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Untersteirer und Gottscheer erlebten ein grausames
Schicksal Das Schicksal der Untersteirer und der
Gottscheer hängt insofern zusammen, als die
Gottscheer - wie später dargelegt wird - im
Jahre 1941 aus ihrer Heimat evakuiert und in der
Untersteiermark in der Gegend von Rann angesiedelt
wurden. Abgesehen von den "heimischen" Partisanen,
wie z.B. dem "Pohorski Bataljon"
(Bachern-Bataillon), die seit dem Jahre 1942
"tätig" waren, erreichte das Gros der
Partisanen die Untersteiermark und das Gottscheer
Gebiet erst im Mai 1945. Obwohl deren Blutrausch,
wie er sich den Donauschwaben gegenüber
ausgetobt hatte, schon im Abflauen war, flackerte
er hier nochmals mit aller Vehemenz auf. Die zur
Durchführung von Massenerschießungen von
dem Stellvertreter Titos, Rankovic, eigens
aufgestellte und darin geschulte Organisation von
Mordtrupps machte auch hier ganze Arbeit. Immer
wieder holten sie sich ihre Opfer in großen
Gruppen aus dem Sternthaler Lager. Auch im Lager
selbst wurden wiederholt große Gruppen
erschlagen, gefoltert und mit Genickschuß
getötet. a)
Untersteiermark In Marburg wurden am 1. und 13. Mai mehrere
tausend Menschen, darunter Kriegsgefangene, im
Südosten der Stadt, meist in den
Panzerabwehrgräben in der Gegend von
Kötsch, erschossen. Im Juni wurden aus dem
Marburger Gerichtsgefängnis wiederholt
größere Gruppen weggeführt und
erschossen. So wurde Anfang Juni eine Gruppe zum
Schloß Gutenhag bei St. Leonhard gebracht und
liquidiert, kurze Zeit später 35 Männer
im Bacherngebirge. Am 12. Juni wurden etwa 250
deutsche Männer in Marburg selbst erschossen
und im Walde bei Windischfeistritz verscharrt. Am
8. Januar 1946 wurden 50 Männer und Frauen aus
den Konzentrationslagern Tresternitz und Brunndorf
(Studenci) in einem verlassenen Bunker
außerhalb Marburgs getötet, am 12.
Januar 250 Personen aus der Strafanstalt von
Marburg in der Gegend von St. Heinrich am Bachern
erschossen. In Cilli hielten die Partisanen am 10. Mai Jagd
auf die angesehensten deutschen Männer, kurze
Zeit später auch auf Frauen. Diejenigen, die
nicht gleich liquidiert wurden, kamen in das
Gerichtsgefängnis. Eine besonders große
Gruppe wurde aus dem Gefängnis am 24. Mai
weggeführt und in dem Walde Koschnitz bei
Cilli liquidiert. Einige Zeit später wurde
eine ähnliche Massenliquidierung in
unmittelbarer Nähe der Stadt vorgenommen. In
Gobonitz haben die Partisanen in einem
nahegelegenen Wald an einem Tage 40 Männer
erschossen und die Frauen im Gerichtsgefängnis
eingesperrt. Am 25. Mai führten sie die Frauen
in den Wald Lisica und metzelten sie dort
nieder. In Windischgraz und in den Ortschaften im
Misslingtal fingen die Partisanen die einheimischen
Deutschen ebenfalls schon im Mai ein und
führten sie in größeren Gruppen weg
und liquidierten sie vor Wöllan. Die 8.000
Personen zählende Belegschaft des Lagers in
Tüchern haben die Partisanen in wenigen Wochen
durch Massenerschießungen auf 50 reduziert.
Ganze Gruppen (insgesamt etwa 2.000 Personen)
wurden in dem nahegelegenen Walde erschlagen,
ebenso in den Panzerabwehrgräben bei Rann und
in einer Schlucht im Hornwald bei Gottschee. Immer
wieder wurden aber auch in übrigen Teilen des
Landes Gruppen von Menschen in diese Schlucht
getrieben und erschossen. Sie dürfte neben den
Panzerabwehrgräben bei Rann und neben der
"Hudajama" das drittgrößte Massengrab
des Deutschtums Sloweniens sein. Die
Panzerabwehrgräben bei Rann sind zum
größten Massengrab des Deutschtums
Sloweniens geworden. Hierher wurden nebst 10.000
deutschen Kriegsgefangenen immer wieder auch
deutsche Menschen aus der ganzen Untersteiermark in
großen Gruppen geschafft und niedergemetzelt.
Ein Teil der deutschen Bevölkerung von Rann
und der in dem Gerichtsgefängnis von Rann
eingesperrten Deutschen aus den übrigen Teilen
Sloweniens wurde auch in dem Walde bei Brückel
(Mostec) erschossen und die Leichen in die Sawe
geworfen. Auch aus Cilli und verschiedenen anderen
Lagern wurden ganze Gruppen hierhergeschafft und
liquidiert. Am 18. Mai wurden 1.000 Heimkehrer, vorwiegend
Banater -72 waren allein aus Ernsthausen - aus
einem Lager in der Nähe von Agram (Zagreb)
nach Rann gebracht und in den
Panzerabwehrgräben niedergemetzelt. Die
grauenhafteste Richtstätte Sloweniens waren
die alten und verlassenen Bergwerkstollen bei
Tüffer (Lasko), im Volksmunde "Hudajama"
genannt. Immer wieder wurden große
Menschengruppen hierher gebracht, in die Stollen
getrieben und getötet. Noch im Mai wurden
große Gruppen von den im Cillier
Gerichtsgefängnis internierten Deutschen der
Stadt selbst und des ganzen Sanntales hier
liquidiert. Der größte Teil der rund
8.000 Menschen zählenden Belegschaft des
Konzentrationslagers in Tüchern fand hier den
Tod. Fast täglich fuhren abends vollbeladene
Lastkraftwagen aus dem Lager Tüchern zu diesen
Stollen und kehrten leer zurück. Zu den alten und verlassenen Stollen sind auch
von weit entlegenen Gegenden, selbst aus
Österreich, immer wieder Gruppen von Menschen
gebracht und zum Teil auch noch lebendig
eingemauert worden. Insbesondere soll dies der Fall
bei all jenen gewesen sein, die bis zum 25. Juli
von auswärts eingeliefert wurden. Es wird
vermutet, daß auch die im Mai 1945 aus
Kärnten verschleppten österreichischen
Zivilpersonen in diesen Stollen ihr schreckliches
Ende gefunden haben. Im Sternthal errichteten die Partisanen für
die Untersteirer und Gottscheer ein großes
Internierungslager. Nicht nur aus der näheren
Umgebung, sondern auch aus den entlegeneren
Städten (Pettau und Marburg u.a.) und aus dem
ganzen Drautale brachten sie ununterbrochen
deutsche Menschen hierher. Am 5. Juni 1945 allein
eine vollbeladene Kolonne von 50 Lastkraftwagen. In
dem Lager, in dem Platz für 2.500 Menschen
gewesen wäre, waren bald 10.000 beisammen.
Auch 800 Österreicher befanden sich darunter
und etwa 400 Gottscheer. Die Männer
mußten täglich schwere Zwangsarbeit
verrichten. Die Verköstigung war schlecht.
Gruppen von 18 Personen bekamen täglich 1 kg
Brot und eine leere Suppe. Am 27. August waren
schon gegen 1.200 verhungert. Im Oktober, als das
Lager aufgelöst wurde, war die Zahl der Toten
schon auf 3.000 gestiegen. Ungeziefer peinigte die
Menschen, Typhus und Hungerödem hielten reiche
Ernte. Folterungen waren auf der Tagesordnung.
Viele wurden erschlagen und viele starben an den
Folgen von Mißhandlungen. Kleinere Gruppen
von Frauen und Kindern wurden über
Aßlingen und Rosenbach nach Österreich
geschafft, die durch die häufigen
Massenerschießungen auf etwa 700 Personen
reduzierte männliche Belegschaft über
Ungarn nach Wiener-Neustadt in die russische Zone
Österreichs abgeschoben. Ein zweites großes Konzentrationslager
bestand in Tüchern (Teharje) bei Cilli. Rund
2.000 Untersteirer aus der Umgebung von Cilli und
6.000 Kriegsgefangene waren die Belegschaft von 12
Baracken. Da die Baracken alle diese Menschen nicht
aufnehmen konnten, mußten Tausende Tag und
Nacht im Freien bleiben. Zu essen bekamen sie fast
nichts, mißhandelt wurden sie ständig.
Um sich die Arbeit zu erleichtern und mangels
hinreichender Kräfte, wurden die Insassen oft
angehalten, sich gegenseitig mit Brettern zu
schlagen. Abends wurden immer Gruppen
weggeführt und liquidiert. Nur 50 blieben am
Leben. Die Deutschen von Gonobitz wurden zwischen
dem 10. und 12. Mai verhaftet und, soweit sie nicht
liquidiert wurden, in die Lager nach Tüchern
und Sternthal gebracht. Im Januar 1946 begann die große
"Säuberungsaktion", das heißt alle
vielleicht doch noch im Lande verbliebenen
Deutschen - es waren fast durchwegs nur mehr Frauen
und Kinder - wurden von den Partisanen festgenommen
und an die österreichische oder ungarische
Grenze abgeschoben, bzw. wenn dies nicht gelang, in
Lager gesteckt. So wurden am 13. Januar 1946 im
Abstaller Becken die noch dort verbliebenen Frauen
und Kinder zusammengetrieben und in 43 Viehwaggons
(3.000 Personen) an die ungarische Grenze gebracht.
Der Transport wurde aber von den Russen nicht
angenommen und kam wieder zurück. Volle 16
Tage ließen die Partisanen den Zug auf
offener Strecke an der Grenze stehen. Während
der Zeit bekamen die in den Waggons
Eingeschlossenen nichts zu essen. Viele sind vor
Hunger und Kälte gestorben. Als der Transport nach Marburg gebracht wurde,
blieb er dort 8 Tage auf dem Bahnhof stehen. Vom
14. Februar an wurden kleinere Gruppen nach
Österreich geschafft. Der Rest kam nach Gams
bei Marburg (Maribor) in das dortige
Konzentrationslager im Priesterseminar und wurde am
3. März wieder an die österreichische
Grenze gebracht. Auch diesmal übernahmen die
britischen Besatzungsbehörden nur einen
kleinen Teil. Der Rest wurde in kleinen Gruppen
über die Grenze getrieben, viele aber auch in
Konzentrationslager gebracht. Aus den deutschen Märkten Hohenmauthen und
Mahrenberg wurde die Bevölkerung am 14. Mai
zusammengetrieben und zuerst im
Gerichtsgefängnis in Mahrenberg interniert. Am
25. Mai kamen Teile in das Marburger
Gerichtsgefängnis, in die Marburger
Strafanstalt und in die Konzentrationslager
Tresternitz und Sternthal. Sie sind meist dort auch
zugrunde gegangen. Die in Cilli und Umgebung noch
lebenden etwa 100 Frauen und Kinder wurden am 4.
Januar 1946 nach Gams in das Konzentrationslager
gebracht. Am 6. Januar brachte man sie an die
ungarische Grenze und trieb sie auf ungarisches
Territorium. Am Ende des Jahres 1946, erfaßte
die Razzia auf Deutsche, noch etwa 400 Menschen.
Sie sollten nach Österreich gebracht werden.
Weil aber der Transport an der Grenze - obwohl sich
auch österreichische Staatsbürger
darunter befanden - nicht angenommen wurde, wurden
sie in das Lager Tenje bei Esseg und Anfang 1947 in
das Vernichtungslager Rudolfsgnad gebracht. Hier
mußten sie das Schicksal der Donauschwaben
teilen. Erlebnisbericht eines nicht genannten
Deutsch-Untersteirers in der Zeitschrift "Der
Untersteirer" Nr.2/1986: Am nächsten Tag holte mich ein
gefürchteter Partisane, namens "Veselko" aus
dem Bunker. Schon im ersten Gefängnis erfuhren
wir, wie brutal er mit den Häftlingen umgeht.
Er legte mir im Hausflur ein Protokoll vor, mit dem
Befehl, es zu unterschreiben. Als ich es lesen
wollte, gab er mir einen Stoß, daß ich
zur Wand fiel und brüllte mich an, wenn ich
nicht sofort unterschreibe, werde ich im Bunker
verrecken. Ich wollte hinaus, mein Widerstand war
längst gebrochen, ich unterschrieb. Von dort
führte er mich in der selben Ortschaft in ein
ebenerdiges Lokal, das auch schon voller
Häftlinge war. In allen drei bisherigen
Gefängnissen lagen wir auf dem blanken Boden.
Da ich rasch durch Krankheit und Hunger abgemagert
bin, war es für mich eine große Qual.
Auch hier bekamen wir nur einmal am Tag
ungenügend zu essen. Einige Häftlinge aus
der Ortschaft bekamen um 4.00 Uhr früh von
ihren Angehörigen heimlich zu essen, nachdem
sie den Nachtaufseher bestochen hatten. Meine
Cousine erfuhr dies, sie kam auch, aber sie wurde
verjagt, mit der Drohung, sie wird eingesperrt,
wenn sie sich noch einmal blicken läßt.
Einige Tage später kam sie wirklich ins
Gefängnis "Alter Häfen" nach Cilli. Mit
einem rostigen Draht am Rücken gefesselt,
wurde sie 30 km weit auf offenem Lastwagen stehend
nach Cilli befördert. Der Draht scheuerte die
Haut auf, was wochenlange Eiterungen hervorrief.
Ende Mai wurden wir auf einen Lastwagen verladen
und im Gefängnis in Cilli abgeliefert. Dort
wurde uns alles abgenommen, was wir noch
besaßen. Die Verhältnisse in den Zellen
waren katastrophal. Mit nur 6 bis 8 Eisenbetten
belegt, wurden bis zu 30 Häftlinge
hineingepfercht, meistens Slowenen, alt und jung.
Als WC diente eine alte Blechtrommel, es herrschte
bestialischer Gestank, der durch Beimengung von
Chlorkalk noch verschärft wurde. Schlafen
konnten wir kaum, denn in den Bettgestellen, im
Boden und unter dem herabfallenden Verputz befanden
sich Legionen von Wanzen, die nachts über uns
herfielen. Zum Essen gab es morgens Tee - oder ein
undefinierbares Getränk - und ein Stück
Brot. Nachmittag bekamen wir fettloses
Dörrgemüse, wir nannten es Drahtverhau,
drinnen befanden sich Maden. Das war die ganze
Verpflegung, wir alle wurden immer schwächer.
Um Neuankömmlingen Platz zu schaffen, wurden
nachts Transporte zusammengestellt mit unbekanntem
Ziel. Wir dachten zuerst, sie kommen in ein Lager.
Bald aber wurden wir stutzig, als die
Häftlinge ihre Habseligkeiten, wie Decken,
nicht mitnehmen durften. Auch mein Onkel wurde
nachts abgeholt und verschwand für immer.
Ebenso verschwunden sind meine 20jährige
Cousine und ihr Mann. Nachts hörten wir oft, vermutlich bei
Verhören, erschütternde Schreie, die uns
durch Mark und Bein gingen. Die Verhöre fanden
hier auch tagsüber statt. Manche, die zum
Verhör abgeholt wurden, kamen nicht mehr
zurück. Bei den Verhören gefürchtet
war eine Partisanin von der OZNA, die wurde
"blutige Tanja" genannt. Einmal wurde bei uns ein
blutjunges kroatisches Mädchen
vorbeigeführt. Auf die Frage eines Grobians
aus Greis, des Häftlingswärters Rojnik,
wohin er die "Hexe" führt, erwiderte ihr
Begleiter: "Unter die Dusche, sie stinkt wie ein
Iltis". Darauf Rojnik: "Ertränke sie!" Manchmal bekamen wir eine Brühe von
Pferdefleisch, so konnten wir uns am Leben
erhalten. In letzter Zeit wurde ich zum
Essenausteilen in anderen Zellen eingesetzt. So
kamen wir zu einer Zelle ohne Betten, wo acht zum
Tode verurteilte Häftlinge saßen, am
Boden, mit den am Rücken gefesselten
Händen. In ihren Augen sah ich den Wahnsinn.
Mich überkam das Grauen über diese
mittelalterlichen Methoden. Dabei war auch der
Friseur Paidasch und ein Einsatzbürgermeister.
Als wir wieder die Eßnäpfe abholten,
wurden sie wieder in Ketten gelegt und die Zelle
verschlossen. Ich fürchtete mich jeden Tag vor
diesem Anblick. Ich war schon völlig
verdreckt, denn Wäschewechsel gab es keinen.
Als längster Insasse der Zelle ging meine
Wäsche in Fransen. Einmal wurden wir
fotografiert, und es wurden uns Fingerabdrücke
genommen. Eines Tages im Juli wurde ich in einen Raum
geführt, und ich stand vor einem
Kriegsgericht. Der Richter in Partisanenuniform war
ein gewisser Supan. Außer der Schreibkraft
war vermutlich auch ein Staatsanwalt anwesend.
Gesprochen hat nur der Richter. Auf der Stirnwand
hingen große Bilder von Stalin und Tito. Nun
wußte ich, wieviel es geschlagen hat. Neben
mir standen auch als Angeklagte ein Grazer Richter
aus Tüffer und ein junger Slowene. Es wurden
alle drei Klageschriften verlesen. Zum ersten Mal
erfuhr ich, wessen ich angeklagt bin. Verteidiger
war keiner dort und ich selbst war zu apathisch,
dem Prozeß zu folgen. Es lagen gegen mich
vier schriftliche Zeugenaussagen vor, die verlesen
wurden. Der Erste sagte aus, ich wurde von einer
verbissenen deutschen Großmutter faschistisch
erzogen, welche bereits 1940 verstorben ist. Sie
war tatsächlich eine aufrechte Deutsche. Der
Zweite sagte aus, ich hätte ihm mit der
Aussiedlung gedroht, wenn er nicht in die
Wehrmannschaft eintrete. Obwohl er aus meiner
Ortschaft stammte, hatte ich mit diesem um 20 Jahre
älteren Menschen keinen Kontakt, auch war er
nicht in der Wehrmannschaft. Der Dritte sagte aus,
ich wäre Mitglied des Deutschen Kulturbundes.
Als Beweis diente ihm mein Wirtschaftsbuch, in dem
ich die allmonatlichen Mitgliedsbeiträge
eintrug. Ich war 20 km von Cilli entfernt, war nie
Mitglied des Kulturbundes und hatte mit ihm keinen
Kontakt. Wohl nahm ich als deutscher
Staatsbürger zweimal jährlich an
Erntedankfest und Weihnachtsfeier der
Ausländerdeutschen in Cilli im Gasthaus "Auf
der grünen Wiese" teil, wobei immer die
jugoslawische Polizei zugegen war. Ich war auch
Mitglied der Deutschen Arbeitsfront und habe die
Monatsbeiträge in meinem Wirtschaftsbuch unter
der Abkürzung "DAF" eingetragen. Der vierte
Zeuge wußte zu berichten, ich wäre schon
unter dem Königreich ein deutscher Agent
gewesen, er hätte in meiner Wohnung einen
hohen Orden vom Hitler vorgefunden. Dabei handelte
es sich um das Ehrenkreuz der Deutschen Mutter in
Gold, welches meine Mutter als älteste Tochter
posthum für die Großmutter im Herbst
1941 in Empfang nahm. Ich wurde zu einem Jahr
Zwangsarbeit, Vermögensentzug und
Landesverweis verurteilt. Später erfuhr ich,
daß ich nur deshalb nicht erschossen wurde,
weil sich für mich ein einflußreicher
Altkommunist und Geheimdienstoffizier einsetzte,
der mich von Jugend auf kannte und von den
Verleumdungen überzeugt war." Erlebnisbericht von Klantschnik-Levin aus
Schönstein in der Zeitschrift "Neuland",
März 1963: Fast gleichzeitig wurden bei Cilli und Teharje
ausgedehnte Konzentrationslager angelegt, wo es
ebenfalls täglich zu Hinrichtungen kam. Mir
persönlich war einer der slowenischen
Liquidatoren bekannt, der den Partisanennamen Blaz
führte und der später infolge der
Massenhinrichtungen, an denen er teilgenommen
hatte, wahnsinnig wurde. Er war ein Unmensch, der
sich offen rühmte, mit seinen eigenen
Händen Tausende von harmlosen deutschen
Bürgern in Teharje erwürgt zu haben. Schloß Gutenbüchel bei
Schönstein wurde erst vor kurzem, im Juni
vergangenen Jahres, zu einem Sanatorium für
"Partisanenhelden" ausgestattet, denn die
Massenmorde und all die Scheußlichkeiten, die
sie verübt hatten, sind selbst an diesen
Unmenschen nicht spurlos vorübergegangen. 21
verdiente Partisanen werden derzeit vom sogenannten
"Delirium Partisanicum" geheilt, einer Krankheit,
die sich in sonderbaren Erscheinungen
äußert. Allnächtlich sehen sich die
Nationalhelden von Gespenstern verfolgt, die die
Züge jener unglücklichen Menschen tragen,
die sie vor 17 Jahren mit einer Brutalität
ohnegleichen hingemordet hatten". Erlebnisbericht von Karl Kühner aus
St.Egydi: b) Gottschee Im November 1946 wurden alle noch in ihrer
Heimat verbliebenen Deutschen in Gottschee
zusammengetrieben und nach Agram (Zagreb) gebracht.
Selbst diejenigen, welche sich in offener
Gegnerschaft zum Nationalsozialismus gegen die
Umsiedlung aufgelehnt hatten, fanden für ihr
Verhalten keinerlei Anerkennung von seiten der
Partisanen. Selbst in Rann - also außerhalb
der Gottschee - wurden alle dort lebenden
Gottscheer zusammengefangen und ebenfalls nach
Agram gebracht. Von dort wurde versucht, sie
über Subotitza nach Ungarn zu schaffen. Als
diese Versuche alle mißlangen, wurden die
Männer 1947 einem Transport von
österreichischen Heimkehrern beigeschlossen
und abgeschoben, die Frauen und Kinder weiter in
Subotitza behalten und zu Zwangsarbeiten
verwendet. Ein bezeichnendes Licht auf die
Rücksichtslosigkeit der Partisanen wirft der
Bericht des Gottscheers K.R.: Erlebnisbericht des Gottscheers K.R.: 2. Auch
die volksbewußten Kroaten, Slowenen und
Serben fielen nach Kriegsende der grausamen
Vernichtung durch die Tito-Partisanen zum
Opfer Im Gegensatz zu den Titopartisanen standen, bzw.
kämpften gegen sie: Die serbischen Tschetniks
unter General Mihalovic waren königstreue
Partisanen, die zunächst gegen die deutsche
Besatzung, zuletzt aber mit ihr gegen die
Tito-Partisanen kämpften. Die slowenische "Weiße Garde" (Bela garda)
bzw. die Domobranzen (Heimwehr) unter General
Rupnik taten desgleichen. Die Ustascha war eine
kroatische Parteiformation, bei der vor allem der
nationale Gegensatz zu den Serben eine Rolle
spielte. Das Heer des Unabhängigen Staates
Kroatien kämpfte an der Seite der Deutschen
Wehrmacht gegen die Titopartisanen. Als die
Angehörigen dieser Formationen im Mai 1945
nach Österreich und zwar nach Kärnten
flüchteten, nahmen sie auch ihre Frauen und
Kinder mit. Aus diesem Grunde soll hier über
ihr furchtbares Ende berichtet werden. Der
britische Residenzminister beim
anglo-amerikanischen Hauptquartier für den
Mittelmeerraum, Harold Macmillan, entschied - im
Gegensatz zu seiner Regierung - am 13. Mai 1945,
über 50.000 Kosaken mit ihren Popen und
Familien und 23.000 Slowenen, Kroaten und Serben,
die vor den Titopartisanen geflüchtet waren,
sowie 128 Kärntner Zivilisten an diese
auszuliefern. Er hat unzweifelhaft gewußt,
daß diese Auslieferung für die
Betroffenen den sicheren Tod bedeutete. Hierzu ein Auszug aus der Dokumentation von
Lorenz Mack in der Grazer "Kleinen Zeitung" April -
Mai 1987 "Im Schatten des Friedens": In der dritten Woche des Mai erhielten die
Kommandanten der britischen Wachen dieses Lagers
einen vertraulichen Auftrag, daß die
Flüchtlinge, die sich unter ihrer Bewachung
befanden, zurück nach Jugoslawien zu
deportieren seien. Hätten die Lagerinsassen
von diesem Beschluß erfahren, wäre es
schwer gewesen, ihren Widerstand gegen diesen zu
ersticken. Deshalb wurden Anweisungen gegeben,
daß es erforderlich sei, die Flüchtlinge
mit einer List zu den Transporten zu locken. In
genügend Fällen wurde ihnen das Ehrenwort
englischer Offiziere gegeben, daß man sie an
einen "sicheren Ort" in Italien bringen wolle.
Davon zeugt unter anderem eine grimmige Eintragung
des britischen Obersten Rose-Pricea in seinem
Tagebuch am 19. Mai, die auch besagt, daß
Titos Wachen schon in besonderen Waggons versteckt
waren. Lastkraftwagen brachten die nichts ahnenden
Flüchtlinge zum Bahnhof von Maria Elend an der
Seitenstrecke Klagenfurt-Rosenbach. Die Gefangenen
waren ahnungslos und gehorsam in die wartenden
Güterwaggons gestiegen. Die Lokomotive hatte
keinerlei Kennzeichen, aber es war eine
jugoslawische. Den Vertriebenen kamen die ersten
Zweifel, wohin sie gebracht wurden, als es schon zu
spät war. In Rosenbach schwenkte der Zug gegen
den langen Tunnel unter den Bergen - nach
Jugoslawien. Die brutale Bestätigung
dafür, daß sie in Titos Händen
seien, ereilte sie in Hrusice, der ersten
Bahnstation, als sie die Finsternis des Tunnels
verließen. Dort drangen bewaffnete Partisanen
in die Waggons, in welchen sich die Offiziere (der
Heimwehr und andere) befanden, zerrten sie ins
Freie, wo sie geschlagen, in den nahen Wald
geschleppt und dort erschossen wurden. Das alles geschah mit Wissen des britischen
Verbindungsoffiziers, der den Transport begleitete.
Der Zug hielt kurz auch in den folgenden Stationen
an, damit die zuschlagenden Soldaten die Waggons
öffnen und töten konnten, wenn es ihnen
gefiel, und die Gefangenen all ihrer Habe
beraubten, sogar des Großteils ihrer
Kleidung. Kruzifixe und andere Glaubenszeichen
spieen sie an und schändeten sie. So blieb es,
bis man in St. Veit, einer Vorstadt von Laibach
anlangte. Dort wurden sie halbnackt unter
Schmähungen in das große, befestigte
Konzentrationslager um das ehemalige katholische
Seminar (Institut des Heiligen Stanislaus)
getrieben. Die Briten brachten in neuen Zügen
Tausende der Unglücklichen, bis alle
Stockwerke und die Flächen im Freien
vollgestopft waren. Die große Mehrheit unter
ihnen stellten die slowenischen Domobranci
(Heimwehr) dar, die dem König Peter, dem noch
immer anerkannten Verbündeten
Großbritanniens und Chef der jugoslawischen
Regierung im Exil in England, den Eid geschworen
hatten. Die Gefangenen verweilten vier Tage in diesem
Konzentrationslager, ohne Nahrung und Wasser,
Erniedrigungen und Roheiten ausgesetzt. Der
schlimmste Auftritt hierbei war, als die
sadistische Partisanin "Ela" einen Geistlichen
nackt auszog und ihn durchpeitschte; sie hatte ihn
bei einer heimlichen Meßfeier im Institut
ertappt. Aber all das war noch nichts im Vergleich zu
dem, was ihnen die OZNA (die sich damals KNOJ-Korps
der nationalen Verteidigung Jugoslawiens nannte)
bereitete. Ihre von Tag zu Tag zahlreicheren
Einheiten führten am 28. Mai die Gefangenen
zur Bahnstation. Der erste Zug kam mit ihnen am
nächsten Morgen in Gottschee an, wo man fast
keinen Menschen sehen konnte. Die Männer
überlief ein eisiger Schauer, als sie am Rand
der Stadt - im Hornwald - eine neu geschlagene
Waldlichtung erblickten. Rund um sie standen
bewaffnete Partisanen. Den Unglücklichen
wurden mit Telefondraht die Hände am
Rücken zusammengebunden und zu zweit
zusammengekettet. Man pferchte sie auf Lastwagen,
stieß sie, beim Wald angekommen, hinab und
trieb die Wankenden zur Lichtung. Die
Maschinengewehre ratterten abgehackt. Die Lastwagen
mit neuen Opfern kamen unaufhörlich an, und
die Lichtung füllte sich mit Hunderten und mit
Tausenden Körpern. Die Kommissare kletterten
über die Haufen der eigenen Landsleute und
schossen mit Pistolen jene nieder, die noch
irgendwelche Zeichen des Lebens zeigten. Jedoch die Morde in einem so riesigen
Ausmaß, die der Zahl nach den ähnlichen
schändlichen Fall im polnischen Katyn
überschattete, konnte nicht ganz vollkommen
erfolgen. Eine unbekannte Zahl halb Lebender konnte
aus den Mordstätten entweichen. Ihre
Zeugenaussagen ermöglicht es, diese
Tragödie im Detail zu zeigen. Das Gemetzel an
den Domobranci in Gottschee, sagt Nikolai Tolstoj
in der Abhandlung "Verschwörung in
Klagenfurt", war nur eines von vielen
ähnlichen in Slowenien im Frühling des
Jahres 1945. Die zurückgekehrten Slowenen und
Serben trieben sie auch nach Unterdrauburg,
Marburg, Pettau und metzelten 20.000 bis 30.000 von
ihnen nieder. Für die Kroaten war das
allerschlimmste Katyn Maribor (Marburg), wo man
Tausende erschoß und 12.000 Männer,
Frauen und Kinder in ein Massengrab warf. Von
200.000 kroatischen Flüchtlingen, die die
Engländer vertrieben haben und die nach
Jugoslawien zurückkehrten, endete der
Großteil an den Mordstätten in Slowenien
und bei Samobor in Kroatien. Die Transporte mit den Heimwehrmännern
gingen Ende Mai von Viktring in zweierlei
Richtungen: nach Rosenbach und nach Bleiburg. Das
Ziel jener aus Rosenbach waren der Hornwald
(Kocevski Rog), in Poljanska dolina (ein entlegenes
Tal südwestlich von Rudolfswert - an der
Grenze zu Kroatien) und nach Podutik (in Laibach);
aus Bleiburg aber hat man sie in die Wälder um
Teharje (bei Cilli) und in die Gruben der Umgebung
von Hrastnik (Trifail) gebracht. Nach den
Erzählungen der Augenzeugen war der Weg der
aus Bleiburg zurückgegebenen
Heimwehrmänner bis zu den ersten
Bahnhöfen ziemlich dem anderen ähnlich,
den die Heimwehrmänner, die vor dem
Karawankentunnel in Rosenbach übergeben
wurden, gingen. Beschimpfungen, Beraubung,
Prügelei, Hunger, Durst... Über den Transport aus Bleiburg in
Richtung Slovenj Gradec (Windischgraz) berichteten
gerettete Heimwehrmänner und Zivilisten: Nach allen Zeugenaussagen war der Marsch durch
Cilli nach Teharje eines der schrecklichsten
Kapitel der Viktringer Tragödie. Es ging gegen Nachmittag. Die Sonne brannte
nieder. Wir waren ermattet, hungrig, durstig, aber
nirgends ein Tropfen Wasser. Als wir an einem
schmutzigen Bach vorbeizogen, ließen uns die
roten Offiziere nicht zum Wasser. Aber zwei
Partisanen erbarmten sich unser doch und brachten
uns schmutziges Wasser. Schon vier Tage hatten wir
nichts gegessen, aber sie zogen uns über die
Straßen. Von Zeit zu Zeit mußten wir
uns niederlegen und schreien: "Wir sind
Verbrecher!" Während des ganzen Weges
mußten wir die Lieder der Heimwehr singen,
dabei haben sie uns unentwegt verprügelt. Das
Leiden war so unerträglich, daß wir
baten, man möge uns erschießen, weil wir
nicht mehr weiterkonnten. Wie Tiere jagte man uns
in Richtung Teharje. Überall standen
Zivilisten, die uns verspotteten, auf uns spuckten.
Die Soldaten waren noch roher. Sie schlugen auf uns
mit Gewehren und Stangen ein, wie oft die Fleischer
auf das Vieh einschlagen. Jene, die an den Seiten
gingen, waren blutig von den Schlägen. Sie
fielen wie Fliegen um. Die Begleitkommandos
warteten nicht, bis jemand von den
Unglücklichen wieder zu sich kam. Wer
stürzte und nicht sofort aufstehen konnte,
wurde an Ort und Stelle getötet. Die
Erschlagenen lagen auf der Straße wie
auseinandergeworfene Holzscheite." Bericht von Klantschnik-Levin in der
Zeitschrift "Neuland", März 1963: An der Stelle, an der in den Karstmulden
Zehntausende von Opfern in die Luft gesprengt
wurden und ihre Überreste, mit Benzin
übergossen, in Flammen aufgingen, ja selbst
die Exekutionskommandos erschossen wurden, haben
die neuen Machthaber große unterirdische
Benzinmagazine, Waffen- und Munitionsfabriken
angelegt und damit auch die letzten Spuren
einstiger Greueltaten verwischt. Deutsche, Kroaten,
Slowenen, königstreue Serben, Ungarn und
Russen der Wlassow-Armee haben hier ihr gemeinsames
Grab gefunden. Ich persönlich habe lange Zeit
nach Zeugen dieser furchtbaren Greuel gesucht, ehe
es mir im Jahre 1957 gelang, in dem benachbarten
Ort Reifnitz (Ribnica) in Unterkrain einen Bauern
ausfindig zu machen, dessen Sohn auch unter den
Totgeweihten war. Durch die damalige Explosion
wurde er über einen Baum in ein Gebüsch
geschleudert. Dem Burschen gelang es, sich in einem
dreitägigen Fußmarsch bis zu seinem
Vater durchzuschlagen, der ihn dann einige Wochen
im Heu versteckt hielt, um seine Wunden
auszuheilen. Einen Doktor wagte man nicht
herbeizurufen und so erlag der Bursche später
einer Blutvergiftung. Der Vater begrub ihn
seinerzeit hinter dem Haus. Wie ich später
erfuhr, wurden noch zwei weitere Fälle in der
Umgebung von Reifnitz bekannt, die ebenfalls
tragisch endeten. Die beiden der Liquidierung
entkommenen Burschen wurden später verraten
und durch die VDV (Staats-Sicherheits-Armee)
hingerichtet. Wie der Vater des Jungen, dessen Grab
an der Sonnseite des Vaterhauses liegt,
erzählte, wurden die Opfer in Nachttransporten
von Aßling (Jesenice) nach Gottschee
gebracht, dort wie Vieh auswaggoniert, in
UNRRA-Kraftwagen gepfercht und zu Zehntausenden in
die Niederungen des Hornwaldes getrieben, die
bereits unterminiert waren. Die dieserart mit
Menschenmassen gefüllten Mulden wurden ringsum
von Truppen mit Maschinengewehren umstellt und in
die Luft gesprengt. Was zurückblieb, wurde mit
Benzin übergossen und in Brand gesteckt.
Später wurde die Stelle eingeebnet; bald
danach begann man mit dem Bau der unterirdischen
Magazine und Munitionsfabriken. Als ich im Jahre 1953 bei der "Delavska
ednotnost" in Laibach als Journalist tätig
war, lud mich der derzeitige Generaldirektor der
slowenischen Presse Rudi Janhuba zur
Geburtstagsfeier seiner Frau ein, die aus meiner
Heimatgemeinde Schönstein stammt. Damals
äußerte sich Janhuba, der zusammen mit
dem vor kurzem abgesetzten
Landesparlamentspräsidenten von Slowenien,
Miha Marinko, der älteste Liquidatorenchef des
VDV-Kommandos war, in trunkenem Zustand: "Die
Gottscheer Liquidierung haben wir beide - Miha
Marinko und ich - radikal durchgeführt. Es war
nicht zu unserem Nachteil. Mir brachte die
Liquidierung des deutschen, ungarischen,
slowenischen, serbischen, kroatischen und
russischen Gesindels zunächst einen
Diplomatenposten, später den
Generaldirektorsposten in der slowenischen Presse,
und Miha Marinko schwang sich als
Generalsekretär der Slowenischen
Kommunistischen Partei sogar zum slowenischen
"roten Papst" auf." Auf der oben erwähnten
Geburtstagsfeier im Hause Janhuba beachtete niemand
außer mir das offenherzige Bekenntnis des
Hausherrn, mir aber waren seine Worte sozusagen die
erste amtliche Bestätigung der Gottscheer
Tragödie." Der Schauplatz der
Hornwald-Tragödie: Merkwürdigerweise schien es für die
Durchführung des Massakers selbst keine
einheitlichen Befehle gegeben zu haben. Einheitlich
war nur die Beschaffenheit der Massengräber:
tiefe, breite Naturschächte. Die Prozedur der
Henkerarbeit aber hatte man den verschiedenen
Kommandanten überlassen. Bei einer Grube
mußten die Delinquenten in Hockstellung an
deren Rande die tödlichen Schüsse
erwarten, anderswo wurden sie stehend erschossen.
In einem Fall hatte ein Henker-Capo einen
besonderen Einfall: Eine Gruppe wurde gefesselt
zusammengebunden, daß sie sich als Klumpen
nur mit ganz kleinen Schritten zum Rand der Grube
begeben konnte. Dort angelangt, ratterten die
Maschinenpistolen, die zusammengebundene Schar fiel
wie ein Klotz in die Tiefe. Glück hatten
diejenigen, die bei diesem letzten Gang schon
ohnmächtig waren. Das war nämlich eine einheitliche
Maßnahme. Die Folter vor der Hinrichtung. Die
Art war verschieden. Die einen mußten mit
nacktem Oberkörper Spießrutenlaufen,
wobei die Partisanen mit Knüppeln auf sie
einschlugen. Ohnmächtige mußten dann von
den Todeskandidaten mitgeschleppt werden. Leute,
die Goldzähne trugen, wurden erschlagen und
dann gesondert in den Schacht geworfen. Einer, dem
durch Zusammentreffen glücklicher
Umstände auf geradezu unwahrscheinliche Weise
die Flucht gelang, berichtet: "Wir sahen die Grube.
Die Hände wurden uns mit Draht an den
Rücken gebunden. Die Kameraden mußten an
den Rand des Schachtes treten, und dann knallte es.
Es war wie auf dem Schießstand.
Merkwürdigerweise lag da ein Berg von
Rosenkränzen und Medaillons. Die Partisanen
sahen aus wie Metzger. Ich glaube, das war am 2.
Juni 1945, sehr früh am Morgen. Wir in den
hinteren Reihen mußten zusehen, wie Rotte an
Rotte an den Rand des Massengrabes trat und dann
mit den Kugeln im Nacken und im Rücken in die
Tiefe fiel. Als ich dran war, brach ich fünf
Meter vor der Grube aus, sprang den mit gesenktem
Lauf dastehenden Posten an und stürmte in den
Wald. "Faß ihn", hörte ich noch den
Schrei eines Serben hinter mir. Sorglosigkeit in
der Postenkette der Schlächterkommandos hatte
diesem Mutigen zur Flucht verholfen. Er dürfte
sicher der Letzte gewesen sein, der sich auf diese
Weise der Vernichtung entziehen konnte. Bericht von Vladislav Musa in der Schrift
"Die kroatische Frage" Auszug aus der vom "Instituto
croata-latino-americano" in Buenos Aires
herausgegebenen Abhandlung "La tragedia de
Bleiburg" Nikolai Tolstoy (Enkel des russischen Dichters
Leo Tolstoi) gibt in seinem Buch "Celovska zaroto"
(Klagenfurter Verschwörung) eine
ausführliche Darstellung der Auslieferung der
Kroaten, Serben usw. durch die Briten an die
Titopartisanen und die anschließenden
Massenmorde. Augenzeugenbericht von Nicola Pavelic: Aber nach kurzer Fahrt hielten sie in
Unterdrauburg (Dravograd). Wieviele Männer,
Frauen und Kinder in diesen Tagen bei Bleiburg und
Unterdrauburg ermordet wurden, vermag niemand
zuverlässig zu klären. Es waren mehrere
hunderttausend. Wer dem "Schlachtfest"
zunächst entkam - vielleicht 100.000 - wurde
in verschiedene Kolonnen gruppiert zum Todesmarsch.
Nicola Pavelic gehörte einer Kolonne an, die
in Richtung Marburg getrieben wurde. Laufen
über holprige Strecken im Sprinttempo. Die
Partisanen ritten nebenher. Waffen im Anschlag.
Schüsse dann und dort, willkürlich nach
irgendwelchen Launen. Flüchtlinge, die
zurückblieben, zusammenbrachen, auszuscheren
versuchten, wurden ohne Vorwarnung erschossen. Ustascha-Offiziere, durch ein großes U auf
ihrem Regenmantel kenntlich gemacht, wurden bei
Maribor ausgesondert und erschossen. Nicola Pavelic
riß sich in einem unbewachten Moment den
Mantel vom Leib, warf ihn fort, konnte bei den
Soldaten bleiben. Nur noch acht seiner Leute
lebten. Nach Marburg postierten sich zwei
kommunistische Politkommissare an den
Straßenrand und zählten ab. Jeden
zehnten Gefangenen erschossen sie. Nicola Pavelic
verlangsamte sein Tempo, wurde Nummer drei,
überlebte. Mehr als 300 Mann starben. Kein Essen, kein Trinken. Wer aus einer
Pfütze, einem Bach, einem Brunnen eine
Handvoll Wasser zu schöpfen versuchte, wurde
erschossen. Szenen der Mordlust: Eine junge,
schöne Intellektuelle in der Uniform der
kroatischen Frauenorganisation wurde von zwei
Partisanen in den Unterleib geschlagen, ihre
Brüste wurden zerdrückt, zerfetzt. Die
Männer genossen das langsame Sterben, eine
Viertelstunde oder länger. Nicola Pavelic
mußte zusehen, mit geballten Fäusten in
den Jackentaschen. Nach sieben Marschtagen und drei im Halbschlaf
durchmarschierten Nächten: In dem kroatischen
Kutina standen zehn oder mehr Pferdewagen, voll
beladen mit Brot. Katholische Schwestern riskierten
selbst erschossen zu werden und warfen das Brot zu
den Gefangenen. Nicola Pavelic fing ein Stück
auf, etwa ein halbes Pfund, sein erstes Essen seit
Bleiburg, er verschlang es hastig, seine Beine und
Füße rannten weiter. Etwa hundert
Kilometer Tagesleistung. Die Kolonne erreichte am
Abend das kroatische Städtchen Bjelovar. Halt
auf dem Marktplatz. 400 kroatische Soldaten. So
ging es weiter Tag für Tag, Nacht für
Nacht bis zum August. Dann machte eine Amnestie dem
Töten ein Ende. Aber das Sterben setzte sich
in der Zwangsarbeit fort, die dem Todesmarsch
folgte. |