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V. SLOWENIEN

1. Untersteirer und Gottscheer erlebten ein grausames Schicksal

Das Schicksal der Untersteirer und der Gottscheer hängt insofern zusammen, als die Gottscheer - wie später dargelegt wird - im Jahre 1941 aus ihrer Heimat evakuiert und in der Untersteiermark in der Gegend von Rann angesiedelt wurden. Abgesehen von den "heimischen" Partisanen, wie z.B. dem "Pohorski Bataljon" (Bachern-Bataillon), die seit dem Jahre 1942 "tätig" waren, erreichte das Gros der Partisanen die Untersteiermark und das Gottscheer Gebiet erst im Mai 1945. Obwohl deren Blutrausch, wie er sich den Donauschwaben gegenüber ausgetobt hatte, schon im Abflauen war, flackerte er hier nochmals mit aller Vehemenz auf. Die zur Durchführung von Massenerschießungen von dem Stellvertreter Titos, Rankovic, eigens aufgestellte und darin geschulte Organisation von Mordtrupps machte auch hier ganze Arbeit. Immer wieder holten sie sich ihre Opfer in großen Gruppen aus dem Sternthaler Lager. Auch im Lager selbst wurden wiederholt große Gruppen erschlagen, gefoltert und mit Genickschuß getötet.

a) Untersteiermark
Laut einem Bericht des Hilfsvereins der Untersteirer in Graz vom Juni 1985 wurden rund 6.000 Deutsch-Untersteirer - 20 % der Volksgruppe - erschossen oder gingen in den Konzentrationslagern und Gefängnissen an Hunger, Ruhr und Typhus zugrunde. Kaum ein Kind unter drei Jahren überlebte diese grausamen Lager. Im "Totenbuch der Deutschuntersteirer" ist in bewundernswerter Kleinarbeit von fast 4.600 Namen der Ort der Liquidierung, ob erschossen, in Gefängnissen oder Vernichtungslagern, aufgezeigt. Im Abstaller Becken - es liegt im Nordosten der Untersteiermark - verhafteten die Partisanen in den Ortschaften Abstall, Haseldorf, Sögersdorf, Schirdorf u.a. am 13. und 14. Mai 1946 fast alle Männer. Ein großer Teil wurde nach Marburg gebracht und dort erschossen.

In Marburg wurden am 1. und 13. Mai mehrere tausend Menschen, darunter Kriegsgefangene, im Südosten der Stadt, meist in den Panzerabwehrgräben in der Gegend von Kötsch, erschossen. Im Juni wurden aus dem Marburger Gerichtsgefängnis wiederholt größere Gruppen weggeführt und erschossen. So wurde Anfang Juni eine Gruppe zum Schloß Gutenhag bei St. Leonhard gebracht und liquidiert, kurze Zeit später 35 Männer im Bacherngebirge. Am 12. Juni wurden etwa 250 deutsche Männer in Marburg selbst erschossen und im Walde bei Windischfeistritz verscharrt. Am 8. Januar 1946 wurden 50 Männer und Frauen aus den Konzentrationslagern Tresternitz und Brunndorf (Studenci) in einem verlassenen Bunker außerhalb Marburgs getötet, am 12. Januar 250 Personen aus der Strafanstalt von Marburg in der Gegend von St. Heinrich am Bachern erschossen.

In Cilli hielten die Partisanen am 10. Mai Jagd auf die angesehensten deutschen Männer, kurze Zeit später auch auf Frauen. Diejenigen, die nicht gleich liquidiert wurden, kamen in das Gerichtsgefängnis. Eine besonders große Gruppe wurde aus dem Gefängnis am 24. Mai weggeführt und in dem Walde Koschnitz bei Cilli liquidiert. Einige Zeit später wurde eine ähnliche Massenliquidierung in unmittelbarer Nähe der Stadt vorgenommen. In Gobonitz haben die Partisanen in einem nahegelegenen Wald an einem Tage 40 Männer erschossen und die Frauen im Gerichtsgefängnis eingesperrt. Am 25. Mai führten sie die Frauen in den Wald Lisica und metzelten sie dort nieder.

In Windischgraz und in den Ortschaften im Misslingtal fingen die Partisanen die einheimischen Deutschen ebenfalls schon im Mai ein und führten sie in größeren Gruppen weg und liquidierten sie vor Wöllan. Die 8.000 Personen zählende Belegschaft des Lagers in Tüchern haben die Partisanen in wenigen Wochen durch Massenerschießungen auf 50 reduziert. Ganze Gruppen (insgesamt etwa 2.000 Personen) wurden in dem nahegelegenen Walde erschlagen, ebenso in den Panzerabwehrgräben bei Rann und in einer Schlucht im Hornwald bei Gottschee. Immer wieder wurden aber auch in übrigen Teilen des Landes Gruppen von Menschen in diese Schlucht getrieben und erschossen.

Sie dürfte neben den Panzerabwehrgräben bei Rann und neben der "Hudajama" das drittgrößte Massengrab des Deutschtums Sloweniens sein. Die Panzerabwehrgräben bei Rann sind zum größten Massengrab des Deutschtums Sloweniens geworden. Hierher wurden nebst 10.000 deutschen Kriegsgefangenen immer wieder auch deutsche Menschen aus der ganzen Untersteiermark in großen Gruppen geschafft und niedergemetzelt. Ein Teil der deutschen Bevölkerung von Rann und der in dem Gerichtsgefängnis von Rann eingesperrten Deutschen aus den übrigen Teilen Sloweniens wurde auch in dem Walde bei Brückel (Mostec) erschossen und die Leichen in die Sawe geworfen. Auch aus Cilli und verschiedenen anderen Lagern wurden ganze Gruppen hierhergeschafft und liquidiert.

Am 18. Mai wurden 1.000 Heimkehrer, vorwiegend Banater -72 waren allein aus Ernsthausen - aus einem Lager in der Nähe von Agram (Zagreb) nach Rann gebracht und in den Panzerabwehrgräben niedergemetzelt. Die grauenhafteste Richtstätte Sloweniens waren die alten und verlassenen Bergwerkstollen bei Tüffer (Lasko), im Volksmunde "Hudajama" genannt. Immer wieder wurden große Menschengruppen hierher gebracht, in die Stollen getrieben und getötet. Noch im Mai wurden große Gruppen von den im Cillier Gerichtsgefängnis internierten Deutschen der Stadt selbst und des ganzen Sanntales hier liquidiert. Der größte Teil der rund 8.000 Menschen zählenden Belegschaft des Konzentrationslagers in Tüchern fand hier den Tod. Fast täglich fuhren abends vollbeladene Lastkraftwagen aus dem Lager Tüchern zu diesen Stollen und kehrten leer zurück.

Zu den alten und verlassenen Stollen sind auch von weit entlegenen Gegenden, selbst aus Österreich, immer wieder Gruppen von Menschen gebracht und zum Teil auch noch lebendig eingemauert worden. Insbesondere soll dies der Fall bei all jenen gewesen sein, die bis zum 25. Juli von auswärts eingeliefert wurden. Es wird vermutet, daß auch die im Mai 1945 aus Kärnten verschleppten österreichischen Zivilpersonen in diesen Stollen ihr schreckliches Ende gefunden haben.

Im Sternthal errichteten die Partisanen für die Untersteirer und Gottscheer ein großes Internierungslager. Nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern auch aus den entlegeneren Städten (Pettau und Marburg u.a.) und aus dem ganzen Drautale brachten sie ununterbrochen deutsche Menschen hierher. Am 5. Juni 1945 allein eine vollbeladene Kolonne von 50 Lastkraftwagen. In dem Lager, in dem Platz für 2.500 Menschen gewesen wäre, waren bald 10.000 beisammen. Auch 800 Österreicher befanden sich darunter und etwa 400 Gottscheer. Die Männer mußten täglich schwere Zwangsarbeit verrichten. Die Verköstigung war schlecht. Gruppen von 18 Personen bekamen täglich 1 kg Brot und eine leere Suppe. Am 27. August waren schon gegen 1.200 verhungert. Im Oktober, als das Lager aufgelöst wurde, war die Zahl der Toten schon auf 3.000 gestiegen. Ungeziefer peinigte die Menschen, Typhus und Hungerödem hielten reiche Ernte. Folterungen waren auf der Tagesordnung. Viele wurden erschlagen und viele starben an den Folgen von Mißhandlungen. Kleinere Gruppen von Frauen und Kindern wurden über Aßlingen und Rosenbach nach Österreich geschafft, die durch die häufigen Massenerschießungen auf etwa 700 Personen reduzierte männliche Belegschaft über Ungarn nach Wiener-Neustadt in die russische Zone Österreichs abgeschoben.

Ein zweites großes Konzentrationslager bestand in Tüchern (Teharje) bei Cilli. Rund 2.000 Untersteirer aus der Umgebung von Cilli und 6.000 Kriegsgefangene waren die Belegschaft von 12 Baracken. Da die Baracken alle diese Menschen nicht aufnehmen konnten, mußten Tausende Tag und Nacht im Freien bleiben. Zu essen bekamen sie fast nichts, mißhandelt wurden sie ständig. Um sich die Arbeit zu erleichtern und mangels hinreichender Kräfte, wurden die Insassen oft angehalten, sich gegenseitig mit Brettern zu schlagen. Abends wurden immer Gruppen weggeführt und liquidiert. Nur 50 blieben am Leben. Die Deutschen von Gonobitz wurden zwischen dem 10. und 12. Mai verhaftet und, soweit sie nicht liquidiert wurden, in die Lager nach Tüchern und Sternthal gebracht.

Im Januar 1946 begann die große "Säuberungsaktion", das heißt alle vielleicht doch noch im Lande verbliebenen Deutschen - es waren fast durchwegs nur mehr Frauen und Kinder - wurden von den Partisanen festgenommen und an die österreichische oder ungarische Grenze abgeschoben, bzw. wenn dies nicht gelang, in Lager gesteckt. So wurden am 13. Januar 1946 im Abstaller Becken die noch dort verbliebenen Frauen und Kinder zusammengetrieben und in 43 Viehwaggons (3.000 Personen) an die ungarische Grenze gebracht. Der Transport wurde aber von den Russen nicht angenommen und kam wieder zurück. Volle 16 Tage ließen die Partisanen den Zug auf offener Strecke an der Grenze stehen. Während der Zeit bekamen die in den Waggons Eingeschlossenen nichts zu essen. Viele sind vor Hunger und Kälte gestorben.

Als der Transport nach Marburg gebracht wurde, blieb er dort 8 Tage auf dem Bahnhof stehen. Vom 14. Februar an wurden kleinere Gruppen nach Österreich geschafft. Der Rest kam nach Gams bei Marburg (Maribor) in das dortige Konzentrationslager im Priesterseminar und wurde am 3. März wieder an die österreichische Grenze gebracht. Auch diesmal übernahmen die britischen Besatzungsbehörden nur einen kleinen Teil. Der Rest wurde in kleinen Gruppen über die Grenze getrieben, viele aber auch in Konzentrationslager gebracht.

Aus den deutschen Märkten Hohenmauthen und Mahrenberg wurde die Bevölkerung am 14. Mai zusammengetrieben und zuerst im Gerichtsgefängnis in Mahrenberg interniert. Am 25. Mai kamen Teile in das Marburger Gerichtsgefängnis, in die Marburger Strafanstalt und in die Konzentrationslager Tresternitz und Sternthal. Sie sind meist dort auch zugrunde gegangen. Die in Cilli und Umgebung noch lebenden etwa 100 Frauen und Kinder wurden am 4. Januar 1946 nach Gams in das Konzentrationslager gebracht. Am 6. Januar brachte man sie an die ungarische Grenze und trieb sie auf ungarisches Territorium. Am Ende des Jahres 1946, erfaßte die Razzia auf Deutsche, noch etwa 400 Menschen. Sie sollten nach Österreich gebracht werden. Weil aber der Transport an der Grenze - obwohl sich auch österreichische Staatsbürger darunter befanden - nicht angenommen wurde, wurden sie in das Lager Tenje bei Esseg und Anfang 1947 in das Vernichtungslager Rudolfsgnad gebracht. Hier mußten sie das Schicksal der Donauschwaben teilen.

Erlebnisbericht eines nicht genannten Deutsch-Untersteirers in der Zeitschrift "Der Untersteirer" Nr.2/1986:
Die Zustände in den Gefängnissen von Cilli im Mai 1945 und eine "Kriegsgerichts"-Verhandlung im Juli 1945:
"Im Herbst 1941 war ich drei Monate interimistischer Führer der Wehrmannschaft bis 22. Januar 1942, als ich zum zweiten Mal zur Deutschen Wehrmacht einberufen wurde. Im Mai wurde ich bereits verwundet, ich kam aus Rußland in die Heimat, wo ich von nun an als Ausbilder und Dolmetscher Dienst machte. Am 1. Mai 1945 wurde ich in Rohitsch-Sauerbrunn operiert und nach wenigen Tagen ins Lazarett Neu-Cilli überstellt. Dort bekam ich drei Tage Heimaturlaub. Aber schon nach zwei Tagen wurde das Lazarett nach Judenburg verlegt, und ich blieb gehunfähig zurück. Am 12. Mai holten mich die Partisanen aus dem Bett, und ich kam mit vielen anderen, meistens Slowenen, in einen Gasthof, der in ein Gefängnis verwandelt wurde. Der eine Raum war so überfüllt, daß ich als einziger zu den Frauen kam. Bald darauf bekam ich die Ruhr. Ärztliche Betreuung gab es nicht. Meine Operationswunde begann mangels Hygiene zu eitern. In dieses Gefängnis wurde auch ein bekannter Hilfsgendarm eingeliefert, der so zugerichtet wurde, daß man ihn vorerst nicht erkannte. Nachts wurde er abgeholt und verschwand für immer. Nach einer Woche kam ich in einer anderen Ortschaft in einem Luftschutzbunker unter. Zum Essen bekamen wir kaum etwas. Wieder wurde eines Tages ein Mann hineingeprügelt. Dessen Gesicht war entstellt, auf dem Kopf hatte er eine klaffende Wunde, seine Kleider waren mit Blut getränkt, er war unansprechbar. Es war ein gewisser Turnschek aus Groß Pireschitz. Am selben Abend sind sie mit ihm verschwunden.

Am nächsten Tag holte mich ein gefürchteter Partisane, namens "Veselko" aus dem Bunker. Schon im ersten Gefängnis erfuhren wir, wie brutal er mit den Häftlingen umgeht. Er legte mir im Hausflur ein Protokoll vor, mit dem Befehl, es zu unterschreiben. Als ich es lesen wollte, gab er mir einen Stoß, daß ich zur Wand fiel und brüllte mich an, wenn ich nicht sofort unterschreibe, werde ich im Bunker verrecken. Ich wollte hinaus, mein Widerstand war längst gebrochen, ich unterschrieb. Von dort führte er mich in der selben Ortschaft in ein ebenerdiges Lokal, das auch schon voller Häftlinge war. In allen drei bisherigen Gefängnissen lagen wir auf dem blanken Boden. Da ich rasch durch Krankheit und Hunger abgemagert bin, war es für mich eine große Qual. Auch hier bekamen wir nur einmal am Tag ungenügend zu essen. Einige Häftlinge aus der Ortschaft bekamen um 4.00 Uhr früh von ihren Angehörigen heimlich zu essen, nachdem sie den Nachtaufseher bestochen hatten. Meine Cousine erfuhr dies, sie kam auch, aber sie wurde verjagt, mit der Drohung, sie wird eingesperrt, wenn sie sich noch einmal blicken läßt. Einige Tage später kam sie wirklich ins Gefängnis "Alter Häfen" nach Cilli. Mit einem rostigen Draht am Rücken gefesselt, wurde sie 30 km weit auf offenem Lastwagen stehend nach Cilli befördert. Der Draht scheuerte die Haut auf, was wochenlange Eiterungen hervorrief. Ende Mai wurden wir auf einen Lastwagen verladen und im Gefängnis in Cilli abgeliefert. Dort wurde uns alles abgenommen, was wir noch besaßen. Die Verhältnisse in den Zellen waren katastrophal. Mit nur 6 bis 8 Eisenbetten belegt, wurden bis zu 30 Häftlinge hineingepfercht, meistens Slowenen, alt und jung. Als WC diente eine alte Blechtrommel, es herrschte bestialischer Gestank, der durch Beimengung von Chlorkalk noch verschärft wurde. Schlafen konnten wir kaum, denn in den Bettgestellen, im Boden und unter dem herabfallenden Verputz befanden sich Legionen von Wanzen, die nachts über uns herfielen.

Zum Essen gab es morgens Tee - oder ein undefinierbares Getränk - und ein Stück Brot. Nachmittag bekamen wir fettloses Dörrgemüse, wir nannten es Drahtverhau, drinnen befanden sich Maden. Das war die ganze Verpflegung, wir alle wurden immer schwächer. Um Neuankömmlingen Platz zu schaffen, wurden nachts Transporte zusammengestellt mit unbekanntem Ziel. Wir dachten zuerst, sie kommen in ein Lager. Bald aber wurden wir stutzig, als die Häftlinge ihre Habseligkeiten, wie Decken, nicht mitnehmen durften. Auch mein Onkel wurde nachts abgeholt und verschwand für immer. Ebenso verschwunden sind meine 20jährige Cousine und ihr Mann.

Nachts hörten wir oft, vermutlich bei Verhören, erschütternde Schreie, die uns durch Mark und Bein gingen. Die Verhöre fanden hier auch tagsüber statt. Manche, die zum Verhör abgeholt wurden, kamen nicht mehr zurück. Bei den Verhören gefürchtet war eine Partisanin von der OZNA, die wurde "blutige Tanja" genannt. Einmal wurde bei uns ein blutjunges kroatisches Mädchen vorbeigeführt. Auf die Frage eines Grobians aus Greis, des Häftlingswärters Rojnik, wohin er die "Hexe" führt, erwiderte ihr Begleiter: "Unter die Dusche, sie stinkt wie ein Iltis". Darauf Rojnik: "Ertränke sie!"

Manchmal bekamen wir eine Brühe von Pferdefleisch, so konnten wir uns am Leben erhalten. In letzter Zeit wurde ich zum Essenausteilen in anderen Zellen eingesetzt. So kamen wir zu einer Zelle ohne Betten, wo acht zum Tode verurteilte Häftlinge saßen, am Boden, mit den am Rücken gefesselten Händen. In ihren Augen sah ich den Wahnsinn. Mich überkam das Grauen über diese mittelalterlichen Methoden. Dabei war auch der Friseur Paidasch und ein Einsatzbürgermeister. Als wir wieder die Eßnäpfe abholten, wurden sie wieder in Ketten gelegt und die Zelle verschlossen. Ich fürchtete mich jeden Tag vor diesem Anblick. Ich war schon völlig verdreckt, denn Wäschewechsel gab es keinen. Als längster Insasse der Zelle ging meine Wäsche in Fransen. Einmal wurden wir fotografiert, und es wurden uns Fingerabdrücke genommen.

Eines Tages im Juli wurde ich in einen Raum geführt, und ich stand vor einem Kriegsgericht. Der Richter in Partisanenuniform war ein gewisser Supan. Außer der Schreibkraft war vermutlich auch ein Staatsanwalt anwesend. Gesprochen hat nur der Richter. Auf der Stirnwand hingen große Bilder von Stalin und Tito. Nun wußte ich, wieviel es geschlagen hat. Neben mir standen auch als Angeklagte ein Grazer Richter aus Tüffer und ein junger Slowene. Es wurden alle drei Klageschriften verlesen. Zum ersten Mal erfuhr ich, wessen ich angeklagt bin. Verteidiger war keiner dort und ich selbst war zu apathisch, dem Prozeß zu folgen. Es lagen gegen mich vier schriftliche Zeugenaussagen vor, die verlesen wurden. Der Erste sagte aus, ich wurde von einer verbissenen deutschen Großmutter faschistisch erzogen, welche bereits 1940 verstorben ist. Sie war tatsächlich eine aufrechte Deutsche. Der Zweite sagte aus, ich hätte ihm mit der Aussiedlung gedroht, wenn er nicht in die Wehrmannschaft eintrete. Obwohl er aus meiner Ortschaft stammte, hatte ich mit diesem um 20 Jahre älteren Menschen keinen Kontakt, auch war er nicht in der Wehrmannschaft. Der Dritte sagte aus, ich wäre Mitglied des Deutschen Kulturbundes. Als Beweis diente ihm mein Wirtschaftsbuch, in dem ich die allmonatlichen Mitgliedsbeiträge eintrug. Ich war 20 km von Cilli entfernt, war nie Mitglied des Kulturbundes und hatte mit ihm keinen Kontakt. Wohl nahm ich als deutscher Staatsbürger zweimal jährlich an Erntedankfest und Weihnachtsfeier der Ausländerdeutschen in Cilli im Gasthaus "Auf der grünen Wiese" teil, wobei immer die jugoslawische Polizei zugegen war. Ich war auch Mitglied der Deutschen Arbeitsfront und habe die Monatsbeiträge in meinem Wirtschaftsbuch unter der Abkürzung "DAF" eingetragen. Der vierte Zeuge wußte zu berichten, ich wäre schon unter dem Königreich ein deutscher Agent gewesen, er hätte in meiner Wohnung einen hohen Orden vom Hitler vorgefunden. Dabei handelte es sich um das Ehrenkreuz der Deutschen Mutter in Gold, welches meine Mutter als älteste Tochter posthum für die Großmutter im Herbst 1941 in Empfang nahm. Ich wurde zu einem Jahr Zwangsarbeit, Vermögensentzug und Landesverweis verurteilt. Später erfuhr ich, daß ich nur deshalb nicht erschossen wurde, weil sich für mich ein einflußreicher Altkommunist und Geheimdienstoffizier einsetzte, der mich von Jugend auf kannte und von den Verleumdungen überzeugt war."

Erlebnisbericht von Klantschnik-Levin aus Schönstein in der Zeitschrift "Neuland", März 1963:
Die Untersteirische Bartholomäusnacht
"Ähnliche Massengräber wie in Gottschee gibt es im Raume aller ehemals deutschen Städte der Untersteiermark, denn sofort nach dem Einmarsch der Partisanen kam es zur sogenannten "Untersteirischen Bartholomäusnacht". Zurückgeblieben waren vor allem jene deutschen Familien, die sich in keiner Weise politisch betätigt oder exponiert hatten. Es waren Handwerkerfamilien, kleine Geschäftsleute und einige wenige Industrielle, die sich von ihren Unternehmen nicht trennen konnten. Die Listen der Opfer waren schon während des Krieges zusammengestellt worden und die Liquidierungskommandos traten in der Nacht des 13. Mai schlagartig in Aktion. Die meisten wurden am Goritzenberg bei Schönstein hingerichtet. Zu gleicher Zeit - es war das sogenannte gnadenlose Interregnum - wurden sämtliche Gefangene, unter denen sich Ustascha, Tschetniks, slowenische, deutsche und österreichische Soldaten befanden, auf dem Goritzenberg bei Schönstein erschossen. Über dem Massengrab wurden schon in den nächsten Tagen Tannen angepflanzt.

Fast gleichzeitig wurden bei Cilli und Teharje ausgedehnte Konzentrationslager angelegt, wo es ebenfalls täglich zu Hinrichtungen kam. Mir persönlich war einer der slowenischen Liquidatoren bekannt, der den Partisanennamen Blaz führte und der später infolge der Massenhinrichtungen, an denen er teilgenommen hatte, wahnsinnig wurde. Er war ein Unmensch, der sich offen rühmte, mit seinen eigenen Händen Tausende von harmlosen deutschen Bürgern in Teharje erwürgt zu haben.

Schloß Gutenbüchel bei Schönstein wurde erst vor kurzem, im Juni vergangenen Jahres, zu einem Sanatorium für "Partisanenhelden" ausgestattet, denn die Massenmorde und all die Scheußlichkeiten, die sie verübt hatten, sind selbst an diesen Unmenschen nicht spurlos vorübergegangen. 21 verdiente Partisanen werden derzeit vom sogenannten "Delirium Partisanicum" geheilt, einer Krankheit, die sich in sonderbaren Erscheinungen äußert. Allnächtlich sehen sich die Nationalhelden von Gespenstern verfolgt, die die Züge jener unglücklichen Menschen tragen, die sie vor 17 Jahren mit einer Brutalität ohnegleichen hingemordet hatten".

Erlebnisbericht von Karl Kühner aus St.Egydi:
Vernichtung der deutschen Ansiedlung in St. Egydi (nahe der jetzigen österreichischen Grenze)
"Gegen Ende des Krieges 1944/45 war die Partisanentätigkeit in St. Egydi und Umgebung besonders stark. Die Deutschen wurden ständig bedroht und waren verschiedenen Schikanen ausgesetzt. So mußte z.B. ein Ansiedler das Hitlerbild aufessen. Lebensmittel mußten an Partisanen geliefert werden, oder wurden geraubt. Jüngere Männer mußten abwechselnd bei anderen Deutschen nächtigen, sonst wären sie ausgehoben worden. Das war eine bittere Zeit. Anfang Januar 1945 waren noch 38 Ansiedler mit insgesamt 172 Personen auf ihren Höfen. (Der Vf. führt sie namentlich auf). Dann rückte die Front, von Ungarn kommend, näher. Ostern 1945 erfolgte auf Egydi und nähere Umgebung ein Tieffliegerangriff mit verheerenden Folgen. Man sah das nutzlose Durchhalten ein und so flüchtete der Großteil der Siedler mit Gespannwagen in die deutsche Steiermark, wo man in Heustadeln, Stallungen und Notunterkünften hauste. Die Zurückgebliebenen wurden, soweit sie nicht noch im letzten Moment flüchten konnten, von den Partisanen verschleppt. Man hat, trotz emsiger Nachforschungen durch das rote Kreuz nie mehr etwas von diesen Leuten erfahren können und es kann mit Sicherheit angenommen werden, daß alle umgebracht wurden. Damit war die deutsche Ansiedlung in St. Egydi mit einem Schlage vernichtet".

b) Gottschee
Nach der Eingliederung Unterkrains in das italienische Hoheitsgebiet wurden aufgrund eines deutsch-italienischen Abkommens zwecks ethnischer "Flurbereinigung" die Deutschen im Gottscheer Gebiet und in der Provinz Laibach (rund 15.000) vom November 1941 bis Februar 1942 umgesiedelt und zwar die Gottscheer in die Untersteiermark, die Laibacher nach Südkärnten und Oberkrain. Sie wurden dort auf den Höfen ausgesiedelter Slowenen angesiedelt. Die Gottscheer-Deutschen fanden bei den Partisanen ebenso wenig Gnade wie die Untersteirer. Sowie sie nicht liquidiert oder zu geringen Teilen nach Österreich abgeschoben wurden, wurden sie nach Sternthal und in andere Vernichtungslager gebracht.

Im November 1946 wurden alle noch in ihrer Heimat verbliebenen Deutschen in Gottschee zusammengetrieben und nach Agram (Zagreb) gebracht. Selbst diejenigen, welche sich in offener Gegnerschaft zum Nationalsozialismus gegen die Umsiedlung aufgelehnt hatten, fanden für ihr Verhalten keinerlei Anerkennung von seiten der Partisanen. Selbst in Rann - also außerhalb der Gottschee - wurden alle dort lebenden Gottscheer zusammengefangen und ebenfalls nach Agram gebracht. Von dort wurde versucht, sie über Subotitza nach Ungarn zu schaffen. Als diese Versuche alle mißlangen, wurden die Männer 1947 einem Transport von österreichischen Heimkehrern beigeschlossen und abgeschoben, die Frauen und Kinder weiter in Subotitza behalten und zu Zwangsarbeiten verwendet.

Ein bezeichnendes Licht auf die Rücksichtslosigkeit der Partisanen wirft der Bericht des Gottscheers K.R.:
Nach der vorübergehenden italienischen Besetzung fiel seine Heimat in die Gewalt der Partisanen. Zu diesen mußte er als Soldat einrücken, gegen die deutschen Truppen kämpfen und wurde schwer verwundet. Als Invalide kam er in seine Heimat zurück. Dort bewirtschaftete er nach dem Kriege seinen Hof. Dies konnte er bis zum Herbst 1946 tun. Im Sinne der AVNOJ-Beschlüsse wurde ihm von den Behörden ein Bescheid zugestellt, worin er verständigt wurde, daß sein ganzes Vermögen konfisziert sei. Er legte dagegen Berufung ein und wies darauf hin, daß er jugoslawischer Freiheitskämpfer gewesen und im Kampfe gegen Deutschland sogar Invalide geworden sei. Seine Beschwerde hatte darauf Erfolg. Die Vermögenskonfiskation wurde aufgehoben. Einen Tag später hielt jedoch ein Lastauto vor seinem Hause. Organe der OZNA forderten ihn auf, den Wagen zu besteigen, denn er werde als Deutscher ausgesiedelt. Er mußte alles stehen lassen. Er wurde ebenso wie die anderen Gottscheer nach Agram ins Lager geführt. Auch er kam nach Subotitza und mußte dort im Jahre 1947 mit den anderen Gottscheer Männern den Heimkehrzug besteigen. Die Zahl der ermordeten Gottscheer wird auf 1.000 geschätzt. Auch sie starben nach dem Motto, das im Refrain eines Partisanenliedes ausgedrückt wird: "Nur über deutsche Leichen geht unser freier Schritt".

Erlebnisbericht des Gottscheers K.R.:
Hungernd im Fußmarsch auf der Flucht in die Freiheit
"Als zu Beginn des Jahres 1945 die Kriegslage für Deutschland immer aussichtsloser wurde, erhielten die Deutschen aus der Gottschee in ihrem untersteirischen Ansiedlungsgebiet den Befehl, mit Pferde- und Ochsenwagen zur Flucht in das Innere Deutschlands aufzubrechen. Als sich die ersten Kolonnen in Bewegung setzten, war es bereits viel zu spät. Die Straßen waren verstopft von zurückflutenden Einheiten der deutschen Armee, Wagen und Gespanne blieben stecken, sie wurden von Tieffliegern beschossen, die Eisenbahnen funktionierten nicht mehr. Zusammen mit alten Leuten und Frauen mit ihren kleinen Kindern versuchten wir daraufhin, gruppenweise zu Fuß nach Österreich zu gelangen. In Krainburg (Kranj) wurden wir festgenommen und in einem Barackenlager interniert. Zu essen bekamen wir nichts. Nach Tagen erhielten wir den Befehl zum Abmarsch. Als Begleitung wurden uns einige Partisanen auf Pferden zugeteilt. Die Kolonne bestand aus rund 1.200 Gottscheern und 200 Personen anderer Nationalität. Mit leerem Magen traten wir unseren Fußmarsch an und wußten nicht, wohin es ging. Wir hatten Geld, aber es gab dafür nichts zu kaufen. In einzelnen Fällen konnten wir durch Betteln bei der ansässigen Bevölkerung entlang der Straße etwas bekommen, die uns aus Mitleid zu essen gab. Während des Marsches raubten uns Partisanen aus. Gegen Abend kam dann noch ein kleiner Transport unserer Landsleute dort an, die noch einige Pferdegespanne hatten. Es wurde ihnen alles abgenommen, bis auf geringes Mitgepäck. Am darauffolgenden Tag kam der Befehl für den Abmarsch nach Österreich. Aus der Marschkolonne wurden zuvor alle Männer zwischen 18 und 40 Jahren herausgeholt. Sie mußten zurückbleiben. Alle anderen setzten zu einem mehrtägigen Marsch an, ohne Nahrung, bis wir in Lavamünd österreichischen Boden betraten".

2. Auch die volksbewußten Kroaten, Slowenen und Serben fielen nach Kriegsende der grausamen Vernichtung durch die Tito-Partisanen zum Opfer

Im Gegensatz zu den Titopartisanen standen, bzw. kämpften gegen sie: Die serbischen Tschetniks unter General Mihalovic waren königstreue Partisanen, die zunächst gegen die deutsche Besatzung, zuletzt aber mit ihr gegen die Tito-Partisanen kämpften.

Die slowenische "Weiße Garde" (Bela garda) bzw. die Domobranzen (Heimwehr) unter General Rupnik taten desgleichen. Die Ustascha war eine kroatische Parteiformation, bei der vor allem der nationale Gegensatz zu den Serben eine Rolle spielte. Das Heer des Unabhängigen Staates Kroatien kämpfte an der Seite der Deutschen Wehrmacht gegen die Titopartisanen. Als die Angehörigen dieser Formationen im Mai 1945 nach Österreich und zwar nach Kärnten flüchteten, nahmen sie auch ihre Frauen und Kinder mit. Aus diesem Grunde soll hier über ihr furchtbares Ende berichtet werden. Der britische Residenzminister beim anglo-amerikanischen Hauptquartier für den Mittelmeerraum, Harold Macmillan, entschied - im Gegensatz zu seiner Regierung - am 13. Mai 1945, über 50.000 Kosaken mit ihren Popen und Familien und 23.000 Slowenen, Kroaten und Serben, die vor den Titopartisanen geflüchtet waren, sowie 128 Kärntner Zivilisten an diese auszuliefern. Er hat unzweifelhaft gewußt, daß diese Auslieferung für die Betroffenen den sicheren Tod bedeutete.

Hierzu ein Auszug aus der Dokumentation von Lorenz Mack in der Grazer "Kleinen Zeitung" April - Mai 1987 "Im Schatten des Friedens":
Es könnte sein, daß die Engländer die Flüchtlinge gerade zum Tausch für Titos Rückzug aus dem umstrittenen Gebiet in Kärnten zurückgaben. Der amerikanische Professor Thomas Barker von der New Yorker staatlichen Universität in Albany sagt in seinem neuen Buch "The Slovene Minority in Carinthia" ("die slowenische Minderheit in Kärnten") klar, daß die Auslieferung der Flüchtlinge der Preis für die Abberufung der titoistischen Partisanen aus Kärnten war. Die Flüchtlinge waren in einem riesigen Lager unter der Aufsicht des Kommandos des V. englischen Korps in Viktring bei Klagenfurt untergebracht.

In der dritten Woche des Mai erhielten die Kommandanten der britischen Wachen dieses Lagers einen vertraulichen Auftrag, daß die Flüchtlinge, die sich unter ihrer Bewachung befanden, zurück nach Jugoslawien zu deportieren seien. Hätten die Lagerinsassen von diesem Beschluß erfahren, wäre es schwer gewesen, ihren Widerstand gegen diesen zu ersticken. Deshalb wurden Anweisungen gegeben, daß es erforderlich sei, die Flüchtlinge mit einer List zu den Transporten zu locken. In genügend Fällen wurde ihnen das Ehrenwort englischer Offiziere gegeben, daß man sie an einen "sicheren Ort" in Italien bringen wolle. Davon zeugt unter anderem eine grimmige Eintragung des britischen Obersten Rose-Pricea in seinem Tagebuch am 19. Mai, die auch besagt, daß Titos Wachen schon in besonderen Waggons versteckt waren.

Lastkraftwagen brachten die nichts ahnenden Flüchtlinge zum Bahnhof von Maria Elend an der Seitenstrecke Klagenfurt-Rosenbach. Die Gefangenen waren ahnungslos und gehorsam in die wartenden Güterwaggons gestiegen. Die Lokomotive hatte keinerlei Kennzeichen, aber es war eine jugoslawische. Den Vertriebenen kamen die ersten Zweifel, wohin sie gebracht wurden, als es schon zu spät war. In Rosenbach schwenkte der Zug gegen den langen Tunnel unter den Bergen - nach Jugoslawien. Die brutale Bestätigung dafür, daß sie in Titos Händen seien, ereilte sie in Hrusice, der ersten Bahnstation, als sie die Finsternis des Tunnels verließen. Dort drangen bewaffnete Partisanen in die Waggons, in welchen sich die Offiziere (der Heimwehr und andere) befanden, zerrten sie ins Freie, wo sie geschlagen, in den nahen Wald geschleppt und dort erschossen wurden.

Das alles geschah mit Wissen des britischen Verbindungsoffiziers, der den Transport begleitete. Der Zug hielt kurz auch in den folgenden Stationen an, damit die zuschlagenden Soldaten die Waggons öffnen und töten konnten, wenn es ihnen gefiel, und die Gefangenen all ihrer Habe beraubten, sogar des Großteils ihrer Kleidung. Kruzifixe und andere Glaubenszeichen spieen sie an und schändeten sie. So blieb es, bis man in St. Veit, einer Vorstadt von Laibach anlangte. Dort wurden sie halbnackt unter Schmähungen in das große, befestigte Konzentrationslager um das ehemalige katholische Seminar (Institut des Heiligen Stanislaus) getrieben. Die Briten brachten in neuen Zügen Tausende der Unglücklichen, bis alle Stockwerke und die Flächen im Freien vollgestopft waren. Die große Mehrheit unter ihnen stellten die slowenischen Domobranci (Heimwehr) dar, die dem König Peter, dem noch immer anerkannten Verbündeten Großbritanniens und Chef der jugoslawischen Regierung im Exil in England, den Eid geschworen hatten.

Die Gefangenen verweilten vier Tage in diesem Konzentrationslager, ohne Nahrung und Wasser, Erniedrigungen und Roheiten ausgesetzt. Der schlimmste Auftritt hierbei war, als die sadistische Partisanin "Ela" einen Geistlichen nackt auszog und ihn durchpeitschte; sie hatte ihn bei einer heimlichen Meßfeier im Institut ertappt.

Aber all das war noch nichts im Vergleich zu dem, was ihnen die OZNA (die sich damals KNOJ-Korps der nationalen Verteidigung Jugoslawiens nannte) bereitete. Ihre von Tag zu Tag zahlreicheren Einheiten führten am 28. Mai die Gefangenen zur Bahnstation. Der erste Zug kam mit ihnen am nächsten Morgen in Gottschee an, wo man fast keinen Menschen sehen konnte. Die Männer überlief ein eisiger Schauer, als sie am Rand der Stadt - im Hornwald - eine neu geschlagene Waldlichtung erblickten. Rund um sie standen bewaffnete Partisanen. Den Unglücklichen wurden mit Telefondraht die Hände am Rücken zusammengebunden und zu zweit zusammengekettet. Man pferchte sie auf Lastwagen, stieß sie, beim Wald angekommen, hinab und trieb die Wankenden zur Lichtung. Die Maschinengewehre ratterten abgehackt. Die Lastwagen mit neuen Opfern kamen unaufhörlich an, und die Lichtung füllte sich mit Hunderten und mit Tausenden Körpern. Die Kommissare kletterten über die Haufen der eigenen Landsleute und schossen mit Pistolen jene nieder, die noch irgendwelche Zeichen des Lebens zeigten.

Jedoch die Morde in einem so riesigen Ausmaß, die der Zahl nach den ähnlichen schändlichen Fall im polnischen Katyn überschattete, konnte nicht ganz vollkommen erfolgen. Eine unbekannte Zahl halb Lebender konnte aus den Mordstätten entweichen. Ihre Zeugenaussagen ermöglicht es, diese Tragödie im Detail zu zeigen. Das Gemetzel an den Domobranci in Gottschee, sagt Nikolai Tolstoj in der Abhandlung "Verschwörung in Klagenfurt", war nur eines von vielen ähnlichen in Slowenien im Frühling des Jahres 1945. Die zurückgekehrten Slowenen und Serben trieben sie auch nach Unterdrauburg, Marburg, Pettau und metzelten 20.000 bis 30.000 von ihnen nieder. Für die Kroaten war das allerschlimmste Katyn Maribor (Marburg), wo man Tausende erschoß und 12.000 Männer, Frauen und Kinder in ein Massengrab warf. Von 200.000 kroatischen Flüchtlingen, die die Engländer vertrieben haben und die nach Jugoslawien zurückkehrten, endete der Großteil an den Mordstätten in Slowenien und bei Samobor in Kroatien.

Die Transporte mit den Heimwehrmännern gingen Ende Mai von Viktring in zweierlei Richtungen: nach Rosenbach und nach Bleiburg. Das Ziel jener aus Rosenbach waren der Hornwald (Kocevski Rog), in Poljanska dolina (ein entlegenes Tal südwestlich von Rudolfswert - an der Grenze zu Kroatien) und nach Podutik (in Laibach); aus Bleiburg aber hat man sie in die Wälder um Teharje (bei Cilli) und in die Gruben der Umgebung von Hrastnik (Trifail) gebracht. Nach den Erzählungen der Augenzeugen war der Weg der aus Bleiburg zurückgegebenen Heimwehrmänner bis zu den ersten Bahnhöfen ziemlich dem anderen ähnlich, den die Heimwehrmänner, die vor dem Karawankentunnel in Rosenbach übergeben wurden, gingen. Beschimpfungen, Beraubung, Prügelei, Hunger, Durst...

Über den Transport aus Bleiburg in Richtung Slovenj Gradec (Windischgraz) berichteten gerettete Heimwehrmänner und Zivilisten:
"In Windischgraz sperrte man uns in die Infanteriekaserne. Als wir ankamen, war sie schon voll mit Heimwehrmännern, auf den Gängen hielten sich an die 300 Zivilisten auf. In den Zimmern wurden wir wie Streichhölzer eingepfercht. In dem Raum, in den ich kam, befanden sich 120 Personen. Hier hielt man uns zweieinhalb Tage ohne jegliche Nahrung fest. Auch Wasser hat man uns nicht gegeben. In das Klosett durften wir nicht gehen."

Nach allen Zeugenaussagen war der Marsch durch Cilli nach Teharje eines der schrecklichsten Kapitel der Viktringer Tragödie.
Über diesen Kreuzweg in den Gassen von Cilli berichtet die Frau eines Offiziers der Heimwehr, die mit ihrem Mann gemeinsam mit den zivilen Flüchtlingen zurückgegeben wurde:
"Als der Zug in Cilli stehenblieb, stürmten Partisanen mit geladenen Gewehren auf uns zu. Von überall her hagelte es Schimpfworte. Viele traf ein harter Schlag auf den Kopf, über die Schulterblätter, wohin er eben fiel. Heimwehrmänner wälzten sich auf der Straße im Staub. Sie mußten die Erde küssen, mit dem Mund den Unrat, Zigarettenstummel, Mist, alles zusammen in den Straßengraben tragen. Danach fielen sie noch über uns Frauen her. Alle schrien sie auf uns ein: "Ihr weißen Säue, ihr seid Verräterinnen des eigenen Volkes! Wollt ihr auch in den Staub auf die Straße? Schlagt die Teufel!" Auch auf unsere Köpfe und Rücken sausten Schläge nieder, auch wir mußten schreien, wie unsere Männer und Burschen: "Wir sind Verräterinnen des slowenischen Volkes!"

Es ging gegen Nachmittag. Die Sonne brannte nieder. Wir waren ermattet, hungrig, durstig, aber nirgends ein Tropfen Wasser. Als wir an einem schmutzigen Bach vorbeizogen, ließen uns die roten Offiziere nicht zum Wasser. Aber zwei Partisanen erbarmten sich unser doch und brachten uns schmutziges Wasser. Schon vier Tage hatten wir nichts gegessen, aber sie zogen uns über die Straßen. Von Zeit zu Zeit mußten wir uns niederlegen und schreien: "Wir sind Verbrecher!" Während des ganzen Weges mußten wir die Lieder der Heimwehr singen, dabei haben sie uns unentwegt verprügelt. Das Leiden war so unerträglich, daß wir baten, man möge uns erschießen, weil wir nicht mehr weiterkonnten. Wie Tiere jagte man uns in Richtung Teharje. Überall standen Zivilisten, die uns verspotteten, auf uns spuckten. Die Soldaten waren noch roher. Sie schlugen auf uns mit Gewehren und Stangen ein, wie oft die Fleischer auf das Vieh einschlagen. Jene, die an den Seiten gingen, waren blutig von den Schlägen. Sie fielen wie Fliegen um. Die Begleitkommandos warteten nicht, bis jemand von den Unglücklichen wieder zu sich kam. Wer stürzte und nicht sofort aufstehen konnte, wurde an Ort und Stelle getötet. Die Erschlagenen lagen auf der Straße wie auseinandergeworfene Holzscheite."

Bericht von Klantschnik-Levin in der Zeitschrift "Neuland", März 1963:
Das Massengrab im Hornwald
"Bei der Katyn-Tragödie des polnischen Offizierskorps, die seit Jahren eines der großen Themen der Presse ist, kamen zirka 10.000 polnische Offiziere ums Leben, die ein Opfer der sowjetischen Großmachtpolitik wurden. In den Wäldern südöstlich von Gottschee, im sogenannten Hornwald (Kocevski rog), befindet sich ein Massengrab mit über 100.000 Opfern, die von den Tito-Partisanen auf grauenhafte Weise ermordet wurden.

An der Stelle, an der in den Karstmulden Zehntausende von Opfern in die Luft gesprengt wurden und ihre Überreste, mit Benzin übergossen, in Flammen aufgingen, ja selbst die Exekutionskommandos erschossen wurden, haben die neuen Machthaber große unterirdische Benzinmagazine, Waffen- und Munitionsfabriken angelegt und damit auch die letzten Spuren einstiger Greueltaten verwischt. Deutsche, Kroaten, Slowenen, königstreue Serben, Ungarn und Russen der Wlassow-Armee haben hier ihr gemeinsames Grab gefunden. Ich persönlich habe lange Zeit nach Zeugen dieser furchtbaren Greuel gesucht, ehe es mir im Jahre 1957 gelang, in dem benachbarten Ort Reifnitz (Ribnica) in Unterkrain einen Bauern ausfindig zu machen, dessen Sohn auch unter den Totgeweihten war. Durch die damalige Explosion wurde er über einen Baum in ein Gebüsch geschleudert. Dem Burschen gelang es, sich in einem dreitägigen Fußmarsch bis zu seinem Vater durchzuschlagen, der ihn dann einige Wochen im Heu versteckt hielt, um seine Wunden auszuheilen. Einen Doktor wagte man nicht herbeizurufen und so erlag der Bursche später einer Blutvergiftung. Der Vater begrub ihn seinerzeit hinter dem Haus. Wie ich später erfuhr, wurden noch zwei weitere Fälle in der Umgebung von Reifnitz bekannt, die ebenfalls tragisch endeten. Die beiden der Liquidierung entkommenen Burschen wurden später verraten und durch die VDV (Staats-Sicherheits-Armee) hingerichtet. Wie der Vater des Jungen, dessen Grab an der Sonnseite des Vaterhauses liegt, erzählte, wurden die Opfer in Nachttransporten von Aßling (Jesenice) nach Gottschee gebracht, dort wie Vieh auswaggoniert, in UNRRA-Kraftwagen gepfercht und zu Zehntausenden in die Niederungen des Hornwaldes getrieben, die bereits unterminiert waren. Die dieserart mit Menschenmassen gefüllten Mulden wurden ringsum von Truppen mit Maschinengewehren umstellt und in die Luft gesprengt. Was zurückblieb, wurde mit Benzin übergossen und in Brand gesteckt. Später wurde die Stelle eingeebnet; bald danach begann man mit dem Bau der unterirdischen Magazine und Munitionsfabriken.

Als ich im Jahre 1953 bei der "Delavska ednotnost" in Laibach als Journalist tätig war, lud mich der derzeitige Generaldirektor der slowenischen Presse Rudi Janhuba zur Geburtstagsfeier seiner Frau ein, die aus meiner Heimatgemeinde Schönstein stammt. Damals äußerte sich Janhuba, der zusammen mit dem vor kurzem abgesetzten Landesparlamentspräsidenten von Slowenien, Miha Marinko, der älteste Liquidatorenchef des VDV-Kommandos war, in trunkenem Zustand: "Die Gottscheer Liquidierung haben wir beide - Miha Marinko und ich - radikal durchgeführt. Es war nicht zu unserem Nachteil. Mir brachte die Liquidierung des deutschen, ungarischen, slowenischen, serbischen, kroatischen und russischen Gesindels zunächst einen Diplomatenposten, später den Generaldirektorsposten in der slowenischen Presse, und Miha Marinko schwang sich als Generalsekretär der Slowenischen Kommunistischen Partei sogar zum slowenischen "roten Papst" auf." Auf der oben erwähnten Geburtstagsfeier im Hause Janhuba beachtete niemand außer mir das offenherzige Bekenntnis des Hausherrn, mir aber waren seine Worte sozusagen die erste amtliche Bestätigung der Gottscheer Tragödie."

Der Schauplatz der Hornwald-Tragödie:
Der Hornwald ist ein tief bewaldeter Höhenzug im Osten der einstigen, 600 Jahre alten deutschen Sprachinsel Gottschee, 75 km südlich von Laibach. Das Land ist heute entvölkert, in den Wäldern hausen die Bären.
In seinem Buch "Gottschee - Verlorene Heimat deutscher Waldbauem" schreibt Herbert Otterstädt:
"Bis zum Kriegsende und auch danach noch begannen die Slowenen und Partisanen aller Richtungen und Weltanschauungen, eigenes Gericht zu halten, zerstörten weiter und lieferten sich gegenseitig an Galgen und Messer. Etwa hunderttausend Slowenen kamen dabei um. Viele wurden der Kollaboration bezichtigt. Bei dieser Gelegenheit räumten die einen mit den anderen auf, und so mancher eingefleischte Hasser der Gottscheer fand ein vorzeitiges Ende. Der Hornwald spielte in jenen apokalyptischen Wochen eine grauenvolle Rolle. Tausende von Slowenen und auch Deutsche wurden auf Lastwagen, mit Draht aneinandergebunden, von überall her in den Hornwald transportiert und dort mit Maschinengewehren zusammengeschossen. Ein unendliches Massengrab tat sich auf, und lange Zeit wurde das Gebiet wegen seines pestilenzartigen Leichengeruchs gemieden. Bei Hohenegg und im Hinterland waren zwei große Konzentrationslager eingerichtet. Die Rinse rings um Gottschee wurde zeitweilig zum gefährlichen Typhusherd."

Merkwürdigerweise schien es für die Durchführung des Massakers selbst keine einheitlichen Befehle gegeben zu haben. Einheitlich war nur die Beschaffenheit der Massengräber: tiefe, breite Naturschächte. Die Prozedur der Henkerarbeit aber hatte man den verschiedenen Kommandanten überlassen. Bei einer Grube mußten die Delinquenten in Hockstellung an deren Rande die tödlichen Schüsse erwarten, anderswo wurden sie stehend erschossen. In einem Fall hatte ein Henker-Capo einen besonderen Einfall: Eine Gruppe wurde gefesselt zusammengebunden, daß sie sich als Klumpen nur mit ganz kleinen Schritten zum Rand der Grube begeben konnte. Dort angelangt, ratterten die Maschinenpistolen, die zusammengebundene Schar fiel wie ein Klotz in die Tiefe. Glück hatten diejenigen, die bei diesem letzten Gang schon ohnmächtig waren.

Das war nämlich eine einheitliche Maßnahme. Die Folter vor der Hinrichtung. Die Art war verschieden. Die einen mußten mit nacktem Oberkörper Spießrutenlaufen, wobei die Partisanen mit Knüppeln auf sie einschlugen. Ohnmächtige mußten dann von den Todeskandidaten mitgeschleppt werden. Leute, die Goldzähne trugen, wurden erschlagen und dann gesondert in den Schacht geworfen. Einer, dem durch Zusammentreffen glücklicher Umstände auf geradezu unwahrscheinliche Weise die Flucht gelang, berichtet: "Wir sahen die Grube. Die Hände wurden uns mit Draht an den Rücken gebunden. Die Kameraden mußten an den Rand des Schachtes treten, und dann knallte es. Es war wie auf dem Schießstand. Merkwürdigerweise lag da ein Berg von Rosenkränzen und Medaillons. Die Partisanen sahen aus wie Metzger. Ich glaube, das war am 2. Juni 1945, sehr früh am Morgen. Wir in den hinteren Reihen mußten zusehen, wie Rotte an Rotte an den Rand des Massengrabes trat und dann mit den Kugeln im Nacken und im Rücken in die Tiefe fiel. Als ich dran war, brach ich fünf Meter vor der Grube aus, sprang den mit gesenktem Lauf dastehenden Posten an und stürmte in den Wald. "Faß ihn", hörte ich noch den Schrei eines Serben hinter mir. Sorglosigkeit in der Postenkette der Schlächterkommandos hatte diesem Mutigen zur Flucht verholfen. Er dürfte sicher der Letzte gewesen sein, der sich auf diese Weise der Vernichtung entziehen konnte.

Bericht von Vladislav Musa in der Schrift "Die kroatische Frage"
Die Bleiburger Tragödie des kroatischen Volkes - Mai 1945
Noch gegen Ende des Zweiten Weltkrieges zogen sich über 100.000 kroatische Soldaten und mehrere Zehntausende der Zivilbevölkerung in Richtung Westen zurück, um dem Vormarsch der Kommunisten zu entgehen. Die Flüchtlinge hegten die Hoffnung, falls sie sich den Sieger-Alliierten ergeben sollten, daß man mit ihnen im Sinne der Genfer Konvention verfahren werde. Jedoch wurden sie - entgegen den internationalen Vereinbarungen - durch die Briten den Titopartisanen ausgeliefert und von diesen brutal ermordet. Nur ein geringer Teil machte den sogenannten "Kreuzweg" mit. Dies war ein Gewaltmarsch durch Slowenien und Kroatien nach Ostjugoslawien. Auf diesem Marsch sind viele tot zurückgeblieben, der Rest verblieb in zahlreichen Lagern, die von den Kommunisten zur "Umerziehung der Volksfeinde" gegründet wurden. Die meisten kroatischen Soldaten und Zivilisten wurden an der österreichisch-jugoslawischen Grenze, auf dem Bleiburger Felde liquidiert. Die Bleiburger Tragödie ist zweifellos die größte Katastrophe des kroatischen Volkes in seiner ganzen Geschichte und ist als das Massaker von Bleiburg in die Historie eingegangen.

Auszug aus der vom "Instituto croata-latino-americano" in Buenos Aires herausgegebenen Abhandlung "La tragedia de Bleiburg"
Im Jahre 1945 schlachteten die jugoslawischen Kommunisten 200.000 Kroaten ab, Soldaten und Zivilpersonen ohne Unterschied des Geschlechtes oder Alters. Damit wurde der Mord von Katyn noch weit in den Schatten gestellt, zumal die Gesamtbevölkerung Kroatiens 6 Millionen kaum überschritt. Milovan Djilas, der ehemalige Stellvertreter Titos, für den alle Gegner des Kommunismus und des jugoslawischen Vielvölkerstaates "tollwütige Hunde auf der untersten Stufe aller lebenden Wesen" waren, sagte: "Stellt keine Untersuchungen an, verliert nicht die Zeit, laßt Euch auf nichts mit ihnen ein... schlagt sie tot wie tolle Hunde ... Sie sind nicht Teilnehmer, sondern Verbrecher" Und im nachhinein: "Die kroatischen Soldaten mußten sterben, damit Jugoslawien leben konnte."

Nikolai Tolstoy (Enkel des russischen Dichters Leo Tolstoi) gibt in seinem Buch "Celovska zaroto" (Klagenfurter Verschwörung) eine ausführliche Darstellung der Auslieferung der Kroaten, Serben usw. durch die Briten an die Titopartisanen und die anschließenden Massenmorde.

Augenzeugenbericht von Nicola Pavelic:
Von den Briten in den Todesmarsch gelockt
In seinem Buch "Du sollst langsam sterben" schildert der einstige kroatische Leutnant als Augenzeuge, wie die Briten der sich ihnen ergebenen kroatischen Soldaten und Ustascha-Angehörigen, serbischen Tschetniks, slowenischen Domobranzen und Volksdeutschen mit Frauen und Kindern am 15. Mai 1945 von Bleiburg weg mit der Ankündigung in die Viehwaggons lockten, sie würden nach Wien gebracht.

Aber nach kurzer Fahrt hielten sie in Unterdrauburg (Dravograd). Wieviele Männer, Frauen und Kinder in diesen Tagen bei Bleiburg und Unterdrauburg ermordet wurden, vermag niemand zuverlässig zu klären. Es waren mehrere hunderttausend. Wer dem "Schlachtfest" zunächst entkam - vielleicht 100.000 - wurde in verschiedene Kolonnen gruppiert zum Todesmarsch. Nicola Pavelic gehörte einer Kolonne an, die in Richtung Marburg getrieben wurde. Laufen über holprige Strecken im Sprinttempo. Die Partisanen ritten nebenher. Waffen im Anschlag. Schüsse dann und dort, willkürlich nach irgendwelchen Launen. Flüchtlinge, die zurückblieben, zusammenbrachen, auszuscheren versuchten, wurden ohne Vorwarnung erschossen.

Ustascha-Offiziere, durch ein großes U auf ihrem Regenmantel kenntlich gemacht, wurden bei Maribor ausgesondert und erschossen. Nicola Pavelic riß sich in einem unbewachten Moment den Mantel vom Leib, warf ihn fort, konnte bei den Soldaten bleiben. Nur noch acht seiner Leute lebten. Nach Marburg postierten sich zwei kommunistische Politkommissare an den Straßenrand und zählten ab. Jeden zehnten Gefangenen erschossen sie. Nicola Pavelic verlangsamte sein Tempo, wurde Nummer drei, überlebte. Mehr als 300 Mann starben.

Kein Essen, kein Trinken. Wer aus einer Pfütze, einem Bach, einem Brunnen eine Handvoll Wasser zu schöpfen versuchte, wurde erschossen. Szenen der Mordlust: Eine junge, schöne Intellektuelle in der Uniform der kroatischen Frauenorganisation wurde von zwei Partisanen in den Unterleib geschlagen, ihre Brüste wurden zerdrückt, zerfetzt. Die Männer genossen das langsame Sterben, eine Viertelstunde oder länger. Nicola Pavelic mußte zusehen, mit geballten Fäusten in den Jackentaschen.

Nach sieben Marschtagen und drei im Halbschlaf durchmarschierten Nächten: In dem kroatischen Kutina standen zehn oder mehr Pferdewagen, voll beladen mit Brot. Katholische Schwestern riskierten selbst erschossen zu werden und warfen das Brot zu den Gefangenen. Nicola Pavelic fing ein Stück auf, etwa ein halbes Pfund, sein erstes Essen seit Bleiburg, er verschlang es hastig, seine Beine und Füße rannten weiter. Etwa hundert Kilometer Tagesleistung. Die Kolonne erreichte am Abend das kroatische Städtchen Bjelovar. Halt auf dem Marktplatz. 400 kroatische Soldaten. So ging es weiter Tag für Tag, Nacht für Nacht bis zum August. Dann machte eine Amnestie dem Töten ein Ende. Aber das Sterben setzte sich in der Zwangsarbeit fort, die dem Todesmarsch folgte.

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