände konnte ich nicht schreiben und ich wollte es auch nicht, denn ich hatte nichts anzugeben. Ovidic kam wieder und drohte mit erneuter Knebelung und Folterung. Gebrochen an Leib und Seele habe ich dann aus Angst vor weiteren Folterungen erfunden: 28 Erschießungen auf Befehl, 4 Erschießungen aus eigenem Entschluß, 1 Brückensprengung und Plünderung von Vieh.

Am 10.12.1949 traf ich, von Schreikrämpfen geschüttelt, eine Reihe von Kameraden, die noch mehr Erschießungen zugeben mußten. Wie sie sagten, gab General Schmid-Richberg 22.000 Erschießungen zu, Roggenkamp 500, Hilger 1.800 usw.

Die Gerichtsverhandlung fand am 12.12.1949 statt und dauerte genau 2 1/2 Minuten. Nachdem alle 17 Kameraden durchgeschleust waren, wurden wir geschlossen in den Gerichtssaal gejagt. Mir diktierte man mündlich 16 Jahre Zuchthaus, Zwangsarbeit und Landesverweisung zu (auf diese hatten Hunderttausende Kriegsgefangene gewartet und brauchten kein Urteil dazu!, der Verf.)

Die gegen uns ausgesprochenen Urteile, die nur auf Grund der durch Folterung, seelische Marter und Hungerkuren erzwungenen Geständnisse gefällt wurden, stellen ein himmelschreiendes Unrecht dar. Soweit mir bekannt, wurden in Werschetz 61 Kameraden zu Tode geschunden, weil sie keine Geständnisse erfanden und unterschrieben. 12 österreichische, unschuldig zum Tode verurteilte Kameraden, darunter Oberst Becker, wurden mit Eisenstangen erschlagen und hinter den Schweineställen des Zuchthauses in Sremska Mitrovica verscharrt.

Wir 1.400 Verurteilte waren moralisch, körperlich und seelisch so fertig, daß aufkommende rebellische Gedanken - nur unter großen Vorbehalten - aufkamen. Sie endeten mit fürchterlichen Quälereien und Totschlag. Deshalb habe ich auch kein Rechtsmittel eingelegt. Nach der Verurteilung sperrte man uns in einen nassen Weinkeller. Von dort wurden wir zusammengefesselt mittels Bahntransports nach dem Zuchthaus Mitrowitz überführt".

Bei diesen Massenverurteilungen ging es nur wenig oder überhaupt nicht rechtsstaatlich zu. Ein zu "20 Jahren" verurteilter Hauptmann Dr. E.D. stellte zur rechtlichen Abwicklung der "Gerichtsverhandlungen" fest: "Zeugen wurden nicht gehört, weder Be- noch Entlastungszeugen, denn die Vernehmer (Erpresser) wußten genausogut wie wir, daß alles unter größtem Zwang erdacht war, was wir angegeben hatten und es Zeugen dafür nicht geben kann. Meines Erachtens suchte die jugoslawische Regierung nur einen Sündenbock für die 2,000.000 Toten, die in den inneren Kämpfen des Landes umgekommen sind und dafür mußte die ehemalige deutsche Wehrmacht herhalten.

Diese Begründung für die Massenverurteilungen deutscher und österreichischer Soldaten scheint tatsächlich eine ganz große Rolle gespielt zu haben. Dabei ist es geboten auf die Unterscheidung der Soldaten nach deutscher und österreichischer Staatszugehörigkeit durch Jugoslawien hinzuweisen. Da die Österreicher zum Unterschied zu den deutschen Kameraden bereits über eine echte Staatsbürgerschaft seit der Wiedergründung Österreichs am 27.4.1945 verfügten, hätte Jugoslawien mit österreichischen Stellen Verbindung zur Repatriierung der österreichischen Gefangenen in ihr Heimatland aufnehmen müssen. Nichts dergleichen geschah, im Gegenteil. Wie wir bereits oben über die 12 mit Eisenstangen erschlagenen Österreicher berichteten, führt auch der ehemalige Oberleutnant der Schutzpolizei F.A. folgendes aus: "Nachdem die schon verurteilten Österreicher im Dezember 1949 hinter den Schweineställen des Zuchthauses Mitrovica erschossen wurden, bekam jeder zum Tode verurteilte Deutsche am 6.1.1950 im Zuchthaus Mitrovica vom Richter persönlich noch einmal ein Blatt Papier für ein weiteres Gnadengesuch mit der ausdrücklichen Weisung, ja keinen Widerruf zu wagen.

Während die Deutschen am 15.6.1950 begnadigt wurden (ich z.B. zu 20 Jahren Zwangsarbeit), hat man am 9. 10. 1950 die restlichen 7 Österreicher in den Wäldern der Fruska Gora erschossen. Es blieb nur der Österreicher Dr. Oskar Kaltenegger übrig, weil man bei ihm nicht klar sah, ob es sich um einen Österreicher handelte. Er war zuletzt Ministerialdirektor im Bayrischen Innenministerium.

Die Werschetzer Prozesse und Massenverurteilungen waren ein Politikum
Nach jugoslawischen Feststellungen sollen zwischen 1941 und 1945 rund 1.7 Millionen jugoslawische Staatsbürger ums Leben gekommen sein. Es erscheint nicht erwiesen zu sein, ob darin die mindestens 133.000 Volksdeutschen und Altösterreicher und die mindestens 80.000 österreichischen und deutschen Kriegsgefangenen, die nach 1945 ermordet wurden, enthalten sind. Sicherlich sind in diesen 1.7 Millionen Verlusten Jugoslawiens die vielen Hunderttausend Toten des Volkstumskampfes, vor allem zwischen den Kroaten und Serben, einbezogen worden.

Und nun wollte die jugoslawische Partisanenführung beweisen, "daß an allem, was während des Krieges in Jugoslawien an Menschenleben vernichtet und an Sachwerten zerstört worden ist, die deutsche Wehrmacht und sie ganz allein schuld sei, so daß Deutschland dafür jetzt Genugtuung und Reparationen zu leisten hat. Und auch die blutigen Untaten, die der Volkstumskampf zwischen den einzelnen Völkern Jugoslawiens hervorgerufen hatte, mußten den Deutschen in die Schuhe geschoben werden, sollte der neue errichtete Vielvölkerstaat Jugoslawien nicht mit der Hypothek völkischer Gegensätze belastet werden".

Als die Ergebnisse der "Kriegsverbrecherprozesse" weit hinter der Propaganda über die tatsächlichen oder angeblichen deutschen Greueltaten zurückblieben, befürchteten die Verantwortlichen, daß ihnen Belgrad den Vorwurf mache, sie hätten schlecht gearbeitet. Nun mußte es in Werschetz gelingen, "die noch offenen Lücken zu schließen. Deshalb erfand man die Erpressung von Geständnissen, die inhaltlich nach Dienstgraden oder Funktionen der Beschuldigten gestaffelt waren. Ein Stabsoffizier hatte 300 - 400, ein Hauptmann 200 - 300 Erschießungen zu "gestehen", während man bei einem Leutnant mit 100 Erschießungen zufrieden war.

Während vor allem die "Borba" (Zentralorgan der Kommunistischen Partei Jugoslawiens) ziemlich ausführlich über die Nachkriegsprozesse gegen die Generalität - über 70 % der deutschen Generale in jugoslawischer Hand wurden zum Tode verurteilt, der höchste Prozentsatz von allen Kriegsverbrecherprozessen Europas - schwieg sie sich über die Werschetzer Erpressungsurteile völlig aus. Und so schlecht muß das Gewissen jugoslawischer Stellen sein, daß man sich auch heute, selbst 40 Jahre nach dem Geschehen - als die Archive schon längst geöffnet sein müßten - noch immer nicht bereit erklärt, über die jugoslawischen Nachkriegsprozesse Unterlagen herauszugeben oder nur darüber Auskünfte zu erteilen. So wird selbst die Geschichtswissenschaft in ihrer Arbeit behindert und die übelwollenden Massenmedien einschließlich der Fernsehstationen, z.B. des ORF, können rechtlich ungehindert sogar den österreichischen Bundespräsident Dr. Kurt Waldheim der furchtbarsten Greuelmitwisserschaft beschuldigen und ihn sowie Hunderttausende pflichtbewußte österreichische Soldaten mit deren Angehörigen verleumden. Doch die wahren Täter an der Ermordung Zehntausender österreichischer und deutscher Soldaten und weit über Hunderttausend Altösterreicher und Volksdeutscher bleiben ohne jede gerichtliche oder mediale Anklage - ja sie wurden oft noch für ihre "Partisanentätigkeit" ausgezeichnet.

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